Der Optio blickte begeistert, denn eigentlich hatte er Rückfragen erwartet. "Na dann... Abite!" Er grinste zufrieden, während er den militärischen Gruß dem Befehl hinterherschickte. Sollte der Praefectus fragen, würden er berichten, dass das richtige Contubernium mit dem passenden Mann an der Spitze auf dem Weg zum ersten Gemeinschaftsdienst mit den Vigiles war.
Beiträge von Herius Claudius Menecrates
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Der Quintilier hatte sich nicht geirrt. In diesem Vorzimmer flossen alle Informationen zusammen und so wusste der Unteroffizier sogar, weswegen sich der Miles hier melden sollte. Er musste also nicht erst nachfragen, sondern ging zu einer Ablage seitlich der Aktenregale, nachdem er seinerseits militärisch zurückgegrüßt hatte. Er nahm sich ein Bündel mit Wachstafeln und kehrte zu seinem Schreibtisch zurück.
"Du führst das erste Contubernium in die Nachtschicht, richtig?" Im Grunde hätte er sich die Frage sparen können, aber sie stellte einen guten Einstieg dar. Er nahm eine Tafel und schob sie in Richtung Miles. "Seid kurz vor der ersten Nachtstunde bei der Station für die Regiones VI und VII." Er tippte mit dem Finger mehrmals auf die Tafel, dann hob er wieder den Blick. "Hier ist sicherheitshalber die Wegbeschreibung dorthin. Seid pünktlich und ausgeschlafen, soll ich ausrichten." Er griff sich die nächste Tafel und las mehr oder weniger ab.
"Militärische Kleidung, als Waffe nur der Dolch.
Ihr durchlauft ein Praktikum, was bedeutet, dass ihr nicht angehalten seid, eigenverantwortlich Löscharbeiten auszuführen. Sofern sich die Notwendigkeit ergibt, leistet Hilfe nach Anweisung und eigenem Ermessen. Seht euch primär in der Rolle als Beobachter.
Es wird kein Bericht erwartet, sondern es gibt eine Auswertung zur Hora Octa. Zu dieser Stunde tretet ihr den Tagesdienst an."Er hielt inne und warf einen Blick auf die nächste Tafel. Sie enthielt Anweisungen darüber, wer den ausgefallenen Tagesdienst dieses Contuberniums übernahm und war somit für den Miles nicht von Belang.
"Der Tagdienst vorher entfällt für euch, hast du sicherlich gelesen. Hast du noch Fragen?"
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Menecratews schätzte Eigeninitiative. Darüber hinaus erwartete er auch nicht, dass er für jede Optimierung um Zustimmung gebeten wurde. Er nickte daher und in seinem Gesicht konnte man Zufriedenheit erkennen. Er nahm den Wunsch zur Kenntnis, dass die Testergebnisse samt Zukunftsszenario Senat und Kaiser vorgestellt werden sollten. "Dann gehen wir einmal ins Detail." Er lehnte sich zurück und lauschte aufmerksam den Ausführungen.
Natürlich besaß er Grundkenntnisse über die Straßenreinigung, aber ihm fehlte das spezielle Wissen. Er staunte daher nicht schlecht, dass offensichtlich jede Straße jede Nacht geputzt wurde. Ihm blieb keine Zeit, sich auszumalen, welchen Aufwand das mit sich brachte, weil der Vigintivir weitersprach.Die folgende Beschreibung versetzte ihn die Lage, sich bildlich vorzustellen, wie die Schwemmung ablief, welches Ausmaß sie umfasste und welche Behinderung sie möglicherweise hervorrief. Er orientierte sich nachfolgend an den markierten Straßen und gewann einen recht guten Überblick. Fragen blieben trotzdem
"Zum einen wüsste ich gern, welche Lösung für diejenigen Straßen vorliegt, die wegen zu geringem Gefälle oder fehlenden Trittsteinen für die neue Reinigungsmethode nicht in Frage kommen." Er dachte kurz nach, dann fügte er an: "Und sei es auch nur die herkömmliche Art, aber wenn wir damit vor den Senat gehen, werden genau solche Fragen kommen und dafür möchte ich gerüstet sein.
Zum anderen ist mir aktuell nicht klar, zu welcher Tages- bzw. Nachtzeit gereinigt wird bzw. ob eventuell rund um die Uhr Reinigungen stattfinden müssen, um das gesamte Stadtgebiet abzudecken. Du hast vorhin erwähnt, dass jede Nacht geputzt wird. Später hast du von Fußgängern gesprochen, die über die Gehsteine gelangen müssen. Fußgänger in dem Sinne werden nachts kaum unterwegs sein, eher Händler mit Karren, zum Beispiel. Liegt da ein Missverständnis vor?"Er blickte zunächst fragend, fügte aber auch hier noch etwas an.
"Wie schätzt du es ein: Muss wirklich jede Nacht geputzt werden, damit die Fäkalien frisch sind oder liegt hier ein Einsparungspotential vor?" -
Achtung Dienstplanänderung!Das erste Contubernium der Suburacenturie hat ANTE DIEM XVIII KAL DEC DCCCLXVIII A.U.C. (14.11.2018/115 n.Chr.) tagsüber frei, findet sich aber dafür kurz vor Beginn der ersten Stunde der Nacht an der Station* der Vigiles ein. Sie absolvieren ein Praktikum
in Vorbereitung auf den eigenen Nachtdienst in der Subura.
Als einzige Waffe ist der Dolch erlaubt.Koordinator und somit Verantwortlicher ist der Dienstälteste der Stube T. Quintilius Canus. Der Miles ist gehalten, sich in der Principia vorab Informationen einzuholen.
Sim-Off: * Die Station ist nicht näher benannt. Es empfiehlt sich, einen eigenen Thread dafür und für die Streife zu eröffnen. Die Vigiles stoßen dazu, denke ich.
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"Dann machen wir das so", erwiderte Menecrates auf die Aussage, gern eine gemeinsame Auswertung vornehmen zu wollen. Damit hatte er nicht gerechnet und es brachte ihn voran. Er begleitete den Praefectus Vigilum noch bis zur Tür, während sich dieser lobend über das Treffen äußerte. Menecrates nickte. Sie teilten zwar nicht in allen Punkten die gleiche Auffassung, aber gerade deswegen schätzte er die Art der Verständigung und das erreichte Ergebnis.
"Ja, dem kann ich mich anschließen. Ich wünsche noch einen erfolgreichen Tag!"
Er sah dem Praefectus noch einige Augenblicke hinterher, dann wandte er sich an seinen Sekretär.
"Ich möchte eine Dienstplanänderung für übermorgen. Sie betrifft das erste Contubernium der Suburacenturie. Der Tag ist dienstfrei, Dienstbeginn zur ersten Stunde der Nacht.
Die Station hast du dir ja notiert. Regele das mit dem Optio." -
Der Optio nahm keine Einstellungen vor, daher suchte er sich die Fakten aus der Rede, die den Vortragenden anpries.
"Ob eine Stelle frei ist, prüft der jeweilige Fachbereich. In deinem Fall wäre das die Abteilung des Curator Aquarum. In der Theorie reicht für die unteren Mitarbeiter der Stand eines Libertinus. Theorie deswegen, weil - soweit ich weiß - bisher praktisch nur römische Bürger eingestellt wurden. Das kann sich aber ändern, wenn Bedarf besteht und kein anderer Bewerber zur Hand ist." Er blickte zur Tür, dann wandte er den Kopf, während sein Arm in die gleiche Richtung wies.
"Den Gang links runter; das letzte Zimmer rechts. Deine Qualifikation musst du dort nachweisen, nicht bei mir."

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Der Optio hob den Kopf erst, als der Eintretende bereits im Raum stand. Zwei Dinge gleichzeitig zu tun, gelang ihm selten, daher schloss er zuerst das eine ab, bevor er sich dem Neuen zuwandte. Nun aber musterte er den Mann und ließ das Gehörte wirken.
"Hast kein Bürgerrecht, richtig?" Er schloss es aus der namentlichen Vorstellung. Immerhin belebten römische Bürger alle möglichen Provinzen und Landstriche, aber dieser Grieche schien gebürtiger Grieche zu sein. "Schon möglich, dass die eine oder andere Stelle frei ist. Das müsste ich nachprüfen lassen. Kommt auch drauf an, was du vorweisen kannst. Davon ist abhängig, wo ich dich hinverweisen kann."
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Ein Nicken in Richtung des Schreiberlings signalisierte, dass der soeben verabredete Termin festgehalten werden sollte, ebenso die Station.
"Dann haben wir alles", resümierte Menecrates. "Sofern du keine eigenen Anliegen mitgebracht hast, würde ich die Besprechung an dieser Stelle für beendet erklären. Sollte eine gemeinsame Auswertung von Nöten sein, komme ich wieder auf dich zu. Erst einmal gehe ich davon aus, dass wir intern das Praktikum bzw. die Praktika auswerten und zu Schlüssen kommen. Ich danke dir für deine Zeit!""
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Menecrates stimmte der ersten Aussage mit einem Kopfnicken zu. "Ja, und manches Mal ist es notwendig, die Bürger an bestehende Gesetze zu erinnern."
Über die Spruchbänder mit Lobesworten staunte Menecrates. Er ließ es sich nicht anmerken, aber imaginär hob er die Brauen. Er rief sich flugs noch einmal das Probeviertel ins Gedächtnis und realisierte, dass es nicht zu den übelsten der Stadt gehörte, was einiges erklärte. Wohlwollend nahm er die Aussicht zur Kenntnis, dass es bezirksweise durch eine bereitwillige Bevölkerung zu Einsparungen beim Reinigungsaufwand kommen dürfte.
"Möglicherweise versetzt uns das in die Lage, mehr Fürsorge auf die stärker verunreinigten Gegenden zu richten. Diesbezüglich hätte ich gern Pläne, aus denen hervorgeht, wie hoch dort der Grad der regelmäßigen Straßenverschmutzung ist und wie komfortabel der Zugang zu einer Pumpstation wäre."Als der Vigintivir das Thema Geruchsbelästigung aufgriff, konzentrierte sich Menecrates. Die üblichen Gerüche in Roms Straßen störten ihn massiv, was er gerne ändern oder zumindest verbessern wollte. Was er zu hören bekam, erstaunte ihn abermals.
"Ich mag in der Fäkalienentsorgung nicht sonderlich erfahren sein, aber wenn ich meine Vorstellungskraft bemühe, dann stelle ich mir vor, dass Haufen mittels Schaufel aufgenommen, ohne mittig aufgetrennt zu werden. Gut, sie können auseinanderflutschen." Er runzelte die Stirn. Nie hätte er gedacht, sich je so intensiv mit Scheiße auseinandersetzen zu müssen. Er dachte, die Zeit der Militärlatrinen hätte dafür gereicht.
"Wäre es zweckmäßig, trockene Haufen anders zu behandeln als weiche?" Und noch eine Frage trieb ihn um. "Dass Wasser den Staub bindet, ist mir klar. Weniger Staub in der Luft erzeugt ein Frischegefühl beim Atmen. So weit, so gut. Wenn durch das fließende Wasser kaum Gerüche aus den geschwemmten Fäkalien entströmten, muss es sich um sehr viel Wasser gehandelt haben. Ich frage mich, ob das verhältnismäßig und wirtschaftlich ist. Gibt es Zahlen? Zum Beispiel wie viele Amphorae bedarf es für wie viele Doppelschritte?" -
Menecrates' Nicken galt dieses Mal dem Centurio. Er quittierte so dessen Anmerkung, selbst - wie auch jeder andere Offizier - auf die Disziplin der Truppe achten zu wollen. Einerseits bedurfte dies keiner besonderen Erwähnung, denn diese Aufgabe fiel dem Centurio ohnehin zu, aber für ihre besondere Mission hielt Menecrates die Versicherung vor seinen Ohren und denen der gesamten Centurie für psychologisch wertvoll. Das zusätzlich angesetzte Exerziertraining blieb dennoch auf der Liste der zu treffenden Vorbereitungen.
Bei der Frage nach dem Budget zeigte sich Menecrates zunächst unschlüssig, ob und wie er sie beantworten sollte, denn sie schien ihm in keinster Weise geeignet, die funktionelle Planung für die Station voranzubringen, die sie gerade erörterten. Die wenigsten Offiziere kannten sich mit Bauplanung sowie den anfallenden Kosten aus und da die meisten Römer am Monatsende kaum ein paar Sesterzen übrig hatten, nahm Menecrates an, dass die einfachen Soldaten sogar mit den Dimensionen völlig überfordert waren."Ich schlage vor", begann er nach einigem Zögern, "wir erörtern die funktionellen Anforderungen, die unsere Station erfüllen muss und die Architekten entscheiden dann, ob unser Fußboden aus Stein oder Marmor sein wird." Er blickte zwei Atemzüge ernst, dann grinste er. "Das war ein Scherz. Das Budget reicht nicht für Marmor, zumal er auch den Sinn verfehlen würde. Ich setze mich im Anschluss an diese Erörterungen mit dem Bauplaner zusammen und trete außerdem in Kontakt mit der kaiserlichen Kanzlei." Genaugenommen landete der Brief mit dem Budget erst Tage nach dieser Begehung im claudischen Briefkasten. Gleichzeitig wäre Menecrates in der Lage, ein zu knapp gefasstes Budget aus eigenen Mitteln anzuheben.
Er wandte sich dem Miles zu, der schon mehrmals hilfreiche Einwürfe abgegeben hatte.
"Nur zu! Es ist erwünscht, die Stimme zu erheben." Dann hörte er aufmerksam zu. Die Antwort gestaltete sich recht leicht.
"Nun, werden wir konkret: Diejenigen, die dieser Station zugeteilt werden, das seid ihr. Eure Centurie unter dem Befehl Octavius' wird hier stationiert sein. Es gibt rollende Schichten, ab und zu freie Tage oder solche in der Castra, aber überwiegend seid ihr hier. Während der Bauphase werdet ihr die Streifen im Viertel übernehmen, damit ihr das Gebiet kennenlernt. Das gibt Sicherheit und schult die Ortskenntnisse, sehr richtig. Darüber hinaus wird verschiedentlich jeweils ein Contubernium ein Tages- bzw. in unserem Fall ein Nachtpraktikum bei den Vigiles absolvieren. Instruktionen dafür folgen. Euer Centurio wird euch rechtzeitig vor dem Einsatz informieren."Menecrates schaute in die Runde. Sie waren heute gut vorangekommen. Es mussten Verhandlungen und Planungen mit externen Stellen folgen, aber er konnte heute noch die Situation nutzen, um den Männern Ungewissheit zu nehmen. Es ergab sich nicht oft die Möglichkeit des Gesprächs.
"Hat jemand Fragen zum zukünftigen Dienst? Dem Praktikum bei den Vigiles? Gern auch weitere Anmerkungen? Angebote? Ideen?" -
Natürlich vermerkte Menecrates die Einschränkung bei sich, die das Wörtchen ‚eigentlich‘ immer mit sich brachte, aber er ließ sich dadurch nicht von den weiteren Ausführungen ablenken. Er nickte, als der Bericht eine Personal- und Zeiteinsparung verlauten ließ, denn das konnte er sich gut vorstellen. Was er nicht einschätzen konnte, war der Zustand und Umfang der nach dem Sortieren übrig gebliebenen und per Wassermassen zusammengetriebenen Abfälle. Immerhin - der Aufwand für die Vorsortierung hielt sich in Grenzen, was ihn freute.
"Das heißt, die Hinweisschilder sind ohne größere Proteste angenommen und sogar beachtet worden?", resümierte Menecrates mit einer Spur Skepsis. Er hatte an dieser Stelle einen erhöhten Widerstand erwartet und zeigte sich positiv überrascht. "Wir behalten auf jeden Fall die anfängliche Trennung bei, wenn sich der Aufwand in Grenzen gehalten hat. Der Gewinn ist unbestritten."
Ein Gedanke schoss ihm durch den Kopf.
"Wie verhält es sich mit der Geruchsentwicklung, nachdem die Fäkalien und kleineren Essens- und sonstigen Reste mit Wasser in Berührung kamen und sich teilweise sicherlich aufgelöst haben? Nach meiner Erfahrung entwickelt trockener Kot deutlich weniger Aroma als feuchter. Und wie haben die Anwohner darauf reagiert?" -
Sim-Off: Vielleicht lässt sich das im Nachhinein ins eigentliche Officium rüberschieben.
Der Termin zur Abschlussbesprechung für das Reinigungsprojekt der Straßen stand an und Menecrates hatte sich einen Sekretär zur Seite gestellt sowie einige Pläne zurechtlegen lassen. Um einen separaten Tisch standen ungewohnt viele Stühle.Er begrüßte die Vigintivirn nach deren Eintreten und bot mit einer Handgeste Platz an.
"Salvete! Ich bin ganz Ohr und zugegeben gespannt, wie das Experiment verlaufen ist und welche Schlüsse wir für die Zukunft ziehen können."
Menecrates kannte von allen anwesenden Magistraten Annaeus am besten, daher konzentrierte er sich vor allem auf ihn, aber nicht, ohne die anderen mit einem Blick zu bedenken. -
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Original von Andronikos
Nun war Andonikos nach seiner Überfahrt von Griechenland hier her doch das Geld ausgegangen und so wurde es Zeit, sich eine Arbeit zu suchen. Ein Geschäft konnte er nicht aufmachen. Geld hatte er ja keines mehr und ein Handwerker war er auch nicht. Aber schreiben konnte er und er hatte gehört, dass Positionen in der Verwaltung der Stadt offen waren. Er war außerdem soweit er wusste noch nicht als Christ aufgefallen - und gedachte dies auch vorerst nicht zu tun - sodass das kein Hinderniss sein sollte. Im Gegenteil fand er die Vorstellung ein Christ in der Verwaltung des erklärten Widersachers der Christenheit seltsam witzig. Nicht, dass er hier die Dinge sabotieren wollte. Andronikos hatte sich mmer viel darauf eingebildet, Aufgaben ordentlich und ehrlich zu erledigen. Ganz abgesehen von der Tatsache, dass es unbequeme Folgen haben konnte, wenn man im Dienst für einen Römer nicht ordentlich schaffte. Außerdem musste er auch etwas essen.Mit genuiner Motivation hatte er sich also auf zum Amtssitz der städtischen Verwaltung gemacht.
In der Praefectura angekommen hatte er keine Ahnung, wohin er sich wenden sollte, doch er glaubte schließlich, dass der Ab Actis vielleicht die richtige Anlaufstelle sein konnte.
Also klopfte er etwas zaghaft an die Tür.
Dem Klopfen wurde nach Kurzem Gehör geschenkt und ein "Herein!" signalisierte, dass der Einritt nunmehr ungehindert stattfinden könne.edit: Zitat eingefügt
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Die Ausführungen waren wieder hilfreich und kamen erneut von einem relativ großen, muskulösen Miles. Menecrates fand die Selbsteinschätzung interessant, weil sie ungeschminkt die Realität beschrieb. Ja, der Schliff ließ mit den Jahren nach. Dergleichen hatte er auch mehrfach beobachtet und wollte sich selbst auch nicht ausnehmen.
"Der Vorschlag einer Streifenvergrößerung wird aller Wahrscheinlichkeit nach umgesetzt. Die erhöhte Anzahl der Soldaten steigert sofort und augenfällig deren Außenwirkung. Es ist weiter richtig, dass wir an unserem Auftreten feilen müssen. Ich übertreibe einmal: Eine Anzahl schlendernder Männer erzeugt weniger Respekt als eine Abteilung, die geordnet und diszipliniert marschiert. Letzterer unterstellt man eher, koordiniert und im Ernstfall ergebnisorientiert handeln zu können.
Ein Besinnen auf die Ausbildung wird sich zeitnah in zusätzlichen Exerzierstunden niederschlagen, die gezielte Stellungswechsel beinhalten. In der Prima nannten wir das Aufbautraining. Es wirkt nicht nur gut auf den Betrachter, auch die Ausführenden erhalten dadurch mehr Sicherheit."
Menecrates nickte dem Miles zu und bedankte sich so für dessen Wortmeldung. Anschließend blickte er in die Runde."Hat jemand noch eine Idee, die noch nicht angesprochen wurde? Auch Kleinigkeiten haben an dieser Stelle ihre Berechtigung."
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Menecrates fand die Formulierung etwas sonderbar, denn sie implizierte, dass die Frage nach der Anzahl der Praktikanten bereits mehrfach oder wenigstens einmal gestellt wurde. Daran konnte er sich nicht erinnern. Es ging bisher um die Anzahl der Patrouillen pro Nacht und Menecrates bevorzugte komplette Schichten. Das hatten sie einvernehmlich geklärt. Aber Menecrates war auch nur ein Mensch ohne Anspruch auf Perfektion, wenngleich er sich stets bemühte. Ihm konnte auch einmal etwas durchrutschen.
"Schön wäre, wenn an drei oder vier Tagen jeweils ein Contubernium teilnehmen könnte. Unter drei wäre mir zu wenig, alles über vier halte ich für Luxus."
Er überlegte kurz, dann fügte er an: "Verabreden wir gleich heute Tag und Zeit oder benachrichtigst du mich? Falls du dich für die Nachricht entscheidest, dann bitte mit zwei Tagen Vorlauf. Das gilt natürlich auch für den Fall, dass wir hier und heute den Starttermin festlegen. Als Treffpunkt möchte ich deine Torwache vorschlagen."
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Menecrates' Kenntnisse in Sachen Nachtdienst hielten sich in Grenzen und die Antwort des Praefectus Vigilum brachte ihn auch nicht entscheidend weiter. Er nahm sich vor, die Diensteinteilung im Fall des neuartigen Nachtdienstes für die Urbaner nicht den Tribunen zu überlassen, sondern selbst vorzugeben. Er würde sich diesbezüglich noch Gedanken machen und auch nicht scheuen, eigene Entwürfe über Bord zu werfen, sofern sie sich in der Praxis nicht bewährten.
"Meinerseits wäre dann alles gesagt und besprochen. Gibt es von deiner Seite noch Themen, die erörtert sein wollen?"
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Die meisten Soldaten blieben stumm, was Menecrates durchaus erwartet hatte. Allein die Möglichkeit, mit einbezogen zu werden, konnte aber bewirken, dass die neue Station offener angenommen wurde. Auch das beabsichtigte der Praefectus.
"Bevor ich auf Centurio Octavius' Anmerkungen eingehe, ein Hinweis an alle. Jedem einzelnen von euch bietet sich durch die Station eine weitaus größere Chance, sich hervorzutun als jedem anderen Miles. Wer hier mit anpackt und zum Gelingen des Vorhabens beiträgt, kann sich Lorbeeren der verschiedensten Art verdienen. Der Zugang zu meinem Gedächtnis besteht außerdem unmittelbar und ich kann euch versichern, mein Gedächtnis arbeitet gut. Das muss es auch, denn Auszeichnungen und Beförderungen nehme ich nicht routinemäßig vor, sondern ausschließlich auf der Grundlage erbrachter Leistungen." Dass er selbst durch eine harte Schule ging, die ihn prägte, erwähnte er nicht. Zum einen hinkte jeder Vergleich und zum anderen galt es, die Motivation hochzuhalten.
Der Exkurs - weg vom eigentlichen Thema - verschaffte ihm Zeit, die er brauchte, um Maros Worte länger wirken zu lassen. Menecrates' Haltung stand fest, nicht aber die Wortwahl für die Antwort. Er wusste, er brauchte einen Centurio mit Schneid, aber für die Planung der Station gab es ein Potpourri an Dingen zu beachten. Sie befanden sich auf einer sensiblen Mission.
"Wenn wir uns ausschließlich hinter Mauern sicher fühlen, die mit Geschützen gespickt sind, erwecken wir einen ängstlichen Eindruck. Durchschnittlich bewaffnete Streifensoldaten dürften dann kaum noch ernst genommen werden. Ich verstehe deinen Gedankengang, Centurio." Das traf zu, selbst in dem Moment, als die Sprache auf einen Haufen an Bannern zum Aufhängen kam. Kurzzeitig dachte Menecrates an einen Scherz, bis er die Ernsthaftigkeit erkannte.
"Ich möchte das Präsentieren von Kraft und Entschlossenheit weg vom Bauwerk hin zu den Soldaten lenken. Unser Ziel, große Teile des Viertels zu schützen, wird von den Streifen umgesetzt. Sie stehen in unserem Focus, sie sind die Aktiven. Das Bauwerk beherbergt die zum jeweiligen Zeitpunkt überwiegend Passiven und sein Einfluss reicht nur wenige Blocks weit. Vom Bauwerk aus haben die Streifen wenig und auch keine schnelle Unterstützung zu erwarten. Sie müssen selbst Stärke ausstrahlen.
Vorschläge, wie?" Die fundamentale Frage schwebte über allen. Menecrates schwieg, denn nichts sollte von ihr ablenken.Die Station nahm inzwischen feste Konturen an. Sie würde in einer Straßengabelung errichtet werden, einen einzigen frontalen Zugang mit Tor und Hof besitzen, zu beiden Flanken hin erst in 'Übermannhöhe' Fensteröffnungen aufweisen, aber keine Tür und sich an der Rückseite die Außenwand mit dem Nachbargebäude teilen. Sollte es das Budget und Material erlauben, würde Menecrates für eine doppelte Außenwand plädieren.
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Sie waren sich also einig und die verschiedenen Konstellationen versprachen, spannend zu werden. Gern nahm Menecrates auch die Aufstellung der Fahrer für das zweite Rennen vor. Er fand klug, dass Iulius einen Schritt vor den anderen setzte und nichts überstürzte. Es brauchte Zeit, Fahrer und Gespannen richtig einzuschätzen und die Zukunft bot noch jede Menge weiterer Gelegenheiten zum Ausprobieren eigener Strategien.
Als die Nachfrage kam, ob das Neumitglied noch etwas für Menecrates tun konnte, musste dieser schmunzeln. Ihm fielen spontan mindestens acht Dinge ein, die jemand für ihn tun könnte und bei ein wenig mehr Zeit des Nachdenkens würde sich diese Anzahl sicherlich noch vervielfältigen.
"Fangen wir bei der Organisation dieser beiden Rennen an. Damit hast du schon viel an Arbeit abgenommen. Ich lasse dich wissen, wenn es Weiteres zu tun gäbe. Ansonsten wüsste ich nicht, was du für die Planung noch an weiteren Informationen benötigst. Vielleicht höchstens der Hinweis, dass der Dominus Factiones der Aurata nicht in Italia weilt. Die Einladung sollte nicht an ihn persönlich gerichtet sein, denn sonst laufen wir Gefahr, dass kein anderer sich traut, die Post zu lesen."Er hielt kurz inne, aber ihm fiel kein weiterer Hinweis ein.
"Lass mich wissen, wenn der Termin für das erste Rennen steht. Ich möchte mir einrichten, anwesend zu sein. Nachlässigkeit kann ich mir nicht erlauben, nachdem es so viele Mühen gekostet hat, die Factio auf Vordermann zu bringen." Trainingsrennen erforderten gewiss nicht die Anwesenheit des Factiokopfes, aber als Selbstläufer sah er die zum Glück positive Entwicklung noch nicht. -
Auch zu diesem Wortbeitrag nickte Menecrates, denn er fand ihn durchdacht. Zwar ging eine Befestigung um das gesamte Gebäude ohnehin nicht einzurichten, weil zumindest die Rückseite an Nachbargebäude stieß, aber es gab die beiden Möglichkeiten einer ausschließlich frontal zugänglichen Befestigung und einer dreiseitigen. Der Preafectus Urbi erkannte in letzterer ebenfalls mehr Nach- als Vorteile, was der Miles offensichtlich genauso sah.
"Wir können bei der Planung leider auf keinerlei Vorerfahrung zurückgreifen. Hinzu kommt, dass bei jedem Bauvorhaben häufig genug erst im Nachhinein ersichtlich wird, was sich bewährt und was eine Fehlplanung darstellt. Wir bemühen uns, möglichst die richtigen Prognosen zu treffen. Deswegen ist sowohl die Sichtweise der Architekten und Führungskräfte als auch die derjenigen von Nutzen, die tagtäglich mit der Praxis konfrontiert sind. Also keine Scheu, jede Meinung ist es wert, gehört zu werden. Das sehen wir an den Anmerkungen des Miles." Menecrates kannte ihn nicht namentlich, richtete aber die Hand auf den Qquintilier.
"Nach meinem Dafürhalten erzeugen wir tatsächlich ein größeres Verteidigungsproblem und einen erhöhten Personalbedarf, wenn wir drei Zugänge einrichten. Ich sehe es auch nicht als Behinderung an, wenn eine Streife wenige Doppelschritte mehr und anfänglich in einem Bogen laufen muss, wenn wir nur ein Tor in Richtung Nordosten installieren. Nun könnten wir uns natürlich weiter fragen, ob wir den Aufwand nicht noch mehr reduzieren sollten, indem wir die Station nicht nur von hinten, sondern auch seitlich an Gebäude grenzen lassen. In diesem Fall bliebe ausschließlich eine Front zu sichern. Kein Vorteil ohne Nachteil: Gleichzeitig schränken wir unsere Sicht erheblich ein, die wir nach drei Seiten aus erhöhter Position hätten, wenn wir bei dem Eckgrundstück bleiben. Ich bevorzuge diese Variante."
Er blickte in die Runde.
"Gibt es weitere Hinweise? Denkt daran, diese Station wird euer zukünftiges Quartier. Ihr habt jetzt die Möglichkeit, es mitzugestalten." -
"Die Patrouillen im Viertel sind das eine, die Erfahrung einer Nachtschicht im Vergleich zum gewohnten Rhythmus das andere. Solange die Streife der zuständige Cohors tatsächlich nichts weiter als das Viertel patrouilliert, sollen meine Männer nach Möglichkeit die gesamte Nachtschicht erleben." Er erwartete eine gehörige Umstellung mit all ihren Folgen für den Schlafrhythmus. Er würde die Männer bereits ab Mittag freistellen und am Folgetag gänzlich vom Dienst befreien. Der Wechsel hin und her mochte anstrengender empfunden werden als der spätere Dienst des Nachts mehrere Tage am Stück.
"Eines interessiert mich noch: Wie sind eure Männer zum Dienst eingeteilt? Gibt es dienstfreie Tage und falls ja, in welchem Abstand? Sicherlich beim Wechsel der Schichten oder?"