Beiträge von Herius Claudius Menecrates

    Menecrates nickte, als erläutert wurde, dass das Weitergeben von Marken verboten war. Er nickte nochmals, als die Listen zum Abgleichen erwähnt wurden. Da aber in den Listen keine Bildnisse hinterlegt waren, hielt er das Konzept nach wie vor für manipulierbar. Er folgte daher interessiert den weiteren Ausführungen.
    "Hm", erwiderte er, nachdem der erste Gedankengang des Praefectus Annonae endete. "Meinst du wirklich, die Verantwortlichen können mittlerweile den Namen die passenden Gesichter zuordnen? Falls ja, dann besitzen sie meinen Respekt. Vielleicht stelle ich mir den Vorgang ja auch nur falsch vor. Ein Blick auf die Marke, ein Abgleich mit der Liste - fertig." Menecrates hatte nie eine Marke besessen und nie eine Spende in Empfang genommen. Er durfte und er brauchte es nicht, daher fehlte ihm das entsprechende Bild. "Das Risiko ist hoch, den Anspruch zu verlieren, vielleicht schreckt das viele ab", räumte er ein. Auch die Vorstellung, dass der Betrüger von Umstehenden erkannt werden könnte, leuchtete ihm ein. "Ich habe dich jetzt so verstanden, dass du diesbezüglich keinen Handlungsbedarf siehst. Das wäre beruhigend." Gleichzeitig fühlte sich Menecrates immer dann nicht wohl, wenn er über etwas sprach, wo ihm Einblicke fehlten.


    "Ich denke, ich sollte mir der Klarheit halber einmal ansehen, wie die Spendenvergabe abläuft. An welchem Tag der Woche und zu welcher Stunde bzw. über welchen Zeitraum an Stunden findet denn die Ausgabe statt? Oder sind pro Tag festgelegte Stadtviertel an der Reihe?" Menecrates nahm es in Kauf, als uninformiert zu gelten. Hauptsache er erhielt den Durchblick, den er brauchte.

    Sim-Off:

    Anhängen sehr gerne und im übrigen: Entschuldigung! :( Heute beim Nachsehen wurde mir erst bewusst, dass ich das nicht nur posten WOLLTE, sondern bereits geschrieben hatte. :patsch:


    Während sich der Offizier näherte, kamen Erinnerungen in Menecrates hoch. Er überflog seine eigene Ausbildung und dachte an die unzähligen Soldaten, die durch seine Schule gingen. Der Exerzierplatz unterschied sich nicht wesentlich von anderen, aber allein weil Menecrates wusste, dass ihn nicht germanische Wälder oder der mantuische Mincio umgab, fühlte er sich anders. Er vergaß für den Moment sein Amt und genoss den Rückblick.


    Mit dem Eintreffen des Offiziers holte der Alltag Menecrates zurück. Er nahm den militärischen Gruß mit einem Nicken entgegen und erwiderte: "Salve!" Eigentlich wirkte der Offizier nicht aufgeregt, aber irgendetwas hatte ihn abgehalten, sich vorzustellen. "Mit wem habe ich es denn zu tun?" Name, Dienstgrad, Einheit - das waren die üblichen Eckdaten, die genannt wurden. Möglicherweise gab es bei den Urbanern auch andere Gepflogenheiten, weswegen sich Menecrates vornahm, ein paar Erkundigungen mehr als vorgehabt einzuholen.

    Menecrates kannte nicht viele Prätorianer, was sich sicherlich bald ändern würde, aber bislang konnte er sich nicht rühmen, eine allgemeingültige Aussage über sie zu treffen. Trotzdem glaubte er, nicht falsch zu liegen, wenn er behauptete, Tiberius bestünde nur noch aus Bruchstücken seiner selbst. Auch seine Entgegnung über die dauerhafte Dienstbereitschaft deutete darauf hin, wenngleich weniger der Inhalt als vielmehr der Tonfall Anlass zu dieser Einschätzung gab.


    "Bist du denn gesundheitlich wieder hergestellt", fragte Menecrates den ehemaligen Kommissionspartner zweifelnd. Viel hatte er nicht über den Giftanschlag erfahren und noch weniger über dessen Folgen. Er schüttelte unzufrieden den Kopf, als Tiberius erzählte, der Täter wäre weder gefasst noch ausgemacht.


    Menecrates erhob sich. Zum einen, weil er - seinem Rücken zuliebe - ungern längere Zeit saß und zum anderen, weil sie private Themen berührten.
    "Gibt es Spätfolgen?" Sein Blick erfasste Tiberius prüfend, bevor er sich gedanklich dessen Anmerkung über den Alptraum zuwandte. Er konnte Tiberius' Einschätzung nachvollziehen. Wäre er Opfer eines Anschlags, würde er genauso denken. Wenn Täter zu den Beschützern des Reiches vordrangen, wer schützte dann noch die kaiserliche Familie? "Meinst du, es war ein politischer Akt oder doch eher eine persönliche Abrechnung? Was sagt dein Bauch?"


    Schneller als erwartet schwenkte der Trecenarius zu dienstlichen Themen, womit er Menecrates überraschte. Er zog die Brauen nach oben und fragte: "Ist das deine persönliche Einschätzung oder teilen diese Annahme der Stab und die Präfekten deiner Einheit?" Immerhin hatte er erst gestern von seinem Tribun gehört, dass nach dem Sklavenaufstand die Lage ruhig sei.

    Die Umstellung vom Consulat zur Freizeit fiel ihm leicht, die Umstellung zurück zum straffen Arbeitstag kostete Kraft. Wenn Menecrates am Abend nach Hause kam, sehnte er sich nach Ruhe und Erfrischung. Er trat schweigend durch die Tür, ließ sich wortlos waschen und in frische sowie leichte Bekleidung hüllen. Wenn jemand etwas von ihm wollte, hob er bereits vor dem ersten Wort die Hand und stoppte das Anliegen im Keim.


    Beim Gang vom Cubiculum zum Atrium kam er am Peristyl vorbei. Er warf einen Blick hinein und entdeckte zu seiner Überraschung Faustus. Dieser Treff besaß Bedeutung, umsonst saß Faustus nicht dort. Menecrates änderte sein Vorhaben und betrat das Peristyl. Sein Gruß bestand aus dem Heben der Hand samt Unterarm, als er eintraf. Er ließ sich mit einem Ächzen auf der Kline nieder, schloss die Augen und sog die Luft ein, die im Schatten des Säulengangs erträglicher als in der Sonne war.


    Nach einigen Augenblicken hob er die Lider. Ein Fingerzeig wies die Sklavin an, ihm Wasser einzuschenken. Er drehte den Kopf zu Faustus und blickte ihn schweigend an.

    Viel konnte Menecrates in diesem Leben nicht mehr überraschen, weder Personen noch Ereignisse oder Handlungen. Doch der Mann, der auf ihn zutrat, gehörte zu den Ausnahmen. Eigentlich wähnte Menecrates ihn bereits tot und entsprechend überrascht starrte er ihn an. Er brauchte zwei Atemzüge, dann nahm er den Gruß mit einem kleinen Kopfnicken an.


    "Na, wenn das keine Überraschung ist...", sagte er leise. "Tiberius!" Die Stimme nahm wieder ihre normale Farbe an. "Steh bequem und erzähle. Du bist dienstlich hier, nehme ich an." Ein dienstliches Anliegen lag nahe, weil sie sich in der Castra Praetoria befanden. "Es ist noch nicht zu mir gedrungen, dass du wieder dienstfähig bist." Das klang privat und also solches war die Bemerkung auch gemeint.

    Menecrates fand den Hinweis darauf, dass auch Gerüchte für Unruhen sorgen konnten und es offensichtlich auch taten, nachdenkenswert, allerdings konnte er dabei nicht lange verweilen, weil der Praefectus Annonae weitersprach. Während Menecrates zuhörte, nahm er einen Schluck Quellwasser und stellte anschließend den Becher wieder ab.


    Er nickte, weil er die Wege der Kostenberichterstattung zwar kannte, aber die konkreten Zahlen nicht. Über die Verwehrung von Einblicken seitens des Kaisers machte er sich keine Sorgen. Er konnte sich das nicht vorstellen. Immerhin übernahm er die Verantwortung im Fall, das Gabinius ausschied und die Nachfolge nicht reibungslos lief.
    "Davon gehe ich auch aus. Auf alle Fälle übernehme ich die Verantwortung, wenn du meinem Anliegen nachkommst und mir die Kostenaufstellung zukommen lässt." In welchem Abstand die Abrechnungen erfolgten und die Berichte vorgelegt wurden, blieb offen. Vielleicht kamen sie später noch einmal darauf zurück, dachte sich Menecrates, bevor er sich auf den nächsten Punkt konzentrierte. Hier musste er sich weiter erklären.


    "Ich habe mich gefragt, wenn jemand aus Rom nach zum Beispiel Mantua zieht, wie groß wohl der Anteil derer ist, die sich ordnungsgemäß ummelden. Ist es nicht denkbar, dass ein Markeninhaber seinen Anspruch an einen Verwandten - oder gegen Geld an einen Fremden - abtritt. Nun weiß zwar der alte und der neue Markeninhaber, dass trotz Marke kein Anspruch auf die Getreidespende besteht, aber woher wissen wir das?
    Ich erinnere mich noch gut an die Zeit als Quaestor Urbanus, daher weiß ich, dass ein Wechsel der Provinz leichter zu erfassen ist als ein Umzug innerhalb Italiens."

    Er sann kurz nach und fühlte sich beruhigt, dass zumindest illegaler Handel mit den Marken sowie den Backwaren schnell entdeckt wird.

    Die Überarbeitung einzelner Passagen des Codes Militaris fand zwar Menecrates‘ Interesse, veranlassten ihn aber nicht zu einer Wortmeldung, weil es schlicht nichts Nennenswertes zu sagen gab. Die Änderungen fand er sinnvoll. Er dachte vielmehr über die einführenden Worte des Consulars nach. Obwohl Iulius Centho gewiss ein Mann mit Ecken und Kanten war, brachte er einige Inspiration in den Senat. Menecrates sah sich eher als Unterstützer des Iuliers statt als Gegner. Allerdings gab es Gegner mehr als genug.
    Der Claudier jedenfalls würde es begrüßen, wenn der Zeitpunkt der Rückkehr eher nah als fern wäre und so hing Menecrates den Gedanken nach und ließ diese Sitzung mehr an sich vorüberrauschen als ansonsten üblich.

    Es gab genug Argumente, die gegen eine Installation einer Centuria Urbaner im Randbereich der Subura sprachen. Gleichzeitig glaubte Menecrates, dass es lange nicht ausreichte, mit Gewalt auf Gewalt zu reagieren. Sicherlich waren die Hinrichtungen spektakulär, unterhaltsam und hoffentlich abschreckend, aber sie wirkten nur temporär.
    Als keiner der Anwesenden Menecrates' Fragen beantworten konnte oder wollte, setzte der Praefect noch einmal zu einer Erklärung an.


    "Wenn wir nur die Symptome des Aufstandes bekämpfen und die Gefassten hinrichten, werden uns früher oder später die Ursachen um die Ohren fliegen. SIE müssen wir bekämpfen. Lasst es uns angehen!" Er erhob sich.
    "Jeder, der möchte, kann mir im Nachhinein auch noch meine beiden Fragen beantworten. Vielleicht muss der eine oder andere erst darüber nachdenken. In der Zwischenzeit gehen wir unserem Tagesgeschäft nach.
    Meine Herren, wir treffen uns künftig jeden ersten Tag in der Woche zur zweiten Stunde hier. Dringliche Angelegenheiten bitte umgehend klären. Ich bin fast täglich für begrenzte Zeit hier und im Notfall in der Praefectura Urbis erreichbar."


    Wie geplant, stand auf seinem Plan zunächst ein Gespräch mit den beiden benachbarten Präfekten - einzeln oder zusammen, wie auch immer es sich ergab.

    Der Punkt, mit dem Gabinius begann, brachte Menecrates trotz aller Einschränkungen weiter. Selbstverständlich hatte er keine hellseherischen Künste erwartet, aber er wollte informiert sein, sofern sich etwas am Horizont abzeichnete - wenn Unruhen im Anbaugebiet schwelten, wenn erhebliche Teile des Schiffsbestands der Getreideflotte ins betagte Alter kamen und alle anderen Dinge, die das Zeug besaßen, mittelfristig zu zusätzlichen Komplikationen zu führen.
    Er nickte daher zufrieden, weil er davon ausging, dass etwaige Störfaktoren benannt worden wären und konzentrierte sich auf die nachfolgenden Ausführungen. Da es bis auf weiteres auch hier keinen Anlass zur Sorge gab, gönnte er sich ein zufriedenes Lächeln.
    "Das klingt beruhigend", kommentierte er, als Gabinius endete. "Ich weiß nicht, wie es meine Vorgänger hielten, aber ich hätte gern bei einem erhärteten Verdacht auf Komplikationen Bescheid. Ich verlasse mich in diesem Punkt auf dich und solange ich nichts höre, gehe ich davon aus, dass Roms Versorgung gesichert ist." Er meinte, eine bedeutungsvolle Pause würde die Aussagekraft verstärken. Er musste im Fall der Fälle zeitnah reagieren können, denn Bäcker, die einen Engpass witterten, schraubten eher die Preise nach oben als überlagerte Waren verbilligt abzugeben.


    "Wie war bisher die Gepflogenheit? Gab es monatliche oder halbjährige Berichte über die Einfuhr und den Verbrauch? Die Kostenentwicklung der letzten Jahre würde mich auch interessieren." Damit machte er gleichzeitig deutlich, dass er zwar weitgehend freie Hand ließ, aber als Kontrollorgan fungieren wollte. Alleine der eigenen Übersicht wegen fand er die Informationen wichtig, aber auch, um die Verantwortung schultern zu können, die ihm auferlegt war.


    "Mich interessiert darüber hinaus die Abwicklung der Getreidespenden. Und zwar speziell: Wie läuft die Abwicklung bei Umzug innerhalb des Reiches. Kann es da nicht zu Missbrauch kommen? Wie siehst du generell die Missbrauchsquote? Gibt es eine? Wie hoch ist schätzungsweise der Anteil derer, die sich gar nicht erst auf die Listen setzen lassen? Könnte uns im Zweifel eine Welle an Forderungen ereilen, wenn diese Menschen von ihrem Recht Gebrauch machen?"
    Er hielt kurz inne und dachte nach, dann fügte er an: "Ein Unfreier ist definitiv von der Spendenleistung ausgeschlossen, richtig?" Schlechter gestellt und dann noch von Haus aus arm konnte jeder Unfreie eine Gefahr für den Frieden Roms darstellen.

    Menecrates nickte, als der Hinweis auf die Größe der Banden kam. "Das berücksichtigen wir." Die Installation betraf nur das Randgebiet der Subura, um erste Erfahrungen mit dezentralen Stationes zu sammeln und damit außerdem eine notwendig werdende Verstärkung rechtzeitig eintraf. Sie würden zu Einsichten gelangen und vorab konnte niemand sagen, welche das sein würden. Anschließend folgte er den Ausführungen des Tribun Pinarius.

    "Ja, der Transport der Lebensmittel wird von uns gesichert. Übergriffe und Willkür bei der Verteilung müssen verhindert werden. Ich beabsichtige zudem, eine Verknüpfung zwischen den Waren und uns in den Köpfen der Armen herzustellen." Der Hunger als grundlegendstes Bedürfnis wog im Zweifel stärker als die Angst vor den Banden. Als Ködern von Bevölkerungsteilen würde Menecrates die Herangehendweise nicht bezeichnen, aber der Effekt konnte eintreten.
    Er nickte erneut. Dieses Mal als die Sprache auf die Finanzierung kam.
    "Ja, mir stehen eine ganze Reihe an Klärungsgesprächen bevor. Die Finanzierung ist ein Thema, das Finden eines geeigneten Objektes eine andere. Ich muss zudem mit den Aedilen den Sachverhalt erörtern. Die verbilligte oder gar kostenlose Abgabe von Waren und mögliche Spenden für wohltätige Zwecke müssen ja gesetzkonform sein.
    Ich setze darauf, ein - gleich wie bebautes - Grundstück von jemand zu erwerben, der in der Nachbarschaft wohnt und dem ich einen gewissen Schutzfaktor durch uns suggerieren kann."


    Die neuerlichen Vorschläge des Petroniers zielten in eine andere Richtung. Menecrates hörte zu, lehnte sich zurück und dachte nach. Wäre der Sklavenaufstand nicht gewesen, sähe er die Dinge möglicherweise anders. Aber es gab diese Greueltaten und sie erforderten ein Handeln. Er setzte sich aufrecht hin und blickte in die Runde.


    "Ich möchte euch zwei Fragen stellen und wäre erfreut, wenn ihr sie beantwortet.
    Frage eins: Welches Signal setzen wir, wenn wir nach dem Sklavenaufstand die Dinge in der Subura belassen, wie sie sind?
    Frage zwei: Ab wann in Monaten profitiert die arme Bevölkerung in diesem Viertel, wenn wir eine Station auf dem Aventin errichten, um Erfahrungen mit dezentralen Stationen zu sammeln?"

    Wobei die Situation auf dem Aventin später und trotz erreichter Erfahrung niemals auf die Subura umgelegt werden konnte. Nach Menecrates' Ansicht müsste zudem der Errichtung einer Station in Problemvierteln der Vorrang vor einer an besonderen Brennpunkten gegeben werden. Die Einheit besaß nur begrenzte Kapazität, was nichts anderes als ein 'entweder oder' erlaubte, jedenfalls nicht beides zugleich. Der Preafect verstand, was Petronius wollte und schätzte auch dessen Umsicht. Leider radierte niemand die Ereignisse der Vergangenheit aus und Menecrates fühlte sich wie auf einem Pulverfass, würde er in Gemütlichkeit verfallen.

    "Ich danke dir für deine Meinung und ich respektiere sie", erwiderte Menecrates. Damit machte er - neben der ernst gemeinten Aussage - klar, dass er eine andere Meinung vertrat. Er wäre nie auf die Idee gekommen, die Subura als geringstes Problem anzusehen. Im Gegenteil: Er betrachtete sie als Herd des Sklavenaufstandes. Als absolut brauchbar schätzte er hingegen den Vorschlag zur Mannstärke in der geplanten Station ein. Zwar lag seine eigene Vorstellung wo anders, aber er musste sich eingestehen, nur auf theoretische Kenntnisse zurückgreifen zu können, während die Cohorten die Praxiserfahrung besaßen. Ihn beriet ein Stab und beabsichtigte, ihn anzuhören und zu schätzen.


    "Gut, beginnen wir mit einer Centuria. Die Station wird nicht im Zentrum der Subura errichtet werden, sondern im Randgebiet." Er glaubte nicht, eine Centuria auf Dauer im Randgebiet stationieren zu müssen, aber Wissen wog schwerer als Glaube, weswegen Erfahrung gesammelt werden musste.
    Er wandte sich an Tribun Pinarius Pegasus und dessen Frage zu.
    "Nein, die Ausgabe der Lebensmittel erfolgt nicht über uns; das kann ich sicher sagen. Ob aber nun Freiwillige oder Angestellte der Verwaltung die Waren übergeben, werden die anstehenden Verhandlungen erbringen. Die Stellung der Waren erfolgt über private Händler, die ich gewinnen will und möglicherweise über Spenden. Ist deine Frage damit beantwortet?" Sicher konnte sich Menecrates nicht sein, denn eigentlich hatte er dieselben Auskünfte kurz zuvor bereits gegeben und konnte genauso gut die Anfrage missverstanden haben.

    Sim-Off:

    Danke für den Kontozugriff! Ich habe allerdings nicht erwartet, dass du die Grundstücke für so viel Geld übernimmst. Die sind doch mit vielen Posts bezahlt worden? ;)


    Menecrates zeigte sich erstaunt, als Tribun Petronius das geforderte Schriftstück ankündigte und anschließend aus seiner Mappe holte. Er fragte sich, warum der Tribun so sicher sein konnte, dass der Praefectus zustimmte. Entweder die Ausschreibung verlief tatsächlich korrekt und warf den Käufer als mit Abstand besten Erwerber aus oder... Nun ja, ein wenig überrumpelt fühlte sich Menecrates schon, wollte aber sein Amt nicht mit Skepsis antreten, sondern auf der Basis von Vertrauen.


    "Für alle Eventualitäten gewappnet, wie mir scheint." Die Anmerkung konnte er sich nicht verkneifen, zeigte dabei aber ein wenig Belustigung im Gesicht. Er setzte seine Unterschrift unter das Dokument und siegelte es anschließend, bevor er es dem Tribun zurückgab.
    "Ja, du kannst abtreten", bestätigte Menecrates den Vorschlag. Er musste sich ebenfalls an seine Vorhaben und den Aktenberg setzen.

    Ein Spitzelsystem und der Claudier - weiter konnten zwei Dinge nicht auseinanderliegen. Selbst wenn Menecrates die Voraussetzungen erfüllt hätte, er wäre nie und nimmer Präfekt der Prätorier geworden.
    "Wir sind die Tagwache für Rom und wir werden unserer Verantwortung gerecht werden. Wir schieben sie nicht den Prätorianern zu, wir werden nicht kneifen und wir werden auch nicht den Kopf in den Sand stecken, nachdem die Ermittlungen ergeben haben, dass sich erhebliche Teile der Bevölkerung in der Subura im Stich gelassen fühlen. Tribun Petronius, du warst als Mitglied der Ermittlungskommission bei der Befragung der Zeuginnen Ines, Greta und Dedina anwesend, oder? Ohne die Protokolle hier zu haben, verweise ich auf diverse Anmerkungen dieser Frauen, die auf ein Fehlen von Soldaten und den Mangel an Nahrungsmitteln verweisen." Die Lage in der Subura war klar, die notwendigen Veränderungen lagen auf der Hand, denn nach dem Sklavenaufstand die Hände in den Schoß zu legen, hielt Menecrates für fahrlässig.


    "Aber du bringst mich auf eine gute Idee. Ich werde Kontakt zu den Vigiles herstellen, die uns nachts unterstützen könnten." Menecrates wusste, er war seiner Zeit voraus und konnte nicht wissen, ob sein Vorstoß zukunftsträchtig sein würde. Und doch würde es so kommen, dass ab dem ausgehenden 2. Jahrhundert n. Chr. an besonders gefährdeten Stellen der Stadt permanente Stationes eingerichtet wurden.


    Menecrates schaute zu den anderen Tribunen und wartete immer noch auf Meinungen zur Besetzung der geplanten Station.

    Obwohl Menecrates viele und vor allem deutlich wichtigere Baustellen als eine Überprüfung der Wirtschaftlichkeit des Grundbesitzes sah, stimmte er dem Ansinnen zu. Letztlich kostete ihn die Revision keine Zeit, was den Ausschlag gab.


    "Gut, wenn er einmal in der Thematik ist, soll er auch gleich den gesamten Grundbesitz überprüfen. Das Ergebnis ist mir dann vorzulegen und ebenso die erstellte Verkaufsurkunde für das Grundstück in Pyrgi. Oder hast du bereits ein Dokument vorbereiten lassen?" Wundern würde es Menecrates nicht, denn der Fall schien bereits unmittelbar vor seinem Abschluss gestanden zu haben, bevor er als Praefect das Amt antrat.

    Der Praefectus Annonae wurde Menecrates gemeldet und betrat wenig später samt einem Gehilfen die Amtsstube. Es standen Getränke und einige Appetithappen bereit, was sicherlich nicht zur Gewohnheit werden sollte, aber dem Praefectus Urbi zum Erstgespräch angebracht erschien.
    Er erhob sich, als der Besuch eintrat und kam um seinen Schreibtisch herum, um den Beamten mit Handschlag zu begrüßen.
    "Salve, Praefectus Annonae Gabinius! Lernen wir uns also kennen." Menecrates kannte den Mann tatsächlich nicht, hatte bisher auch nichts mit ihm zu tun gehabt. "Lass uns Platz nehmen." Er wies auf einen Platz vor seinem Schreibtisch, bevor er sich auf seinem individuell gefertigten Stuhl niederließ. "Ich denke, die Vorstellung braucht es nicht mehr. In der Theorie wissen wir übereinander Bescheid, ich zumindest über dich, und die Praxis wird das Bild vervollkommnen. Möchtest du etwas trinken? Hier wären verschiedene Weine, Säfte und Wasser." Ein Bediensteter, der vorher versuchsweise unsichtbar sein wollte, trat ohne Aufforderung heran und erwartete die Wünsche, um sie umzusetzen. Er wusste, dass Menecrates stets Quellwasser trank.


    "Kommen wir ansonsten sofort zum Thema. Ich bin nicht sonderlich geschickt in der Formulierung von wohlklingenden Einführungen." Er schmunzelte. Die Angewohnheit, schnell auf den Punkt zu kommen, würden seine Untergebenen ohnehin zeitig genug herausfinden. "Ich möchte den aktuellen Stand der Lebensmittelversorgung Roms erfahren. Gern auch im Detail und in der Prognose für das kommende Jahr oder falls bereits absehbar auch für noch länger." Den Grund behielt er zunächst für sich. Möglicherweise würde er ihn auch gar nicht mit dem Praefectus Annonae erörtern, was aber vom Verlauf des Gesprächs abhing.

    Obwohl Menecrates nicht im Ansatz wusste, wie es immer bei den Urbanern lief, beruhigte ihn die Antwort. Gleichzeitig weckte die Aussage in ihm die Erwartung, dass es hier häufiger Kaufgeschäfte zu tätigen gab. Das stellte ihn zwar vor keinerlei Probleme, weil er auch privat nie die Verwalter alleine handeln ließ, aber damit hatte er nicht gerechnet. Die Stadteinheiten tickten offensichtlich gänzlich anders als die Legionen.


    "Das ist eine Sondersituation und als solche werde ich sie behandeln. Ich arbeite mich gerade erst ein und kenne eure Ausschreibungsverfahren nicht." Er hob in einer ratlos erscheinenden Geste die Hände. Andererseits war es auch später nicht der Sinn eines Stabes, dass der Kommandierende alles alleine regelte.
    "Wenn du dich für die korrekte Abwicklung verbürgst, dann will ich deinem Vorschlag folgen und dem Verkauf an…", er blickte auf das Gutachten, "… Gaius Istorius Albianus Hispo aus Ostia zustimmen." Er richtete den Blick auf den Tribun und erwarte eine Reaktion.
    Ein wenig fühlte er sich, als wäre er in ein Becken gesprungen, in dem das Wasser keine Durchsicht erlaubte. Er nahm sich vor, so schnell wie möglich den Überblick über alle relevanten Vorgänge in seinem Amt zu verschaffen, weil für ihn Klarheit und Lauterkeit essentiell wichtige Grundpfeiler seiner Existenz darstellten.

    Die Antwort auf die Frage nach den Patrouillen interessierte Menecrates besonders. Mit einer Mannstärke in Contubernium-Größe hatte er gerechnet. Die Doppelmannige Patrouille verwunderte ihn ein wenig, aber wahrscheinlich teilte sich der Trupp auf öffentlichen Plätzen auf, um sich beim Abmarsch wieder zu vereinen. So oder so, es basierte alles auf Erfahrungswerten, die Menecrates noch fehlten. Einzig in der Subura schien es so, als besäße er - bedingt durch die Arbeit der Ermittlungskommission - die größere Erfahrung, denn die Aussage, in der Subura würde nur in Ausnahmefällen patrouilliert, überraschte ihn sichtlich.


    Er lehnte sich zurück und faltete die Hände hinter dem Kopf. Aus der bequemen Haltung heraus erwiderte er: "Tatsächlich?" Er zweifelte die Aussage keineswegs an, er konnte sie nur kaum glauben. So erklärte sich natürlich, wie sich das Sklavenheer über Monate von allen unbemerkt organisieren konnte. Er sammelte sich aber rasch und setzte sich wieder aufrecht hin.


    "Das muss und wird sich ändern. Wir sprechen gleich noch über unsere Kapazitäten und selbstverständlich bleiben unsere Hauptaufgaben bei der Sicherstellung der Ordnung zu allen Großereignissen, von denen ja eins das andere ablöst.
    Jetzt erörtern wir aber zunächst, wie wir vorgehen, um mehr Sicherheit in die Subura zu bringen. Ich denke, das ist das mit Abstand größte Problemviertel. Ich habe dazu bereits Pläne, die ich hier vorstelle, damit wir über konkrete Mannstärken sprechen können. Ich plane, parallel zur erhöhten Präsenz der Urbaner eine regelmäßige Lebensmittelversorgung für das Armenviertel einzuführen. Die Umsetzung wird Zeit in Anspruch nehmen, weil eine Örtlichkeit gefunden und eingerichtet werden muss, die als Lebensmittelausgabe UND feste Station für eine noch festzulegende Anzahl von Urbanern dienen soll. Wir werden beides nur in Kombination installieren. Die Bevölkerung kann somit die Lebenserleichterung unmittelbar mit den Soldaten verknüpfen. Die Banden werden wir damit nicht in den Griff bekommen, das ist klar. Wir setzen einen Schritt vor dem anderen.
    Für sehr kleines Geld werden die Armen Lebensmittel erwerben können, die überlagert oder überzählig sind. Um die Verhandlung mit Zulieferern/Händlern wird sich noch gekümmert. Ob auch Spender gesucht werden müssen, weiß ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht einzuschätzen."

    Der Plan war umrissen. Es ging ab jetzt um die Umsetzung.


    "Vorschläge, wie groß die fest installierte Truppe bei der Station sein sollte? Die Lebensmittelausgabe wird von zwei Zivilkräften übernommen, nicht von uns. Bedenkt trotzdem, die Soldaten sollen nicht nur die Station bewachen, sondern in mindestens Contubernium-Größe eher Doppelcontubernium auch patrouillieren und den Transport der Lebensmittel zur Station sichern." Er wiegte den Kopf. "Die Ablösungen könnten das übernehmen, aber das ist schon zu weit vorgegriffen."


    Er legte eine kurze Atempause ein, fügte aber recht schnell noch an: "Meine Frage, wie sowohl die Suburapläne als auch die des Architectus unter einen Hut gebracht werden können, blieb etwas vage beantwortet. Hat der Mann Wünsche geäußert oder sind unsererseits Vorschläge an ihn unterbreitet worden?"


    Menecrates sah in die Runde. Er erwartete zu beiden Themen Meinungen - zur Mannstärke in der Station und zur Kapazität für den Straßenbau. .

    Wie ist der schlauste oder schnellste Weg, wenn Aufnahmen und Ernennungen ins Tabularium eingetragen werden sollen?


    Hier einen Hinweis inkl. Link?
    Oder eine PN an die SL?


    Ich grübele nämlich gerade, wie die von mir vorbereitete Eintragung im Tabularium bei Sebastianus (CU) umgesetzt ist und bei unserem Neumitglied (Praesina) nicht, obwohl ich beides gleich gehandhabt habe und die PN an die SL bisher nicht gelesen wurde. Ich frage das mal öffentlich, weil ich weiß, dass das auch andere Spieler interessiert.


    Auf alle Fälle liegt außerdem eine weitere Ernennung (CU) an. Bitteschön und danke im Voraus. :)

    IN NOMINE IMPERII ROMANI
    ET IMPERATORIS CAESARIS AUGUSTI


    ERNENNE ICH
    MARCUS OCTAVIUS MARO


    MIT WIRKUNG VOM
    ANTE DIEM VI ID AUG DCCCLXVIII A.U.C.
    (8.8.2018/115 n.Chr.)
    .


    ZUM
    CENTURIO - COHORTES URBANAE


    Herius Claudius Menecrates

    Menecrates sichtete Akten, als Petronius Crispus das Officium betrat. Er hatte ihn schon im Vorzimmer sprechen gehört und blickte auf, um den Gruß entgegenzunehmen. Ein kleines Nicken ging seiner Erwiderung voraus.


    "Salve Tribun!" Anschließend umfing sein Blick zwar die Tafel, aber er lehnte er sich zunächst zurück und folgte interessiert dem Anliegen, das sich als ungewöhnlich herausstellte. Mit dem Handling von Landbesitz wurde er als Kommandeur bisher noch nie konfrontiert. Offensichtlich handelte es sich aber nicht um einen Verwaltungsakt wie in der Vergangenheit, sondern um eine Grundsatzentscheidung, ob und wie das Land verkauft werden sollte.
    Als der Tribun endete und auf die Tafel deutet, lehnte sich Menecrates vor, ergriff sie und zog sie zu sich heran.
    "Pyrgi!" stellte er nochmals fest. Wo zum Hades lag Pyrgi? Fest stand, dass die Ländereien zu weit von Rom und Umfeld entfernt lagen, um irgendeinen Nutzen für die Cohorten zu haben. Möglicherweise erwirtschaftete die Fläche eine exorbitante Pachteinnahme, mutmaßte Menecrates. Er hörte Petronius weiter zu und warf gleichzeitig einen Blick auf die Anlage mit den Angaben über die Pachteinnahme bei Nennung der Grundstücksgröße. Kurz zog er die Brauen nach oben, denn die Zahl verwunderte ihn. Er kannte sich mit Landbesitz bestens aus, auch wenn ihn der eine oder andere Verwalter dabei unterstützte.


    "Tja, von einem guten Ertrag kann nicht die Rede sein und ich vermute, das steht auch in dem Gutachten." Eine sehr ordentliche Abfassung, wie Menecrates fand. Sie hätte das Werk eines Beamten sein können. Auf einen Unteroffizier hätte er dabei nicht getippt. Er nahm sich die Zeit, den Inhalt zu erfassen.
    "Mit der Abstoßung des Grundstücks bin ich einverstanden", sagte er schließlich. Obwohl er in kürzester Zeit durch Sichtung der Zahlen und der Bewertung des Standorts ebenfalls zum selben Schluss wie der Gutachter fand, zollte Menecrates dem Mann Respekt. Er mochte Gründlichkeit.


    "Allerdings möchte ich das Bestmögliche herausholen. Daher die Frage: Wie verlief die Ausschreibung, wer war damit beauftragt, welchen potentiellen Käufern war sie zugänglich, was stand drin usw. Auch auf magerem Land kann man Vieh halten. Nicht alle Tiere benötigen fettes Gras, einzelne Arten erkranken sogar daran." Menecrates dachte an die familieneigene Pferdezucht. Frisches und eiweißreiches Gras führte oft zu Koliken und der gefürchteten Hufrehe.
    Er legte die Wachstafel ab und blickte den Tribun an. Dessen Griff an den Bauch hatte er zwar bemerkt, aber als unrelevant abgetan.