Menecrates ging sogleich auf die letzte Bemerkung ein, bevor er seine eigenen Gedanken äußerte.
"Wie steht die Kommission dazu, jenen Tolmides vorzuladen?"
Er ließ die Frage im Raum stehen, weil er den Aussagen der Frauen Gewicht beimaß und sie näher erörtern wollte. Sie ließen Rückschlüsse auf den Auslöser zu, der so viele der einst friedlichen Bewohner Roms dazu veranlasst hatte, sich den Aufständischen anzuschließen.
"Meine Herren, ich fürchte, wir werden hier niemand befragen können, der Augenzeuge war oder Einzelheiten selbst gehört hat, denn diese Personen sind aller Wahrscheinlichkeit nach unmittelbar in den Aufstand verwickelt, getötet oder verhaftet. Uns bleibt - so glaube ich - nur die Möglichkeit, Personen zu befragen, die bestenfalls mittelbare Einblicke vorweisen können. Varia selbst bildet wohl die Ausnahme.
Ich möchte daher schauen, ob uns die Aussagen der Frauen weiterhelfen können."
Er wandte sich an Greta, deren Aussage ihn besonders beschäftigte.
"Du sagst, dass sich diese Varia als Retterin der Entrechteten gesehen hat. Sind mit Entrechteten generell alle Sklaven gemeint und außerdem Frauen, denen Gewalt entgegengebracht wurde? Von Römern? Von Männern? Oder ist das anders zu verstehen?" Er blickte zur Rothaarigen, denn die letzte Aussage kam von ihr. Er musste an die Morde denken, bei denen Bürgern Ringe in den Hals gesteckt wurden. Dieser persönliche Beweggrund der Varia schien sich - den Aussagen zufolge - aber nicht mit dem anderer Beteiligter am Aufstand zu decken. Daher hakte er nach.
"Und habe ich es richtig verstanden, dass sich den Aufständischen weitere Schichten erst im Nachhinein angeschlossen haben? Mittellose, Vergessene, aber auch Mörder und Diebe aus den Armenvierteln?"
Er blickte zum Protokollant und überzeugte sich, dass der mitschrieb. Er wollte nicht in Anwesenheit der Zeuginnen die Schlagworte Hunger und Unsicherheit wiederholen. Sie könnten die Frauen beeinflussen und Menecrates hielt nicht viel von beeinflussten Zeugenaussagen.