Immerhin, ein erster Erfolg konnte verzeichnet werden. Menecrates atmete auf, als Tiberius den Todesgedanken fallenließ. Die restliche Anspannung blieb, aber er hörte aufmerksam zu. Das erwartete Tiberius und es war nicht schwer zu erfüllen. Dessen Beweggrund, Menecrates zu schützen, bewirkte, dass sich etwas im Herzen des alten Senators auftat.
Er nickte bedacht. "Achtung geht mit Wertschätzung und Aufrichtigkeit einher. Schaffen wir dies, ergibt sich Achtung von allein." Gegen das gemeinsame Ziel, Rom zu erhalten, oder wie Tíberius es formulierte, Rom zu retten, gab es nichts einzuwenden. Dafür trat Menecrates seit Jahrzehnten ein. Zu diesem Zweck diente er.
Korruption gehörte nicht in sein Wunschbild, aber es gehörte zu Rom und er konnte wenig dagegen tun. "Korruption muss bekämpft werden, aber oftmals agiert sie im Geheimen, sodass wir sie nur schwer ausmachen können. Was aber jeder einzelne tun kann, ist das redliche Auftreten seinerseits. Mit Glück steckt man damit den einen oder anderen Nebenmann an." Er versprach sich selbst keinen durchschlagenden Erfolg davon, aber gesagt sollte es sein. "Halte mich nicht für naiv. Ich sehe durchaus über meinen Tellerrand."
Tiberius sprach die Augusta an und ließ lobende Worte fallen. Gleichzeitig fielen Worte der Kritik gegenüber ihrem Ehemann. Menecrates hatte andere Erfahrungen gemacht, was daran lag, dass er über die Zeit deutlich mehr mit dem Kaiser als der Augusta zu tun hatte. Er wertschätzte den Kaiser, er mochte ihn sogar. Als in dieser Sache das Thema auf die Stadtkohorten kam, horchte er auf.
"Das ist ja interessant! Mir fehlt in der Tat Geld. Wie ich mich auch drehe, nirgends gibt es Reserven und der Etat ist unverhältnismäßig knapp. Du sagst, du hast Beweise für Unterschlagungen seitens der Beamten? Ich habe Interesse daran, mehr zu erfahren!" Er straffte sich und wirkte kämpferisch.
Das Nachfolgende konnte er nur schwer bewerten, weil er nicht wusste, ob die Schutzgelder im Auftrag des Kaisers oder aus eigenem Antrieb in Germanien eingetrieben wurden.
"Germanien ist nicht mein Verantwortungsbereich. Ich hoffe auf dein Verständnis, dass mich die Belange hier mehr als nur ausreichend beschäftigen." Mehr ging nicht, mehr lag auch nicht in seinem Kompetenzbereich. Er tat die Information nicht leicht ab, sah sich aber außerstande, etwas dagegen zu unternehmen.
Er hörte weiter zu und das besonders angestrengt. Es fiel ihm nicht leicht, Tiberius zu folgen. Beispiele hätten seine Vorstellungskraft unterstützt, vielleicht konnte Tiberius aber auch keine nennen. Längst war der letzte Satz gefallen, als Menecrates noch immer nachdachte. Er grübelte nicht über die Tatsache, dass er selbst beschattet wurde. Er wusste, weil er ohne Rücksicht auf Rang und Namen in Wunden kratzte, wenn er fand, sie eiterten, wurde er von manchen gehasst.
"Berichte mir über Schlangen, die Schönredner und fehlgeleitete Senatoren. Zeichne mir Bilder der Korruption und Ignoranz. Ich für meinen Teil glaube nicht, dass der Kaiser Auftraggeber ist. Kennst du den Herd?"