Der Consul besaß Kenntnis über die menschliche Psyche, weil er Zeit seines Lebens Menschen vorgesetzt war und sie zu nehmen lernen musste. Daher wusste er auch, dass Angst die stärkste aller Emotionen war, weil sie den Menschen nicht nur einnahm, sondern vor allem, weil sie ihn lähmte. Zorn verrauchen zu lassen, war verhältnismäßig einfach, Ekel zu überwinden ebenfalls, aber Angst zu verlieren, verlangte einen langen Prozess, bei dem zu keinem Zeitpunkt die Sicherheit bestand, den Kampf zu gewinnen.
Dass Morrigan Angst gefangen hielt, glaubte er ihr in diesem Moment - trotz aller Vorbehalte. Sein Blick ruhte auf der Sklavin - immerhin. Zum Zeitpunkt der Kommissionstagung konnte er ihren Anblick nicht ertragen und hatte stets an ihr vorbeigesehen. Er schwieg und dachte nach.
Es fiel ihm schwer, die Dinge zu akzeptieren, vor allem, weil er sie teilweise nicht nachvollziehen konnte. Manche verstand er nicht einmal. Deswegen hakte er nach.
"Mir fehlt jegliche Fantasie, welche Verzweiflung es sein könnte, die einen Menschen dazu treibt, seine Religion aufzugeben." Er zog eine Schlussfolgerung und äußerte sie. "Für mich klingt das so, als wärst du nicht freiwillig Christin geworden. Dann dürfte es ja auch kein Problem sein, diesen Unsinn wieder abzulegen." Er suchte nach Morrigans Reaktion, bevor er fortfuhr.
"Heißt das außerdem, viele dieser angeblichen Christen wurden nur zu einem bestimmten Zweck Christen? Besaßen sie nur die Bezeichnung Christen? Das ist wichtig, Morrigan. Und ich möchte nie wieder eine unwahre Antwort von dir hören!" Dies sagte er vorbeugend, um seine Erwartung an die Antwort noch einmal klar zu machen.