ZitatAlles anzeigenOriginal von Lucius Annaeus Florus Minor
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Wir können uns nun 2 Vorgehensweisen vorstellen:
1. Die Umstellung der Dienstpläne, so dass mehr Männer in den stark verschmutzten Vierteln arbeiten und wesentlich weniger in den eigentlich sauberen Regionen unserer Stadt. Dies würde innerhalb unserer Befugnisse liegen, doch meine Kollegen fürchten den Zorn der Reichen in den betroffenen Gegenden. Wie ich auch, möchten sie natürlich nicht auf der ersten Stufe des Cursus stecken bleiben.
2. Wir könnten uns aber auch vorstellen, mit Hilfe der Wasserspeicher und Pumpwerke der Stadt gewisse Strassen zu Beginn des Tagfahrverbotes zu fluten und den grössten Dreck so aus den Strassen zu schwemmen. Dann wären die restlichen Putzarbeiten auch mit der bisherigen Einteilung machbar.
In der kurzen Zeit konnten wir für den zweiten Plan noch keine detaillierten Abklärungen treffen, aber wir haben doch schon festgestellt, dass es mit ganz wenigen, kleinen Bauarbeiten möglich wäre.
Hier entfaltete ich einen Plan der Stadt auf dem Tisch vor uns und zeigte die übelsten Strassen und die von uns herausgefundenen Möglichkeiten für die Schwemmung.
Menecratews musste sich eingestehen, in der Vergangenheit nie großartig über die Straßenreinigung nachgedacht zu haben. In seinem Viertel gab es nichts zu beanstanden und in den schlechten Vierteln hielt er sich nicht auf. Das allerdings hatte sich ein wenig während des Consulats, insbesondere aber nach seinem Amtsantritt geändert. Wie schlecht die Situation in den Armenvierteln aussah, konnte er sich nicht vorstellen, bis er es mit eigenen Augen gesehen hatte.
Die geschilderte Situation überraschte ihn daher weniger. Er nickte wissend und registrierte erfreut, dass der junge Magistrat bereits mit Vorschlägen aufwartete.
"Das ist in der Tat ein Problem", stimmte er zu, ohne sich festzulegen, ob er die Situation im allgemeinen meinte oder die Tatsache, dass ein Abzug der Putzkolonne aus den Vierteln der Wohlhabenden sicherlich Unmut erzeugen würde. Um Zeit zu gewinnen, winkte er eine Hilfskraft heran, die Wein und Wasser anbot.
"In meiner Vorstellung ist der Ort, wo die Schwemmung beginnt, weitgehend sauber und in Abflussrichtung erstickt des betreffende Viertel im angeschwemmten Unrat. Das bedeutet, die ohnehin schlecht gestellten Bürger sehen sich zeitweilig einer nochmals verschlechterten Situation gegenüber. Du kannst mich gern eines Besseren belehren, weil du über den praktischen Einblick verfügst, aber ich tendiere derzeit zur Variante eins, allerdings in abgeschwächter Form. Wesentlich weniger Männer in den bisherig gut versorgten Gebieten halte ich für zu radikal. Wie wäre es mit einer sanften Neuverteilung. Dazu müsste ich allerdings Zahlen wissen. Fehlt es an Männern? Vielleicht kann man welche rekrutieren." Er dachte kurz nach, dann fügte er an: "Möglicherweise eignen sich einzelne Straßen lagebedingt besser für eine Schwemmung als andere. Die Frage ist auch, wo fließt der gesamte Krempel in diesen Fällen hin. Diese Variante ist nicht vom Tisch, aber es gibt Klärungsbedarf." Er beugte sich vor und warf einen Blick auf die vorgeschlagenen Straßenzüge. Er kannte sie nicht alle, noch nicht. Ob sie ein Gefälle aufwiesen, war der Karte nicht zu entnehmen.
