Beiträge von Herius Claudius Menecrates

    Die neuerlichen Antworten unterschieden sich kaum von den vorherigen, sodass der Consul zur Ansicht gelangte, die Fortsetzung der Befragung zur Debatte zu stellen.

    "Tja, also ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich hätte keine weiteren Fragen."
    Er blickte in die Runde, um den Mitgliedern die Chance zu geben, ihrerseits noch Fragen zu stellen, bevor er die Frauen entließ.
    Während dieser eingeräumten Zeit, erinnerte er nochmals an seine Frage in Bezug auf den Zeugen Tolmides, die offensichtlich untergegangen war.
    "Wie steht die Kommission dazu, jenen Tolmides vorzuladen? Die Befragung anderer Gefangener könnten wir ja bei dem Besuch im Kerker umsetzen."

    Salve Marcellus,


    die Claudia ist weitgehend konservativ ausgerichtet. Ich wünsche mir, dass nur standesgemäß geheiratet wird, die Religion ausschließlich die römische ist und nicht standesgemäße Posten möglichst vermieden werden. Könntest du damit leben?


    Vale
    Menec

    Als der Quaestor Consulum seine Fragen formulierte, nickte Menecrates zustimmend. Er erwartete mit Interesse die Antwort und folgte ihr, als sie kam. Aus ihr ergab sich für ihn gleich die nächste Frage und obwohl er eigentlich nicht sofort wieder das Wort an sich reißen, sondern die anderen Kommissionsmitglieder teilhaben lassen wollte, konnte er nicht umhin, sie sofort zu stellen.


    "Zu welchem Zeitpunkt begannen deine Taten, wie du dich ausdrückst. Und was genau waren das für Taten, bevor du Reden gehalten hast?" Menecrates fragte sich, ob die Kommission ihr bisher angenommenes Datum für die ersten Anzeichen des Aufstandes vordatieren mussten. Außerdem sah er es als möglich an, dass nicht die Morde und Parolen, sondern ganz andere Taten am Anfang der Ereignisskette standen.
    Er hoffte, die Gefangene besaß genug Kraft und vor allem auch den Willen, weiterhin zu antworten. Die Augen schien sie jedenfalls nicht mehr offen halten zu können.

    Der Vorschlag gefiel dem Consul und obwohl er die Arme verschränkte, was oft als Ablehnung empfunden wurde, signalisierte es in seinem Fall, dass er nachdachte. Seine Augen richteten sich auf einen Punkt, währen er gedanklich verschiedene Richtungen ausleuchtete. Schließlich öffnete er wieder seine Haltung und beugte sich interessiert vor.

    "Allein der Gedanke einer Abgrenzung gefällt mir gut. Abgrenzung in Form von Nachwuchsstartern ist ebenfalls sehr interessant. Lass uns darüber beratschlagen.
    Wir müssten ein Höchstalter festlegen. Dazu müsste ich einmal nachsehen, welches Alter infrage käme, damit jede Factio einen Fahrer melden kann, denn du weißt..."
    , er wiegte einmal den Kopf und lächelte dabei, ".. es gibt Factiones, die führt der Neid und scheinbar kein menschliches Wesen an."


    Er angelte nach einem Stapel Wachstafeln, aus deren Mitte er eine herauszog. Da es sich um die falsche handelte, legte er sie zur Seite und versuchte sein Glück erneut. Als auch dieser Versuch scheiterte, stand er auf und machte sich die Mühe, jede einzelne Tafel - beginnend von oben - anzusehen und wegzulegen, bis er die gewünschte in den Händen hielt.


    "Sechsundzwanzig, wenn die Russata teilnehmen soll", stellte er fest und ließ die Tafel sinken. "Das nenne ich nicht gerade Nachwuchs." Er dachte nach und äußerte die Überlegungen laut. "Wenn wir neunzehn als Grenze festlegen würden, könnten vier Factiones teilnehmen. Nachteil: Wir hätten nur ein halbes Starterfeld. Risiko:" Er blickte so bedeutungsvoll, wie man nur bedeutungsvoll dreinblicken konnte. "Es würde wieder Ausraster von Seiten einiger Factiones bzw. Senatoren geben." Obwohl er diese Ausraster keineswegs lustig fand, musste er über die Formulierung schmunzeln.

    "Welche Lösung schwebte dir vor, als du den Vorschlag in den Raum gestellt hast?"
    Selten harrte Menecrates derart gespannt auf die Antwort zu seiner Frage.

    Der Consul vernahm Schritte und wenig später betrat der Kaiser das Triclinium. Obwohl Menecrares nicht wusste, wer noch auf der Gästeliste stand - es konnte ja eine ausnehmen positive Überraschung sein - freute er sich, dass es sich um den Kaiser handelte, der als erstes nach ihm eintraf. Er erwiderte den Händedruck und den Gruß. "Ave, mein Kaiser. Ich danke für die Einladung!" Immerhin handelte es sich nicht nur um eine Besprechung, sondern auch um eine Cena. Gleichzeitig fiel ihm auf, dass er schon lange nicht mehr die Anrede Imperator benutzt hatte. Das musste an den verwaltungslastigen Ämtern der letzten Jahre liegen.

    "Wie geht es der Augusta und deinem kleinen Sohn? Fast immer, wenn ich im Kaiserpalast weilte, gab es Neuigkeiten, Aufregungen..."
    Er schmunzelte, weil ihm das Bild in den Kopf kam, als die Kaiserin - etwas derangiert - ihrem Mann und in Gegenwart Menecrates' von ihrer Schwangerschaft berichtete. "Ich lasse mich überraschen, was mich heute erwartet." Er konnte nicht anders, er musste erneut schmunzeln. Sympathie ließ seine Augen für den Moment leuchten, dann wurde er wieder ernst.

    Der Consul wertete die Bemerkung des Kaisers zum Thema bürgen nicht als Rückversicherung, sondern als Äußerung, wie er die Situation wahrnahm. Trotzdem konnte er nicht umhin, den Blick des jungen Mannes als Bitte zu einer Äußerung zu verstehen.


    "Mein Kaiser, ich habe mich bereits mein gesamtes Leben für die Förderung junger Männer eingesetzt. Das mag mir mancher als Schwäche auslegen, aber ich sehe das anders. Die Jugend ist unsere Zukunft und wir sollten sie stützten, wo immer wir können. Meine Unterstützung hat Vinicius. Ich sehe bei ihm viel Motivation und außerdem gute Voraussetzungen für ein Tribunat." Nicht umsonst hatte der Consul diese Alternative ins Gespräch gebracht.

    Manches Mal, wenn zwei Gespanne gleichzeitig den Obelisken umfuhren und eins den längeren Weg nehmen musste, schrien manche Zuschauer auf, weil es vorkam, dass die Fliehkräfte das Gefährt nahe der steinernen Schutzboller trieb. Allerdings passierte das nur unerfahrenen Lenkern oder solchen, die ein hohes Tempo für eine Kurve fuhren. Bei manchem zahlte sich das Risiko aus, bei anderen nicht. Perikles gehörte in Runde zwei zu den Verlierern. Er riskierte viel und verlor zwei Plätze, während einem anderen das Glück zur Seite stand. Proteneas erwischte einen schlechten Start, arbeitete sich aber mehr und mehr nach vorn. Er zog an Menekles vorbei und heftete sich Hamiris an die Fersen.


    Die Reihenfolge nach Runde zwei:
    1) Sotion AURA
    2) Hamiris VEN
    3) Proteneas RUSS
    4) Menekles von Thiria PUR
    5) Perikles ALB
    6) Syennesis PRAE

    Obwohl er kurzzeitig am klaren Verstand zweifelte, als Varia vom Mythos ihrer Abstammung sprach, musste er sich eingestehen, dass alles andere auf einen funktionierenden Geistesapparat hindeutete. Es gab also zunächst keine Veranlassung, an den Aussagen zu zweifeln. Glaubte man ihnen, musste das Sklavenheer aus mehr als nur Sklaven bestanden haben. Auch jeder Freie mit schlechter Versorgung und fehlender Sicherheit wäre ein potentieller Gefolgsmann gewesen.


    Mit Ausnahme der Befragung Morrigans sah sich Menecrates nicht als Haupt- oder gar Einzelperson für die Beschaffung von Informationen. Da er nicht wusste, ob sich die Kommissionsmitglieder zurückhielten, weil sie diese Regelung nun verallgemeinerten oder ob sie schlicht keine eigenen Fragen bewegten, wandte er sich zunächstl an die Männer. Er sprach mit gedämpfter und gleichzeitig ermunternder Stimme.
    "Wenn ich die Befragung begonnen habe, heißt das nicht, dass ich zurück zu einer Rang- oder Reihenfolge möchte. Jeder hat aus seiner Sicht unterschiedliche Fragestellungen und jede einzelne ist für uns hilfreich.
    Mich zum Bespiel interessiert noch das Folgende."


    Damit wandte er sich wieder Varia zu.
    "Was hast du all jenen versprochen, die dir gefolgt sind?" Menecrates konnte sich nicht vorstellen, dass sich Massen einfach so einem Aufstand anschlossen. Immerhin riskierten sie ihr Leben, ihre Freiheit, einfach alles. Zugegeben: für Unfreie fiel das Gewicht der Freiheit als Argument weg.

    Zitat

    Original von Galeo Claudius Gallus
    "Mir sind diese Bittgesuche unangenehm. Ich habe beschlossen, keinen weiteren mehr zu absolvieren, denn ich fühle mich dabei klein und ausnutzbar." Sollte er ein zweites Mal kandidieren, nahm er sich vor, in größerem Umfang andere Wege zu beschreiten. Solche, die sich besser anfühlten und ebenfalls Stimmen verschafften. Er wusste, gänzlich auf die Fürsprache von einflussreichen Senatoren konnte er nicht verzichten. Dabei empfand er als einzige Vorsprache die bei Decimus Livianus angenehm. Dort wurde er sogar aufgebaut. Ein Erlebnis, das seinesgleichen suchte.


    "Als besonders wohlwollend habe ich den Empfang im Senat auch nicht empfunden. Ich werde noch Erfahrungen machen, aber mein jetziger Eindruck ist schlechter als die Erwartung vor Monaten."


    Menecrates nickte, denn er kannte beide Situationen nur zu gut. "Sicherlich ist es möglich, sich bei den Senatoren auf Umwegen ins Gespräch zu bringen, der sicherste ist allerdings die direkte Vorstellung und Bitte um Stimmen. Etwas angenehmer ist es, wenn du einlädst. Als Gastgeber befindest du sich in einer anderen Rolle als wenn du von Casa zu Casa gehst."
    Die nächste Bemerkung adäquat zu erwidern, fiel ihm schwerer. Aktuelle Stimmungen wollten ihn zu unüberlegten Aussagen hinreißen, aber zum Glück gewann er den Kampf.
    "Ich möchte dich nicht beeinflussen, in keiner Hinsicht. Mach deine Erfahrungen und urteile selbst. Mir bleibt, dich auf deinem Weg zu unterstützen." Fraglich blieb, wo dieser Weg hinführte.

    Als der Consul eintraf, befanden sich fleißige Helfer im Raum, aber weder der Kaiser noch einer der anderen Gäste weilte vor Ort, für die bereits Klinen standen. Da es sich um vier Klinen handelte, gab es ein Spektrum an Möglichkeiten, um wen es sich bei den Teilnehmern der Cena handelte. Eine vage Möglichkeit schloss die Kaiserin mit ein, wobei dann noch eine Kline frei und womöglich dem zweiten Consul vorbehalten war. Diese Variante schob Menecrates als wenig wahrscheinlich beiseite.
    Er probierte eine Konstellation ohne Kaiserin, dafür mit einer höheren Anzahl an Magistraten. Die vielen Möglichkeiten der Zusammenstellung veranlassten Menecrates, die Überlegungen diesbezüglich aufzugeben. Bliebe noch eine Kombination aus Kaiser, Consul und zwei Präfekten der Urbs. Das Abwägen betrachtete Menecrates eher als Spiel zum Zeitvertreib als dass es ihn im Vorfeld brennend interessierte, wer auf der Gästeliste stand.
    Er registrierte die bevorzugte Lage einer Kline, die er als jene für den Kaiser zugedachte identifizierte und wählte die ihr am nächsten stehende für sich aus. An deren Seite stellte er sich und wartete, dass weitere Personen eintrafen.

    Der Consul hatte viel Geduld bewiesen und dem Senat ausgiebig Zeit eingeräumt, aber irgendwann wurde das Schweigen unangenehm. Er erhob sich, blickte in die Runde und sagte: "Wie ihr hört, hört ihr nichts."


    Sein Blick streifte Aurelius, verhielt bei Purgitius und glitt an Iulius vorbei, der sich erst in einer späteren Sitzung als ebenso motivationseindämmend erweisen würde wie die anderen beiden. Aber das wusste der Consul zu diesem Zeitpunkt noch nicht.


    "Ich hätte mir gewünscht und habe es in meinem Beitrag geäußert, dass wir hier gemeinsam an einer Lösung arbeiten. Herausgekommen ist eine Vernichtung und mehr nicht. Da ich eine Ausfeilung, Umschreibung wie auch immer weder mit Vernichtern noch mit Stummen angehen kann, schließe ich die heutige Sitzung und setze mich selbst noch einmal in Ruhe an den Entwurf. Vielleicht sollte ich auch nicht über Nacht arbeiten, das räume ich an dieser Stelle ein.
    Meine Herren, ich lade zu gegebener Zeit zu einer zweiten Debatte zu diesem Thema ein und würde es begrüßen, wenn bis dahin der eine oder andere einmal sein Auftreten reflektiert."

    Die Eingeweideschau ergab ein günstiges Ergebnis, dessen Verkündung nicht nur die Anspannung der Anwesenden löste, sondern auch das Rennfieber entfachte. Der Start des Wagenrennens stand unmittelbar bevor. Anders als im Cirsus Maximus konnten die Zuschauer die Gespanne sehen, denn anstelle der Boxen dienten Abspannungen als Ersatz. Gleichzeitig erlebten die Pferde den Trubel viel intensiver und ließen sich anstecken.


    Es wurde Zeit für die Eröffnungsrede und der Consul erhob sich von seinem Platz.
    "Werte Ehrengäste, werte Senatoren, Bürger Roms, all ihr Zugereiste!
    Willkommen zu den Equirria! Ich eröffne hiermit das Rennen zu Ehren Mars! Das beste Gespann möge siegreich sein!“
    Der Consul blieb stehen, denn ihm oblag noch das Geben des Startsignals. Zuvor verkündeten noch Herolde die Besetzung des Feldes für all jene, die die Anschläge nicht gelesen hatten.

    "Es starten:
    Sotion für die Factio Aurata
    Hamiris für die Factio Veneta
    Proteneas für die Factio Russata
    Menekles von Thiria für die Factio Purpurea
    Perikles für die Factio Albata
    Syennesis für die Factio Praesina."


    Der Consul hob die Hand mit dem Tuch. Einige Momente der Spannung vergingen, bevor er es fallenließ. Die provisorischen Absperrungen öffneten sich und die Gespanne stürzten mehr oder minder reibungslos heraus. Die Wettjagd um die beiden großen Obelisken herum an den beiden Enden der Sandbahn begann.
    Den besten Start von allen erwischte Sotion aus der Aurata. Der Fahrer konnte sich bei den Ludi Palatini nicht präsentieren und trat offensichtlich hoch motiviert an. Hamiris und Perikles starteten nebeneinander und keiner von beiden wollte dem anderen vor der Einfädelung den Vorrang lassen. Ein wenig isoliert und daher von hinten nicht gefährdet, aber auch am Vordermann nicht nahe dran, lag Menekles aus der Purpurea. Platz fünf und sechs schien lange heiß umkämpft, doch zum Ende der ersten Runde hatte Proteneas die Nase vorn.


    Die Reihenfolge nach Runde eins:
    1) Sotion AURA
    2) Hamiris VEN
    3) Perikles ALB
    4) Menekles von Thiria PUR
    5) Proteneas RUSS
    6) Syennesis PRAE

    Sim-Off:

    Nachdem nun die Ludi-Ergebnisse eingepflegt werden konnten, kann es hier weitergehen.


    Die hölzernen Zuschauertribünen füllten sich zusehends und rund um die Rennbahn standen Tausende Schaulustige. Sie alle erwarteten den Einzug der Götterbildnisse. Die Prozession begann vor Stunden am Haupttempel des Mars auf dem Forum Augustum, vorbei am Colloseum sowie dem Circus Maximus und jedes Mal, wenn sie an einem der verschiedenen Marstempel vorbeikamen, gesellten sich weitere kleinere Götterbildnisse dem großen Kultbild des Mars hinzu. Kurz vor Erreichen des Campus Martis kündeten Trompeten und Pauken den Einzug an. Während der Zug der Götterbildnisse durch die symbolische Porta Triumphalis in das Hippodrom einzog, nahmen diejenigen, die die Prozession begleitet hatten, ihre Plätze auf den Tribünen innerhalb des Hippodroms ein.


    Unter Beifall und Jubel umrundeten die Götterbilder - getragen von kräftigen Männern - das als Spina dienende massiv-hölzerne Gestell. Anschließend wurden sie dort abgestellt. Die Träger verließen die Bahn, während der Flamen Martialis zum Marsaltar schritt, um sich auf das Opfer vorzubereiten. Bereits jetzt und um das Opfertier nicht zu beunruhigen, gebot der Herold: "Favete linguis!"
    Der für die Opferung vorgesehene und geschmückte Stier wurde ebenfalls einmal um die Spina geführt, um am Ara Martis mittels Ketten an den im Boden eingelassenen Ringen befestigt zu werden.
    Der Flamen Martialis übernahm die rituelle Anrufung zu den Equirria, vollzog anschließend die Reinigung seiner selbst und danach des Opfertiers. Ein Opfergebet, vorgetragen durch den Pontifex, schloss die Vorbereitungen ab.
    Die nachfolgenden Abläufe zeigten, wie sehr Opferhelfer, Opferstecher und Flamen Martialis aufeinander eingespielt waren. Der Stier hauchte sein Leben aus und ein Sacerdos eröffnete den Bauch. Es folgte die Eingeweideschau.

    Zuerst fürchtete Menecrates, die Verfassung der Gefangenen sei so schlecht, dass es eine Befragung zwecklos machte, dann aber kam eine Antwort, die auf Klarheit der Sinne schließen ließ. Er vermied so gut es ging die Verarbeitung ihres Anblicks, denn das hätte zwangsläufig die Vorstellung von unermesslichen Qualen in Gang gesetzt. Der Consul gestand sich ein, er fühlte sich nicht wohl.
    Um die Angelegenheit für alle Beteiligten nicht unnötig in die Länge zu ziehen und damit die ohnehin geschwächte Frau vorzeitig zu erschöpfen, überlegte sich Menecrates kurze und gebündelte Fragen. Seine erste sollte den Stolz und damit die Lebensgeister wecken.


    "Ich möchte Antworten", erklärte er zunächst. Jetzt war er an der Reihe zu fragen. "Wie hast du es geschafft, ein so großes Heer aufzustellen." Mehr Feststellung als Frage, wie er fand. Er wunderte sich über das Ausmaß und das Potential einer Frau, das dem eines Heerführers ähnelte - glaubte Menecrates, wusste er aber nicht. Vor allem wollte er hören, mit welcher Strategie Varia vorging. Wen konnte sie mit welchen Versprechungen mitreißen. Was fehlte den Betroffenen. Wer gehörte zu den Anfälligen ihrer Ideologie.

    Als Mitglied der Salier nahm der Consul am Regifugium in der letzten Woche ausnahmsweise anders als bei den üblichen Weihehandlungen teil. Er selbst war Teil des Festes, aber nicht als Opferherr, denn die Leitung der Opferhandlung oblag dem Rex Sacrorum. Obwohl auch diese Opferung einen ernsten Hintergrund besaß, endete sie nicht nur ungewöhnlich, sondern ein wenig bizarr. Der Rex Sacrorum rannte nach dem vollbrachten Opfer aus dem Comitium hinaus und ließ sich bei seiner Flucht nicht aufhalten.



    In dieser Woche und insbesondere am heutigen Tag fanden weitere Feste statt. Der erste März galt lange als Neujahrstag des römischen Kalenders, bis Caesar eine Reform auf den Weg brachte, die den Kalender umgestaltete. Der Festtag zu Ehren der Vesta, an dem das Feuer im Tempel der Vesta neu entfacht wurde, ging auf diesen alten Kalender zurück. Der Akt lag aber weder im Aufgabenbereich des Consuls noch nahm er als Besucher teil.


    Gern wäre Menecrates seinen Pflichten als Ehemann nachgekommen und hätte an den Matronalia an seine Frau Geschenke verteilt, aber von seiner in der Ferne lebenden Ehefrau fehlte seit Jahren jedes Lebenszeichen geschweige denn ein lieber Gruß. Er betete trotzdem für sie zur Stärkung ihrer Gesundheit. Seine Freunde und die Familie konnte und würde er im Verlauf des Tages aber beschenken.


    Als wäre dem nicht genug, galt der heutige Tag auch noch als Festtag zu Ehren des Mars Paters. Da er vor zwei Tagen die Equirria zu Ehren des Gottes ausgerichtet hatte, spendete er diesem heute nur eines der Opfertiere, ohne an dem Fest teilzunehmen. Er gestand sich überdies ein, dass er Wagenrennen deutlich der Opferung eines Pferdes vorzog, zu deren Kulthandlung es im Oktober gehörte, das Geschlechtsteil vom Marsfeld zum Altar der Regia zu bringen, auch wenn er an die lebensspendende Kraft des Pferdeblutes glaubte. Unstrittig gab es zwischen Mars und Vesta eine enge Verknüpfung, ebenso zwischen dem Gott, Iuno und Iuppiter.


    Ab morgen wollte er bis zu den Cerealia fasten.

    Nach dem Ausrollen der Wagen, kehrten diese langsam zur Haupttribüne zurück und nahmen Aufstellung. Der Consul instruierte die Herolde, die sich anschließend im Circus verteilten und auf sein Zeichen den Einlauf der Gespanne für all jene verkündeten, die ihn nicht oder nur ungenau beobachteten konnten.


    "Sieger der Ludi Palatini ist..." Eine Pause entstand - für die einen unerheblich, für die anderen zu lang. "Amasis! Factio Russata!"

    Beifall brandete auf, der erst abflauen musste, bevor die weiteren Platzierungen bekanntgegeben werden konnten.


    "Zweitplazierter ist: Prusias Kynegros - Veneta,
    Dritter ist: Hamiris - Veneta,
    Vierter: Rianorix - Praesina,
    Fünfter: Braecus - Praesina,
    Sechster und Letzer: Bagoas - Russata.


    Herzlichen Glückwunsch! Der Sieger darf die Ehrenrunde drehen, nachdem er den Pokal entgegengenommen hat."


    Der Consul als Ausrichter überreichte Pokal und Siegprämie an Amasis. Als der seine Ehrenrunde drehte, erhielten auch der Zweit- und Drittplatzierte ihre Preise. Beifall brandete auf und erfüllte den Circus. Er ließ all die Mühen und aufgetretenen Komplikationen für den Moment vergessen.


    Sim-Off:

    Prämien sind in der WiSim.

    Der Weg zur Taberna gestaltete sich für Menecrates unterhaltsam. Er tauschte mit Livianus Erinnerungen aus, lachte oft oder lauschte den Erzählungen seines Sohnes oder seines Sekretärs. Faustus in seiner Doppelfunktion als Liktor und Sekretär des Consuls ging auf gleicher Höhe mit ihm, während die restlichen Liktoren verteilt vor und hinter ihnen liefen. Als Livianus überraschend anhielt, sah sich Menecrates um.


    "Ach so, und ich dachte schon, hier sei eine Art Untergrund-Taberna neu eröffnet worden", scherzte er, denn einerseits konnte ihm der unverhoffte Halt nicht die gute Stimmung nehmen und andererseits kannte er die Baulichkeit und wusste, dass hier gewiss mit keiner Taberna zu rechnen sein konnte. "Wenn es länger dauert, kostet es dich eine Mahlzeit zusätzlich zum Wein", drohte der Consul lachend, dann nickte er zum Zeichen seines Einverständnisses.


    Als Livianus im Haus verschwand, rieb er sich die Hände, weil der Wind ordentlich blies. Anschließend wandte er sich an seinen Sohn.
    "Galeo, wie läuft denn dein Wahlkampf? Gibt es etwas, worin ich dir behilflich sein kann?" Menecrates wusste nicht recht einzuschätzen, ob sein Sohn Unterstützung erwartete oder ob er beweisen wollte, gänzlich selbstständig seinen Weg gehen zu können.

    Die Verteilung der ihm anvertrauten Betriebe lag hinter Menecrates und so erschien er wenig später in Begleitung seines Sekretärs bei Livianus. Um die Eintagung der neuen Besitzer würde er sich im Nachhinein kümmern.

    "Ich bzw. wir wären dann so weit. Auf zur Taberna!"
    Er klang tatendurstig, obwohl er nicht mehr so viel vertrug und den Durst würde zügeln müssen. Einzig die Erlaubnis, sich einmal etwas zu gönnen, was nicht im Terminplan stand, erfüllte ihn mit Freude. Er wandte sich an faustus und fragte lachend: "Kannst du dich erinnern, wann ich zuletzt in meinem Leben einmal eine Taberna aufgesucht habe?" Er selbst wusste es jedenfalls nicht.
    Da Livianus einlud und die Taberna vorschlug, ließ sich Menecrates führen.