Beiträge von Herius Claudius Menecrates

    Der Besuch barg viel Interessantes. Zum einen konnte sich Menecrates keinen Reim darauf machen, was er sich unter dem Einladungsgrund vorstellen musste. Er spekulierte, was Spaß machte. Zum anderen stellte es eine Premiere dar, Sassia und Scato als Paar und Gastgeber auftreten zu sehen.


    Er ließ sich einen Becher mit Wasser einschenken und warte ab, während seine Gedanken schweiften.

    Die Unterhaltung begann mit einem Wettkampf zwischen Mann und Frau. Eine ungewöhnliche Kombination, wie Menecrates fand. Obwohl er sich nach jedem Sitzungstag reichlich erschöpft fühlte, kurbelte die Ansage sein Interesse an. Des Sitzens müde, stellte er sich in leicht erhöhte Position, um sich bei bester Sicht nicht vorn im Getümmel aufhalten zu müssen.


    Kurz, bevor der Kampf begann, blickte er sich nach seinen Verwandten um. Er wollte keinen Plausch halten, dafür schwirrte ihm noch zu sehr der Kopf, aber er gönnte seiner Familie Feste wie dieses.

    Der Consul seufzte ein wenig. Er würde wohl oder übel eine dritte Ausführung in Sachen Regeln vortragen müssen, was ihm keineswegs Spaß machte.
    "Sergia." Er atmete einmal möglichst unauffällig aus. "Diese Kommission ist nicht privater Natur. So wie WIR hier nicht zum Zeitvertreib sitzen, ist es DIR nicht möglich, dich der Mitarbeit zu entziehen. Ich kann dir gerne eine Pause einräumen, entlassen bist aber deswegen nicht." Der Consul hoffte, nicht noch deutlicher werden zu müssen. Er wartete auf Sergias Reaktion, von der abhing, ob er eine Pause einläutete oder veranlassen würde, sie in Gewahrsam zu nehmen.
    "Ich weise darauf hin, dass mangelnde Mitarbeit dich erneut verdächtig macht." Ob dieser Hinweis Sergia zu Einsicht verhelfen würde, wagte Menecrates zu bezweifeln. Erwähnt wollte er es aber haben.


    "Wen hätten wir alternativ auf der Befragungsliste, sollte Sergia eine längere Weile Zeit zum Nachdenken brauchen?" Er tat nur unwissend, eigentlich wusste er es. "Diesen Mann aus der Subura." Er kannte den Namen, nannte ihn aber nicht. Frauen vom Schlage Sergias waren nicht nur schnippisch, sondern zumeist auch neugierig und geschwätzig.

    In der Zeit, wo sich niemand zu Wort meldete, nahm der Consul kleine Änderungen vor. Möglicherweise ergaben sich Wortmeldungen, wenn die Senatoren den Entwurf in überarbeiteter Fassung hören konnten. Darüber hinaus reichte die Wartephase auch, um den vierten Paragrafen einzufügen.


    "Werte Senatoren, ich bitte noch einmal um Gehör. Ich habe kleine Änderungen, wie erörtert, eingearbeitet. Außerdem folgt nun der noch ausstehende Paragraf vier."



    Lex Claudia de Ludis circensibus


    Dieses Gesetz regelt die Durchführung von öffentlichen und privaten Wagenrennen.
    Trainingsrennen fallen nicht in den Geltungsbereich dieses Gesetzes. Gleiches gilt für Freundschaftsrennen, die von den Factiones ausgerichtet werden und an denen nicht mehr als zwei Rennställe beteiligt sind.
    Der Start factioloser Fahrer bei einem Rennen verändert nicht dessen Eingruppierung.



    § 1 Wagenrennen
    (1) Wagenrennen werden mit speziell umgebauten Streitwagen durchgeführt, die in der Regel mit zwei (Biga) oder vier (Quadriga) Pferden bespannt und von einem Wagenlenker geführt werden. Die Wagen sind besonders für diese Art der Bewegung gebaut und ausgestattet.
    (2) Sie werden in einer speziell vorbereiteten Örtlichkeit durchgeführt, die gesondert gesichert und kreis- oder ellipsenförmig ist.
    (3) Ein Wagenrennen (Missus) besteht grundsätzlich aus sieben Runden um die Wendepfeiler (Metae). Ein Wagenrennen hat einen Sieger, der grundsätzlich eine entsprechende Ehrung durch den Veranstalter erhält.


    § 2 Öffentliche Wagenrennen
    (1) Als öffentliche Wagenrennen gelten jene Veranstaltungen, die auf Veranlassung eines Magistraten, des Senates oder einer anderen öffentlichen Stelle durchgeführt werden.
    (2) Öffentliche Wagenrennen können an einen durchführenden Veranstalter vergeben werden. Dieser ist durch einen Veranlassenden zu autorisieren und öffentlich zu benennen.
    (3) Die Kosten trägt der Veranstaltende.
    (4) Öffentliche Wagenrennen sind in öffentlichen Arenen durchzuführen.
    (5) Der Veranstalter haftet für Schäden.


    §3 Private Wagenrennen
    (1) Als private Wagenrennen gelten alle nicht öffentlichen Wagenrennen.
    (2) Im Amtsbereich des Praefectus Urbi sind diese Wagenrennen und die Wahl der Austragungsstätte durch ihn zu genehmigen.
    (3) Diese Wagenrennen müssen in sicheren, wohl errichteten Anlagen betrieben werden, die dem Standard eines Rennens entgegenkommen.
    (4) Der Veranstalter haftet für Schäden.


    § 4 Leistungspflichten und Haftungen
    (1) Der Ausrichter ist verpflichtet, die Modalitäten des Wettkampfes offenzulegen. Dafür reicht zum Zeitpunkt der Einladung ein Konzept. Es muss die Anzahl der möglichen Starter pro Factio, die Anspannungsform und die Anzahl der geplanten Läufe enthalten.
    (2) Der finale Wettkampfplan ist verbindlich und vor Beginn des Rennens zu veröffentlichen. Er muss die Namen der Starter und der teilnehmen Factiones beinhalten.
    (3) Die Factiones haften für ihre Wagenlenker.


    "Unter dem Paragraf vier hatte ich ursprünglich einen weiteren Absatz zum Thema Strafzahlungen vorgesehen. Es sollte wie folgt lauten:
    Strafzahlungen können vertraglich festgelegt werden. Diese können Ausfälle, Änderungen oder einseitige Brüche der geschuldeten Leistung umfassen."


    Er blickte auf.
    "Da es sich aber ohnehin um eine Kann-Regelung handelt, denke ich, die Praxis wird zeigen, ob wir so einen Praragrafen aufnehmen müssen. Letztendlich kann jeder Ausrichter in der Einladung auf eine individuelle Strafzahlung aufmerksam machen. Ich denke, wir müssen das nicht per Gesetz festhalten." Nachdem die Ludi Palatini inzwischen länger zurücklagen, sah der Consul diesen Punkt deutlich lockerer als bei seinem ersten Gesetzentwurf.

    "Es gibt natürlich kein Amt des 'Imperator Caesar Augustus' und das schaffen wir auch nicht, wenn diese Kombination in Gesetzestexten auftaucht. Ich sehe auch nicht, dass der Titel 'Censor' eine leere Worthülse ist, denn er übt ja das Amt aus. Wenn wir immer alle Titel, die der Kaiser trägt, korrekt erwähnen wollten, wäre die Betitelung oft recht lang. In diesem Fall zwar nicht, das gebe ich zu, aber wir müssten sonst konsequent alle Gesetze ändern und zuweilen würde das regelrecht ausarten bei all der Ämterkombination und all den Titeln, die der Kaiser vorzuweisen hat."


    Der Consul sah einen langen Rattenschwanz und wollte diese Bedenken äußern, bevor er zur Abstimmung rief. Trotz der letzten Wortmeldung konnte er nicht erahnen, wohin die Abstimmung in Bezug auf den Titel lief. Zu viele Senatoren hielten sich zurück, etliche kamen erst gar nicht mehr zur Curia, sodass er nicht einmal einzuschätzen wusste, ob die erforderliche Mehrheit zustanden kommen würde.


    "Wie angekündigt, bitte ich um eine Abstimmung in Raten. Als erstes werden wir über die Änderung des Gesetzestextes abstimmen und im zweiten Schritt über die Amtsbezeichnung. Ich bitte um rege Beteiligung."

    Wie vorab angekündigt, erfolgte die Abstimmung in Raten.


    "Ich bitte zunächst nur um die Abstimmung, ob der von Senator Iulius vorgeschlagene Gesetzestext der Paragrafen fünfzehn und sechszehn wie folgt geändert werden soll."
    Er nahm die Tabula und verlas den Text.



    Codex Universalis
    § 15 Ordo Equester
    (3) Equites haben zum Zeitpunkt ihrer Ernennung und zu jedem beliebigen Zeitpunkt eines vom Imperator Caesar Augustus angeordneten Census mindestens ein Grundstück in ihrem oder dem Eigentum ihres Pater Familias vorzuweisen. Hat der Pater Familias selbst einen gewissen Census zu erfüllen, so darf sein daran gebundenes Eigentum hierbei nicht berücksichtigt werden.



    Codex Universalis
    § 16 Senat und Ordo Senatorius
    (3) Senatoren haben zum Zeitpunkt ihrer Berufung in den Senat mindestens zwei Grundstücke in ihrem oder dem Eigentum ihres Pater Familias vorzuweisen. Hat der Pater Familias selbst einen gewissen Census zu erfüllen, so darf sein daran gebundenes Eigentum hierbei nicht berücksichtigt werden.


    Sim-Off:

    Die Abstimmung läuft bis 28. März 12.00 Uhr

    Die Kommissionsarbeit endete heute eher als gewöhnlich, damit noch genug Zeit für das Fest blieb. Gefolgt von den Kommissionsmitgliedern betrat Menecrates den Garten und erblickte ein prächtig geschmücktes Außengelände. Klinen luden zum hinlegen ein, Speisen standen schön arrangiert, eine Kampfarena ließ ahnen, welches Programm erwartet werden konnte. Morrigan hatte ganze Arbeit geleistet. Menecrates nickte ihr lobend zu, als er sie entdeckte. Ein Lächeln umspielte seine Lippen.
    Etliche Sklaven standen bereit, um die Wünsche der Gäste umzusetzen.

    "Wir haben uns heute Zerstreuung verdient. Und selbstverständlich haben die Götter all unsere Opfer und Huldigungen verdient. Macht es euch gemütlich und habt Spaß. Es folgt ein interessantes Rahmenprogramm."
    Er ging voraus und ließ sich als erstes ein Stück Brot und Ei reichen. "Das Wetter ist uns sehr gewogen", sagte er zu seinem Nebenmann.
    Bevor er die Speisen verzehrte, ließ er sich jedoch einen Becher mit Wein reichen, den er den Göttern spendete.
    "Bitte, lasst euch bedienen!" Das Fest konnte beginnen.

    Die Raubtiere mussten in Vorbereitung auf die Hinrichtungen mehrere Tage hungern. Das minimierte ihre Trägheit, begrenzte aber gleichzeitig ihr Interesse, alle Todgeweihten zu schlagen und erst im Anschluss zu fressen. Eines der Löwenmännchen legte sich demzufolge bequem zurecht und begann sein noch lebendes Opfer im Darmbereich auszunehmen und aufzufressen. Dem Unglücklichen erlöste die Ohnmacht, nachdem er gellende Schreie von sich gab.


    Die Wärter griffen noch nicht ein, weil sowohl das zweite Löwenmännchen als auch der Tiger im Jagdmodus verbleiben. Während der Tiger sich seitlich anschlich, zogen sich die Verurteilten zurück, aber der Rückzug bestand in einer Annäherung an den fressenden Löwen. Der ließ sich zwar nicht beeindrucken, aber die Todeskandidaten verspürten wenig Lust, sich ihm zu nähern. Ein Ausweichen zurück verhinderte der Käfig, blieb noch der Ausfall nach vorn. Wie sie es auch anstellten, sie würden nicht überleben und manche bevorzugten wohl den frühzeitigen Tod als das Hinausziehen der Folter.


    Zwei Männer brachen aus, zogen die Aufmerksamkeit des Tigers auf sich und wurden nacheinander gestellt. Sie wehrten sich nicht, sondern sanken in die Knie. Dem einen biss der Tiger in den Kopf, den anderen packte er am Arm und zog ihn in einen entfernten Bereich. Hier begann er, am Schenkel Muskelfleisch herauszureißen. Das Löwenmännchen preschte derweil durch die restlichen Gefangenen. Es schien mal wütend, mal verspielt und verteilte mit seinen Pranken herbe Wunden. Haut und Fleisch hingen bei einer Frau herab. Sie stand unter Schock und stellte in ihrer Erstarrung kein erstrebenswertes Opfer mehr dar.


    Nach und nach wurde alles, was lief gestellt und bewegungsunfähig gebissen. Wimmern und Schreie wurden leiser ehe sie ganz erstarben. Man ließ den Tieren Zeit, ihren Hunger zu stillen, bevor sie in den Tunnel und anschließend in ihre Unterkunft getrieben wurden. Die menschlichen Überreste wurden zusammengeworfen, aufgeladen und aus dem Circusrund geschafft.

    Nichts konnte Menecrates einen irreführenden Verdacht plausibler erklären als die Tatsache, dass er auf der Grundlage eines für Frauen abwegigen Lebenslaufes zustandekam. Er folgte dem Disput der beiden Offiziere, dann schaltete er sich ein.


    "Also, ich muss gestehen, mich überzeugt die dargelegte Begründung für den ursprünglichen Verdacht." Zum ersten Mal stellte sich der Consul auf die Seite des Trecenarius. "Betrachtet man alleine das Wesen der Zeugin und führt sich vor Augen, wo sie positioniert ist, stellt sich mir nicht nur die Frage, wer unterstützt sie und zu welchem Zweck. Mir scheinen eigene Antriebfedern nicht unwahrscheinlich und ich halte es für richtig, wenn solche Personen von den Speculatores genauer überprüft werden." Im Gegenteil beruhigte solches Vorgehen sogar den Consul.


    "Wir haben aber auch gehört, dass sich der Anfangsverdacht nicht bestätigt hat. Also lasst uns das Wissen der Zeugin bei der Aufklärung des Aufstandes nutzen."
    Er wandte sich an Sergia, was ihm sichtlich schwerfiel.


    "Der Quaestor hat dir vorhin eine Frage gestellt, die wir alle gern beantwortet haben möchten.
    Was konntest du den Cohortes Praetoriae hinsichtlich der Verstrickung deines Ianitor berichten?"

    Seit dieser Amtszeit wusste Menecrates so genau wie nie zuvor, wann welcher Festtag stattfand und wie viele Feste eine einzelne Gottheit ausgerichtet bekam. Alleine Mars waren in dem nach ihm benannten Monat etliche Feste gewidmet und auch Minerva wurde nicht nur am heutigen Quinquatrus Maiores geehrt, sondern auch noch einmal im Juni und natürlich obendrein als Bestandteil der Göttertrias. Ursprünglich galt der heutige Tag auch als Festtag des Mars, aber irgendwie hatte es Minerva geschafft, ihn zu verdrängen.
    Ob die Minervalia, die Menecrates als Eintrag im Kalender vorfand, etwas Eigenständiges waren oder im unmittelbaren Zusammenhang mit den Quinquatrus Maiores standen, wusste der Consul nicht zu sagen und ihm blieb auch keine Zeit, diesbezüglich Rücksprache mit seinem Quaestor zu halten, der sich auf diesem Gebiet als sehr belesen erwiesen hatte.


    Das Fest wurde jedenfalls besonders von Handwerkern und Künstlern im Überschwang gefeiert, wobei die mehrtägige Feier der Quinquatrus Maiores am Minervatempels auf dem Aventin begann. Die Göttin erhielt von den Priestern ihres Tempels mehrere Opfertiere, eines von ihnen - eine weiße Ziege - stammte vom Consul, der als Zuschauer dem Akt folgte. Er selbst wollte am nächsten Tag aktiv werden und eine Cena mit privaten Gladiatorenkämpfen ausrichten. Die Vorbereitungen liefen bereits.


    Weitgehend abgeschlossen waren hingegen die Vorbereitungen für das folgende Minervafest am Aventin, zu dem jung und alt, aber vor allem die Angehörigen der Berufe kamen, denen die Göttin Minerva Schutzpatronin war. Jede Menge Kunstgegenstände und Handwerksarbeiten wurden feilgeboten.

    Welche Form der Entschädigung Menecrates für angemessen hielt, konnte er nicht auf Anhieb sagen. Sie musste ihn überzeugen, so viel stand fest. Er wusste allerdings, dass der soeben vernommene Vorschlag für ihn bisher nicht in der Auswahl stand. Entsprechend Zeit nahm er sich, darüber nachzudenken. Sein Blick ging zu Faustus und richtete sich anschließend wieder auf Tiberius. Dann atmete er einmal durch und legte langsam ein paar Schritte im Atrium zurück - weg von den Personen. Das Nachdenken hinderte ihn daran, seinen Groll zu pflegen. Seit er denken konnte, vermochte er es nicht, zwei Dinge gleichzeitig zu tun.
    Er wog ab. Was gewann er, wenn er sich auf den Vorschlag einließ? Eine Waffenruhe, die im Angesicht der Concordia geschlossen wurde. Das bedeutete, in Zukunft blieben Morrigan und das restliche Personal verschont. Seine Familie sah er nie in Gefahr, aber auch diese würde von der Waffenruhe profitieren sowie auch seine eigene Person. Rückwirkend brachte Tiberius' Vorschlag nichts.
    Geld oder andere materielle Dinge brauchte Menecrates nicht. Vor allem aber sicherten sie die Zukunft nicht ab. Rückwirkend konnten sie als Entschädigung gelten. Wie es aussah, musste sich Menecrates zwischen Zukunft und Vergangenheit entscheiden. Eine Entschädigung stand gegen ein Versprechen ... zukünftig Friede und keine Entschädigung oder eine Entschädigung für den bisherigen Krieg und die Zukunft blieb offen.


    Er drehte sich den Männern zu, weil er einen Entschluss gefasst hatte.
    "Ich bin mit deinem Vorschlag einverstanden - unter zwei Bedingungen." Er achtete auf die Reaktion, bevor er fortfuhr. "Bedingung eins: Die Ableistung des gemeinschaftlichen Eides wird nach meinem Consulat sein. Bedingung zwei: Angesichts der begangenen Dreistigkeit, möchte ich außer dem Schwur für die Zukunft eine Gegenleistung für das Vergangene. Du verpflichtest dich mir gegenüber zur Informationslieferung über Vorgänge, die mich tangieren, aber nur in dem Maße, wie sie für dich vertretbar sind. Das klingt schwammig, das ist es auch, aber so fühle ich mich annähernd gut."

    Als Menecrates gestern die Einladung seines Schwiegerenkels erreichte, musterte er sie lange. Einmal drehte er sie sogar, um sich zu überzeugen, dass auf der Rückseite auch kein Hinweis auf den Tag der Cena stand. Die Tageszeit musste er nicht erraten, sie stand weitgehend fest für Einladungen dieser Art.
    Es gab mehrere Möglichkeiten, wie er mit der rätselhaften Einladung umgehen konnte. Eine davon war die schriftliche oder mündliche Nachfrage über einen Boten. Da der Consul aber an den kommenden Tagen teils selbst eine Cena abhalten würde, teils anderweitigen Verpflichtungen nachgehen musste, entschloss er sich zum risikoreichen Besuch bei der Villa Flavia gleich am Folgetag der Einladung. Immerhin klang das Anliegen wichtig und möglicherweise erhielt der Consul heute noch Informationen, die für die letzten Wochen seiner Amtsausübung relevant waren.


    Er legte die Strecke zwischen den beiden Villa zu Fuß und in Begleitung seiner Liktoren, seines Leibwächters sowie seines Sekretärs zurück. Einen der Liktoren schickte er zur Porta, damit er dem dort stehenden Ianitor die Einladung überreichte.


    "In Ermangelung eines Datums hofft der Consul, mit dem heutigen Tag die Planung auf das Genaueste getroffen zu haben."

    Das Gremium blieb weitgehend stumm, was der Consul zum überwiegenden Teil darauf zurückführte, dass die Grundintension des iulischen Vorstoßes auf breite Zustimmung traf. Trotzdem wollte er die anwesenden Senatoren noch einmal zur Meinungsäußerung ermuntern.


    "Werte Senatoren, ich möchte niemanden übergehen, indem ich vorschnell eine Abstimmung anrege. Wenn also der eine oder andere noch etwas zu sagen hat, dann wäre jetzt der richtige Zeitpunkt." Er blickte entlang der Reihen, damit sich weitgehend jeder angesprochen fühlen konnte, dann fuhr er fort.


    "Was die Abstimmung betrifft, tendiere ich dazu, sie in zwei Schritten ablaufen zu lassen. Die bisherigen Wortmeldungen lassen erkennen, dass einer der Änderungsvorstöße auf Zustimmung stößt, während der andere eher Skepsis erzeugt bzw. einen Alternativvorschlag erbracht hat.
    Ich möchte die Annahme des einen Parts nicht durch die Ablehnung des anderen gefährden. Es ist heute bereits sehr spät und wir haben nur noch kurze Zeit, um überhaupt einen Beschluss zu fassen. Es wäre verschenkte Zeit, wenn ich morgen noch einmal eine Sitzung zum gleichen Thema einberufen müsste und wir wieder von vorn anfangen."


    Nochmals schaute er in die Runde.
    "Es darf sich jetzt also gerne noch zur Sache geäußert werden. Ist das nicht der Fall, stimmen wir ab. Dann wird sich auch zeigen, wie die einzelnen Vorstöße ankommen."


    Der Conaul setzte sich zurecht und nahm eine gemütliche Haltung ein. Damit machte er deutlich, dass er das Gremium nicht unter Zeitdruck setzen würde, obwohl er noch heute eine Beschlussfassung anstrebte. Leider neigte sich der Tag dem Ende zu. Hätte Iulius seine Bitte um die Ansprache des Themas etwas länger im Voraus geäußert, würde seine Redezeit nicht am Ende eines ohnehin vollen Senatstages liegen. Auf der anderen Seite glaubte der Konsul fest daran, dass das Gremium trotz der Zeitknappheit in dieser überschaubaren Sache heute noch zu einem Beschluss kommen würde.

    Anders als von ihm geplant, erhielt der Consul die von Sergia erwartete Antwort vom Trecenarius. Dafür konnte es zwei Erklärungen geben: Entweder übernahm Tiberius die Antworten, damit Sergia nichts Unpassendes äußerte oder es lag ein Missverständnis vor. Es bestand nämlich die Möglichkeit, dass Tiberius fälschlicherweise annahm, dass sich die Frage an ihn richtete, weil der Consul mit Absicht die Sergia keines Blickes würdigte, obwohl er sie ansprach.


    Da jedoch der Quaestor bereits die Kommissionsarbeit weiter vorantrieb, wollte Menecrates nicht zurückrudern, um den Antrieb des Tiberiers zu ergründen. Er nahm sich vor, zukünftig - wenn auch widerwillig - die zu Befragende anzublicken, wenn er etwas von ihr erklärt haben wollte, um Missverständnisse auszuschließen. Er würde sein Missfallen, ja seine Verachtung darüber kontrollieren müssen, dass eine Frau in Ritterwürde durch Rom spazierte, die nach seiner Ansicht nur durch militärische Ehren erworben werden dürfte. Er fühlte sich in alte Zeiten zurückgeworfen, wo Frauen in hohen Positionen und sogar im Senat saßen. Wo Frauen jede gute Sitte mit Füßen stießen und anstatt Mäßigung an den Tag zu legen, laut krakelend ihre absurden Stellungen im Staat Männern unter die Nase rieben und damit deren Verdienste entwerteten.


    Der Consul atmete einmal tief durch und versuchte, sich auf die noch ausstehenden Antworten zu konzentrieren.

    Menecrates bemerkte den Eifer und freute sich insgeheim. Er überflog gedanklich die kommenden Termine, wobei er nicht einzuschätzen wusste, welche noch sein Quaestor abnehmen würde und welche vornehmlich von ihm beaufsichtigt, ausgerichtet, gesponsert, wie auch immer wurden. Das noch etwas entfernt liegende Tubilustrium stand vermutlich in noch keines Magistraten Terminplan.

    "Es gibt naheliegende Termine, an denen du dich gerne beteiligen kannst. Wenn es aber um eine konkrete Hilfestellung geht, möchte ich einen Termin vorschlagen, für den es bislang noch keine Vorbereitungen gibt. Es handelt sich um das Tubilustrium ANTE DIEM X KAL APR DCCCLXVIII A.U.C. (23.3.2018/115 n.Chr.). Welche Form der Unterstützung könntest du dir vorstellen? Oder wäre es dir lieber, unter Anleitung zu arbeiten?"

    Vielen Dank! Das war sehr hilfreich.
    Wäre es nicht vielleicht schlau, so lange es keinen Text im Wiki gibt, einen externen Link zu setzen.


    Leider haben sich bereits neue Fragen ergeben.
    Ich habe nichts zur Minervalia gefunden und auch nichts zum Septimatrus. Bei letzterem weiß ich immerhin, dass es ein Fest ist, das am 7. Tage nach den Idus eines Monats gefeiert wurde. Ich weiß nur nicht, wie das geschieht.

    Glücklicherweise waren die Wetterbedingungen zu diesen Equirria deutlich bessere als zu den letzten. Ansonsten wäre es recht zugig auf der Biga gewesen, denn obwohl die Pferde gezügelt liefen, spürten der Consul und sein Quaestor mehr vom Wind als wenn sie sich zwischen den Tänzern der Formation befanden. Der versammelte Trab wechselte mitunter in den Schritt, aber nur kurzzeitig. Die Menschen, die Aufregung ringsum und fernes Wiehern veranlassten die beiden Pferde vor der Biga, immer wieder anzutraben. Der Lenker hatte sie jedoch im Griff, sodass der vorwiegend gezügelte Trab einen besonders majestätischen Anblick bot.
    Ein Blick zur Seite verriet dem Consul, wie angespannt der junge Gracchus wirkte. Derart stark strahlte die Sonne nicht, um Schweißperlen allein der Hitze wegen produzieren zu können.
    "Du hast bisher alles, was du in Angriff genommen hast, bravurös gemeistert. Diese Equirria werden da keine Ausnahme bilden. Genieße den Augenblick und verliere dich nicht in Sorgen."


    In der Folge liefen die allseits bekannten Riten ab und obwohl der Ablauf wenig Neues bot, erfasste Menecrates doch wieder einmal eine Form von Ehrfurcht. Er vermeinte, die Anwesenheit des Gottes zu spüren. Längst befanden sich Consul und Quaestor in der Loge. Menecrates hielt sich zurück, um das Feld dem Jüngeren zu überlassen.

    Menecrates schaute Faustus an. "Ich dachte anfangs nicht, dass du es ernst meinst mit einer Probefahrt. Lass dich bloß nicht dazu hinreißen. Die Jungen fallen noch glücklich. Je älter umso mehr Schaden nehmen wir bei Unfällen und ich wollte dich schon noch recht lange hilfreich an meiner Seite wissen."


    Um die Aussage nicht zu entkräften, lächelte er nicht. Stattdessen konzentrierte er sich auf die nächste Aussage.
    "Stimmt, wir bräuchten einen guten Trainer, einen mit Erfahrung und mit Akzeptanz. Ich halte diesbezüglich meine Augen offen, allerdings so richtig Zeit dafür werde ich erst nach dem Ende meiner Amtszeit aufbringen können. Bis dahin darf das Training natürlich nicht warten. Wir müssen mit dem vorlieb nehmen, was aktuell die Praesina zu bieten hat. Auch wenn es nur ein mittelmäßiger Trainer ist."


    Er blickte den Fahrern hinterher, die Richtung Stallungen fuhren. Die Pferde mussten versorgt werden, die Wagen kontrolliert und die Fahrer selbst mussten zur Auswertung des Trainingsrennens.
    "Ich vermutete auch, dass wir mit Syennesis noch einige Schwierigkeiten haben werden. Trotzdem hoffe ich, dass er sich irgendwann einfügt. Komm, lass uns auch reingehen. Es ist kalt." Tisander begeisterte Menecrates. Er wollte nur nicht zu offensichtlich loben, damit der junge Fahrer keine Flausen in den Kopf bekam.

    Dieses Agonium war bereits das dritte während Menecrates' Amtszeit. Es lag im März. Der März beherbergte etliche Feste zu Ehren Mars, nicht zuletzt die Equirria. Das lag sicherlich daran, weil zu dieser Jahreszeit - wie in keiner anderen - die Vegetation sprießte oder begann zu sprießen und ursprünglich der Mars in Form von Mars Silvanus als Vegetationsgott in Erscheinung trat. Er spendete Menschen, Tieren und den Feldern Fruchtbarkeit und Gesundheit. Niemand wollte mehr etwas vom Winter wissen, er wurde buchstäblich ausgetrieben. Der alte Jahresbeginn war Mars und Iuno gleichermaßen geweiht und so lang es nahe, den Monat auch gleich nach dem Gott zu benennen.
    Es gab vor Tagen die Waffentänze der Sallii, es gab die Rennen auf dem Marsfeld und heute außerdem eine Opferung im Tempel.
    Der Consul stellte eines der Opfer für den Stammvater und Schutzherrn Roms.