Die SL hat eine PN mit der Bitte um befristete Schreibrechte für Tiberius im Senat.
Beiträge von Herius Claudius Menecrates
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Menecrates konnte der Sicht des Kaisers folgen und nickte, auch wenn ihm persönlich dieses Ergebnis nicht reichen würde. Aber er war auch nicht der Kaiser und musste auch kein Reich regieren. Er fungierte als Werkzeug des Herrschenden und es würde sich zeigen, wie sehr das Ergebnis dieser Tätigkeit auch ihn befriedigte.
Auch die nachfolgende Aussage im Hinblick auf eine Einladung quittierte Menecrates mit einem Nicken. Es schien alles gesagt, sodass er glaubte, das Thema wechseln zu können.
"Mein Kaiser, ich hätte zum Abschluss eine Bitte. Es handelt sich, wie eigentlich immer, um einen anderen, für den ich mich einsetze. Die Bitte allerdings ist sicherlich einmalig. Helvetius Faustus möchte gern aus dem Ordo Senatorius entlassen werden. Der Ordo hindert ihn daran, unbehelligt einen Teil seiner Betriebe weiterzuführen. Er fürchtet, durch das neue Marktgesetz gibt es schärfere Kontrollen, denn bisher hat es keinen Aedil geschert, dass er unerlaubter Weise Betriebe führte, die er nicht hätte führen dürfen."
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... aus der Villa Claudia gab eine Einladung ab.
Ad
Titus Annaeus Trabea
Casa Annaea
Roma
Salve Annaeus,
ich lade dich hiermit zu einer kleinen Cena ein, auf der wir alles besprechen können.
Welchen Tag du auswählst, überlasse ich gerne dir. Nach meinem Amt ist der Alltag wieder eingekehrt und ich bin jeden Tag zur Cenazeit in der Villa anzutreffen.[Blockierte Grafik: http://up.picr.de/28136474nt.gif]
gez. H. Claudius Menecrates

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... aus der Villa Claudia brachte einen Brief vorbei.
Ad
Aulus Tiberius Verus
Villa Tiberia
Roma
Salve Tiberius,
ich lade dich hiermit zu einer Senatsdebatte
ANTE DIEM XV KAL IUN DCCCLXVIII A.U.C. (18.5.2018/115 n.Chr.)
in die Curia Iulia ein und bitte um dein Erscheinen.Ziel der Debatte ist das Einholen eines Meinungsbildes sowie mögliche Konsequenzen im Hinblick auf den Sklavenaufstand unter Berücksichtigung unserer Ermittlungsergebnisse.
[Blockierte Grafik: http://up.picr.de/28136474nt.gif]
gez. H. Claudius Menecrates

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Menecrates beobachtete zufrieden, wie sich die beiden Stellvertreter austauschten. Er hielt sich mit Absicht zurück, um seinem Sohn den neuen Kontakt zu ermöglichen. Andererseits sollten sich die beiden Männer nicht beobachtet fühlen, also widmete sich Menecrates den Vorgängen auf der Rennbahn. Mit halbem Ohr hörte er natürlich Annaeus' Enttäuschung über Syennesis. Menecrates wiegte den Kopf. Ein Absturz um zwei Plätze wog viel, aber solange es nicht weiter bergab ging, zeigte er sich zufrieden.
In Runde vier brach leider schon wieder ein grüner Fahrer ein. Es handelte sich dabei um Braecus, dessen Fahrfehler Syennesis auszunutzen wusste und sich wieder um einen Platz nach vorn schob. Sotion und Tanco verteidigten erfolgreich die beiden Führungsplätze. Tisander konnte das Tempo nicht halten und fiel wieder um einen Platz zurück. Möglicherweise musste er sich aber auch erst mit dem neuen Gespann einfahren, was nicht immer auf Anhieb klappte.
Überraschenderweise rutschte der goldene Fahrer Pythocles auf den letzten Platz ab.
Die Reihenfolge nach Runde vier:
1) Sotion
2) Tanco
3) Syennesis
4) Rianorix
5) Braecus
6) Hermippus
7) Tisander
8 ) Pythocles
Die fünfte Runde nutzten offensichtlich alle Fahrer zum Halten ihrer Position - bis auf einen. Viele hielten es für einen Fehler, zu zeitig vor der Endrunde das Tempo zu erhöhen und einen Ausbruchversuch zu starten. Pythocles gehörte nicht zu ihnen, denn er startete als einziger einen Angriff. Er wollte nicht mehr Schlusslicht sein und griff als erstes Tisander an. Der Nachwuchsfahrer der Praesina hatte nichts dagegenzusetzen. Menecrates zeigte sich keineswegs enttäuscht. Die gesamte Karriere lag noch vor Tisander. Vielleicht ein wenig für die Aurata enttäuschend, vielleicht auch längst erwartet, dass Pythokles an Hermippus vorbeizog. Aber das hatte nicht Menecrates zu beurteilen und er würde sich gewiss nicht in die Taktiken und Pläne seines Sohnes einmischen.Die Reihenfolge nach Runde fünf:
1) Sotion
2) Tanco
3) Syennesis
4) Rianorix
5) Braecus
6) Pythocles
7) Hermippus
8 ) Tisander -
"Ach, ich wusste noch gar nicht, dass die Mehrfachverleihung aus der Mode gekommen ist." Im Grunde fand er die neue Handhabung jedoch sinnvoll. Er nickte: "Ich kann der Argumentation folgen, sie macht Sinn. Ich lehne nicht alles ab, was neu ist." Sein Schmunzeln wirkte müde. Es gab bereits so vieles zu verarbeiten, sodass sein Kopf einen nennenswerten Spagat zwischen Abspeicherung, Beschlussfassung und weiterer Diskussionsführung machen musste.
Zunächst hörte er aber zu und musste staunen. Ihm war bisher nie zu Ohren gekommen, dass viele wegen der nachträglichen Änderungen gegangen waren. Sein Lager bestand ausschließlich aus Konservativen. Da wurden die rückgängig gemachten Fehltritte gefeiert.
"Der Senat ist so oder so nicht zu überzeugen." Menecrates merkte selbst, wie desillusioniert er wirkte, dabei betrachtete er die Situation nur realistisch und nicht pessimistisch. Seine Erfahrungen warfen kein anderes Ergebnis aus. Immerhin realisierte er, dass der Kaiser ein wahrhaftes Interesse an einer Bearbeitung des Themas besaß.
"Ja, dann", er atmete noch einmal hörbar und etwas schwerfällig durch, "packen wir es also noch einmal an." Menecrates ging mit einem Minimum an Erwartungen in die geplante Senatsdebatte. Erfolge erwartete er nicht, wohl aber den Verlust weiterer Nervenzellen."Soll ich dir eine Einladung zukommen lassen oder ist davon auszugehen, dass du ohnehin in naher Zukunft jedweder Senatssitzung beiwohnen wirst?"
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Zuerst überraschte ihn die Nachfrage, ob sowohl der Kaiser als auch er selbst eine Diplomae verleihen sollte. Es brauchte einen Moment des Nachdenkens, ob diese Variante eine bessere darstellte als die Ursprungsidee. Da er sich auf die Schnelle nicht festlegen konnte, teilte er seine Gedanken mit.
"Soweit mir bekannt ist, gibt es für manche Leistungen Diplomae im Doppel- oder Mehrfachpack. Ich bin bisher nicht davon ausgegangen, dass dies nur Personen mit außerordentlichen Beziehungen betrifft.“ Obwohl er sich dieser Annahme nicht gänzlich entziehen konnte. „Ich hatte jedenfalls nicht vor, dich in Bezug auf eine Auszeichnung zu nötigen. Dein Auszeichnungsverhalten geht mich rein gar nichts an."
Von den Frauenbeschäftigungen konnte er dies allerdings nicht behaupten, denn er fühlte sich davon gestört und glaubte sogar, darin eine Gefahr für das Reich zu sehen. Entsprechend gespannt hörte er den weiteren Ausführungen zu. Ungläubigkeit war es, die seine Lippen öffnen ließ, als er des Kaisers Maßgabe in Bezug auf die Mos Maiorum hörte: das Handeln neuzeitlicher Kaiser. Er erwog, ob der höchste Mann im Reich ihn vielleicht nicht ernst nahm.Erst als der Kaiser geendet hatte, schloss er wieder den Mund. Er musste sich sammeln, bevor er reagieren konnte. Wie unter Schock stehend wiederholte er einzelne Worte.
"Niemand störte sich daran?" Sein Blick irrte auf der Suche nach Halt in der Aula umher. Er schwankte zwischen Resignation und Aufbegehren, als er fortfuhr.
"Die Chronisten haben jedenfalls nicht mich und meine Freunde befragt, als sie dieses Ammenmärchen für die Nachwelt festhielten. Viele sind gegangen und nicht zurückgekehrt wegen dieser Zustände." Menecrates kannte Iulianus und hielt ihn für keinen geeigneten Maßstab, um an ihm eine Regierungsführung auszurichten. Abgesehen davon wurzelten seine persönlichen Traditionen deutlich tiefer als nur bis zu diversen neuzeitlichen Kaisern."Ich fürchte, wir meinen Verschiedenes, wenn wir von der Mos Maiorum sprechen." Bei diesem Satz überwog die Resignation, auch wenn Menecrates noch einmal durchdachte, was der Kaiser im Bezug auf den Senat und einen fortgeführten Dialog von ihm wünschte. Das klang nach einem Hoffnungsschimmer. Andererseits stand Menecrates gänzlich alleine und das Stimmungsbild der Senatoren kannte er bereits - glaube er zumindest. Er hatte weniger als wenig Lust, sich ein zweites Mal darauf einzulassen und seufzte hörbar. Ablehnen konnte er offensichtlich auch nicht.
"Einverstanden, unter einer Bedingung: Ich stelle mich kein zweites Mal alleine vor die Senatorenschaft. Tiberius, der maßgeblich an den Schlussfolgerungen der Kommissionsarbeit beteiligt war, soll vor dem Senat aussagen. Außerdem möchte ich ihm MEINE Auszeichnung dort überreichen." Er machte eine Armbewegung, die ausdrückte, dass der Satz eine Fortführung haben könnte, je nachdem, ob der Kaiser nun seinerseits auszeichnete oder nicht. Menecrates musste zugeben, dass einer Auszeichnung des Kaisers in diesem Fall eine besondere Bedeutung zukommen würde.
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Als Menecrates das Gelände der Rennbahn betrat, lagen ihm noch die Aussagen seines Vicarius' in Erinnerung. Er wünschte sich aus, dass klärende Worte an Syennesis gerichtet nach diesem Rennen nicht nötig waren, aber das blieb abzuwarten. Er trat heran und grüßte zunächst seinen Sohn.
"Salve Galeo. Wir haben uns heute zwar schon gesehen, aber zweimal grüßen hält besser als einmal. Wie ich sehe, geht die Aurata mit einem neuen Fahrer an den Start?" Er wusste davon im Vorfeld, aber er traf den Mann heute erstmalig. Auf die Entfernung hin konnte er auch nicht viel erkennen. Anschließend sah er sich nach Trabea um. Sein Vicarius wollte sowohl Syennesis als auch Tisander neue Gespanne geben. Menecrates sah zwar die Fahrer von weitem, wie sie ihre Pferde warmlaufen ließen, aber wer welche Tiere angespannt hatte, konnte er nicht ausmachen. Zu viele Tiere ähnelten sich. Die farblich einheitlichen Gespanne, die sich zudem voneinander unterschieden, spannte man vornehmlich zu Schauzwecken an. Im Training ging es um Leistung, um ein optimales Ergebnis und die harmonischste Lösung sowohl für die Tiere als auch für die Fahrer.
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Sim-Off: 
"Im Ernst?" Menecrates blickte Trabea zweifelnd an, als der in Marsyas so viel Potential sah. "Ich fürchte, du kennst die früheren Platzierungen nicht. Allerdings, der Junge steht noch ganz am Anfang. Letztlich halte ich Tisander dennoch für das größere Talent." Anschließend hörte er sich die Meinung des Vicarius in Bezug auf Syennesis an. Er nickte.
"Ja, versuchen wir es bei Syennesis mit einer Umstellung. Trainingsrennen sind dazu da, verschiedenes auszuprobieren. Ich habe übrigens eine Anfrage der Aurata zu einem Rennen. Um die Organisation brauchst du dich dieses Mal nicht kümmern. Da habe ich den kürzeren Draht, weil der Vicarius der Aurata mein Sohn ist. Wir besprechen die Einzelheiten beim nächsten privaten Essen. Antreten werden vier gegen vier. Ich werde Marsyas pausieren lassen, dann zieht Tisander, was die Anzahl der Rennen betrifft, mit ihm gleich. So können wir die beiden besser vergleichen."
Zu den Aufhängeorten der Trainingspläne nickte Menecrates wieder. Sie schienen ihm bestens geeignet, damit sich jeder direkt oder indirekt Betroffene bequem informieren konnte."Ich hätte übrigens nichts dagegen, wenn du die klärenden Worte gegenüber nachlässigen Fahrern finden würdest, aber warten wir bei Syennesis das kommende Rennen ab. Und mit erfahrenen Pferden für Tisander bin ich einverstanden. Mal sehen, was er mit ihnen auf die Beine stellt."
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"Das finde ich allerdings auch!", pflichtete Menecrates sichtlich genervt bei und blickte auffordernd zum amtierenden Consul Caius Terrasidius Balbinus. Während es innerhalb Menecrates' Amtszeit zuweilen viel zu hitzig zuging, ödeten den Claudier die Sitzungen unter der neuen Führung regelrecht an. Den beiden Consuln das Heft aus der Hand zu nehmen, wagte er allerdings nicht, schließlich leitete er seit etlichen Wochen keine Senatssitzung mehr und Flavius trat auch relativ spät zu seinem Abschlussbericht an.
"Ich möchte mir keine Amtsanmaßung nachsagen lassen, aber der Vorschlag zu einer Auszeichnung erging schon längst, nämlich von mir. Der Kaiser brachte bereits vor - nun ja gefühlt - Stunden eine Abstimmung ins Gespräch. Wäre es nicht vielleicht angebracht, endlich damit zu starten?" Sehnsüchtig blickte er dem Feierabend entgegen.
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Für Menecrates völlig überraschend lag der Nachwuchstfahrer Tisander aktuell auf dem letzten Platz. Dieser junge Mann, fast noch ein Bursche, konnte ansonsten mit der Stabilität guter Leistungen aufwarten, was bei Syennesis nicht der Fall war. Allem Anschein nach würde die Reihenfolge der beiden am Ende des Feldes so bleiben. Menecrates erkannte bei ihnen kein Potential für einen Überraschungsangriff. Den allerdings legten Marsyas und Strabax gemeinsam hin. Die beiden Fahrer schienen sich gegenseitig herauszufordern und zogen ganz unbemerkt an dem bis dahin Zweitplatzierten Rianorix vorbei.
"Puh", kommentierte Menecrates die aufkommende Spannung beim Endspurt. Es musste hart sein, in der letzten Runde einen sicher geglaubten guten Rang abgeben zu müssen. An der Spitze fuhr Braecus souverän und rettete ohne größere Anstrengung den Sieg ins Ziel. Da Rianorix abrutschte und Marsyas und Strabax das Feld von halbwegs hinten aufrollten, bildete sich ein nennenswerter Rückstand dieser beiden auf den siegreichen Fahrer. Die Freude stand ihnen trotzdem im schmutzverschmierten Gesicht, als sie über die Ziellinie rollte.
Der Zieleinlauf nach Runde sieben:
1) Braecus
2) Marsyas
3) Strabax
4) Rianorix
5) Syennesis
6) Tisander -
Die Zeit des Murmelns ohne ergebnisfördernde Redebeiträge wurde Menecrates irgendwann zu lang.
"Ich schlage vor, wenn sich innerhalb einer zumutbaren Zeit der Überlegung niemand zu Wort meldet, der etwas gegen eine Auszeichnung vorbringt, sollten wir es als beschlossen hinnehmen, Flavius Gracchus Minor für seine geleistete Arbeit mit einer Diploma auszuzeichnen."
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Zu einer guten Kommunikation gehörten zwei höfliche Gesprächspartner, weswegen nun Menecrates seinerseits geduldig zuhörte, auch als der Kaiser das Gespräch in zwei Richtungen führte. Eine Zwischenantwort verbot sich von selbst. Als der Kaiser endete, entschloss sich der Claudier, zuerst auf den zweiten Teil einzugehen, weil der erste ihm geeignet schien, auf das Hauptthema umzuschwenken.
"Ich wollte auf gar keinen Fall einen direkten Vergleich zu einem Triumphzug herstellen. Es würde die Verdienste ehemaliger Feldherren schmälern, daher möchte ich lieber ganz Abstand nehmen, bevor auch andere die Ehrung mittels einzelnem Lorbeerblatt falsch verstehen. Was allerdings EINE Diploma betrifft - ich habe selbst verschiedene Diplomae für mit Auszeichnung bestandene Kurse erhalten. Um ehrlich zu sein, habe ich mich dafür kurzfristig hingesetzt und mit Fleiß und Ehrgeiz Wissen erarbeitet. Tiberius hat aber über Monate, fast ein ganzes Jahr hervorragende Arbeit geleistet.
Würdest du die Verleihung zweier Diplomae befürworten?"Er ließ die Frage kurz im Raum stehen, bevor er auf die erste Aussage des Kaisers einging.
"Das Wort 'mühsam' beschreibt die Senatspolitik recht treffend." Er hätte nun ein Klagelied anstimmen können, aber zum einen glaubte er, es würde nichts ändern, und zum anderen wollte er sich auch nicht als hilflos jammernd darstellen. Er wollte etwas bewegen.
Er verstand, dass der Kaiser seinen persönlichen Freiraum wünschte und nickte einsichtig."Der Punkt ist, dass der Senat nichts entscheiden wird, denn Lethargie und Ängstlichkeit sitzen als Gremiummitglieder in den Reihen. Ich denke aber, dass Rom nach den Unruhen eine Zeichensetzung braucht. Bisher wurde außer den Hinrichtungen zu wenig unternommen, um Rom zur alten Stabilität zurückzuführen.
Ich bin heute hier, um über den Inhalt meines Schreibens kurz vor dem Ende meiner Amtszeit mit dir zu sprechen. Wenn ich davon ausgehe, dass meine Ideale sich in Allgemeinen mit deinen Interessen der Rückkehr zur Mos Maiorum decken, dann müsste doch ein für alle Seiten tragbarer Kompromiss möglich sein. Nichts würde ein stärkeres Zeichen setzen, als der Schulterschluss zwischen Kaiser und Senat. Fast glaube ich, dass jedwedes Ergebnis nur über eine gemeinsame Debatte möglich ist." -
Keine Arbeit, damit war der weitere Tagesverlauf gerettet. Er atmete einmal befreit durch, dann lauschte er dem kurzen Bericht. Er beglückwünschte sich erneut zu seinem Entschluss, Morrigan mit der Haushaltsführung beauftragt zu haben. Sie handelte selbstständig, was ihn erheblich entlastete. Außerdem konnte er sicher sein, dass sie nichts Abwegiges entschied.
"Das ist gut", lobte er daher als erstes. Dann jedoch kamen ihm Bedenken, weil eine eingekaufte Sklavin auch Geld kostete. "Jetzt fehlt sicherlich Geld in der Haushaltskasse." Er nahm die Hände aus dem Nacken und setzte sich aufrecht hin. "Ich möchte, dass es im Haus an nichts fehlt und ich möchte, dass du vorzeigbar gekleidet und frisiert bist." Was für den Claudier unter vorzeigbar lief, rangierte möglicherweise andernorts unter luxuriös. Er legte zwar keinen Wert auf Unmengen an durchschnittlichen Tuniken, aber auf eine der Notwendigkeit angepasste Anzahl an erlesenen Kleidern, samt Zubehör."Nimm dir, was du brauchst aus der Truhe. Die Abrechnung machen wir aber andermal." Wie gesagt, er wollte sich den Tag nicht mit Arbeit verderben. Stattdessen fasste er die Gelegenheit beim Schopf, um eine seit Tagen ungeklärte Fragestellung zu thematisieren. Sein Blick folgte zunächst ihrem und blieb an der Naschschale hängen.
"Ab und zu eine kulinarische Belohnung ist recht angenehm", gestand er. "Ich hoffe, du suchst nur Dinge aus, die keinen Fettwanst aus mir machen." Er lachte und hoffte so, Morrigan in einer unangespannten Gemütshaltung zu belassen, als er sich zur Seite lehnte und nach einem Stuhl angelte. Er zog ihn derart heran, dass er Morrigan anschauen konnte, wenn sie Platz nahm."Komm, setz dich. Ich habe eine Frage."
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Erfreut nahm Menecrates zur Kenntnis, dass der Kaiser den Vorschlag zur Auszeichnung für eine gute Idee hielt. Überzeugungsarbeit war also nicht vonnöten, nur noch das Aufspüren einer adäquaten Auszeichnung und hier lag für Menecrates der Hase im Pfeffer.
"Ich wollte das Thema Auszeichnung mit dir erörtern, wofür es zwei Gründe gibt.
Zum einen halte ich eine Diploma, die einfach zu verleihen gewesen wäre, für nicht angemessen. Tiberius stand in keinem Amt, ist keine Person der öffentlichen Verwaltung, er hat keine Verpflichtung übernommen, die er besonders gut gemeistert hat, wofür eine Diploma häufig als Auszeichnung verwendet wird. Er ist schlicht und ergreifend freiwillig der Untersuchungskommission beigetreten und hat in seinem Engagement Consulare und Senatoren weit hinter sich gelassen, bei denen zumindest ich ein Pflichtbewusstsein erwartet hatte.
Er ist Militärangehöriger, aber seine zu würdigende Leistung hat er nicht auf militärischem Sektor erbracht, was die Wahl der Auszeichnung nicht leichter macht.Zum anderen habe ich mich während meines Consulats häufig genug in einem Dilemma befunden, weil ich schlicht nicht wusste, wo ich mich hinwenden soll. Das meine ich nicht inhaltlich, sondern in Bezug auf Entscheidungsfreudigkeit. Bin ich zuerst zum Senat gegangen, wurde ich an dich verwiesen. Der Senat wolle nicht entscheiden, ohne deine Meinung zu kennen. Habe ich mich an dich gewandt, lautete die Antwort häufig genug, der Senat soll nicht übergangen werden. Gleich wie ich es anstellte, es konnte nur verkehrt sein.
Ich bin jetzt davon ausgegangen, dass ich im Senat zu keinem Ergebnis gekommen wäre, da mir eine einzelne Diploma nicht vorschwebt. Deswegen stehe ich mit diesem Thema hier."Er hob ein wenig hilflos die Hände. Manches Mal entstand bei ihm der Eindruck, die klugen Köpfe Roms behinderten sich gegenseitig.
"Mir ist bewusst, dass meine Worte als Kritik aufgefasst werden können, aber ich hoffe, dass sie als Hinweis wahrgenommen werden, dass die römische Verwaltung eine gewisse Lahmheit zu verzeichnen hat und wir gut daran tun würden, sie etwas freizuschaufeln."
Ganz ohne Vorschlag wollte Menecrates nicht enden, weil er gerade erst Lahmheit angeprangert hatte. Vorlagen stellten für ihn ein geeignetes Mittel dar, worauf das Gegenüber reagieren konnte, ohne sich übergangen zu fühlen. Vorlagen hätte sich Menecrates auch von Seiten des Senats gewünscht statt der Rückzugstaktik. Vorlagen konnten auch verworfen werden oder zu Neuem inspirieren.
"Ich habe mir im Vorfeld Gedanken gemacht und tendiere zu einer öffentlichen Auszeichnung der anderen Art, weil der Trecenarius in keine der üblichen Schubladen passt. Ich erwähnte es bereits. Außerdem ist mir positiv aufgefallen, dass er in einer Zeit, wo die Traditionen an Wert verloren haben, an römischen Tugenden festhält, was nicht leicht im Alltag umzusetzen ist und für mich eine Art Vorbildwirkung hat." Er atmete einmal durch, dann fuhr er fort. "Würde man all seinen bisherigen Einsatz für das Reich bündeln, könnte man es möglicherweise rechtfertigen, in Abwandlung einer für einen siegreichen Feldherrn üblichen Ehrung, ihm ein einzelnes Lorbeerblatt in Kombination mit einer Diploma zu verleihen." Er blickte den Kaiser erwartungsvoll an, wohl wissend, dass sein Vorschlag kaum unüblicher sein konnte. Möglicherweise produzierte dieser unkonventionelle Gedankengang seinerseits beim Kaiser innovative Ideen, die Menecrates gerne anhören würde. -
"Oh", rutschte es Menecrates heraus, als er bemerkte, dass er sich auf dem Holzweg befand. Es ging dem Kaiser um die Einschätzung der Gewichtung, nicht um die Anzweifelung der Frauenbeteiligung. Andererseits hatte sich Menecrates diesbezüglich bereits festgelegt und es gab keinen Grund, die Aussage zu revidieren. Der Claudier angelte gedanklich noch einmal nach dem bereits von ihm geworfenen Handtuch und setzte zu einer Erklärung an.
"Also, ich bleibe dabei." Er hob die geöffnete Hand, senkte sie aber wieder, bevor er weitersprach. "Als Hauptursache für den Sklavenaufstand sehe ich die katastrophalen Zustände in der Subura. Ich erachte es für notwendig, die grundlegenden Existenzbedingungen für die Menschen dort zu verbessern. Vielleicht öffentliche Essensausgaben, mehr Sicherheit auf den Straßen, eine bessere medizinische Versorgung usw. Das bliebt zu diskutieren."
Wo und wann das offiziell passieren würde, wusste Menecrates nicht. Er besaß für sich selbst einen Plan. Er wollte zuerst mit dem Kaiser sprechen und anschließend im Senat. Die Reihenfolge ergab sich zwangsläufig, weil sich der Senat als handlungsunfähig erwiesen hatte, als Menecrates einen ersten Vorstoß in Richtung Bewahrung der Traditionen gehen wollte.
"Es bleibt aber auch dabei, was die Einschätzung der Frauen betrifft: Die schlechte Versorgungslage für sie und ihre Familien hat sie aktiviert und den Mut, sich tatsächlich zu erheben, haben sie aus der Instabilität Roms gezogen, das sich nicht mehr ausreichend an den Traditionen orientiert."Ein Resümee zu ziehen, wo angesetzt werden soll, bereitete Schwierigkeiten. Er musste abwägen und entschied sich, den ersten Schritt vor dem zweiten zu gehen, obwohl ihm insbesondere der zweite sehr am Herzen lag. Um etwas in Richtung erstem Schritt tun zu können, dafür brauchte er die anderen Senatoren nicht. Er hatte damit bereits während seiner Amtszeit begonnen.
"Trotz aller Zusammenhänge empfehle ich, sich im ersten Schritt der Lebenssituation in der Subura anzunehmen." -
Menecrates bemerkte im Augenwinkel, dass jemand auf ihn zukam und grüßte. Er wandte den Blick und grüßte seinerseits, bevor er sich wieder dem begonnenen Gespräch mit Annaeus zuwandte, zumal das Rennen ja weiterlief und er nichts verpassen wollte.
"Wir sollten Syennesis beim nächsten Rennen ein gänzlich anderes Gespann geben. Die Abstimmung hapert. Eigentlich stimmt gar nichts." Das Rennen ging in die fünfte Runde und brachte einen Angriff von Marsyas mit sich. Menecrates staunte, denn im Grunde traute er diesem Nachwuchslenker wenig zu. Plötzlich fiel ihm die Anmerkung bezüglich des Medicus ein, weswegen er sich erneut an Annaeus wandte.
"Kein Problem. Jeder Fahrer und jedes Pferd soll optimale Fürsorge erhalten. Nur ein schmerzfreies Tier kann Höchstleistungen bringen und neben Muskelaufbau sind das Lösen von Verspannungen oder Wirbelblockaden gleichermaßen wichtig." Er riss den Arm nach oben. "Tisander rutscht ab!" Das überraschte ihn ähnlich wie Marsyas' Überholerfolg.
Die Reihenfolge nach Runde fünf:
1) Braecus
2) Marsyas
3) Strabax
4) Rianorix
5) Tisander
6) Syennesis -
Menecrates nickte. "Mein Eindruck basiert auf dem, was ich gehört, aber vor allem dem, was ich gesehen habe. Es wurden Frauen wie Männer als Aufständische hingerichtet und ich war Augenzeuge beim Ausbruch der Unruhen. Damals bei den Spielen habe ich auch Frauen unter den Angreifern ausgemacht." Zwar lag sein Augenmerk sicherlich nicht auf den Angreifern, sondern richtete sich auf dem Schutz seiner Enkelkinder, aber ein Bild stand ihm deutlich vor Augen, was er sicherlich Zeit seines Lebens nicht vergessen würde.
Gleichzeitig drängte sich ihm der Eindruck auf, dass der Kaiser gern anderes gehört hätte. Menecrates war zu müde, um andere entgegen ihren Wünschen umzuorientieren. Noch einen Satz, sagte er sich, danach gebe ich auf.
"Die Aufrufe und Parolen richteten sich an Sklaven und die Ärmsten in der Subura. Jeder musste sich angesprochen fühlen, ganz gleich welchen Geschlechts."
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Menecrates befand sich zwar überpünktlich auf dem Gelände, aber die Unterredung mit einem unangekündigten Investor hielt ihn auf, sodass er den Start verpasste. Er traf ein, als die Fahrer bereits einen Teil der ersten Runde absolviert hatten. Wenig überraschend lag Syennesis wieder hinten. Menecrates schüttelte den Kopf.
"Salve Annaeus!" Er nickte außerdem zum Gruß, dann blickte er auf die Rennbahn. "Ich habe gerade einen Investor abgelehnt, der sich mit Geld ein Mitspracherecht erkaufen wollte. Ich denke, wir werfen erst einmal unser beider Erfahrungen in den Topf und erst wenn wir merken, unsere Strategien führen nicht zum Erfolg, können wir uns immer noch schlaue Köpfe einkaufen. Wir haben keine Finanznot, also brauchen wir aktuell auch keinen Investor." Er verfolgte die Fahrt um die Wendemarke, die nicht von allen Fahrer gleichermaßen gut gemeistert wurde.
"Unser teuerster Zukauf Syennesis bereitet mir Kopfzerbrechen. Mal fährt er ausnehmend gut, dann wieder enttäuscht er. Schau nur, Marsyas überholt ihn gerade. Letzter Platz!" Menecrates hob verständnislos die Arme und ließ sie resigniert sinken. "Rianorix und Braecus sind die dienstältesten Praesinafahrer, wenn man das in ihrem Alter überhaupt so sagen darf. Mit beiden bin ich recht zufrieden. Schau, sie duellieren sich an der Spitze."
Ob Annaeus zu den gesprächigen oder schweigsamen Mitstreitern gehörte, würde Menecrates umgehend herausfinden. Er würde mit beiden Varianten zurechtkommen.Reihenfolge nach Runde zwei:
1) Braecus
2) Rianorix
3) Marsyas
4) Tisander
5) Strabax
6) Syennesis