Lucilla ist gerade fertig mit dem Einkleiden, als es an der Tür klopft. Ein wenig bang, wer sie so früh am morgen wohl wegen was sprechen will, öffnet sie die Tür, vor welcher Maior steht.
"Guten Morgen, Maior."
Lucilla ist gerade fertig mit dem Einkleiden, als es an der Tür klopft. Ein wenig bang, wer sie so früh am morgen wohl wegen was sprechen will, öffnet sie die Tür, vor welcher Maior steht.
"Guten Morgen, Maior."
Direkt nach dem Frühstück hat sich Lucilla ins Atrium begeben, nahe zum Vestibulum hin. Wie eine Katze auf Beutefang behält sie die Eingangstür im Blick und achtet darauf, dass ihr sonst niemand zu nahe kommt.
Als es dann endlich klopft, springt Lucilla auf und eilt zur Tür. "Ich geh schon!" scheucht sie den Sklaven weg, der ebenfalls herbeigeeilt kommt und dreht sich, kurz bevor sie die Tür öffnet noch einmal um. "Ambrosius! Es ist so weit!"
Ambrosius folgt Lucilla mindestens genau so aufgeregt wie sie selbst, auch wenn sie ihm die ganze Zeit nur davon vorgeschwärmt hat, welch wunderbarer Einkaufsbummel das heute werden würde, den Grund dafür jedoch verschwiegen hat. Die ganze Zeit hatte sie darauf geachtet, dass niemand etwas mitbekommen und dass sie vor allem nicht Meridius über den Weg laufen würde. Es reicht, wenn sie ihm hinterher davon vorschwärmen würde.
Sie öffnet die Tür und tritt Crassus mit einem Strahlen auf dem Gesicht entgegen. "Guten Morgen, Crassus."
Sie winkt Ambrosius die Tür zu schließen und ihnen zu folgen. Dann mustert sie Crassus verstohlen.
"Ach, du hättest ihn erleben sollen, Ganymed! Er war so gar nicht mildtägig, wie es ihm doch immer nachgesagt wird." Niedergeschlagen blickt sie den Sklaven an. Sie rechnet ihm hoch an, dass er Aemilia und sie wieder aufbauen will, doch es hilft alles nichts. "Und er ist einfach auf und davon. Ich verstehe ja, dass er viel zu tun hat, aber es war so... ich weiß auch nicht. Irgendwie lief alles verkehrt."
Lucilla blinzelt verschlafen in das Licht des anbrechenden Tages und zieht die Decke noch etwas höher. Eigentlich könnte sie doch heute den ganzen Tag in ihrem Bett liegen bleiben, wo sie schon nicht in ihr Officium muss. Sie will sich gerade umdrehen und noch ein Weilchen weiterschlafen, als ihr die Verabredung mit Crassus wieder einfällt.
"Herrje!"
Mit einem Satz ist sie aus dem Bett draußen, bleibt kurz schwankend stehen, als ihr das Blut in die Füße schießt, und eilt sich zur Tür. Ambrosius ist sicher schon wach. Er müsste ihr ein Bad einlassen, die Öle bereitstellen, passende Kleidung könnte er auch schoneinmal heraussuchen - nicht zu auffällig, dezent, aber durchaus ansprechend, heute würde schließlich nicht nur Rom urteilen, sondern ganz besonders auch Crassus - und in der Küche Bescheid geben, dass Lucilla ein ordendliches Frühstück braucht.
Bevor Lucilla die Anwesenden noch mit Gähntiraden überschüttet, verabschiedet sie sich lächelnd von Crassus.
"Ich freue mich schon auf morgen. Komm gut nach Hause und schlaf gut."
Mit einer kleinen Runde durch das Peristyl wünscht sie auch den übrigen eine angenehme Nachruhe und zieht sich dann auf ihr Zimmer zurück.
Ein Ausdruck, der zwischen Erstaunen und Zuversicht liegt, erscheint auf Lucillas Gesicht. Aemilia hat es also auch gesehen und mehr noch, Iunia Attica scheint tatsächlich die Person zu sein, die sie noch suchen. Aber hat es überhaupt noch einen Sinn nach der Audienz? Andererseits, wenn die Göttin sie nun schon zusammengeführt hat, dann gibt es vielleicht doch noch Hoffnung.
"So ging es uns zu Anfang auch."
Lucilla beginnt Iunia ganz genau von den Erscheinungen zu berichten, davon, wie Aemilia und sie auf die Idee mit der Societas gekommen sind und von den weiteren Plänen. (:D)
"Ich glaube, dass wir uns hier getroffen haben, kann auch kein Zufall sein." schließt sie. "Wenn schon keine Societas, so könnten wir Felicitas im Privaten ehren. Solange wir kein Unrecht tun, und dies wäre ja ganz entgegen unseres Ansinnens, solange sollte das doch kein Problem sein, oder?"
Fragend schaut Lucilla den Sklaven an. "Er hat gesagt, dass ihm unsere Hintergründe... ähm, also die Hintergründe unseres Vorhabens nicht klar sind." Sie zuckt mit den Schultern und hält Ganymed den Becher hin, auf dass er ihn nochmals füllen soll.
"Und dass er wüsste wer Felicitas ist. So, als hätten wir daran Zweifel gelassen. Dabei... er ist doch der Pontifex Maximus und der Augustus. Wieso sollte jemand da Zweifel haben, dass er irgendetwas nicht wissen könnte?" Wieder schüttelt sie traurig den Kopf. "Nein, die einzige Erklärung dafür ist, dass wir beenden sollen, was noch nicht begonnen ist."
"Ich glaube auch." Desillusioniert schüttelt sie den Kopf. "Es hat keinen Sinn. Keinen Sinn..."
Lucilla lehnt sich zurück, schaut in ihr Glas und mustert das Muster an dessen Boden. Sie schwenkt es ein wenig, lässt die Flüssigkeit darin kreisen. Und auch ihre Gedanken drehen sich immer nur im Kreis. Um die Sinnlosikgeit des ganzen Unterfangens, die Entäuschung, den Rückschlag. Und dass es wohl wirklich besser ist, das Ganze noch zu beenden, bevor es richtig anfängt.
Auch als sie das Glas leer trinkt hört das Gedankenkreisen nicht auf.
Lucilla räkelt sich wohlig im warmen Wasser. Ihr fallen schon halb die Augen zu, als eine weitere Frau in das Cladarium steigt. Sie will diese gerade mit einem trägen Nicken grüßen, als sie für den Bruchteil einer Sekunde etwas zu sehen glaubt. Sie blickt erstaunt zu Aemilia, welche jedoch in irgendwelchen fernen Welten zu schwelgen scheint.
Sie lächelt der Fremden zu und stellt sich vor. "Salve, mein Name ist Decima Lucilla. Und das hier ist Didia Aemilia." Sie stumpt Aemilia kurz an, auf dass diese erwachen und ihre Eingebung bestätigen möge. Neue Hoffnung keimt in Lucilla auf. Es würde vielleicht etwas seltsam erscheinen, dass sie die Frau so einfach ansprechen, doch Lucilla musste sich einfach Gewissheit verschaffen. Vielleicht ist doch noch nicht alles verloren.
Luilla lächelt ein wenig verlegen und blickt in ihren Becher. "Ich glaube, ich sollte mich dann auch so langsam zurückziehen. Ich habe wohl schon ein wenig viel Mulsum getrunken."
Die Wahrheit ist, dass es definitiv zu viel ist und wer weiß, zu was sie sich noch hinreißen lassen würde.
"Und ich möchte morgen früh ja ausgeruht sein."
Wahrscheinlich würde sie sowieso nicht schlafen können.
"Ach, wenn es so einfach wäre." seufzt Lucilla schwermütig. "Aber ich glaube es nicht. Er war so... so ernst."
Sie trinkt das halbe Glas Mulsum leer und schaut dann Aemilia an.
"Oder glaubst du, da ist noch was zu machen? Also ich nicht. Belassen wir es bei diesem gescheiterten Versuch und widmen uns wieder unseren Hühnern." Wehmütig denkt Lucilla an Zuhause, an Tarraco, die Poststellen und die Hendln. Wäre sie doch nur bei ihren Eiern geblieben.
"Mit mir?" ist alles, was Lucilla noch herausbekommt. In ihrem Kopf schwirren alle möglichen Gedanken herum, was sie jetzt tun soll. Meridius würde sicher von ihr erwarten, dass sie ihm eine Ohrfeige verpasst. Großtante Drusilla würde ihm mit einem Lachen begegnen, sie hatte über alle Männer, die ihr zu Füßen lagen immer nur gelacht. Und ihre Mutter hätte ihr geraten, ersteinmal darüber nachzudenken und abzuwarten, bis sie beide wieder nüchtern sind.
Aber was will Lucilla tun? Hatte ihr Venus Felix schon ohne das Opfer geholfen? Crassus währe wahrlich nicht die schlechteste Partie. Er war Legionär in der IX, was ihn in Meridius' Gunst recht weit oben stehen lasse würde. Praetorianer ist, trotz Meridius Bedenken, auch nicht das Schlechteste. Und die Caecilier sind eine angesehene Familie, wenn auch in der falschen Factio, aber das würde am Ende sowieso nicht zählen. Und zu all diesen rational betrachteten Vorteilen, könnte sich Lucilla durchaus vorstellen, dass sie selbst mit ihm ebenfalls auf ihre Kosten kommen würde.
"Du solltest ersteinmal den morgigen Tag abwarten. Nichteinmal der große Triumphator Meridius hält es einen Tag mit mir auf den Mercati Traiani auf. Wenn du am Abend immernoch der gleichen Meinung bist..." Ein hintergründiges Lächeln erscheint auf ihrem Gesicht.
Insgeheim plant Lucilla den Tempelgang schon fest ein. Sie würde die Zeit dafür schon von der Einkaufszeit abzweigen.
"Wir haben in Tarraco leider keinen Venus-Tempel. Einen für Mercurius haben wir erst neulich geweiht, aber dieser wird immer so von den Händlern belagert. Und einen Mars-Tempel, aber dort bin ich selten. Die meisten Bitten trage ich am Hausaltar vor."
Sie schaut ihn lächeln an. "Wer ist eigentlich genau für die Praetorianer zuständig? Nur, damit ich weiß, an wen ich demnächst ab und an ein kleines Opfer geben sollte, damit er dich noch lange am Leben lässt."
"Herrje, das ist so... Ich sollte mich wohl auch lieber auf die sacra privata konzentrieren. Ich fürchte nur, wenn Meridius von der ganzen Sache Wind bekommt, und das wird er..." Lucilla trinkt ihr Glas leer. "... bei den Göttern, wenn er mich bloß nicht wieder zu Großtante Drusilla schickt. Vielleicht sollte ich ihm anbieten, auch alles aufzugeben und mich auf den Landsitz zurückzuziehen. Da kann ich ihm und der Gens keine weitere Schande bereiten."
Bereitwillig lässt sie sich von Ganymed nachschenken.
ZitatOriginal von Gaius Caecilius Crassus
Was wollen wir morgen alles angschauen? Die Märkte ja auf jeden Fall. Sonst noch einen Wunsch? Vielleicht einen Tempel?
Mittlerweile ist es Lucilla egal, ob sie rot wird oder nicht. Das Mulsum, die Trauben, die frische Luft, das alles trägt sicher zu einer gesunden Gesichtsfarbe bei, da fällt ihre erhöhte Blutzirkulation auch nicht mehr auf.
"Ob uns da überhaupt noch Zeit für irgend etwas anderes bleibt." zwinkert Lucilla ihm zu. Ein Glück hatte sie erst kürzlich mit Ambrosius in Carthago Nova eingekauft, so würde sie den armen Crassus vielleicht nicht den ganzen Tag über die Märkte schleifen müssen. ![]()
"Ein Tempel? Also, ich wollte tatsächlich noch zum Tempel der Venus Felix. Wenn du möchtest, könntest du mich belgeiten. Aber nur, wenn es dir wirklich nichts ausmacht."
"Und das ganze Glück?" sie schaut Aemilia fragend an, als der Sklave hereinkommt und zwei Schüsseln mit Oliven und Trauben und kurz darauf zwei Gläser und eine Kanne Mulsum bringt. Lucilla scheucht den Sklaven weg und gießt Aemilia und sich selbst die Gläser voll.
Nach einem großen Schluck Mulsum fährt sie fort. "Aber vielleicht hast du recht. Ja, wahrscheinlich sogar. Wir haben das alles... überbewertet... Wer sind wir überhaupt? Warum sollte Felicitas ausgerechnet uns erscheinen?"
Ein weiterer Schluck folgt. "Bei den Göttern, ich hoffe nur, wir haben nicht unsere Gentes blamiert. Was, wenn..." Sie wagt nicht, weiterzusprechen.
Vom Palast des Kaisers und ihrer dortigen Audienz kommen Aemilia und Lucilla direkt zur Casa Decima. Lucilla schickt nach einem Sklaven und trägt ihm auf Unmengen von Oliven, Trauben und Mulsum aufzutragen.
Dann lässt sie sich frustriert in einen der Korbsessel sinken und schüttelt den Kopf. "Ich versteh es nicht. Wir hatten doch alles durchdacht. Felicitas kann sich doch nicht... geirrt haben, oder?"
ZitatOriginal von Gaius Caecilius Crassus
Aber du, hast du vor den CH zu absolvieren und deinem Bruder nachzueifern?
"Ein weiser Mann, dein Großvater." Lucilla unterdrückt ein Lachen.
"Und nein, eine Decima in der imperialen Politik, das wirst du wohl nicht erleben. Ich habe auch so genug zu tun. Die Änderungen im Cursus Publicus sind sozusagen zum Dauerzustand geworden und Senator Germanicus Avarus bezieht seine Preafecti Vehiculorum gerne in alles mit ein. Dazu sitze ich in der Provinzcurie von Hispania, das erscheint mir sinnvoller, als ein Amt im Cursus Honorum. Und die Arbeit in der Acta Diurna rundet meine Verpflichtungen ab. Ganz davon abgesehen glaube ich nicht, dass ich für die Politik auf der Rostra geignet wäre. Dort geht es ja manchmal schlimmer zu, als auf dem griechischen Olymp."
Lucilla verschlägt es die Sprache. Klein und unbedeutend tappst sie willenlos hinter Aemilia her und versteht die Welt nicht mehr.
"Ich..." versucht sie ihr Entsetzen in Worte zu fassen, doch ihre Stimme versagt.
"Habe ich..." auch der zweite Versuch führt nicht zum Erfolg und Lucilla kämpft dagegen an, einfach umzufallen um ganz weit weg vom Palast wieder aufzuwachen.
"Was... habe ich Zweifel daran gelassen?... Ich meine... dass er es weiß? Wie... wie kommt er nur auf so etwas?... Aemilia! Ich habe alles falsch gemacht, nicht wahr? Habe ich... ihn irgendwie falsch angeschaut?... Wir haben doch Pontifex gesagt? Oder?" schaut sie die Sacerdos schließlich fragend an. Panisch überdenkt sie nocheinmal die gesamte Planung und Durchführung, doch sie kann nichts entdecken, was die schroffe Reaktion des Kaisers erklären würde. Nicht, dass er einen Grund bräuchte, doch irgendwie...
"Lass uns gehen." Mit hängenden Schultern blickt sie zu Aemilia. "Wir müssen irgendwie... aber... wir können doch nicht... ich meine... die Göttin hat ja nicht umsonst... aber wenn der Augustus, der Pontifex... oder meinst du wirklich?"
Niedergeschlagen verlassen sie den Palast.
ZitatOriginal von Gaius Caecilius Crassus
Was hat eigentlich Meridus in nächster Zeit vor? Ich meine, wird er wieder zu einer Legion gehen wollen oder doch weiter im CH machen? Oder willl er gar etwas ganz anderes machen?
"Oh, das darfst du mich nicht fragen." grinst Lucilla. "Ich bin zwar seine Schwester, aber ich sehe ihn wahrscheinlich seltener als der Kaiser. Doch so wie ich ihn kenne, wird er früher oder später wieder bei der Legion landen."
Sie beugt sich zum Buffet hinüber und angelt sich noch eine der merklich weniger werdenen Trauben.
"Wie sieht das eigentlich bei dir aus? Zieht dich nichts in die Politik?"