Beiträge von Decima Lucilla

    Als Alessa aufschreit, legt Lucilla ihre Arme um sie und hält sie fest.


    "Nichts kann den Schmerz nehmen, Alessa. Nichts." Sie weiß selbst, dass Worte Alessa nun nicht helfen können und daher schweigt sie, schluchzt nur selbst leise mit. Sie hält Alessa im Arm um ihr zu zeigen, dass sie in ihrem Schmerz und ihrer Trauer nicht alleine ist.

    Als Lucilla ihr Officium betritt, fällt ihr als erstes auf, wie ordendlich alles ist. Sie nimmt hinter ihrem Schreibtisch Platz, auf welchem bereits ein kleiner Zustandsbericht von Vortex wartet. Sie überfliegt die Zeilen, legt die Stirn in Falten und schüttelt den Kopf.


    Dann beginnt sie den monatlichen Bericht über die Versandstücke zusammenzustellen. Ein Seufzen entkommt ihr, als sie sieht, wie wenig Post im vergangenen Monat vom Cursus Publicus Hispania befördert wurde. Hoffentlich würde Avarus nicht bald ihre Stelle streichen...


    Am Ende des kurzen Berichtes schickt Lucilla nach Iulia Venusia und übergibt ihr den Bericht.


    Monats-Bericht des CP HIS für den September


    Im Monat September wurden insgesamt 3 Versandstücke befördert. Diese gliedern sich wie folgt auf:


    - Normal-Brief: 0
    - Eilbrief: 3


    - ITA: 3
    - GER: 0
    - JWD: 0


    Quittungen wurden in diesem Monat keine ausgestellt. Einer der Eilbriefe war bereits in Italia bezahlt und quittiert worden.


    Gesamteinnahmen: 40 Sz.


    Decima Lucilla, PV HIS



    Anhang: Tabellarische Übersicht



    Tabellarische Übersicht zum Monats-Bericht September


    Mit hängendem Kopf und hängenden Schultern folgt Lucilla der Bahre inmitten der Gens Decima. Tränen fließen aus ihren Augen und verschleiern ihren Blick. Es ist unfassbar, dass sie schon wieder gemeinsam diesen Weg gehen, unfassbar, dass sie Gaius Proximus auf seinem Weg ins Elysium belgeiten. Unfassbar, dass sie nie wieder gemeinsam mit ihm im Triclinium sitzen, nie wieder gemeinsam mit ihm lachen, nie wieder gemeinsam feiern würden.

    Lucilla betritt den Raum, in welchem Alessa bei ihrem Bruder weilt. Als sie Proximus leblosen Körper auf der Bahre sieht, kann sie nicht länger an sich halten. Sie tritt an ihren Cousin heran, und wieder fließen ihr die Tränen ungehalten über die Wangen.


    "Oh, Alessa, es ist so ungerecht." schluchzt sie.

    "Darum haben sie ihn auch..." Lucilla stockt, als ihr bewusst, wird, wie sie den Satz beenden wollte. Sie schüttelt unmerklich den Kopf und wendet sich von Meridius ab. "Entschuldige." murmelt sie leiste und zieht dann an ihm vorbei zu Proximus Zimmer.

    Schweigend betritt Lucilla das Atrium, würdigt Gallus keinen Blickes. Dieses Haus, das Haus ihrer Kindheit, ihrer Erinnerungen, kommt ihr auf einmal so kalt vor. Was haben die Decima nur getan, dass die Götter ihnen so bald hintereinander zwei ihrer Mitglieder entreißen? Lucilla schüttelt traurig den Kopf und schnieft, bevor sie sich zu Proximus Zimmer wendet.

    Als Alessa ins Atrium tritt, eilt Lucilla auf ihre Cousine zu und umarmt sie. Sie kann nicht verhindern, dass die Tränen erneut über ihre Wangen fließen.


    Dann warten sie gemeinsam auf den Rest der Familie. So oft wie Lucilla auch bereits über das große Meer von Ostia nach Tarraco gereist ist, so schwer würde es ihr in diesem Fall fallen. Noch nie war sie so ungern in ihre Heimat aufgebrochen.


    Sim-Off:

    Und ebenfalls weg.

    "Nein, ich bin nicht soweit meinen Cousin zu Grabe zu tragen. Aber was bleibt mir schon anderes. Ich wäre niemals dazu bereit."


    Sie blickt sich im Atrium um. "Hast du es Alessa...?"

    Irgendwann taucht auch Lucilla wieder auf. Sie hat sich gewaschen und auf jegliche Schminke in ihrem Gesicht verzichtet, es würde doch alles von den Tränen abgewaschen werden. Lediglich ihre roten Augen hat sie versucht durch etwas Puder zu kaschieren. Über ihren Kopf hat sie ein feines Tuch gelegt, unter welchem sie sich am liebsten verstecken würde, und ihren Reisemantel hat sie bereits fest um sich geschlungen.


    Als sie ins Atrium tritt, wartet dort schon Meridius. Sie würde sich gerne in seine Arme flüchten, so wie früher, doch sie bleibt abwartend stehen. Meridius hat unter seinem Kommando schon so viele junge Männer verloren und Lucilla glaubt, dass ihn das gegenüber dem Tod abgehärtet hat.

    Mit sich und ihren Gedanken allein bleibt Lucilla im Atrium sitzen. In ihrem Kopf tauchen Bilder auf, Bilder aus ihrer Kindheit. Als Proximus Eleanora und ihr eine Pfeife aus einem Stück Holzrohr geschnitzt hatte. Als sie fast im Meer vor der Küste Tarracos untergegangen wäre, weil sie zu weit hineingelaufen war und plötzlich Proximus neben ihr auftauchte um sie wieder zum Strand zu bringen. Als sie nach Mutters Tod alle zusammen im Atrium saßen, eng aneinander, und Lucilla beschlossen hatte, dass sie keinen von ihren Brüdern, Schwestern, Cousins und Cousinen jemals gehen lassen würde.


    Nach einer Weile steht sie auf. Es kommt ihr so vor, als würde sie hunderte Säcke voll Sand auf ihren Schultern tragen. Notdürftig wischt sie sich die Tränen aus dem Gesicht und verlässt das Atrium.

    Lucilla hört ihm gar nicht richtig zu. Proximus. Sie kann es nicht fassen. Erst ihr Onkel und nun sein Sohn. Der kleine Proximus. Trotzig schaut sie zu Meridius auf.


    "Warum er? Warum er? Warum nicht er? Weil er ein Decima war? Weil Decima in der Legion nicht sterben können? Sie sind doch alle so jung, wenn sie zur Legion gehen. Alle sind sie so jung, wenn sie ihr Leben lassen!"


    Die Tränen fließen nun ungehemmt über ihre Wangen. Lucilla schlägt die Hände vors Gesicht und schluchzt. Es dauert, bis sie wieder mit tränengeröteten Augen zu Meridius aufsehen kann.


    "In ein paar Stunden. Von Ostia aus."

    Lucilla nimmt den Brief entgegen und liest ihn. Ihre Hände zittern, als er ihren Fingern entgleitet und zu Boden fällt.


    "Nein." flüstert sie leise. "Nein."


    Eiseskälte breitet sich in ihrem Körper aus. Lucilla hat das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen und ihr wird schwarz vor Augen. Mit einem erstickten Schluchzer lässt sie sich in einen der herumstehenden Korbsessel fallen.


    "Proximus... nein..." Sie schlägt die Hand vor den Mund, Tränen beginnen, aus ihren Augen zu fließen.

    Lucilla blickt ihn abwartend an, dass er seinen Satz zu Ende führen sollte. Doch ihr Bruder blickt sie nur an, alle Farbe ist aus seinem Gesicht gewichen.


    "Was ist denn los?" Ihre Stirn legt sich in Falten, als sie näher an Meridius herantritt. Es wäre zwar sehr untypisch für ihn, einfach umzukippen, doch gerade sieht er genau so aus, als würde er das jeden Moment tun.

    "Ach nichts." winkt Lucilla ab. "Ist nicht so wichtig. Mir würde es nur einfach besser gefallen, wenn der Imperator dich nicht irgendwo in die Weltgeschichte versetzen würde. Aber ich weiß ja, dass er noch die geringste Schuld daran trägt."

    "Ach, der Imperator..." Sie verschluckt die letzten Worte gerade noch rechtzeitig und schaut betreten zu Boden.


    "Na, wenn sie dich so dringend brauchen. Ich kann dich eh nicht halten. Aber du hast ja Recht." Sie seufzt ergeben. "Hauptsache, du kommst uns ab und zu besuchen."

    "Mhm..." Lucilla nimmt sich noch eine Traube und rollt diese zwischen Daumen und Zeigefinger.


    "Meinst du, sie haben auch schöne Märkte dort? Ich habe gehört, die Färber vollbringen wahre Wunderwerke mit ihren Stoffen. Also vielleicht könnte ich mich tatsächlich einmal erwärmen, dich dort zu besuchen, wenn du die Einheimischen vertrieben hast."


    Sie isst die Traube und schaut Meridius dann nachdenklich an. "Ach, ich vergaß, dann können sie ja auch keine Stoffe mehr färben. Schade, schade. Vielleicht solltest du den Frauen dort ihre Brüder und Männer lassen und wir behalten dich lieber hier?"

    Lucilla muss sich das Lachen verkneifen, bei dem spitzen Kommentar funktionniert es jedoch nicht.


    "Die Frau will ersteinmal geboren sein, die dich als Ehemann erträgt."


    Kichernd schnappt sie sich aus einer herumstehenden Schüssel eine Traube und lässt diese in ihrem Mund verschwinden.


    Der schelmische Blick verschwindet von ihrem Gesicht, als sie fortfährt. "Aber mal ehrlich. Ich fürchte, bevor du dich zur Ruhe setzt und Pferde züchtest, wirst du noch viele Legionäre marschieren lassen."

    "Ich dich auch, Bruderherz."


    Sie schaut ihn ernst an. "Was wirst du denn jetzt überhaupt machen? Willst du nicht irgendwann wieder nach Tarraco? Oder hast du schon wieder neue Pläne für die Zukunft?"