Beiträge von Herius Claudius Menecrates

    Menecrates nickte zu jeder Vorgabe, die Sisenna machte. Er hätte fast alles abgenickt, nur um die Sache abzuschließen und möglichst schnell aus der Situation zu verschwinden.


    "Ich verspreche es!", schwor er und legte zur Bestätigung die Hand auf die Herzgegend. "Und ich möchte dir zum Trost eine Freude machen. Was hältst du davon, wenn ich dir eine Kleintierzucht schenke? Kleine Ferkelchen und kleine Zickleins? Keiner bekommt sie, den du nicht willst."


    Er lächelte sie erwartungsvoll an.

    Menecrates ahnte bereits, dass von seinem Mitstreiter der ersten Stunde lobende Worte kommen würden. Er hörte Faustus zu, nickte auch einmal dankend für dessen Worte und kam am Ende nicht umhin, auch zu staunen. Der Vorschlag, das Neumitglied Annaeus als Vicarius zu verpflichten, erstaunte ihn. Es sprach natürlich nichts dagegen, aber unkonventionell fand er den Vorschlag durchaus. Auch der Kandidat schien überrascht, aber andere Factiomitglieder unterstützten den Vorschlag. Es zeichnete sich sowohl für den Dominus als auch für den Vicarius ein einheitliches Votum ab.


    "Die Praesina tanzt, seit Faustus und ich ihr beigetreten sind, mehrfach aus der Reihe. Erst hatten wir weniger Fahrer als alle anderen Factiones, jetzt haben wir überdurchschnittliche viele Fahrer. Unser Altersdurchschnitt dürfte ebenfalls einzigartig sein. Warum also nicht die Wahl unserer Funktionäre? Annaeus scheint hier viele von Anfang an überzeugt zu haben und auch ich würde mich sehr freuen, tatkräftige Mitglieder neben mir zu wissen.


    Ich für meinen Teil bedanke mich für euer Vertrauen und würde die Wahl annehmen, wenn sie für mich ausfällt. Annaeus hat auch bereits geäußert, dass er die Verantwortung tragen würde. Dann lasst es uns doch einfach riskieren, mit weniger langjährigen Mitgliedern an der Spitze durchzustarten. Schlechter als in den letzten Jahren können wir die Factio nicht führen. Ich bin sogar sehr zuversichtlich, dass wir den kürzlich beschrittene Weg zur Spitze weiterhin erfolgreich bestreiten werden."
    Er blickte in die Runde. Inzwischen kannte er viele, wenn auch nicht alle persönlich.


    "Dann starte ich jetzt die Abstimmung.
    Ich stimme für Annaeus als Vicarius :dafuer:
    und ich nehme die Wahl zum Dominus an, wenn ich gewählt werden sollte. :dafuer:"

    Während der junge Gracchus von seinen Plänen berichtete, drängte sich Menecrates unwillkürlich die Frage auf, ob er selbst wohl gern Erfahrung und Alter gegen ein Stück Jugend eintauschen würde. Nochmals zu heiraten und in den Senat aufzusteigen, lockten ihn nicht sonderlich, aber er kam nach kurzer Überlegung zu dem Schluss, gern einen Teil der Jahre hergeben zu wollen. Allerdings entpuppte sich die Chance, die Ehe besser zu führen und an der Kindererziehung teilzuhaben, als Trugschluss, denn ohne die gemachte Erfahrung würde er doch wieder die gleichen Fehler machen.


    Menecrates glaubte außerdem, selbst wenn er sich für beides mehr Zeit genommen hätte, wäre er kaum ein besserer Vater und Ehemann gewesen, weil er sich diesbezüglich nicht für ein Naturtalent hielt.


    "Beides große Schritte", kommentierte er. "Sowohl Frauen als auch Senatoren sind nicht unbedingt leicht zu händeln." Seine Gedanken schweiften in erste Ehejahre ab. Mit der Mutter seiner meisten Kinder teilte er kaum mehr Zeit als für den Zeugungsakt nötig. Vermutlich deswegen empfand er diese Ehe deutlich angenehmer als seine zweite, was auch an der exzentrischen Art seiner zweiten Ehefrau lag. Es gab Senatoren, die ihn an Ofella erinnerten, was sie gleichermaßen schwierig machte. "Beide wollen häufig genug Recht haben und es kostet Mühe, nicht unterzugehen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man die größte Ruhe findet, wenn man nicht alles sagt, was man denkt. Um ehrlich zu sein, traue ich dir aber zu, stets die richtigen Worte zu finden."


    Zu beiden Lebenssituationen hätte Menecrates noch lange Redeströme vergießen können, aber er hielt sich nicht für den besten Senats- und Eheberater. Vor allem Letzteres nicht.


    Auch auf das Resümee hin gab Menecrates noch einen Gedanken zum Besten. "Vielleicht ist es ratsam, ein Gleichgewicht zwischen Pflicht und Vergnügen zu finden und es zu halten." Er lächelte - etwas müde zwar, aber das Lächeln kam zusätzlich von innen.
    "Ich wünsche dir persönliches Glück, Erfolg und stets der Götter Segen auf deinen Wegen. Ich freue mich auf jeden Fall, dich sehr viel näher kennengelernt zu haben als es ohne unser beider Amt möglich gewesen wäre."

    Die Komplikationen im Senat konnten kaum schlimmer ausfallen als die Klärungen hier im eigenen Haus. Während sich Menecrates im Senat oft allein auf weiter Flur fühlte, spürte er innerhalb seiner Familie und insbesondere gegenüber Sisenna eine erhebliche Hilflosigkeit. Fast meinte er, kleine Mädchen seien noch schwieriger als winkelziehende Politiker.


    Er atmete daher erleichtert auf, als es den Anschein hatte, dass sich eine Lösung ergab. Sisenna zeigte sich mit der Abgabe der Betriebsführung einverstanden und Menecrates wäre schon alleine deswegen mit allem einverstanden gewesen. Plötzlich aber ergriff ihn die Sorge, er könne etwas falsch machen und anschließend Sisennas Unmut auf sich ziehen. Als dann auch Sassia drohte, nicht mehr mit ihm sprechen zu wollen, würde er nur irgendwie versagen, brach es aus ihm heraus:
    "Was genau muss ich denn beachten?" Die empfundene Furcht war keineswegs gespielt, sie beherrschte ihn.


    .

    Zitat

    Original von Marcus Decimus Livianus
    "Wir werden ganz bestimmt in Kontakt bleiben mein Freund. Sofern ich nicht zu sehr von der schönen Aglaia abgelenkt bin. Sie wird mich nach Germanien begleiten.... frage nicht... Eine längere Geschichte, die ich dir vielleicht nachher noch erzählen kann. Aber nun verzeih, ich muss weiter."


    Eine längere Geschichte trotz der kurzen Kennenlernzeit - Menecrates horchte auf. Aber Livianus zog es weiter, bevor der Claudier nachfragen konnte, was er ja auch nicht sollte, denn der zukünftige Statthalter wollten natürlich allen Gästen gerecht werden.
    "Pass auf dich auf und viel Erfolg!" Menecrates wraf einen verstohlenen Blick auf Aglaia, dann aber mischte er sich unter die Besucher des Empfangs.

    Menecrates blickte in die Runde und resümierte: "Die Aufnahme des Annaeus Trabea wurde einstimmig beschlossen. Herzlich Willkommen in der Preasina!" Er nickte dem Neumitglied zu. Es erklang ein Begrüßungsbeifall, dem er sich anschloss.


    Als der sich legte, fuhr Menecrates mit einigen Informationen für die Mitglieder fort.
    "In den letzten Monaten hat sich einiges in der Praesina verändert. Wir haben drei neue Fahrer verpflichtet. Da wäre zum einen Syennesis, der sich nach einigen Startschweirgkeiten mittlerweile in guter Form zeigt. Außerdem wurden zwei Nachwuchsfahrer eingestellt. Es handelt sich um Marsyas und Tisander. Letzterer scheint ein ganz außerordentliches Talent zu sein. Die Finanzierung der Fahrergehälter leiste momentan ich aus eigener Tasche. Das möchte ich nur am Rande erwähnen. Es tut nichts zur Sache. Wichtig ist die erblühte Präsenz der Grünen. Wir müssen uns den Anhängern präsentieren, wir sollten erfolgreicher werden, wir wollen zukünftig auch einmal Siege feiern können. Dafür muss trainiert werden."


    Er legte eine Pause ein, um zum nächsten Punkt überzugehen.
    "Eine Factio ist so lange erfolgreich, wie sie eine gewissenhafte Leitung ihr eigen nennt. Ich möchte die aktuell vakanten Posten des Dominus Factionis und des Vicarius Domini Factionis neu besetzen und bitte um Vorschläge."
    Daraufhin lehnte er sich zurück. Die Wortmeldungen würden erfasst und im Anschluss ausgewertet werden.

    Nach der kurzen Konversation, bei der sich Menecrates schon gefragt hatte, ob etwas nicht stimmte, folgten dann doch ausführlichere Aussagen. Er hörte zu und stellte nicht zum ersten Mal fest, wie bescheiden sein Sekretär war. Genügsamkeit stand vielen Personen gut, allerdings hörte er auch Selbstzweifel heraus. Selbstzweifel wiederum trugen auch einige Römer mit sich herum.
    Als Faustus eine Pause einlegte, schoss es Menecrates durch den Kopf, dass Faustus seinem Urteil nicht vertraute. Hätte ein Beschäftigter keine Boni verdient, würde er auch keine erhalten. Aber Menecrates wollte das Thema nicht auswalzen, weil er merkte, wie unwohl sich Faustus fühlte. Stattdessen ging er auf die nachfolgenden Fragen ein.


    "Ja, das geht. Du kannst beliebig verteilen, allerdings müssten die Empfänger Römer sein." Bislang wunderte sich Menecrates nur eingeschränkt, denn es stellte nichts Unübliches dar, sein Testament zu verfassen. Als dann aber auch noch Regelungen für den Fall der Abwesenheit getroffen werden sollte, stutzte er. Er stellte den Kopf leicht schief und schaute fragend, ohne jedoch etwas zu sagen.


    Erst nach zwei längeren Augenblicken antwortete er.
    "Nein, ein Testament regelt nur den Erbfall, keine Vertretungen zu Lebenszeit." Wieder überlegte er. "Du könntest eine Vollmacht fertigen und diese beim Aedil hinterlegen, wenn du Sicherheit haben willst. Andererseits sollte dann auch nichts mit der bevollmächtigen Person geschehen."


    Dem nicht genug, es gab weiteren Klärungsbedarf, über den Faustus jedoch nicht sofort reden wollte. Menecrates blieb nichts anderes übrig, als diese Entscheidung zu respektieren.
    "Du kannst gerne wiederkommen", erwiderte er nachdenklich auf den letzten Satz.

    Ich habe gerade die neuen kleinen Köpfe bei den Fahrern im Tabularium entdeckt. Das ist super! Auf diese Weise passiert es nicht mehr, dass man eine bespielte ID für einen NSC hält.
    Würdet ihr bitte noch bei Tisander so einen Kopf samt Link einbauen.


    Ich bitte außerdem für Titus Annaeus Trabea um die Eintragung als Mitglied bei der Preasina. Hier (und folgende Beiträge) erfolgte die Abstimmung zur Aufnahme.



    edit: Ich sehe gerade, Tisander ist auch noch gar nicht als Auriga eingetragen. Das habe ich dann wohl vergessen. Ausgespielt wurde das hier.

    Menecrates wiegte den Kopf, weil er die Frage weder mit ja noch mit nein beantworten konnte.
    "Das kommt darauf an, was der einzelne unter 'erledigt' versteht", erwiderte er. "Wer die herausgearbeiteten Ursachen als Zielsetzung ansieht, der kann die Arbeit der Kommission als erledigt ansehen. Wer Ableitungen wünscht oder Interpretationen, der sieht sich immer noch mittendrin in der Arbeit. Diese Auswertung sehe ich allerdings als Aufgabe des Senats ohne Beteiligung der Stadteinheiten. Demzufolge ist aus meiner Sicht die Arbeit der Kommission tatsächlich als erledigt zu betrachten."


    Er sann kurz nach, denn er selbst sah in Bezug auf die Aufarbeitung des Sklavenaufstandes noch kein Licht am Horizont.
    "Wir stehen, was die Ableitungen betrifft, nicht nur am Anfang, sondern sind uns auch weitgehend uneins. Da im Senat mehrheitlich das kaiserliche Urteil abgewartet wird, bevor Meinungen geäußert werden, du mir wiederum geschrieben hast, dass du dir gern den Rat des Senats anhören wollen würdest, drehen wir uns entweder im Kreis oder befinden uns im Stillstand. Beides bringt uns nicht voran."
    Er hob die Hände in einer bedauernden Geste.


    "Ich würde dich diesbezüglich nach meiner Amtszeit gerne um eine Audienz bitten. *
    Ziel aller Anstrengung soll es sein, Schlüsse und Konsequenzen aus allem zu ziehen. Hier haben wir noch nicht einmal angefangen."


    Sim-Off:

    * Diese Zeitebene liegt nach der Res Gestae und es wird wohl dauern, bis wir bei der Kommissionsarbeit abgekommen sind.


    Der Händedruck war fest und die wortlose Mimik herzlich. Zum Nachdenken oder rührselig werden kam Menecrates nicht, weil Livianus von einer Gedankenstütze sprach, die er mitzunehmen gedachte und die Menecrates erst richtig einzuordnen wusste, als er der Kopfbewegung des Decimers mit Blicken folgte. Eine wunderschöne junge Frau kam ins Bild und selbstverständlich erinnerte sich der Claudier an sie. Als er sie das erste Mal sah, trug sie rot, heute ein bemerkenswertes Blau. Eine wirklich aparte Erscheinung, aber für Menecrates viel zu heiß, weswegen er auflachte, als Livianus seinen Dank bezüglich der gezeigten Zurückhaltung äußerte.
    "Bezaubernd ist sie", bestätigte Menecrates. "Du sagst Begleitung? Sie reist mit dir?" Oder war am Ende nur die Begleitung am heutigen Tag gemeint? Er kam nicht zum Nachdenken, weil sich Livianus zu ihm beugte. Daraufhin wurde er ebenfalls ernst. Aufmerksam lauschte er den Worten. Er nickte zwischendurch, atmete einmal tief durch und als Livianus endete, schaute er zunächst zu Iunius Silanus und anschließend seinen alten Weggefährten an. Es bedurfte keiner Worte, sein Blick drückte Dankbarkeit aus, was erneut Wehmut erzeugte. Er schob die Empfindung fort und drückte zum Dank Livianus' Arm.


    "Die Götter mit dir, mein Freund", murmelte er mit leicht heiserer Stimme.
    Obwohl Menecrates Silanus nicht kannte, würde er ihm vertrauten, weil Livianus ihm vertraute. Blitzartig schoss ihm durch den Kopf, dass er durch die soeben erhaltene Empfehlung über Silanus eine weitere Verknüpfung zu den Praetorianern hatte. Es gab seinen eigenen Klienten Vibius, den Trecenarius Tiberius und ganz neu den Tribun Silanus. Menecrates ahnte, dass diese Männer kaum verschiedener sein konnten.


    "Lass uns in Kontakt bleiben. Sollte ich etwas für dich tun können, dann weißt du, wie und wo du mich erreichen kannst." Er lächelte, wenn auch nur wenig. An Livianus' Strahlen reichte er heute nicht heran. Das mochte auch an dessen Begleitung Aglaia liegen, die ihm offensichtlich gut tat.

    Auf Menecrates' Antlitz erschien ein Lächeln. Er freute sich, dass die Factio wuchs und sich erste Erfolge zeigten.


    "Die Praesina freut sich über jedes passive Mitglied und umso mehr über jedes aktive. Aus meiner Sicht spricht nichts gegen eine Aufnahme. Meine Stimme bekommst du, Annaeus."
    :dafuer:


    Anschließend schaute er in die Runde und verweilte auf Faustus, der glücklicherweise ebenfalls eingetroffen war.

    Menecrates gehörte nicht zu den ersten Gästen und als er eintraf, musste er sich erst orientieren. Er beauftragte einen seiner Sklaven, der ihn um einen Kopf überragte, nach Livianus Ausschau zu halten und erhielt wenig später einen Fingerzeig. Er ließ sich den Weg in die angegebene Richtung bahnen und entdeckte schon bald das vertraute Gesicht.
    Wie es der Zufall wollte, traf er ein, als Livianus gerade ein Gespräch beendete. Menecrates schätzte diesen besonderen Zufall, weil er ihm ersparte zu warten. Die Variante, ins Wort zu fallen, zog er nie in Betracht.


    "Livianus, was musste ich hören? Du wirst wieder für länger außerhalb Roms weilen?" Die gespielte Entrüstung beinhaltete einen ehrlichen Wermutstropfen. Immerhin richtete es das Schicksal häufig genug ein, dass sie an verschiedenen Orten agierten.
    Er streckte den Arm zu Begrüßung entgegen, während sein Lächeln die Wertschätzung verriet, die er Livianus entgegenbrachte.

    Zitat

    Original von Lucius Annaeus Florus Minor
    Mit ganz vielen anderen Leuten, sicherlich eine grosse Menge von ihnen auch Klienten des Decimus Livianus, machte ich mich auf, am heutigen Tag seiner Entsendung durch den Kaiser beizuwohnen. Für einmal waren auch die Palastwachen nicht erpicht darauf, jeden einzelnen zu durchsuchen und so gelangte ich heute ganz schnell und völlig unbehelligt in die Domus Flaviana, respektive in die dortige Basilica.


    Menecrates befand sich nicht inmitten der Menge, er hielt sich am Rande - begleitet von einer Schar Sklaven. Als er die Palastwache durchschritt, kam ihm der Gedanke, dass die Besuche hier nach Beendigung seiner Amtszeit keineswegs abrissen, wie er es vermutet hatte. Er spürte keinen Druck mehr, aber Verpflichtungen gab es noch genug.

    Die Frage durchkreuzte Menecrates' Pläne, sich aus der Situation zu retten, bevor er rührselig wurde. Eine kurze Antwort hatte er nicht parat und Flavius abzuwürgen, hätte der junge Mann nicht verdient und das würde auch nicht Menecrates' Gepflogenheiten entsprechen.
    "Tja." Die Ratlosigkeit bezog sich noch mehr auf die Situation als auf die gestellte Frage, obwohl auch die Frage nicht leicht zu beantworten war. Menecrates stand unbewegt hinter seinem Schreibtisch und schwankte zwischen hervortreten und sich wieder hinsetzen. Im Vertrauen darauf, dass er seine Gemütsregung im Zaum halten konnte, setzte er sich wieder.


    "Ich gehe davon aus, dass du mit Unternehmung keine Ausflüge meinst", erwiderte er schmunzelnd, bevor er wieder ernst wurde. "Ich bin unschlüssig", gab er zu. "Ich habe jahrelang einen Traum verfolgt und das Consulat stellte den letzten Schritt im Vorfeld dar. Ausgerechnet die Amtszeit ist es aber nun, die mich zögern lässt, diese alt gehegten Pläne zu beflügeln." Er atmete einmal durch und lachte einmal kurz auf, als er in alte Erinnerungen abschweifte.
    "Als junger Mann schien mir mein Weg klar: Als Offizier wollte ich eines Tages Kommandant werden und als Legat träumte ich von der Stadtpräfektur. Solange ich Träume verfolgt habe, ging es mir nur um den Weg. Dabei habe ich nichts übereilt, sondern alles mit Bedacht entschieden." Er legte eine Pause ein, in der er die Gedanken sortierte.


    "Spätestens das Consulat eröffnet den Blick auf die inneren Strukturen. Das Staatswesen ist eine komplizierte Maschinerie. Es gibt widersprüchliche Bestrebungen, ein Machtgezerre, Intrigen, Anfeindungen…" Er atmete einmal durch. "Ich gehöre eher zu den Menschen, die solcherlei Umfeld für ihr Wirken meiden. Was bedeutet, spontan fehlt mir die Antwort auf deine Frage." Er hob und senkte bedauernd die Brauen.


    "Vielleicht wäre es klug, mich zunächst mit angenehmen Charakteren zu umgeben und letztlich eine Rolle in einem gemeinsam geplanten Lebenswerk zu übernehmen. Damit würde ich allerdings persönliche Befindlichkeiten vor die Pflichttreue stellen, was wiederum auch nicht korrekt, erstrebenswert und Teil meines Charakters ist." Er hob die Hand, stoppte in der Bewegung, während er nachdachte, dann senkte er sie wieder.
    "Wahrscheinlich sagt dir diese Antwort viel und gleichzeitig so gut wie nichts.
    Sehen deine Pläne denn konkreter aus?"
    Er lehnte sich zurück und fühlte sich als Zuhörer gleich viel wohler.

    Als Faustus seine Erklärung mit einer Anmerkung über sich selbst begann, stimmte Menecrates schweigend zu. Es verwunderte ihn tatsächlich und immer noch, dass sein Sekretär die Schenkung wortlos hinnahm. Das Schenken erfüllte Menecrates mehr, wenn sich eine Resonanz beim Beschenkten zeigte. Allerdings sollte die eher positiv sein und keinesfalls Beschämen auslösen.
    Der alte Claudier strich sich nachdenklich über die Stirn, dann hörte er weiter zu. Als die Sprache auf ein Testament kam, atmete er erleichtert auf. Immerhin bedeutete es, dass Faustus das Grundstück erst einmal annahm. Eine Ablehnung hätte Menecrates reichlich bestürzt.


    "Selbstverständlich helfe ich dir beim Aufsetzen eines Testamentes", erwiderte er daher bereitwillig. "Es müsste beispielsweise eine konkrete Person benannt sein. Ganz allgemein die Claudier als Erben einzusetzen, ist nicht möglich." Sein Blick ruhte auf Faustus, während er hoffte, es würde den noch jungen Mann nicht irgendein schwerwiegendes Leiden plagen.
    "Wenn eine Woche an Wartezeit für dich vertretbar ist, käme mir das gelegen." Er wartete auf Zustimmung oder Einwände.

    Nach einiger Suche entdeckte Menecrates den jungen Mann, den er beim Trainingsrennen getroffen hatte.
    "Ah, da ist Annaeus Trabea." Er lächelte flüchtig, bevor er fortfuhr. "Annaeus, wenn du dich bitte kurz vorstellen möchtest. Du kannst dazu gern stehenbleiben, wo du gerade bist, aber genauso gut kannst du nach vorn kommen. Ganz wie du magst."
    Inzwischen hatten sich einige Mitglieder umgedreht und nahmen den jungen Mann in Augenschein. Ihn trafen keine kritischen Blicke, eher neugierige. Manche flüsterten mit ihrem Nachbarn, weil sie beratschlagten, ob sie ihn kannten oder sich irrten.
    "Ja, erzähl uns was von dir", rief ein junger Bursche, den die Neugier trieb.
    "Ich wüsste gern, ob du aktiv werden möchtest oder dich eher im Hintergrund siehst." Der ältere Mann half ein wenig bei der Öffentlichkeitsarbeit, aber ganz ohne funktionierende Spitze und ohne tatkräftige Hilfe bewirkte er so gut wie nichts.

    Menecrates wertete das wortlose Verharren mit geöffnetem Mund als stillschweigende Annahme des Geschenkes. Sein Sekretär wollte offensichtlich wenig Aufhebens um die Sache machen, daher spielte Menecrates mit. Er konnte sich erinnern, dass Faustus beim ersten Mal sogar peinlich berührt von seiner Beschenkung war.

    Sim-Off:

    WiSim


    Da Fautus auf das Thema Factio umschwenkte, folgte Menecrates ihm. Er konnte nicht leugnen, die Überzeugung seines Sekretärs weniger zu teilen, aber dennoch als wohltuend zu empfinden. Er glaubte zwar auch, dass seine Chancen nicht schlecht standen, aber es konnten sich noch genügend Mitglieder bewerben, die auf eine längere Mitgliedschaft zurückblickten als er. Es blieb also abzuwarten.
    "Eines möchte ich dich vorab fragen: Hättest du Ambitionen oder Interesse, den Posten des Vicarius' zu übernehmen?" Er wartet nur kurz, damit die Pause nicht zu bedeutsam wurde. "Wir bekommen übrigens weiteren Zuwachs bei den Mitgliedern."


    Fast hätte er die Anfrage am Ende überhört. Schließlich gelangte sie noch rechtzeitig in seine Bewusstsein, bevor er gedanklich wieder bei den Tagespflichten weilte.
    "Nein, also Termine vergebe ich nur an Außenstehende. Sag es jetzt. Um was geht es denn?" Er stellte sich Faustus frontal gegenüber und machte deutlich, dass er an einen Aufschub nicht dachte.

    Menecrates schmunzelte, während er Flavius beobachtete. Alleine der wechselnde Gesichtsausdruck war das Geschenk wert und die abschließenden Worte freuten ihn. Er sann ihnen eine Weile nach und ertappte sich dabei, wie er den nahenden Scheideweg bedauerte. Eine vergleichbare Zusammenarbeit zwischen ihnen würde es vermutlich nicht geben. Zwar sollten sie sich eines nicht allzu fernen Tages sicherlich im Senat begegnen, aber zum einen lagen ihre Sitzpositionen weit auseinander und zum anderen wollte Menecrates eigentlich seine Senatsaktivität senken. So lautete zumindest der Plan. Er atmete einmal hörbar durch.


    "Nun ja, bevor ich noch rührselig werde, sollten wir aufbrechen." Er erhob sich, griff nach der vorbereiteten Schenkungsurkunde und reichte sie seinem Quaestor. "Ich habe mit Bedacht gewählt. Das Grundstück liegt neben einem Pferdezuchtbetrieb. Es soll dich an deine Quaestur und die Equirria erinnern." Er schmunzelte. "Es liegt in Ostia. Aula Oestrus heißt das Gestüt."

    Sim-Off:

    WiSim

    Marcellus schien zu überlegen und Menecrates ließ ihm die nötige Zeit. Er trank einen Schluck Quellwasser und fragte sich dabei, ob wohl die Zeit die Situation verändert hatte. Eine Antwort auf die Frage wusste er nicht, also hakte er den Gedanken ab, um sich wieder Marcellus zuzuwenden.


    "Bei den Collini ist mein Sohn Galeo Mitglied. Die Weltherrschaft werden die Claudier mit dir in keiner Sozietät erreichen, weil - gleich wo du eintrittst - nur zwei Familienmitglieder zugehörig sind." Der Ausspruch resultierte aus den vorangegangenen Überlegungen und Menecrates ärgerte sich gleich nach dem Aussprechen. "Ach, das war Blödsinn. Vergiss es ganz schnell wieder." Er lachte einmal auf, streckte sich und hielt sich für einen Moment den schmerzen Rücken.