Alles Gute zum Geburtstag!
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(Wild gefeiert hast du ja sicher schon. )
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Es dauert ein wenig, bis Lucilla samt ihrem Anhang den Schneider gefunden hat. Der erste Eindruck ist nicht gerade gut, denn es handelt sich um einen ziemlich kleinen Laden. Doch der Stoffhändler hat sie bereits vorgewarnt, dass sie sich davon nicht täuschen lassen soll und Lucilla hofft für ihn, dass er die Wahrheit gesprochen hat. Ansonsten würde er hier in Mantua keinen Spaß mehr haben, dafür würde sie schon sorgen.
Der Schneider kommt schnell angewuselt und hat schon das Maßband in der Hand. Nach einigen Schmeicheleien, welche Lucilla leicht erröten lassen, und der Prüfung der Stoffe ist er hin und weg von der Aussicht auf seine Arbeit und die Vermessung beginnt. Mit leichtem Erschrecken hört Lucilla die Maße, ausgerechnet an der Hüfte hat sie einen ganzen Digitus an Umfang eingebüßt und das schon hier in Mantua. Sie müsste in Germania unbedingt etwas mehr essen, am Ende würde Avarus sonst noch glauben, ihre Verwandten würden sie nicht gut versorgen.
Nachdem Lucilla vermessen und die Details gekärt sind, verlässt sie das Geschäft um sich zurück zum Legionslager zu begeben. Das Kleid und die Palla würde ihr in zwei Tagen dorthin geschickt werden, gerade noch rechtzeitig vor der Abreise nach Germania.
Wenn es dabei um die automatische Speicherung von Passwörtern geht, diese sind in der neuesten Version 1.5 so zu finden:
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Wenn es nicht um Passwörter geht, solltest du genauer angeben, worum es geht.
Nächster Anlauf. Je weiter nach Innen Lucilla auf dem Markt gelangt, desto besser werden die Händler. Vorerst bleibt sie bei einem Stand mit Schmuck hängen, allerdings ist nichts dabei, was sie direkt anspricht. So schlendert sie weiter und steht schließlich an einem Stand mit Stoffen, deren Preise geradezu unverschämt teuer sind, deren Aussehen Lucilla jedoch sofort überzeugt. Es dauert lange, bis sie sich für zwei Stoffe entschieden hat. Ein unabhängiger Beobachter würde feststellen können, dass die Sonne in dieser Zeit mindestestens eine Hand breit in Richtung Horizont rutscht. Aber ein Lieblingscousin heiratet schließlich nicht alle Tage, die Zahl von Lucillas Lieblingscousins betrachtet sogar viel zu selten, darum muss auch Lucillas Kleid für diesen Anlass etwas Besonders sein - wie eigentlich jedes Kleid, welches sie zu irgendeinem beliebigen Anlass kauft.
Letztendlich steht sie, oder besser gesagt die Packsklaven, mit einem dunkelgrünen Stoff mit filigran gestickten Blätterranken und einem dazu passenden matt blaugrauen leichten Tuchstoff für die Palla da - und mit einem äußerst erleichterten Geldbeutel. Sie lässt sich ausgiebig von dem Händler beraten, welcher Schneider in der Stadt der beste ist und macht sich schließlich auf den Weg dorthin - nicht, ohne an den Schuhständen vorbei zu gehen und passend zum Kleid noch ein paar neue Sandalen zu kaufen. Die Sonne sinkt dabei wieder fast zwei Hand breit nach Westen, immerhin muss Lucilla sich ersteinmal für ein Paar entscheiden, dieses anprobieren, doch ein anderes Paar ins Auge fassen, Problelaufen, noch ein paar weitere Paare testweise anziehen, zwei verschiedene Sandalen gleichzeitig um zu sehen, welche besser aussieht, die Farben mit der des Kleides abstimmen, dann doch ersteinmal zu einem anderen Stand gehen, an dem das ganze Spiel von vorne losgeht und sich ganz am Ende letztendlich für das allererste Paar entscheiden, welches sie in den Fingern hatte. Sie hofft inständig, dass es in Germania auch warm genüg für Sandalen sein würde, doch selbst wenn nicht, sie würde sich niemals die Todsünde erlauben, zu einem langen Kleid irgendein anderes Schuhwerk zu tragen, als leichte Sandalen.
"Was?" Lucilla schaut verwirrt auf, sie hat Ambrosius gar nicht reinkommen gehört, so sehr war sie in Gedanken, worüber sie auch ganz vergessen hatte, ihr Haar weiter zu bürsten.
"Ah, du bist es, Brosi. Gut, dass du da bist. Lass die Truhe einfach da stehen, irgendwer anders kann sie wegräumen." Ihr Blick geht über ihren Sklaven und sie überlegt sich, warum nicht alle Sklaven so sein können, wie Ambrosius. So unkompliziert und pflegeleicht, mit sich und der Welt zufrieden, niemals am jammern, immer genau wissend, was sie tun sollen und was ihren Besitzern gut tut.
"Hilfst du mir bei den Haaren? Ich glaube, da hinten ist irgendwo ein Knoten drin." Sie winkt ihm mit der Bürste. "Wir werden nicht sehr lange bleiben. Livianus hat mir erzählt, dass Magnus heiratet, an den Iden des Oktober schon. Da wir noch einige Tage Reisezeit einberechnen müssen werden wir schon bald wieder aufbrechen. Daher müssen wir auch Morgen auf den Markt gehen und Stoff für ein neues Kleid kaufen. Ich hoffe nur, es gibt hier fähige Schneider." Ihre Stimme klingt lange nicht so begeistert wie sonst, wenn es ums Einkaufen geht. Diese Sache mit Livianus und Valeria geht ihr einfach nicht aus dem Kopf.
"Bis später!" Lucilla schaut ihm noch lächelnd hinterher und folgt dann dem Sklaven, der sie zu dem Gästezimmer führt. Da der Tag sowieso schon fast vorbei ist, braucht sie sich keine großen Gedanken zu machen, wie sie ihn herumbringen kann. Sie würde versteckt von einem Fenster aus ein bisschen die Soldaten beobachten und endlich die Geheimnisse ergründen, die Männer dazu treiben, zur Legion zu gehen - oder auch nicht.
Lucilla befürchtet für einen Moment tatsächlich, dass Aristides sich an einer Gräte verschluckt haben könnte, aber anscheinend war es doch nur der Wein. Als er wieder zu Atem kommt verkneift sie sich ein Grinsen und lächelt nur verschmitzt. "Siehst du, das Mischverhältnis ist doch zu hart. Aber immerhin scheinst du keiner von diesen versoffenen Legionären zu sein, wenn es dir doch etwas ausmacht."
Ihr Lächeln nimmt eine glückliche Färbung an, als sie an die bevorstehende Hochzeit denkt. "Die Feier wird Mitte November sein, ein genaues Datum steht noch nicht fest. Aber geplant ist sie natürlich schon so gut wie, es kommt nur darauf an, wie reibungslos die Rückreise aus Germania verläuft. Der Glückliche ist Senator Germanicus Avarus, der Legatus Augusti Cursu Publico." Hat sie das nicht schon erwähnt? Wohl nicht, nachdem Aristides nachfragt. "Die Arbeit hat uns sozusagen zusammen gebracht."
Sie streicht sich eine Haarsträhne zurück, wodurch noch ein paar vereinzelte goldene Flocken aus ihrem Haar auf den Fisch fallen. Lucilla pustet vorsichtig auf den Teller, doch eine goldene Flocke hat sich hartnäckig auf dem Seeteufel festgesetzt. "Mhm." Sie zuckt mit den Schultern, lässt den Seeteufel links liegen und widmet sich dem Aal.
Mit hungrigem Blick sondiert Lucilla die Fischsorten und lässt sich dann ihren Teller mehr als voll laden. Gutes Essen hat sie schon immer sehr geschätzt und dabei jegliche Scherze ihrer Brüder über ihren gesunden Appetit schon immer gekonnt ignoriert. Als dann auch noch der Delphin den Weg zu ihrem Tisch findet ist Lucillas Teller eigentlich schon voll, aber sie beeilt sich mit der Scholle und deutet dem Sklaven, noch immer kauend, an, dass er ihr auch ein Stück herüberreichen soll. Sie schluckt den letzten Bissen hinunter und schaut, fast ein bisschen entschuldigend, zu Aristides. "Ich liebe Fisch. Es ist verrückt, aber in Tarraco kommt fast nur Fleisch auf den Tisch. Das liegt daran, dass es einen Hafen und damit Fisch in rauen Mengen gibt und er somit nichts mehr Besonderes ist." Sie zuckt die Schultern und lächelt verschmitzt. "Ich mag ihn trotzdem und hier in Rom gilt er ja auch als gesellschaftsfähig."
Dadurch, dass der Fisch nicht zu trocken ist, kann Lucilla vorerst gut auf den Wein verzichten. Beim Fleisch wird es vermutlich schwieriger werden. "Wenn ich wieder hier bin, dann werde ich vorerst in Rom bleiben. Ich werde dann endlich meinen Verlobten heiraten und bis ich mich an diese neue Rolle als Ehefrau gewöhnt habe, wird sicherlich einige Zeit vergehen. Seit ich nicht mehr bei Cursus Publicus arbeite kommt es mir zudem so vor, als hätte ich noch weniger Zeit als zuvor schon, langweilig wird es mir also sicher nicht." Sie lächelt breit. "Es gibt immer irgendwas zu tun."
Es ist eine der schlimmsten Situationen, die sich Lucilla vorstellen kann, ein regelrechter Albtraum sozusagen: einer ihrer Lieblingscousins heiratet und sie hat kein passendes Kleid für die Feier. Dass es in Germania Märkte gibt, das liegt jenseits ihrer Vorstellungskraft, außerdem ist nicht sicher, ob sie nach ihrer Ankunft dort überhaupt noch genügen Zeit haben würde. Also muss in Mantua ein Kleid her, immerhin eine Stadt, die sich als Wohnort vieler Patrizierfamilien rühmt und was für eine Patrizierin passend ist, das wäre für Lucilla gerade gut genug.
Mit dem Tross ihrer Begleitsklaven, die sich nicht nur als Wächter für die Reise, sondern auch hervorragend als Paketträger eigenen, tritt sie an den Rand des Marktes. Die Sonne steht hoch am Himmel, ein lauer Wind geht und zieht durch die Stände hindurch, hebt so manches Tuch und lässt es flattern. Lucilla atmet tief ein, kneift die Augen zusammen und sondiert die Lage. Es ist keine Einkaufszeit und die Zahl der Konkurrentinnen ist gering. Einige vielversprechenden Stände sind schnell ausgemacht, auch die Billigwaren schnell aussortiert. Am Ende des Marktplatzes rollt ein kleiner Steppenläufer durch Lucillas Blickfeld als sie die Kiefer aufeinanderpresst und mit einem Schritt die unsichtbare Grenze zwischen Marktplatz und Rest der Stadt überwindet.
Mit energischen Schritten geht Lucilla auf einen Stand zu, an dem feine Stoffe flattern. Ihre Hand greift nach einigem Herumsuchen zielsicher nach einem seidig glänzenden, rotgoldenen Tuch, als sie mit einer zarten Hand kollidiert. Langsam hebt Lucilla ihren Blick und starrt feindselig in zwei braune Rehaugen, die zu den zarten Händen und einer zierlichen Frau gehören. Zwar ist sie etwas größer als Lucilla, doch so dürr, dass Lucilla fast glaubt um sie herum alles hinter ihr liegende sehen zu können. Die Frau macht ein leises, überhebliches Geräusch und in diesem Augenblick ist es für Lucilla klar: dieser Markt ist nicht groß genug für sie beide. Sie schiebt ihr Kinn vor und zieht mit einem kurzen Ruck an dem Stück Stoff, so dass es in ihren alleinigen Griff übergeht. Sie hebt es energisch dem Händler hin. "Einpacken." Dann dreht sie sich um und nickt einem der Sklaven zu, der sich um die Bezahlung kümmern wird. Mit dem Blick des Siegers geht sie ohne die Dürre eines weiteren Blickes zu würdigen an dieser vorbei und dem nächsten Stand zu. Für eine Hochzeit wäre der Stoff etwas zu gewagt, vor allem, da es nicht ihre eigene ist, aber es würde sich ein wunderbares Kleid für einen anderen Anlass daraus ergeben.
Diese Frage überfordert den Sklaven dann doch ein wenig. Mit Fragen hat er nicht gerechnet. Zwei Normalbriefe und alle Sesterzen aus dem Beutel, mehr weiß er nicht. "Das wars!" gibt er daher schroff zurück und hofft, dass es wirklich so ist.
"Vale!" Er dreht sich um und verlässt das Officium. Hoffentlich war das wirklich alles.
Lucilla winkt ab. "Gut, dann müssen wir uns auf jeden Fall nicht beeilen. Ach herrje," ihre Augen weiten sich ein Stück. "Ich habe überhaupt kein Kleid für so einen Anlass!" Natürlich hat sie ihre Garderobe für alle möglichen Anlässe aufgestockt, der Reisewagen ist nicht umsonst so gut beladen, aber auch ein Kleid, das für einen ausgesprochen wichtigen Empfang gut genug ist, eignet sich nicht für eine Hochzeit, weil eine Hochzeit eben eine Hochzeit und kein Empfang ist.
Sie zieht ein recht ratloses Gesicht und tippt mit dem Fuß auf den Boden. "Ich werde mich hier in Mantua nochmal umschauen müssen. Das ist aber wirklich ärgerlich, hoffentlich gibt es hier überhaupt passende Händler." Lucilla seufzt tief. "Naja, zu ändern ist es auch nicht mehr. Jetzt würde ich mich aber gerne ersteinmal etwas frisch machen, wenn es dir nichts ausmacht. Du hast ja sicher auch genug zu tun und wir sehen uns dann heute Abend beim Essen."
Vom Legionslager her kommt ein stämmiger Sklave und betritt nach einem lauten Klopfen an der Tür das Officium. Sein "Salve!" dröhnt durch den Raum und bleibt in allen Ritzen stecken. Er legt zwei Briefe auf den Tisch, man möchte fast sagen, er knallt sie auf den Tisch, aber es ist wohl gerade so an der Grenze.
"Meine Herrin, Decima Lucilla schickt mich. Zwei Briefe, Normalversand." Er kramt einen ledernen Beutel hervor und holt zehn Sesterzen daraus. "Müsste so stimmen."
Medicus Germanicus Avarus,
Casa Germania, Rom, Italia
Salve, liebster Medicus!
Ich schreibe dir aus Mantua und du wirst es nicht glauben, sogar mitten aus dem Legionscastellum. Livianus Wohnaus, das Praetorium, steht inmitten des Lagers und doch ist es eine kleine Welt für sich. Vom Soldatenleben bekommt man hier nicht viel mit, genauso gut könnte ich mich in einer Casa Decima sonstwo befinden. Livianus hat natürlich viel zu tun, aber es geht ihm gut.
Hast du schon mitbekommen, dass mein Cousin Magnus heiratet? Ich bin fast aus allen Wolken gefallen, als Livianus es mir erzählt hat. Wahrscheinlich habe ich die Einladung zur Hochzeit knapp in Rom verpasst. Aus diesem Grund wird Livianus nun auch mit weiter nach Germania reisen, du brauchst dir also keine Sorgen um mich zu machen. Ich hoffe trotzdem, dass er so viel Muse besitzt über Gallia zu reisen, und nicht noch über die Alpen ziehen will, Legionslegaten haben es ja immer so eilig. Ich für meinen Teil finde es bereits wagemutig genug so weit durch die Welt zu reisen und die Alpen wollte ich mir lieber für eine spätere Reise aufsparen, wenn wir irgendwann einmal im Sommer nach Germania reisen. Aber er wird es schon wissen, er hat in dieser Hinsicht sicher mehr Erfahrung und ich vertraue ihm.
Wie sehr ich dich vermisse schreibe ich dir lieber nicht, es reicht, wenn es mir schwer auf dem Herzen liegt. Ich hoffe, dass es dir gut geht und ich vermisse dich trotzdem.
In Liebe,
deine Lucilla
Maximus Decimus Meridius,
Regia Legati Augusti pro Praetore,
Mogontiacum, Germania
Salve Bruder,
Du wirst es nicht glauben, ich sitze mitten in einem Legionscastellum und schreibe dir. Ganz recht, du hast schon richtig gelesen, deine Schwester hat tatsächlich noch den Weg zur Legion gefunden. Eigentlich wollte ich zu euch allen hinauf nach Germania reisen, wie ich es schon lange versprochen habe. Keine Sorge, das werde ich auch nun noch, doch als wir die Nachricht von Livianus Versetzung erhalten haben, habe ich beschlossen über Mantua zu reisen und ihn ebenfalls noch zu besuchen. Vielleicht war es ein Wink Fortunas, denn hier habe ich von ihm erfahren, dass Magnus beabsichtigt zu heiraten und Livianus deswegen ebenfalls nach Germania reisen wird. Du brauchst dir also keinerlei Sorgen um mich zu machen, ich werde sicher im Tross eines Legionskommandanten reisen.
Wann wir ankommen, weiß ich nicht genau. Ich schätze aber, wir werden bald aufbrechen, damit wir zur Hochzeit rechtzeitig da sind. Ihr könnt also schon einmal die Gästezimmer einheizen.
Ich freue mich schon sehr, euch bald alle wiederzusehen!
Deine Schwester
Lucilla
Lucilla grinst etwas verlegen. Da ist es wieder, das leidliche Thema Verwandtschaft. Wieso muss sie auch immer schneller reden und nachfragen, als sie denken kann? "Ja, ich bin mit ihm verwandt. Der Legat Decimus ist mein Cousin, zumindest der in Mantua. Der andere in Germania ist mein Bruder." Sie greift gedankenlos nach dem Wein und trinkt einen Schluck. Zu spät merkt sie, wie die Flüssigkeit scharf in ihrer Kehle brennt und ihr fast die Tränen ins Gesicht treibt. Die einzige Möglichkeit für Lucilla Wein fast pur zu trinken ist, wenn sie zuvor schon Unmengen verdünnten Wein getrunken hat. Aber so weit ist sie heute noch nicht. Sie spürt wie ihr nun ganz ohne einen Grund Hitze aufsteigt und schüttelt sich leicht und verzieht das Gesicht.
Dann blickt sie Aristides erstaunt an. "Es gibt bald ein Amphitheater in Mantua? Das heißt es gibt dort noch keines? Dann muss es wirklich sehr verschlafen sein. Aber mit einem Theater gibt es wohl noch Hoffnung. In Tarraco gibt es ein großes Amphitheater direkt am Strand und sobald ersteinmal so eine Arena da ist zieht sie auch Gladiatorenspiele an."
Lucillas Blick geht zum Theaterstück, doch sie hat zu wenig davon mitbekommen, als dass sie wüsste, worum es geht. Sie zuckt leicht die Schultern und zwinkert Aristides lächeld zu. "Ich habe keine Ahnung worum es geht, ich habe wohl den Anfang verpasst." Auf einmal rieselt goldener Schnee vom Himmel des Raumes. Lucilla fängt verzückt einige Papyrusschnipsel auf. Wie die feinen Flocken sich bei jeder Berührung fast auflösen erinnert sie an den so selten in Rom oder Tarraco fallenden Schnee, der aufgrund seiner Seltenheit eine ähnliche Verzückung bei ihr hervor ruft.
Ungefähr in diesem Augenblick bemerkt Lucilla das schon fast nicht mehr schickliche verträumte Lächeln ihres Gegenübers für sie und sie fragt sich, fast ein wenig erschrocken, ob Aristides wohl doch mehr im Sinn hat, als ein angenehmes Gespräch. Doch sogleich schilt sie sich eine Närrin, immerhin ist er ein Flavier, ein Patrizier, und er würde ganz sicher nicht eine verlobte Frau verführen. Wahrscheinlich kommt das Gefühl nur durch die ihr von ihrem Bruder nahegelegte übertriebene Vorsicht in Hinsicht auf die Absichten der Männerwelt, und sein Gesichtsausdruck hat wohl vielmehr mit dem Bühnenspiel oder seinen eigenen Gedanken zu tun, als mit ihr. Sie lächelt Aristides zu und schließt sich dem Applaus an, welcher die sich von der Bühne verabschiedenden Darsteller begleitet.
Nachdem die Tür sich hinter Marius geschlossen hat, rollt sich Lucilla auf den Bauch und starrt grimmig das Bettende an. Was soll sie nun davon halten? Eigentlich hat sie sich Sorgen gemacht, dass Livianus nicht über Aemilias Tod hinwegkommen kann und das womöglich an irgendetwas anderem auslässt, was ihm früher oder später noch ernsthafte Schwierigkeiten bereiten könnte. Aber wie passt Valeria da rein? Hatte sie nicht selbst erzählt, dass sie Maximians Liebe und dessen Kind unter dem Herzen trug? Selbst wenn das Kind ... Lucilla mag den Gedanken gar nicht zuende denken, aber selbst dann ... was ist mit Maximian?
Was bedeutet das überhaupt, Livianus und Valeria sind nicht nur Freunde? Natürlich sind sie nicht nur Freunde, sie sind Verwandte! Nicht wirklich, aber doch irgendwie. Ein ungeheuerlicher Gedanke kommt Lucilla, doch er ist so ungeheuerlich, dass sie ihn nicht laut denken mag. Sie schüttelt vehement den Kopf und lässt ihn schwer auf das Kissen sinken. "Nein." beruhigt sie sich selbst leise. "Das kann gar nicht stimmen." Sie rollt sich erneut auf dem Bett herum und starrt die Decke an. Der Gedanke ist so ungeheuerlich, dass er wie ein Ungeheuer hinter jedem anderen Gedanken lauert und immer wieder seine bösartigen Augen hervorstreckt, die Lucilla einfach nicht ingorieren kann.
Sie steht auf und holt ihre Bürste aus einer der kleinen Reisekisten hervor. Mühsam öffnet sie ihre gesteckte Frisur und fragt sich, wo Ambrosius schon wieder abgeblieben ist. Ihr langes, schwarzes Haar fällt sanft über ihre Schultern und sie beginnt damit, es Strähne für Strähne zu bürsten. Warum hatte sie auch nachfragen müssen, warum war sie nur mit dieser elenden Tücke der Neugier geschlagen? Schlimmer noch, warum würde sie es nicht mehr vergessen können und wie sollte sie Livianus danach fragen? Fragen über Fragen und mit jedem Haar scheinen es nur mehr zu werden.
Lucilla versteht erst überhaupt nichts von dem was Marius da zusammenfaselt und will schon quengelnd nachhaken, als er doch noch mit seinem Schlusssatz herausrückt. Lucillas Augen weiten sich, dann klappt ihr Mund auf und sie starrt den Sklaven irritiert an. Sie schließt den Mund, öffnet ihn wieder um etwas zu sagen, schließt ihn jedoch erneut unverrichteter Dinge.
Dann schüttelt sie leicht den Kopf. "Geh jetzt. Kein Wort mehr davon." Ihre Stimme schneidet durch die Luft wie ein scharfes Gladius und lässt keinen Zweifel daran, dass sie keinen Widerspruch duldet.
Das wäre ja ungeheuerlich. Oder nicht? Was ist mit ... und überhaupt? Hatte nicht Valeria ...? Und wieso tat Livianus ...? War Aemilia nicht ...? Was dachten sich die beiden, wenn ...? Wo hatte Maximian ...? Nicht fähig, einen einzigen Gedanken zuende zu denken, lässt sich Lucilla schwer wie ein mit Wasser vollgesogenes Leinentuch zurück auf das Bett fallen und starrt die Decke an. Wenn das wahr ist, dann ... Was dann? Sicherlich hat der Sklave gelogen, er ist nur ein Sklave. Sicherlich ... oder nicht?
"Na sowas!" Lucilla lacht und dreht sich wieder zum Atrium. "Das ist ja wunderbar!" Sie grinst schelmisch "Einer weniger, um den ich mir Sorgen machen muss." Natürlich hört Lucilla nie auf, sich irgendwie um ihre ganzen Verwandten Sorgen zu machen, vor allem nicht um die bei Legion und Ala, aber mit dem Wissen, dass zukünftig eine Frau hinter Magnus stehen würde, braucht sie sich nicht gar so viele Gedanken zu machen.
"Ich habe keine Einladung mehr bekommen, aber wahrscheinlich liegt sie in Rom bereit. Maior wird sich schon gedacht haben, dass du es mir sagst oder dass ich so oder so nach Germania reise. Wann ist die Feier? Müssen wir uns beeilen? Und wer ist die Frau? Kenne ich sie? Kennst du sie? Ist sie nett?"
Diesen Tonfall kennt Lucilla viel zu genau und auch das dazu passende Gesicht. Denn obwohl sie sich selten im Spiegel sieht, wenn sie so ein Gesicht zieht, irgendwie so muss es aussehen, wenn man ein schlechtes Gewissen hat. Irgendetwas hat Livianus ausgefressen, da ist sie sich nun ganz sicher. Wer könnte es ihm schon verdenken, bei allem, was er durchgemacht hat?
"Marius, du sagst mir jetzt, was vorgefallen ist. Wenn Livianus nicht damit klar kommt, dann muss ich das wissen." Ihr Tonfall wird ein wenig weicher. " Weißt du, Livianus und seine Brüder sind zwar meine Cousins, aber sie waren für mich immer wie Brüder und sind es heute noch. Sie haben doch sonst keine Schwester, die auf sie aufpasst ..."
Lucilla lächelt zufrieden. "Dann ist es ja gut." Nichts ist wichtiger, als sich nach so einem Ereignis zu fangen. Lucilla hat schon viele Tode erlebt und alle waren furchtbar gewesen. Dennoch stellt sie es sich noch viel schlimmer vor, einen Menschen zu verlieren, mit welchem man in so einer innigen Beziehung steht, wie dies bei Livianus und Aemilia der Fall gewesen ist.
Dann, ganz langsam tröpfeln die Worte des Sklaven in Lucillas Hirn ein, wo der genaue Wortlaut verarbeitet wird. "Moment. Was meinst du damit, dass es nicht nötig gewesen wäre? Er hat doch keine Dummheiten angestellt, oder Marius? " Bei ihren Verwandten kann man da nie sicher sein. Sie kennt ja selbst das hispanische Temperament, das schnell mal mit einem durchgeht und als Legatus Legionis hat man sicher die größte Auswahl bei den Möglichkeiten, wie man sich abreagieren kann.
ZitatOriginal von Decima Valeria
Was hör ich da? Mein Lieblings-Primus-Pilus hat Geburtstag? Hui!
*tief Luft hol*
IchwünschedirandeinemGeburtstagallesGuteundLiebeunddassdusobleibstwiedubistundgaaaanzvieleGeschenkebekommstunddassdirdasGlückimnächstenJahrholdseinmag!!
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Muss ich mir jetzt Gedanken machen? [Blockierte Grafik: http://www.cheesebuerger.de/images/midi/boese/d014.gif]
[size=7]Das mit den Geschenken überleg ich mir dann nochmal. ;)[/size]
Eben noch von Neugier fast in Brand gesetzt, kühlt sich Lucillas erwartungsvolles Gemüt augenblicklich ab. "Ach von Valeria redest du." Es klingt ziemlich enttäuscht. "Was hat sie denn im Castellum gemacht? Wollte sie nicht nach ... " Gute Frage, irgendwo nach Germania, warum also nicht nach Colonia Claudia? "... ah so. Mhm. Ich dachte, sie wollte zu Maximian."
Sie mustert Marius. "Aber so eine andere Frau gab es nicht? Du weißt schon, eine die Livianus umworben hat oder umgekehrt. Naja, das wäre wohl auch ein wenig zu früh, nicht wahr? Aemilia ist ja immerhin noch nicht sehr lange fort." Fort, das klingt so, als würde sie irgendwann wieder kommen. Lucilla seufzt, das muss eine schwere, traurige Zeit für Livianus gewesen sein, so ganz alleine dort oben im düsteren Germanien. Es ist wirklich gut, dass er nun wieder in Italia ist.