Beiträge von Herius Claudius Menecrates

    Zitat

    Original von Marsyas
    "Ähm, ich habe da noch eine Mitteilung." Er kratzte sich hinterm Ohr. Da seine Loyalität aber ausschließlich bei seiner Factio und bei seinem Geldgeber lag, packte er aus. "Hermippus und Athenodorus haben sich abfällig über dein Angebot geäußert. Hermippus hat sogar ausgespuckt und danach gingen die Beschimpfungen der Albatafahrer los. Ähm, sie haben dich beschimpft.
    Ich hab ja gesagt, die verbreiten, dass Hermippus und Athenodorus schon ausgelost waren und nach dem ausgeschlagenen Angebot den Startplatz wieder abgeben mussten."


    "So so, die Albatafahrer verbreiten, dass Hermippus und Athenodorus schon ausgelost waren. Dann wissen sie mehr als ich, denn es wurde nicht gelost. Ich bin ziemlich sicher, dass sie selbst auch nicht ausgelost, sondern aus taktischen Gründen von der Albata aufgestellt wurden." Dummes Volk eben und dreist noch dazu.
    "Darf ich mal", sagte Menecrates, wies auf Faustus' Griffel und hielt die Hand auf. Als er das Schreibgerät erhielt, nahm er Marsyas die eben überreichten Wachstafeln wieder ab und führte Striche aus. "So, das Feld ist jetzt kleiner, aber dafür sympathischer." Anschließend gab er Marsyas durch einen Wink zu verstehen, noch ein wenig näher zu treten. "Finde für mich heraus, ..." Der Consul erklärte Marsyas sein Anliegen und schickte ihn anschließend los.


    Während Marsyas davoneilte, wandte sich Menecrates an seinen Sekretär. "Vermutlich ist diese Aufstellung", er hob die Tafeln an und legte sie wieder zurück auf den Schoß, "immer noch nicht die letzte. Ich habe Verschiedenes aus diesen Spielen gelernt:
    1. Warte nicht zu lange auf eine Factio, selbst wenn ein guter Freund sie anführt.
    2. Wickle Vertragsangelegenheiten außerhalb von Spielen ab.
    3. Regele vorher mit jeder Factioleitung, wo die Eigeninitiative ihrer Fahrer endet.
    4. Lass dir nicht die Laune von raffgierigen Stimmungsmachern vermiesen.
    " Er blickte zu Faustus und probierte ein Lächeln.

    Menecrates nickte mehrmals bedächtig, als Faustus seine Zweifel bezüglich seiner Eignung für den Rennsport äußerte. Sein Nicken bedeutete keine Zustimmung, was die Eignung ansich betraf, sondern eher die Zustände im Rennsport.
    "Glaub mir, ich habe mir das auch anders vorgestellt", sagte der Consul und atmete einmal aus. "In meiner Naivität habe ich angenommen, ein Rennstall sei leitbar wie ein Unternehmen. Besitzt du Geld, gute Ideen und jede Menge Fleiß, zahlt sich das irgendwann aus. Ich hätte nicht angenommen, dass die kleinste Regung zu den Füßen erfolgreicher Fahrer von denen gleich als Bedrohung wahrgenommen wird. Ein Start außer Konkurrenz…" Er schüttelte den Kopf. "Wie ängstlich oder habgierig muss man sein, um das einem Neuling zu neiden?" Wieder schüttelte er den Kopf. "Wobei wir gerechterweise festhalten müssen, so lächerlich hat sich nur die Albata samt Finalist der Purpurea aufgeführt. Es gibt also Unterschiede.
    Naja, wir können später noch darüber sprechen, jetzt muss ich schnellstens Entscheidungen treffen."


    Der Consul nahm sich Wachstafeln zu Hand, die er bereits bei der Planung des dritten Vorlaufes konsultierte. "Also noch mal von vorn. Der dritte Vorlauf fällt aus. Im Finale starten… Faustus, schreibst du bitte mit … Hamiris und Prusias Kynegros von der Veneta, Bagoas und Amasis für die Russata, Rianorix und Braecus für die Praesina." Er überlegte kurz, dann fasste er einen Entschluss. "Ich werde auf deinen Rat hören und das Finale nur mit unangreifbaren Fahrern besetzen und zwar den und den, alternativ den." Er tippte auf die einzelnen Kandidaten.
    Während Faustus die neue Wachstafel beschrieb, dachte der Consul angestrengt nach. Die Lösung gefiel ihm nur zum Teil, denn die Zuschauer würden sicherlich kaum mit Verständnis reagieren, wenn der dritte Vorlauf und Abschluss des heutigen Tages ersatzlos ins Wasser fiel.
    "Faustus, ich werde anstelle des dritten Vorlaufs eine Art Freundschaftsrennen veranstalten, was rein gar nichts mit dem Wettkampf zu tun hat. Es soll einzig der Unterhaltung der Zuschauer dienen, denn die erwarten nach der letzten Hinrichtung noch ein Rennen. Es gibt keinen Preis, bestenfalls eine Ehrenrunde für den Sieger. Ich weiß nicht, ob dir das Vorhaben gefällt, aber alleine der Gedanke, dass vier peregrine oder sogar unfreie Wagenlenker einen Consul in die Knie gezwungen haben, soll nicht in die Annalen der Renngeschichte eingehen.
    Die Einladung würde erhalten und bitte notiere separat: der, der….
    " Menecrates tippte nacheinander auf Fahrernamen. "Sie müssten zustimmen und können natürlich auch ablehnen.
    Marsyas…"
    Der Consul wedelte mit der Hand. Der Fahrer, stand noch immer abwartend und spielte bisher Bote. Er würde noch einmal gebraucht werden. Menecrates erklärte ihm die Aufstellung des Finales und des unabhängigen Freundschaftsrennens, weil er annahm, dass Marsyas nicht des Lesens mächtig war.
    Obwohl Faustus die Startaufstellung notierte, wusste Menecrates nicht, was er darüber dachte. "Sag schon, was meinst du?"

    Sim-Off:

    PN

    Menecrates dachte kurz über das selbst Gesagte nach, dann tippte er sich an die Stirn. "Faustus, ich habe Quatsch erzählt. Wir haben ja nur drei qualifizierte Finalisten. Den Fahrer aus der Russata, den aus der Veneta und unseren eigenen. Der aus der Purpurea hat verzichtet, Albata hat den Start verweigert, Aurata ist gar nicht erst erschienen. Ich höre mir gerne deinen Alternativvorschlag an, mir kommt aber selbst eine recht passable Idee.
    Was hältst du davon, wenn wir zu den drei Finalisten den jeweils Zweiten der Factio starten lassen? Dann wären wir bei sechs besetzten Finalplätzen, wobei die Zweitplatzierten nicht um den Sieg fahren. Zu besetzen gilt es dann noch die beiden letzten Plätze. Diese Fahrer starten ebenfalls außer Konkurrenz."

    Menecrates schaute verschmitzt. Infrage kam Syennesis. Ihm hatte er einen Startplatz bei den Ludi versprochen. Für Marsyas standen die Chancen nicht so gut, eher für einen der Factiolosen oder ein gänzlich Unbekannter. Der Consul rätselte noch, während er auf Faustus' Vorschläge wartete.

    Ein Lächeln entstand auf Menecates Gesicht, weil er den Göttern für seinen treuen und aufrichtigen Freund dankte. Faustus war längst über den Status eines Sekretärs oder Liktors hinausgewachsen. Keinem vertraute Menecrates so sehr wie ihm.
    "Es ehrt dich, dass du dir Sorgen um mein Ansehen machst", erwiderte er. "Und doch sehe ich dafür keinen Grund. Ich fühle mich nicht, als hätte ich Unrechtes getan. Außerdem kann ich gut abschätzen, was rechtlich in Ordnung geht und gegen Rufmord kann man etwas unternehmen." Menecrates legte Faustus beruhigend die Hand auf die Schulter, drückte kurz, dann führte er beide Hände aneinandergelegt vor den Mund und überlegte.
    "Wen würdest du in das Finalteam berufen? Wir haben noch vier Plätze frei." Er senkte die Hände in den Schoß und blickte Faustus an.

    Eigentlich wollte Menecrates die Sklavin Morrigan erst dann in den Sitzungsraum bitten, wenn alle Rückfragen abgearbeitet waren, die er ja selbst durch Aufforderung initiiert hatte, während er zur Tür schritt. Doch dann erklang in seinem Rücken eine wohlbekannte tiberische Stimme.
    'Da hat es einer aber besonders eilig', dachte er und betrachtete Morrigan, die in der geöffneten Tür stand und nonverbal ihrer eigenen Aussage widersprach, sodass der Consul zweifelnd die Stirn runzelte. Er wollte sich trotzdem auf die Konfrontation zwischen ihr und dem Trecenarius einlassen, doch dann folgte eine Frage der anderen und alle in harschem Tonfall. Eine Befragung unter solchen Bedingungen verfehlte das Ziel und machte keinen Sinn.


    "Tritt ein", sagte Menecrates zu Morrigan, ging voraus und wies ihr den Platz neben sich, damit sie wusste, wo sie hinlaufen sollte.
    "Tiberius, einen Moment, bitte." Der Consul hob abwehrend die Hand und blickte anschließend in die Runde. "Meine Herren. Ich möchte zunächst auf die letzten Wortmeldungen eingehen, bevor ich die Zeugin vorstelle." Zum einen gab es sonst ein Kommunikationsdurcheinander und womöglich geteilte Aufmerksamkeit. Zum anderen verschaffte er Morrigan damit Zeit, sich im Raum zu akklimatisieren.


    "Ich halte es für wichtig, dass jeder seine Wahrnehmung mitteilt, denn wie wir sehen, fällt die unterschiedlich aus. Während Flavius und Purgitius den Zusammenhang zwischen den Morden und dem Aufstand suchen oder sogar anzweifeln, erkenne ich eine direkte Verknüpfung. Aus den anfänglichen Einzelmorden entwickelte sich bei zunehmend kürzeren Ruhephasen zwischen den Morden eine Serie, die schließlich in eine Eskalation mündete. Auch zum Zeitpunkt der Brandschanzungen und Unruhen wurden gezielt wohlhabende Bürger gemordet. Ich denke da nur an meine unmittelbaren Nachbarn, die Gens Tiberia. Möglicherweise sehen deswegen der Trecenarius und ich den Zusammenhang deutlicher, weil wir unmittelbarer betroffen sind."


    Dass sich der Consul nicht grundsätzlich auf die Seite des Tiberiers stellte, machte er nachfolgend deutlich.
    "Meine Herren, sie ist bereits hier, also möchte ich sie euch vorstellen. Unsere Zeugin Helvetiana Morrigan wurde im Zuge ihrer Inhaftierung erneut versklavt. Wie unschwer erkennbar ist, steht sie noch stark unter dem Eindruck der vergangenen Verhöre. Sie hat außerdem körperliche Gewalt und eine öffentliche Maßregelung hinnehmen müssen." Menecrates ging davon aus, dass sich die wenigsten der Anwesenden Morrigans Auftreten erklären konnten, daher wählte er einleitende Worte.
    "In diesem Zusammenhang existiert speziell zwischen dem Trecenarius und unserer Zeugin eine Vorgeschichte, die mich veranlasst, eine abweichende Art der Befragung zu wählen." Er blickte zu Tiberius und fuhr fort. "Vor Gericht", er machte eine Pause, um seinen Worten Wirkung zu verleihen, "und somit auch für uns", wieder unterbrach er sich, um sogleich fortzufahren, "besitzt eine Aussage nur dann einen brauchbaren Wert, wenn sie ohne Suggestion und ohne physische sowie psychische Einwirkungen zustande kommt." Er löste den Blick von Tiberius und sah in die Runde.
    "Ich fungiere in diesem Fall wie ein Puffer. Der Trecenarius wird seine Fragen an mich richten, ich formuliere nötigenfalls um oder gebe sie unverändert weiter. Ich möchte die Wahrheit erfahren. Ich denke, das wollen wir alle."


    Er blickte daraufhin zur Zeugin. "Morrigan, sieh mich an. Wir möchten wissen, ob du Varia kanntest und falls ja, wie du sie kennengelernt hast."
    Sicherlich stellte der direkte Blickkontakt keine Regel im Umgang mit Sklaven dar, aber Menecrates wollte verhindern, dass sich Morrigan durch Tiberius' Auftreten mehr als nötig beeindruckt zeigte. Der Trecenarius strahlte aktuell eine starke Energie aus, die selbst der Consul als unangenehm verspürte.

    Die Unterhaltung mit Faustus wurde durch Marsyas' Eintreffen unterbrochen. Der Consul sah dem Jungfahrer an, dass ihm Wichtiges, vielleicht sogar für die Spiele Relevantes, auf der Seele brannte. Er entschuldigte sich bei Faustus und wandte sich Marsyas zu. Während dem Zuhören entstanden Falten auf seiner Stirn, die weniger seiner Sorge als vielmehr seiner Ungläubigkeit entsprangen. Sein Blick suchte Faustus, der - was die Praesina betraf - gleichberechtigt in seinem Boot saß.
    "Ich hätte nicht gedacht, dass der Konkurrenzkampf solche Blüten treibt. Das war nicht abzusehen, als ich mich für einen Rennstall engagieren wollte." Er lachte auf, dann fügte er an: "Und ich habe dich auch noch in dieses bittere Geschäft gelockt." Hoffentlich bereute sein Sekretär das nicht. Obwohl sich Menecrates von der Realität enttäuscht zeigte, aufgeben würde er nicht.
    "Das heißt dann wohl, der dritte Vorlauf fällt aus." Er blickte zu Faustus und hob die Brauen. "Das bedeutet weiterhin, es sind nur vier Plätze im Finale durch Qualifikation vergeben, was eines Finalrennens unwürdig ist. Die vakanten Plätze werden besetzt, allerdings", er öffnete die Hände in einer raumgreifenden Geste, "nur die regulär qualifizierten Fahrer werden um den Sieg kämpfen können."

    Zitat

    Original von Tiberius Helvetius Faustus
    Nach einiger Zeit des Grübelns räusperte ich mich, wandte mich zu dem Claudier und meinte,
    ich glaube wir sollten es lassen, das Abwerben meine ich. Wir leben zwar in Rom, wo dies durchaus üblich ist, aber ehrlich gesagt ist es noch die harmloseste Art und Weise neue und vor allem gute Wagenlenker zu gewinnen. Drohungen und Erpressungen sind dabei auch an der Tagesordnung und wer kann schon sagen, was den Fahrern, die du anwerben wolltest, geboten wird um unserer Factio zu schaden. Ich befürchte, das Missgunst und Neid hier schnell Blüten treiben lassen. Versuchen wir doch lieber, auch wenn der Weg der längere ist, mit jungen Fahrern eine neue Elite für unsere Truppe aufzubauen. Dann starten wir eben jede Woche ein Trainingsrennen. Die Factio Praesina wird schon wieder groß werden, auch wenn die Konkurrenz es bestimmt befürchtet. Ich möchte natürlich auch schnell Gewinne sehen, dennoch glaube ich bei dem längeren Weg fühle ich mich noch besser, denn so haben wir es uns selber erarbeitet. Durch gute Verträge, die du schließlich machst, binden wir die Fahrer auch an uns und der ein oder andere Fahrer wir nach einem Abwerbeangebot auch auf den Boden spucken.
    Suchend schaute ich mich um.
    Ich brauche einen Schluck verdünnten Wein, etwas Käse und Brot. Du auch?


    "Als Abwerben sehe ich das nicht, Faustus. Sie fahren ja für keine Factio und es ist das erklärte Ziel eines jeden Fahrers, einem Rennstall anzugehören. Ansonsten sitzen sie nämlich ständig auf der Ersatzbank. Als Fahrer einer Factio haben sie hingegen gute Chancen, an den Start bei solchen Spielen gehen zu können." Menecrates wusste nicht genau, ob Faustus seine Bemerkung anders gemeint hatte oder ob ihm noch die Einblicke fehlten. "In vielem gebe ich dir aber Recht. Immer, wo es um Konkurrenz geht, wird es Neider geben und sicher auch intrigantes Volk. Vielleicht sollten wir in der Tat unsere Suche bei noch jüngeren Talenten ansetzen. Solchen, die sich noch nicht Wagenlenker nennen. Um regelmäßiges Training kommen wir nicht herum., das ist auch ein Fakt." Trotzdem schien der Consul nicht glücklich.
    "Auf der anderen Seite habe ich Geld. Selbst wenn ich regelmäßig Klienten, Sekretäre und die Fahrer unserer Factio beschenke, habe ich einfach genug, um auch erfahrenere Fahrer einkaufen zu können. Wer sagt eigentlich, dass dies nicht erlaubt ist? Wer schreibt die Anzahl von Fahrern einer Factio vor? Da gibt es doch sicherlich keinerlei Beschränkung. Und wer will mir vorschreiben, in welcher Weise ich gedenke, den erheblichen Rückstand auf die anderen Rennställe zu verkürzen?"

    Zitat

    Original von Spurius Purgitius Macer
    "... Es wurden weitere Morde mit ähnlicher Handschrift erwähnt, wenn ich euch richtig verstanden habe - wenn diese zeitlich früher liegen, müssen wir dann nicht bis zu diesen zurück gehen? Oder sogar weiter, wenn man diese Morde als erstes sichtbares Zeichen betrachten wollen, so dass das erste Schwelen zwangsläufig zeitlich früher angesetzt werden muss? Auch wenn wir eine Verschwörung annehmen, müssen wir dann nicht zurück zum Beginn der Verschwörung, um von dort aus nach den Ursachen zu suchen?"


    Der Consul begrüßte es, dass sich bisher schweigsame Mitglieder aktiv in die Ermittlungen einbrachten. Er nickte sogar zustimmend. Doch bevor er auf Macers bemerkungen eingehen konnte, antwortete Tiberius.
    "Nichts, was wir festhalten, ist in Stein gemeißelt, deswegen hatte ich gesagt, 'nach bisherigem Kenntnisstand'. Sobald wir auf weitere Erkenntnisse bezüglich des Datums stoßen, ändere ich die Eintragung. Tiberius besitzt den Einblick und hat die Opferliste. Wir gehen also zunächst vom festgehaltenen Datum als Brandherd aus.
    Eine Verschwörung hingegen nimmt einzig der Trecenarius an. Bisher hat sich keines der Ermittlungsmitglieder ebenfalls dafür ausgesprochen. Richtig ist, dass wir zum Beginn des Brandherdes zurück müssen. Den Zusammenhang zwischen den Morden und dem Aufstand hingegen sehe ich als erwiesen an. Es liegt nicht nur eine zeitliche Stimmigkeit vor, sondern vor allem ein Geständnis der Haupttäterin."
    Er nickte nochmals, bevor er sich dem Trecenarius zuwandte.


    Zitat

    Original von Aulus Tiberius Verus
    "Varia kann und wird nicht transportiert werden, da ein Befreiungsrisiko besteht. Ich werde keinen Befreiungsversuch riskieren," legte der Trecenarius betont fest aber senkte dann seine Stimme wieder, um folgend seine Festlegung einzuschränken: "Aber wir können die Gefangene im Kerker der Prätorianer konsultieren."


    "Ich hatte befürchtet, dass wir sie hier nicht befragen können", erwiderte der Consul. "Besteht allgemeines Interesse, das großzügige Angebot anzunehmen und die Befragung vor Ort vorzunehmen? Ich für meinen Teil möchte dies bejahen."
    Er blickte in die Runde.



    "Ihr könnt gern weiterdiskutieren, während ich nach unserer nächsten Zeugin sehe." Den vergangenen Ereignissen geschuldet wollte er Morrigan vorbereiten.


    Zitat

    Original von Morrigan
    Morrigan war nervös. Sie hatte keine Ahnung warum man sie hatte rufen lassen. Sie wusste auch nur, dass eine Menge Leute im Haus sind, wer genau,das wusste sie nicht. Eigentlich interessierte es sie auch nicht. Sie hatte sich in den letzten Wochen quasi unsichtbar gemacht. Ja sie hatte den Tag gar gefürchtet an welchem Mencrates sie rufen lassen würde. Entsprechend aufgeregt, nervös und unsicher stand sie nun hier vor der Tür wie man es ihr befohlen hatte.


    Er trat zur Tür und öffnete sie, um nur einen Schritt hinauszugehen - die Türklinke noch in der Hand - und winkte die Sklavin zu sich heran.
    "Morrigan, ich benötige hier deine Aussage vor einer Gruppe von Senatoren und Offizieren. Wir ermitteln in Sachen Varia und Sklavenaufstand." Er sagte dies, damit Morrigan abschätzen konnte, wie sehr sie durch Folter diesbezüglich beeinträchtigt war.
    "Du wirst hier auch DEN Mann treffen, der die Verhöre im Kerker und die Bestrafung auf dem Marktplatz geleitet hat. Traust du dir zu, die Fragen dieses Mannes erneut zu beantworten?" Er beobachtete ihre Reaktion, um zu erahnen, was sie dachte, bevor sie es sagte. "Oder ist es dir im Zweifel lieber, wenn er dich nicht direkt ansprechen darf, sondern über mich mit dir kommuniziert? Ich stelle dich vor die Wahl, weil mir daran liegt, die Wahrheit zu erfahren und dass du dich traust, die Wahrheit zu sagen."

    Die selbst gestellte Aufgabe, zeitgleich Moderator und Ermittelnder zu sein, strengte Menecrates erheblich an. Vor allem seiner mangelnden Multitaskingfähigkeit war es zuzuschreiben, dass er nicht gleichzeitig moderieren, nachdenken und zuhören konnte. Aus diesem Grund legte er großen Wert auf eine gute Protokollierung, die er regelmäßig am Abend durchging. Mehr als einmal erfuhr er auf diese Art von Redebeiträgen, die ihm während der Sitzungen ungewollt durchrutschten.


    Da es kein Durcheinander an Redebeiträgen gab, konnte er in aller Ruhe auf den Kommentar des Tribuns reagieren. "Ich teile übrigens Petronius' Meinung, dass wir uns vom Ziel der Ermittlungen zwischenzeitlich entfernt haben. Allerdings möchte ich auch nicht allzu häufig Richtungsgeber sein, sondern lasse auch gern die Ermittlungen fließen. Jetzt scheint mir jedoch der Zeitpunkt richtig, den Kurs zu korrigieren.
    Ziel war es, den Zeitpunkt zu ermitteln, wo die Unruhen zu schwelen begannen. Nach aktueller Kenntnislage können wir diesen Punkt als erledigt abhaken. Ziel war und ist es weiterhin, nach den Ursachen des Aufstands zu suchen. Das beinhaltet für mich auch die Klärung der Frage, wer sich alles am Aufstand beteiligt hat."


    Immerhin saß in Menecrates' Hinterkopf das Wissen, dass die Spekulatores die Christen ohne stichhaltige Beweislage für die Unruhen verantwortlich machten. Obwohl der Consul anfangs Tiberius mit Vorsicht begegnet ist - sie hatten im Vorfeld diverse Reibungspunkte - erlebte er ihn mehr und mehr konstruktiv. Sein wachsames Auge lag trotzdem verstärkt auf dem Trecenarius.

    "Ganz verkehrt finde ich eine Dopplung der Ermittlungen nicht, wenn sie im Rahmen bleibt. Immerhin werden in besagtem Bericht häufig Formulierungen wie: 'der Verdacht liegt nahe', 'es ist möglich', 'es scheint' usw. benutzt. Wir dürfen nicht auf der Basis von Annahmen urteilen.
    Ich würde übrigens auch sehr gerne Varia befragen, aber ist dies überhaupt möglich?"
    Er blickte zu Tiberius.

    Sim-Off:

    Die ID ist leider bereits im Elysio.

    Ein Hornsignal erklang, was auch den Letzten auf den Beginn der Hinrichtung aufmerksam machen sollte. Da Raubtiere in der Regel nicht auf ein Startsignal warteten, sondern ihre eigene Zeitplanung besaßen, richteten die Herolde schon vor dem Eintreffen der restlichen Tiere das Wort an den Consul.
    "Wir bitten den Consul Claudius die Kampfarena für eröffnet zu erklären und damit die Vollstreckung des Todesurteils zu befehlen.“
    Der Consul erhob sich. Er richtete den Blick zunächst auf den Raubtierkäfig und anschließend auf den Gittertunnel, in dem an hinterster Stelle ein Löwenmännchen mit dem Schwanz peitschte, während es die vor ihm befindlichen Menschen fixierte. Diese rückten langsam und in gebeugter Haltung Richtung Käfig vor, ohne den Blick vom Raubtier zu lassen. Haltsuchend krallten sie sich aneinander fest. Kein Schrei erklang, sie schienen innerlich erstarrt, was sich schlagartig änderte, als ein zweites Löwenmännchen aus der Dunkelheit in den Tunnel sprang. Jungtier und Altlöwe fauchten sich zunächst an, bevor sie beide nach vorn zu den aufschreienden Todeskandidaten blickten.


    Höchste Zeit für den Consul, die Freigabe zu erteilen.
    "Lege age!", sagte er, was die Herolde weiter verkündeten und das Schauspiel begann. Zuschauer grölten. Während diejenigen in Nähe des Schaukäfigs eher still und voller Erwartung saßen, erzeugten diejenigen mit schlechter Sicht einen höllenartigen Lärm. Sie konnten die Nuancen des Geschehens nicht wahrnehmen, sie benötigten bewegungsfreudige Aktionen.

    Zitat

    Original von Quintilia Pina
    Weil Pina keine Blöße zeigen wollte, unterdrückte sie ihr aufatmen. Sie hatte genug von diesem Raum, genug von den Menschen und vor allem genug von der selbstgerechten Art von Rom, sprich seinem Militär. Niemals hätte sie gedacht, dass sie so enttäuscht werden konnte von denen die sie in ihrer Naivität so großes Vertrauen entgegen gebracht hatte. Sie waren und zu diesem Ergebnis war sie hier endgültig gebracht worden, ein Haufen selbstverliebter, selbstgerechter Sturköpfe die nicht Rom sahen sondern nur sich selber und ihre Gier nach Macht. Sie zankten sich um Kompetenzen und vergaßen wofür sie da waren. Zum Schutz der Römer und nicht zum Schutz nur einiger weniger, von denen sie sich bestimmt persönlichen Profit erhofften.


    Der Consul bewertete die Situation - ohne zu wissen, dass Pina dies am Vortag ebenfalls vornahm - gänzlich anders. Er beglückwünschte sich zu seinem Entschluss, Vertreter der Stadteinheiten als Mitglieder der Ermittlungskommission berufen zu haben. Wäre er einzig auf die Senatoren angewiesen, würde sich hier gar nichts bewegen. Dieses vorläufige Resümee erstaunte ihn, denn es zeigte die Interesselosigkeit der Senatoren. Es bedurfte keiner Erfahrung in Ermittlungen, wie es die CP und die CU besaßen, und es bedurfte auch keiner Erfahrung aus einer Praetorentätigkeit, um Schlüsse ziehen zu können und diese zu äußern. Es reichte ein durchschnittliches Maß an Aufmerksamkeit, an gesundem Menschenverstand und der Fähigkeit, das Gehörte gegenüberzustellen, abzuwägen, Gemeinsamkeiten oder Ausschlüsse festzustellen.


    "Meine Herren, den neuen Sitzungstag möchte ich mit einem Lob beginnen. Ich danke den Vertretern der Cohortes Urbanae und der Cohortes Preatoriae für ihre bisherige aktive Mitarbeit. Vor allem SIE gewährleisten, dass die Kommission Fortschritte zu verzeichnen hat. Ich hoffe, dass dies so bleibt und sich eventuell der eine oder andere stille Zuhörer ebenfalls einbringt. Wir können davon nur profitieren." Der Consul sandte ein dankbares Nicken an Petronius, Tiberius und Octavius. Da die Geste nichts mit der Kommissionsarbeit zu tun hatte, beachtete der Consul ausnahmsweise den jeweiligen Rang.

    "So... gehen wir zum Tagesprogramm über. Ich wollte gestern am Abend noch eine Einladung an Sergia Fausta versenden, als ich davon unterrichtet wurde, dass sie seit Jahren nicht mehr in Rom weilt. Wir haben jetzt bereits die dritte untergetauchte und gleichzeitig relevante Person, wobei ich mir von Helvetius Varus und Commodus keine weiteren relevanten Informationen zum Aufstand verspreche. Die Zeugin Qintilia hat uns glaubhaft vermittelt, dass Varia kein gutes Verhältnis zu beiden pflegte.
    Über Sergia Fausta wissen wir nichts, weswegen ich interessiert wäre, näheres zu erfahren. Tiberius"
    , der Consul blickte zum Trecenarius, "du hast in deinem Bericht erwähnt, dass die beiden Helvetier untergetaucht sind, woraus ich schließe, dass es diesbezüglich Nachforschungen gab. Bei Sergia Fausta habe ich hingegen keinen Hinweis auf ihren Verbleib gelesen. Klärst du die Kommission bitte diesbezüglich auf."

    "Bitte wieder die Plätze einnehmen", baten die Herolde und kündeten damit den Fortgang der Spiele an. "Als letzte Todgeweihte am heutigen Tag betreten fünf Verurteilte - zwei Frauen und drei Männer - den eigens zu diesem Zweck errichteten Raubtierkäfig.
    Römer und Römerinnen, Freie und Unfreie, liebe Zuschauer, hier und jetzt wird es in der Tat Überlebende geben!"
    Die Herolde warteten, bis die Geräusche abebbten, denn aus dem Murmeln vieler Münder erwuchs eine beträchtliche Geräuschkulisse. "Jedes einzelne der wunderschönen Raubtiere wird am heutigen Tag den Käfig lebend verlassen!" Zumeist erlagen die Raubtiere am Ende jeden Kampfes irgendwelchen Leiden. Ihr Überleben am heutigen Tag demonstrierte einmal mehr, wie radikal Roms Vergeltungszug gegen alle als Unruhestifter und Mörder Überführte ausfiel. Die Raubtiere sollten demonstrativ überleben. Dafür wurde ihnen der Tunnel errichtet, der sie sowohl in die Kampfarena als auch zurück zum Transportkäfig gelangen ließ, ohne dass sie Personen gefährdeten. Noch befanden sie sich außer Sichtweite und niemand konnte ihr nervöses Fauchen hören.
    Vielleicht mit Ausnahme der Todeskandidaten, die durch einen seitlichen Zugang in den Tunnel getrieben wurden. Stöcke, die durch das Gitter gesteckt wurden, trieben sie nach vorn, bis sie das Tageslicht erblickten. Sie steckten noch im Tunnel, als die Sklaventreiber von ihnen abließen. Ihre Aufgabe war erfüllt, denn den weiteren Trieb veranlassten die Raubkatzen, die in der Ferne und doch so nah ihren Unmut über die Treiberei der Menschen um sie herum zum Ausdruck brachten. Tatzen prallten an Gitterstäbe, Zähne verbissen sich in selbige, fette Samtpfoten schlenderten Richtung Startbox und plötzlich sprang ein junger Löwe über einen anderen hinweg in den lichtdurchfluteten Teil des Käfigtunnels. Sein Fauchen drückte das Unbehagen aus über das grelle Tageslicht, das Gejohle auf den Rängen und das Kreischen von Einzelpersonen, die sich nur wenige Doppelschritte vor ihm im Tunnel befanden.

    Der Consul verfolgte nicht im Einzelnen das Tächtelmechtel der Stadteinheiten, sondern grübelte über Quinitilias Aussagen nach. Dann ergriff er das Wort.
    "Ich möchte Quintilia Pina aus der Befragung entlassen. Wenn jemand anderer Meinung ist, dann soll er sich melden. Andernfalls“, er wandte sich an Quintilia, "danke ich dir für deine Bereitschaft. Die teils harten Worte bitte ich zu entschuldigen. Als Wiedergutmachung möchte ich dir ein paar Aufmerksamkeiten zukommen lassen. Ich würde mich freuen, wenn du das Geschenk annimmst."


    Sim-Off:

    WiSim


    Der Consul wartete, bis er sicher sein konnte, dass keine Fragen an Quintilia mehr kamen und sie gehen konnte. Nach dem Schließen der Tür holte er einmal Luft und versuchte sich an einem Resümee.


    "Wenn Varia schon vor zwei oder vielleicht drei Jahren, wie Quintilia vorhin äußerte, den Anschein gab, dass sie ihren Herrn Helvetius Varus nicht mochte, aber durch einen Eid an ihn gebunden war, habe ich große Zweifel, dass sie sich von ihm zum Meucheln anstiften ließ. Diese Annahme erscheint mir auch bei Helvetius Commodus, für den sie als Leibwächter fungierte, nicht stimmig. Außerdem bleibt festzuhalten, dass sowohl Varus als auch Commudus schon lange VOR dem Aufstand abgetaucht sind. Das besagt dein Bericht, Tiberius." Menecrates suchte den Blickkontakt zum Trecenarius. "Für mich deutet bisher nichts auf eine Verschwörung unter Beteiligung römischer Bürger hin, aber um sicher zu gehen, halte ich es für notwendig, sowohl die erwähnte Sergia Fausta vorzuladen als auch Helevetiana Morrigan zu befragen."


    Er sammelte sich kurz, dann sprach er weiter. "Deinen ersten Aussagen, Tiberius, schließe ich mich nach heutigem Wissenstand an. Diese Varia scheint Ideale gepflegt zu haben, die sich mit unserer Gesellschaft nicht vertragen. Sie fühlte sich an Eide gebunden, wahrscheinlich fühlte sie sich gefangen und hat sich befreit. Die Parolen an den Wänden bestätigen diese These." Er sann kurz nach, dann spann er den Faden weiter.
    "Es ist naheliegend, dass sie Rom gehasst hat. Jedes Mordopfer war ein römischer Bürger. Es handelte sich ausnahmslos um besser gestellte Römer, die Opfer ihrer Taten wurden, das beweisen die Ringe - Ritterringe, Siegelringe, wertvolle Schmuckstücke reicher Gewerbetreibender usw. All diese Personen besaßen mit hoher Wahrscheinlichkeit Sklaven. Das Heer der Sklaven sollte aufwachen."


    Menecrates sah zum Scriba der heutigen Sitzung.
    "Ich hätte gern diese Gedankenkette separat auf einer Wachstafel an diesen Platz gestellt." Er wies auf eine noch annähernd freie Kommode. Einzig Tiberius' Bericht fand dort bis jetzt seinen Platz.



    "Ich schlage vor, wir befragen als nächstes Helvetiana Morrigan. Ich lasse sie rufen und währenddessen können noch Wortmeldungen ergehen." Er ging zur Tür und gab diverse Anweisungen. Zum einen sollte sich Morrigan bereithalten und zum anderen musste eine Einladung in die Casa Sergia gebracht werden.

    Die Überraschung über den Ausgang des Gesprächs ließ sich der Consul nicht anmerken. Für diesen Fall hatte er zwar schon eine Alternativbesetzung für das letzte Vorrundenrennen parat, allerdings dachte er nicht, dass er darauf zurückgreifen musste.
    Menecrates wollte neben der Unterhaltung der Zuschauer bei den Ludi auch daran denken, dass die Factio Praesina im iefsten Keller lag. Trotz Syennesis waren sie die schlechtesten von allen im gesamten Imperium. Hinzukam, ganz gleich, wo Hermippus und Athenodorus einmal unterzeichnen würden, diese ohnehin bessere Factio würde mit ihnen noch einmal mehr besser. Menecrates sah darin keinerlei göttliche Gerechtigkeit.


    "Richtet Strabax aus, dass er einen Startplatz erhält", entschied der Consul und gab seinen Liktoren zu verstehen, dass sie die beiden Fahrer aus der Loge geleiten sollten. Faustus hielt er am Arm zurück.
    "Marsyas wird noch einmal starten, wenn auch außer Konkurrenz. Das wird den ganzen erfolgreichen Factiones möglicherweise nicht schmecken, aber ich werde keinen factiolosen Fahrer hier groß machen, der unsere Position noch weiter in den Keller drückt als sie nicht ohnehin schon ist. Außerdem", er wiegte den Kopf, "Marsyas ist fast noch ein Kind und stellt keinerlei Gefahr für die etablierten Fahrer dar. Er wird das Schlusslicht des Feldes bilden, aber auch daraus kann er für sich Schlüsse ziehen."

    Die Hochzeit verlief in Teilen anders als es die Tradition vorschrieb. Das lag daran, weil die Villa Claudia aktuell wegen der Heimstatt des amtierenden Consuls und der fortlaufend tagenden Kommission nur eingeschränkt begehbar war. Auf die Zeremonie am frühen Morgen des Hochzeitstages wurde jedoch nicht verzichtet. Sowohl die Auspizien wurden durchgeführt als auch diverse Götteropfer. Allerdings gab es keine Brautführerin, die danach die Hände der Brautleute ineinandergelegt hätte. Zum einen besaß die Gens Claudia keine in erster Ehe verheiratete Frau und zum anderen fehlte geplantermaßen der Bräutigam. Die erforderlichen Zeremonien sollten in der Villa Flavia stattfinden, weswegen unorthodoxer Weise ein alternativer Brautzug vor der Eheschließung und dem Festmahl stattfand. Menecrates betrachtete die Abänderung der Abläufe nicht als Einbuße, sie entsprangen der Notwendigkeit. Aus diesem Grund grübelte er auch nicht über die Tatsache nach, dass die drei Knaben als Geleit fehlten und er nicht wusste, wann und ob der Brautraub stattfinden würde.


    Auf eines würde er jedoch bestehen: das Sassia den Türpfosten mit Öl bestrich und anschließend mit Wolle umwickelte, bevor sie über die Schwelle getragen wurde.


    Menecrates betrachtete ihre zarte Hand, die auf seinem Unterarm lag, legte seine Hand auf ihre und führte seine Enkelin Scato entgegen..

    Zitat

    Original von Caius Flavius Scato
    "Ein großer Tag Menecrates, ein großer Tag. Es freut mich, dass es nun soweit ist und natürlich, dass ihr alle hier seid." sagte er zum Consul, während er seine Hand zum Gruß griff, "Bitte, trete doch ein!" fuhr er fort und trat einen Schritt zur Seite, schließlich musste er gleich seine Enkelin über die Schwelle tragen.
    Diese trat nun auch aus einer anderen Sänfte hervor ....


    Eigentlich hatte Menecrates vor, auf seine Enkelinnen und im Besonderen auf die Hauptperson am heutigen Tag zu warten, aber er hatte sich wohl schon zu weit zum Eingang hingewagt, sodass er bereits von Scato angesprochen wurde. Er drehte sich dem Bräutigam zu und erwiderte die Begrüßung gleichermaßen erfreut.
    "Ich grüße dich, Scato!" Menecrates lächelte und ergriff die gereichte Hand. "In der Tat, ein großer Tag!" Er drückte den Unterarm des Gastgebers, folgte aber anschließend nicht der Einladung einzutreten. "Danke, das mache ich später. Ich kann unmöglich mein Kind ohne Geleit zu ihrem neuen Zuhause gehen lassen." Obwohl Sassia nicht sein leibliches Kind war, fühlte sich Menecrates als Vater. Er vertrat diese vakante Stelle auch seit Jahren.


    Während Sassia und Silana ihre Sänfte verließen, ging Menecrates den Weg dorthin zurück. Er freute sich über das rote Tuch und traf mit einem Lächeln bei den Schwestern ein. Zunächst nickte er Silana zu, damit sie sich nicht übergangen fühlte. Danach galt seine Aufmerksamkeit allerdings Sassia. Er erwiderte nochmals ihr Lächeln, bevor er ihr den Arm bot. Vielleicht stand sie unsicher auf den Beinen und benötigte den Halt.
    "Nun ist er also da, der Moment, wo ich loslassen und ich dich in die Obhut eines anderen gebe. Möge die kommende Zeit die schönste in deinem Leben werden und mögest du dessen ungeachtet weiterhin von Zeit zu Zeit den Weg in dein Elternhaus finden." Seine Augen besaßen einen eigentümlichen und ungewohnten Glanz.

    Der Consul hielt es für notwendig, das Gremium über den aktuellen Zwischenstand der Ermittlungen zu unterrichten.


    "Werte Senatoren, werte Beisitzer!
    Ich habe euch heute zu dieser Sitzung gebeten, weil ich Auskunft über den Zwischenstand unserer Ermittlungskommission geben möchte. Zunächst kann ich sagen, die Zusammenarbeit mit den Stadteinheiten gestaltet sich konstruktiv, bisher sind alle geladenen Zeugen erschienen und in einem wichtigen Punkt haben wir Ergebnisse erzielt. Ziel der Untersuchungskommission war und ist die Klärung zweier Punkte: Zum einen wollten wir klären, wann in etwa der Beginn der Unruhen in seinen ersten Ausläufern festzulegen ist. Zum anderen wollen wir die Ursache der Unruhen herausfinden.


    Der letzte Punkt ist in Arbeit und wird noch erheblich Zeit in Anspruch nehmen. Er gestaltet sich auch deswegen schwierig, weil relevante Zeugen nicht greifbar sind - sei es durch ihr unerklärliches Verschwinden, sei es durch die Berufung in ein Amt bzw. die Übernahme eines Posten außerhalb der Provinz Italia.
    Immerhin haben wir ein vorläufiges Ergebnis für das Auftreten erster Handlungen vorzuweisen, die im Nachhinein als Vorläufer des Aufstands gesehen werden können. Als Zeitraum für das erste Schwelen des Aufstands gilt zum aktuellen Zeitpunkt die Tage um ANTE DIEM V KAL AUG DCCCLXVII A.U.C. (28.7.2017/114 n.Chr.) im Zweifel eher früher als später."


    Der Consul ließ den Herren Zeit, eine eigene Rückblende zu diesem Datum vorzunehmen, bevor er fortfuhr.
    "Desweiteren beschäftigt die Kommission ein auffälliger Umstand, den sämtliche Morde im Vorfeld als Gemeinsamkeit aufweisen. Es handelt sich dabei um eine wiederkehrende Handschrift der Täter oder des Täters, der wir eine Aussage unterstellen, die es noch zu enträtseln gilt. Wir erachten die Enträtselung dieser Auffälligkeit deswegen für bedeutsam, weil wir über das Motiv der Täter Rückschlüsse auf die Ursachen des Aufstands ziehen können.
    Insgesamt verfolgen wir mittlerweile mehrere Ermittlungsstränge. Diese Auffächerung bremst das Ermittlungstempo, weil wir uns nicht gleichzeitig auf alle Aspekte konzentrieren können und teils wichtige Dinge zurückstellen müssen, um uns nicht zu verzetteln.


    Ich bin dennoch optimistisch, dass die Kommission ihre Tätigkeit erfolgreich weiterführen und schließlich mit einem Ergebnis beenden wird. Es ist alles eine Frage der Zeit."

    Menecrates hörte Quintilia aufmerksam zu, denn es konnte sein, dass Beobachtungen oder Wissen, das sie als unwichtig einstufte, ihnen half. Sicherlich würde die Ermittlungsgruppe noch größere Einblicke erhalten, wenn sie ein Mitglied der Gens Helvetia befragen konnten. Der Consul schaute daher bei der Nennung der Namen zu dem neuen Protokollführer und versicherte sich, dass der mitschrieb. Er merkte sich Varus - ein einprägsamer Name.


    Anschließend folgte Menecrates' Blick Quintilias Kopfbewegung und landete bei Octavius Maro. Er befand sich damals ja selbst unter den Flüchtenden, konnte aber wenig zum Einsatz der Cohorten sagen. Sein Augenmerk lag auf seinen Enkelkindern. Der Optio Maro fühlte sich von der Darstellung seiner Einheit provoziert und reagierte prompt. Er schilderte seine Wahrnehmung, ließ seinen Ärger freiem Lauf und stellte anschließend eine Frage. Diese fand Menecrates durchaus interessant, aber zunächst musste er als Moderator einschreiten, weil der höfliche Umgangston gewahrt bleiben musste.


    Er holte Luft und stellte fest, dass ein anderer einsprang, nämlich Tiberius. Ergebnislos schloss der Consul den Mund, um sich zunächst den Rest des Redebeitrags anzuhören. Und auch Octavius erhielt die Chance auf eine Antwort, bevor Menecrates das Wort ergriff.


    "Ich teile Tiberius' Wahrnehmung, dass wir unsere Worte glücklicher wählen sollten, wenn der Redestrom von Zeugen nicht versiegen soll. Lassen wir doch bei aller gegensätzlichen Meinungsäußerung demnächst Vorwürfe, Beleidigungen und auch Belehrungen weg." Menecrates sah in die Runde, ohne bei einzelnen länger zu verweilen. Außerdem benutzte er mit Absicht die Wörter 'wir' und 'unsere', weil es für seine Ansage zwar einen Auslöser gab, aber der Inhalt sie alle betraf.


    "Tiberius, fasst du für uns noch einmal zusammen, in welchen Punkten du Übereinstimmung zu deinen Ergebnissen siehst. Und Quintilia, ich würde wie Octavius gerne erfahren, ob du bei den Spielen oder der Flucht in Begleitung warst. Vier Augen sehen mehr als zwei und jede weitere Aussage beinhaltet für uns die Chance auf einen Durchbruch bei den Ermittlungen. Kannst du uns von weiteren Beobachtungen berichten? Beobachtungen im Hinblick auf die Angreifer?"

    Der zweite Sitzungstag hielt gleich zu Beginn Überraschungen der weniger schönen Sorte für den Consul bereit. "Hmm, das ist ja weniger schön", kommentierte er dann auch die Offenlegung seines Quaestors und wunderte sich gleichzeitig, wie schnell so eine Sehnenentzündung entstehen konnte. Auf den Gedanken, die Erkrankung sei vorgeschoben, kam er nicht. Er hörte sich Flavius' Lösungsansatz an und überlegte, wie das Problem am besten gelöst werden konnte. Es kamen von vorn herein nur zwei Alternativen zu Flavius infrage: einmal dessen eigener Sekretär namens Patrokolos und zum anderen Faustus, des Consuls Sekretär. Beide Sekretäre unterstanden amtierenden Magistraten und diese hafteten für all ihr Tun, also hafteten sie auch für ihre Hilfskräfte. Faustus trat außerdem bereits als Zeuge auf und möglicherweise wurde er als solcher noch einmal befragt. Das verbot seine Anwesenheit während der Sitzungen. In diesem Punkt wurde zwar leider schon nachlässig gehandelt, aber das brachte die bunte Zusammensetzung dieser Ermittlungsgruppe mit sich.


    "Gut, dann bleibt uns nichts weiter übrig, als diese Notlösung zu wählen", entschied Menecrates. "Die Einweisung müsste noch vor Beginn der Veranstaltung geschehen." Damit drückte Menecrates gleichzeitig aus, dass er eine Einweisung für notwendig hielt und Flavius damit beauftragte. "Und wieder einmal sehen wir, dass viele unglückliche Wendungen einen positiven Kern in sich verbergen. Ich betrachte es als Vorteil, wenn du dich nunmehr häufiger in die Ermittlungen einbringen kannst und hoffentlich wirst. Das gestrige Protokoll lege bitte separat ab. Es soll nicht zwischen die Arbeitstafeln geraten."