Beiträge von Decima Lucilla

    Lucilla nickt lächelnd und bedeuted ihm mit einem Wink ihr nach draußen zu folgen. Dort schaut sie ihn grinsend an. "Das war doch gar nicht so schwer, oder?"


    Wieder fährt ein Kribbeln durch ihren Körper und ihr Blick wird wie magisch von seinen Lippen angezogen. Wie sie sich wohl anfühlen, wie sie schmecken? Einen Augenblick ist sie versucht, vorzuschlagen, doch in den Stadtpark zu gehen, doch der in Rom würde sicher nicht so spärlich besucht, wie der in Tarraco sein.


    "Was machen wir jetzt?" Sie schaut sich um und winkt Ambrosius, der an einem schattigen Plätzchen vor dem Tempel auf sie gewartet hatte.

    "Aber lieber Bruder, Ovid bleibt Ovid, ob nun die Metamorphosen oder die Ars Amatoria." entgegnet sie gespielt entrüstet. "Und wenn du es genau wissen willst, es zählte zur Pflichtlektüre bei Tante Drusilla. Die Männer Roms lesen die Ars Amatoria und glauben dann zu wissen, wie sie eine Frau verführen können. Tante Drusilla legt großen Wert darauf, dass ihre Schützlinge diese Methoden kennen und sich entsprechend dagegen rüsten können."


    Lucilla blickt auf den Becher und schaut Meridius fragend an. "Möchtest du mich testen, oder hast du das Wasser vergessen?" Sie schiebt ihm den Becher entgegen.


    "Etwas vergessen hast du aber anscheinend wirklich. Alessa ist deine Cousine und ich bin dein Schwester. Wir sind dein Familie." Sie legt besonderes Gewicht auf das letzte Wort. "Und was du mit Sklavinnen treibst, das ist mir vollkommen egal, denn es sind nur Sklavinnen. Iulia dagegen ist keine Sklavin und sie gehört auch nicht zur Familie. Sie mag einmal in unserer Casa ein und aus geganen sein, doch das ist lange her. Und was du als Pater Familias tun und lassen solltest, das weißt du sicher selbst am besten. Doch bedenke, dass du gerade in dieser Position auch das Aushängeschild unserer Familie bist und deine Taten noch viel mehr auf uns zurückfallen, als die eines anderen Familienmitgliedes."

    Mit dem süßesten Schwesterchen-Lächeln, das Lucilla beherrscht, blickt sie ihren Bruder an. "Gerne, aber nur, wenn du auch etwas Wasser zum Verdünnen hast. Purer Wein schickt sich nicht für eine Dame."


    Sie lehnt sich zurück und mustert sein Gesicht. Das Spiele-Spielen beherrscht er perfekt wie alle Senatoren.


    "Nun, lass mich überlegen. Ich würde annehmen, dass ihr euch vielleicht der Dichtkunst widmet, wenn ihr alleine in deinem Cubiculum seid." Sie zuckt die Schultern. "Du warst ja schon immer ein begeisterter Leser von Ovid. Vielleicht interessiert sich auch Iulia für seine Ars Amatoria oder die Amores?"

    Lucilla tritt an den Opferaltar heran und blickt lächelnd zu Crassus. Er sieht wirklich aus, als würde er zum ersten mal in seinem leben Opfern. Sie rückt ein wenig näher an ihn heran und flüstert ihm beruhigend zu: "Du musst einfach nur sagen, was du dir von der Göttin erhoffst und dann dein Opfer darbringen. Du kannst es natürlich auch nur denken, Venus hört es in jedem Fall."


    Lucilla blickt wieder nach vorne und spricht dann leise zur Venus Felix. "Ich danke dir, Venus Felix, für das wundervolle Geschenk, welches du mir an die Seite gestellt hast. Auch wenn diese Gabe mein Glück niemals aufwiegen kann, so soll sie doch allein dir gehören."


    Mit einem glücklichen Lächeln auf den Lippen legt sie ihre Opfergabe auf den Altar und flüster noch ein leises "Danke." ehe sie ermunternd zu Crassus blickt.

    Lucilla schaut einen Augenblick lang suchend über den Schreibtisch. Doch es steht nichts darauf, was nicht nützlich wäre, ganz so, wie es ihrem Bruder ähnlich sieht. Ihm fehlt eindeutig der Sinn für Überflüssiges, aber Angenehmes, wie zum Beispiel eine Schüssel Trauben.


    Sie seufzt und schaut ihn an. "Das ist genau, worum es geht. Entschuldige, wenn ich ab und zu am Familienleben teilnehme. Du bist mein Bruder, Meridius, auch wenn du es vielleicht manchmal lieber vergessen willst."


    Sie grinst breit, auch wenn sie vor Neugier fast Platzt.


    "Also. Sagst du es mir, oder soll ich anfangen zu spekulieren und dir so lange auf die Nerven fallen, bis du es mir letztendlich doch sagst?"

    Lachend geht Lucilla auf den Tempel zu. "Dann wundert es mich ja gar nicht, dass du nicht längst verheiratet bist. Andererseits, das war ja dann wohl mein Glück."


    Sie zwinkert ihm zu und geht die Stufen zum Tempel hinauf. Im Inneren bleibt sie einen Moment andächtig stehen und wartet, bis Crassus zu ihr aufgeschlossen ist. "Wenn niemand vor uns ist, können wir direkt nach vorne. Für so ein kleines, alltägliches Opfer brauchen wir sicher keine Priesterin." flüstert sie ihm zu.

    Lucilla nickt dem Beamten, der das Arbeitszimmer verlässt, freundlich zu und spaziert dann in das Officium.


    "Salve Bruderherz, wie geht es dir? Hast du noch viel zu tun?" Lucilla bemüht sich um ein sorgloses Lächeln.


    Da sie jedoch genau weiß, dass wenn sie nicht anfängt, Meridius sie mit unzähligen Fragen sie selbst betreffend überschütten würde und sie so niemals zu ihren eigenen Fragen käme, kommt sie umgehend zum eigentlichen Thema, welches ihr auf der Seele brennt.


    "Sag mal, was ist eigentlich zwischen dir und Iulia Severa?" Sie setzt sich auf den freien Besucherstuhl an Meridius Schreibtisch.

    Lucilla schaut sich vor dem Gebäude um. Schon hier liegt ein süßer Duft nach Räucherungen in der Luft. "Warte, ich brauche noch ein Opfer."


    Sie ersteht bei einem Straßenhändler eine Opfergabe und dreht sich dann zu Crassus und lächelt ihn frech an. "Willst du nicht auch etwas opfern? Schaden kann es sicher nicht."

    Lucilla blickt ihn freudig erstaunt an und wird dann leicht rot.


    "Oh, das ist... ich... danke Crassus!" Am liebsten würde sie ihn umarmen, doch hier mitten auf dem Markt ist das natürlich nicht möglich. Ein andermal würde sich aber bestimmt die Gelegenheit ergeben. Ein Kribbeln breitet sich durch ihren Körper aus. Wenn Crassus ihr schon solch teure Geschenke macht, dann muss es ihm wirklich ernst sein.


    Mit stolz erhobenem Kopf, so dass auch alle, die ihnen entgegen kommen, die Kette bewundern können, tritt Lucilla wieder neben Crassus.


    "Wir sollten so langsam zum Tempel der Venus Felix. Ich glaube, meine Bitte an die Göttin hat sich zwar mittlerweile in ein 'Danke' verwandelt, aber ihr Geschenk möchte ich ihr trotzdem nicht vorenthalten."

    Lucilla kichert leise. "Das ist eine wundervolle Idee! So machen wir das."


    Es wird noch ein wenig herumgeflüstert, was und wie genau sie es machen wollen, dann lehnt sich Lucilla zurück und betrachtet ihre Zehen, die vor ihr aus dem Wasser ragen.


    "Damit haben wir dann wohl ersteinmal genug zu tun. Ach, ich bin froh, dass sich alles doch noch irgendwie gefügt hat. Aber was machen wir jetzt wegen der Societas? Sollten wir doch nochmal einen Brief an das Collegium schicken?"

    Mit gemischten Gefühlen tritt Lucilla vor das Arbeitszimmer ihres Bruders. Sie zögert. Vielleicht sollte sie es doch einfach lassen, wahrscheinlich ist gar nichts dabei und sie macht sich nur unnötig Gedanken. Andererseits, wenn es doch stimmen sollte. Aber nein, das kann gar nicht sein.
    Trotzdem, Lucilla braucht Gewissheit. Hin- und hergerissen klopft sie schließlich an die Tür.


    *klopf klopf*

    Lucilla folgt Crassus, erstaunt darüber, dass er freiwillig einen Verkaufsstand ansteuert. Als es dann auch noch ein Schmuckstand ist und er anfängt, etwas auszusuchen, kann sie ihr Glück fast nicht fassen. Doch dies ist noch nicht der Höhepunkt des Geschehens, er folgt, als Crassus ihr eine Kette umlegt.


    Lucilla genießt die wie zufälligen Berührungen, als er die Kette in ihrem Nacken schließt, und schaut in den Spiegel.


    "Sie ist wunderschön." Sie lächelt verschmitzt. "Ich bin beeindruckt, es verbirgt sich also doch noch ein guter Geschmack in dir."

    Lucilla blickt ihn durchdringend an, doch er scheint nicht zu scherzen. Ob er sie anlügt? Aber was hätte das für einen Vorteil für ihn? Sie schüttelt den Kopf und legt sich wieder auf den Bauch.


    "Du kannst aufhören, Ambrosius. Leg dich schlafen, ich brauche dich heute nicht mehr."


    Vielleicht sollte sie mal mit Meridius darüber reden. Wenn ein Sklave schon auf solche Gedanken kommt, wer weiß wer noch.


    Sie blickt Ambrosius noch einmal lächelnd an. "Mach dir keine Sorgen. Das hat schon alles seine Richtigkeit." Glaubt Lucilla, doch sicher ist sie sich nicht.

    Lucilla dreht sich ein wenig auf die Seite und schaut Ambrosius fragend an.


    "Was meinst du damit?"


    Ob er wohl vom Mulsum und dem Wein genascht hat? Eigentlich kann sie sich das nicht vorstellen, doch er scheint ein wenig verwirrt zu sein.

    Lucillas Körper fängt unter Ambrosius Händen an zu beben. Es dauert etwas, bis sie wieder aufhören kann zu Lachen.


    "Heiraten? Ach Ambrosius, du bist schon ein lustiges Kerlchen. Iulia Severa ist doch keine Bürgerin. Sie ist eine Peregrina. Meridius lässt sie wegen ihres Sohnes bei uns wohnen. Aber er würde nie im Leben auf die Idee kommen, sie zu heiraten! Nichts gegen Iulia Severa, sie ist eine wirklich nette Person. Aber überleg dir doch mal, wie das aussieht, der Triumphator und eine Peregrina."


    Eine wirklich amüsante Vorstellung.

    "Iulia Severa? Aber nein, sie sind doch nicht verheiratet. Au!"


    Lucilla hat das Gefühl, dass irgendetwas geknackt hat. Aber wenigstens fühlt es sich nun besser an.


    "Sie ist die Mutter von Maximan, Merdius' Sohn. Aber verheiratet sind sie nicht. Seit Meridius das von Maximian weiß, wohnt sie bei uns in der Casa."

    Lucilla lacht ebenfalls.


    "Oh ja, da wären wir heute Abend noch nicht aus dieser Taverne heraus. Aber dafür sind sie alle unglaublich lieb und nett und je mehr auf einem Haufen sind, desto lustiger sind sie."


    Sie trinkt ihren Becher aus.


    "Was hälst du davon, wenn wir weitergehen?"

    "Ah, Ambrosius, du bist ein Schatz. Sogar die blauen Trauen hast du mitgebracht. Was würde ich nur ohne dich machen."


    Bereitwillig legt sich Lucilla auf ihr Bett und lässt von Ambrosius die Spangen lösen, die ihr Kleid zusammenhalten, so dass er an die verspannten Schultern kommt.


    "Du meinst Caecilius Crassus? Oh ja. Er wird mich zum Einkaufen begleiten. Du darfst mitkommen und auf mich aufpassen." Ein durch den Mulsum gelockertes breites Grinsen erscheint auf Lucillas Gesicht.


    "Welchen meiner Brüder meinst du? Und welche Frau?" fragt Lucilla dann erstaunt um noch erstaunter festzustellen, dass doch keiner ihrer Brüder verheiratet ist. "Meine Brüder sind nicht verheiratet."

    Lucilla geht energisch in ihrem Zimmer auf und ab. Sie braucht jetzt dringend eine Massage. Ein paar wirklich süße Trauben wären auch nicht schlecht.


    Sie steckt ihren Kopf aus dem Zimmer und ruft durchs halbe Haus nach Ambrosius. Sie weiß genau, dass er nicht weit entfernt ist, denn das ist er nie.

    Während er spricht bemerkt Lucilla, wie oft Crassus Lacht und wie gut das an ihm aussieht. Sie ist selbst ist ja auch ein Mensch, der gerne mit einem Lächeln auf den Lippen durchs Leben geht.


    "Das wäre wunderbar!"


    Vielleicht kommt es ein wenig zu schnell, doch was soll sie schon groß darüber nachdenken. Würde sie es sich überlegen, dann würde sie doch nur Meridius mahnende Stimme in ihrem Hinterkopf hören und es ablehnen müssen.


    Sie isst noch eine Traube und blickt Crassus nachdenklich an. "Hast du auch Geschwister? Eine große Familie?" Sie könnte sich nicht erinnern, schon viel über die Caecilia gehört zu haben, doch da keiner von ihnen in Taracco wohnt, zumindest soweit sie es weiß, musst das ja nicht viel heißen.