Beiträge von Herius Claudius Menecrates

    Honigkuchen gehörte nicht zur Lieblingsspeise des Consuls, aber er wusste, dass seine Nichte das Gebäck lecker fand. Außerdem musste der Liber dem Honigkuchen zugetan sein, denn er erhielt zu seinem Fest ausschließlich von dem süßen Gebäck geopfert. Damit Sisenna nicht in Versuchung kam und da Menecrates Honigkuchen nie im Leben gegessen hätte, gesellte sich der Consul ohne Nichte, aber in Begleitung seiner Liktoren für einige Augenblicke zu den Menschen auf seiner Straße, nachdem ihm Magrus sollte die Ankunft der alten Frauen gemeldet hatte.
    Der Consul gab mehr Sesterzen hin als er an Kuchen zurückbekam und das mit Absicht. Darüber hinaus kaufte er viele Kuchen, um eine angemessene menge dem Liber opfern zu können. Während das Gebäck verbrannte, entwickelte sich ein eigentümlicher Duft, den der Wind mit sich nahm und in die von ihm bevorzugte Richtung verteilte.


    Eine lange Weile beobachtete Menecrates das Treiben. Er blickte den Frauen noch hinterher, als sie längst weiterzogen. In diesem Jahr gab es keinen Spross aus seinem Haus, der im Zuge des Festes ein Mann wurde.

    Ein Römer hohen Standes sollte seine Beherrschung nicht verlieren. Die Dreistigkeit, mit der Tiberius vorging, als er Morrigan auf offener Straße einkassierte und brandmarkte, ließ Menecrates jedoch seine gute Kinderstube vergessen, denn die Handlung richtete sich nicht ausschließlich gegen Morrigan, sondern in erster Linie gegen ihn.
    Die erste Aussage, es handele sich um einen Fehler in der Befehlskette, eignete sich nicht im geringsten, Menecrates zu besänftigen. Vielmehr erzeugte sie weiteres Unverständnis und Unmut. Da er jedoch zu Höflichkeit erzogen wurde, hörte er weiter zu, ohne ins Wort zu fallen. Erst die erfolgte zweifache Entschuldigung stoppte das innerliche Hochschaukeln und milderte die Verstimmung. Ihm folgte allerdings ein solcher Patzer, der Menecrates regelrecht wütend machte.


    "Was denkst du eigentlich, bringen wir unseren Kindern bei? Meine Enkelin hat sicherlich keinen Nachholbedarf, genauso wenig benötige ich finanzielle Unterstützung für die Ausbildung meiner Kindeskinder." An dieser Stelle verletzte Tiberius den Stolz des alten Claudiers. Keine gute Grundlage für weitere Verhandlungen.


    Trotz allem bevorzugte Menecrates den außergerichtlichen Vergleich. Als Praetor riet er dies allen Vorsprechern, warum sollte er bei sich eine Ausnahme machen.


    "Ich nehme stellvertretend für meine Sklavin ein Zehntel Talent Gold als Schmerzensgeld." Die Summe fand er angemessen, allerdings geltete sie ausschließlich Morrigans Ansprüche ab.


    "Die Frage bleibt, wie gedenkst du mich zu entschädigen?" Er ließ den Satz wirken, bevor er anfügte: "Mit ein oder zwei Entschuldigungen ist es nicht getan und ich bezweifle, dass die ausführenden Soldaten die passenden Adressanten für eine Strafe sind."

    Der Consul wartete ein Weilchen, dann richtete er das Wort ans Gremium.


    "Werte Senatoren, wie ist die Meinung zu den gehörten Vorschlägen?" Er blickte in die Runde und wartete nochmals einen Moment. Obwohl er die Diskussion ungern lenken wollte, entschloss er sich zu einer eigenen Stellungnahme. Manchmal war es vonnöten, das Eis zu brechen und es erfolgte erst danach eine Diskussion.
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    "Ich habe zu beiden Vorstößen eine Meinung. Die Bestrebung der Änderung in Paragraf sechzehn befürworte ich. Die Patria Potestas ist ein schwer zu umschiffendes Hindernis bei der Beschaffung eigenen Grund und Bodens." Das alleine überzeugte Menecrates. Seine Entscheidung hing nicht mit der eigenen Familiensituation zusammen, denn sein Sohn strebte seines Wissens und vor allem aktuell nicht an, Senator zu werden.


    "Den Änderungsvorschlägen in Paragraf fünfzehn stehe ich teils offen, teils weniger offen gegenüber. Zum einen müsste meiner Meinung nach entweder in allen Gesetzen oder in keinem der betreffende Wortlaut 'Imperator Caesar Augustus' geändert werden. Zum anderen besteht bei den Begriffen Censor und Census schnell Verwechslungsgefahr und vor allem ist die Formulierung Imperator Caesar Augustus selbst vom kleinsten Geist richtig zu entschlüsseln, während ich behaupte, mit dem Begriff Censor kennt sich überwiegend die Elite aus."


    Sim-Off:

    Ich finde keine bessere SimOn-Begründung. Tatsächlich möchte ich meine SimOff-Bedenken ausdrücken, denn vor vielen Jahren war das IR einmal für völlig Unbedarfte einladend, weil es nicht so kompliziert wirkte wie heute. Ich dachte, wir wollen auch weiterhin Personen ansprechen, die nicht studiert haben, kein Latein können und gerade erst anfangen, sich für Geschichte zu interessieren.

    Der Consul wandte sich an Aurelius.
    "Das Gesetz regelt die sportliche Disziplin 'Wagenrennen', bei der weder Arbeitspferde noch Maultiere oder anders gestaltete Wagen an den Start gehen dürfen. Die Ergebnisse werden in Büchern erfasst, summiert und münden in einem Ranking der Fahrer. Schauläufe - gleich welcher Art und Ausstattung - fallen nicht in den Wirkungsbereich dieses Gesetzes.
    Wenn ein Ausrichter zu den Consualia Wagenrennen anbieten möchte, die in jene Wertung einfließen sollen, müssen Tiere und Wagen dem Gesetz genügen. Ansonsten fallen sie in die Kategorie Schaurennen und sind somit nicht reglementiert.
    Die Anzahl der Pferde vor den Wagen habe ich vorhin selbst zur Diskussion gestellt. Mit dem Einschub 'in der Regel' lässt die Definition an dieser Stelle Spielraum zu. Für welche Anspannungsvariante sich der Ausrichter entscheidet, kann er in der Einladung deutlich machen. Das gehört inhaltlich zu Paragraf vier."
    Anschließend verlas er die neue Formulierung, wobei er die Reihenfolge umstellen musste, damit nicht ein spitzfindiger Zeitgenosse die Ausnahme der Regel zusätzlich auf den Wagenlenker bezog.


    § 1 Wagenrennen
    (1) Wagenrennen werden mit speziell umgebauten Streitwagen durchgeführt, die in der Regel mit zwei (Biga) oder vier (Quadriga) Pferden bespannt sind. Die Wagen sind besonders für diese Art der Bewegung gebaut und ausgestattet. Sie dürfen nur von einem Wagenlenker geführt werden.


    Er blickte in die Runde.
    "Weitere Meinungen zu diesem Punkt?" Und in der Tat, Iulius meldete sich noch einmal zu Wort. Die erste Anmerkung - die Anzahl der Pferde betreffend - fand der Consul soeben gut geklärt, daher ging er nicht noch einmal darauf ein. Er nahm an, sie sei auch für Iulius adäquat gelöst worden und falls nicht, würde er sich sicherlich noch einmal zu Wort melden. Die weiteren Ausführungen beinhalteten einen erneuten Vorschlag zur Umformulierung des ersten Paragrafen.
    "Ich verstehe die Intension. Wahrscheinlich möchtest du auf die verschiedenen Muss/Soll/Kann-Möglichkeiten einer Vorschrift hinweisen und die Muss-Variante einbringen. Da ich bei der Anzahl der Pferde bereits für eine Ausnahmeregelung eintrete, siehst du trotzdem für den Rest zwingend die Notwendigkeit, ihn umzuformulieren? Ich hatte den Wortlaut teilweise schon ändern müssen, um die Ausnahme der Regel nur auf die Anspannung zu begrenzen. Ich störe mich bei deinem Vorschlag zum Beispiel an Ausformulierungen wie: '...geführt zu sein haben'. Ich neige selbst manchmal zu einerseits rechtlich korrekten, aber andererseits umständlichen Formulierungen. Wenn wir sagen: Die Wagen sind besonders für diese Art der Bewegung gebaut und ausgestattet, ist das eine indikative Feststellung, die einer Muss-Vorschrift gleichrangig gegenübersteht. Oder vielleicht findet sich noch ein anderer Vorschlag?"


    Wieder blickte er in die Runde und ließ Raum für Wortmeldungen, bevor er sich auf den letzten Einwand in Bezug auf die Streckenlänge besann, den Aurelius äußerte. Er durchdachte ihn kurz und nickte. "Einverstanden. Die Rundenlänge muss nicht zwingend festgehalten werden."


    Abschließend ging er noch auf das letzte Plädoyer des Iuliers ein.


    "Ich kann deinem Anliegen folgen, den Wortlaut Imperator Caesar Augustus streichen zu wollen. An dieser Stelle bin ich flexibel und schließe mich der Mehrheit an. Für den Durchschnittsbürger mag es mit der Erwähnung klarer sein, ein Praetor bräuchte sie sicherlich nicht."

    Der Consul befand sich an der Spitze des überschaubaren Zuges, der von Station zu Station zog. Hier und da schlossen sich ihnen Schaulustige oder Gläubige an. Auch der eine oder andere in hohen Rängen oder Positionen.
    Der eigentliche Festakt und große Umzug würde erst im Mai stattfinden, wenn sämtliche Puppen wieder eingesammelt und letztendlich in den Fluss geworfen wurden. Im Mai würde der große Festumzug vom Pontifex Maximus angeführt werden. Zu dieser Zeit gab es dann zwei andere Consuln. Trotzdem würde Menecrates auch an diesem Zug teilnehmen - sicher nicht an vorderster Front, aber auch nicht irgendwo in der Mitte oder hinten. Er würde zwischen seinen Senatskollegen laufen und sich an jene halten, die zur stillen Mehrheit gehörten. Auch sein Vorhaben war es, sich der schweigenden Mehrheit anzuschließen. Noch konnte er das nicht, noch war er der amtierende Consul.
    Priester und Vestalinnen, Magistrate und der Pontifex würden dem Umzug zu reichlich Aufmerksamkeit verhelfen - am vierzehnten Tag des Mais.

    Menecrates schloss sich ein Stück des Weges an, bevor er ins Triclinium abbog. Zuerst brauchte er ein Frühstück, bevor es an die Arbeit ging. Für eine kulinarische Versorgung und die Erfrischung während des Dienstes sorgte Morrigan gerade.


    Kurz vor Erreichen des Tricliniums antwortete er: "Im Normalfalls bevorzuge ich wöchentliche Abrechnungen, weil sie weniger umfangreich sind. Allerdings kommt am Ende meiner Amtszeit noch sehr viel auf mich zu, weswegen ich nicht annehme, wöchentlich dafür Zeit opfern zu können. Ich muss mich auf dich verlassen und ich verlasse mich auch auf dich. Wir beginnen nach meiner Entlastung mit der Buchkontrolle. Vielleicht kann das aber auch mein Sekretär bis dahin oder generell übernehmen?" Eine Antwort wusste er nicht, aber er würde Faustus fragen.
    "Wenn du noch ein paar Nüsse ins Arbeitszimmer bringst, wäre mir sehr geholfen. Knabbereien scheinen Energien freizusetzen."


    Dann bog er ab und ließ sich auf einer Kline nieder. Sklavinnen sorgten für seine erste Mahltzeit des Tages.

    Silana besaß verschiedene Talente, die ihr alle zu einem Ziel verhalfen: im Mittelpunkt der Aufmerksam zu stehen. Selbst wenn sie saß, konnte keiner der Anwesenden umhin, sie anzusehen, auch wenn es nur dem Umstand geschuldet war, dass sie die Sicht der beiden Männer verdeckte. Gleichzeitig verstand sie es, ihren Opa um den Finger zu wickeln, weil ihr Antrieb weniger Egozentrik als vielmehr unschuldige, wenn auch zügellose Neugier war.


    Morrigans Auskunft reichte natürlich nicht, Marcellus sollte sich vom Hausherrn eingeladen fühlen. "Selbstverständlich wohnst du hier. Die Villa ist groß genug und wenn sogar mein Privatsekretär ein eigenes Zimmer hat, dann doch erst recht du." Er blickte zu Morrigan und dankte mit einem Nicken für die eigenständige Vorbereitung des Gästezimmers. "Ich nehme nur Wasser. Silana? Lucius?" Er fuhr fort, bevor er das Getränk in den Händen hielt.


    "Ich habe immer genügend Dinge auf der Wachstafel, die ich abarbeiten muss. In ein paar Tagen wird das weder besser noch schlechter sein. Lass uns doch schon jetzt beratschlagen. Die Umsetzung selbst muss ja nicht sofort sein. Du sollst dich natürlich erst eingewöhnen und von der Reise erholen.
    Mach einen Ausflug, sieh dir Rom an, tauche ein in den Nabel der Welt. Allerdings, solltest du Silana als Begleitung wählen, richte dich auf Abenteuer ein.
    " Ein Schmunzeln lag auf seinen Lippen, als er fortfuhr. "Apropos Ausflug. Du könntest mich tatsächlich im letzten Teil meiner Amtszeit bei der Auskleidung der kultischen Verpflichtungen unterstützen. Mir würde es helfen. Für dich wäre es gut, wenn du in der Öffentlichkeit gesehen wirst und es ist wichtig, bei was man gesehen wird. Eine beiderseitige Gewinnsituation."

    Der Consul ignorierte die Zeugin. Er mochte Frauen dieses Schlages nicht, aber hier ging es nicht um Sympathien, sondern um Ermittlungen, was allerdings nicht bedeutete, dass er sich an ein Gängelband legen ließ. Stattdessen verfolgte er genauestens, was Tiberius zum Sachverhalt sagte.
    Was er zu hören bekam, klang plausibel. Das änderte zwar nichts an der Tatsache, dass diese Erklärung um mindestens eine Stunde zu spät kam, aber es brachte den Consul dazu, sich wieder weitgehend neutral gegenüber Tiberius verhalten zu können. Er würde den Trecenarius trotzdem nach der Sitzung zur Seite nehmen, um eine Wiederholung zu vermeiden.


    Woran er aktuell zweifelte, war die Qualität der Zeugin. Aber er wollte auch nicht den Tag vor dem Abend schlecht dastehen lassen, daher schob er den Gedanken fort.


    "Werte Kommissionsmitglieder. Nachdem uns der Trecenarius die Zeugin", er wies mit der Hand auf Sergia, "in seinem Bericht als Verdächtige präsentiert und heute als unbescholten dargestellt hat, schlage ich vor, wir machen uns im Verlauf der Befragung ein eigenes Bild. Am Ende können wir immer noch überlegen, ob wir eigene Ermittlungen anstreben oder die Einschätzung des Trecenarius übernehmen wollen."


    Einsprüche konnten jederzeit geäußert werden, aber solange sie nicht erfolgten, fuhr der Consul mit der Befragung fort.
    "Um welchen Sklaven handelt es sich denn und wo befindet er sich jetzt?"

    Über die Bemerkung 'normal ist hier niemand' hätte Menecrates im Normalfall lachen können, allerdings an diesem Ort und in Anwesenheit von Gefangenen kam keinerlei Belustigung auf. Besonders ergiebig fand er die Befragung der Varia auch nicht mehr, denn wie es schien, ebbte die Kooperationsbereitschaft ab. Einige Details konnten sie erfragen, anderes blieb unbeantwortet. Mittlerweile empfand er ihren Aufenthalt in dem stinkenden Etablissement noch unangenehmer als zu Beginn.


    "Also ich habe keine Fragen mehr." Sollte noch jemand anderer Fragen haben, dann hoffte er, derjenige würde sich kurz fassen. Der Consul wollte gerne raus und frische Luft schnappen. Das gab er allerdings nicht zu erkennen, sondern harrte weiterhin geduldig aus, bis sich die Mehrheit der Kommissionsmitglieder ebenfalls für einen Abbruch aussprachen.

    Das Trainingsrennen sollte vielerlei Aufschlüsse geben. Neben der allgemeinen Einschätzung des Leistungsstandes wollte Menecrates auf Kollegialität, auf Finesse und Risikobereitschaft achten.

    "Unser Küken ist ein absoluter Glücksgriff"
    , stimmte er Faustus zu. Er freute sich, was er dadurch zum Ausdruck brachte, dass er Faustus' Schulter ergriff und einmal schüttelte. "Unglaublich und tadellos bisher seine Leistung. Syennesis hingegen..." Er machte ein Pause, in der er Mund und Brauen verzog. "Tja, nicht jede Investition gelingt. Ich bin gespannt, ob es sich irgendwann auszahlt, dass ich mich über ihn geärgert, für ihn viel riskiert und nicht zuletzt ordentlich bezahlt habe."


    Sein Blick folgte den Vorgängen auf der Bahn. "Letztlich profitieren trotzdem alle, auch diejenigen, die hier nicht gewinnen. Sie sammeln Erfahrungen, die sie hoffentlich bei einem Wettkampf in die Waagschale werfen können."

    Der heutige Kalendereintrag stellt mich vor ein Problem, weil ich nicht weiß, was die Bezeichnung ausdrücken soll. Ich kann mir auch nichts unter der Kombination "Unglück verheißender Tag" und "Feststag zu Ehren der Laren von Wegkreuzungen" vorstellen und weiß daher auch nicht, was ich ausspielen soll. ?(

    Die Sklavenschar, die Menecrates immer und überall hin begleitete, zeugte vom Reichtum der Claudier. Obwohl er wenig Wert auf Prunk legte und die Verschwendung regelrecht verabscheute, besaß er viele Sklaven. Allein um sein Wirtschaftsimperium aufrecht zu erhalten, aber auch für den Luxus, sich in der wenigen freien Zeit größtmöglich regenerieren zu können und verwöhnen zu lassen. Seiner Familie sollte es außerdem nie an etwas fehlen und er bestand auf einen umfangreichen Schutz, gerade wenn seine Enkelinnen Erledigungen außer Haus nachgingen.


    Heute trug eine Vielzahl der Sklaven Weinkrüge, die der Consul anlässlich des Festes spendete. Während er - umringt von seinen Liktoren - eher am Rande des Hains verweilte, schickte er die Sklaven zum Verteilen der Weinspende durch die Menge. Morrigan allerdings hatte er verboten, sich aus dem Zugriffsbereich der Liktoren zu entfernen.


    Sim-Off:

    WiSim

    Weil sich der Consul beim Amtsantritt vorgenommen hatte, entweder selbst für die Ausgestaltung von Feiertagen Sorge zu tragen, ein Opfertier zu spenden oder wenigstens sich davon zu überzeugen, dass die eigentlich Verantwortlichen ihren kultischen Verpflichtungen nachkamen, führten ihn seine Schritte - ja, als alter Soldat lief er noch immer mehr als dass er sich tragen ließ - heute zum ersten Meilenstein der Via Flaminia. Die Straße begann am Kapitol, direkt auf dem Hügel, und führte nach Norden. Am ersten Meilenstein befand sich ein Hain, auf dem bereits viele Einwohner Roms versammelt saßen oder standen. Das Fest der Anna Perenna glich einem Volksfest im Grünen. Das Besondere an den Opferungen bestand im Antrieb: Der Opfernde wollte möglichst lange leben. Dem Außenstehenden mochte das Treiben wie ein Trinkgelage vorkommen, den Involvierten gab jeder geleerte Becher die Hoffnung auf ein zusätzliches Lebensjahr.


    Der Consul gab seinen Liktoren zu verstehen, dass sie heute im Dienst trinken durften, allerdings empfahl er stark verdünnten Wein. Er selbst ließ sich Wasser reichen und da Trinken von reichlich Wasser den Geist und den Stoffwechsel anregte, sah er darin ein doppelt gutes Werk.

    "Dann lass uns an die Arbeit gehen." Bevor er die Tafel in seiner Hand studierte, fügte er noch an: "Wenn der Tag der Equirria hinter uns liegt, ist das Meiste getan. Ich möchte dich danach zu einer Cena laden, bei der wir noch einmal die Amtszeit Revue passieren lassen und uns auch über vielerlei Dinge unterhalten können, die fern der Politik stattfinden. Ich dachte an einen größeren Kreis, also meine Familie und du kannst gern eine Begleitung mitbringen. Sie alle sollen Sorge dafür tragen, dass wir nicht beständig in Dienstgespräche abdriften." Er schmunzelte, weil er sich kannte.
    "Gutes Gelingen, Quaestor." Damit meinte er die zahlreichen Wege für die Vorbereitung des Marsfestes.

    Dem würzigen Duft folgte eine fruchtige Note, die der Wein produzierte, als er verdampfte. Menecrates atmete ihn ein, wenn auch nicht tief, weil er im Hals kratzte. Er betrachtete die Miniaturstatuen, die kunstvoll geschmiedete Opferschale und lauschte dem Knistern des Feuers. Einige Augenblicke gönnte er sich für ein stilles Gebet, bevor er sich vom Altar wegdrehte.


    "Morrigan, ich hätte eine erste, sehr wichtige Aufgabe für dich. Meine Amtszeit geht dem Ende entgegen und ich möchte wenigstens einmal mit meinem Quaestor ein gemütliches Beisammensein verleben. Wir hatten selten Zeit für private Gespräche. Er ging hier zwar ein und aus, aber wirklich bekannt hat er sich nicht mit den Bewohnern des Hauses machen können. Ich würde nicht jeden X-beliebigen Quaestor zu einer Cena laden, aber ihn schon. An der Cena soll natürlich die gesamte Familie teilnehmen: Silana, Galeo, Lucius und sofern die anderen Kinder zufällig zugegen sind, auch sie. Außerdem mein Sekretär."
    Damit war das Event umrissen. Konkrete Vorstellungen über den Ablauf hatte er bereits.


    "Ich wünsche mir ein Schautranchieren. Es wäre also notwendig, unter den Haussklaven einen Scissor ausfindig zu machen, der das gebratene Geflügel vor den Augen der Gäste zerlegt. Wir können natürlich auch einen Externen nehmen. Er müsste Kenntnisse in Anatomie besitzen, damit das Vorschneiden fachmännisch erfolgt. Die Auswahl der Beilagen würde ich dir überlassen. Vor- und Nachspeise ebenfalls. Meinst du, das bekommst du hin?"

    Sie steuerten aus verschiedenen Richtungen das Atrium an. Der Hausherr etwas später, denn er musste erst benachrichtig werden. Als er eintraf und noch bevor er etwas sagen konnte, sprudelte die Empörung aus Faustus heraus.


    "Quid pro quo?", wiederholte Menecrates fragend und gleichzeitig entrüstet. "Für einen solchen Handel benötigt es die Freiwilligkeit und die ist von meiner Seite nicht gegeben. Mein Eigentum ist beschädigt worden und das, obwohl ich ausdrücklich klar gemacht habe, dass ich dies nicht wünsche! Ich werde dagegen klagen. Du erhältst hier und jetzt die Gelegenheit zur Stellungnahme."


    Eine Erläuterung, um welche Beschädigung und welches Eigentum es sich handelte, sparte sich der Consul. Ihre gemeinsame Geschichte währte mittlerweile lange und wenn es nicht um den Sklavenaufstand ging, dann entweder um die Kaiserfamilie oder Morrigan. Sein gesamtes Leben hatte Menecrates noch nicht so viel Kontakt zu den Praetorianern gehabt wie seit gut zwei Jahren. Vielleicht hatte er bis jetzt auch seinen Standpunkt noch nicht deutlich genug gemacht. Das lag aber sicherlich nicht an ihm, denn Klarheit musste zwangsläufig seit der öffentlichen Versklavung herrschen, sondern es lag anscheinend an der Dickfelligkeit der Garde. Oder war es nur die Dickfelligkeit eines Einzelnen? Des Tiberiers?


    Sein Blick fixierte Tiberius.

    Menecrates beschloss, dieses weichenstellende Gespräch bis zum Ende in die Opferhandlungen einzuschließen. Er würde sich morgen bei den Familiengeistern entschuldigen, dass er heute mit geteilter Aufmerksamkeit bei ihnen weilte. Er hoffte nicht nur auf ihr Verständnis, er glaubte fest daran, denn je stabiler der claudische Haushalt aufgestellt war umso weniger Schutz würde er benötigen, was auch die Schutzgeister erfreuen sollte. Diejenigen Gesiter, die fortlaufend besänftigt werden mussten, würde er morgen mit einem besonderen Opfer milde stimmen.
    Heute galt es, die Lebenden auf den richtigen Weg zu bringen.


    Mit trockenen Händen wies er nunmehr auf den Wein, bevor er sich Morrigan zuwandte.
    "Maiordomus, sehr schön", erwiderte er mit einem Lächeln. Er hörte, wie sie ihren Namen flüsterte, quittierte es mit einem weiteren Lächeln und richtete den Blick auf den Altar, bevor er die Hände hob.
    "Manen der Claudia, ihr Laren und Penaten. Vor euch steht ein Sohn eurer Nachkommen. Ich möchte euch Morrigan vorstellen. Sie übernimmt ab heute die Aufgaben eines Vilicus. Leitet sie auf sicheren Wegen und gebt ihr zu jeder Zeit ausreichend Gesundheit und Kraft." Er nickte zum Zeichen, dass nun der Wein geopfert werden könne. Bitten, die andere Personen oder Vorgänge betrafen, wollte er heute nicht äußern, um das Anliegen für Morrigan zentral zu stellen.

    Wie unberechenbar dieses Rennen war, zeigte auch Runde vier. Tanco beging einen Fehler, der oft jungen Fahrern unterlief: Er ruhte sich für den Moment auf seinem errungenen Siegplatz aus und das wurde ihm zum Verhängnis. Braecus und Hermippus, die Durchstarter neben Tanco in Runde drei, nutzten den Schwung und setzten ihren Sturm auf die Feldspitrze fort. Auf gerader Strecke zogen sie - sogar weitgehend mühelos - an Tanco vorbei.
    Während sich auf den mittleren Plätzen beständig die Gespanne darin abwechselten, wer die Nase vorn hatte, besetzte Pythocles dauerhaft den letzten Rang, was sicherlich nicht nur seine Rennstallgefährten verwunderte. Ebenfalls verwunderlich, aber im positiven Sinne, präsentierten sich die beiden factiolosen Fahrer, wenngleich zumindest Athenodorus in dieser Runde wieder Boden einbüßte und auf Rang sieben abfiel. Hermippus hingegen fuhr auf zweiter Position und bei gutem Tempo.
    Dem Consul bereitete der Fahrer Syennesis einige Sorgen. Er verlor an Fahrt und fiel zurück.


    Die Reihenfolge nach Runde vier:
    1) Braecus
    2) Hermippus
    3) Tanco
    4) Rianorix
    5) Sotion
    6) Syennesis
    7) Athenodorus
    8 ) Pythocles

    Das Schreiben, in dem Iulius um einen Platz auf der Rednerliste bat, traf sehr spät im Hinblick auf den gewünschten Termin ein. Da würde das Gremium wohl etwas länger als sonst ausharren müssen, denn die Planung für diesen Tag war längst abgeschlossen.


    "Abschließend hören wir noch Senator Iulius. Er möchte eine Nachjustierung der Paragrafen 15 und 16 des Codex Universalis ansprechen."

    Ein verstehendes Nicken folgte auf Morrigans Erklärung, bevor Menecrates' Mundwinkel ein Lächeln umspielte. "Das ist gut." Längst hatte er vergessen, wie sehr ihn ihr Bekenntnis zum Christentum schockiert hatte. Die vorgenommene Zwangsromanisierung stellte am Ende nur ein Ritual dar. Viel mehr zählte die Gewissheit, zu der er inzwischen gelangte, dass Morrigan nie eine wirkliche Christin war.


    "Die Laren werden sich erkenntlich zeigen."
    Er betrachtete Morrigans Gesichtszüge, während er noch immer die Hände zum Trocknen in Richtung Magrus hielt. "Kennst du heute deinen Namen? Nenne ihn mir und nenne mir deine zukünftige Aufgabe, für die du dich entschieden hast. Ich werde dich dann in meine Gebete mit einbeziehen."
    Ein Gespräch am Altar entsprach nicht der Regel. In diesem Fall mochte aber der Ort dazu beitragen, eine Art Pakt zwischen Morrigan, den Claudiern und all ihren Schutzgeistern, den Laren, Manen und Penaten zu schließen.