Lucilla fährt unbeeindruckt dort fort, wo sie gerade stehengeblieben sind.
"Oh ja, das wollte ich. Du machst dir Gedanken, was mir am Ruf der Familie liegt? Ich bitte dich, tu nicht so, als hätte ich mich noch nie darum gekümmert. Wenn du wüsstest, wie oft deine Stimme oder die von Tante Drusilla in meinem Kopf auftaucht, würdest du nicht so daherreden. Ihr habt mich geprägt, erzogen, gerade du, der du so viel erreicht und die Decima so weit nach oben gebracht hat. Ich hätte schon so viele Männer in so vielen Stadtparks treffen können..."
Sie greift zu dem Becher und trinkt einen Schluck von dem verdünnten Wein. Wie nicht anders zu erwarten, ist es ein Familieneigener aus Hispania.
"Und ganz, wie du es von mir erwartest, habe ich bereits über die Geschichte nachgedacht, Meridius. Länger als mir lieb ist. Und ich frage mich, wieso Iulia erst jetzt kommt. Sie ist eine Peregrina, Bruder, von ihrem Mann verstoßen, dem sie ein Kuckucksei untergejubelt hat. Sechzehn Jahre lang. Du warst damals ein Nichts, Meridius, wenn du dich noch erinnerst. Und nun, sieh dich an, Triumphator. Also ich würde jeden Mann stehen lassen und dich vom Fleck weg heiraten, wenn ich eine Peregrina und du nicht mein Bruder wärst."
Trotz des Ernstes der Lage kann sich Lucilla diesen Seitenhieb und ein breites Grinsen nicht verkneifen. Dann jedoch blickt sie ihn ernst wieder an, als er mit dem Konter beginnt. Sie hatte gewusst, dass es irgendwann soweit kommen würde.
"Verlässliche Quellen, sagst du? Ich sehe schon, du hast eine lange Unterredung mit Venus geführt, deren Tauben auf den Bäumen saßen und alles gesehen haben." Es ärgert Lucilla, dass die Worte ein wenig spizter ihren Mund verlassen, als sie es geplant hat.
"Und über das Flanieren brauchst du dich nicht zu beschweren. Wäre ich verheiratet, könnte ich längst über die Märkte flanieren, mit wem ich wollte. Sieh mich doch an, bald bin ich eine alte Vettel, meine Haut wird runzlig werden und Falten werfen. Dann bleiben mir nur noch die Sklaven und bezahlte Eunuchen, die mit mir einkaufen. Willst du mir bis dahin jeden Spaß am Leben verderben? Und sag nicht, dass du darüber jetzt nicht reden willst, denn irgendwann musst du es tun. Es hat sich doch nichts geändert, ich sehe dich noch genau so selten, wie in der Zeit in der du in der Legio warst. Ich werde ebenfalls in den nächsten Tagen wieder nach Tarraco reisen und wer weiß, wann wir uns dann wieder sehen."