Zitat
Original von Marcus Flavius Aristides
Dass Aristides Germania für gar nicht so schlimm befindet, das beruhigt Lucilla doch ein bisschen. Obwohl einen Mann wie ihn sicherlich nichts auf der Welt beunruhigt, außer die Frage der Sphinx, aber das kann man ihm schlecht verdenken. Sie folgt mit ihrem Blick seinem angedeuteten Blick zu Rutger und reckt ein wenig ihren Hals, um den Mann besser sehen zu können. "Er sieht gar nicht bärbeißig und grob aus, eigentlich doch sogar ganz kultiviert." Soweit sich Lucilla erinnern kann, kennt sie keine echten Germanen, nur Römer, die in diesem Land geboren sind, so wie Avarus und seine Familie. "Aber ich habe vor den Germanen keine Angst. Ich bin sicher, gegen so manchen hispanischen Stier können sie nur fromme Lämmer sein." Sie grinst und greift nach etwas zu Essen. "Außerdem werden mein Bruder und mein Cousin schon auf mich acht geben, in dieser Hinsicht sind die Decima eh ziemlich übereifrig." Meridius würde für seine Familie ganz Germania auf den Kopf stellen und auch, wenn ihr Verhältnis in der letzten Zeit ein wenig gelitten hatte, wenn Lucilla in ernsthafter Gefahr wäre, dann würde er seine Legionen bewegen, um sie zu retten, da ist sie sich ganz sicher.
Nachdem sie ein Ei verspeist hat, lächelt sie wieder schüchtern, als Aristides ihren Namen erneut so hervorhebt. "Das kann man so nicht sagen, wenn du nicht versetzt worden wärst, dann wären wir uns vielleicht bald in Germania über den Weg gelaufen. Mantua sagst du, bist du mit Livianus hergekommen? Dann wäre die Chance gar nicht so schlecht gewesen, denn ihn hätte ich auch noch besucht. So werde ich vielleicht in Mantua vorbeischauen, mal sehen. Aber ich kann dich schon verstehen, nirgends ist es so aufregend, wie in Italia, zumindest in Roma. Wobei ich Mantua auch als recht verschlafen in Erinnerung habe, allerdings war ich dort nur einmal ziemlich kurz."
Sie lacht leise auf. "Aber nein, das missverstehst du. Ich habe die Briefe nicht bekommen, ich habe sie nur angenommen und auf ihre Reise zum Ziel geschickt. Wobei das nur ein sehr geringer Teil der Arbeit war. Es ist eine Menge Verwaltung, Organisation und Schriftkram. Man sitzt den ganzen Tag in einem Officium. Naja, zumindest, wenn man sich nicht auf Inspektionsreisen befindet." Dass viele Menschen aber nur Briefe geschrieben haben, um auf ein Gespräch vorbei zu kommen, das Gefühl hatte Lucilla schon öfter gehabt. Und manche Männer waren tatsächlich regelrecht zudringlich geworden, aber mittlerweile hat sie dieses 'Problem', dass wildfremde Männer ständig mit ihr Essen gehen wollen nicht mehr. In der Regel genügt ein Hinweis auf ihren Verlobten, um die Männerwelt abzuschrecken, aber seit sie aus dem Dienst ausgeschieden ist, hat eigentlich auch kein Mann mehr versucht, sie anzubaggern. (:D)
Aristides hört einfach nicht auf mit seinen Komplimenten und so hört Lucilla einfach nicht auf, wieder ein wenig zu erröten. Sie blickt etwas verschämt auf ihren Teller, bis sie das Gefühl hat, wieder abgekühlt zu sein und blickt dann auf. "Vor Italia war ich in Hispania Praefecta Vehiculorum. In Tarraco habe ich einen Heiratsantrag bekommen und ich folgte ihm nach Rom. Das war nicht schwer, denn ich habe einen Großteil meiner Jugend in Rom verbracht und die Stadt lässt mich nicht mehr los. Dann war auch noch der Posten des Praefectus Vehiculorum von Italia frei, den ich übernahm, aber aus der ursprünglichen Heiratsabsicht ist nichts geworden." Ihr Blick geht ganz unbeabsichtigt durch den Raum und sucht Crassus zwischen den Gästen. Natürlich ist er schon wieder am Flirten mit einer Frau und Lucilla versucht sich wieder einzureden, dass ihre Entscheidung einfach richtig gewesen war. Dennoch hat der Gedanke wie immer einen schalen Beigeschmack.