Wochen verstrichen und die Station nahm Gestalt an. Längst fanden alle Bewohner eine neue Bleibe. Die meisten auf den Landgütern des Praefectus Urbi und seines Klienten Iulius Antoninus. Letzterer konnte an der weiteren Entwicklung nicht mehr teilnehmen, aber sein Beitrag zur Schaffung der Voraussetzungen war groß gewesen. Dort, wo kein Interesse vorlag, Rom zu verlassen, suchten die Verantwortlichen Ersatzwohnungen, die entweder frei wurden, weil einzelne Suburabewohner eine Karriere bei den Vigiles begannen oder weil andre aus anliegenden Bezirken das Landleben samt Anstellung wählten und damit ihre Wohnräume frei wurden.
Die ursprüngliche Idee, den Insulakomplex in Raten abzureißen, musste fallen gelassen werden. Der Beginn der Abrissarbeiten löste eine Kettenreaktion aus: fiel die eine Wand, wankte die andere. Menecrates, der in seiner Jugend Architektur studiert hatte, war aus diesem Grund häufiger als geplant vor Ort und raufte sich zuweilen die Haare. Er vermisste tragende Wände. Sogar an der Mischung, in die Steine gesetzt wurden, hatte man gespart. Dass dieses Gemäuer bis zum Abrisstag noch stand, erstaunte ihn immer mehr je weiter er Kenntnis über alle Baumängel erhielt.
Mangels Bleibe mussten sich die Urbaner zunächst wieder aus der begonnenen Stationsarbeit zurückziehen. Einzig die Nachtstreifen wurden in den Anfängen installiert. Durch den Start aus der Castra Praetoria entfiel ein Teil der Schicht auf den An- und Abmarsch, was Menecrates hinnahm. Ändern konnte er an der Situation vorerst nichts, aber er arbeitete mit seinem Stab und externen Beratern und Unterstützern mit Hochdruck am Baufortschritt.
Der Abtransport unbrauchbaren Materials lag hinter ihnen. Viele Steine konnten erneut Verwendung finden, sofern sie nicht über die Zeit bröselig geworden waren. Arbeiter nutzten zum Leidwesen der Anwohner und Händler nahezu jeden freien Fleck im Umkreis, um Steine sauberzuklopfen und zu Stapeln zu schichten. Erste Ladungen von Sand und Kalk trafen ein, deren Lagerung einem vorher ausgeklügeltem System folgte. Die Einhaltung kontrollierten Unteroffiziere. Die Meldungen flossen täglich bei Menecrates zusammen. Er ließ es sich auch nicht nehmen, täglich auf dem Bauplatz präsent zu sein, um auftretende Beschwerden der Anwohner entgegen nehmen zu können und auf dem kürzesten aller Dienstwege zu klären. Verzögerungen beim Bauvorhaben wollte er sich ebensowenig leisten wie ein Kippen der Stimmung gegen seine Einheit und die neue Station.