Beiträge von Herius Claudius Menecrates

    Nachdem die anvisierten Ziele feststanden, resümierte Menecrates. Hier wurde nichts erwartet, was ihm als Patron vor erhebliche Probleme stellen würde. Annaeus wollte klein anfangen und würden seine Ziele steigen, hätte Menecrates damit auch kein Problem.


    "Wenn du einmal Fuß gefasst und im Nachhinein ausreichend Erfahrungen gesammelt hast, soll es an Geld und Fürsprache nicht scheitern, um die Karriereleiter weiter aufzusteigen. Ich bin bereit, dich als Klient aufzunehmen."


    Da sowohl Agrimensor als auch Aquarius zur Wahl stand, wollte er jedoch bei der finalen Entscheidung behilflich sein.
    "Die Zugangsvoraussetzungen für beide Posten sind dir bekannt? Der Auarius bietet mehr Prestige als der Agrimensor, allerdings bräuchte man für beide nur Libertinus zu sein. Reicht dir das?" Er schaute mit einem Anflug an Skepsis, denn er hatte Annaeus ehrgeiziger eingeschätzt. Andererseits verlangte das nächst höhere Verwaltungsamt bereits den Ritterrang, den Annaeus vermutlich nicht besaß und wenn er junge Mann in die Verwaltungsrichtung gehen wollte, bleiben nur diese beiden Posten.

    "Dann würde ich jetzt gern die Vorbereitungen für die Debatte im Senat treffen." Das klang nach deutlich mehr Elan als noch vorhin. Falls dies zur Taktik des Kaisers gehörte, dann war sie aufgegangen.
    "Wenn du gestattest, fange ich umgehend damit an."
    Er wartete auf die Entlassung aus der Audienz, während er gleichzeitig das Bedürfnis spürte, mit einem Vertrauten zu sprechen. Jemand, der ihn stets unterstützt und gut beraten hatte. Eine Beratung benötigte er sicherlich nicht, aber einen fruchtbaren Gedankenaustausch schätze er immer. Außerdem würde er eine assistierende Hand für das Vorhaben benötigen, die Ergebnisse der Kommission in Handlungen umzusetzen.

    Arbeiten wollte Menecrates um diese Zeit nicht mehr. Er hatte sich in sein Arbeitszimmer zurückgezogen, um den Tag Revue passieren zu lassen, ohne mit allen möglichen Mittelungen überhäuft zu werden. Wenn allerdings jemand an diese Tür klopfte, musste es schon einen nennenswerten Grund geben.
    Er rief den Wartenden herein und bestätigte dessen Aussage über den angekündigten Besucher mit einem Kopfnicken.


    "Das ist korrekt. Ich wollte zwar nicht im Atrium speisen, aber wenn ich es mir recht überlege, dann lädt die milde Luft regelrecht dazu ein. Magrus, sorg doch dafür, dass die Speisen und Getränke ins Atrium gebracht werden."
    Ob der es selbst tat oder andere Sklaven vorschickte, überdachte Menecrates nicht. Er wusste aber, dass Magrus in erster Linie an der Porta stand.

    Auch Menecrates hatte den Fahrfehler bemerkt. Er ärgerte sich weniger stark, was aber vermutlich daran lag, dass er bei Syennesis immer mit Überraschungen der negativen Art rechnete. Ließ er allerdings sämtliche Patzer unbeachtet, steigerte sich Syennesis doch von Rennen zu Rennen. Als er sich vor dem Ziel ein Kopf an Kopfrennen mit Rianorix lieferte, schöpfte Menecrates Hoffnung.


    "Aus ihm wird noch mal was, es dauert nur etwas länger. Das neue Gespann war auf alle Fälle die richtige Entscheidung." Er wiegte den Kopf, bevor er anfügte: "Bei Tisander ist der Versuch nach hinten losgegangen. Was schlägst du vor? Wieder zurück zum alten Gespann oder anderes austesten?" Zu verlieren gab es bei diesem Nachwuchsfahrer nichts. Er lieferte bisher Erstaunliches, wenn man sein Alter berücksichtigte.


    "Tja, und dann wäre generell die Frage, wie wir weitertrainieren. Die Variationen reichen vom Heimtraining, bei dem alle unsere Fahrer starten können und alle profitieren, über das Freundschaftstraining mit der Aurata, bei dem beide Factiones profitieren und jeweils vier Fahrer starten, bis hin zu einem Trainingsrennen mit einer konkurrierenden Factio, wo nicht einmal vier, sondern nur drei unserer Fahrer starten können, sie neue Eindrücke erhalten, aber auch an Selbstbewusstsein verlieren könnten, weil andere Factiones über mehr erfahrenere Fahrer verfügen."


    Menecrates interessierte sich für die Haltung seines Vicarius', den er erst noch kennen und einschätzen lernen musste.

    Eine Einschätzung bei jemand über dessen Zukunft zu treffen, den man nur oberflächlich und zudem kurz kannte, war nicht nur schwierig, sondern auch unseriös, würde man sie trotz dieser Umstände treffen. Menecrates hatte diese Anfrage nicht erwartet. Eigentlich hoffte er auf Antworten.
    "Hm." Er wirkte und klang nachdenklich. "Ich kann dir unmöglich zu etwas raten, bevor ich nicht mehr über dich weiß, aber wir können uns ja schrittweise vortasten. Die Politik schließt du also für dich aus. Das ist ein Anfang. Wir können weiter im Ausschlussprinzip vorgehen. So kreisen wir die Möglichkeiten, die dir liegen und gleichzeitig offenstehen, ebenfalls ein. Das Militär liegt also im Bereich dessen, was du nicht ausschließt, ebenso städtische Verwaltungen. Wie sieht es mit der Religion aus? Hast du diesbezüglich eine klare Haltung oder befindest du dich hier noch im Findungsprozess?"


    Je nachdem, wie die Antwort ausfiel, konnten sie das Ziel einkreisen. Danach würde vielleicht auch klar werden, wo Annaeus die Rolle Menecrates' sah - ob es eine konkrete oder eine allgemein unterstützende Rolle war.

    Ein Nicken zeigte wieder Zustimmung. "Ich prüfe und ich werde zu einer Einschätzung gelangen, wie sich die Aufarbeitung der Ermittlungsergebnisse gestaltet. Lässt sie sich gebündelt abwickeln und somit ein Ende gut abschätzen, melde ich mich bei dir. Das gleiche werde ich tun, wenn sich abzeichnet, dass sich die Aufarbeitung streckt und daher zwar in die Länge, aber weniger in die Breite zieht. Wie es auch immer verlaufen wird, du hörst von mir in ... drei Wochen."
    Menecrates grenzte den Zeitraum bewusst ein, denn das gab Klarheit für beide Seiten.


    "Ist das ein Zeitrahmen, der für dich in Ordnung geht?" Menecrates rechnete durchaus damit, dass der Kaiser den Rahmen verschob, worauf er sich einstellen würde.

    Aus Sicht der nicht an der Kommissionsarbeit beteiligten Senatoren musste Flavius' Vorschlag geradezu genial erscheinen. Wie anders sollten sie sich sonst ein Bild von Tiberius machen. Menecrates allerdings befürchtete, dass die Tendenz für oder gegen eine Auszeichnung nunmehr stark vom Inhalt der Aussagen und dem Auftreten des Kandidaten abhing und nicht von seiner Leistung, für die er ausgezeichnet werden sollte. Es lag also in Tiberius' Händen, wohin ihn der Weg hier führen würde.
    Da andererseits keiner der involvierten Senatoren das Wort ergriff, blieb Menecrates nichts weiter übrig als zuzustimmen, weil die neue Vorgehensweise der einzig gangbare Weg noch war.


    "Ich kann deinen Wunsch und Vorschlag sehr gut nachvollziehen, Senator Flavius. Er macht nicht nur für alle Außenstehenden Sinn, er scheint auch das einzige Vorgehen zu sein, was uns voranbringt. An dieser Stelle möchte ich an unserer imaginären Bewertungstafel den ersten Wertungsstrich FÜR Tiberius anbringen, denn hier geschieht, womit ich über weite Strecken der Ermittlungsarbeit konfrontiert war: Schweigen - entweder basierend auf Nichtanwesenheit oder basierend auf einer steigenden Unlust.
    Es ist dem Fleiß, dem Interesse, dem Engagement des Tiberius zu verdanken, dass wir heute überhaupt auf ein Ergebnis bei den Ermittlungen blicken können. Mein Quaestor und ich hätten es alleine nicht geschafft, aber mit Hilfe des Trecenarius konnten wir diese schwere Kommissionsarbeit zu einem Ende führen. Alleine für seine Arbeitshaltung im Gegensatz zu deutlich höher gestellten Persönlichkeiten gebührt Tiberius eine Auszeichnung."


    Inhaltlich stellte diese Hervorhebung keine Neuigkeit dar, aber Menecrates fürchtete, dass die meisten Senatoren erst jetzt eine Vorstellung bekamen, wie schwer es sich mit mehrheitlich schweigenden Gruppenmitgliedern arbeiten ließ. Zumindest im letzten Drittel versiegte bei einigen anfangs motivierten Mitglieder die Energie.


    "Tiberius, wir bitten dich um deine persönliche Einschätzung im Hinblick auf das Ergebnis der Ermittlungen und in Bezug auf das heutige Thema."


    Sim-Off:

    Ich hoffe, Tiberius hat inzwischen die Schreibrechte für den Senat. Unabhängig davon hat er sich aber für ca. eine Woche noch abgemeldet. Wir müssen also warten.

    Ein letztes Mal prüfte Menecrates die Entscheidung. In der Theorie und von Seiten des Verstands gab es ohnehin nichts zu beanstanden, aber fühlte er sich auch wohl? Nur wenn für ihn dieses Amt das richtige war, dann war ER auch der richtige Präfekt für Rom.
    Schließlich stand sein Entschluss fest.


    "Ja, so war es gemeint", bestätigte er die Nachfrage. "Ich habe mir im Vorfeld lange Gedanken gemacht und mich hinterfragt. Schlüssig bin ich mir bis zuletzt nicht gewesen, weil es stets so ist, dass ich derjenige bin, der an mich die größten Erwartungen stellt. Den Ausschlag hast heute du gegeben, weil mir wieder bewusst geworden ist, wie gewinnbringend jede Unterredung ist, die wir führen, selbst wenn wir nicht einer Meinung sind. Ich bin sicher, dass Rom davon profitiert, also schließe ich guten Gewissens jede Prüfung bei mir ab und stelle mich zur Verfügung.
    Ein paar Wochen Durchhaltevermögen seitens Stertinius' wäre in meinem Fall sehr entgegenkommend."
    Hier lockerte sich Menecrates' ernster Gesichtsausdruck und ein Schmunzeln erschien. Er realisierte außerdem, dass die bisherige Suche nach einem Nachfolger offensichtlich nicht erfolgreich gewesen war, was seine Chancen erhöhte.

    Menecrates wollte Annaeus nicht ins Wort fallen, daher quittierte er die Auskunft, dass es sich bei Florus um den Onkel handelte, mit einem: "Aah!" Mit einer so engen Verwandtschaft hatte er nicht gerechnet. Immerhin bestand sogar die Möglichkeit, dass die Familien gar nicht miteinander verwandt waren. Beim Stichwort militärische Studien horchte Menecrates auf und sah Annaeus direkt an, bevor er sich einige kleine Happen reichen ließ. Mit einer Geste forderte er die Sklaven auf, sich vor allem um seinen Gast zu kümmern.
    Die weiteren Schilderungen bestätigten Menecrates darin, dass sich Annaeus bestens mit Pferden auskannte. Den Eindruck vermittelte er bereits bei seinem Vorstellungsgespräch in den Factioräumen. Auch alles weitere klang nach einem soliden Fundament. Er nickte anerkennend, aber nicht nur wegen der militärischen Studien, sondern weil die Ausbildung offensichtlich alles umfasste - von der Politik bis zur Religion. Das ließ offen, welche Richtung der junge Mann bevorzugt einschlagen wollte. Dass er Pläne schmiedete und sie auch verfolgen würde, stand für Menecrates außer Zweifel.


    "Bitte, lass dich bedienen", forderte er als erstes auf, als Annaeus endete. Er selbst kaute einige Nüsse und schluckte hinunter.
    "Früher, als die Factiones nicht nur Rennställe darstellten, sondern auch politische Lager, befand sich dein Onkel in der Albata. Diese Factio war als konservatives Lager bekannt. Sie lag mir damals auch am nächsten. Heute haben die Rennställe nur noch sportliche Ziele. Die Praesina galt früher als liberal. Heute sehe ich in ihr eine Factio, die zum Urgestein gehört und es verdient, an der Spitze mitzufahren. Die konservative Grundeinstellung kann ich privat pflegen." Er lächelte und suchte den Blickkontakt.


    "Du hast es angerissen, du möchtest etwas bewegen. Wo siehst du in erster Linie dein Betätigungsfeld? In der Politik? In der Religion? Im Militär? Und wo komme ich ins Spiel? Was erhoffst du dir, sofern du schon jetzt konkrete Pläne hast."

    "Ah", erwiderte Menecrates, der nun wusste, dass die hausinterne Abstimmung etwas fehlgelaufen war. Andererseits liebte er es, nach dem Winter frische Luft zu atmen und auf der Haut zu spüren. So gesehen stellte das Atrium eine noch bessere Lösung als der ursprüngliche Plan dar. Er ging voraus und ließ sich nieder. Sein Blick streifte die Sklaven, da Morrigan von einer Neuanschaffung sprach, die Menecrates noch nicht kannte. Einen Wink sparte er sich. Er erwartete, dass die Sklaven selbstständig Speisen und Getränke anboten. Zumindest gab er ihnen dafür eine Chance. In der Zwischenzeit konnte er auf Annaeus eingehen.


    "Ja, mein Auge erfreut sich immer wieder an jedem noch kleinen Fleckchen Natur. Ich weiß nicht mehr, ob mir das schon immer im Blut lag oder ob es ein Erbe der Legionszeit ist. Manche Mahlzeit nehme ich sogar gänzlich im Freien ein. Aber bei Gästen, die ich nicht einschätzen kann, ist mir das doch etwas zu unkonventionell. Ich bin sicher, nach dem heutigen Tag werde ich dich besser einschätzen können."


    Menecrates winkte ab, als ein Sklave Wein einschenken wollte. Er wies auf den Krug mit Quellwasser und wandte sich wieder an Annaeus, der ebenfalls nach seinen Wünschen befragt wurde. Als auch sein Gast mit einem Getränk versorgt war, nahm er das Gespräch wieder auf. "Wir sind das leitende Gespann der Praesina und doch wissen wir wenig voneinander. Du hattest dich zwar vorgestellt und das hat für eine Mitgliedschaft auch gereicht, aber ich wüsste gerne mehr über dich, wenn ich dein Patron werden soll. Ich verbinde zum Beispiel mit deinem Namen die Erinnerung an einen recht bekannten, aber inzwischen verstorbenen Senator und Kommandeur der Classis. Kennst du ihn? Bist du möglicherweise mit ihm verwandt?"

    Wenn der Rationibus Nachforschungen angestellt hatte, musste es wohl stimmen, dass Menecrates im Raum um Tibur bereits über Land verfügte. Zuhause würde er seinen Vilicus danach befragen und gemeinsam mit ihm planen, welche Nutzung das neue Stück Land erfahren sollte.


    "Ich bin sicher, es wird mehr als nur ein wenig Freude sein." Er schaute vom Kaiser zu seinem Quaestor und erkannte auch bei ihm Freude. Dementsprechend verlief der Rest der Cena erquicklich.
    Menecrates verließ unmittelbar nach dem Kaiser die Zusammenkunft, um recht vergnüglich den Nachhauseweg anzutreten.

    Menecrates nickte und fühlte sich gut nach der deutlichen Aufforderung, sich zu melden. "Das werde ich tun." Auch den Dank und die guten Wünsche nahm er mit einem Nicken entgegen. Gleichzeitig schoss ihm durch den Kopf, wie unterschiedlich gern er den verschiedenen Kaisern gedient hätte.
    Minuten vorher lag er noch im Zweifel, ob er sich überhaupt für Dienste anbieten sollte. Der Kaiser in Person sorgte für Klarheit. Der Rest an Unentschlossenheit verzog sich wie Schleierwolken am Himmel, während der Kaiser bereits Abschlussworte sprach.


    Menecrates hoffte ebenfalls auf gutes Gelingen und erwiderte:
    "Vielen Dank. Ich hoffe, es wird sich der eine oder andere Unterstützer finden, der die Senatsdebatte mit am Laufen hält. Ich vermute, die Aufarbeitung der Erkenntnisse aus der Kommissionsarbeit wird ein paar Wochen in Anspruch nehmen. Es ist schwer zu schätzen, aber ich hoffe, es dauert nicht deutlich länger. Diese Zeit wird mir zur Regeneration reichen und es wäre unklug, parallel in ein neues Amt zu starten." Er hielt kurz inne. Nicht immer fügte sich im Leben alles wunschgemäß und er hatte es oft erlebt, dass Möglichkeiten in ungünstige Zeiträume hineinplatzten und sich in günstigen Zeiten keine Möglichkeiten ergaben.


    "Es sei denn, du erwägst oder bist gezwungen, innerhalb der nächsten Wochen, das Amt des Praefectus Urbi neu zu besetzen. In diesem Fall bitte ich, mich trotz meiner Aussage in den Kreis der möglichen Nachfolger aufzunehmen."

    Menecrates war über die Frage überrascht, obwohl er sie hätte erwarten müssen, denn sie lag auf der Hand. Wahrscheinlich hatte er sie bisher erfolgreich verdrängt und sie traf ihn daher weitgehend unerwartet. Er ließ sich nichts anmerken, nahm sich aber gleichzeitig einige Momente Zeit. Zum einen fehlte es an einer gezielten Antwort, zum anderen wollte er bedacht auftreten. Hier ging es nicht um eine Anstellung als Tiro oder den Eintritt in eine Legion. Selbst die Amtsübernahme im Cursus Honorum erschien ihm dagegen vergleichsweise leicht zu entscheiden, weil sie unumstößlich zeitlich begrenzt war.


    "Ich habe bereits etwas Erholung erfahren und sehe, dass ich mich regeneriere. Es sind auch nicht die arbeitsreichen Verpflichtungen oder die Verantwortung gewesen, die mir zugesetzt haben. Ich habe seit meiner Praetur, seit ich die höchsten Ämter bekleidet habe, erfahren, dass immer mehr intrigante Gegenspieler auf den Plan treten, deren Gegenwind mich deutlich mehr Kraft gekostet hat als das jeweilige Amt. Es fällt mir nicht leicht, die Tatsache zu akzeptieren, dass massive Anfeindungen in führenden Ämtern zum Alltag gehören."
    Das allein beantwortete nicht die Frage des Kaisers, also schob Menecrates nach.


    "Eine andere Tatsache steht allerdings auch inzwischen fest: Ich brauche eine Aufgabe und suche die Herausforderung. Wenn es mich einmal nicht mehr danach verlangt, bin ich dem Styx nahe. Insofern - ja, ich stehe dem Staat zur Verfügung, wenngleich ich gerne noch die Ausläufer meiner Consulatsverpflichtungen zu einem Abschluss bringen möchte, bevor ich etwas Neues beginne."

    Im weiteren Verlauf der Unterhaltung hörte Menecrates zwar zu, drosselte aber seine Aufmerksamkeit auf ein notwendiges Maß. Der Tiro Flaccus interessierte ihn kaum. Stattdessen heftete er seinen Blick an Gegenstände, verweilte bei seinem Quaestor oder streifte den Kaiser, wenn dieser sprach. Er gestattete es sich allerdings nicht, mit den Gedanken abzuschweifen oder seine nachfolgenden Termine durchzugehen.


    Die Phase, in der alle zu Wort kamen, mündete in eine Ankündigung. Menecrates wandte den Blick zum Kaiser, während er das Gehörte kurz nachklingen ließ, um es zu realisieren. Das war wieder einer der überraschenden Momente, die keiner vorhersagen und auf die man sich schlicht nicht vorbereiten konnte. Natürlich fühlte sich Menecrates geehrt und darüber hinaus in seiner Arbeit wertgeschätzt. Hinter ihm lag ein langes Leben, aber häufig genug gab es wenig oder gar keine Anerkennung für Leistung. Dabei fuhr er auch früher nie halbes Tempo. Im Zeitraffer ging er die Kaiser der Vergangenheit durch und kam zu dem Schluss, dass er wahre Wertschätzung nur bei Valerianus erfahren hatte. Die Götter mochten es gut mit dem Reich meinen, weil erneut ein Kaiser regierte, der mit Sachverstand und Fingerspitzengefühl agierte. Vielleicht manchmal etwas zaghaft, aber nie unüberlegt.


    "Ich erkenne den Ansatz: Für uns bedeutet das Angebot Wertschätzung der Person und Anerkennung einer überdurchschnittlichen Leistung, was sich sehr gut anfühlt. Aber die Geste bewirkt noch viel mehr. Sie motiviert - nämlich uns, nicht nachzulassen, und sie motiviert andere, es uns gleichzutun. Motivation ist die Triebfeder all unseren Tuns. Mich fragte erst kürzlich ein junger, noch weitgehend unbekannter Mann, wie ich zu derart viel Land gekommen bin. Ich sagte ihm, dass natürlich der überwiegende Teil ein Familienerbe ist, aber darüber hinaus auch der Lohn für Fleiß, Einsatz und Aufopferung."
    Menecrates lächelte, bevor er fortfuhr. "Wenn mich morgen jemand fragt, wie ich zu diesem neuen Stückchen Land gekommen bin, werde ich sagen: Jeder, der Willens ist, kann es sich verdienen. Es kommt nicht zugeflogen, aber es ist für jeden machbar. Vielen Dank, mein Kaiser. Ich nehme dein großzügiges Angebot selbstverständlich an, weil es einer Auszeichnung gleichkommt."

    Vor Monaten wäre Menecrates noch zügig zum Atrium aufgebrochen, weil er sich während seiner Amtszeit nie gestattete, durchzuatmen und die Dinge auch einmal geruhsam anzugehen. Mittlerweile beherrschte ihn wieder die ihm eigene Ruhe und so schlenderte er nach der Benachrichtigung durch den Gang. Als er eintraf, ging er mit einem Lächeln auf Annaeus zu.


    "Geplant war sie nicht, die Cena im Atrium, aber da wir uns einmal hier begegnen, warum nicht. Sei gegrüßt, Annaeus." Eigentlich trafen sie sich in letzter Zeit des öfteren und zwar auf dem Gelände der Praesina, aber heute sahen sie sich erstmalig. "Lass uns dort drüben Platz nehmen. Für zwei stehen immer Climen bereit und mehr werden an unserer Cena vermutlich nicht teilnehmen." Er wies in eine gemütlich eingerichtete Ecke des Atriums, von der aus die Sicht in den unweit gelegenen Garten möglich war,

    Die Abwicklung verlief schnell und äußert unkompliziert. Wenn doch vieles andere ebenfalls so leicht von der Hand gehen würde, dachte Menecrates bei sich. Er bedauerte ein wenig die Entscheidung seines Sekretärs, aber er respektierte sie natürlich.


    "Vielen Dank! Ich überbringe die Nachricht." Er erwähnte lieber nicht, dass sich Faustus darüber freuen würde, denn wie sollte er das dem Kaiser erklären.
    "Ich für meinen Teil habe damit alle Anliegen abgeklärt." Er blickte erwartungsvoll zum Kaiser. Möglicherweise gab es von seiner Seite weiteren Gesprächsbedarf.

    Die Freigabe des amtierenden Consuls als Gewissheit, die Erwartung des Kaisers im Gepäck und die eigenen Pläne ignorierend trat Menecrates vor das Gremium. Er fragte sich, wie das passieren konnte. Er wollte doch nach seiner Amtszeit zur schweigenden Mehrheit des Senats wechseln. Stattdessen stand er hier, als wären seine Aufgaben als Consul noch nicht erledigt. Er betrachtete für zwei, drei Augenblicke die Senatorenschaft, bevor sein Blick zu Tiberius schwenkte, den er für heute geladen hatte. Er nickte ihm andeutungsweise zu, grüßte den anwesenden Kaiser ebenfalls mit einem deutlichen Nicken und holte noch einmal Luft.


    "Werter Kaiser, werte Senatoren, Tiberius." Er ließ bei Tiberius das wertschätzende Begrüßungswort fort, denn der Trecenarius wurde nicht nur namentlich von ihm erwähnt, sondern auch einzeln mittels Kopfnicken begrüßt. "Wie bereits angekündigt, debattieren wir heute noch einmal über das Ergebnis der Ermittlungskommission zum Sklavenaufstand, insbesondere über die Stellung der Frauen im öffentlichen Leben. Ich habe dazu den Trecenarius Tiberius Verus geladen, der für mich DIE maßgebliche Stütze bei der Kommissionsarbeit war. Die Anwesenheit des Kaisers zeigt den Anspruch an diese Debatte: Sie soll richtungsweisend sein und nicht durch Unentschlossenheit, Angst vor Veränderung oder Übermut ins Nichts führen."
    Eine Atempause läutete das neue Thema ein.


    "Bevor ich den Einstieg in die Diskussion liefere, möchte ich den Trecenarius Tiberius für eine Auszeichnung vorschlagen. Abgesehen davon, dass er alle von der Kommission benötigten Personen ausfindig und gewünschte Verhöre im Kerker möglich gemacht hat, war er einer der aktivsten Ermittler vor Ort, wenn es um die Befragungen und die daraus resultierenden Schlussfolgerungen ging. In seinem Engagement wog er für mich so viel wie fünf andere Kommissionsmitglieder zusammen. Ich müsste an dieser Stelle nicht noch einmal erwähnen, wie reduziert der Einsatz diverser Senatoren war, aber ich mache es, um dem Senat vor Augen zu führen, dass hier und jetzt eine gute Möglichkeit für einer Revanche besteht. Lasst uns Tiberius eine Diploma verleihen." Damit war klar, Menecrates strebte eine Auszeichnung vom Senat an. Das Mindeste aus seiner Sicht, was den mangelhaften Einsatz einzelner Senatoren auch nicht aufwog. Er blickte zu Scato, der - wie er fand - einer derjenigen war, der in Bezug auf die Kommission etwas gutzumachen hatte.


    Consul Caius Terrasidius Balbinus
    [Haus des Consuls]
    Roma


    Consul, ich möchte dich bitten, mir während der nächsten Senatssitzung das Wort zu erteilen. Das Thema wird noch einmal die Stellung der Frau im öffentlichen Leben sein.
    Ich möchte dazu den Trecenarius Tiberius Verus als Zeuge befragen.


    H. Claudius Menecrates