Beiträge von Decima Lucilla

    Erfreut schaut Lucilla zu Aemilia. "Hungi? Oh, da könnte ich ja mitkommen." Sie plätschert ein wenig im Wasser vor sich herum.


    "Ach so, nein. Das wird wahrscheinlich zu knapp. So lange kann ich gar nicht mehr in Italia bleiben. Aber das ist eine gute Idee und wir wollen ja keine Geheiminformationen, sondern nur Dinge, die eigentlich alle wissen, nur eben wir nicht." grinst sie.

    "Ach Martinus, du magst ja schon dran gewöhnt sein, aber wenn ich dem Aug... Pontifex Maximus gegenübertreten soll, das macht mich schon sehr nervös. Wenn nur nichts schiefgeht! Hoffentlich sage ich nichts falsches."


    Sie blickt Aemilia an. "Dann wollen wir mal."


    Dann wieder zu Martinus. "Zeigst du uns, wo wir hinmüssen? Nicht, dass wir uns vor lauter Aufregung noch verlaufen?"

    "Meridius erzählt nicht viel von der Legion." Sie nimmt sich eine Traube und kaut genüsslich darauf herum. Ja, eindeutig italienische.


    "Diese Trauben sind sehr lecker. Genau richtig süß." lächelt sie Crassus zufrieden an.


    "Ich mag die Legion nicht besonders. Mein Vater war bei einer Ala und starb im Kampf. Ehrenhaft, heldenhaft, vielleicht, aber er starb. Später haben mir die Legion und die Ala dann meine Brüder und die Hälfte meiner Cousins, die für mich eigentlich auch immer wie Brüder waren, genommen. Jahre später spuckt sie sie dann wieder aus, aber wer gibt einem schon die schlaflosen, ungewissen Nächte zurück, wenn man genau weiß, dass sie irgendwo in einem Kampf stecken." Sie seufzt und isst eine weitere Traube.


    "Was ich eigentlich sagen will ist, dass ich nicht unbedingt ein geduldiger und dankbarer Zuhörer bin, wenn es um die Legio geht. Meridius respektiert das, auch wenn er es wahrscheinlich lieber anders hätte."


    Lucilla grinst schelmisch und senkt ihre Stimme ein wenig. "Aber dem Wort seiner Schwestern ist er sowieso nicht gewachsen, Triumphator hin oder her."

    Wie sie das so sagt, klingt das alles ziemlich einleuchtend. Vielleicht ist die Zeit tatsächlich einfach noch nicht reif. Wieso war Aemilia nur nicht auf diese Idee gekommen. (;))


    "Ich glaube, da hast du recht. Sag, du hast vorhin davon gesprochen, dass du vor einigen Wochen schonmal so eine Erscheinung hattest." Lucilla senkt ein wenig ihre Stimme. "Bei wem war das denn?"


    Als Lucilla hört, welchen Namen Iunia flüstert, bekommt sie ganz große Augen. "Tatsächlich? Ui!" Sie kann sich ein Kichern nicht verkneifen. Das hätte sie nun wirklich nicht gedacht.


    "Wir sollten noch einige... Erkundigungen über sie einholen. Wo könnte man soetwas wohl am ehesten tun?"

    "Ach, so wild ist das auch nicht."


    Lucilla erzählt ihm lieber nicht noch von der Provinzcurie und der Arbeit für die Göttin Felicitas, denn sie ist sich nicht sicher, wie ernst er es meint. Sie prostet ihm zu und trinkt ebenfalls einen Schluck.


    "Ich habe einfach gerne eine Aufgabe. Und seit meine halbe Familie nach Rom gezogen ist und ich sie nicht mehr nerven kann..." Sie zuckt lachend mit den Schultern. "Nein, ernsthaft, solange ich noch die Zeit finde, auf irgendwelche Eröffnungsfeiern, öffentliche Spiele oder Verlobungen zu gehen, solange ist es noch nicht zu viel. Aber die Arbeit als Praefectus Vehiculorum ist natürlich lange nicht so spannend, wie die eines Praetorianers."

    "Ach über mich," winkt Lucilla ab. "Da gibt es eigentlich auch nicht viel zu erzählen. Meist bringen mich alle immer gleich mit meinem Bruder in Verbindung, ob das nun gut oder schlecht ist, das hängt immer davon ab, in welcher Beziehung es ist." Sie grinst. "Ich hänge schon sehr an ihm, aber manchmal übertreibt er es ein wenig mit seiner Sorge. Meinen Vater habe ich fast nicht kennen gelernt, er starb, als ich noch sehr klein war. Meine Mutter folgte ihm, als ich sieben war und seitdem fühlte sich Meridius für uns alle verantwortlich. Ich bin dann zu einer Großtante nach Rom zur Erziehung gekommen."


    Mist. Das wollte sie doch eigentlich nicht sagen.


    "Ähm, also... naja, ich habe wohl gestern ein wenig geschwindelt, als ich sagte, dass ich mich in Rom nicht auskenne. Aber andererseits auch wieder nicht. Tante Drusilla ist schon eine... ziemlich gute Aufpasserin. Als sie mich dann aus ihren Fängen entlassen hatte, das war ungefähr zu dem Zeitpunkt, als Meridius Legat der IX war, bin ich zurück nach Tarraco und habe dort als Scriba in der Provinzverwaltung angefangen. Und mittlerweile bin ich Praefectus Vehiculorum von Hispania."


    Sie blickt ihn lächelnd an. "Daneben bin ich in der Acta als Subauctor tätig und erst kürzlich habe ich angefangen, auf unserem Gut Hühner zu züchten. Also, züchten zu lassen. Es ist unglaublich, was so ein paar Hendln wert sind."

    Schon eilt auch ein Bedien-Sklave herbei.


    "Ich nehme einen verdünnten Wein." Sie blickt zu Ambrosius, den sie angewiesen hat, an einem anderen Tisch zu warten. "Und bring meinem Sklaven auch einen verdünnten Wein. Er hat ihn sich verdient."


    Sie wartet, bis Crassus ebenfalls etwas zu Trinken geordert hat und wendet sich dann ihm zu.


    "Erzähle mir etwas über dich."

    Im ersten Moment, als Crassus ihre Hand berührt, will Lucilla sie eilig zurückziehen. Doch sein Blick hält sie gefangen und als er sie wieder loslässt, ist sie froh, dass sie die kurze Berührung nicht verhindert hat. Ein tiefes Gefühl der Zufriedenheit durchströmt sie. Es ist nicht der Reiz des Verbotenen, der Crassus auf sie so anziehend wirken lässt, nein, er ist es selbst.


    "Das ist eine gute Idee." antwortet sie ihm lächelnd auf seine Frage hin. "Ich finde, du solltest etwas Wein trinken. Wenn du dann immer so schöne Dinge sagst..."

    Lucilla blinzelt verwirrt. Im ersten Augenblick hörte es sich so an, als wäre nur der Wein an allem Schuld gewesen und er hatte es gar nicht so gemeint, wie er es gesagt hatte. Im zweiten Augenblick jedoch dringt der wahre Gehalt der Worte bis zu ihr vor.


    Sie lächelt zaghaft und schlägt die Augen nieder. Eine leichte Röte erscheint auf ihren Wangen, die jedoch fast nicht auffällt. "Dann bin ich froh, dass du so viel Wein getrunken hast." sagt sie leise und schaut wieder zu ihm auf.

    "Ach sonst... nichts..." Sie hat ja schon, was sie braucht.


    "Nichts bestimmtes, meine ich. Lass uns einfach ein wenig herumschauen und..." Sie bleibt kurz stehen und schaut ihn an. "Hast du das gestern Abend eigentlich ernst gemeint? Oder war es nur... der Wein?"


    Sie blickt ihn mit gemischten Gefühlen an, selbst nicht sicher, welche Antwort ihr nun am liebsten wäre.

    Lucilla kann ihr Lachen nicht mehr zurückhalten.


    "Meinst du nicht, dass ich ersteinmal den anderen Schuh auch noch probieren und dann ein paar Schritte gehen sollte? Man merkt doch, dass ihr Soldaten eure Schuhe ausgeteilt bekommt und weder darauf achten müsst, wie sie aussehen noch ob sie euch passen, da ihr eh keine andere Wahl habt."


    Auf ein Zwinkern Ambrosius' hin, welches ihr sein Einverständnis signalisiert, zieht sie den zweiten Schuh an, steht auf und läuft kurz vor dem Stand auf und ab.


    "Ja, die nehme ich." Sie wechselt wieder zu ihren eigenen Schuhen und reicht das neue Paar dem Händler, der sie sogleich einpackt. Der Preis bestätigt Lucilla, dass ihr Geschmack sie keineswegs getäuscht hat, doch sie zahlt ihn ohne mit der Wimper zu zucken. Der neue Betrieb würde das schon wieder reinholen.


    "So, nun können wir weiter." Lächelnd schaut sie Crassus an. "Hoffentlich gibt es heute nicht wieder einen Aufruhr. Bei meinem letzten Einkauf wurde mitten auf dem Markt einer von diesen Christen gekreuzigt. Ich hatte das Pech mit meinem Bruder Meridius unterwegs zu sein, der sich die Sache natürlich direkt anschauen musste. Dabei hätte man so gut einkaufen können, die Stände leerten sich augenblicklich, weil sich natürlich keiner das Spektakel entgehen lassen wollte." Sie seufzt. Hinterher war mir die Lust am Einkaufen natürlich vergangen."

    Lucilla hat das Gefühl, dass er sich doch einen Scherz erlaubt. Aber sie kennt das ganze ja von Meridius, Männer haben einfach keinen Sinn für kultiviertes Bummeln. Und auch Crassus würde hier sicher keine Ausnahme bilden, spätestens gegen Mittag würde ihm plötzlich irgendeine Arbeit einfallen, die er ganz vergessen, aber noch dringend zu erledingen hat. Zum Glück gehört das Einkaufen nicht zu den Qualitäten, welche ein Mann haben muss.


    "Diese hier sind ganz hübsch." Lucilla deutet auf ein Paar Schuhe aus dunkelblauem, angerautem Leder mit goldenen Riemen, welche vorzüglich zu einer ihrer blauen Tuniken passen würde. Die Größe könnte sogar richtig sein.


    Ohne ein weiteres Wort abzuwarten, nimmt Lucilla die Schuhe, setzt sich auf einen der bereitegstellten Hocker und probiert den Schuh routiniert an. Dann streckt sie ihren Fuß nach vorne.


    "Was meinst du?" blickt sie Crassus fragend an, behält jedoch mit einem Auge auch Ambrosius im Blick. Im Zweifelsfall würde der Kenner entscheiden.

    "Bis dann!" verabschiedet sich Lucilla und wendet sich anschließend ihrer Frisur zu. Alles sollte heute perfekt sein. Nachdem sie noch einen winzigen Tropfen Duftwasser auf ihren Hals aufgetragen hat, nimmt sie ihre Palla und verlässt ihr Zimmer.

    Lucilla blickt auf die Schuhe und dann ein wenig entsetzt zu Crassus. Hinter ihr zieht Ambrosius scharf die Luft ein. Ob er sich einen Scherz erlaubt? Doch er sieht eher so aus, als hätte er einfach überhaupt keine Meinung zu diesem Paar und wohl auch zu den übrigen nicht.


    Lucilla presst die Lippen aufeinander, um nicht zu lachen, nimmt die Schuhe entgegen und stellt zurück auf die Auslage.


    "Ich glaube, beim Schuhkauf fehlt dir ein wenig die Erfahrung, nicht wahr? Aber ich kann dich beruhigen, Männer sind in dieser Hinsicht durchaus lernfähig. Wenn ich daran denke, was meine Brüder und Cousins schon alles gekauft haben..."

    "Wir sind wohl die einzigen, die nach Tarraco zurückreisen, nicht wahr? Ich schätze Meridius wird noch eine Weile in Rom bleiben, schon allein des Senates wegen. Und Eleanora hat er extra mitgenommen, damit sie auf andere Gedanken kommt. Das geht hier wahrscheinlich auch wesentlich besser, als zuhause. Ich hoffe nur, dass es funktionniert."


    Lucilla seufzt. Hoffentlich würde der Krieg in Germania bald vorbei sein. Wenn sie nur wenigstens mal ein kleines Lebenszeichen von ihren Verwandten bekämen.


    "Ich werde aber auch nicht allzulange auf mich waren lassen. Du kannst Gallus also ausrichten, dass er das Bad jederzeit bereit halten soll."

    Noch immer selig lächelnd erreicht Lucilla in Begleitung von Crassus die Märkte. Es ist noch früh am Tag und die letzten Händler breiten gerade noch ihre Waren aus. Die meisten stehen jedoch schon frohen Mutes hinter ihren Ständen und warten auf Kundschaft.


    Lucilla kann sich nicht entscheiden, wo sie anfangen sollen und so starten sie vollkommen planlos an irgendeinem Stand mit dem Bummel. Lucilla gibt vor, sich vor allem für die Stände auf Crassus Seite zu interessieren, so fällt es weniger auf, wenn sie immer wieder ihren Blick über ihn streifen lässt.


    "Ein wundervolles Exemplar." Sie blickt Crassus lächelnd an und deutet dann schnell an ihm vorbei. Ein kurzer Blick zeigt ihr, dass sie vor einem Tonwaren-Händler stehen.


    "Ähm... ah, dort vorne gibt es Schuhe. Ich brauche dringend neue Schuhe."

    "Ach, ich bin es einfach gewöhnt so früh aufzustehen, da kann ich gar nicht länger schlafen." grinst sie schelmisch.


    "Ich werde noch etwas hierbleiben müssen. Heute habe ich noch etwas vor und dann muss ich mit Aemilia noch etwas erledigen. Und auf jeden Fall will ich auch noch den Ausgang der Wahlen abwarten. Aber all zu lange werde ich natürlich nicht bleiben. Mein Officium und die Curia warten schließlich."