Beiträge von Herius Claudius Menecrates

    Centurio Marcus Octavius Maro übernimmt ANTE DIEM XVIII KAL OCT DCCCLXVIII A.U.C. (14.9.2018/115 n.Chr.) mit seiner Einheit inklusive der Tirones die Sonderstreife des Preafectus Urbi in die Subura.


    Die Begehung dient der Sondierung der Verhältnisse, der Auffindung eines geeigneten Grundstücks zum Bau einer Statio und der Aushebung neuer Männer.


    Antreten vor der Baracke, Abmarsch zur zweiten Stunde.

    Als eine der obersten Prinzipien für die Sklavenschaft im claudischen Haushalt galt das Merken der Namen von Gästen. Für Menecrates' Leibwächter galt das im Besonderen, da dieser nicht nur den Türdienst versah, sondern den Senator seit Jahren oder gar Jahrzehnten zu allen möglichen Gesellschaften, politischen Auftritten oder auf Dienstgängen begleitete. Demzufolge wusste Menecrates, wer ihn zu sprechen wünschte. Das allerdings besagte noch nicht, ob er den Mann auch kannte. Ein schlechtes Namensgedächtnis besaß der Claudier nicht, aber haperte es.


    Als er ins Atrium trat, erblickte er Valerius nicht sofort. Der betrachtete gerade die Wandgestaltung, was Menecrates ein Schmunzeln abgewann.
    "Wir schätzen Motive aus der Tier- und Pflanzenwelt. Menschen sieht man in Rom mehr als genug." Er trat näher.
    "Salve. Mir wurde gesagt, du möchtest mich sprechen, Valerius Flaccus."


    Ad
    Procurator a rationibus
    Potitus Plennius Flamininus
    Palatium Augusti
    Roma




    Salve Procurator Plennius,


    die neue Statio der Cohortes Urbanae müsste für die Aufnahme einer Centurie geeignet sein. Außerdem soll sie der Ausgabe der Essenspenden im Armenviertel dienen.
    Benötigt wird ein Gebäude, das auf den Zweck zugeschnitten ist und über eine verlässliche Baustatik verfügt. Aus diesem Grund plane ich einen Neubau. Dafür muss ein Grundstück erworben werden. Der Abriss eines für uns ungeeigneten Gebäudes auf diesem Grundstück ist wahrscheinlich. Die Baumaterialien sollen - sofern möglich - weitgehend wiederverwertet werden.


    Die Umsiedlung der Bewohner dieses Areals geht nicht zu Lasten der Staatskasse. Einzig die in Teilen geplante Rekrutierung bis zur Sollstärke der Cohortes Urbanae und eventuell auch der Vigiles verursacht die üblichen Aufwendungen.


    Die Besoldung der im Viertel stationierten Soldaten soll sich nicht wesentlich von der in der Castra unterscheiden. Ich empfehle und bitte um die Bewilligung einer Erschwerniszulage von wöchentlich zwei Sesterzen. Darüber hinaus bitte ich, den Soldaten für die anfallende Nachtarbeit pauschal wöchentlich weitere drei Sesterzen zu zahlen. Das ergäbe einen Wochensold von 35 Sesterzen.


    Zum aktuellen Zeitpunkt sehe ich keinen Bedarf an zusätzlicher Ausstattung für die betreffenden Soldaten.


    Ich bitte um Prüfung und Benachrichtigung.



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    gez. H. Claudius Menecrates




    ANTE DIEM III ID SEP DCCCLXVIII A.U.C. (11.9.2018/115 n.Chr.)


    Immerhin, ein erster Erfolg konnte verzeichnet werden. Menecrates atmete auf, als Tiberius den Todesgedanken fallenließ. Die restliche Anspannung blieb, aber er hörte aufmerksam zu. Das erwartete Tiberius und es war nicht schwer zu erfüllen. Dessen Beweggrund, Menecrates zu schützen, bewirkte, dass sich etwas im Herzen des alten Senators auftat.
    Er nickte bedacht. "Achtung geht mit Wertschätzung und Aufrichtigkeit einher. Schaffen wir dies, ergibt sich Achtung von allein." Gegen das gemeinsame Ziel, Rom zu erhalten, oder wie Tíberius es formulierte, Rom zu retten, gab es nichts einzuwenden. Dafür trat Menecrates seit Jahrzehnten ein. Zu diesem Zweck diente er.


    Korruption gehörte nicht in sein Wunschbild, aber es gehörte zu Rom und er konnte wenig dagegen tun. "Korruption muss bekämpft werden, aber oftmals agiert sie im Geheimen, sodass wir sie nur schwer ausmachen können. Was aber jeder einzelne tun kann, ist das redliche Auftreten seinerseits. Mit Glück steckt man damit den einen oder anderen Nebenmann an." Er versprach sich selbst keinen durchschlagenden Erfolg davon, aber gesagt sollte es sein. "Halte mich nicht für naiv. Ich sehe durchaus über meinen Tellerrand."


    Tiberius sprach die Augusta an und ließ lobende Worte fallen. Gleichzeitig fielen Worte der Kritik gegenüber ihrem Ehemann. Menecrates hatte andere Erfahrungen gemacht, was daran lag, dass er über die Zeit deutlich mehr mit dem Kaiser als der Augusta zu tun hatte. Er wertschätzte den Kaiser, er mochte ihn sogar. Als in dieser Sache das Thema auf die Stadtkohorten kam, horchte er auf.
    "Das ist ja interessant! Mir fehlt in der Tat Geld. Wie ich mich auch drehe, nirgends gibt es Reserven und der Etat ist unverhältnismäßig knapp. Du sagst, du hast Beweise für Unterschlagungen seitens der Beamten? Ich habe Interesse daran, mehr zu erfahren!" Er straffte sich und wirkte kämpferisch.


    Das Nachfolgende konnte er nur schwer bewerten, weil er nicht wusste, ob die Schutzgelder im Auftrag des Kaisers oder aus eigenem Antrieb in Germanien eingetrieben wurden.
    "Germanien ist nicht mein Verantwortungsbereich. Ich hoffe auf dein Verständnis, dass mich die Belange hier mehr als nur ausreichend beschäftigen." Mehr ging nicht, mehr lag auch nicht in seinem Kompetenzbereich. Er tat die Information nicht leicht ab, sah sich aber außerstande, etwas dagegen zu unternehmen.


    Er hörte weiter zu und das besonders angestrengt. Es fiel ihm nicht leicht, Tiberius zu folgen. Beispiele hätten seine Vorstellungskraft unterstützt, vielleicht konnte Tiberius aber auch keine nennen. Längst war der letzte Satz gefallen, als Menecrates noch immer nachdachte. Er grübelte nicht über die Tatsache, dass er selbst beschattet wurde. Er wusste, weil er ohne Rücksicht auf Rang und Namen in Wunden kratzte, wenn er fand, sie eiterten, wurde er von manchen gehasst.


    "Berichte mir über Schlangen, die Schönredner und fehlgeleitete Senatoren. Zeichne mir Bilder der Korruption und Ignoranz. Ich für meinen Teil glaube nicht, dass der Kaiser Auftraggeber ist. Kennst du den Herd?"

    Menecrates nickte. "Einer der amtieren Magistrate war bei mir, weil er ein erkanntes Problem nicht mit seinem zuständigen Vorgesetzten besprechen konnte. Er kam dann zu mir und ich habe mich kurz entschlossen dem Problem angenommen. Wie gesagt, auch dort fehlt es an Arbeitskräften."


    Die nachfolgenden Vorschläge, wo die fehlenden Männer rekrutiert werden konnten, fand Menecrates äußerst interessant. Er strich sich über das Kinn und nickte mehrmals. "Eine gut durchdachte Sache! Auf alle Fälle können wir erst einmal die Lücken in den Einheiten schließen. In Sollstärke befinden sich meine Cohorten nicht und wahrscheinlich können die Vigles auch Verstärkung gebrauchen. Dann wäre auch ein Anteil an Peregrini untergebracht."


    Ein Lächeln legte sich auf sein Gesicht.


    "Du bist gut. Ich könnte dich als Stabsoffizier gebrauchen." Er lächelte wieder. Überreden wollte er Antoninus nicht, aber signalisieren, dass die Tür offenstand. Außerdem beschloss Menecrates, auf die von Tribun Petronius beabsichtigte Aushebung von Tiros bei den Hilfskräften während dem Straßenbau zu verzichten. Die Subura ging vor.
    Er freute sich zudem, einen Verbündeten für den Plan eines Neubaus zu haben. Die Vorteile überwogen die Mehrkosten und bei Wiederverwendung des Baumaterials entfielen die Entsorgungskosten.


    Plötzlich strauchelte eine für das Treffen von Fettnäpfchen bekannte aparte Erscheinung ins Atrium. Da Menecrates gerade gut gestimmt war, lächelte er Silana an.
    "Guten Morgen, mein Kind. Du siehst heute ja wieder ganz entzückend aus." Ein wenig hoben sich seine Brauen. "Und nein, du störst nicht. Iulius und ich wollten gerade aufbrechen. Wir besuchen die Subura. So wie du aussiehst, könntest du sogar mit." Es sollte ein Scherz sein und abschrecken. Menecrates wusste nicht einmal, ob Antoninus Zeit hatte.

    Menecrates erkannte, dass die Überlegungen durchdacht waren, trotzdem konnte er sich von einer gewissen Skepsis nicht freimachen.
    "Ich gebe dem Ganzen eine Chance und stimme der Schwemmung zunächst von einer Straße zu." Er lehnte sich nochmals über die Karte, dann tippte er auf einen Punkt, an dem ein Pumpwerk eingezeichnet war. "Diese nehmen wir. Der Unrat wird entsorgt, aber nicht im Tiber."


    Auch wenn dies die kostengünstigste Entsorgung gewesen wäre und Rom von all dem Unrat nie wieder etwas sehen würde, er konnte sich damit nicht anfreunden. Vielleicht dachte er dabei an die Fische, deren Lebensraum verdreckte. Immerhin besaß er selbst eine Fischzucht und kannte die Anforderungen an den Lebensraum. Oder er stellte sich das Bad im Tiber vor, wenn alle möglichen Reste antrieben, auf den schwimmenden Körper trafen und an ihm kleben blieben. Er schüttelte sich bei dem Gedanken.


    "Hundert zusätzliche Männer sind nicht machbar, das weißt du sicherlich. Probieren wir zunächst die Schwemmung. Ein ausreichend großer Trupp soll sich am Ende des Abschnitts bereithalten, damit der Unrat möglichst schnell gesammelt wird. Wir haben Sommer, es wird schnell zu Geruchsbelästigung kommen. Die Kosten für den Lohn von zusätzlichen Arbeitskräften wird die Staatskasse nicht aufbringen können, aber die Mehrkosten für einen zügigen Abtransport kann ich verantworten. Unmut gibt es in den Armenvierteln genug. Da muss jetzt nicht noch ein Müllberg für Zündstoff sorgen."


    Er wiegte den Kopf. Kompromisse würden nicht zu vermeiden sein. "Eine Berichterstattung wäre wünschenswert."

    Der Abschnitt über die Kommissionsarbeit fiel für Menecrates' Geschmack viel zu klein aus, zumal Tiberius explizit dafür die Diploma verliehen bekommen sollte. Andererseits bestand Menecrates nicht darauf, die Verleihung einer Diploma ausschließlich mit diesen Einsatz zu verknüpfen. Letztlich war es ihm egal, wofür Tiberius ausgezeichnet wurde. Er fand grundsätzlich, dass es dafür an der Zeit war.
    Er signalisierte daher Redebedarf und erhob sich, als ihm das Wort erteilt wurde.


    "Werte Senatoren. Es ehrt den Trecenarius Tiberius, dass er seiner Bedeutung innerhalb der Kommission so wenig Worte widmet. Ich führe es auf Bescheidenheit zurück. Ich möchte nicht seine übrige Leistung für das Imperium schmälern, aber Fakt ist, dass Tiberius - wie ich bereits eingangs erwähnte - DER Grundpfeiler bei der Kommissionsarbeit für mich war, weil kein anderes Mitglied ein vergleichbares Arbeitspensum an den Tag gelegt hat."
    Menecrates sparte es sich, das Gremium nochmals darauf hinzuweisen, wie reduziert der Einsatz diverser Senatoren war und dass er es für selbstverständlich hielt, wenn andere geehrt wurden, die bessere Arbeit leisteten.

    Menecrates verfolgte die aufgezählten Zahlenkolonnen und glich sie mit seiner Erfahrung ab. Hier und da nickte er, zuweilen hätte er einen Einwand gebracht, aber nichts von grundlegender Bedeutung, sodass er schwieg.
    "Laut Einschätzung meines Stabes soll eine Centuria und noch mal etwas mehr als eine weitere aktuell nicht fest gebunden sein und sowohl für mein Projekt als auch für das Straßenbauvorhaben zur Verfügung stehen. Spielraum gibt es kaum und hinzu kommt ein weiteres personelles Problem was die Straßenreinigung betrifft." Er sprach mehr zu sich und blickte Antoninus deswegen auch nicht an. Vor seiner Amtsübernahme hätte er nie gedacht, dass personelle Probleme seine aktuell größten sein würden. Deswegen nahm er sich fest vor, so bald wie möglich beim Kaiser vorzusprechen, wobei ihm die Zahlenbeispiele sicherlich hilfreich sein würden.


    "Ich denke schon, die kaiserliche Einsicht werde ich mit dem Zahlenvergleich gewinnen. Ob allerdings das Staatskässel voll genug ist, um Männer einzustellen, weiß ich nicht zu sagen."
    Anschließend wartete Antoninus mit einer Idee auf, die Menecrates' Neugier weckte. Die Ankündigung, dass sie Geld kosten würde, überraschte ihn nicht. Es gab fast nichts umsonst. Als Antoninus schließlich das Vorhaben umriss, hörte Menecrates aufmerksam zu. Es eröffnete die Chance auf einen friedlichen Umzug, wobei der Claudier als gewiefter Geschäftsmann ungern pauschal einen gesamten Wohnblock aufs Land umsiedel lassen wollte.


    "Wohnen und Verpflegung für Arbeit. Im Grunde kostet das gar nicht so viel Geld. Nichts anderes biete ich meinen Sklaven und einkleiden tu ich sie außerdem. Der Standard wäre ein wenig höher, aber wenn wir es schlau anstellen, dann könnte man durch zusätzliche Verdienstaussichten die Eigenverantwortung stärken. Sklaven führen nur die Arbeiten aus, für die sie eingeteilt sind. Sie wohnen nicht in ihrem Zuhause, sondern dem ihres Herrn. Landarbeiter können ihr Eigentum mehren und sind dann sicherlich darauf bedacht, dass ihre Erwerbsgrundlage nicht zu Schaden kommt. Diese Verbundenheit scheint mir letzten Endes auch für den Landbesitzer wirtschaftlich zu sein."
    Menecrates schaute zu Antoninus, grinste ein wenig und wiegte den Kopf.


    "Ein Zehntel für dich, der Rest für mich, einverstanden. ich schlage allerdings vor, dass wir eine Art Ausschreibung machen. Jemand sichtet die Bewerber und teilt sie in Eignung oder Nichteignung ein. Diejenigen Bewohner einer erwählten Insula, die sich nicht eignen, werden in benachbarte Insula umziehen und erhalten als Entschädigung ein Umzugsgeld. Wer sich eignet, darf Neigungen äußern und wird unter Berücksichtigung dieser auf die Landgüter verteilt. Was sagst du?" Bevor Antoninus etwas erwidern konnte, fügte Menecrates an:
    "Demnach haben wir die Wahl zwischen einer gezielt ausgesuchten Insula oder einem ebenfalls gezielt ausgesuchtem Abrissobjekt zwecks Neubau. Ein Neubau birgt den großen Vorteil, in seiner Gliederung auf die Nutzung zurechtgeschnitten werden zu können. Nachteilig sind die Mehrkosten. Ich habe mir längst Gedanken gemacht, was schwerer wiegt und wie ich bei Bedarf argumentiere. Mich interessiert aber auch, wie du darüber denkst."

    Tiberius schlug ungewohnte Töne an. Umso ernster nahm Menecrates ihn. Er wandte den Blick ab, als Tiberius Unerfreuliches ankündigte. Er tat dies nicht, um Abneigung oder Verachtung auszudrücken, sondern um das Sprechen zu erleichtern. Ein Geständnis ging leichter über die Lippen, wenn man dem anderen dabei nicht in die Augen sehen musste. Allerdings begann das Geständnis mit etwas, das Menecrates nicht fassen konnte. Daher suchte er doch den Blickkontakt, als Tiberius von seinem nahen Tod wie von einer Tatsache berichtete. Er verstand nicht, aber er unterbrach auch nicht, damit der Redefluss nicht versiegte.


    Als eine Pause entstand, lehnte sich Menecrates zurück, verschränkte die Arme und ließ das Gehörte Revue passieren. Vor allem der letzte Satz klang nach. Tiberius räumte Unehrlichkeit ihm gegenüber ein - wohl sogar im großen Rahmen - obwohl er eigenständig erkannte, dass in Menecrates' Welt Unaufrichtigkeit keinen Platz fand.
    Er fragte trotz erheblichem Interesse nicht nach den Einzelheiten, nur eine der gemachten Aussagen konnte er nicht unkommentiert stehenlassen.


    "Jeder hat eine Wahl und zwar immer! Bei großer Schuld ist der Tod sogar die bequemere Variante. Viel schwerer ist es, sich Anerkennung und Vertrauen erneut zu erarbeiten, nachdem man es verspielt hat." Obwohl die Aussage als Ausweg verstanden werden konnte und auch sollte, klang eine gewisse Strenge mit. Menecrates legte bei sich, aber auch anderen hohe Maßstäbe an. Sich aufgeben war keine der verfügbaren Optionen. Er stellte außerdem fest, dass ihn allein die Ankündigung der Unwahrheiten betroffen machte. Dabei überraschten sie ihn nicht. Er wusste immer, worauf er sich bei Tiberius einließ, aber im Zuge des Schulterschlusses fiel ihm ein Rückblick schwer.
    Gleichzeitig lebte und agierte Menecrates nach Prinzipien. Gleich, was ein Dieb, ein Schuft, ein Verräter oder dergleichen getan hatte - gab er sein Vergehen zu, wog dies schwerer als die Verfehlung. Menecrates wollte mit Wahrheiten umgeben sein, daher verzieh er auch gemachte Fehler, wenn es Einsicht und somit Grund zur Hoffnung gab.


    "Gerade hast du übrigens eine Wahl getroffen und den schwereren Weg gewählt. Du hättest mit Lügen ins Grab gehen können, stattdessen bist du hier und lieferst dich meinem Urteil aus." Vergebung konnte durch Reue und Offenheit erreicht werden. Auf dem richtigen Weg befand sich Tiberius bereits.

    Menecrates verfolgte den Gang des Tiberiers bis nach vorn. Der Trecenarius wirkte ungewohnt unsicher, was sich der Claudier kaum erklären konnte. Er nickte ihn daher aufmunternd zu, denn die Senatoren würden nur von etwas überzeugt werden können, was überzeugend vorgetragen werden würde. Gleichfalls würden die Senatoren dem verdienstvollen Kommissionsmitglied nur dann eine Auszeichnung zukommen lassen, wenn sie sich selbst von seinem Engagement überzeugen konnten. Worte und Schilderungen aus vergangener Zeit reichten leider nicht, das musste Menecrates bereits feststellen.


    "Mit eurer Zustimmung, Consuln, bitte ich nun Tiberius um seine persönliche Einschätzung im Hinblick auf das Ergebnis der Ermittlungen und in Bezug auf das heutige Thema." Seine Stimme klang freundlich, sein Gesichtsausdruck spiegelte Milde wieder. Während seines Consulats hatte er sich teils leidenschaftlich über die Trägheit oder Angriffsfreudigkeit des Senats geärgert und Konstruktivität vermisst. Heute gab er dem Gremium eine neue Chance.

    Sim-Off:

    "Nicht mehr historisch ganz so weit weg" ist ein gutes Argument! Auch die Stationen an Brennpunkten der Stadt sind belegt, wenn auch ebenfalls ein wenig später.


    Die Salutatio wandelte sich in ein Dienstgespräch, weswegen Menecrates den Sklaven signalisierte, sie sollten jedem Klienten Geschenke überreichen und alle für heute nach Hause schicken. Wer ein dringendes Anliegen hatte, musste mit Wartezeit rechnen oder es am Folgetag vortragen.


    Als die Klienten nach draußen geleitet wurden, wandte sich Menecrates an Antoninus.
    "Eine sehr gute Idee!" Mehrere Köpfe dachten in weitaus mehr Richtungen als wenige, das bestätigte sich wieder einmal. "Keiner ist bisher auf die Idee gekommen, die Mannstärke zu erhöhen. Ich auch nicht." Er hob die Schultern und ließ sie wieder fallen. "Dabei liegt diese Lösung förmlich auf der Hand. Ich muss sie nur noch dem Kaiser schmackhaft machen, was sicher kein leichtes Unterfangen wird.“ Er sann kurz nach und dachte kurze Zeit später laut. "Ich brauche überzeugende Argumente. Der Bedarf ist da, daran besteht kein Zweifel, aber man könnte dagegenhalten, dass es bisher ja auch mit weniger Stadtsoldaten irgendwie ging. Der Sklavenaufstand hat andererseits den Finger in diese Wunde gelegt." Er versank wieder in Gedanken, während seine Augen die gegenüberliegende Wand absuchten, ohne dass er das Gesehene bewusst wahrnahm.


    "Der Plan lautet aktuell, die Vigiles mit ins Boot zu holen. Das Gespräch mit dem Praefectus steht noch aus, daher kann ich noch nichts Konkretes über den Nachtdienst sagen. Der Plan sieht weiterhin vor, eine Insula zu erwerben. Darin stimmen wir also überein." Er warf einen Blick zu Antoninus, dann überlegte er weiter und sprach vor sich hin. "Die Bewohner dieser Insula sind ein Problem, da hast du völlig Recht. Ein Neubau wäre mir persönlich auch viel lieber, aber ich habe noch keine Auskunft von der kaiserlichen Verwaltung über die Höhe der zur Verfügung stehenden Geldmittel. Und auch in diesem Fall wird es Personen geben, die ihr Dach über dem Kopf verloren haben, darin gebe ich dir wieder Recht. Mir steht also ein kleines Umsiedlungsproblem bevor." Wieder suchte er den Blick.
    "Nach meiner Ansicht macht es wenig Sinn, Geschäftsleute umsiedeln zu wollen, denn deren Einnahmen hängen unmittelbar mit dem Vergnügungsviertel zusammen. Wobei ich deren Gewerbe auch nicht in die Station integrieren möchte. Meinst du, dass arme Bewohner bei finanzieller Unterstützung bereit wären, in ein anderes Viertel umzuziehen? Diese Aufwendungen würden dann einer von vielen Posten innerhalb der Kostenrechnung darstellen."


    Er stand auf und holte sich eine Tabula. Im Officium würde ein Scriba mitschreiben, hier tat er das selbst.



    Finanzielle Mittel
    Kauf vs. Bau klären
    Insula oder Bauplatz wählen
    Umsiedlung
    Vigiles
    Erhöhung der Sollstärke


    Er hob den Kopf. "Hast du weitere Anmerkungen?" Wie es schien, griff Antoninus die Problematik an anderer Stelle an, was das Gespräch wertvoll machte.

    Sim-Off:

    Spielt das vor oder nach dem Officium? Beides hast du annähernd zeitgleich gestartet.


    Menecrates wusste nicht, wer ihn zu sprechen wünschte. Sein Custos überbrachte nur den geäußerten Gesprächswunsch von einem Mann, der ihm auf seltsame Weise bekannt vorkam und vermutlich in irgendeiner Verbindung zur Familie stand. Der Claudier stellte auf dem Weg zum Tablinum einige Überlegungen an, sah aber bald die Hoffnungslosigkeit dieses Unterfangens ein. In wenigen Schritten würde er den Mann in Augenschein nehmen können und alle Fragen würden sich klären.


    Er betrat mit einer gehörigen Portion Neugier den Raum und stockte, als er Verus erkannte. Anschließend trat er ruhigen Schrittes auf den Besucher zu. Sein Blick studierte dessen Gesichtszüge, weil sich Fragen in ihm auftaten, die er nicht einmal formulieren konnte.


    "Tiberius!" Die Anrede war nur zum Teil korrekt, hatte sich aber während der Zeit der Ermittlungskommission eingebürgert. "Ich begrüße dich in meinem Haus." Den Tonfall klang weder distanziert noch übermäßig vertraut. Menecrates fragte sich, welches Anliegen Tiberius mitbrachte. In dessen Person vereinigten sich Extreme: herausragendes Mitglied der Kommission, Widersacher in Bezug auf Morrigans Bestrafungen, kaltherzig und berechnend bei gleichzeitiger Verlässlichkeit und einer nennenswert guten römischen Grundhaltung.


    Zwischen ihnen herrschte ein Waffenstillstand oder sogar mehr. Die einstige Feindschaft wurde durch eine besondere Form von Vertrautheit abgelöst. Andererseits hatte sich Tiberius aus dem Staub gemacht, als Menecrates ihn für die Umsetzung der Kommissionsergebnisse brauchte.


    Er wusste nicht, was er vom Auftauchen des Tiberiers halten sollte. Außerdem verunsicherte ihn etwas Fremdes in dessen Erscheinung. Es mochte die Körperhaltung sein, vielleicht auch die Kleidung. Innerlich schüttelte Menecrates den Kopf. Beides traf nicht zu und endlich dämmerte es ihm: Der gewohnt kalte Ausdruck der Augen fehlte. Der Claudier blickte genauer hin, neigte sogar um eine Nuance den Kopf, als wolle er im Antlitz lesen. Er nickte kaum merklich, obwohl er noch ahnungslos war, aber das Menschliche im Blick des Tiberius löste etwas in ihm aus.


    "Lass uns setzen", schlug er vor. Er fragte nicht erst nach den Bedürfnissen seines Gastes, sondern winkte einen Sklaven herbei.
    "Eine schnelle Mahlzeit, Getränke und keinerlei Störung."


    Er wählte anschließend einen Platz und blickte Verus abwartend an. Er signalisiere Zuhörbereitschaft, sofern der Tiberier ihm etwas mitteilen wollte. Sie befanden sich in einem geschichtsträchtigen Raum. Auch damals wurde Gewichtiges besprochen.

    ... brachte einen Brief vorbei, den er mit dem Hinweis abgab, dass er an Iulius Antoninus ausgehändigt werden sollte.





    Ad
    Consularis
    Herius Claudius Menecrates
    Villa Claudia
    Roma




    Salve Consul,


    ich soll Dir vom Procurator a libellis, Sisenna Axius Lucullus, ausrichten, der Kaiser empfängt Deinen Klienten, Lucius Iulius Antoninus, ANTE DIEM VIII ID SEP DCCCLXVIII A.U.C. (6.9.2018/115 n.Chr.) zu einer Audienz.


    Vale bene.




    Menecrates bemerkte, dass Antoninus wieder keinen Einblick in seine Gedanken in Bezug auf die Karriere gab, sondern in Andeutungen verharrte. Der Claudier wollte nicht weiter vordringen. Wenn Anbtoninus sprechen wollte, würde er es sicherlich tun. Außerdem erörterten sie mit der geplanten Station ein spannendes Thema.


    "Mir schwebt eine Station vor, die größer als eine kleine Wachstube ist, aber nicht einer Castra ähnelt. Ich bin mit dem Vorstoß - zugegeben - auf wenig Begeisterung beim Kaiser gestoßen, aber immerhin nicht auf dessen Ablehnung. Ich habe weitgehend freie Hand, aber ich werde das nicht ausnutzen, sondern bedacht vorgehen. Genauso kam mir Skepsis seitens mehrerer Stabsoffiziere entgegen, aber gleichzeitig konstruktive Mitarbeit von anderen. Um die Bevölkerung mache ich mir die wenigsten Sorgen. Es waren gerade Teile der armen Bevölkerung und Ansässige des Vergnügungsviertes, die mehr Schutz gefordert haben. Der Zweitwunsch galt einer besseren Versorgung und ich plane, beides zu verbinden. Ich suche noch ein geeignetes Objekt, dass sowohl Unterkunft für eine Centuria als auch Ausgabestelle von Lebensmitteln sein kann. Die arme Bevölkerung soll die Lebensmittelausgabe mit unseren Soldaten verknüpfen. So schaffe ich eine größere Akzeptanz. Die Lebensmittel sollen übrigens gegen ganz kleines Geld abgegeben werden, nicht gänzlich umsonst. ich habe nichts gegen kreative Vorschläge und schon gar nichts gegen tatkräftiges Mitanpacken." Wenn das kein Wink mit dem Zaunpfahl war, dann wusste der Claudier auch nicht weiter.


    edit: Vergessen... -->


    Menecrates hielt seinen Plan für gut. Er ahnte, dass er seiner Zeit voraus war und wusste, dass er viele Widerstände würde beseitigen müssen. Die Wegbereiter hatten es immer schwerer als die späteres Fußgänger und Nutznießer.

    Der gut gemeinte Vergleich mit einem Marschlager verwirrte den Tribun zunächst noch mehr, aber schließlich glaubte er, die Auflösung zu haben.


    "Also doch: erst die Vermesser, später die Straßenbautruppe." Zum Glück hatten sie das Missverständnis rechtzeitig geklärt. "Details brauche ich nicht. Die Vermesser sind sicher eher abkömmlich. Warte mal." Der Tribun verließ das Zimmer und begab sich zur Stabstelle, wo die Dienstpläne überwacht wurden. Es dauerte eine Weile, bis er zurückkam.


    "So, Folgendes: Die Vermesser wären ab Anfang nächster Woche verfügbar. Die zugesagten Soldaten folgen ihnen nach einer Woche oder später. Sie müssten von dir abgerufen werden, damit wir sie nicht unnötig zeitig entbehren und weil wir nicht einschätzen können, wie weit die Vermessungsarbeiten fortgeschritten sind."

    Menecrates griff ebenfalls zu etwas Essbarem, ohne darauf zu achten, was er zu sich nahm. Er überlegte, das lenkte ihn ab. Etwas überrascht stellte er fest, dass der erwartet süße Geschmack ins Gewürzte überging. Er blickte noch einmal auf den dargebotenen Teller, dann wandte er sich an Antoninus.


    "Zum Thema Zukunftspläne in beruflicher Hinsicht hast du dich noch nicht geäußert. Ganz gleich, wo du einsteigst, mir wäre es lieb, auf fähige Männer zurückgreifen zu können, zumal ich die Umsetzung eines großen Projekts anstrebe. Ich möchte erstmalig eine dezentrale Station errichten und zwar im Randgebiet der Subura. Den Sklavenaufstand hast du vermutlich noch in Erinnerung und ich möchte darauf reagieren. Es ist nicht leicht, wichtige Männer vom Vorhaben zu überzeugen, daher muss es unbedingt gelingen."
    Menecrates sprach nicht nur mit seinem Klienten, sondern einem langjährigen Offizier beider Stadteinheiten. Ihn interessierte dessen Meinung und natürlich spekulierte er auch auf den einen oder anderen Tipp.

    Ob hier der richtige Platz ist und ob ich überhaupt einen Hinweis setzen sollte, weiß ich nicht. Bitte nicht gedrängt fühlen. Ich wollte nur sichergehen, dass meine Post nicht übersehen wird.


    Erster Brief . Der zweite ist von heute und wird sicherlich gesehen. :) Egal, wer wann reagiert: Danke!

    Menecrates vermerkte bei sich die Information, dass die Anerkennung des Sohnes sofort erfolgte und dass Antoninus die legitimierte Patria Potestas über seinen Sohn wünschte, dann hörte er weiter zu. Er nickte. Selbstverständlich würde er sich um einen Termin für seinen Klienten bemühen.


    "Entweder du hörst von mir oder die Einladung wird dir direkt zugestellt." Er konnte sich nicht vorstellen, dass der Kaiser oder sein Procurator ablehnte. "Auf alle Fälle wünsche ich dir viel Erfolg." Das sollte nicht der Verabschiedungssatz sein, denn Menecrates nahm an, dass sie weitere Themen erörtern würden. Noch immer stand die berufliche Zukunft seines Klienten nicht fest.


    "Möchtest du ein wenig Stärkung?" Er wies auf die Sklaven, die mit gefüllten Tabletts in Bereitschaft standen.

    Menecrates musterte Tiberius einige Augenblicke schweigend, dann nickte er.
    "Ich danke dir trotzdem für deinen Hinweis und dein Vertrauen mir gegenüber, auch wenn offensichtlich geworden ist, dass du vor einem Consilium zurückschreckst. Ich vermute, die Verdachtsmomente sind klein genug, um durch die von dir vorgeschlagene Vorgehensweise geklärt werden zu können. Sollte sich dies als Trugschluss herausstellen, bitte ich dich, erneut bei mir vorzusprechen. Wollen wir so verbleiben?"
    Er nickte Tiberius aufmunternd zu.