Menecrates hörte Aurelius zu, schüttelte dann aber den Kopf.
"Ich denke, die meisten wissen, was ich unter einer Waffe verstehe und solange kaum jemand die Notwendigkeit sieht, dem Kaiser ein Instrument zur Handlung zu präsentieren, ist eine Definition der Begrifflichkeit 'Waffe' zu weit vorgegriffen.
Ich gehe dann, und es sieht ganz danach aus, erst einmal mit leeren Händen zum Kaiser."
Als nächstes meldete sich Flavius Gracchus zu Wort und Menecrates wandte sich ihm zu. Nach dessen Redebeitrag ergriff der scheidende Consul das Wort. Er glaubte, dies würde in dieser Sitzung der letzte seiner Beiträge sein.
"Ich greife jetzt meinem Abschlussbericht zur Kommissionsarbeit vor. Der von mir vorgestellte Gesetzentwurf ist das Resultat der Abschlussbesprechung jener Kommission. Das Resümee habe ich gemeinsam mit dem leitenden Offizier der Garde gezogen, der lange vor uns, genaugenommen seit dem Aufstand im Auftrag des Kaisers ermittelt hatte und bislang eine andere Theorie verfolgte. Die Tatsache, dass der Trecenarius auf Eitelkeiten verzichtet und sein neues Fazit meinem gleicht, ist alleine beachtenswert."
Nur die teilnehmen Senatoren konnten ermessen, welche Wandlung die Meinung des Offiziers im Verlauf der Arbeit genommen hatte.
"Dazu hat unter anderem die Zeugin Sergia beigetragen und zu noch mehr. Sie erreichte zum Beispiel, dass es einigen Senatoren die Sprache verschlug, sodass sie als aktiver Teil der Kommission wegfielen.
Ich sehe, dass kaum jemand nach den Protokollen greift. Niemand hat zugestimmt, den Trecenarius als Zeugen des desaströsen Auftretens dieser Frau zu befragen."
Menecrates behielt seine Gedanken für sich. Er wollte niemand vor den Kopf stoßen.
"Als Ursache für den Sklavenaufstand sehen wir, der ermittelnde Gardeoffizier und ich als Leiter der Kommisssion, in erster Linie die katastrophalen Zustände in der Subura. Es muss dort an allem mangeln, was für das Leben notwendig ist.
Bis zuletzt hat sich mir aber nicht erschlossen, wieso sich Frauen den Aufständischen angeschlossen haben. Wenn Männer für das Überleben ihrer Familien in dem Kampf ziehen, ist das erklärbar. Warum aber riskieren Frauen, dass ihre Kinder Vollwaisen werden? Das macht eine Mutter doch nur dann, wenn sie Siegchancen sieht und dafür alles in die Waagschale werfen will."
Er gab eine weitere Antwort auf seine Frage.
"Da wäre das Vorbild der Amazone, aber es erklärt nicht, warum sie Frauen mitziehen konnte, die in Rom aufgewachsen sind oder schon länger hier leben. Weder besitzen unsere Frauen die Ausbildung einer Amazone noch sind sie in deren Tradition aufgewachsen. Was also konnte in Rom ansässige Mütter, Ehefrauen und Töchter ermutigen, gleich ihren Männern in den Kampf zu ziehen?"
Er blickte in die Runde, bevor er weitersprach.
"Erst diese Zeugin mit ihrem unverschämten Auftreten konnte mir diese Frage beantworten. Wir selbst haben ein Vorbild für weibliche Aufständische herangezogen: die Sergia. Eine Amazone kann keine Mutter dazu bringen, in den Kampf zu ziehen, denn sie hat selbst keine Kinder. Anders sieht das bei Sergia aus." Er hob seinen Zeigefinder, um auf die Wichtigkeit hinzuweisen.
"Eine römische Mutter, die sich traut, ehrbaren Männern Verachtung entgegenzuschleudern. Eine Mutter, die offen herumkrakeelt, dass sie Titel und Ämter eines Mannes innehat. Eine Mutter, die Senatoren und sogar den Consul respektlos behandelt, macht das nicht erst seit gestern. Und nie ist ihr etwas passiert. Nie ist jemand dagegen eingeschritten. SO eine Mutter vermag es, einfache Frauen, deren Kinder hungern, zu ermutigen, sich ebenfalls zu erheben. Der Pöbel wartet ab, er schaut, was passiert und ob etwas passiert. Und wenn so eine Ausgeburt an Frau ohne Gefahr tagein tagaus und Jahr für Jahr durch Rom läuft, wird sie für einfache Menschen zum Idol. Ihre Grundaussage: Lasst euch nichts gefallen! Lehnt euch auf! Überschreitet die Grenzen!"
Er atmete einmal durch und blickte in die Gesichter der Senatoren.
"Ich behaupte, der Charakter dieser Person wurde durch Titel und Ämter verdorben, nicht durch mangelhafte Erziehung. Titel und Ämter sind ihr zu Kopf gestiegen, sie wurde eingebildet und maßlos. Und damit sich dies nicht wiederholt, müssen alle Frauen vor dieser Verlockung und Fehlleitung geschützt werden und darüber hinaus müssen sich die Lebensbedingungen in der Subura drastisch verbessern.
Ich werde beides dem Kaiser so empfehlen, denn letztlich macht es keinen Sinn, nach Ursachen zu forschen, wenn wir sie anschließend ignorieren."
Er nahm wieder Platz und sah sich bereits beim Kaiser. Da er die Senatsdebatte ihm gegenüber bereits erwähnte, würde er auch vom Ergebnis berichten.