Beiträge von Herius Claudius Menecrates

    Während Azizos, Vigil Sam und Kamerad Canus Gedanken tauschten, ließ Albinus den Blick schweifen. Er besaß gute Augen, merkte aber schnell, wie mit dem Einbruch der Dunkelheit im Minutentakt die dunklen, undefinierbaren Ecken näher kamen und größer wurden. Er fühlte sich ein wenig unwohl, obwohl er sich in reichlich Begleitung befand. Nur mit einem Dolch bewaffnet fühlte er sich nackt. Dabei nützte es nichts, sich einzureden, dass weder Gefahr drohte noch er sich allein auf unbekanntem Terrain befand. Er versah zwar nicht so lange wie Canus den Dienst bei den Urbanern, aber lange genug, dass er sich nur dann vollständig bekleidet fühlte, wenn er sich auch in vollständiger Ausrüstung befand.
    Passend zu diesem Gedanken ertönte Canus' Aussage, dass sich die Bewohner bald weniger Sorge des nachts machen mussten. Albinus suchte seine Waffe und griff zum wiederholten Mal während dieser Streife ins Leere.


    "Und ob das so wird", sagte er im Brustton der Überzeugung. "Wir geben den Menschen hier Sicherheit. Die werden uns schon bald so freundlich begrüßen wie euch." Sicher war er sich freilich nicht, aber heute wollte er daran glauben. Er neigte sich zu Canus. "Wenn wir nachts nur Streife laufen, um die Gegend sicherer zu machen, gewinnen wir Vertrauen. Tagsüber die Ermittlungen und nachts nur dann, wenn vor unseren Augen was passiert, oder?" Er wartete gespannt, ob sein Idee auf Zustimmung stieß. Zu diesem Zweck sah er auch die restlichen Urbaner an und verhielt den Blick beim Vigil Sam.
    Entfernt rollte ein Wagen über das Pflaster. Auch wenn Albinus in die Richtung sah, er erkannt wenig im mickrigen Schein der Laternen. Also bemühte er sein Gehör. "Der Karren kommt von vorn und das Klappern von rechts. Was issn das?" Er legte den Handteller hinter das Ohr, um mehr der Geräusche einzufangen.


    Als Menecrates' Name fiel, nichte er zustimmend. Das Vorgehen war mit ihm abgesprochen und eine Auswertung lag auch bereits vor. Einige seiner bereits im Officium geäußerten Gedankengänge wollte er auch dem Senat nicht vorenthalten. Als eine Redepause entstand, meldete er sich zu Wort


    "Ich bin ebenfalls zu dem Schluss gekommen, dass sich der Versuch grundsätzlich gelohnt hat. Das Konzept wirkte stimmig, die Umsetzung verlief planmäßig und das Ergebnis hat mich zufriedengestellt. Nach Wie vor vertrete ich die Auffassung und entsprechend erging auch meine Anweisung, dass nur Problemstraßen tagsüber geschwemmt werden dürfen. Keinesfalls flächendeckend. Außerdem habe ich um die Erhebung eines Meinungsbilder der Bevölkerung gebeten, wo tagsüber mittels Schwemmung gereinigt wird." Er blickte zu Annaeus. "Das wurde vermutlich den nachfolgenden Vigintiviri aufgetragen?" Er spekulierte nur und erhoffte sich eine Bestätigung oder ein Dementi.


    "Außerdem habe ich in Auftrag gegeben, nach den für die jeweilige Gegend günstigen Tageszeiten für das Schwemmen von Problemstraßen zu suchen. Auch das lässt sich sicherlich erst in der kommenden Amtsperiode realisieren."
    Er atmete einmal durch, sammelte sich kurz und kam zu einem weiteren Punkt.


    "Im Hinblick auf die von mir angestrebte Verbesserung der Zustände in der Subura und als eine der Konsequenzen, die ich aus dem zurückliegenden Aufstand ziehen möchte, soll sich unter anderem in diesem Viertel das Straßenbild in Bezug auf Sauberkeit ändern. Ein erhöhter Einsatz im Viertel erfordert ein Nchlassen an anderer Stelle, denn bei all der Einsparung, die bereits angesprochen wurde, sind die Kapazitäten begrenzt. Ich möchte die Gelegenheit nutzen und ein Stimmungsbild in Bezug auf Einsparungen in den nobleren Vierteln einzuholen. Alle, die wir hier sitzen, verfügen über private Möglichkeiten, den Bereich um unsere Anwesen herum unterstützend sauber zu halten. Bis zu welchem Maß kann sich der eine oder andere vorstellen, auf die tägliche Straßenreinigung bei sich zu verzichten? Eine zweitägige Reinigung wäre bereits ein Gewinn."

    Menecrates erwiderte noch einmal Octavius' Gruß mit einem Nicken, obwohl er bereits beim Eintreten allgemein in den Raum gegrüßt hatte. Er nickte zu den einführenden Worten. Dass hier alles behelfsmäßig ablief, wunderte ihn nicht, Hauptsache der Dienst funktionierte. Erfreut nahm er wahr, dass der Sicherheitsgedanke ausreichend berücksichtigt wurde.
    "Ganz heimisch einrichten müsst ihr euch ja nicht. Sobald das Gebäude geräumt ist, beginnt der Abriss. Wie sieht es diesbezüglich aus? Brauchen wir noch mehr Plakate oder haben wir bereits ausreichend Interessierte, bei denen sich nur die Abwicklung des Umzugs verzögert?"


    Die nachfolgenden Ausführungen erzeugten einen zufriedenen Gesichtsausdruck. "Sehr schön!, kommentierte er die Aussicht auf einen detaillierten Lageplan der Subura. "In groß hängen wir ihn jetzt und später auf. in klein können ihn die ersten Streifen mitnehmen. Ich denke, der Plan wird bald in den Köpfen sein und muss nicht herumgetragen werden, aber für den Anfang gibt das Sicherheit.


    Als die Sprache auf die überschwemmte Straße kam, musste er erst überlegen. "Das war dann offensichtlich im Zuge der Straßenreinigung passiert. Hat das tagsüber zu Beeinträchtigungen geführt oder nachts? Bei der Rückmeldung wurde mir gegenüber diesbezüglich nichts erwähnt."
    Diesen Umstand fand Menecrates überraschend, da er in engem Kontakt zu dem verantwortlichen Vigintivier stand. "Wann genau war der Zeitpunkt?" Die Magistrate der letzten Legislatur hatten die Aufgaben längst an ihre Nachfolger übergeben. Der Sache nachgehen wollte Menecrates, nur brauchte er dafür die genaue Zuordnung.

    Die Tage der Insula waren gezählt. Das Gebäude beherbergte zwar noch mehr als zwei Drittel seiner Bewohner, aber im Untergeschoss wurde bereits nach dem ersten Aufruf eine Wohneinheit frei. Die einst hier hausende Familie zog auf eines der in Betracht kommenden Landgüter, die sowohl vom Praefectus als auch von seinem Klienten Iulius Antoninus für eine begrenzte Anzahl Umzugswilliger zur Verfügung gestellt wurden. In jener Wohnung standen anstelle von Betten und Esstisch mehrere Schreibtische. Die Belegung des provisorischen Officiums bestand aus zivilen und militärischen Helfern, die allesamt Schreibkenntnisse und solche der Mathematik besaßen. Namen wurden notiert, Einteilungen vorgenommen und bei Nachweis des erfolgten Umzugs oder der Rekrutierung wurden auch die in Aussicht gestellten finanzielle Anreize ausgezahlt.


    Menecrates ließ es sich nicht nehmen, täglich und persönlich nach dem Stand der Dinge zu fragen. Unvorhergesehenes konnte so auf dem kurzen Dienstweg geklärt werden. Die Saturnalien standen vor der Tür und im besten aller Fälle war das Gebäude bis dahin geräumt. Schon jetzt arbeiteten die Urbaner in Schichten - tagsüber erfolgte der Kundenkontakt, nachts wurden die Fälle nochmals geprüft und entweder mit Wiedervorlage vermerkt oder geschlossen. Statistiken zeigten auf, wo sie tagtäglich standen.


    "Salvete!" Menecrates betrat die umfunktionierte Wohnung im Erdgeschoss. Seinen bandagierten Arm hielt er nach oben, damit das Blut nicht mehr als nötig in der Hand pulsierte. "Wo stehen wir?" Sein Blick schweifte, bevor er beim Ranghöchsten verweilte.

    Zitat

    Original von Numerius Duccius Marsus


    Auch ich schließe mich den Genesungswünschen an! Alles Gute und ja, ich persönlich sehe in diesem Fall gerne über Schreibfehler hinweg. :)


    Danke. :) Bei ausreichend Geduld meinerseits klappt es sogar mit der Groß- und Kleinschreibung. :)

    Am gestrigen Tag war die Amtsstube verwaist geblieben. Der Praefectus Urbi hatte sich im heimischen Umfeld derart ungeschickt angestellt, dass bei einem Sturz sein Handgelenk zu Bruch gegangen war. Zu seiner Entschuldigung konnte er auf frisch gewischte Fliesen verweisen, die glatt wie eine Eispiste waren, aber alles Zetern und die betretenen Gesichter des Personals halfen nicht - der Claudier war für längere Zeit behindert. Einzig dem fachkundigen Wissen und den geübten Händen seines Medicus' war zu verdanken, dass die Aussichten für einer brauchbare Heilung nicht gar so schlecht standen. Der Grieche hatte drei Finger der betroffenen Hand festgebunden und anschließend das gebrochene und gleichzeitig zusammengestauchte Handgelenk durch anhaltenden Zug des Oberarms versucht zu strecken. Menecrates fragte sich bei der schmerzhaften Prozedur, ob wohl die Praetorianer solche Methoden zur Folter anwendeten oder ob die Menschheit erst viel später zu solchen Mitteln greifen würden.
    Es gehörte Fingerspitzengefühl dazu, die Streckung zum richtigen Punkt zu führen, denn schließlich sollten die übrigen Knochen in den Gelenken verbleiben. Irgendwann wurden ihm zwei Schienen und ein Verband angelegt sowie zur Linderung der Schmerzen Opium angeboten, doch Menecrates schüttelte den Kopf. Niemals würde er sich die Sinne vernebeln lassen. Außerdem glaubte er, der Schmerz besaß einen Sinn. Er zeigte ihm unmissverständlich, was ging und was nicht. Zugegeben - es ging fast nichts, aber die schmale Grenze des Erlaubten wäre verschwommen, würde er irgendetwas zu sich nehmen. Lieber biss er die Zähne zusammen. Das konnte er schon immer gut.


    Glück im Unglück - Menecrates besaß Personal. Er wurde schon immer eingekleidet und bedient. Seit gestern war dies unumgänglich. Er schätzte einmal mehr seine Toga, die es erlaubte, angekleidet zu werden, ohne hineinschlüpfen zu müssen. Ein paar ungewohnte Falten wies sie am Ende auf, aber der bandagierte Arm lenkte die Blicke Neugieriger ab. Nur einen Tag Auszeit gönnte sich der Praefectus, dann ließ er sich in die Praefectura bringen. Fünf Sklaven verblieben vor Ort, um ihm zu assistieren.


    "Eine Wachstafel", wies er an. Anschließend winkte er seinem Scriba. Stöhnend hielt er die eben unbedacht benutzte Hand nach oben. Nur langsam ließ der pochende Schmerz nach und erst dann gab er seine Anweisung. "Ich brauche eine Aktennotiz für das geplante Trainingsrennen der Praesina mit der Russata und der Aurata." Laut seinem eigenen Gesetz waren nur Trainingsrennen zweier beteiligter Factiones von der Anmeldung befreit. "Selbstverständlich genehmige ich das Rennen. Du da!" Er wies auf seinen Leibsklaven, der das private und amtliche Siegel verwahrte, und tippte auf das amtliche SiegeL. Für den nächsten Wink benutzte er schlauer Weise den gesunden Arm.
    "Und du machst das Wachs drauf. Anschließend eine Kopie für mich. Das Original wird zugestellt."

    ich bin berührt von eurem mitgefühl, danke. :)


    ich habe mich heute gegen den rat der ärzte für eine behandlung ohne op entschieden. da ich 6 wochen krank geschrieben bin, werd ich hier mittippen, sobald die schmerzen bissel abklingen. vielleicht kann vorübergehend über fehlende groß- und kleinschreibung hinweggesehen werden ?

    ich hatte vor 3 wochen einen unfall und als wäre das nicht schon genug, seit heute ein handgelenk gebrochen.
    ich bin nicht abwesend, aber vernünftig schreiben ist schwer bis kaum möglich. nächste woche entscheidet sich, ob ich operiert werde.

    Albinus nickte Qunintilius zu. Zum einen musste er sich ohnehin fügen, zum anderen lautete sein Plan: viel hören und merken, wenig sagen. Er blickte weiter zu Azizos. Ihm war das helle Licht des Frontmanns ebenfalls sehr willkommen.
    "Auskennen ist zu viel gesagt", erwiderte er auf dessen Nachfrage. Er überlegte, ob er an seinem schweigsamen Plan festhalten solle und entschied sich dagegen. "Ein paar Ecken kenne ich, aber dann hört die Erfahrung auf. Ich glaub, wir könnten beide Lampen gebrauchen. Für die Streife eine helle, für die Verfolgung vielleicht eine Blendlampe." Er zuckte ratlos mit der Schulter. "Allerdings denke ich, ein Verfolgter sieht auch das abgeblendete Licht. Anschleichen geht mit Licht auch nicht.
    Sollten wir in der Subura nicht in erster Linie vorbeugend für Ruhe sorgen?"
    Hilfesuchend blickte er sich zu Quintilius um. Für diese Aufgabe durften sie sich nicht verstecken, sondern mussten selbstbewusst auftreten und dazu gehörte auch helles Licht.
    Zum Glück hörte er gerade noch, wie sich der Gruppenälteste ebenfalls für die helle Lampe aussprach. Er nickte, weil ihm die Begründung einleuchtete und sie sich weitgehend mit seiner Einschätzung deckte. Ihn würde genauso wie den Älteren interessieren, ob und wo Gruppierungen bekannt waren.


    Auf eine Antwort hoffend, drehte er sich den Vigiles zu.


    Anschließend setzten sich alle in Bewegung und er verfolgte den Gedankenaustausch zwischen Quintilius und dem Vigil Sam. Währenddessen schweifte sein Blick über Häuserwände, hielt an handtierenden Personen und Familien an und glitt zurück zur Truppe. Er rümpfte die Nase, als sie eine Stelle passierten, die vermutlich der Treffpunkt freilaufender Hunde war.


    Albinus wiegte den Kopf, als die Sprache auf verdeckte Ermittlungen kam. Bislang konnte er sich nicht vorstellen, dass die nachts abliefen. Sie sollten Sicherheit ins Viertel bringen, aber brachten sie Sicherheit, wenn man sie von weitem mit den Vigiles verwechselte?
    "Eine Laterne mit Stab sollten wir uns nicht zulegen. Überhaupt, wie wollen wir uns abgrenzen?" Vielleicht hatte Quintillius eine Idee oder es musste erst eine entwickelt werden.


    Als Orientierungspunkte aufgezählt wurden, lauschte Albinus, um keinen zu verpassen. Straßen, die Mauer, soweit reichte sein Wissen annähernd, aber es schadete sicherlich nicht, es aufzufrischen. Die Lupanare und Gaststuben hingegen würden erst beim jeweiligen Erreichen benannt werden, also wartete er ab.

    Ein wenig verwundert stellte er fest, dass sie gegrüßt wurden. Die militärische Erziehung hielt ihn ab, seinerseits zu grüßen und wenig später grinste er seine Kameraden an.


    "Wehe, einer von euch schlägt vor, dass wir auch was singen sollen!"


    Bereits am Tag der ersten Besichtigung, bei der die Wahl auf das Eckgrundstück fiel, ließ Menecrates den Bewohnern des Hauses die Nachricht zukommen, dass für alle ein Umzug anstehen würde. Er versprach für jeden einzelnen eine Verbesserung der Verhältnisse - entweder durch eine Anstellung, eine geeignete, schöne Ersatzwohnung oder eine Entschädigung. Konkrete Angebote würden folgen, aber man könne sich bereits überlegen, worin die beste Veränderung jeweils bestehen könnte.


    Wenige Tage später gaben Helfer Wachstäfelchen aus und hingen auch andernorts Plakate auf, denn es half allen, wenn sich auch die Bewohner anderer Grundstücke für eine Veränderung entschieden und somit ihren Wohnraum freimachten.
    Die Aktion lag in den Händen Iulius Antoninus, der für die Organisation und die Umsetzung der gemeinsam beschlossenen Lösungswege verantwortlich war.


    Bewohner der Subura!


    Gesucht werden Umzugswillige innerhalb der Subura, Interessierte für den Dienst bei den Vigiles und solche, die auf ein Landgut außerhalb Roms umsiedeln und gegen Arbeit und kleinen Lohn freie Kost und Logie erhalten.
    Bis zum Stichtag ANTE DIEM VI ID DEC DCCCLXVIII A.U.C. (8.12.2018/115 n.Chr.) erhält jeder Umzugswillige eine einmalige Entschädigung. Die Zahl der Geförderten ist auf 300 limitiert.
    Interessierte können sich direkt an der zukünftigen Station registrieren lassen.


    Sim-Off:

    Hätte auch nie gedacht, dass ich so was mal in Auftrag gebe. :D


    Als Menecrates das Officium betrat, ging er nicht in der Annahme, dass die schriftliche Lektion bereits erledigt auf seinem Schreibtisch lag. Umso mehr freute er sich. Er griff nach der ersten Tafel und las sie durch. Zuerst stutzte er, als er das Wort 'glänzend' las, aber dann fiel ihm ein, dass er ja eine Wortwahl passend zur jeweiligen Factio gewünscht hatte, die es Iulius hoffentlich ermöglichen würde, eine dauerhafte Verknüpfung in seinem Kopf herzustellen. Beim Lesen der zweiten konnte er nicht umhin, er musste grinsen. Weil ihm das Schmunzeln unangebracht erschien, er aber trotzdem belustigt war, hielt er die freie Hand vor den Mund.


    "Schleimig." Er kicherte. Die Eigenschaft passte zu weiß, wenn auch nicht zu den aufmüpfigen Fahrern. Aber all das spielte keine Rolle. Hauptsache Iuius würde nie wieder die beiden Factiones verwechseln.
    Menecrates legte die Tafeln auf ein Regal und widmete sich dem Tagesgeschäft - nicht ohne das eine oder andere Mal in diese Richtung zu blicken und erneut zu grinsen.

    Sim-Off:

    :D


    "Das klingt doch gut", stellte Menecrates fest, als er die Einschätzung in Bezug auf die Aurata hörte. Auf seine Frage nach Zuckerbrot oder Peitsche für den schusseligen Iulius ging der Gefragte allerdings nicht ein.
    "Und was mach ich jetzt mit dir? Der Unterschied zwischen Aurata und Albata für uns sitzt nicht, das ist offensichtlich." Er überlegte kurz, dann fuhr er sich über die Stirn.


    "Mit meinen Kindern habe ich früher geübt, was ich jetzt ebenfalls vorschlage, obwohl du den Kinderschuhe bereits entwachsen bist. Bis morgen habe ich zwei Wachstafeln auf meinem Schreibtisch. Auf der einen stehen Minimum zehnmal Aurata, gold und ein von dir gewähltes Eigenschaftswort, auf der anderen Minimum zehnmal Albata, weiß und ebenfalls ein Eigenschaftswort. Es kann anstelle des Eigenschaftswortes auch eine Gedankenstütze in Form eines Stichworts sein. Hauptsache es verdeutlicht den für uns unterschiedlichen Wert beider Factiones." Er blickte zu Caesoninus und konnte schwer einschätzen, ob morgen erneut eine Überraschung auf ihn wartete oder die Lehre saß.
    "Manchmal muss man schreiben, bevor der Inhalt im Kopf verankert ist. Wir sehen uns morgen."

    Menecrates wollte noch nicht das Handtuch werfen, aber er kam in Not. Wie sollte er Caesoninus den Unterschied zwischen Albata und Aurata einpflanzen? Wie konnte er sichergehen, dass nicht erneut verwechselt wurde? Er seufzte einmal leise, bevor er sprach.


    "Ist dir aufgefallen, dass ich nach der Größe der Gefahr gefragt habe, mit der die AURATA sich übergangen gefühlt haben könnte?" Iulius' Antwort befasste sich jedenfalls nur mit Albata, nach der gar nicht gefragt wurde.


    "Setz dich! Wir zwei arbeiten jetzt eine Strategie aus, mit der du diese beiden Factiones nie wieder verwechselst. Was wirkt bei dir besser? Zuckerbrot oder Peitsche?" Eine Spur Komik besaß das Gespräch, aber durch die Öffentlichkeitswirkung musste Menecrates auf eine zuverlässige Klärung bestehen und blieb daher ernst.

    Menecrates beobachtete das Mienenspiel. Es zeigte, dass Caesoninus sich seines Fehlers nur langsam bewusst wurde. Er hatte schusselig agiert, nicht aber mit Vorsatz sabotiert. Menecrates nickte mehrmals.


    "Ich schätze, so eine Verwechslung passiert dir kein zweites Mal", erwiderte er zerknirscht. Eine lehrreiche Erfahrung, wie Menecrates fand, allerdings fiel der Fehler nicht nur auf Caesoninus, sondern auf die gesamte Praesina zurück. "Ich bestehe natürlich auf die Aussparung von problematischen Fahrern und wenn es sein muss sogar auf ganze Factiones, allerdings wäre es mir lieber gewesen, wenn das weniger offenkundig geworden wäre." Er atmete einmal durch, dann sprach er weiter.


    "Passiert ist passiert, wir können es nicht ändern. Bring die Verwechslung so gut es geht in Ordnung. Möglicherweise haben wir damit den Grundstein für eine neue Fanfeindschaft gelegt. Auf der anderen Seite haben die Fahrer der Albata angefangen, sich unsportlich zu verhalten. Außerdem lehnt ein durchschnittlich intelligenter Fahrer kein Startangebot ab. Sollte das einmal einer unserer Fahrer machten, dann fliegt er - sofort."


    Gedanklich verweilte er beim Stichwort Knoten. "Wie sehr hält uns dieser Knoten in der Rennplanung auf? Und wie groß ist die Gefahr, dass sich die Aurata übergangen gefühlt hat? Müssen wir an dieser Stelle etwas gut machen?"

    Ihr erster Arbeitseinsatz war also das Löschen der Fackeln. Albinus verstand den Grund anfänglich, fragte sich aber später, wieso denn Fackeln beim Verbleib des Trägers auf einer Straße Brände verursachen sollten. Zumindest stellte er sich die Streifen zum Brandschutz so vor, dass zunächst niemand in Häuser marschierte. Trotzdem nahm er die Tatsache hin. Sie waren hier zum Lernen, nicht zum Besserwissen. Mit der Laterne kam er sich wie ein Nachtwächter vor. Allerdings verliehen die Urbaner dem Namen wegen dem abgeänderten Tätigkeitsbereich eine neue Bedeutung. Sie wachten und das während der Nacht. Es machte Sinn und passte für ihn.


    Bei der Einteilung der Gruppe trat Albinus zu den mit ihm aufgerufenen Kameraden. Er tippte Cerretanus mit dem Ellenbogen an, blickte aber zu Boden als er sprach, um möglichst wenig Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.
    "Hoffentlich kommen Leute in unsere Gruppe, die wir verstehen." Er blickte kurz zu Cerretanus, um sich zu vergewissern, dass der ihn gehört hatte, dann sah er zu Quintillius. "Ich kann kein ausländisch. Gleich welche Art", flüsterte er.


    Nicht alle Vigiles wirkten selbstsicher, das beruhigte ihn. Er merkte sich den Standort des Brunnens sowie die Station und blickte sich um. Sein Blick blieb an Sam hängen, weil der das Wort ergriff. Er begrüßte die Übersetzung des anfänglichen Getuschels, hoffte aber gleichzeitig, sie würden nicht für alles einen Übersetzer brauchen.
    Danach wurde es für ihn interessant, denn das Ausrüstungsstück Lampe besaß verschiedene Ausführungen. Die Blendlaternen sagten ihm zu, aber auch die anderen fand er nicht schlecht. Weit trug der Schein der Lampen nicht. Es sei denn, sie erhellten zu mehreren den Ort. Immerhin wusste er, aus welcher Richtung sie vorhin kamen und wo die Castra lag. Diese Eckpunkte gelangten als erste auf seine imaginäre Karte, denn sich in der Dämmerung oder Dunkelheit zu orientieren wollte gelernt sein. Schließlich gehörte er weder zur Stammmannschaft, die tagsüber die Subura durchzog noch schlenderte er privat durch diese Gegend. Nun gut, ab und zu und dann auch gezielt an diverse Orte, die er sicherlich jederzeit wiederfinden würde.


    Als der Gesang einsetzte, musste er grinsen. Genauso hatte er sich einen Nachtwächter vorgestellt. Er hoffte, die Urbaner würden nicht singen müssen - im Prinzip war er sich dessen sicher - und er wollte dazu beitragen, der Wache bei Nacht eine andere Wirkung zu verleihen. Verstecken würde er sich des nachts nicht als Urbaner, weswegen er das unauffälligere Licht sicher nicht empfehlen würde, wenn ihn jemand fragte.
    Er blickte zu seinen Kameraden.


    "Was findet ihr wichtiger? Helleres Licht oder eine Lampe, die variables Licht spendet?"


    Albinus versah meisten schweigend seinen Dienst. Wenn er den Mund aufmachte, dann besaßen seine Worte Gewicht. Aktuell gab es dafür keinen Anlass, auch wenn er den Blick seines Stubengefährten Cerretanus erwiderte und ebenfalls grinste. Eigentlich interessierte ihn das Getuschel nicht, sondern vielmehr wie Canus die Männer aufteilen und vor allem, in welcher Gruppe er landen würde. Er blickte zum Stubenältesten. Noch hatte der nicht reagiert.

    Menecrates überflog das Schreiben, während Caesoninus weitersprach. Er kannte zwar seine Mängel in Sachen Multitasking, versuchte sich darin aber immer wieder. Der Inhalt der Tafel passte und war schnell erfasst, also hörte er mit ungeteilter Aufmerksamkeit auf den Rest der Ausführungen, zumal das Wörtchen 'Verwechslung' sein Interesse weckte. Er staunte nicht schlecht, als er hörte, was sich dahinter verbarg und ließ sich dies auch anmerken. Seine Stirn runzelte sich.


    "Eins nach dem anderen", begann er, nachdem Caesoninus schwieg. "Die Renndetails für die Veneta sind verständlich und sie werden akzeptiert, also alles bestens. Das hast du schon mal gut eingefädelt. Anders sieht es allerdings beim zweiten Rennen aus." Er rieb sich die Stirn. Ein Umschwenken kam für ihn aber nicht in Frage.


    "Die Factio Albata stand nie zur Diskussion. Ich meine erklärt zu haben, dass die Fahrer dieser Factio meine Spiele während des Consulats boykottiert haben - im Übrigen in Gemeinschaft mit einem Purpureafahrer - und darüber muss noch ordentlich viel Gras wachsen. Ein weißer Fahrer betritt mir so schnell nicht unser Trainingsgelände oder eine von uns gemietete Rennbahn. Die Aurata ist herzlich willkommen. Das bedeutet im Klartext: Das Dreierrennen findet statt, wie du es aktuell zusammengeführt hast."


    Wieder rieb er sich die Stirn.
    "Das bedeutet weiterhin, dass du die eigenmächtig aufgesetzte Einladung an die Albata revidieren musst." Menecrates blickte zwar mitfühlend, aber andererseits hatte sich Iulius' die Pleite selbst eingebrockt, weil er nicht genau zugehört hatte, als es um die Rennplanung ging. "Wir können gern über ein drittes Rennen sprechen, aber ganz gleich, ob erstes, drittes oder fünfzigstes: Die Albata wird daran nicht teilnehmen. Die Purpurea übrigens mindestens bis Freundschaftsrennen zehn ebenfalls nicht." Menecrates vergaß nicht schnell. Er konnte verzeihen, aber dafür gab es bislang keinen Anlass.

    Die Zeiten, in denen Menecrates persönlich auf dem Factiogelände weilte, nahmen mit der dunklen Jahreszeit ab. Die Tage wurden kürzer, die Arbeit und seine Pflichten nahmen eher zu. Um die Diskrepanz auszugleichen, kürzte er die Aufenthalte in der Factio und auch in der heimischen Villa. Wer ihn treffen wollte, bekam ihn aber trotzdem zu Gesicht, musste nur mit ein wenig mehr Wartezeit rechnen.


    "Ja, kann eintreten", rief er, ohne den Kopf zu heben, als das Klopfen erklang. Er beeilte sich, die vorliegende Nachricht fertig zu lesen, bevor der Besucher im Raum stand.

    Menecrates nickte. Natürlich nahm er sich die Zeit für solche Unterredungen, denn sie gehörten zu seinen Pflichten. Er würde sich überraschen lassen, wie die Debatte im Senat ablief und wie entgegenkommend die noblere Gesellschaftsschicht eine eventuelle Kürzung in Bezug auf die Straßenreinigung aufnehmen würde. Gleichzeitig würde es ihn nicht wundern, wenn es keine Wortmeldungen zu diesem Thema gab - sei es aus der üblichen Trägheit heraus oder um das Thema generell auszusitzen, damit es keine Umstellung gab.


    Hin wie her, es mochte spannend werden. Menecrates erhob sich, um die Gäste zu verabschieden und den Rücken durchstrecken zu können.


    "Dann sehen wir uns im Senat und warten ab, was passiert. Valete und danke für die Berichterstattung." Im letzten Moment fiel ihm noch etwas ein, deswegen fügte er hastig an. "Bitte das Meinungsbild der Bevölkerung zu den bereits umsetzten Veränderungen nicht vergessen. Entweder noch selbst initiieren oder in die Hände der nachfolgenden Magistrate legen."

    Er ging bereits davon aus, dass die ungeeigneten Straßen in der herkömmlichen Art und Weise gereinigt wurden, daher nickte er wie selbstverständlich. Anschließend folgte er der Richtigstellung in Bezug auf die Gehsteine. Er freute sich über die Klärung des Missverständnisses und zeigte sich offen gegenüber dem Vorschlag, auch tagsüber einzelne Problemstraßen zu reinigen. Warum eigentlich nicht? Einen Versuch, wie die Bevölkerung die Einschränkungen aufnahm, wenn das Resultat saubere Straßen und eine verbesserte Luft bedeutete, war es zumindest wert.
    Einzig bei dem Gedanken, durchgängig zu spülen, runzelte er die Stirn. Zum einen bedeutete der hohe Wasseraufwand für seine sparsame Grundeinstellung eine große Herausforderung. Zum anderen bevorzugte er die kleinen Schritte.


    "Ich gebe meine Zustimmung, Problemstraßen auch tagsüber zu schwemmen. Von ganztägigen Aktionen möchte ich aber zunächst absehen, sondern vielmehr nach einer für die jeweilige Gegend günstigen Tageszeit suchen und im Anschluss an die Veränderung des Reinigungszykluses die Reaktionen der ansässigen Bevölkerung abwarten. Die Erhebung dieses Meinungsbildes würde ich gern in deine Hände legen."


    Die nachfolgenden Ausführungen zum bisherigen Reinigungsrhythmus leuchteten Menecrates ein und spätestens als das Stichwort 'Subura' fiel, stand fest, dass er in Problemvierteln sicherlich kein Einsparungspotential mehr sah. Er hob abwehrend die Hand.
    "Bei den Problemgegenden behalten wir den Rhythmus bei. Was die besseren Gegenden betrifft, bietet sich im Senat die Gelegenheit, ein Stimmungsbild in Bezug auf Einsparungen einzuholen. Ich denke, wer an Entscheidungen beteiligt wird, erhebt später weniger Klage. Warten wir also ab."
    Bei diesem Punkt angelangt, setzte Menecrates nach.
    "Der Termin für die Senatsdebatte liegt in deiner Hand. Du müsstest dich um einen solchen beim Consul bemühen und kannst dich gern auf mich berufen.
    Haben wir dann alles?"