Beiträge von Herius Claudius Menecrates

    Als Morrigan klopfte, saß Menecrates zwar an seinem Schreibtisch, aber er arbeitete nicht. Stattdessen saß er zurückgelehnt, hielt die Hände hinter dem Kopf gefaltete und blickte Richtung Zimmerdecke. Schön wäre, wenn sich der Stuhl zum Schaukeln eignen würde. Damit hätte er gänzlich in Tagträumen versinken können. So aber balancierte er am Rand der Fantasiewelt entlang und der Sprung zurück in die Wirklichkeit gelang ihm leicht. Er behielt die Sitzhaltung bei, während er den Blick auf den sich öffnenden Türspalt richtete.


    "Morrigan." Die Feststellung beinhaltete keine Überraschung und natürlich auch keine Verärgerung über die Störung. Er befand sich eher in Plauderlaune als im ich-möchte-alleine- sein-Modus.
    "Komm rein. Was gibt es?" Er überlegte sich, schnell eine Hoffnung nachzureichen, weil er keinerlei Lust verspürte, sich Pflichten, gleich welcher Art, hingeben zu müssen.
    "Ich hoffe, keine Arbeit."

    Die Fragen kamen gezielt und ließen Vorwissen erkennen. Daher konnte sich Menecrates auf den Inhalt einlassen, ohne Sorge zu haben, dass das Einmaleins des Rennsports fehlte.
    "Ja, unsere Trainingsbahn ist so ausgelegt, dass sieben Runden ein Rennen ausmachen. Die Fahrer sollen mit ihren angestammten Gespannen an den Start gehen. Wir beobachten und stellen nur bei Bedarf um." Er nickte zur Ankündigung, bei Anwesenheit aller Fahrer die Startboxen auszulosen.


    "Ich schlage vor, einen für alle einsichtbaren Trainingsplan hier im Verwaltungsgebäude aufzuhängen. So weiß jeder Fahrer, wann er an den Start gehen soll und außer ihm auch die Trainer, Sponsoren, das Betreuungspersonal und wir, die Factioführung."

    Zahlen lagen ihm natürlich nicht vor, aber ihm kam eine Idee, wie die Zusammensetzung eines Teils der Aufständischen im Nachhinein noch ermittelt werden konnte.


    "Ich möchte von dem Teil der Aufständischen absehen, die laut Zeugenaussagen nur die chaotische Situation für eigene Belange wie Plünderungen ausgenutzt haben. Sie gehören nicht zur Revolte.
    Aussagefähig ist allein das Geschlechterverhältnis derer, die die Motivation zum Aufstand miteinander teilten. Hier muss resümiert werden, dass über die verschiedenen Befragen hinweg immer pauschal von Unzufriedenen, Unterdrückten, Vergessenen, Hungernden, Hoffnungslosen und medizinisch Unterversorgten die Rede war. Es liegt auf der Hand, dass dies beiderlei Geschlecht betrifft und sich die Beschreibung weder ausschließlich auf Männer noch ausschließlich auf Frauen beziehen kann. Ein erheblicher Teil der Aufständischen bestand aus Unfreien, wie die Rädelsführerin selbst aussagte. Deren Geschlechterverhältnis in Rom kann leicht durch die Statistik sichtbar gemacht werden. Nicht zuletzt wurden viele Aufständische im Zuge der Ludi Palatini hingerichtet. Ich habe Frauen und Männer brennen oder anderweitig sterben sehen.


    Ich denke, auch wenn die Kerker mittlerweile leerer sind, die einst inhaftierten Aufständischen wurden sicherlich erfasst und können im Nachhinein auf ihr Geschlecht hin bestimmt werden, um einen Überblick zu bekommen."

    Mit Marcellus' Auftreten und Präsentation zeigte sich Menecrates sehr zufrieden. Der junge Mann vertrat sein Anliegen, ließ sich nicht entmutigen und bewahrte Haltung. Menecrates freute sich über dessen Entschlusskraft und hegte keine Zweifel, dass er den Termin beim Magister Augurum selbstständig meistern würde. Ein aufmunterndes Nicken beinhaltete Zustimmung und beste Wünsche zugleich.


    Nachdem der Kaiser Marcellus entlassen hatte, fasste Menecrates dessen Zuwendung zu seiner Person als Aufforderung zum Fortfahren auf. Er wartete, bis Marcellus die Aula verlassen hatte, dann begann er, sein nächstes Anliegen zu erklären.
    "Ich möchte die heutige Audienz vor allem zur Erörterung der Ergebnisse der Ermittlungskommission nutzen. Ich hatte dieses Versprechen in meiner Res Gestae abgegeben, ebenso wie die Fortführung der Debatte im Senat. Allem voran möchte ich jedoch eine weitere Bitte an dich stellen."


    Menecrates hielt inne und fuhr erst nach einer Atempause fort, um den Kaiser nicht das Gefühl der Überrumpelung zu geben.
    "Ich alleine hätte die Kommissionsarbeit nicht bewältigt. Ich habe sie sogar anfänglich unterschätzt und nicht geahnt, wie zeitintensiv und kräftezehrend solche Arbeit ist. Ohne meinen Quaestor und ohne ein weiteres in seinem Engagement herausragendes Kommissionsmitglied hätte ich am Ende meiner Amtszeit nicht von erfolgreich beendeten Ermittlungen sprechen können. Meinen Quaestor habe ich bereits für eine Auszeichnung vorgeschlagen. Heute stehe ich vor dir und möchte dich bitten, meine zweite Stütze mit einer Auszeichnung zu ehren. Es handelt sich um den Trecenarius Aulus Tiberius Verus."


    Er unterbrach, um dem Kaiser Gelegenheit zu geben, sich eventuell an den Mann zu erinnern, der schon vor der Kommission die kaiserlichen Ermittlungen geleitet hat.
    "Tiberius war nicht nur über die Maßen engagiert bei den Befragungen, sondern hat von der Kommission als wichtig erachtete Zeugen ausfindig gemacht und sie einer Befragung zugeleitet. Als bemerkenswert erachte ich die Tatsache, dass der Trecenarius, ungeachtet seiner eigenen - und teils anders lautenden - Ermittlungen im Vorfeld, die er anfänglich auch offensiv vertreten hat, sämtliche Eitelkeiten abgelegt und zum Wohle Roms alle Kraft auf den Erfolg der Kommission gerichtet hat. Er musste sich von eigenen Ergebnissen teilweise lösen und er ließ neue Erkenntnisse zu, wenn die Befragungen solche ergeben haben. Die Anstrengung, mit der er sich einsetzte, wiegen nicht einmal drei andere Kommissionsmitglieder zusammengenommen auf. Er war wie mein zweites Bein, während mein Quaestor als Gehstock fungierte.
    Und wenn ich jetzt betone, dass ich zu Beginn der Ermittlungen weder Tiberius besonderes Vertrauen entgegengebracht habe noch ihn sonderlich sympathisch fand, zeigt dies vielleicht am anschaulichsten, welche positive Entwicklung der Trecenarius genommen hat und welche Bedeutung ihm beim Ermittlungserfolg zukommt."


    Der Consular blickte abwartend zum Kaiser - bereit, weiter Rede und Antwort in dieser Sache zu stehen.

    Zitat

    Original von TIBERIUS AQUILIUS SEVERUS AUGUSTUS
    "Es würde mich freuen, wenn wir diesbezüglich weiter im Gespräch bleiben. Und es würde mich freuen, wenn du, Claudius, die Debatte weiterführen würdest." Der Kaiser wusste von einer gewissen Ermüdung des Claudiers. Aber Menecrates war der, der sich wohl am intensivsten mit der Thematik befasst hatte.


    Vor der eigentlichen Antwort erfolgte ein zweimaliges Nicken, währenddessen sich Menecrates schlüssig werden musste, was er selbst beabsichtigte. Es lief alles auf eine Fortführung der Aufarbeitung des Sklavenaufstandes hinaus, ob er nun wollte oder nicht. Er hatte sich die Pflicht auferlegt und konnte sie nicht mit dem Ende der Amtszeit abstreifen und weiterreichen.
    "Ich werde das Ziel nicht aus den Augen verlieren. Diese Zusage möchte ich heute geben."


    Die Aussage kam einer erneuten Verpflichtung gleich, aber Menecrates wäre nicht er selbst, wenn er auf halbem Wege stehenbleiben würde. Das Gespräch mit dem Kaiser stand an und danach würde eine erneute Senatsdebatte folgen.

    Menecrates nahm wohlwollend die Aussage entgegen, dass das Mitglied Commodus kein Problem darin sah, wenn sein Vorschlag abgelehnt wurde. Gleichzeitig hörte er von der Bereitschaft seines Vicarius', dass dieser erste Aufgaben übernehmen wollte.
    Menecrates blickte mehrmals zwischen den beiden Männern hin und her, denn er konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass unter der Decke noch immer eine gewisse Glut glomm, die er sich beim besten Willen nicht erklären konnte. Da ihm die beiden Männer aber nichts Erklärendes in die Hand gaben, rang er sich dazu durch, zur Tagesordnung überzugehen.


    "Nun gut", begann er und atmete einmal durch. "Lasst uns bitte unsere Kraft auf das Vorankommen der Praesina richten. Wenn wir uns gegenseitig verausgaben, dann freut sich nur unsere Konkurrenz. Kommen wir also zu konkreten Aufgaben, die uns voranbringen sollen."


    Er wandte sich an Annaeus. "Um unsere Leistungen zu verbessern, müssen wir ein kontinuierliches Training anbieten. Das Durchschnittsalter unserer Fahrer liegt unter dem aller anderen Factiones, weswegen ich unsere zwar engagierten, aber doch begrenzt erfahrenen Fahrer überwiegend im heimischen Rennstall trainieren lassen möchte, bevor ich Rennen mit anderen Factiones für sinnvoll erachte. Wir haben zwar schon mit der Aurata trainiert, aber es macht einen Unterschied, ob man mit Freunden trainiert oder mit ernsthaften Gegnern.
    Ich wäre dir verbunden, Annaeus, wenn du das nächste Trainingsrennen planst und ich möchte dich bitten, dazu den factiolosen Fahrer Strabax einzuladen. Unsere Fahrer haben sich mittlerweile mit ihm angefreundet und alle profitieren davon.
    Du hast jetzt Gelegenheit, alle Fragen dazu zu stellen, die dir einfallen."

    Wahrscheinlich würden nur wenige Themen Menecrates in den Senat locken, so lautete zumindest sein Vorhaben. Bislang zeichneten sich allerdings ausschließlich Themen ab, die ihn weitgehend interessierten. Die Kommissionsarbeit gehörte dazu. Obwohl sie offiziell für beendet erklärt wurde, lagen die Auswertung der Erkenntnisse und die daraus resultierenden Konsequenzen noch vor ihnen. Sie erforderten Senatsdebatten und Gespräche mit dem Kaiser, bei denen er sich in der Pflicht sah.
    Weniger Pflicht, sondern vielmehr freiwillig und gern auferlegt empfand der Claudier seine Anwesenheit bei der Res Gestae seines Quaestors des zurückliegenden Amtsjahres. Als Flavius sich erhob, schlich sich unwillkürlich ein Lächeln in Menecrates' Gesicht, das über die gesamte Zeit des Berichtes anhielt. Unabhängig davon würde er ein paar Worte aus seiner Sicht anschließen, denn wer, wenn nicht er, konnte den Wert der Tätigkeit beurteilen, auch wenn der junge Flavius allen Senatoren das Wort gönnte.
    Menecrates signalisierte, dass er das Wort erteilt bekommen wollte. Als er es erhielt, erhob er sich - wieder mit einem Lächeln, das um die Mundwinkel spielte.


    "Werte Senatoren, ich habe dem soeben Gehörten kaum etwas hinzuzufügen, denn die dem Flavius Gracchus Minor zu eigene Gründlichkeit lässt mir keinerlei Raum für inhaltliche Zusätze." Er lachte leise auf, bevor er ernster fortfuhr.
    "Ich kann mich glücklich schätzen, dass mir eine so wertvolle Hilfe zur Seite gestellt wurde, die - ganz gleich, was ich abverlangt habe - zuverlässig, kompetent und mit lobenswertem Engagement keine Wünsche offenließ. Über die Hilfe hinaus schätze ich mich aber auch deswegen glücklich, weil die Zusammenarbeit von Harmonie und Fruchtbarkeit geprägt war."


    Er schaute in die Runde, weil die Auskunft den Senatoren galt, bevor er bei Flavius verweilte und mit einem kleinen Lächeln kurz nickte. Anschließend wandte er sich wieder an die Senatorenschaft.
    "Ich möchte Manius Flavius Gracchus Minor für eine Auszeichnung vorschlagen und bitte um eure Zustimmung."

    Als der Kaiser und seine Gattin eintrafen, grüßte Menecrates beide mit einem Kopfnicken. Hätte er ihn heute direkt ansprechen müssen, was bei der Anzahl der Erschienen unmöglich war, dann wäre nach langer Zeit einmal wieder die Anrede Imperator fällig gewesen. Fast hatte sich der Claudier diese für ihn früher einzig richtige Anrede durch den vielen Verwaltungsdienst abgewöhnt.


    Wenig später begann der Imperator mit der Ansprache, der Menecrates nur beipflichten konnte. Als ruhig konnte man Rom in der letzten Zeit nicht bezeichnen und für fähig hielt er Livianus ebenfalls. Allerdings überraschte ihn die Ankündigung, dass die Kaiserin mit Livianus nach Germanien reiste. Er sah zur Augusta und erkundete mit Blicken ihr augenscheinliches Befinden. Er fragte sich, wo wohl der kleine Iulianus bleiben würde.
    Lange Zeit blieb ihm für diese Überlegungen nicht, denn es wurden die Auspizien eingeholt, auf die er sich konzentrierte. Er dachte dabei an seinen Großneffen, der vielleicht eines Tages selbst als Augur für den Kaiser tätig sein würde.


    Den Auspizien folgte eine weitere Ansprache, die für Livianus Wünsche, Erwartungen und eine Ernennung beinhaltete. Ein Schmunzeln umspielte Menecrates‘ Mund, denn als er vor Urzeiten Livinaus das erste Mal begegnete, kam dieser gerade aus Germanien und zwar von eben jener Secunda, die er in Kürze wieder befehligen würde. Es folgte der Schwur und auch ihm folgte Menecrates aufmerksam. Er glaubte dem Decimer jedes Wort.

    Als Faustus sprach, zog sich Menecrates eine Wachstafel heran und notierte den Vorfall mit der Stute in der Box VII.
    "Danke für den Hinweis", erwiderte er und nickte zustimmend, als sein Sekretär sich entschuldigte und verabschiedete.


    Den nachfolgenden Wortmeldungen hörte er aufmerksam zu. Noch vor der Wahl hatte er sich über die zahlreichen Mitglieder gefreut, weil er glaubte zu wissen, dass es in anderen Factiones durchaus ruhiger zuging. Dann aber verfolgte er staunend den wachsenden Zwist. Schlagartig wurde ihm klar, dass viele aktive Mitglieder gleichzeitig viele verschiedene Meinungen bedeuteten und es zu einer guten Factiogführung gehörte, auch dieses zu händeln.


    "Meine Herren, bitte!" Er hob beschwichtigend die Hände und ließ sie wieder sinken, als er fortfuhr. "Jeder soll seine Meinung sagen können und jeder gemachte Vorschlag soll geprüft werden. Je mehr Personen mitdenken, umso besser. Ich möchte sogar explizit dazu einladen, sich aktiv einzubringen. Natürlich kann nicht jeder Vorschlag umgesetzt werden und die Meinungen zu deinem Vorschlag", Menecrates schaute zu Commodus, "zeigen ein klares Meinungsbild gegen die Erhebung eines generellen Mitgliederbeitrages, ob nun eine Sesterze oder ungleiche Höhen. Niemand muss sich schlecht fühlen, wenn sein Antrag abgelehnt wurde. Bitte auch keine gegenseitigen Angriffe. Das kostet Kraft und wir können unsere Kraft sehr viel besser für den Aufschwung der Praesina gebrauchen."


    Menecrates blickte in die Runde und vermied es, einzelne Personen anzuschauen, denn seine Aussage richtete sich auch an alle Anwesenden.
    "Was die Finanzierung betrifft: Es ist mir möglich, regelmäßig größere Summen zu spenden und ich kann aus eigener Erfahrung versichern, dass wir gar nicht so viele Wagenlenker kaufen können wie ich sie bezahlen könnte. Ich möchte hier nicht protzen, ich versuche zu beruhigen. Auch für Wagenanschaffungen, Renovierungen, Pferde Einkäufe und anderes wird genug Geld da sein. Falls es zu Engpässen kommt, werde ich eine spontane Mitgliederversammlung einberufen."



    edit: doofe Tipfehler

    Während der Unterhaltung zwischen Kaiser und Marcellus hielt sich Menecrates zurück. Er konnte sich dadurch ein unverfälschtes Bild von seinem Großneffen machen, der - würde es heute um ein vorgezogenes Tribunat gehen - vermutlich bessere Chancen gehabt hätte als seine Cousins. Allerdings ging es bei der Vorsprache nicht um einen Offiziersposten und damit blieb der Vorstoß genauso ergebnislos wie die beiden Anfragen nach einem Tribunat.


    Menecrates fing sowohl zwischendurch als auch am Ende einen ratlosen Blick seines Großneffen auf. Eine sofortige Antwort fiel ihm für Marcellus nicht ein, er musste sich selbst zunächst sammeln. Daher kam es ihm gelegen, dass der Kaiser abschließend noch anfügte, Marcellus könne Grüße bestellen. In dieser Zeit traf er ansatzweise sein eigenes Resümee, über das er aber noch einmal in Ruhe nachdenken wollte.


    "Soll ich dich zum Magister begleiten?" Er formulierte seine Frage bewusst als Angebot und fügte keine Alternative an, damit sich Marcellus möglichst frei entscheiden konnte. "Falls ja, würden wir das vermutlich nicht mehr heute schaffen, denn die Audienz für mich beginnt gerade erst.“


    Damit sendete Menecrates zwischen den Zeilen, dass er Marcellus' Anwesenheit im weiteren Fortlauf der Audienz für unzweckmäßig hielt. Bei einem anderen Ausgang hätte er für den Verbleib des jüngeren gestimmt, sofern der Kaiser ebenfalls zugestimmt hätte, aber dies erübrigte sich jetzt.

    Menecrates nickte stumm. Insgeheim wünschte er sich ebenfalls, es mögen sich weitere Gelegenheiten ergeben, in denen eine Fortsetzung der Zusammenarbeit stattfinden würde.


    "Nein, das Maß der Dinge untereinander zu finden, gelang mir bisher nicht - zumindest nicht auf Dauer. Du hast also jede Chance, es besser als ich zu machen." Nun erhob sich Menecrates erneut. Er glaubte, alles Wichtige sei gesagt, kam hinter seinem Schreibtisch hervor und legte die Hand auf Flavius' Schulter.
    "Du wirst deinen Weg gehen, da bin ich sicher!"

    Er nickte eifrig.
    "Alles, was du willst, mein Engel. Wobei mir ein Brief sehr viel lieber wäre." Er hoffte inständig, seine Nichte wäre damit einverstanden. Der Besuch eines Schlachters stand nicht auf seiner Beliebtheitsliste. Das würde auch unschöne Schlagzeilen geben, dessen war sich der Claudier bewusst. Außerdem rochen Tiere für seine Nase nicht allzu gut. Er wusste nicht, ob er Sisenna flehend ansehen oder einen Blick Richtung Götterhimmel werfen sollte.

    Menecrates hörte zu und zeigte sich von der Selbstkritik beeindruckt. Sie wäre nicht nötig gewesen, denn niemand musste sich schlecht fühlen. Sie alle wollten nichts anderes als aus den Fehlern lernen.
    "Danke", erwiderte Menecrates, als Helvetius Commodus endete. "Alles, was zählt, ist die Zukunft der Praesina. Lasst uns nach vorn blicken, nicht zurück. Für eine erfolgreiche Zukunft brauchen wird Geld, das ist richtig, und an Geld soll er der Factio nicht mangeln. Ich werde immer wieder Spenden einreichen und das ist vollkommen in Ordnung aus meiner Sicht.
    Ich bedanke mich für die grundsätzliche Bereitschaft, die Finanzbürde auf mehrere Schultern zu verteilen. Das ist ein lobenswerter Grundgedanke. Trotzdem habe ich Bedenken."


    Er durchdachte noch einmal die Situation, dann fuhr er mit der Erklärung fort.
    "Eine Factio braucht gute Wagenlenker. Nicht minder wichtig ist die Rolle der Fans und der Mitglieder, denn sie sind es, die an der Rennbahn stehen, anfeuern und die Wagenlenker motivieren. Wenn wir ab sofort einen festen Mitgliederbeitrag erheben, könnte es den gerade in Gang gekommenen Mitgliederzuwachs ausbremsen. Um ehrlich zu sein, weiß ich auch nicht, wie andere Factiones dies handhaben. Bevor wir also diesbezüglich einen Entschluss fassen, sollten wir erst Erkundigungen einholen. Oder weiß jemand auf Anhieb, was die übliche Gepflogenheit ist?"


    Er bklickte in die Runde, dann fügte er an:
    "Wobei - die Praesina richtet sich aktuell nach keinerlei Gepflogenheiten. Wir sind individuell und nicht verwechselbar. So sollten wir bleiben und das sollte unser Anspruch sein. Ich möchte daher, so lobenswert der Vorschlag war, gern bei einer beitragsfreien Mitgliedschaft bleiben, um den Anreiz so groß wie möglich zu machen, der Praesina beizutreten.
    Wer sich einbringen möchte, kann das in Form von Werbung machen. Fanartikel herstellen, Fangesänge komponieren und was auch immer euch einfällt."

    'Ein einfühlsamer junger Mann', stellte Menecrates fest. Zumindest glaubte er, dass sich Marcellus auch aus Rücksicht auf ihn zurückzog.
    "Du hast Recht, diese Entscheidung eilt nicht. Lass dir Zeit und gleich, wie du entscheidest, der Rückhalt der Familie ist dir gewiss. Beim Kaiser, im Senat, in den Sozietäten - man weiß nie genau, wie die Stimmen ausfallen, aber auf die Familie ist immer Verlass. Ich gebe gegenüber jedem Verwandten stets als Leitbild den Familienzusammenhalt aus."


    Wie sich Anstrengung anfühlte, wusste Menecrates genau. Trotzdem konnte er nicht auf regelmäßige Ruhepausen oder Mahlzeiten zurückblicken, denn oft fehlte ihm die Zeit.
    "Ich bemühe mich, zur Abendzeit mit dem Tagesgeschäft abgeschlossen zu haben. Ansonsten esse ich häufig in meinem Officium. Daran haben sich inzwischen alle im Haus gewöhnt. Lass dich bitte nicht davon beeindrucken. iss, wenn dir danach ist und nimm keine Rücksicht auf mich. Mir ist es auch nicht möglich, Rücksichten zu nehmen."

    Menecrates schmunzelte auf Scatos Bemerkung hin. Wenn Entgegenkommen so wenig kostete, dann machte solches Verhalten ausgenommen Spaß.
    "Was tut man nicht alles für die Staatskasse", erwiderte er grinsend, denn es lag klar auf der Hand, wer hier wem einen Gefallen tat. Ein gutes Geschäft, ein nicht alltägliches Geschäft und der Claudier zeigte sich überaus zufrieden, während er sich wieder Sassia zuwandte.


    Bei einem Fest nur für Frauen würde sich Menecrates keinerlei Sorgen machen müssen. Einzig der Rückweg stellte eine Schwachstelle dar, weil der Claudier noch nicht einschätzen konnte, wie verlässlich die Zusage des Trecenarius' war.


    "Gut, sofern es Leibwächter sind, die Morrigan zur Villa Claudia begleiten, gehe ich davon aus, dass es schlagkräftige Gründe für ihre Anstellung gab. Mir ist gerade diese Sklavin schon einmal auf offener Straße weggefangen worden, weswegen ihre Begleitung gut gewählt werden sollte. Ansonsten habe ich nichts einzuwenden."

    Die Stimmabgabe erfolgte zügig. Offensichtlich wollte keiner der alten Mitglieder die Verantwortung übernehmen und so zeichnete sich beizeiten ein einheitliches Wahlergebnis ab. Da es recht viele erhobene Hände gab, kehrte der Claudier die Umfrage um und bat all jene aufzustehen, die gegen den soeben gemachten Vorschlag waren. Er wartete kurz, aber niemand erhob sich.


    "Dann erkläre ich die Wahl für beendet. Beide Kandidaten wurden einstimmig in ihr Amt gewählt. Ich für meinen Teil bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen und werde alles daran setzen, die Praesina erfolgreicher denn je zu machen. Das ist ein erhebliches Stück Arbeit, aber wir sind auf einem guten Weg."
    Menecrates ließ seinem neuen Vicarius Raum, sich seinerseits zu bedanken. Als der Annaeer geendet hatte, wandte er sich direkt an ihn.


    "Annaeus, ich würde dich gern mit einer ersten Aufgabe betrauen. Um zu den Spitzenfahrern aufzuschließen, was ein heroisches Vorhaben wäre bzw. ist, müssen wir regelmäßig trainieren. Ich habe in der Vergangenheit und mit der Unterstützung von meinem Sekretär Faustus bereits etliche Trainingsläufe organisiert und würde mich über tatkräftige Unterstützung freuen. Ich würde gerne im Anschluss an die Versammlung mit dir zusammen die Vorbereitungen treffen. Dann könntest du mir sagen, in welchen Dingen du bereits Erfahrung besitzt und wo du Unterstützung brauchst."


    Er nickte seinem Vicarius und wandte sich anschließend wieder an die Mitglieder.
    "Die Factioführung wird den Mitgliedern jährlich einen Erfolgsbericht vorlegen und Rede und Antwort stehen. Wenn niemand mehr ein Anliegen hat, dann wird die Führung jetzt gleich mit ihrer Arbeit beginnen. Sollte es Anliegen geben, dann wäre nun der geeignete Zeitpunkt. Andernfalls erkläre ich die Versammlung für geschlossen.
    Und, liebe Mitglieder: Feuert unsere Fahrer an, wo auch immer sie teilnehmen!"

    Hm, die Schenkung habe ich dann wohl verbaselt. Das braucht offensichtlich ein bisschen, bevor die neuen Regelungen im Hirn sitzen.


    Lässt sich die Freischaltungsanfrage rückgängig machen?



    edit: Dann machen wir das anders: Ich selbst werde den Betrieb eröffnen und ihn "Sisennas Kleintierhof" nennen.