Beiträge von Decima Lucilla

    Lucilla erwiedert die Umarmung lächelnd.


    "Ach, du weißt doch, wie es in Tarraco ist. Kaum sitze ich nicht in meinem Officium glauben die Kunden, sie könnten die Tabellarii von oben herab behandeln. Und wer darf es hinterher ausbaden, ich natürlich. Außerdem möchte ich Maior und Decius keine Gelegenheit geben, die Casa Decima Lucilla umzubenennen."


    Sie grinst schelmisch. "Huch, das wollte ich ja gar nicht erwähnen."

    Aus ihrem Cubiculum kommt Lucilla ins Atrium, um sich von allen zu verabschieden.


    Meridius wendet sich auf der anderen Seite gerade zum Gehen.


    "Bruder, warte! Ich komme, um mich zu verabschieden. Mein Schiff geht heute Abend von Ostia aus."

    Lucilla schaut auf ihr Gepäck. Irgendwie hatte es sich in Rom wieder verdreifacht. Sie seufzt und zuckt die Schultern, sie kann ja auch nichts dafür, dass die Märkte der Hauptstadt immer so verlockend sind.


    Sie blickt Ambrosius an, der ebenso staunend vor dem Berg steht. "Lass dir von Cicero helfen die Sachen nach Draußen zu bringen. Ich werde mich noch von allen verabschieden, dann können wir nach Ostia los."

    "Ich weiß leider auch nichts Genaueres, doch ich werde bei Gelegenheit einmal nachfragen."


    Lucilla lässt lächelnd eine weitere Traube in ihrem Mund verschwinden und blickt über die Terrase hin auf Rom. Die Sonne steht bereits tief im Westen und der Abend weht einen kühlen Wind herbei.


    "Auch wenn es mir nicht gefällt, doch wir sollten den Tag so langsam beenden. Wenn ich nicht vor Sonnenuntergang nach Hause komme, schickt Meridius wer weiß wen los, um mich zu suchen." Sie zwinkert Crassus zu und trinkt ihren Wein aus.

    "Ja... es ist eine gute Arbeit. Und Senator Avarus und Hungi, ähm... Senator Hungaricus sind gute Vorgesetzte. Wir Praefecti werden in die meisten Entscheidungen den Cursus Publicus betreffend mit einbezogen. Schade, dass Tiberia Livia nun in den Cursus Honorum wechselt. Ich habe immer gerne mit ihr zusammen gearbeitet. Ich frage mich, wer diese Aufgabe nun in Italia übernehmen wird."


    Zwischen einer Traube und einer weiteren kommt Lucilla der Gedanke, dass sie Avarus diesbezüglich vorschlagen könnte, dass er sich ja eher nach einem Ersatz für Hispania denn Italia umsehen könnte.

    Sie blickt ihn ein wenig wehmütig an. "Ich fürchte nicht. Ich muss noch ein paar Kleinigkeiten erledigen und dann muss ich schon wieder abreisen. Die Briefannahme und Austeilung läuft zwar auch ohne mich sehr gut, doch zum Monatswechsel stehen die ganzen administrativen Aufgaben an."


    Lucilla zieht die Schüssel Trauben etwas weiter zu sich herrüber und steckt sich gedankenverloren eine der süßen Früchte in den Mund.

    Eine kindliche Freude überkommt Lucilla und sie kichert leise. Dann widmet sie sich ausgiebig dem Lamm. Crassus hat nicht übertrieben, es schmeckt wirklich vorzüglich.


    Doch immer wieder schweifen ihre Gedanken zu ihrem Bruder ab. Ob er Crassus wirklich akzeptieren würde? Obwohl er wert darauf legt, nicht in die Ecke der traditionellen Patres Familias gestellt zu werden, die den besten Mann für ihre Familienmitglieder selbst aussuchen, hat er manchmal ein wenig überzogene Ansichten in dieser Hinsicht. Andererseits betont er immer wieder, dass er nur möchte, dass seine Schwestern glücklich sind und wenn es ihm ernst damit ist, dann würde er Crassus' Gesuch nicht ablehnen.


    Ein wenig verärgert über sich selbst schüttelt Lucilla den Kopf. Sie macht sich viel zu viele Gedanken. Immerhin geht es noch nichteinmal um eine Verlobung, sondern nur darum, sich sehen zu dürfen.


    Sie blickt zu Crassus und stellt sich vor, wie es wohl sein würde, jeden Tag mit ihm zu teilen. Eine äußerst angenehme Vorstellung, wie sie findet. Vor allem der Gedanke, dass er jeden Abend in der schicken Praetorianeruniform nach Hause kommen würde...


    Als ihr Teller leer ist, lehnt sie sich zurück und schaut Crassus lächelnd an. "Ich bin noch nicht einmal weg, und schon vermisse ich deine Gesellschaft. Hoffentlich heiraten Livianus und Aemilia bald, dann habe ich einen guten Grund wieder nach Rom zu reisen."

    "Aber nein, keine Konkurrenz. Die Praetoriner bewachen die Kaiserliche Familie und Meridius hat seine eigenen Methoden, seine Familie über... ähm... bewachen zu lassen."


    Schmunzelnd trinkt sie einen Schluck und schaut ihn dann unbeschwert an.


    "Und ich glaube kaum, dass er etwas dagegen hat. Ganz rational betrachtet bist du doch eine gute Partie. Praetorianer, ehemals in der Legio IX, eine ehrbare Familie. Und ein netter Kerl bist du auch noch." grinst sie breit. "Nein, ich wüsste wirklich nicht, was er an dir auszusetzen haben sollte. Er will ja nur das Beste für seine Schwestern, also wird er dich akzeptieren."

    Ich werde im Laufe des Nachmittages ins verlängerte Wochenende abfahren und bin frühestens Sonntag Abend, spätestens Montag Abend wieder da. Es kann sein, dass ich zwischendurch mal ins Netz komme, aber wahrscheinlich nicht oft.


    =)

    "Gut, dann machen wir das so."


    Die drei Frauen planschen noch etwas im Caldarium, unterhalten sich über dies und das, und verbringen noch einen angenehmen Nachmittag in den Thermen. Später trennen sich dann ihre Wege, nicht ohne die Bekräftigung, dass sie in Kontakt bleiben werden und jede einzelne das Notwendige tun wird.

    "Wenn das geht?" Ein Stein fällt ihr vom Herzen. Vielleicht würde es doch nicht so lange dauern, bis sie ihn wiedersehen könnte. "Ich meine, du hast doch sicher viel zu tun."


    Unbewusst greift sie an ihr Dekoltee und berührt die Kette, welche ihr Crassus am Morgen gekauft hatte.


    "Allerdings solltest du vorher mit Meridius sprechen. Auch wenn er in Rom ist, hat er in Tarraco seine Wachhunde." Sie grinst und denkt an den Sklaven Verus, der immer dann auftaucht, wenn man ihn gerade überhaupt nicht gebrauchen kann. Trotz seiner Versicherungen, dass er Schweigen könne wie ein Grab, glaubt Lucilla nicht daran, dass er auch vor seinem Herrn Schweigen bewahrt, wenn es Dinge betifft, die Meridius eigentlich nicht wissen sollte.

    Es ist zu verlockend. Doch seine Worte verbieten ihrem Stolz, zu nehmen, was er ihr anbietet.


    "Oh, Bruder, du musst auch immer der Sieger sein, oder? Du weißt genau, dass ich deine Sesterzen nicht nehmen werde, wenn du sie mit solchen Worten spickst. Den Stolz, den mir unsere Mutter vererbt hat, wirst du mir in Jahren nicht austreiben können und wenn du dich mit Großtante Drusilla gemeinsam auf den Kopf stellst. Nein, wenn du so von mir denkst, dann behalte deine Sesterzen oder gib sie der Mutter deines Sohnes."


    Sie schüttelt lächelnd den Kopf und verlässt das Zimmer.

    "Gedünstetes Lamm. Oh ja, das hört sich vorzüglich an. Das nehme ich auch. Huhn gibt es bei uns zuhause jetzt öfter, dieses Geflügel vermehrt sich ja schneller, als man schauen kann. Und den besten Fisch gibt es in Hispania."


    Sie lächelt. "Zumindest möchte ich das glauben, sonst kann ich dort zukünftig nicht mehr ohne Sehnsucht in eine Taverna gehen." Als ob sie dies je wieder könnte, mit dem Gedanken, dass Crassus hier in Rom wäre.


    Verträumt blickt sie ihn an. "Das war ein sehr schöner Tag heute, Crassus. Ich habe es sehr genossen, mit dir zusammen zu sein."

    Lucilla seufzt. "Ach Bruderherz, du machst dir viel mehr Sorgen, als nötig sind. Außerdem habe ich mir doch einen Sklaven gekauft. Ach so, ja, das hatte ich wohl noch gar nicht erzählt. Ambrosius. Er begleitet mich überall hin und passt schon auf, dass mir nichts passiert."


    Sie bemerkt, dass sie nun doch vom eigentlichen Thema abgekommen sind. Allerdings hatte Lucilla gesagt, was ihr wichtig ist und halbwegs erfahren, weswegen sie gekommen ist.


    "Nun gut, dann will ich dich nicht länger aufhalten." Sie steht auf und blickt ihn an. Jetzt noch schnell die Trumpfkarte ausspielen. "Dann werde ich wohl nun alleine mit Ambrosius einkaufen gehen müssen. Und mein eigenes hart verdientes Geld ausgeben. Einen Verehrer, der mir Geschenke kauft, darf ich mir ja nicht halten."

    Lucilla lehnt sich entspannt zurück und genießt die Atmosphäre der Taverna. Trotz der Tatsache, dass sie gut gefüllt ist, kommt man sich nicht erdrückt von der Masse vor. Um jeden Tisch ist genug Platz, um einen eigenständigen kleinen Raum um sich zu definieren.


    "Ich glaube, ich war einmal mit meiner Großtante hier. Aber ich könnte mich auch irren und wenn, ist es schon lange her. Wahrscheinlich hat der Küchenchef seitdem schon mehrmals gewechselt."


    Sie blickt Crassus lächelnd an. "Gibt es denn eine Spezialiät, die es sich zu essen lohnt?"

    Das, was sie sehen will, das würde sie eh die ganze Zeit neben sich haben, daher ist es ihr fast vollkommen gleich, wohin sie gehen.


    "Lass uns einfach ein wenig herumschlendern. Ich verlasse mich einfach mal darauf, dass du als Praetorianer mich nur in die sichersten Gegenden führen wirst."


    Sie setzen sich wieder in Bewegung und spazieren ins Gewirr der Straßen der ewigen Stadt davon.

    Vierzigtausend Sesterzen. Dies sind die Wort, welche Lucilla am deutlichsten von Meridius Rede im Sinn bleiben. Sie überlegt, wann er ihr das letzte mal etwas Schönes gekauft hat. Es könnte fast mit dem Eintreffen von Iulia zusammenfallen. Sie nimmt sich vor, am Ende des Gespräches auf jeden Fall ein wenig zu schmollen und ihm vorzuwerfen, dass sie nun Frusteinkaufen gehen müsste. Vielleicht würde er ja weich werden und ihr etwas spendieren.


    Sie seufzt, und das nicht nur, um ein schmollendes Ende vorzubereiten. "Ich weiß, dass Iulia sich nur um ihren Sohn sorgt. Und du weißt es und der Rest der Familie weiß es auch. Aber wissen es auch die, um deren öffentliche Meinung du dich immer so sorgst? Die, welche das Gerede verbreiten, welches du immer um jeden Preis vermeiden willst?"


    Fragend blickt Lucilla ihren Bruder an, und fährt dann fort.


    "Wenn du nie zulässt, dass mir etwas passiert, weißt du... dann passiert mir auch nie etwas. Dann werde ich als das von dieser Erde gehen, was ich jetzt bin. Die Schwester des großen Decimus Meridius. Nicht mehr und nicht weniger. Ich werde immer deine kleine Schwester bleiben, Meridius, aber ich möchte irgendwann auch die geliebte Frau von jemandem sein. Doch der Mann, den du gerne an meiner Seite wüsstest, dieser Mann existiert nicht. Er müsste schon Senator, Legatus Legionis, Legatus Augusti Pro Praetore, Rex Sacrorum und wenn möglich vielleichtauch noch der Caesar sein."

    Lucilla fährt unbeeindruckt dort fort, wo sie gerade stehengeblieben sind.


    "Oh ja, das wollte ich. Du machst dir Gedanken, was mir am Ruf der Familie liegt? Ich bitte dich, tu nicht so, als hätte ich mich noch nie darum gekümmert. Wenn du wüsstest, wie oft deine Stimme oder die von Tante Drusilla in meinem Kopf auftaucht, würdest du nicht so daherreden. Ihr habt mich geprägt, erzogen, gerade du, der du so viel erreicht und die Decima so weit nach oben gebracht hat. Ich hätte schon so viele Männer in so vielen Stadtparks treffen können..."


    Sie greift zu dem Becher und trinkt einen Schluck von dem verdünnten Wein. Wie nicht anders zu erwarten, ist es ein Familieneigener aus Hispania.


    "Und ganz, wie du es von mir erwartest, habe ich bereits über die Geschichte nachgedacht, Meridius. Länger als mir lieb ist. Und ich frage mich, wieso Iulia erst jetzt kommt. Sie ist eine Peregrina, Bruder, von ihrem Mann verstoßen, dem sie ein Kuckucksei untergejubelt hat. Sechzehn Jahre lang. Du warst damals ein Nichts, Meridius, wenn du dich noch erinnerst. Und nun, sieh dich an, Triumphator. Also ich würde jeden Mann stehen lassen und dich vom Fleck weg heiraten, wenn ich eine Peregrina und du nicht mein Bruder wärst."


    Trotz des Ernstes der Lage kann sich Lucilla diesen Seitenhieb und ein breites Grinsen nicht verkneifen. Dann jedoch blickt sie ihn ernst wieder an, als er mit dem Konter beginnt. Sie hatte gewusst, dass es irgendwann soweit kommen würde.


    "Verlässliche Quellen, sagst du? Ich sehe schon, du hast eine lange Unterredung mit Venus geführt, deren Tauben auf den Bäumen saßen und alles gesehen haben." Es ärgert Lucilla, dass die Worte ein wenig spizter ihren Mund verlassen, als sie es geplant hat.


    "Und über das Flanieren brauchst du dich nicht zu beschweren. Wäre ich verheiratet, könnte ich längst über die Märkte flanieren, mit wem ich wollte. Sieh mich doch an, bald bin ich eine alte Vettel, meine Haut wird runzlig werden und Falten werfen. Dann bleiben mir nur noch die Sklaven und bezahlte Eunuchen, die mit mir einkaufen. Willst du mir bis dahin jeden Spaß am Leben verderben? Und sag nicht, dass du darüber jetzt nicht reden willst, denn irgendwann musst du es tun. Es hat sich doch nichts geändert, ich sehe dich noch genau so selten, wie in der Zeit in der du in der Legio warst. Ich werde ebenfalls in den nächsten Tagen wieder nach Tarraco reisen und wer weiß, wann wir uns dann wieder sehen."