Beiträge von Herius Claudius Menecrates

    Wochen verstrichen und die Station nahm Gestalt an. Längst fanden alle Bewohner eine neue Bleibe. Die meisten auf den Landgütern des Praefectus Urbi und seines Klienten Iulius Antoninus. Letzterer konnte an der weiteren Entwicklung nicht mehr teilnehmen, aber sein Beitrag zur Schaffung der Voraussetzungen war groß gewesen. Dort, wo kein Interesse vorlag, Rom zu verlassen, suchten die Verantwortlichen Ersatzwohnungen, die entweder frei wurden, weil einzelne Suburabewohner eine Karriere bei den Vigiles begannen oder weil andre aus anliegenden Bezirken das Landleben samt Anstellung wählten und damit ihre Wohnräume frei wurden.
    Die ursprüngliche Idee, den Insulakomplex in Raten abzureißen, musste fallen gelassen werden. Der Beginn der Abrissarbeiten löste eine Kettenreaktion aus: fiel die eine Wand, wankte die andere. Menecrates, der in seiner Jugend Architektur studiert hatte, war aus diesem Grund häufiger als geplant vor Ort und raufte sich zuweilen die Haare. Er vermisste tragende Wände. Sogar an der Mischung, in die Steine gesetzt wurden, hatte man gespart. Dass dieses Gemäuer bis zum Abrisstag noch stand, erstaunte ihn immer mehr je weiter er Kenntnis über alle Baumängel erhielt.


    Mangels Bleibe mussten sich die Urbaner zunächst wieder aus der begonnenen Stationsarbeit zurückziehen. Einzig die Nachtstreifen wurden in den Anfängen installiert. Durch den Start aus der Castra Praetoria entfiel ein Teil der Schicht auf den An- und Abmarsch, was Menecrates hinnahm. Ändern konnte er an der Situation vorerst nichts, aber er arbeitete mit seinem Stab und externen Beratern und Unterstützern mit Hochdruck am Baufortschritt.
    Der Abtransport unbrauchbaren Materials lag hinter ihnen. Viele Steine konnten erneut Verwendung finden, sofern sie nicht über die Zeit bröselig geworden waren. Arbeiter nutzten zum Leidwesen der Anwohner und Händler nahezu jeden freien Fleck im Umkreis, um Steine sauberzuklopfen und zu Stapeln zu schichten. Erste Ladungen von Sand und Kalk trafen ein, deren Lagerung einem vorher ausgeklügeltem System folgte. Die Einhaltung kontrollierten Unteroffiziere. Die Meldungen flossen täglich bei Menecrates zusammen. Er ließ es sich auch nicht nehmen, täglich auf dem Bauplatz präsent zu sein, um auftretende Beschwerden der Anwohner entgegen nehmen zu können und auf dem kürzesten aller Dienstwege zu klären. Verzögerungen beim Bauvorhaben wollte er sich ebensowenig leisten wie ein Kippen der Stimmung gegen seine Einheit und die neue Station.

    Die Gespanne strebten nach dem Zieldurchlauf mehr oder weniger zügig dem Ausgang entgegen und Menecrastes sandte ihnen noch Blicke nach, bevor er sich Caesoninus zuwandte.
    "Dann lass mal hören, was du für das nächste Rennen planst." Da es sich nicht um eine Wettkampftaktik handelte, störte sich Menecrates nicht daran, dass sich noch Vertreter der Veneta in der Nähe aufhielten. Mit einem Blick geqwhrte er auch noch die Soldaten der Stadtkohorten, deren Aufgabe weitgehend werledigt war. Er dankte dem Ranghöchsten des Trupps mit einem Nicken für die erfolgreiche Sicherung des Ereignisses. Einem Abmarsch stand nichts mehr im Weg.
    Der Claudier verschränkte die Arme und hielt mit einer Hand sein Kinn, was ihm einen nachdenklichen Ausdruck verlieh. Gleichzeitig offenbarte es Interesse und Aufmerksamkeit, die nun ganz dem Iulier galt.

    Zitat

    Original von Manius Flavius Gracchus
    Menecrates wünsche ich eine baldige Genesung und hoffe, der Aufenthalt im Krankenhaus bringt den gewünschten Erfolg! Was die Hände alles leisten wird einem wohl vorwiegend erst dann bewusst, so sie diese Leistung einmal einstellen...


    :dafuer: Danke Gracchus. Ich schreib in diesem Thread nur noch heute mal. Bei mir wurde nach dem doppelten Armbruch das chronische regionale Schmerzsyndrom diagnostiziert, weswegen ich endlich eine Erklärung für die starken und anhaltenden Schmerzen, die Schwellungen und die Versteifungen habe. Die Angelegenheit ist langwierig (viele Monate) und wird kaum nennenswerte Überraschungen bieten. Daher spare ich mir hier weitere Nachrichten. Ich tippe weiterhin einhändig und so oft ich mich dazu überreden kann.

    Das Rennen ging in die entscheidende Runde und Menecrates achtete nicht mehr darauf, ob Caesoninus trotz bislang nicht erfolgter Zeichenabsprache etwas unternahm oder in Auftrag gab, um die Zuschauer zu aktivieren. Viele taten es ohnehin von allein und erreichten das, was sich die Gastgeber wünschten: Einen packenden Zweikampf an der Spitze des Feldes, bei dem noch nicht einmal nach der Hälfte dieser letzten Runde feststand, wer die Nase vorn haben würde. Während der erste Platz heiß umkämpft war, tat sich auf den nachfolgenden Rängen wenig bis nichts. Die einen schienen sich verausgabt zu haben, die anderen setzten auf Sicherheit anstelle Risiko.


    "Das kannst du mir gern verraten", erwiderte Menecrates auf Caesoninus' Frage, ob er sich dessen Vorschlag für das nächste Rennen anhören wollte. Den Kopf wandte er dabei nicht, denn er wollte nicht den Moment verpassen, an dem der Zweikampf entschieden wurde. "Warte damit aber bis nach dem Zieleinlauf." Seine Hände ballten sich vor Spannung, denn Syennesis und Hamiris lagen gleichauf. "Sind gut deine Ideen", brachte er gerade noch hervor, als wenige Pferdelängen vor der Ziellinie die Rösser der Grünen einen hauchdünnen Vorsprung verteidigten. Dann schossen die Gespanne an ihnen vorbei und obwohl die Funktionäre beider Factiones mehr als günstig saßen - oder inzwischen standen - war sich Menecrates nicht sicher.


    "Hat das jetzt gereicht?" Augenblicke später verkündete ein Sprecher die Reihenfolge.


    Die Reihenfolge nach Runde sieben:
    1) Syennesis
    2) Hamiris
    3) Braecus
    4) Prusias Kynegros
    5) Oxtaius
    6) Rianorix

    Die Vorgänge auf der Sandbahn banden Menecraes' Aufmerksamkeit, sodass er sich nicht um das Eingreifen seiner Soldaten an der Wendemarke kümmerte. Es würde sich auch um eine schlechte Einheit handeln, wenn alles der Aufsicht des Kommandierenden bedurfte. Es gab Offiziere, Stubenälteste und vorgeschriebene Handlungsmuster, die in Fällen wie diesem zum tragen kamen. Der Claudier wandte sich daher dem Rennverlauf und seinem Organisator zu.


    "Oh, oh, der Blaue rückt näher", kommentierte er Hamiris' Aufholjagd. Wie lange Syennesis noch dagegenhalten konnte, war ungewiss. "Wir brauchen die Fans als Kulisse. Hast du Zeichen verabredet?" Er blickte zu Caesoninus. Falls nicht, hieß es aus diesem Rennen zu lernen. Auch dafür waren Trainingsrennen da. Irgendwann folgte ein Wettkampf und auf den wollten sie gut vorbereitet sein.
    Prusias Kynegros hingegen konnte sein Gespann wieder kontrollieren und gab sich längst nicht geschlagen. Er rückte näher und schnitt dem vor ihm platzierten Braecus in der Kurve den Weg ab. Um einen Zusammenprall zu vermeiden zügelte dieser seine Pferde und verlor an Boden. Den so herausgearbeiteten Vorsprung gab Prusias Kynegros nicht mehr her und nahm ihn in die sechste Runde mit.



    Die Reihenfolge nach Runde fünf:
    1) Syennesis
    2) Hamiris
    3) Prusias Kynegros
    4) Braecus
    5) Oxtaius
    6) Rianorix

    Menecrates warf einen Seitenblick auf Frurius, als der über die Fahrer der Veneta zu sprechen begann. Offensichtlich besaß der Miles Kenntnisse. Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen konnte sich der Praefekt eine Anmerkung nicht verkneifen.


    "Hamiris der Beste?", fragte er, kurz nachdem der Sprecher die Reihenfolge verkündete. Der Venetafahrer lag auf Rang vier, versuchte aber just in diesem Moment, seine Position zu verbessern. Es störte Menecrates nicht im Geringsten, dass die Einschätzung des Miles ausschließlich den Blauen Fahrern galt. Jeder sollte seinen Vorlieben im Freizeitbereich nachgehen können. Solange zumindest ein Grüner vorne mitmischte, blieb das Rennen spannend und das bedeutete Menecrates fast noch mehr als der mögliche Sieg.


    "Achtung, da tut sich was", kommentierte er den Vorstoß gleich mehrerer Fahrer. Während sich Hamiris mit seinem Stallkollegen Oxtaius duellierte, rangen Prusias Kynegros und Syennesis um die Spitzenposition. Ein paar Fans an der hinteren Wendemarke warfen Sand in die Luft in Richtung der Bahn, als die Gespanne auf ihrer Höhe waren. Eine nicht duldbare Handlung, da der Sand sowohl Fahrern als auch Pferden in die Augen wehen konnte. Auf spektakuläre Stürze wollte Menecrates lieber verzichten. Sie befanden sich im Training und es ging um nichts als Erfahrung.
    "Da müssen ein paar Männer hin", wies er an.


    In der Gewissheit, dass sich seine Truppe um die Vorwitzigen kümmern würde, wandte er sich an Caesoninus. "Gespräche haben wir schon einige mit ihm geführt und sieh mal, er scheint heute einen guten Tag erwischt zu haben." Sein Kopf wies Richtung Bahn, wo sich Syennesis auf der Geraden anschickte, die Spitzenposition zurückzuerobern. "Warten wir ab, wie das Rennen verläuft. Ein Auswertungsgespräch werden wir mit allen führen, aber wer eine Ermahnung kassiert, muss sich noch zeigen."


    Die Reihenfolge nach Runde drei:
    1) Syennesis
    2) Prusias Kynegros
    3) Hamiris
    4) Oxtaius
    5) Braecus
    6) Rianorix

    "Andererseits zeigte Syennesus bisher nie eine gleichmäßige Leistungssteigerung. Mal wurde er Erster, ein anderes Mal Letzter. Berechenbar zu sein, schien ihm langweilig, obwohl er in den letzten Rennen nicht mehr zu den Schlechtesten gehörte. Er ist nicht berechenbar, das macht es auch für seine Gegner schwierig, ihn einzuschätzen."


    Auf der Schlussgeraden der ersten Runde musste sich Prusias Kynegros dem Grünen Syennesis klar geschlagen geben. Der Praesinafahrer legte ein halsbrecherisches Tempo vor und Menecrates beschlichen Zweifel, ob dies eine gute Taktik darstellte. Die anderen Fahrer beließen es dabei, ihren zunächst errungenen Platz im Feld zu sichern. Vermutlich würde die nächste Runde den einen oder anderen Überraschungsangriff zeigen.



    Die Reihenfolge nach Runde eins:
    1) Syennesis
    2) Prusias Kynegros
    3) Oxtaius
    4) Hamiris
    5) Rianorix
    6) Braecus

    Es ergaben sich bereits viele Möglichkeiten für Menecrates, seine Einheit in Aktion zu sehen und einschätzen zu können, wo sie stand. Ganz gleich, ob neue oder bekannte Situation - er achtete mit einem Teil seiner Aufmerksamkeit immer AUF die Abläufe und das Agieren. Nicht immer lief es gleich gut ab, weswegen er sich eine kleine Elitetruppe zusammengestellt hatte, wenn es darum ging, seine Person zu schützen. Viele Urbaner brillierten bei der Sicherung von Großereignissen, einzelne beim Personenschutz und jeder wurde so eingeteilt, wie seine Stärken es am sinnvollsten zuließen.


    Der heutige Tag erforderte einen individuellen Einsatz, denn weder Großereignis noch eine besondere Gefährdung lagen vor. Als sie eintrafen, erhielt der Preafectus Urbi einen Hinweis, entstieg der Sänfte und gab Anweisungen.
    "Solange nichts Unvorhergesehenes passiert, bleibt auf dem Gelände eher unauffällig. Stets bereit, aber im Hintergrund. Ich rechne nicht mit Fanausschreitungen, denn es handelt sich ja um ein Übungsrennen, keinen Wettkampf. Fünf Mann kommen mit mir." Bei diesen Worten setze er sich in Bewegung. Er strebte der Tribüne für die Ausrichter und Funktionäre zu.
    "Welchen Stellenwert hat für euch der Wagenrennsport?", fragte er die ihn begleitenden Miles.

    Sim-Off:

    Ich breche hier mal ab, denn zum Dauerlauf hat offensichtlich keiner Lust, was ich auch verstehe.


    Menecrates hatte genug gesehen und Zufriedenheit sah anders aus.


    "Consistite!", brüllte er über den Platz. bevor er auf die Männer zuschritt, um nicht dauerhaft brüllen zu müssen. "Das gefällt mir so nicht. Wir werden hier jetzt die Trainingsmethoden der Prima einführen. Das ist mein Maßstab, daran werde ich euch messen. Vorher eine kleine Einleitung, da ich noch immer nicht abschätzen kann, was sitzt und was nicht." Er winkte einzelne Miles heran. Sie sollten nach dem Stehenbleiben nicht verweilen, sondern sich um ihn versammeln.


    "Unser Ziel heute: eine Unterweisung in Sachen korrekten Exerzierens. Ich erwarte sowohl eine saubere Ausführung aller Kommandos als auch das korrekte Auslaufen der Ecken. Abkürzungen derselben werden mit Zusatzrunden bestraft.


    Zunächst eine Wiederholung der Befehle.


    'State!’ bedeutet: Strammstehen,
    'ad dextram!’ bedeutet: nach rechts drehen,
    'ad sinistram!’ bedeutet: nach links drehen,
    'retro!’ bedeutet: umdrehen,
    'aequatis passibus!’ bedeutet: im Gleichschritt
    'pergite!’ bedeutet: losmarschieren und
    'consistite!’ bedeutet: anhalten.


    Wir machen einen kurzen Test, damit ich sehe, ob ihr alles verstanden habt.


    Aequatis passibus pergite! Unus - do. Ad dextram pergite! Unus. Consistite!“


    Sim-Off:

    Folgt dem Link, um zur grafischen Darstellung des Exerzierplatzes zu gelangen. Benutzt nur das Feld mit den 100 Einzelfeldern und NICHT Macers Befehlskette.


    Ihr startet auf Feld 25 mit Blick Richtung Osten. Wo steht ihr am Ende?

    Caesoninus weckte Menecrates' Aufmerksamkeit und Neugier, brach jedoch in dem Moment seine Ausführungen ab, als es nicht nur spannend zu werden schien, sondern auch Vertreter der Veneta auf sie zuschritten. Menecrates kannte den jungen Mann an der Spitze von Angesicht. Duccius füllte in einer der vergangenen Amtszeiten einen Magistratsposten aus.


    "Salve, Duccius Callistus!" Menecrates war sich sicher, dass Duccius kein Funktionär der Veneta war, aber ganz offensichtlich ein Anhänger dieses Sportes. "Pferde, Geschwindigkeit, Siege und Niederlagen, all das übt eine seltsame Faszination auf die meisten Menschen aus." Er lächelte. "Gibt es denn auch bereits weiterführende Pläne in beruflicher oder besser gesagt politischer Hinsicht?"
    Er beabsichtigte nicht, den Start zu verzögern, aber nach dem Gruß zu schweigen, hätte er als unhöflich empfunden.


    Ein weiterer Vertreter der Veneta bemühte sich, den Anschluss herzustellen. Als Germanicus eintraf, grüßte er und Menecrates überlegte, ob er den jungen Mann kannte und falls ja, woher. Ein Name fiel ihm spontan nicht ein, aber er grüßte freundlich zurück mit einem Nicken.
    "Salve! Ab jetzt eilen nur noch die Pferde und wir schauen zu."


    Er richtete seinen Blick auf Caesoninus und konnte bei diesem Aufregung und Stolz gleichermaßen erkennen. Als Menecrates zum ersten Mal das weiße Tuch in den Händen hielt, war er um Längen älter. Sein Kopf ruckte Richtung Start, als sich die Gespanne lösten und der Wettstreit um die beste Position beim Einfädeln begann. Er erkannte viel Blau an der Spitze, aber ein Grüner mischte mit. Bei näherem Hinsehen erkannte Menecrates Syennesis.


    "Dieser Syennesis ist unberechenbar. Entweder ist er Spitze oder er verhaut komplett. Worauf tippst du heute?" Er schaute zu Caesoninus.

    Menecrates wartete, bis Caesoninus eintraf, dann lächelte er.
    "Salve Iuilus, der Tag könnte nicht besser sein. Unser Rennen trifft auf Interesse." Er ließ den Blick über die Ränge schweifen, bevor er wieder zu Caesoninus sah. "Ich habe gehört und es selbst gesehen, dass du ordentlich Werbung gemacht hast. Das war ein schlauer Zug und das Ergebnis sehen wir hier." Er wies mit der Hand in Richtung der Zuschauer. "Lass uns das Volk doch überraschen." Er zwinkerte und hob anschließend den Arm.
    Eine Schar Sklaven - allesamt dem claudischen Haushalt zugehörig - betrat mit Körben das Areal. Der Inhalt war auf die Entfernung schwer erkennbar, aber die Farben erstrahlten in frischem Gelbgrün, Rot und Orange. Aus einem von zwei Helfern getragenen Bottich ragten braune Brotlaibe, die das Auge leichter zu identifizieren vermochte. Menecrates hatte bei der Spendenauswahl und Menge darauf geachtet, dass er nicht 500 Sesterzen überschritt. Es handelte sich hier ja auch nur um ein kleines Rennen unter Beteiligung von nur zwei Factiones. Bei dem nachfolgenden Dreierrennen rechnete er mit mehr Fans und er würde zur Sicherheit die Spende anmelden. Die neue Lex Mercatus fand Menecrates nicht in jedem Punkt ein Gewinn, aber er hatte sich damals aus diplomatischen Gründen nicht gegen sie gestellt.


    "Die Praesina, unlängst noch unbedeutend und die am schlechtesten aufgestellte Factio, ist schon lange aus diesem Loch heraus, aber wer sich ausruht, gerät schnell wieder in Vergessenheit, deswegen bleiben wir am Ball." Er hob die Brauen und forderte damit die Meinung seines Gesprächspartners heraus. Ihn interessierten die Gedanken anderer, denn er fand Gedankenaustausch stets fruchtbar.


    Mittlerweile hatten sich die angekündigten Gespanne zur Startlinie begeben und nach einiger Mühe befand sich auch das letzte in seiner Box. Menecrates hielt Ausschau nach den Vertretern der Veneta und glaubte, einzelne von weitem zu erkennen. Sicherlich würde sich noch das eine oder andere Gespräch ergeben, aber auf die gegenseitige Begrüßung vor dem Rennen wollte er nicht länger warten. Wartezeiten führten stets zu Unmut auf den Rängen.


    "Dem Organisator steht das Privileg zu, das Startsignal zu geben", sagte er zu Caesoninus und wies mit eine Kopfbewegung zum Helfer, der ein weißes Tuch in den Händen hielt. Der Organisator brauchte es nur zu nehmen und im passenden Moment fallenlassen, dann würde hier sicherlich die Luft brennen.


    Sim-Off:

    WiSim

    Sim-Off:

    Ein Zweierrennen muss der PU nicht genehmigen, erst ab drei beteiligten Factiones. :)


    Die Arbeit ging vor, aber ab und an gönnte sich Menecrates auch ein wenig Vergnügen. Die meiste Zeit seines Lebens spielten Pferderennen keine Rolle, mittlerweile wuchs ihm die Factio samt Sport ans Herz. Längst kannte er die wichtigsten Vertreter der anderen Rennställe, deren Wagenlenker und die bekanntesten Gespanne. Er wusste, welche Fangruppen ungemütlich werden konnten und mit welchen er Schulter an Schulter ein Fortkommen im Rennsport sah. Er kaufte gute Rennpferde, warb neue Wagenlenker an und leistete sich und seinem neuen Freizeitvergnügen die besten Trainer. Ein Arzt - bewandert in der Tierheilkunde - stand einzig für den Rennstall zur Verfügung. Nur gelegentlich durfte ein Factiomitglied dessen Leistung für private Angelegenheiten in Anspruch nehmen, darüber hinaus aber niemand.


    Pünktlich zu den Startvorbereitungen traf Menecrates im Circus ein. Eine kleine Abteilung Urbaner begleitete ihn, da es sich zwar um ein Trainingsrennen, aber unter Einbeziehung der Öffentlichkeit handelte. Die Sicherung von für die Öffentlichkeit zugänglichen Ereignissen gehörte zu den Grundaufgaben der Cohortes Urbanae und im Vorfeld konnte Menecrates nicht einschätzen, wie gut oder schlecht das Unterhaltungsangebot von der Bevölkerung angenommen wurde.


    Von weitem entdeckte er Caesoninus, der das Rennen organisiert hatte. Menecrates hob den Arm zum Gruß. Sie würden sicherlich Gelegenheit haben, das eine oder andere zu besprechen und die Leistungen der einzelnen zu bewerten.

    Der in Aussicht gestellte Lageplan und der Bericht über die Einrichtung des vorläufigen Officium interessierten Menecrates, beides beantwortete allerdings nicht seine Frage nach dem Stand, der sich selbstverständlich auf den Fortschritt der Umsiedlungsaktion bezog. Nach Beendigung des Gesprächs mit dem Centurio wandte sich der Praefectus Urbi daher den Protokollanten zu, die sicherlich einen Überblick hatten. Er nahm deren Straffen der Haltung sowie das aller übrigen Soldaten mit einem Nicken entgegen. Menecrates legte Wert auf diese Respektsbezeugung. Nicht, weil er sie für sich brauchte, sondern weil er sie als Instrument für die Außendarstellung der Truppe betrachtete. Es spielte keine Rolle, ob sich Zivilsten im Raum aufhielten oder nicht. Das Auftreten sollte stets gleich ablaufen und nicht je nach Örtlichkeit differieren.


    "Welche Umzugsquote brachte der heutige Tag bisher und was ergibt das in der Summe? Stimmt mein Eindruck, dass wir genug Willige haben, aber die Umsetzung seine Zeit braucht oder gibt es durch Quertreiber Probleme bei der vollständigen Räumung des Gebäudes?
    Er blickte zwischen Scriba und Quintilius hin und her.
    "Wie liegen wir im Zeitplan?"

    Schon einmal hatte Menecrates Anlauf genommen, das Training seiner Einheit zu beobachten und er wusste spontan nicht mehr, warum es letztendlich nicht dazu gekommen war. Heute sollte jedoch nichts dazwischenkommen. Er musste sich unbedingt ein Bild über die Form und den Inhalt der Ausbildung bzw. die wiederkehrenden Trainingseinheiten für die Urbaner verschaffen. Ein Kommandant, der nicht wusste, wo seine Einheit stand, gehörte zu seinen Horrorvorstellungen.
    Trotz allem war seine Zeit nicht nur kostbar, sondern auch begrenzt. Spätestens als der Befehl zum Rundenlaufen kam, blickte er Octavius erstaunt an, bevor sich dieser an die Spitze der Männer setzte. Der Praefectus hoffte auf einen zügigen Fortschritt beim angekündigten Programm, denn zur Betrachtung laufender Männer hatte er sich gewiss nicht die Zeit frei geschaufelt.


    Er verschränkte einen Arm vor der Brust, der zweite ragte steif nach vorn. Oft hielt er unterstützend den geschienten Arm mit der gesunden Hand und spürte für Momente Erleichterung, bevor unvermittelt einer der vielen schmerzhaften Stiche durch Mark und Knochen fuhr. Menecrates fluchte leise, dann richtete sich sein Blick auf die Männer, die mittlerweile zwei der drei Runden geschafft hatte. So ganz wusste er nicht, was Octavius mit Nahkampf meinte und welche kleinen Sachen er ausprobieren wollte, aber das sollte sich bald zeigen.

    Äußerlich unbewegt - nur die Augen wanderten über die angetreten Männer hinweg - erlebte Menecrates das erneute Straffen der Körper. Er schätzte Disziplin, mehr noch als den Respekt. Innerlich zwang sich ihm unwillkürlich die Erinnerung an seine erste Übungseinheit mit Probaten auf. Vor unzähligen Jahren bezeichneten er und seine Kameraden einen Frischling als Probatus. Heutzutage nannte man diesen Tiro. Tja, lange war das her, dachte er bei sich. Früher war er nach Momenten wie diesem die Reihen abgeschritten, hatte auf die Schnürungen, den korrekten Sitz der Ausrüstung, sowie deren Unversehrtheit und Sauberkeit geachtet. Von der ersten Minute an sollten sämtliche Anwärter auf einen dauerhaften Posten in der römischen Armee wissen, dass ihr bisheriger Lebensstil nicht mehr gefragt war, ja sogar zu Schwierigkeiten führen würde und sie ihn schnellstmöglich ablegen mussten.


    Heute standen Milites vor ihm, keine Probaten oder Tirones. Trotzdem ging Menecrates die Reihen ab. Sein kontrollierender Blick ließ ahnen, worauf er achtete. Diese Männer stellten mehr als andere Urbaner das Aushängeschild der Stadteinheit dar. Bei einzelnen verweilte er länger, bei anderen erfasste ein kurzer Blick den tadellosen Zustand. Schließlich trat er an seinen ursprünglichen Platz, drehte sich den angetretenen Männern zu und sammelte sich kurz.
    "Milites, der Zweck dieser Trainingseinheit ist sicherlich jedem von euch bekannt. Der bloßen Bezeichnung füge ich Inhalte hinzu. Wir trainieren, um exzellent zu werden. Erst auf diesem Niveau strahlen wir die größtmögliche Stärke aus. Größtmögliche Stärke suggeriert größtmögliche Sicherheit. Das ist unser Bestreben. Dem exzellenten, selbstsicheren Auftreten ist es abträglich, wäre die Ausrüstung beschädigt, verdreckt oder unvollständig. Ich überzeichne, um allen klarzumachen, dass ich über den vollen Einsatz im Dienst hinaus auch erwarte, dass der größtmögliche Pedant keinerlei Kritikpunkt an eurer optischen Erscheinung findet. Das bedeutet: tägliches Putzen, Kontrollieren, Reparieren."
    Er blickte nochmals über die einzelnen Angetretenen. "Ihr vertretet Rom, ihr verkörpert Rom, ihr sichert Rom - bzw. zukünftig die Subura."


    Er ließ den Männern ein paar Augenblicke zur Verinnerlichung, dann wandte er sich an den Centurio. Ob der dann selbst die Lektion erteilte oder an der Optio delegierte, überließ er Octavius.
    "Centurio, das Kommando gehört dir." Da Menecrates bei den Urbanern noch keiner einzigen Unterweisung im Exerzieren beigewohnt hatte, entschied er sich zunächst für das Zuschauen.

    In Vorbereitung auf den Nachtdienst in der Subura, der auf eine Centurie der Urbaner zukam, setzte der Preafectus Urbi an einem der Tage nach den Saturnalien ein Auffrischungstraining für die betreffenden Milites an. Darüber hinaus plante er, die übrigen Cohorten ebenfalls regelmäßig einer solchen Ertüchtigung zu unterziehen, damit die gesamte Truppe in der Öffentlichkeit stets ein tadelloses Bild abgab. Für die Suburacenturie besaß dieses Training nicht nur den Auffrischungscharakter, sondern sollte als stets verfügbares Handwerkszeug dienen, um allein durch diszipliniertes und selbstbewusstes Auftreten Stärke zu signalisieren.


    Da es sich bei der Suburastation - als erste ihrer Art - um ein persönliches Projekt des Praefectus Urbi handelte, ließ der es sich nicht nehmen, kurz nach dem Antreten persönlich dem Exerzierplatz zuzustreben. Lange Jahre unterwies er selbst Legionäre, trainierte und unterrichtete sie in allen möglichen Disziplinen der Grundausbildung und leitete Übungsmärsche. Menecrates musste niemand erzählen, worauf es ankam. Er wusste es selbst und sein Anspruch nahm im Laufe der Jahre nicht ab. Ein wenig Einblick in die Ausbildung der Urbaner hatte er sich bereits genehmigt, heute setzte er diese Erfahrung fort.


    In Begleitung seines Sekretärs und eines Schreibstubenunteroffiziers näherte er sich dem Platz. Er hatte sich einen Mantel umlegen lassen, denn obwohl das Klima hierzulande nicht mit dem in Germania zu vergleichen war, fröstelte es ihn leicht. Im Gegensatz zu den Soldaten würde er auch auf der Stelle verharren und konnte sich nicht warmlaufen. Sein bandagierter Arm ragte aus der Kleidung hinaus. Ein kühler Wind umstrich die ungeschützten Hände.
    Er nickte dem Optio zu, als er den Rand des Platzes erreichte. Der nahm Haltung an und rief:
    "Milites, state! Oculus prosam! Praefectus Urbi adest!" Damit durchbrach er das Geschehen - bisher geleitet vom Centurio der angetretenen Männer.