Beiträge von Herius Claudius Menecrates

    Natürlich freute sich Menecrates über den Zuspruch, wie könnte es anders sein. Er wandte den Blick zu Faustus, verblieb aber in der bequemen Haltung mit den Händen hinter dem Kopf. Das Schöne an allem: Faustus meinte das, was er sagte, auch so. Menschen, deren Haltung sich wandelte, je nachdem ob man ihnen die Front oder den Rücken zuwandte, waren Menecrates unheimlich. Er wusste, gäbe es Kritik, würde Faustus sie äußern.
    "Wenn es dir möglich ist, vieles richtig zu erahnen, vielleicht solltest du dich näher mit den Zeichendeutung der Götter befassen. Diese Gabe besitzt nicht jeder, sie ist eher rar. Es stimmt nämlich, ich habe mir nach dem Consulat nur schwer vorstellen können, ein verantwortungsvolles Amt zu übernehmen. Es ist schön, dass mein Entschluss dich freut." Menecrates fühlte sich verstanden und blickte wieder gedankenversunken in den Raum. Er freute sich, dass sein Zögern nicht als Schwäche ausgelegt wurde. Allerdings kannte in sein Sekretär. Andere mochten ihn weniger gut einschätzen.


    Die Getränke kamen und er setzte sich auf, als Faustus ihm das Glas reichte. Er bedankte sich mit einem kleinen Nicken und Lächeln.
    "Deine Versorgung wäre so oder so geregelt", erwiderte er mit einem Schmunzeln. "Meine Fürsorgepflicht der Familie gegenüber werde ich nie vernachlässigen, ganz gleich, ob ich stark eingespannt oder im Ruhestand bin. Und du gehörst zur Familie, das ist ja klar." Etwas hinzuzufügen, gab es nicht. Faustus gehörte zur Familie, zum Inventar, zum Grundgerüst. Es wäre unvorstellbar, würde er einmal heiraten und einen eigenen Haushalt gründen. An diesem Punkt angelangt, entstand ein Fragezeichen in Menecrates' Kopf.


    "Würdest du mit einer Ehefrau hier wohnen bleiben oder fortziehen?" Etwas Sorge schwang in seiner Stimme mit. Sie hatten nie über dieses Thema gesprochen. Genaugenommen kannte Menecrates Faustus' Pläne nicht.


    "Was die berufliche Unterbringung betrifft, dachte ich im Fall, dass mir das Amt anvertraut wird, dass du ein Officium direkt neben meinem beziehst. Normalerweise stehen dem Praefectus Urbi Offiziere und Soldaten zur Verfügung, aber auf dich möchte ich nicht verzichten. Natürlich nur, wenn du einverstanden bist. Wäre das ein Arbeitsplatz für dich?"



    edit: Fehlerkorrektur

    "Ach, wahrscheinlich wandelt er noch auf Amtswegen. So ist das, wenn man im Cursus Honorum mitmischt." Menecrates dachte nach, kam aber auf keinen grünen Zweig.
    "Ich kann unmöglich für Galeo einspringen", murmelte er vor sich hin. "Ich leite den Konkurenzrennstall."


    Er rieb sich die Stirn.
    "In seinem Zimmer ist er also nicht. Hast du nachgesehen?" Er konnte auch auf WC gewesen und nunmehr zurückgekehrt sein.

    Menecrates folgte der Ladung und trat vor den Magistrat.
    "Salve Aedil. Du kannst mir in vielfältiger Hinsicht helfen, denn ich habe durch eine Erbschaft einiges an Eigentum umzuschichten bzw. habe es verschenkt. Ich bitte um die Erfassung folgender Eigentumsänderungen:
    Die Tongrube Fodina Figulina Anaxandris und den Töpfer Officina Figulina Anaxandris habe ich dem Praesinafahrer Tisander geschenkt. Er erhält die Betriebe mit all den eingearbeiteten Sklaven."

    Er wartete, bis der Aedil den Wunsch notiert hatte, dann furh er fort.
    "Der Farbmischer Officina Pigmentaria Anaxandris wechselt in das Eigentum meines Kapitäns Pitholaus Plato. In diesem Zuge soll er in 'Färberei Pitholaus' umbenannt werden." Auch hier wartete er einen Moment, bis er fortfuhr.


    "Schließlich benötige ich noch eine Lösung für den Jägereibetrieb Venatores Anaxandris. Ich wollte ihn zunächst im unmittelbaren Eigentum der Familie belassen, kann selbst aber keinen weiteren Betrieb führen, auch nicht zum parken. Mein Sohn Gallus darf kein Eigentum führen, weil er unter meiner Patria Potestas steht. Hinzu kommt das neue Marktgesetz. Es ist derart komplex, sodass ich Unterstützung brauche, wie die Abwicklung erfolgen kann."


    Ohne den Aedil erschlagen zu wollen, schob er eine weitere Bitte hinterher.
    "Ein zweiter Fahrer der Praesina, Marsyas, hätte gern einen neuen Betrieb genehmigt und ich habe zugesagt, dies gleich mit in die Wege zu leiten, wenn ich einmal hier bin. Es handelt sich um einen Architekturbetrieb."

    Morrigan stellte die Frage nach dem Schmuck, als würden sie über Fesseln oder Lumpen sprechen. Menecrates' Augenbrauchen hoben sich als Zeichen seiner Hilflosigkeit. Es kam häufiger vor, dass er Frauen nicht verstand und in dieser Beziehung unterschied sich offensichtlich eine Sklavin nicht von einer Römerin. Er dachte bislang, jede Frau würde Schmuck mögen und es lang nicht in seiner Absicht, Morrigan in einen Schmuckständer zu verwandeln. Er wollte die eine oder andere Kleinigkeit finanzieren. Eine Haarspange zum Beispiel, irgendetwas Adrettes - nicht plump, nicht aufdringlich.


    "Eigentlich interessiert mich nicht, wem was im Allgemeinen zusteht. Ich entscheide selbst."
    Ihre Dankbarkeit für die Aufnahme konnte er hingegen nachvollziehen. Obwohl… Er stutzte. Immerhin standen noch die Gerüchte über Bestrafungen im Raum. Er blickte den Auskünften trotzdem gelassen entgegen, weil er eine Richtigstellung erwartete.
    Morrigans Veränderung in der Haltung passte jedoch nicht zu seinen Erwartungen. Kurz darauf folgte sogar die Bestätigung seiner Befürchtung. Doch dem nicht genug: Als erstes fiel der Name Romana. Menecrates bemühte sich, seine Überraschung im Griff zu halten, beugte sich aber nach vorn.
    Romana - seine Tochter, die Vestalin, das Vorzeigemädchen.
    "Weil du etwas Unüberlegtes gesagt hast?" Das makellose Bild über seine Tochter bekam einen Kratzer. "Äh, was war das? Oder ein Beispiel." Seine Gedanken liefen in verschiedene Richtungen, weil er sowohl versuchte, die Information über Romana zu verarbeiten als auch die Aussage aufzunehmen, dass sein Enkel Felix ebenfalls tätig wurde. Wobei die Begründung hier im Bereich des Nachvollziehbaren lag. Eine Flucht stellte einen Vertrauensbruch dar. Darüber hinaus beschäftigte ihn die Frage, ob er seine Kinder und Kindeskinder über ihren Namen und das Oberflächliche hinaus kannte.


    Er ignorierte ihr geäußertes Verständnis über die Maßregelung. Unterbewusst registrierte er aber, dass eine Fluchtgefahr aktuell nicht bestand. Er hatte auch längst wieder Vertrauen aufgebaut.

    Ein Sammelsurium an Anliegen begleitete Menecrates zuu Basilica Iulia. Ein Erbfall brachte diese überraschende Schwemme mit sich. Der Claudier machte sich höchst selbst auf den Weg anstatt seinen Verwalter vorzuschicken, um die eine oder andere Unklarheit zu beseitigen. Wissen bedeutete ihm viel.


    Beim Sprechsaal angekommen, schickte er einen Sklaven vor, der ihn anmelden sollte.
    "Salve, der Senator Claudius Menecrates wünscht den Aedil zu sprechen." Er hätte auch das Wörtchen 'Consular' einfließen lassen können, aber Menecrates schätzte es nicht, dick aufzutragen und das wusste sein Personal.

    Menecrates wusste es nicht vorherzusagen, aber er hoffte, das heutige Thema letztmalig vorzutragen. Insbesondere hoffte er auf ein nennenswertes Ergebnis. Andernfalls würde eine erneute Aufwärmung - von wem auch immer - keinen Sinn mehr machen, weil die Brisanz verlorenging, wenn man ein Thema fortwährend wiederkäute. Dabei besaß dieses Teilergebnis der Kommission hohe Brisanz.
    Nach der Ankündigung erhob er sich. Er fühlte weniger Feuer als die ersten Male in sich, aber an seiner Grundhaltung hatte sich nichts geändert.


    "Werte Senatoren, sicherlich ist den meisten mein Vorstoß in Richtung Festschreibung per Gesetz, die Karrieremöglichkeiten von Frauen betreffend, noch in Erinnerung. Damals ist nicht nur der Entwurf gescheitert, sondern sogar eine hochgradig abgespeckte Kompromisslösung."
    Wie kümmerlich er diese Tatsache fand, machte er mit einer Unterbrechung des Redeflusses deutlich.


    "Ich habe inzwischen unseren Kaiser aufgesucht und wurde von ihm gebeten, noch einmal eine Debatte anzustoßen, in der im Nachhinein ein Meinungsbild erhoben werden soll." Er legte wieder eine Pause ein, weil ihm die Wortwahl Schwierigkeiten bereitete. Er wollte nicht zynisch werden, daher gönnte er sich ein Durchatmen, bevor er fortfuhr.


    "Das Interesse des Kaisers liegt in der Klärung der Frage, wie wir die Mores Maiorum aktuell für uns auslegen wollen bzw. was wir, die Senatoren, für unsere Zeiten für sinnvoll erachten."


    Auch hier legte Menecrates eine Pause ein, aber dieses Mal, um dem Kaiserwunsch Raum zu geben und ihn nicht vorschnell abzuwürgen. Denn dass Menecrates ihn abwehren wollte, stand außer Frage.


    "Da ich einmal das Wort habe, möchte ich gleich meine Meinung dazu äußern. Für mich ist eine Modernisierung der Traditionen undenkbar. Rom fußt auf einem Wertegerüst und das Aufweichen dieses Systems hatte Instabilität zur Folge. Der Aufweichprozess begann vor Jahrzehnten, als Frauen den Senat bevölkerten und er wurde bisher nur gewandelt, nicht gestoppt. Was aber passiert, wenn Frauen die Karrieren von Männern beschreiten, hatte uns die Zeugin Sergia Fausta während einer Befragung eindrucksvoll bewiesen. Sie trat unsere alten Werte mit Füßen. Sie prahlte, sie verhielt sich fordernd, respektlos und verhöhnte offen die anwesenden Offiziere, Senatoren und den Consul. Die Ermittlungskommission ist zu dem Schluss gelangt, dass es maßgeblich Sergias Grundaussage 'Lasst euch nichts vorschreiben und nichts gefallen!' bewirkt hat, dass sich Frauen und Mütter dem Sklavenaufstand angeschlossen haben.


    Ich für meinen Teil möchte das Bild tugendhafter römischer Frauen nicht verlieren. Es soll nicht im Strudel der Wertezerstörung untergehen. Deswegen appelliere ich heute noch einmal: Stellt eure Befindlichkeiten, eure Sympathien und Abneigungen in den Hintergrund. Es geht um unser aller Rom. Lasst uns zusammenarbeiten und im Idealfall einen gemeinsamen Gesetzesentwurf kreieren, der all unsere Sorgen berücksichtigt.


    Meine Sorgen stellen Frau in einer ritterlichen oder senatorischen Position in Rom dar, sowie Frauen an der Waffe mit Ausnahme von Sklavinnen, das allerdings im gesamten Reich."


    Die Spannung, mit der er sich setzte, konnte er nicht verhehlen. Entweder es würde drückend still bleiben oder es kam Bewegung in das lethargische Gremium. Ein Mittelding schloss er aus, wobei das eigentlich am naheligendsten wäre.

    "Salve Tisander", grüßte Menecrates zurück, als der Jungfahrer eintraf. "Ich habe zwar keine Zweifel, möchte aber nach einer ausreichend langen Eingewöhnungszeit nachfragen, ob du dich wohl in der Praesina fühlst." Der Claudier vertrat die Ansicht, nur wer sich wohl fühlte, vergeudete keinerlei Kraft in Gedanken, sondern steckte sie in seine Aufgabe. Zwar durfte auch kein Höhenflug provoziert werden, aber Anreize vermochten die Motivation auf hohem Niveau halten und so Bestleistungen hervorbringen.


    "Mein Resümee sieht folgendermaßen aus: Du bist als jüngster und bislang letzter Fahrer in die Praesina gekommen und hast in kürzester Zeit bereits einen der Stammfahrer überholt. Du fährst bessere Rennen als Marsyas." Dem Lob folgte nur eine kurze Atempause.
    "Ich möchte diese Anfangsleistung honorieren und damit verdeutlichen, dass sich Anstrengung auszahlt. Und niemand, der für uns fährt, soll im Falle des endgültigen Ausscheidens durch Unfall oder aus Altersgründen unversorgt sein.
    Deswegen erhältst du heute nochmals zwei Betriebe. Nimmst du die Schenkung an, gehören dir ab sofort eine Töpferei und eine Tongrube."

    Menecrates nickte. "Dem stimme ich zu: Aquarius als erstes anvisieren und bestenfalls alternativ den Agrimensor." Dann allerdings lachte Menecrates auf.
    "Director Ludi! Ich könnte mir keinen besseren als dich vorstellen. Ich weiß zwar nicht, ob dich der Posten auf Dauer befriedigt, aber geschaffen bist du dafür wie kaum ein zweiter."
    Er schmunzelte weiter, weil er sich ausmalte, was Annaeus alles auf die Beine stellen könnte. Er traute ihm jede Menge zu.


    "Ich hoffe, dass du trotzdem für die Factio zur Verfügung stehst. Mir ist klar, dass Berufstätigkeit Einschränkung bedeutet und jeder hat dafür Verständnis. Allerdings würde ich es nur ungern sehen, wenn ich die gerade gewonnenen Verstärkung in der Praesina schon wieder verlieren würde.
    Davon abgesehen, müsste du Leistung vorlegen und diese geraume Zeit konstant zeigen, um berufliche Fortschritte verzeichnen zu können. Ich unterstütze dich gern, denke aber, das Einstiegsamt Aquarius kannst du getrost alleine angehen. Glaub mir, es macht so einen besseren Eindruck als wenn du bei so kleinem Amt den Patron bemühst. Siehst du das auch so, oder anders?"

    Während Faustus sprach, nickte Menecrates fast durchweg, weil er in Gänze die Meinung seines Sekretärs teilte. Mehr noch: Faustus entwickelte Gedanken, als könne er auf direktem Weg in das Hirn des Senators blicken und dort lesen. Zwischenzeitlich musste Menecrates deswegen schmunzeln und sogar mit dem Kopf schütteln. Er atmete gleichzeitig hörbar und entlastet auf, weil er sich glücklich schätzte, einen Menschen um sich zu wissen, dessen Werte seinen stark ähnelten.
    Als Faustus seine Redseligkeit unangenehm wurde, winkte Menecrates ab.
    "Reden und zuhören gehören zu einem guten Verhältnis. Bei Freundschaft sind sie unabdingbar und sollten in einem ausgewogen Verhältnis sein. Daher höre ich dir natürlich zu, wenn dich etwas bewegt, so wie du mir zuhörst, wenn mich etwas beschäftigt." Er lächelte, wurde aber ernst, als er fortfuhr.

    "Ich zahle im Grunde seit meiner Jugend Lehrgeld in Sachen Vertrauen und obwohl ich mir immer wieder vornehme, nicht unüberlegt oder vorschnell Vertrauen in Personen oder deren Aussagen zu stecken, passiert es mir ständig neu. Ich schätze, ich bin einfach ein recht vertrauensseliger Mensch." Im Grunde wollte Menecrates aber auch nicht anders sein, weil er sich selbst auch mögen können wollte.


    "Sehe ich mich getäuscht, ziehe ich mich zurück. So erklärt sich der über die Jahre erworbene Stand abseits der Menge." Er lächelte, ganz ohne Wehmut. "Bitter wird es nur dann, wenn erweckte Hoffnungen sterben. Dann heißt es: umorientieren, Zähne zusammen und weiter."


    An dieser Stelle atmete er wieder auf - dieses Mal aber nicht erleichtert, sondern beschwert.


    Schließlich konzentrierte er sich auf Faustus' letzte Aussage, die ihn erfreute.
    "Es bedeutet mir viel, dass du mir zur Seite stehen willst und keine Arbeit scheust. Dann kann ich mich auch trauen, dir von der Größe der eventuell bevorstehenden Aufgabe zu berichten." Hier lächelte er verschmitzt. "Ich habe mich tatsächlich getraut, mich für das Amt des Praefectus Urbi zu bewerben - indirekt." Er machte eine Pause, um Faustus' Reaktion beobachten zu können. Erst dann sprach er weiter. "Dabei bin ich nicht mit diesem Vorhaben zur Audienz gegangen. Auf keinen Fall! Du weißt, ich wollte Marcellus auf den Posten verhelfen, auf den Kaiserbrief zum Thema Frauen in Ämtern eingehen und für dich die Lösung vom Ordo senatorius erwirken. Dafür habe ich übrigens die Zusage des Kaisers." Sein Blick weilte noch kurz bei Faustus, bevor er das Zimmer betrachtete, ohne es bewusst wahrzunehmen.


    "Tja, und dann entwickelte sich das Gespräch mit dem Kaiser so positiv, dass mir klar wurde, auf welch guter Basis wir verkehren und dass dies ja nicht nur positiv für den Einzelnen, sondern auch und vor allem für Rom wäre. Ich hatte eine Eingabe und bin ihr gefolgt."

    Er lehnte sich zurück und verschränkte die Hände im Nacken. Sein Blick suchte einen erhöhten Punkt an der gegenüberliegenden Wand.


    "Faustus, Praefectus Urbi… Weißt du, was das bedeutet, wenn die Wahl auf mich fällt?"

    Wer Leistung erbrachte, konnte sich darauf verlassen, dass Menecrates dies honorierte. Nachdem er bereits Syennesis trotz dessen schwankender Leistungskurve mit zwei Betrieben beschenkt hatte, damit sich auch er nach seiner beruflichen Laufbahn gut situiert wusste, wollte er heute Tisander überraschen. Dieser Nachwuchsfahrer begeisterte ihn, weil er innerhalb kürzester Zeit den länger trainierenden Altersgefährten Marsyas deutlich überflügelt hatte.


    Menecrates stand am Rand des Putzplatzes und beobachtete das Striegeln der Pferde. Die Vorgänge wirkten beruhigend auf ihn und er vergaß die Zeit. Als Tisander auftauchte, blickte er ihm zufrieden und scheinbar mit allem im Reinen entgegen.

    Es dauerte geraume Zeit, bis sich Tiberius aus den hintersten Reihen nach vorn gearbeitet hatte. Währendessen trat Menecrates an den die Sizung leitenden Consul heran.
    "Ohne pessimistisch erscheinen zu wollen, aber ich denke schon, dass wir mindestens einen weiteren Termin für dieses Thematik brauchen. Sollte ich es im Anschluss an diese Sitzung vergessen zu beantragen, bitte ich dies als Beantragung zu werten."


    Sim-Off:

    Wollen wir nicht einen zweiten Thread eröffnen und diesen bis zu Tiberius' Rückkehr einfrieren? Er hat sich mittlerweile für sehr lange abgemeldet.
    Vorschlag: Dieser Thread könnte für die Auszeichnung bleiben (wenn er nicht postet, dann hat er wohl Pech gehabt) und der zweite für die Diskussion, leider dann ohne Tiberius.

    Vier Tage klangen gut in Menecrates‘ Ohren. Er hätte viel länger geschätzt. "Super!" Dann stutzte er. "Was heißt zusammen mit einem Wagenbauer? Wolltest du das nicht gänzlich abgeben?" Er blickte fragend und es dämmerte ihm, dass Annaeus wohl selbst Hand anlegen wollte. Das würde nicht nur eine hohe Einsatzbereitschaft bedeuten, sondern außerdem schätzenswerte Fähigkeiten.


    "Wir sollten das Training wie gehabt weiterführen und nicht auf den Wagenumbau warten. Wenn der Zeitpunkt dafür gekommen ist, bin ich jedenfalls sehr gespannt."


    Schließlich wechselte er zum Thema Starterfeld. "Ja, Archytas ist noch jung", bestätigte er. "Prima, die Pläne sehe ich mir gerne. Haben wir dann alles?"

    Als Morrigan an sich heruntersah, folgte Menecrates ihrem Blick. Sicherlich hätte er es nicht geschätzt, wenn sie sich ausgefallen wie eine Lupa kleiden würde, aber so unauffällig wie bisher musste sie auch nicht bleiben.
    "Und mir erscheint, als wäre ich nicht großzügig genug." In seiner Stimmlage lag Besorgnis und Verwunderung. "Sind denn die Preise für feine Stoffe, besondere Entwürfe und auch Schmuck gestiegen?" Er beabsichtigte - außer der Wohltat für das eigene Auge - all jenen mit einer aussagefähigen Aufmachung klarzumachen, mit wem sie sich anlegten, wenn sie Hand an sein Eigentum legten.


    "Ich möchte, dass du einen Schneider findest, der den Unterschied zwischen gut situiertem und vermögendem Haushalt kennt. Pompös mag ich nicht. Ich finde schlicht schön, aber nicht ohne Eleganz. In der Wahl der Farben und Schnitte bist du frei." Damit klärte er seinen Anspruch. Ein wenig Selbstbestimmung hielt er außerdem für förderlich. "Ich möchte später gern deine neuen Errungenschaften gezeigt bekommen."


    Kurz darauf schmunzelte er, als Morrigan die Zusammensetzung der Naschereien beschrieb. Es beruhigte ihn, dass sie auf sein Wohlergehen achtete, weil sie sicherlich wusste, dass Menecrates einen Bauch abschreckend fand.
    "Stell dir vor, ich sehe an mir herab und kann meine Füße nicht mehr erblicken." Er riss gespielt die Augen auf und sog die Luft ein. Er würde sich vermutlich vor sich selbst erschrecken.
    Morrigans Nachfrage beendete das Vorgeplänkel. Menecrates wurde ernst und rief sich das Gespräch vor Wochen in Erinnerung.


    "Mir ist vor längerem etwas zu Ohren gekommen, was mich immer einmal wieder beschäftigt. Ich möchte nun Gewissheit haben." Er überlegte, ob er mit der Tür ins Haus fallen sollte oder nicht. Andererseits lag es nicht in seiner Art herumzueiern.
    "Bist du hier, ähm, in diesem Haus schon einmal schwer bestraft worden?" Er sparte sich die Frage nach einer ausführenden Person, weil er an ein Gerücht glaubte.

    Menecrates fühlte sich bei der Frage nach den Getränken wie ein Gast und das gefiel ihm. Obwohl im eigenen Haus bedeutet es, dass er keine Verantwortung trug und nichts weiter als er selbst sein durfte.
    "Wasser, Faustus. Für mich nach Möglichkeit immer Wasser." Seine Erklärung erfolgte beiläufig, denn Faustus stand bereits an der Tür und gab die Bestellung auf. Menecrates sah ihm gedankenverloren hinterher und fühlte sich gut. Hier fand er eine Umgebung und die Gesellschaft, um sich unbelastet und frei zu fühlen. Wann konnte er das schon? Eigentlich fast nirgends. Zumindest vor Kindern und Enkelkindern wollte er stark erscheinen.
    Er suchte sich einen der Sessel als Sitzplatz aus und ließ sich nieder. Sein rechter Ellenbogen stützte sich auf der Armlehne ab, während sein Kinn in der Handfläche lag.
    "Weißt du eigentlich, dass du eine der wichtigsten Stützen für mich bist?", sagte er wie beiläufig, als Faustus zurückkehrte. Dahinter steckte die ungeschminkte Wahrheit. Er setzte sich aufrecht hin, weil er bei solchen Themen nicht fläzen wollte.
    "Wahrscheinlich bist du sogar die wichtigste überhaupt. Du hilfst mir, die Gedanken zu sortieren, du unterstützt mich ohne wenn und aber. Alles was du zusagst, setzt du um. Auf dein Wort ist Verlass." Er atmete einmal aus, dann fuhr er fort: "Ist dir schon einmal aufgefallen, dass die meisten anders reden als sie handeln?" Eigentlich eine dumme Frage, wie er nachträglich fand. Es musste Faustus auch aufgefallen sein.
    "Tja…"
    Er zwang sich zu einer Sicht auf das Positive, denn es brachte nichts, an Enttäuschungen festzuhalten.
    "Ich kann mich bei dir fallenlassen und wenn ich blind und hilflos wäre, würde ich mich trotzdem sicher fühlen. Deswegen bin ich hier. Ich habe Neuigkeiten und du wolltest zuerst die schlechten hören." An dieser Stelle musste er leicht schmunzeln. Eigentlich zuckten nur seine Mundwinkel und er hoffte, in seiner Zuversicht nicht über das Ziel hinausgeschossen zu sein.


    "Die schlechte Nachricht ist, dass ich deine Unterstützung brauche und damit Arbeit auf dich zukäme, sofern du dich dazu entschließen kannst, weiterhin den Mächten die Stirn zu bieten." Sein Blick ruhte auf Faustus' Gesicht und suchte in dessen Zügen zu lesen.

    Die Begegnung verlief wie unter Freunden und ähnelte in keinster Weise einem Arbeitgeber/Angestelltenverhältnis. Ein Lächeln umspielte Menecrates' Lippen, als er eintrat.


    "Ich habe Neuigkeiten, mein lieber Faustus", sprudelte es bereits aus seinem Mund, als er auf seinen Sekretär zutrat. Er fasste ihm seitlich der Schulter und drückte kurz, bevor er sich nach einer Sitzgelegenheit umsah. Er saß zwar nicht gern, aber nach langem Stehen und weiten Wegen doch. "Gute und schlechte Neuigkeiten. Welche möchtest du zuerst hören? Wobei… es kommt ganz auf die Sichtweise an, ob sie als gut oder schlecht bewertet werden können." Hier seufzte er und ließ durchblicken, dass er Redebedarf hatte.

    Menecrates ergriff die Schriftrolle und las sie sich durch. Als er aufblickte, nickte er anerkennend.
    "Die finanzielle Sorge belastet dich schon einmal nicht. Das ist gut, weil es unabhängig macht."


    Er glaubte, es steckte mehr als nur Glück dahinter. Sicherlich auch ein Gespür und Talent für Verwaltungen.


    "Ich halte es für wichtiger, das richtige Ziel anzuvisieren als sich Sorgen darüber zu machen, es wegen fehlender Voraussetzungen nicht erreichen zu können. Ganz gleich, was du anstrebst, es liegt ein Weg vor dir, auf dem du dich bewähren musst. Zeigst du überdurchschnittlichen Einsatz und machst dich über längere Zeit verdient, dann lieferst du Gründe, jene Voraussetzungen zu erhalten, die dir jetzt noch fehlen. Mach dir also nicht darum Gedanken, dafür bin ich dann ja da. Du müsstest nur liefern und das kann jeder am besten dort, wo er sich in seinen Fähigkeiten und Interessen ideal aufgehoben fühlt. Unter diesem Gesichtspunkt: Wo wäre das also?"


    Er lächelte und war sich nicht sicher, ob Annaeus gänzlich umschwenken würde. Unter den augenblicklichen Voraussetzungen blieben nicht viele Einstiegsposten, aber die Frage lautete ja nach dem Endziel.

    Den Vorschlag bezüglich der weiteren Rennplanung konnte Menecrates mittragen und nickte. Er fand ihn sogar sehr gut. "Drei zu eins, das klingt für unsere aktuelle Situation passend." Anschließend lauschte er dem Vorschlag zu Tisander. Wäre der Einbruch des Nachwuchsfahrers nicht so groß gewesen, würde er ihm auch mit der neuen Konstellation Zeit geben. So aber regten sich Bedenken. Er machte einen Gegenvorschlag. "Lass uns doch nach jedem Trainingsrennen eine kleine Auswertung vornehmen. Auf diese Art können wir individueller umstellen als wenn wir es heute schon für drei Rennen im Voraus festlegen."


    Er schmunzelte über das Lob an seinen Sohn und gleichzeitig freute es ihn. Es zeugte immer von Aufrichtigkeit, wenn jemand der Gegnerschaft gegenüber Lob aussprach, selbst wenn es sich um eine befreundete Factio handelte. Viele vermieden solche Äußerungen und agierten dafür lieber mit Neid. Zum Glück war Menecrates in der Praesina noch nirgends auf neidische Ausläufer gestoßen. Er fand ohnehin, sie sollten sich lieber ganz auf sich konzentrieren und nicht zu den Erfolgen anderer schauen. Auf diese Weise lag es an ihnen, wie gut sie zukünftig werden würden, und natürlich auch am Quäntchen Glück.


    Als Menecrates merkte, dass er gedanklich nicht mehr beim Training, sondern längst bei den großen Ludi zu Beginn seines Consulats weilte, schüttelte er den Kopf. Er wollte nicht zurückblicken, es geschah unbewusst.
    Auf die Wagen der Aurata hatte er kaum geachtet. "Das ist mir nicht aufgefallen. Was denkst du, wie schnell bekommen wir das für ein Testrennen hin? Haben wir da wen oder müssen wir das ausschreiben?" Er fragte zwar laut, aber mehr sich selbst, denn Annaeus gehörte noch nicht lange zur Factio, um alles wissen zu können.


    "Um das nächste Trainingsrennen kümmere ich mich zeitnah. Ich wollte wieder Factiolose dazunehmen und lasse dich die Endaufstellung rechtzeitig wissen. Strabax ist ja gesetzt, das klappt super mit ihm. Tamos, ein ganz Unbekannter - probieren geht über studieren. Am liebsten hätte ich ja auch einmal den Manius Scorpus, aber da ist kein Herankommen. Oder hast du andere Vorschläge?"

    Ein wenig ungewöhnlich vielleicht, aber Menecrates kümmerte es nicht, dass er seinen Sekretär aufsuchte statt diesen zu sich zu rufen. Faustus besaß mehr Bedeutung als nur Scriba oder Liktor: Menecrates vertraute ihm, schätze ihn und fühlte sich mit ihm freundschaftlich verbunden. Daher zögerte er nach der Audienz beim Kaiser nicht, sondern suchte sofort das Gespräch.


    Er klopfte und frage aus Anstand: "Darf ich eintreten?" Er konnte schließlich nicht ausschließen, seinen Sekretär schlafend, sich umkleidend oder in Gesellschaft einer Dame vorzufinden. Faustus wohnte hier und musste niemand gegenüber Rechenschaft ablegen. Ihm stand außerdem ein persönlicher Freiraum und Privatsphäre zu. Immerhin wusste Faustus nun auch, wer Einlass begehrte.

    Menecrates lächelte wegen des gut gemeinten und wohl auch ratsamen Vorschlags. Er nickte mehrmals leicht. Dies zum Zeichen, dass er gewillt war, ihn umzusetzen.
    "Mein Kaiser, mögen die Götter stets mit dir sein." Von einem guten Gefühl erfüllt, neigte Menecrates zum Abschied leicht das Haupt und verließ die Aula Regia. Er würde für sein Vorhaben weitere Personen aktivieren müssen und musste abwarten, ob ihm dies gelang. Als erstes suchte er die Rücksprache mit seinem Sekretär.