Beiträge von Herius Claudius Menecrates

    Die Centuria unter dem Befehl von Marcus Octavius Maro versammelte sich der Anweisung gemäß zur zweiten Stunde vor ihrer Baracke. Die Soldaten trugen die für Streifen übliche Ausrüstung und darüber hinaus Vermessungsgerätschaften und Schreibutensilien. Die Unterlagen zur Straßenführung innerhalb der Subura komplettierte die Ausstattung.


    Das Antreten vor der Baracke lief routinemäßig ab. Alle kannten ihren Platz und die Tirones wurden an den ihnen zugedachten geschubst. Als der Centurio nahte, trat der Optio vor die Männer.
    "Milites, state! Oculus prosam! Centurio adest!" Es kam Haltung zur Ordnung und nach einer kurzen Ansprache des Offiziers setzte sich die Truppe in Marsch.
    Das Kommando Aequatis passibus, Pergite! ging dem voraus. Den Treffpunkt kannte nur der befehlshabende Offizier.


    edit: Link nachgereicht.

    Für einen Moment stockte ihm der Atem. Normalerweise sorgten Verbote dafür, dass Kinder erst recht das taten, was sie nicht sollten. Verbotenes reizte offensichtlich sehr. Dementsprechend langweilig mussten Angeboten wirken, aber weit gefehlt. Menecrates wollte mit seiner Einladung abschrecken und nicht Interesse wecken. In aller Regel funktionierte diese Taktik auch, nur bei Silana nicht. Das Kind war für den Claudier nicht berechenbar. Da er aber sein Wort nicht widerrufen wollte und auch nicht konnte, blieb ihm nichts, als gute Miene zum bösen Spiel zu machen.


    "Tja, Antoninus, jetzt brauche ich deine Hilfe und ein Nein akzeptiere ich nicht." Er klang resigniert.
    An Silana gewandt, gab er eine Instruktion mittels Tonfall, der nichts Gutes verhieß, sollte Silana die Anweisung nicht beachten. "Du verlässt auf keinen Fall unsere Gruppe! Dir droht sonst Stubenarrest und Schlimmeres."


    Dann aber fiel ihm noch eine Ausrede, ein Wendemanöver ein: "Hast du überhaupt schon etwas gegessen?" So, wie sie aussah, eher nicht und da Silana auch gerne aß, konnte sie der Verweis auf einen leeren Magen vielleicht vom Vorhaben abhalten.
    Und plötzlich prasselte es nur so an abschreckenden Hinweisen.
    "Wir sind lange unterwegs und zwar zu Fuß. Keine Sänfte, kein Komfort, keine Schonpausen, wahrscheinlich keine Mahlzeit zwischendurch." Mit Spannung erwartete er die Reaktion.

    Sim-Off:

    Ich Trottel, hab das übersehen. :patsch: -.^ :D


    Zitat

    Original von Narrator Italiae
    Scaevius Camerinus musste als Praefectus Vigilum von Amts wegen durchaus häufiger zu Zeiten arbeiten, zu denen andere schliefen, so dass für ihn auch ein Termin beim Praefectus Urbi gleich zur ersten Stunde des Tages kein Problem darstellte. Etwas überrascht hatte ihn dieser Terminvorschlag dennoch, aber auch seine Neugier geweckt.


    Ein Adjutant meldete den Praefectus beim Praefectus an.


    Das Programm und die vielschichtigen Vorhaben des Praefectus Urbi erforderten eine optimale Ausnutzung sämtlicher Stunden des Tages, sodass der Arbeitstag früh begann. Zu Zeiten der Legion stellte dies die Normalität dar, aber ihr folgten Zeiten der Erholung und der politischen Aktivität, wo der Tagesaulauf abwich. Nicht immer gelang es Menecrates gleich zur ersten Stunde frisch und tatendurstig zu erscheinen, heute zum Glück fühlte er sich ausgeruht.


    Als der Praefectus Vigilum angemeldet wurde, ließ Menecrates seiner Schreibstube ausrichten, dass er nur in Notfällen gestört werden wollte. Er stand an der Tür seines Officiums und wies einladend hinein.
    "Praefectus Scaevius, ich grüße dich. Bitte nimm Platz." Er wartete, bis der Praefectus eingetreten war und ging dann die wenigen Schritte voraus, während sich die Tür leise hinter ihnen schloss. "Wir sind uns schon oft begegnet, aber meines Wissens noch nie ins persönliche Gespräch gekommen. Das wollte ich heute nachholen und außerdem die Weichen für eine Zusammenarbeit stellen."
    Indes hatten sie die kleine Sitzgruppe mit Korbsesseln erreicht. Menecrates ließ sich nieder und seine Hand vollführte wieder eine einladende Geste.


    "Ich habe konkrete Vorstellungen, aber um nicht mit der Tür ins Haus zu fallen, würde ich mir sehr gerne zuerst deine Erfahrungen aus der Vergangenheit und deine Zukunftsvisionen anhören. Außerdem interessiert mich die aktuelle Iststärke deiner Einheit."
    Ein Sklave huschte heran, der Erfrischungen darbot. Menecrates ließ dem Gast den Vortritt bei der Wahl seines Getränkes.

    Sein Nicken bestätigte die Aussage, Wahrheit zugesichert bekommen zu haben. Es gab auch keine Alternative für sie. Tiberius griff das Wort Güte auf und stellte fest, selten welche erfahren zu haben. Nur darauf kam es Menecrates nicht in erster Linie an. Er wartete zunächst auf einen passenden Moment, denn er wollte den in Gang gekommenen Redefluss nicht verschütten.


    "Es ist hilfreich, wenn man Güte erweisen möchte, selbst diese Erfahrung gemacht zu haben, aber zwingend erforderlich ist das nicht. Du weißt jetzt, wie es sich anfühlt. Du weißt, dass Güte stärkt und die Bitterkeit nimmt. Denkst du, dies befähigt dich, eigene Güte auszustrahlen?" Er blickte nicht zweifelnd, eher aufmunternd. "Darauf, Tiberius, käme es an." Davon hing die Zukunft des Trecenarius' in vielfältiger Hinsicht ab: die Wahrnehmung anderer und seiner selbst, ob Menecratres ihm auf dem Weg half, selbst der weitere Lebensweg - beruflich wie privat.


    Es gehörte Mut und Überwindung dazu, als gestandener Mann einen anderen um Hilfe zu bitten. Der Nachdruck, mit dem Tiberius bat, offenbarte dessen Notlage und berührte Menecrates im Innersten. Er hatte als Legat nicht wenige Soldaten gesehen, deren Kriegserlebnisse starke Veränderungen bewirkten. Ängste hielten Männer gefangen, Schlaf wollte sich nicht einstellen, Regungen des Gemütes schienen unter eine fetten Schicht von Trümmern begraben. Tiberius erinnerte den Claudier an sie. All diese Kämpfer Roms hatten einen Neuanfang verdient. Wenn nicht sie, wer sonst?


    Er legte seine Hand auf die Schulter des Tiberiers.
    "Es rettet dich nicht, mein Klient zu sein. Ich kann dir den Weg zeigen, ja, und auch sonst behilflich sein, aber beschreiten musst du ihn selbst. Bist du schon soweit? Und falls ja, wohin führt dich dein Weg?"


    Er drückte noch einmal die Schulter, dann senkte er den Arm. "Deine Antwort wird uns zeigen, ob ich der passende Patron für dich bin." Es war keine Ablehnung, dafür zeichnete ein feines Lächeln zu offensichtlich das alternde Gesicht. Aber Menecrates bot seine Hand nur als Steighilfe an. Sie diente nicht als Ankerplatz, um in Müßiggang zu versinken.

    Tiberius nahm das Thema an, fokussierte sich sogar darauf, was Menecrates freute. Damit befanden sie sich auf einer persönlichen Ebene, auch wenn sie die Erörterung der Taten wieder zurück zum Dienst führte.
    "Ich beginne mit der letzten Frage: Auf mich macht es stets den Eindruck, als gibt du alles im Dienst und womöglich mehr als gut für dich selbst ist. Ich bin sicher, es wäre für dein Inneres und die Gesundheit von Vorteil, wenn du mehr auf dich achten würdest, aber auf der anderen Seite zeichnet dich deine Einsatzbereitschaft auch aus. Ich traue dir viel zu, Tiberius, sehr viel sogar. Du kannst viel erreichen, sofern du den für dich richtigen Platz im Leben wählst und dir die passenden Ziele setzt. Deine Haltung ist vorbildlich, deine Werte sind es ebenfalls." Tiberius' Fundament stand, aber irgendjemand oder er selbst baute nicht konsequent weiter.
    "Ein wenig Selbstkontrolle wäre wünschenswert, etwas mehr Selbstreflexion, ein wenig mehr Großzügigkeit und etwas mehr Güte." Menecrates lächelte, weil er fürchtete, auf Tiberius könnten einige der Begriffe wie Fremdwörter wirken und er ließ dem jungen Mann etwas Zeit, darüber nachzusinnen.


    Momente später sprach er weiter. "Deine Taten…" Er atmete einmal durch und versuchte, sich zu sammeln. "Es fällt mir hier und da schwer, für einige deiner Taten eine Rechtfertigung zu finden. Ich bin sicher, du führst sie auf Pflichterfüllung zurück. Die Frage, die du dir stellen solltest, wäre zum einen, ob du dort, wo du deinen Dienst versiehst, das Beste für das Imperium leisten kannst oder ob es für dich passendere Posten gäbe. Zum anderen möchte ich in den Raum stellen, dass jeder jederzeit die Möglichkeit hat, mit Taten das Ruder herumzureißen und Vergangenes hinter sich zu lassen. Dein Leben ist nicht vorbei, also werde ich hier und heute kein Resümee über deine Taten ziehen. Als Zwischenbilanz lässt sich bestenfalls festhalten, dass du all deine Energie gibst, aber mir scheint, du kennst deine eigenen Grenzen nicht oder nicht mehr und ich bin auch nicht sicher, ob du dich an der für dich passenden Stelle im Imperium engagierst."
    Natürlich entging Menecrates nicht der fast schon ängstlich auf ihn gerichtete Blick, daher hoffte er, ein Teil des eben Gesagten würde nachhaltig zum Nachdenken anregen.

    Menecrates' Nachfrage musste einer weggezogenen Abdeckung gleich einen Schutz von Tiberius genommen haben, denn wieder wandelte sich dessen Ausstrahlung. Verletzlichkeit kam zutage, aber auch Niedergeschlagenheit. Die schwer zu deutende Mischung war ungewohnt und daher nicht zuordenbar. Menecrates wandte nicht den Blick und hörte genau zu.

    "Ein Mann lebt nicht allein durch seinen Namen in der Erinnerung anderer weiter, es sind vor allem seine Taten. Ein Name ist hilfreich und er kann auch Ballast sein, das ist richtig, aber was ich sagen will: Änderst du deine Lebensweise, hat das Einfluss auf deinen Namen, während ein neuer Name bei gleicher Lebensweise im Grunde nichts bewirkt." Er ließ Zeit zum Durchdenken verstreichen, bevor er weitersprach.


    "Ehre im Tod verdient man sich in der Regel zu Lebzeiten.
    Hin wie her, aktiv müsstest du werden - etwas umstellen im Lebenswandel, in den Zielen, etwas ändern. Hast du darüber bereits nachgedacht? Sich auf Parthien und das nahe Ende zu konzentrieren, bringt dich kein Stück voran, sondern zieht dich weiter hinab."

    Es gab nichts, worin Menecrates Tiberius hätte widersprechen müssen. Wenn es um die Umsetzung ginge, dann wären sie sich einig, aber soweit waren sie lange nicht. Es machte auch keinen Sinn, den Tag mit Erörterungen zu verbringen, wenn die Voraussetzungen dafür möglicherweise gar nicht eintrafen.
    "Lass uns einen Schritt vor den anderen setzen. Wer zu weit in die Zukunft blickt, stolpert häufig genug über das Unmittelbare. Außerdem differieren wir in dieser Sache kaum und können uns die vorfristigen Absprachen sparen."


    Menecrates besann sich auf den Beginn ihres Gesprächs. Er fand, Tiberius wirkte anfänglich verwundeter und gänzlich anders als sonst. Dieser Eindruck hatte sich geändert, aber Menecrates wusste nicht, ob Tiberius durch ihr Gespräch zur gewohnten Haltung zurückgefunden hatte oder ihr Thema das andere überlagerte. Er erwiderte also den Blick und blieb eine kleine Weile stumm. Vielleicht nutzte Tiberius die Augenblicke, um in sich hineinzuhorchen.


    "Hast du weitere Anliegen mitgebracht?" Tiberius konnte das Gesprächsangebot annehmen oder ablehnen. Schwer zu sagen, für was er sich entschied.

    Die Zusicherung von Informationen und Erkenntnissen quittierte Menecrates mit einem Nicken. Das allein reichte freilich nicht - Beweise mussten her. Da Menecrates Tiberius für klug hielt, wiederholte er dies nicht.


    Er folgte stattdessen den Ausführungen zu Iunia Axilla. Dass es eine Verbindung zu Iulius Dives und Sergia Fausta gab, wusste er bislang nicht. Auch der Hang zum Christentum war neu. Er hielt es für unglücklich, den Prediger zu vertreiben, denn Gläubige konnten nur auf der Tat überführt werden, aber wenn die Anlaufstelle wegbrach, konnten sie sich nicht mehr verdächtig machen. Eine Observation stand laut Aussage trotzdem oder gerade deswegen bevor.


    "Ja, das ist so", stimmte Menecrates der Feststellung zu, dass dem Haus der Iulier Offiziere entstammten. "Ich meine, sogar auch dem Haus der Iunier." Er blickte mit angehobenen Brauen zu Tiberius. "Silanus? Ein Tribun deiner Einheit?" Darüber hinaus war Iunius Silanus Klient von Menecrates' Freund Livianus. Der Claudier entspannte seinen Gesichtsausdruck und fuhr fort.


    "Auf der anderen Seite besitzt jeder die Möglichkeit, sich öffentlich zu distanzieren. Ich denke also, die Gefahr des Kompromittierens hält sich in Grenzen."
    Noch zerbrach sich Menecrates nicht den Kopf über mögliche Auswirkungen. Zunächst mussten Fakten geschaffen und Beweise vorgelegt werden. Der Name fand Eingang in sein Gedächtnis und er erinnerte sich daran, dass diverse Besprechungen in Bezug auf die Rolle der Frau im Senat bisher noch nicht zu einem befriedigenden Ergebnis geführt hatten.

    Die erfreuliche Nachricht erzeugte Zufriedenheit. Leicht brennbare Materialien, sofern sie nicht gerade Schnipselgröße besaßen, würden vorab trocken geborgen und der Rest hinfortgeschwemmt. Bei diesem Ausmaß an eher kleinen und in der Menge geschrumpften Abfällen konnte sich Menecrates die Schwemmung als gelungene Variante der Straßenreinigung vorstellen.


    "Gut, dann haben wir es. Zur Probe nur eine Straße, ich autorisiere die Fertigung der Plakate und eine Berichterstattung im Nachhinein. Danach sehen wir weiter."


    Wenn Annaeus nicht weitere Anliegen hatte, konnte er diesen Abschlusssatz als Verabschiedung nehmen.

    Menecrates nahm den formulierten Dank mit einem Nicken entgegen. Die Schilderung, dass andere Personen die Sachlage anders bewerteten, überraschte ihn nicht. Mit fast allen Dingen im Leben verhielt es sich so: verschiedene Personen, abweichende Meinungen und Ansichten. Er nahm die Erwähnung dessen kommentarlos hin, zumal er eben selbst auf Diskrepanzen hingewiesen hatte. Wenn er den Besucher richtig verstanden hatte, ging es ihm auch nur um Menecrates' Haltung und nicht die Bewertung anderer Meinungen.


    Die anschließende Fragestellung überraschte den Claudier. Er hielt kurz die Luft an und versuchte die Intension dahinter zu ergründen. Instinktiv glich er mögliche Hintergedanken ab, die seinen Besucher antreiben konnten. Dabei gelang es ihm nicht, der Fragestellung etwas Wohlwollendes oder Aufrichtiges, Besorgtes oder glaubwürdig Rechtschaffenes zuzuordnen.
    Da er nicht wusste, was der Besucher im Schilde führte, er aber gleichzeitig nichts Positives erkennen konnte, beschloss er, das Gespräch zu beenden. Er erhob sich, um diese Absicht zu verdeutlichen. Eine Antwort wollte er allerdings noch geben, wenn auch sicherlich nicht die erhoffte.
    "Was glaubst du, welche Kompetenz ein Preafectus Urbi ausstrahlt, wenn er andeuten oder sich gar einverstanden erklären würde, seine Pflichten auf die Schultern mehrerer Personen zu verteilten? Für wie gewachsen gegenüber seinen Verpflichtungen würdest du diesen Mann halten?"


    Sein Blick ruhte einen Atemzug auf Valerius' Antlitz, ohne die Hintergründe erkennen zu können, dann fügte er an. "Eine Antwort erwarte ich nicht. Danke für deinen Besuch, Valerius Flaccus. Vale!" Er klang nicht unfreundlich, aber bestimmt.

    Die Klärung erfolgte problemlos, was Menecrates wohlwollend feststellte. Nur eine Nachfrage zur Veranlassung der Plakatfertigung beschäftigte noch den Magistraten.


    "Das geschieht selbstverständlich in meinem Namen", sicherte Menecrates zu. Es ging ihm nicht nur um die Zuständigkeit, es ging ihm vor allem um den Nachdruck seines Vorhabens und die Ernsthaftigkeit, mit der die Anschläge von der Bevölkerung aufgenommen werden sollten. Bei diesem Gedanken stellte sich ein Abbild der Straßen ein, die er bisher bestenfalls flüchtig kannte. Er lehnte sich zurück und verschränkte die Arme.


    "Im Grunde macht es keinen Sinn, eingeweichte Materialien verbrennen zu wollen. Nichts brennt, was feucht oder gar nass ist. Und zur Verbrennung vorgesehene Materialen zunächst zu befeuchten, ist ebenfalls widersinnig." Seine Hand suchte den Bart, über den er strich, während er überlegte. "Wie siehst du den Aufwand, wenn grobe Materialen aus Papier, Stoff, Korb und Holz eingesammelt werden, bevor die Schwemmung beginnt. Der gesamte Kleinkram wie Kot, Essensreste und sonstiges, was ohnehin nicht gut brennt, könnte dann in die Cloaca wandern." Menecrates wusste es nicht, ahnte aber, dass auch Kot brennen würde, wenn er nur lange genug trocknete, aber niemand besaß dafür den Platz und die Zeit. Außerdem entströmten verfaulenden Essensresten und Fäkalien unangenehme Gerüche.

    Er nahm die Tafel entgegen und warf einen Blick darauf.


    "Ja, vom Prinzip her schon", stimmte er zu, zog aber das letzte Wort in die Länge. Anschließend blickte er auf. "Sehr interessante Gegner! Wir hatten bereits einige Freundschaftsrennen mit einer einzelnen Factio abgehalten, der Aurata. Ich überlege, ob wir nun ein Rennen abhalten sollten, bei dem gleichzeitig verschiedene Rennställe starten. Was gegen diesen Plan spricht, ist die Tatsache, dass acht Bahnen schlecht von drei Factiones besetzt werden können, wenn es gerecht zugehen soll. Und das soll es."


    Er legte die Tafel beiseite.


    "Die Aufteilung auf zwei Rennen - jeweils eins mit der Russata und eins mit der Veneta - würde ein Trainingsplus bieten. Oder wir holen noch eine weitere Factio dazu und lassen jeweils zwei Fahrer in nur einem Lauf starten. Das reduziert das Trainingsplus für uns, schafft aber mehr Spannung. Weißt du was? Ich überlasse die Entscheidung dir. Entweder du organisierst zwei Rennen mit den beiden Rennställen, die schon zugesagt haben oder du holst einen weiteren Rennstall dazu. In diesem Fall aber bitte wieder die Aurata. Ich hatte bei den letzten großen Spielen, die in mein Consulat fielen, umfangreiche Probleme mit der Albata und auch ein paar mit der Purpurea. Da muss erst noch Gras drüber wachsen. Entscheide du, beide Varianten bieten Vorteile."


    Menecrates lächelte. Er bevorzugte keine der Lösungen, denn beide boten Vor- und Nachteile.
    "Über die Auswahl der Fahrer sollten wir uns anschließend unterhalten, wenn der Rennmodus feststeht."

    Ein kleines Ächzen entfuhr ihm, als er sich niederließ.
    Die Regel besagte, dass die Verantwortung eines vakanten Amtes dem Übergeordneten zufiel, daher fand Menecrates den Gesetzestext nicht seltsam. Er warte ab, worauf Valerius hinauswollte. Als der endete, gönnte er sich einen Augenblick des Nachdenkens.


    "Nun, Gesetzestexte werden zuweilen verschieden verstanden oder bewusst verschieden ausgelegt. Ich sehe mich keinesfalls als Vertreter des Praefectus Annonae, sondern trage dauerhaft die übergeordnete Verantwortung für den Bereich der Cura Annona. Arbeitet der dort eingesetzte Beamte fehlerhaft, fällt das auf mich zurück. Herauswinden kann ich mich nicht - ganz gleich, ob das Amt besetzt ist oder nicht. Es ist meine Pflicht, die Arbeit dieses und auch jedes anderen Beamten zu kontrollieren. Gleichzeitig ist es ratsam und auch nicht anders umsetzbar, Verantwortung zu übertragen. Zum Beispiel nehme nicht ich persönlich die Verteilung des Getreides vor und ebenso wenig die Sanktionen."


    Zum Thema Missbrauch führte er erst kürzlich ein Gespräch mit Gabinius Auruncus.
    "Ich muss mich in Bezug auf Verteilungsprobleme, Missbrauch, Überfälle stets auf dem Laufenden halten und führe Gespräche mit den eingesetzten Beamten. Gleichzeitig ist der Praefectus Annona mir gegenüber meldepflichtig. Gut möglich, dass ein anderer Praefectus Urbi das Gesetz anders versteht als ich. Das ist jedenfalls meine Auffassung."


    Menecrates beleuchtete die Angelegenheit nicht aus der Perspektive der Macht, sondern der der geschulterten Verantwortung.

    Die Ankündigung eines Berichtes und die Lieferung von Beweisen ließen Menecrates zufrieden nicken. Der Hinweis auf seine Gefährdung traf ihn zwar, floss aber wirkungslos ab.


    "Ich halte einen uninformierten Preafectus Urbi für eine größere Gefährdung und zwar für Rom. Hier geht es nicht um mich. Außerdem hat mir bei Amtsantritt niemand versprochen, dass dieses Amt eines zum Ausruhen ist." Er lächelte mit einem Mundwinkel. Der nachfolgende Satz formulierte das Ziel, Rom gemeinsam retten zu wollen. Dem konnte Menecrates uneingeschränkt zustimmen. Ob sie auch dieselben Wege wählen würden, wusste er nicht, aber solange sie miteinander kommunizierten, würden sie sich auch verständigen und einigen können.


    Menecrates wollte es nicht unkommentiert stehenlassen, dass er Tiberius unterstützte. So herum wurde kein Schuh daraus. "Ich trage die Verantwortung für Rom und bin für jede Unterstützung dankbar. Allerdings wird es nicht passieren, dass ich zu jemandes Werkzeug werde. Ich gehe davon aus, deine Formulierung war nur unglücklich gewählt, aber um Missverständnisse auszuschließen, möchte ich es erwähnen.
    Und was den Ausschluss von Amtsbewerbern betrifft: Ein Verdacht reicht, um jemand zu belasten, aber um ihn zu verurteilen, braucht es Beweise. Vertrauen in dich reicht nicht, Tiberius. Mein Handeln muss jeder Nachprüfung standhalten."


    Als die Sprache auf diese Fausta kam, nickte Menecrates einmal, aber bedeutsam. In dieser Sache konnte er auf eigene Erfahrungen zurückgreifen. Die Erlebnisse waren einprägsam gewesen. Der Namen Verulanus kam ihm zwar bekannt vor, aber ihm fehlte ein Gesicht dazu.
    Interessant fand er auch die Auskunft, dass erneut eine Frau zum Eques ernannt wurde - in diesem Fall durch Betreiben ihres im Staatsdienst stehenden Ehemanns. An dieser Stelle würde Menecrates zusätzlich eigene Erkundigungen einholen.


    "Zu den Iuliern? In wiefern?" Netzwerke zu dieser Familie tangierten Menecrates, wenn auch nur indirekt. Er besaß Iulische Klienten, einen Tiro und einige der Factiomitglieder stammten auch aus dieser Familie. "Christin? Was veranlasst dich zu dieser Annahme?"

    Menecrates teilte die Ansicht, dass die Motive etwas Beruhigendes ausstrahlten. Er nickte kaum merklich und ein kleines Lächeln erschien auf seinem Gesicht. Die echte Natur bot mehr Entspannung und zuweilen saß der Claudier auch im Garten, aber wenn er sich schon in Räumlichkeiten aufhalten musste, dann gern in der bevorzugten Ausstattung.


    Die folgende Einleitung des Anliegens weckte Menecrates' Interesse, denn er konnte sich zunächst nicht ausmalen, worum es seinem Gast ging. Er wies mit der Hand Richtung Peristyl, weil er das Gespräch lieber in der Bewegung als im Sitzen führen wollte. Anschließend hörte er aufmerksam zu.
    Die Lex Flavia de Frumentationibus beschäftigte ihn erst vor kurzem, als er den Praefectus Annonae geladen hatte. Er wusste somit genau, was im Einzelnen im Gesetz stand und wo er selbst mit ins Spiel kam. Er musste ein wenig schmunzeln, weil die gestellte Frage mehr als kurz zu beantworten war.


    "Nun ja, meine Aufgabe in diesem Bereich ist durch das Gesetz klar umrissen: Ist das Amt des Preafectus Annonae vakant, obliegt mir die Verantwortung und da ich ein persönliches Interesse daran habe, dass es zu keinen Versorgungsengpässen kommt, ist Nachlässigkeit keine Option. Ich gehe davon aus, dass du das wusstest." Worauf Valerius hinaus wollte und ob er überhaupt auf etwas hinaus wollte, wusste Menecrates nicht. Er sah den jungen Mann fragend an.

    "Vielleicht ein Missverständnis, denn an einen Dilectus dachte ich dabei nicht", erwiderte Menecrates. "Alles, was mittels Zwang erreicht wird, taugt nicht viel. Wir werden im Zuge des Angebotes 'Wohnen und Verpflegung für Arbeit auf dem Land' auch 'Unterkunft und Verpflegung inklusive Sold für Dienstwillige' anbieten. Da werden sich nicht viele melden, aber jeder einzelne Mann zählt. Es ist ein weiteres Angebot, um einzelne Wohngelegenheiten für den zwangsweisen Umzug derer, die auf unserem Baugrundstück wohnen, zu gewinnen." Sicherlich würden ihnen nicht die Türen eingerannt werden und genauso wenig gab es massenhaft personelle Lücken in der Einheit.


    "Ich denke, den einen oder anderen Peregrini werden wir auch erreichen. Wir müssen unser Angebot nur schmackhaft verkaufen. Ich kenne einige meiner Klienten, die später Offiziere wurden und zum Zeitpunkt des Kennenlernens ein Peregrini waren. Je nachdem, wo die einzelnen ihre Ziele gesteckt haben, dort holen wir sie ab. Mir liegt nicht in erster Linie daran, die Vigiles auf Sollstärke zu bringen, sondern für einzelne Peregrini eine Alternativlösung zur Landarbeit anzubieten."


    Über Antoninus' Einwilligung, wieder in den Staatsdienst zu treten, freute sich Menecrates. Er nickte. Gleich nach dem Gespräch würde er ein Schreioben an den Kaiser verfassen.
    "Nun, wie sieht es aus? Wollen wir eine Begehung der Subura in Angriff nehmen?" Ob Antoninus teilnehmen würde, wusste er noch nicht und Silana war auch schweigsam geworden.

    Das Angebot, an der Straßenreinigung teilzunehmen, kam überraschend. Selbst wenn wenig auf seinem Aufgabenzettel gestanden hätte, würde er diese Aufgabe delegieren.
    "Der Bericht interessiert mich sehr, aber in Augenschein möchte ich den Vorgang nicht nehmen. Die Bekanntgabe der Aktion wird durch meine Schreibstube veranlasst, damit es seitens des Verantwortlichen des Pumpwerks keine Probleme gibt."
    Ein wenig schüttelte es Menecrates, als das Wort Cloaca fiel. In seiner Militärzeit hatte er das Latrinenputzen auch gehasst.


    "Verbrennen, außerhalb der Stadt", wies er an. Er drängte die aufkommenden Bilder des gefüllten Wartungsschachtes zurück und versuchte ein Lächeln. Bisher gehörte es nicht zu seinem Plan, Rom sauberer zu machen, es entwickelte sich just in diesem Moment. Etwas bessere Luft konnte auch nicht schaden.
    "Bei der Gelegenheit: Fertige bitte Anschläge, die in Wohn- und Geschäftsvierteln aufgehängt werden. Die Pflicht jedes Bürgers, die eigenen Abfälle ordnungsgemäß zu entsorgen und sein jeweiliges Wohnumfeld sauber zu halten, wird ab sofort verstärkt kontrolliert und bei Zuwiderhandlung mit der Aufnahme der Personalien und einer Ermahnung belegt." Die Einführung von Bußgeldern beheilt er sich vor. Er baute zunächst auf den Mitwirkungswillen aller Bewohner der Stadt und er musste die Gesetzeslage zunächst studieren oder besser in Auftrag geben, sie studieren zu lassen.

    "So lange du in der Zeit flexibel bist, sollte ein zeitnaher Termin kein Problem darstellen. Ich wünsche viel Erfolg bei der Aktion!"


    Ad
    IMPERATOR CAESAR
    Tib Aquilius Severus Augustus
    Palatium Augusti
    Roma





    Mein Kaiser,


    seit meiner Einsetzung bzw. bereits zuvor ist der Posten des Tribuns der Cohors XIII der Cohorstes Urbanae vakant. Vormals bekleidete Lucius Iulius Antoninus diese Position. Durch Zufall bin ich dieser Tage mit ihm ins Gespräch gekommen, der seine Trauer- und Erbschaftsangelegenheiten klären konnte. Ich habe großes Interesse daran, den ehemaligen Trinbun wieder an seinem Platz zu sehen und zu meiner Unterstützung zu haben und bitte dich hiermit darum, Iulius Antoninus erneut dein Vertrauen auszusprechen.


    Vale bene und die Götter stets mit dir und deiner Familie.



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    gez. H. Claudius Menecrates




    ANTE DIEM XVIII KAL OCT DCCCLXVIII A.U.C. (14.9.2018/115 n.Chr.)


    Salve Praefectus Vigilum Numerius Scaevius Camerinus!


    Ich möchte die Zusammenarbeit unserer Einheiten optimieren und diverse Pläne, die auch die Vigiles betreffen, mit dir besprechen. Ich lade dich daher zu einem Abstimmungsgespräch entweder ID SEP DCCCLXVIII A.U.C. (13.9.2018/115 n.Chr.) zur fünften Stunde oder ANTE DIEM XVIII KAL OCT DCCCLXVIII A.U.C. (14.9.2018/115 n.Chr.) zur ersten Stunde in mein Officium in der Praefectura Urbis.