Amytis ließ den Blick schweifen, während sie sich vorsichtig zwischen zwei dicht gedrängten Ständen hindurchschob. Die Luft war schwer vom Duft frisch gerösteter Pinienkerne und dem süßlich-scharfen Aroma fermentierten Fischs, das aus einem großen Amphorenhals neben einem Garküchenstand drang. Männer mit aufgekrempelten Tuniken verkauften frisches Brot – flache Laibe mit gekörnter Kruste – und schmale Streifen gepökelten Schweinebauchs, der in Tontöpfen eingelegt war.
Sie blieb vor einem Stand mit getrockneten Feigen und Datteln stehen. Der Händler, ein älterer Mann mit wettergegerbter Haut und einem leicht schiefen Lächeln, grinste, als sie zögernd eine Handvoll Feigen betrachtete.
„Süß wie die Mädchen aus Syrien,“ flötete er, wohl wissend, dass sie keine freie Frau war – ihre einfache Tunika, das Lederband und der zurückhaltende Blick verrieten es. Dennoch musterte er sie mit neugieriger Freundlichkeit. Amytis nickte nur knapp und hob die Hand, in der sie den Beutel trug. Vorsichtig zog sie eine der Münzen hervor und reichte sie ihm mit leicht gesenktem Blick.
Der Händler nahm die Münze, warf einen flüchtigen Blick darauf – doch dann hielt er inne. Er drehte sie zwischen Daumen und Zeigefinger, blinzelte, als würde er die Prägung genauer betrachten, und rieb sie kurz über die rauere Unterseite der Ladentheke. Amytis bemerkte das Zögern, ein schmaler Schatten flog über ihr Gesicht, doch sie sagte nichts. Vielleicht war es, weil die Münze noch so neu glänzte – viel heller als die üblichen, abgenutzten Denare, die sie bisher gesehen hatte.
„Hm... neu geprägt, was?“ murmelte der Händler mehr zu sich selbst. „Hatte gehört, dass der Senat über neue Stempel redet... oder war das nur Geschwätz beim Weinhändler?“
Er warf einen letzten prüfenden Blick auf die Münze, zuckte dann mit den Schultern und steckte sie ein. „Na gut. Hier. Drei Datteln dazu, weil du mir gefällst.“, sagte er mit einem Zwinkern und einem anzüglichen Blick auf ihre Oberweite.
Amytis verneigte sich leicht und nahm das zweifelhafte Geschenk ebenso wie das Kompliment an. „Gratias, domine.“
Mit dem kleinen Korb am Arm ging sie weiter, den süßen Duft der Feigen noch in der Nase. Sie dachte kurz über das Verhalten des Mannes nach – warum hatte er so lange geschaut? Lag es an der Münze oder an ihr selbst? Vielleicht glaubte er, sie habe sie gestohlen?
Aber sie war eine Sklavin. Was konnte sie schon wissen von echtem Geld, von Prägungen und Senatsbeschlüssen?
Also ging sie weiter. Ein paar Schritte entfernt entdeckte sie einen Stand mit Amphoren, versiegelt mit Wachs, aus denen ein kräftiger Duft nach italischem Wein aufstieg – genau das, was ihr Herr haben wollte.