Beiträge von Herius Claudius Menecrates

    Zitat

    Original von Titus Annaeus Trabea
    [...]
    Er stellte sich neben die Männer ohne sich dabei aufzudrängeln und wartete darauf entweder angesprochen zu werden oder bei Gelegenheit selbst auf einen der Ihren zu zugehen.
    Das Problem war, dass just zu dieser Zeit eine Frau die ganze Aufmerksamkeit auf sich zog. Da blieb ihm nur warten.


    Menecrates nickte auf den Vorschlag hin, dass Livianus sich der interessierten Dame annehmen wollte. Für ihn selbst blieb dann der junge Mann, der seit kurzem ebenfalls am Rand der Rennstrecke stand. Ein deutlich unverfänglicheres Vorhaben, wie Menecrates fand.
    Er lächelte, als sich Aglaia überaus höflich verabschiedete. Sie schien eine gute Erziehung genossen zu haben. "Wenn es Fortuna so will, werden wir uns sicherlich irgendwann wiederbegegnen", erwiderte er auf ihren Gruß. Sollte dies tatsächlich einmal der Fall sein, würde er entgegen seiner Gewohnheit vermutlich zu Wein greifen müssen, um sich entsprechend gerüstet zu fühlen.


    Für heute hatte er die heikle Klippe umschifft. Er forderte Faustus mit einer Kopfbewegung auf, ihm zu folgen und trat wenig später an den jungen Mann heran. Eigentlich wollte er seinen Amtspflichten nachgehen, aber ein kurzes Nachforschen erlaubte er sich doch.
    "Ich bin zwar nicht so attraktiv wie die Dame in Rot, aber möglicherweise kann ich trotzdem weiterhelfen."

    Ein neuer Tag, ein neues Glück. Nach dieser Devise ging Menecretes heute vor, als er sich im zweiten Anlauf mit Sisenna treffen und das Thema Betriebsführung angehen wollte. In Ermangelung einer mütterlichen Claudia hatte er alles, was weiblich war, zusammengerufen, um sich nun gestärkt erneut in den Kampf zu stürzen.


    Er betrat als erstes das Arbeitszimmer und wartete darauf, dass möglichst viele erschienen, bevor die zugleich kleinste und größte Herausforderung der Villa das Zimmer betrat. Er lief unruhig auf und ab, um sich von der Anspannung zu befreien. In seiner Vorstellung bekam Sisenna einen Kreischanfall oder drohte auszuziehen. Vielleicht lief sie auch heimlich weg, wer wusste das schon. Es wäre nicht das erste Mal. Er würde noch den Leibsklaven Sofian dementsprechend impfen müssen.

    Menecrates sammelte also bereits Termine für die Zeit nach dem Consulat, aber das drückte ihn im Moment nicht. Er sah der Zeit gelassen entgegen und freute sich, dass Marcellus ebenfalls gelassen agierte. Er würde abwarten, welche Ähnlichkeiten er zukünftig noch mit dem jeweiligen Elternteil in Verbindung brachte. In Sachen Geduld hatte der Großneffen Menecrates einen Schritt voraus.


    Die nächste Frage stellte ihn erst einmal vor Wortfindungsprobleme. Wie sollte er die damalige Sachlage erklären, ohne wie ein Tratschweib zu klingen? Keine leichte Aufgabe. Er entschloss sich, beim Anfang zu starten und einfach abzuwarten, wie sich die Erklärung entwickelte. Zu langes Nachdenken und eine zu kontrollierte Wortwahl verursachten eine hölzerne Redeweise, die den Zuhörer so oder so misstrauisch machte.


    "Ja, ich bin bei den Palatini, allerdings schon mehr als lange. Dem Kaiser und dessen Sohn wird sich auch niemand in den Weg stellen. Anders erging es Felix, der während meiner Abwesenheit um Aufnahme bat. Er ist an einem Mitglied bei den Palatini gescheitert, mit dem ich persönlich auch nicht die besten Erfahrungen gemacht habe. Ich kann nicht ausschließen, dass du, weil du den Namen Claudius trägst, ebenfalls als Bedrohung wahrgenommen wirst. Auf alle Fälle wirst du dich gut rüsten müssen, um bei der Befragung zu den Beweggründen deines Beitrittsgesuchs bestehen zu können. Der einfachere Weg wäre, wie gesagt, bei den Collini." Er dachte kurz nach, dann fügte er an: "Andererseits können sich die Zeiten und die Einstellungen geändert haben. Ich möchte dich gar nicht beeinflussen, entscheide selbst."


    Ad
    Administratio Imperatoris
    Palatium Augusti
    Roma





    Ich bitte für mich und meinen Großneffen Claudius Marcellus um eine Audienz beim Imperator Caesar Augustus und entsprechende Benachrichtigung.
    Ich möchte gern verschiedene Themen ansprechen und bitte darum, dies zeitlich zu berücksichtigen.



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    gez. H. Claudius Menecrates




    ANTE DIEM VIII ID APR DCCCLXVIII A.U.C. (6.4.2018/115 n.Chr.)


    Menecrates schätzte es sehr, wenn sich ein Gesprächspartner darüber im Klaren war, dass gerade für einen Consul die freie Zeit äußert knapp bemessen war. Teilweise existierte sie nicht einmal. Er nickte daher erfreut, als in der Einführung das Vorhaben erwähnt wurde, ihn nicht allzu lange aufzuhalten. Natürlich existierte für Menecrates auch ein privates Interesse, wenn es um die Praesina ging, sonst wäre er nicht hier.
    Zu seiner Überraschung schien es aber nicht nur um die Praesina zu gehen, was zunächst keinen Beinbruch darstellte. Vermutlich verband der Helvetier die Absprache zwischen den Factiomitgliedern mit einem andersgearteten Anliegen an den Consul und warum sollte Menecrates nicht gleichzeitig als Privatmann und Amtsperson tätig werden. Er hörte zu, obwohl er das eingangs eingeräumte Schuldeingeständnis nicht zweifelsfrei zuordnen konnte und sich daran etwas aufhielt. So verpasste er den Mittelteil und stieg wieder ein, als es um ein Schlupfloch ging. Wahrscheinlich eine Metapher, glaubte der Consul. Zum Ende der Ausführungen offenbarte der Helvetier die Themen, über die er sprechen wollte. Die Praesina überraschte Menecrates nicht, deswegen war er hier, aber bei der Nennung seiner Sklavin zog er verblüfft die Brauen nach oben.


    "Tja, also, Helvetius Varus", begann er zögerlich. "Ich habe nicht vor, meine praktisch nicht vorhandene freie Zeit damit zu verbringen, um über eine Sklavin zu reden. Sie wurde mir von Staatswegen anvertraut und das sollte als Information reichen.
    Kommen wir zum eigentlichen Thema: die Praesina. Mich beschäftigt als erstes die Frage, wie es sich erklärt, dass der bislang tätige Vicarius Domini Factionis Marcus Vetilius Quadratus plötzlich abgesetzt wurde. Wer hat das denn initiiert? Zu uns Mitgliedern ist das nicht vorgedrungen."

    Der Auftritt der Sergia zog weitere Folgen nach sich: Menecrates erlebte seinen Quaestor so gesprächig wie nie. Und obwohl er eigentlich des Amtes müde war, zeigte er sich an dessen Äußerungen interessiert.
    "Wie mir scheint, reißen wir ein Thema an, das nicht ohne weiteres abzuhandeln ist. Bitte nimm doch Platz." Er wies auf einen Hocker, bevor er seinen - zugegeben etwas bequemeren - Stuhl hinter dem Tisch hervorschob, um sich in Flavius‘ Nähe zu setzen.
    "Meine erste Einschätzung, die Sergia betreffend, differiert gar nicht so sehr von deiner", begann er. "Inhaltlich hat sie keine neuen Erkenntnisse vermittelt, das ist ein Fakt. Als mir das klar wurde, habe ich die Befragung beendet. Warum ich mich entschlossen habe, alle schweigsamen Mitglieder der Kommission ebenfalls fortzuschicken, hat folgenden Grund: Wer in der heikelsten Befragung der gesamten Ermittlungszeit untätig die Arme verschränkt und anderen die Schwerstarbeit überlässt, hat in meinen Augen seine Daseinsberechtigung in der Kommission verwirkt. Es stand jedem frei, sich einzubringen. Wer schweigt, zeigt Interesselosigkeit an. So habe ich das Schweigen zumindest gewertet. Du bist der Einzige gewesen, der außer Tiberius hilfreich war." Er dachte kurz nach, bevor er einräumte: "Vielleicht hätte ich dich hinzuziehen sollen."
    Mir waren deine Schreibpausen zu groß, denn ich hatte nur noch eine Woche Amtszeit.
    "Aus diesem Grund betreiben wir heute den nachträglichen Gedankenaustausch." Menecrates wäre insbesondere zum Zeitpunkt der Befragung für andere Gedanken offen gewesen und obwohl er bereits eigene Rückschlüsse gezogen hatte, interessierten ihn andere Meinungen auch jetzt noch. Er hörte sich den Standpunkt seines Quaestors an, dann versuchte er sich an einer Richtigstellung.
    "Hier liegt übrigens ein Irrtum vor: Ich sehe keine Verbindung zwischen Varia und Sergia. Das ist schon alleine deswegen nicht möglich, weil es sich bei der einen um eine Amazone und bei der anderen um eine römische Bürgerin mit gänzlich anderer Kultur und Tradition handelt. Mir fehlte aber bei allen Belegen für das umfängliche Aufbegehren der Bewohner der Subura, die Verknüpfung zwischen ihnen und Varia, denn auch da gibt es keine augenfällige Verbindung. Eine Amazone ist eine weibliche Kämpferin, ohne Familie und ohne Kind. Warum sollte sie Frauen und Mütter in Rom mitreißen können?


    Wir wissen, dass es so gekommen ist, aber wir können es nicht erklären und damit gebe ich mich nicht zufrieden.


    Solange mir nicht jemand einen schlüssigeren Grund liefert, bin ich der Auffassung, dass das jahrelange Vorbild der Sergia - römische Mutter und an Dreistigkeit kaum noch zu überbieten, gleichzeitig nie von irgendjemand zurechtgewiesen, geschweige denn abgestraft - den Mut der Frauen entfacht hat. Dass ein Mann für sich und seine Familie kämpft, ist normal. Dass Frauen und Mütter sich dem Kampf anschließen, eher nicht. Das Heer der Sklaven hat für die Freiheit gekämpft und Sergia Fausta hatte sich als erste ihres Geschlechts seit Jahren aus ihrer angestammten Rolle befreit. Wie gesagt, ohne Folgen für sie."
    Sein Blick ruhte auf Flavius, als er anfügte: "Ich höre mir gerne deine Alternativerklärung an.
    Und was das Gesetz betrifft, es ist nicht im Zorn verfasst. Zornig war ich zu keiner Zeit, bestenfalls schockiert. Ich habe mit dem Leiter der kaiserlichen Ermittlungen im Nachhinein und ganz in Ruhe beratschlagt, wie der Vorfall zu werten und wie darauf zu reagieren ist. Ich habe zwar leider im Senat feststellen müssen, dass die wenigsten Senatoren noch etwas von der Mos Maiorum halten, daher bin ich ihnen einen gewaltigen Schritt entgegengekommen."

    An dieser Stelle kürzte Menecrates ab. Er hätte noch erwähnen können, dass das Wenige, was er nun noch per Gesetz erwartete, eine Selbstverständlichkeit für jeden Römer mit Werten sein sollte, aber ganz langsam dämmerte ihm, dass die Claudia womöglich die letzte Gens im Imperium war, die auf die Einhaltung der alten Traditionen pochte.

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    Original von Marcus Decimus Livianus
    "Nun, ich spreche vermutlich im Namen aller hier wenn ich sage, dass es uns natürlich immer freut neue Bekanntschaften zu schließen. Vor allem... ähm... solch bezaubernde Bekanntschaften. Also natürlich würden wir uns freuen... *räusper*.... mehr von dir zu erfahren. Nicht war Menecrates?"


    Er konnte gerade noch verhindern, dass sein Lächeln nicht erstarb. Natürlich amüsierte er sich, aber nur als Randfigur. In den Mittelpunkt wollte er gewiss nicht geschoben oder gerufen werden. Seine Devise lautetet: Mehr erfahren gern, aber am liebsten nur als Zuhörer. Er wusste nur nicht, wie er dies geschickt in Worte fassen konnte, zumal er annahm, dass nun alle Augen auf ihn gerichtet waren.
    "Meinethalben sehr gern", erwiderte er und hoffte, die Schwindelei würde nicht auffliegen. Flunkern lag ihm nicht. "Nur im Augenblick hätte ich keine Zeit. Das Consulat verlangt den vollen Einsatz und ich gönne mir nur ab und zu ein wenig Zerstreuung wie dieses Trainingsrennen."
    Er lächelte entschuldigend und das wiederum war aufrichtig gemeint. Er bedauerte selbst, so gut wie nie aus seiner kontrollierten Haut schlüpfen zu können.

    Menecrates seufzte. Er verstand nicht, wieso er sich gegenüber einer so winzigen Person hilflos fühlte. Wenn er zurückblickte, konnte sich an kein einziges Gespräch mit Sisenna oder einem anderen Kind erinnern, das annähernd nach Wunsch verlief. Dabei wusste er nicht, was er falsch und was er besser machen konnte.


    Er gab die leicht vorgebeugte Haltung auf und atmete einmal tief durch. Plötzlich überkam ihn Wut auf seine Noch-Ehefrau, die es seit Jahrzehnten nicht für nötig hielt, an seiner Seite zu stehen. Nicht, dass er sie für besonders fähig im Hinblick auf Kindererziehung hielt, aber sie eignete sich im Augenblick als Sündenbock. Menecrates hatte generell viel um die Ohren und nun, am Ende der Amtszeit, lagen die Nerven blank und die Kraftreserven waren erschöpft.


    "Lass uns morgen reden", schlug er resigniert vor. Er plante, am nächsten Tag jemand dazuzuholen. Jemand, der sich mit Kindern auskannte und ihn vor Sisennas Ausbruch schützen konnte, denn dass es einen gab, stand außer Frage.

    "Sisenna, wir müssen reden. Komm rein." Er wusste, ihm stand kein leichtes Gespräch bevor, weil er ihr beibringen musste, dass sie die Gewalt über ihre Betriebe verlor.
    Er wartete, bis sie nähertrat, dann versuchte er einen ersten Anlauf. Ein Lächeln sollte sie für das Gespräch erwärmen.


    "Viele Mädchen in deinem Alter spielen. Wünschst du dir nicht auch manchmal, dass du Zeit zum Spielen hast?" Wieder lächelte er. Ihm stand jedoch vor Augen, wie schlechte er sich bisher für Unterredungen mit Kindern geeignet hatte. Sicherlich würde Sisenna misstrauisch statt aufgeschlossen reagieren. Andererseits wusste er, wenn er schlechtes erwartete, traf dies auch meistens ein, also bemühte er sich weiterhin um ein Lächeln. Es strengte ihn allerdings an, weil es nicht von Herzen kam.

    Menecrates hörte den Ausführungen zu und blickte interessiert auf den Plan, als der ausgebreitet wurde. Er erfasste die Lage der Gebäude, erkannte die Zisterne und registrierte, dass die Quelle für eine landwirtschaftliche Nutzung ausreichend Wasser spenden würde.
    "Ich habe durchaus genügend Geld, um mir den Rückbau der Anlagen leisten zu können, aber da dies auf Kosten des Steuerzahlers geht, werde ich das selbst übernehmen. Ich vermute nämlich, dass bei meinen Ansprüchen und Vorstellungen deutlich mehr Geld für den Rückbau und die Rückerschließung der Fläche anfallen würde als was der Staat durch einen geringeren Verkaufserlös einbüßen würde.
    Ich denke, wir sind im Geschäft."


    Die Mehrung des Landbesitzes gehörte zu Menecrates‘ Leidenschaften. Er liebte die Natur und leistete es sich zuweilen, die Grundstücke nicht kommerziell zu nutzen, sondern sie der Tier- und Pflanzenwelt zu überlassen. In solchen Gebieten schöpfte er Kraft, wenn er sich ausgelaugt fühlte.

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    Original von Tiberius Helvetius Faustus
    An die Herren herangetreten. Wartete ich kurz auf einen geeigneten Augenblick.
    Meine Herren, wenn ich euch eben unterbrechen darf, die Dame Aglaia hier, interessiert sich sehr für Wagenrennen, ihr habt alle weit mehr Erfahrung als ich, ihr könnt ihr bestimmt weiter helfen und lasst sie eben so gerne an euer Wissen teilhaben.
    Ich schaute sie an und bei der Vorstellrunde den dementsprechenden Herren.
    Aglaia, wenn ich vorstellen darf, Consul Chlaudius Menecrates, Senator Decimus Livianus und Claudius Gallus Ficarius der der Factio Aurata.


    Menecrates staunte nicht schlecht, als Faustus mit einer Schönheit an seiner Seite auf sie zukam. So lange er seinen Sekretär kannte - und immerhin belief sich das inzwischen auf drei Amtszeiten - hatte er ihn bisher nie in Damenbegleitung gesehen. Auch Freunde fielen ihm bisher nicht auf, weswegen Menecrates annahm, Faustus sei ein Einzelgänger.

    Er wartete die Vorstellung ab, bei der er Faustus wie auch Aglaia interessiert musterte.
    "Salve Aglaia", grüßte er freundlich. Da er jedoch nicht zu den Männern gehörte, die sich in den Vordergrund drängten, sondern vielmehr die Tendenz besaß, im Hintergrund die Rolle des Beobachters einzunehmen, schwieg er daraufhin. Spätestens als sich etwas ereignete, was er nicht benennen oder greifen, aber sehr wohl zwischen Livianus und der fremden Schönheit beobachten konnte, beglückwünschte er sich zu dieser für ihn typischen Zurückhaltung. Frauen dieser Art hätten ihn vermutlich überfordert. Damit meinte er nicht das Aussehen, denn das erschien ihm makellos. Er meinte die Aura der jungen Frau. Aglaia wirkte durchaus gefährlich auf ihn, aber da er nur beobachtete, konnte er schmunzeln bzw. musste sogar leise lachen, als sie es schaffte, Livianus aus dem Redefluss zu bringen.


    "Nun Faustus, ich gestehe, ich bin sprachlos." Er raunte in der Hoffnung, von den anderen nicht gehört zu werden.

    Er wiegte den Kopf


    "Zu einem Ergebnis kommen wir sicherlich, aber vermutlich keins, das meinen Ansprüchen genügt. Wir haben viel erreicht, das Gröbste sogar, wage ich zu behaupten. Was noch fehlt, sind die Feinheiten und Knotenpunkte, die korrekte Rückschlüsse erlauben. Fest steht, und daran wird sich kaum noch etwas ändern, dass das Ergebnis von den Resultaten abweicht, die zu Beginn meiner Amtszeit vorgeherrscht haben. Die neue Entwicklung wird von den Cohortes Praetoriae mitgetragen. Die Cohorten und die Kommission stehen sich nicht als Konkurrenten gegenüber." Lange Zeit sah es nicht danach aus, deswegen betonte Menecrates das mittlerweile einvernehmliche Arbeiten.


    Als der Kaiser zum nächsten Thema schwenkte, ahnte Menecrates zunächst nichts Böses, dann aber weiteten sich seine Augen. Er wendete den Kopf, um für den Kaiser die Sicht auf ihn möglichst klein zu halten.


    Während seiner Amtszeit überwog das Vorhaben, seine Enttäuschung über den amtierenden Aedil in dieser Sache öffentlich zu äußern. Zuletzt wollte er es aber vom Auftreten des Aureliers abhängig machen. Er wollte selbst entscheiden, ob er es ansprach oder großmütig schwieg. Nun wurden ihm die Zügel aus der Hand genommen.


    Als er den Blick vom Kaiser abwandte, streifte er automatisch seinen Quaestor. Der Flavier kannte seine Einschätzung diesbezüglich, deswegen sah sich Menecrates nicht gezwungen, den Ausdruck seines Blickes zu verändern. Entspannen konnte er sich nicht, weil er binnen Sekunden eine Entscheidung treffen musste. Sein Blick irrte - im hoffentlich für den Kaiser schlecht einsehbaren Bereich - auf der Suche nach einer Antwort herum.


    "Ich… bin ganz gut zurechtgekommen. Lobend möchte ich den Quaestor Consulum erwähnen." An dieser Stelle traute er sich wieder, den Kaiser anzusehen. Das Lob kam aus Überzeugung, weswegen er entspannt wirkte.

    Nachdem Marsyas gegangen war, zog Menecrates zur Sicherheit noch einmal die Gesetzessammlung heran. Eigentlich sollte er schlafen, aber er wollte sichergehen. Die Erinnerung an sein eigenes Aedilat lag Jahrzehnt zurück, sodass sich die Lex Mercatus inzwischen sicherlich zigmal geändert hatte. Das Betrübliche, was sich offensichtlich auch geändert hatte, war die sofortige Strafzahlung. Als er Aedil war, erstellte er unzählige Edicte, aber immer nur Verwarnungen mit einer Fristsetzung zur Änderung. Erst nach dem ungenutzten Verstreichen der Frist wurde die zuvor angedrohte Strafzahlung fällig.
    Er fand dieses Vorgehen nach wie vor richtig. Dass es hier anders lief, stellte wieder einmal ein Zeugnis über den Charakter des amtierenden Aedils aus.


    Nach dem Studium der Gesetze stellte er fest, dass Waren gleichermaßen wie das Barvermögen die Grundlage für die überstürzte Strafzahlung bildeten. Er zuckte mit den Schultern. Die Strafe würde er begleichen, nicht sein Schützling. Der Junge kannte sich kaum im Betriebswesen aus.



    "Schickt mir mal jemand Sisenna her", rief er durch die Tür, die einen Spalt offenstand.

    Die letzten Wochen im Amt lagen vor Menecrates. Nicht nur die Amtszeit als solches hatte ihn stark gefordert, vor allem die letze Zeugenbefragung und die darauf folgende Senatsdebatte saßen ihm in den Knochen.
    Er seufzte hörbar, als Flavius ihn danach fragte. Nicht, weil er die Nachfrage lästig fand, sondern weil er selbst noch unter dem Einfluss der Ereignisse stand.


    "Ich habe, solange ich lebe, dergleichen noch nicht erlebt", begann er etwas schleppend. Das Schwungvolle hatte sich verbraucht. "Irritation trifft es für mich nicht, ich bin schockiert. Aber ich finde es hübsch umschrieben, wenn du sagt, die Sitzung hat dich irritiert." Er lächelte, wenn auch müde. "Wenn ich die Sitzung vor zwei Tagen kurz zusammenfassen müsste, würde ich sagen: Die Zeugin hat alle bis auf mich und den Trecenarius zum Schweigen gebracht. Sie hat aus unserer Sicht das letzte Teilstück zur Ursachenklärung geliefert - ungewollt - und durch sie konnte ich die Kommissionsarbeit vor dem Ende der Amtszeit abschließen. Ein Umstand, mit dem ich nicht gerechnet habe. Die für heute geplante Zeugenvernehmung des Tolmides ist abgesagt."


    Er lehnte sich zurück und atmete einmal durch.
    "Ich gebe dir anschließend den Einblick in das Fazit, was der Trecenarius und ich getroffen haben. Mich würde aber auch deine von mir unbeeinflusste Schlussfolgerung interessieren."

    Menecrates hörte Aurelius zu, schüttelte dann aber den Kopf.
    "Ich denke, die meisten wissen, was ich unter einer Waffe verstehe und solange kaum jemand die Notwendigkeit sieht, dem Kaiser ein Instrument zur Handlung zu präsentieren, ist eine Definition der Begrifflichkeit 'Waffe' zu weit vorgegriffen.
    Ich gehe dann, und es sieht ganz danach aus, erst einmal mit leeren Händen zum Kaiser."


    Als nächstes meldete sich Flavius Gracchus zu Wort und Menecrates wandte sich ihm zu. Nach dessen Redebeitrag ergriff der scheidende Consul das Wort. Er glaubte, dies würde in dieser Sitzung der letzte seiner Beiträge sein.
    "Ich greife jetzt meinem Abschlussbericht zur Kommissionsarbeit vor. Der von mir vorgestellte Gesetzentwurf ist das Resultat der Abschlussbesprechung jener Kommission. Das Resümee habe ich gemeinsam mit dem leitenden Offizier der Garde gezogen, der lange vor uns, genaugenommen seit dem Aufstand im Auftrag des Kaisers ermittelt hatte und bislang eine andere Theorie verfolgte. Die Tatsache, dass der Trecenarius auf Eitelkeiten verzichtet und sein neues Fazit meinem gleicht, ist alleine beachtenswert."

    Nur die teilnehmen Senatoren konnten ermessen, welche Wandlung die Meinung des Offiziers im Verlauf der Arbeit genommen hatte.
    "Dazu hat unter anderem die Zeugin Sergia beigetragen und zu noch mehr. Sie erreichte zum Beispiel, dass es einigen Senatoren die Sprache verschlug, sodass sie als aktiver Teil der Kommission wegfielen.
    Ich sehe, dass kaum jemand nach den Protokollen greift. Niemand hat zugestimmt, den Trecenarius als Zeugen des desaströsen Auftretens dieser Frau zu befragen."

    Menecrates behielt seine Gedanken für sich. Er wollte niemand vor den Kopf stoßen.



    "Als Ursache für den Sklavenaufstand sehen wir, der ermittelnde Gardeoffizier und ich als Leiter der Kommisssion, in erster Linie die katastrophalen Zustände in der Subura. Es muss dort an allem mangeln, was für das Leben notwendig ist.
    Bis zuletzt hat sich mir aber nicht erschlossen, wieso sich Frauen den Aufständischen angeschlossen haben. Wenn Männer für das Überleben ihrer Familien in dem Kampf ziehen, ist das erklärbar. Warum aber riskieren Frauen, dass ihre Kinder Vollwaisen werden? Das macht eine Mutter doch nur dann, wenn sie Siegchancen sieht und dafür alles in die Waagschale werfen will."

    Er gab eine weitere Antwort auf seine Frage.


    "Da wäre das Vorbild der Amazone, aber es erklärt nicht, warum sie Frauen mitziehen konnte, die in Rom aufgewachsen sind oder schon länger hier leben. Weder besitzen unsere Frauen die Ausbildung einer Amazone noch sind sie in deren Tradition aufgewachsen. Was also konnte in Rom ansässige Mütter, Ehefrauen und Töchter ermutigen, gleich ihren Männern in den Kampf zu ziehen?"
    Er blickte in die Runde, bevor er weitersprach.


    "Erst diese Zeugin mit ihrem unverschämten Auftreten konnte mir diese Frage beantworten. Wir selbst haben ein Vorbild für weibliche Aufständische herangezogen: die Sergia. Eine Amazone kann keine Mutter dazu bringen, in den Kampf zu ziehen, denn sie hat selbst keine Kinder. Anders sieht das bei Sergia aus." Er hob seinen Zeigefinder, um auf die Wichtigkeit hinzuweisen.


    "Eine römische Mutter, die sich traut, ehrbaren Männern Verachtung entgegenzuschleudern. Eine Mutter, die offen herumkrakeelt, dass sie Titel und Ämter eines Mannes innehat. Eine Mutter, die Senatoren und sogar den Consul respektlos behandelt, macht das nicht erst seit gestern. Und nie ist ihr etwas passiert. Nie ist jemand dagegen eingeschritten. SO eine Mutter vermag es, einfache Frauen, deren Kinder hungern, zu ermutigen, sich ebenfalls zu erheben. Der Pöbel wartet ab, er schaut, was passiert und ob etwas passiert. Und wenn so eine Ausgeburt an Frau ohne Gefahr tagein tagaus und Jahr für Jahr durch Rom läuft, wird sie für einfache Menschen zum Idol. Ihre Grundaussage: Lasst euch nichts gefallen! Lehnt euch auf! Überschreitet die Grenzen!"


    Er atmete einmal durch und blickte in die Gesichter der Senatoren.


    "Ich behaupte, der Charakter dieser Person wurde durch Titel und Ämter verdorben, nicht durch mangelhafte Erziehung. Titel und Ämter sind ihr zu Kopf gestiegen, sie wurde eingebildet und maßlos. Und damit sich dies nicht wiederholt, müssen alle Frauen vor dieser Verlockung und Fehlleitung geschützt werden und darüber hinaus müssen sich die Lebensbedingungen in der Subura drastisch verbessern.
    Ich werde beides dem Kaiser so empfehlen, denn letztlich macht es keinen Sinn, nach Ursachen zu forschen, wenn wir sie anschließend ignorieren."


    Er nahm wieder Platz und sah sich bereits beim Kaiser. Da er die Senatsdebatte ihm gegenüber bereits erwähnte, würde er auch vom Ergebnis berichten.

    Ah, gut dass ich gefragt habe.


    Wie soll das Ganze dann aussehen, wenn sie nicht verkauft, sondern verpachtet, vermietet oder wie man es bezeichnen will? Sollen die Betriebe bei Sisenna in der WiSim stehenbleiben und sie muss mit den neuen Besitzern einen Vertrag aufsetzen?

    Die Spitzenposition war heiß umstritten und noch lange nicht endgültig ausgefochten. Führte in Runde eins noch Lusorix, wurde er in Runde zwei bereits von Pheidon abgelöst. Runde drei erlaubte keinen Stillstand und verwies den Purpurnen wieder auf Platz zwei, was der jedoch nicht akzeptieren wollte. Er setzte zum Angriff an und zog in kleinsten Schrittchen am führenden Lusorix vorbei - gerade noch rechtzeitig, um den knappen Vorsprung in die Wende mitzunehmen.
    Des flotten Wechsels wegen und da auf den hinteren Plätzen keinerlei Bewegung zu erkennen war, richteten sich die Blicke der meisten Zuschauer auf die Spitze des Starterfelds. Einzig der Consul verfolgte auch das rennen des aktuell Letzten im Feld, um die Leistung des grünen Fahrers im Nachhinein beurteilen zu können. Rianorix fuhr kein schlechtes Rennen, reichte nur nicht an die Fahrer der anderen Factiones heran. Anderseits als Letzter atmeten seine Pferde den meisten aufgewirbelten Staub.



    Die Reihenfolge nach Runde vier:
    1) Pheidon von Calydon
    2) Lusorix
    3) Prusias Kynegros
    4) Tanco
    5) Rianorix

    So in etwa hatte ich mir die "Übergangslösung" vorgestellt, weil die neue Regelung so knapp vor dem Wochenwechsel beginnt. Eine Woche Frist ist super.



    Ich muss jetzt wegen Sisenna trotzdem noch mal fragen. Bei der Variante Curator bis Sisenna alt genug ist, würde das Eigentum doch bei ihr verbleiben und der neue Besitzer produziert.


    Ich dachte bisher, mit dem neuen Gesetz darf sie kein Eigentum mehr haben.