Beiträge von Herius Claudius Menecrates

    Runde fünf gestaltete sich weitgehend langweilig für die Zuschauer, weil jeder Vorstoß abgewehrt wurde und die Wagen so, wie sie in die Runde gestartet sind, auch am Ende platziert lagen. Wer jetzt von den Zuschauern hoffte, die sechste Runde brächte mehr Spannung, sah sich getäuscht. Die Reihgenfolge beim Rundenanfang stimmte mit dem bei Rundenende überein. Allerdings startete Bagoas aus der Russata eingangs der siebten Runde einen Angriff auf seinen führenden Factiokollegen. Da sich auf den hinteren Plätzen - auch aufgrund der mittlerweile großen Abstände zwischen den Wagen - nichts mehr tat, konzentrierten sich die Zuschauer auf den Zweikampf an der Spitze. Das Tempo der beiden Fahrer wurde erstmals hoch und nur wer genau hinsah, bemerkte, wie sich Bagoas Nase um Nase nach vorne schob. Für das ungeübte Auge wirkte ihrer beider Geschwindigkeit gleich. Die Umrundung der letzten Wendemarke brachte die Vorentscheidung: Bagoas zügelte seine Pferde maßgenau, um sie nach der Marke ideal durchstarten zu lassen. Doch Amasis musste sich noch nicht geschlagen geben, denn sein Rückstand war nur minimal. Erst auf den letzten Doppelmetern verlor er deutlich an Boden und musste zusehen, wie Bagoas, der lange Zweitplatzierte, als erster ins Ziel lief. Bagoas sicherte sich damit den Startplatz für das Finale.


    1) Bagoas RUSS
    2) Amasis RUSS
    3) Proteneas RUSS
    4) Rianorix PRAE
    5) Braecus PRAE
    6) Marsyas PRAE


    Die Herolde verkündeten das Ergebnis: "Qualifiziert für den Finallauf haben sich:
    Bagoas, er startet für die Russata, und Rianorix, der für die Praesina startet. Applaus den factiointernen Gewinnern!"

    Die Wagen rollten von der Sandbahn und machten der nächsten Hinrichtung platz.

    Die Fanrufe der Preasina konnten nicht mit denen der Russata mithalten. Zum einen verursachte die fehlende Öffentlichkeitsarbeit der Factio einen Mitgliederschwund. Zum anderen bot der Vorlauf nur bedingt Anlass zur Freude. Den Wagenlenkern der Preasina fehlte augenscheinlich die Übung. Sie lagen deutlich abgeschlagen hinter allen drei Gespannen der Russata. Den wenigen Fans ging es darum, den bevorzugten Fahrer ins Finale zu treiben. Die einen schwärmten für Braecus, andere für Rianorix. Den jungen Marsyas kannte kaum einer. Er musste erst einmal Fans durch beeindruckende Leistungen an sich binden.





    Das erste Rennen der Vorläufe startete bei brennenden Pfählen. Sie standen zwar am Rand und auch abgeschirmt, aber der Ausrichter zeigte sich dennoch erleichtert, wenn Windböen nur dann die Flammen trafen, wenn sich keine Wagen in unmittelbarer Nähe befanden. Wie schnell konnten die Pferde scheuen und unnötige Unfälle passieren.


    Nach dem Zieldurchlauf trafen Helfer die Vorbereitungen für die nächste Hinrichtung. Den Akt würde der Quaestor Consulum leiten, sodass Menecrates ein wenig durchatmen konnte. Trotz vieler Helfer lastete die meiste Verantwortung für das Gelingen der Spiele auf seinen Schultern.


    Er neigte den Kopf zu Faustus und raunte ihm ins Ohr. "Die Planung für die Vorläufe ist hinfällig. Ich habe bis zuletzt mit einem Antreten der Aurata gerechnet, aber nun die Mitteilung bekommen, dass dies nicht geschehen wird. Ich kann unmöglich eine Factio ohne Gegner in den letzten Vorlauf schicken. Das würde mir sicherlich als beabsichtigte Benachteiligung und Respektlosigkeit ausgelegt werden. Wir werden unsere Fahrer noch einmal antreten lassen, allerdings außer Konkurrenz. Sie können es als Übungslauf ansehen. Teilst du das den Fahrern bitte mit. Sie sollen die mitgebrachten Ersatzpferde einspannen. Welches der Tiere sie primär austauschen sollten, werden sie hoffentlich selbst wissen. Ich gehe davon aus, es werden vorrangig die mittleren sein." An dieser Stelle besaß Faustus drei Funktionen: Privatsekretär, Liktor und gleichzeitig Factionsmitglied.

    -- Zuschauer --


    Zitat

    Original von Claudia Sisenna
    Eine Hand griff nach ihrem Arm und zog sie zurück auf den Platz. Etwas schuldbewusst blickte sie nach vorn, dann jedoch siegte das Lächeln. Sie rutschte mit dem Hintern ganz nach vorn, als würde sie dadurch der Bühne erheblich näher kommen. Ihre Augen hingen an Sofian.


    Die Hand, die Sisenna auf ihren Platz holte, gehörte Menecrates. Dem Consul als Ausrichter aller Vorstellungen zu den Spielen war es durchaus unangenehm, dass ausgerechnet seine Nichte störte. Er sparte es sich jedoch, eine Entschuldigung vorzubringen, weil die zu noch mehr Störung geführt hätte. Er legte den Zeigefinger auf den Mund und signalisierte Sisenna, dass Ruhe auf den Rängen herrschen musste.
    Anschließend folgter er wieder der Handlung, die ihn frei und fröhlich stimmte. Er vergaß seine Pflichten und gab sich ganz der Zerstreuung hin. Bereits morgen würde neue Verantwortung auf ihm lasten.

    Der Consul überlegte, wie diese Konstellation deutlich gemacht werden konnte und machte einen Vorschlag, der jedoch mehr wie eine Entscheidung klang.
    "Dann verdeutlichen wir die fehlenden Einblicke mit einem radikalen Strich, würde ich sagen. Der Name muss natürlich dahinter, damit wir auch bei späterer Betrachtung noch wissen, wem die fehlenden Angaben zuzuordnen sind." Menecrates erwartete nicht, dass jemand widersprechen würde und fuhr fort, während er annahm, dass der Quaestor seiner Pflicht zur Dokumentation nachkam.

    "Es fehlen noch zwei Wortmeldungen."
    Er blickte zu den beiden Männern. "Octavius Maro und Octavius Macer."

    Dass allseits beliebte Zusammenarbeiten von Lenkern einer Factio fiel bei diesem Vorlauf aus, weil die Gespanne der Russata schon zeitig vorn lagen und es keinerlei Rangeleien zwischen der Russata und der Praesina mehr gab. Während sich die Fahrer der Preasina ins Zeug legten, um den Abstand erträglich zu halten, schien es so, als würden alle Gespanne der Russata nur mit halber Kraft laufen. Die einzige Spannung, die diesem Vorlauf blieb, war der Kampf um Platz eins innerhalb der Factio, denn der sicherte die Teilnahme im Finale. Das erkannte auch der hinten liegende Fahrer der Russata Bagoas, der in Runde zwei einen überraschenden Angriff starte und seine nichtsahnenden Gefährten überholte. Ausgangs der Runde zwei lag Bagoas vor Amasis, der den zweiten Platz verteidigte, und vor Proteneas, dem bis dahin führenden. Ein ähnlicher Wechsel vollzog sich bei der Praesina, wo sich Rianorix, der bis dahin Letzte auf den führenden Platz innerhalb der Factio schob. Marsyas rutschte dabei auf den letzten Rang.


    Wie sich in Runde drei herausstellte, gab es in jeder Factio zwei Fahrer, die das Zeug zum internen Factionessieg besaßen. Es duellierten sich in der Russata Amasis mit Bagoas und in der Praesina die Fahrer Braecus und Rianorix. Bei beiden Factiones schien es so, als stellte der dritte Lenker keine Gefahr dar. Ausgangs der Runde drei lag Amasis erstmals an der Spitze und auch in der Praesina gab es einen Platzwechsel: Rianorix musste Braecus ziehen lassen.


    Diese Schlappe ließ Rianorix jedoch nicht auf sich sitzen. Er mobilisierte seine Pferde und griff beim Umrunden der Wendemarke an. Bei der Russata gab es zwar Rangeleien, aber ohne dass sich etwas an der Reihenfolge änderte. Am Ende der vierten Runde wendeten die Fahrer in folgender Reihenfolge:


    1) Amasis RUSS
    2) Bagoas RUSS
    3) Proteneas RUSS
    4) Rianorix PRAE
    5) Braecus PRAE
    6) Marsyas PRAE

    Die Flammen der ersten Hinrichtungsserie loderten, als sich die zuvor aufgerufenen Fahrer in die Startboxen begaben. Zweimal wurde bei diesem Rennen gelost: Einmal bei der Zusammenstellung, welche beiden Factiones gegeneinander antreten sollten und ein weiteres Mal bei der Belegung der Startboxen. Dass alle Fahrer einer Factio in einem Vorlauf antraten, überließ der Ausrichter nicht dem Zufall. Er legte es vorher fest.


    Sein erklärtes Ziel war ein Finale, in dem alle Rennställe mit ihrem jeweils besten Fahrer vertreten waren. Er wollte keine halbleeren Ränge sehen, weil das Finale von nur drei Factiones bestritten wurde und die Fans der anderen drei Rennställe enttäuscht fernblieben. Leider sah es ganz danach aus, als würde sein Vorhaben nur bedingt klappen, denn die Aurata meldete trotz aller Bemühungen nicht. Nachträgliche Nachfragen verliefen ebenfalls im Sand. Der Consul würde improvisieren und Plan B hervorzaubern müssen, denn ein Zurück aus der einmal gewählten Wettkampfstrategie gab es nicht.


    Rianorix aus der Praesina wurde als erstes gezogen und konnte sich eine günstige Startbox aussuchen. Ansonsten stand für die grünen Lenker weitgehend fest, dass sie keine Chance gegen die starken Gespanne der Russata hatten. Kämpfen wollen sie trotzdem, alleine der Fans wegen, die sie trotz der langjährigen Versunkenheit nicht im Stich gelassen hatten.
    Der Consul gab das Startsignal und die Tore sprangen auf. Der jüngste der ohnehin jungen Fahrer der Praesina erwischte einen guten Start und konnte sogar seinen Rennstallgefährten Rianorix hinter sich lassen. Ansonsten bot sich das zu erwartende Bild: Die Lenker der Russate dominierten das Feld von Anbeginn. Sie führten bereits auf der Hinstrecke und bauten ihren Vorsprung auf der Rückbahn weiter aus.
    Die erste Runde endete in folgender Reihenfolge:



    1) Proteneas RUSS
    2) Amasis RUSS
    3) Bagoas RUSS
    4) Braecus PRAE
    5) Marsyas PRAE
    6) Rianorix PRAE

    Menecrates prüfte den Vorschlag, die Scheiterhaufen zu löschen. Er kam aber zu dem Schluss, dass diese Löscharbeiten die Spiele aufhalten würden. Er wollte stattdessen ein Ereignis von einem nächsten ablösen lassen und als Erlebnis gingen Löscharbeiten nicht durch. In der römischen Vergangenheit gab es schon Hinrichtungen in Arenen, bei denen Feuerpfähle von selbst herunterbrannten, ohne dass der Ablauf des Programms dadurch gestört wurde.


    "Ich tendiere dazu, die Wagenrennen bei noch brennenden Pfählen starten zu lassen." Er stellte sich damit eine eindrucksvolle Kulisse vor, ohne sich bildlich vorzustellen, dass es sich beim Brennmaterial um lebende Menschen handelte. Er redete sich ein, das Todesurteil nur zu vollstrecken, es aber nicht verhängt zu haben, was sich sehr viel leichter anfühlte. Darüber nachzudenken, versagte er sich bewusst. Skrupel halfen ihm nicht, die Spiele zu planen, wenn sie groß und unvergesslich werden sollten.

    Zitat

    Original von Aulus Tiberius Verus
    "Ich fordere dich, Konsul Claudius, jenen Befehl im Namen des Volks dieser großen Stadt zu geben, der jene Christianer und Varia verbrennen soll, die unserer Stadt so viel Leid antaten. Ihre Körper sollen brennen, ihre Seelen verdammt sein und ihr Fluch enden, in den ewigen Flammen des römischen Lichtes! Im Namen des Kaisers, unseres geliebten Augustus, präsentieren wir, die Prätorianer, euch Varia und ihr Gefolge. Mit Wohlwollen des göttlichen Imperators, werden wir sie nun hinrichten, sobald der Konsul für Rom sprechen möge!" Verus hasste sich selbst, während er die Fackel hielt und bereits in die Flamme blickte, die ihn blendete. Nein, er wollte nicht zum Konsul blicken oder zum Kaiser. Quo vadis? - Eine Frage, die er sich nun stellte aber zu seinem Glück verbarg die silberne Maske seine persönliche Regung, die schmerzvoll war.


    Wie üblich kündete ein Horn vom Gang eines Verurteilten zu seiner Richtstätte. Weitere Hörner und Trommeln stimmten in die Ankündigung ein, bevor ein Prätorianeroffizier aus dem Tor trat. In seiner Hand hielt er eine Kette, an deren Ende sich der Mittelpunkt der ersten Hinrichtung befand: Varia, die Rädelsführerin des Sklavenaufstandes.


    In korrekten Linien marschierten die Prätorianer aus dem Tor, später teilten sie sich auf. Jeder dieser Vorgänge schien exakt einstudiert zu sein, denn der Aufmarsch kam einer Parade gleich - umjubelt von den Zuschauern. In die freudige Erwartung der Menge mischten sich auch wütende Rufe, geballte Fäuste und teils auch leises Gewimmer, das allerdings im Getöse unterging. Kaum, dass es einer der unmittelbaren Nachbarn wahrnahm. Selbst eine junge Frau, die aufgewühlt Richtung Kaiserloge lief, blieb so gut wie unbemerkt. Menecrates nahm sie jedenfalls nicht wahr, denn seine Aufmerksamkeit lag auf dem Akt, der bevorstand. Er trug schwer an der Verantwortung. Bislang gab es nur eine diffuse Vorstellung von Todeskandidaten, nun liefen sie in den Circus und bestanden aus Fleisch und Blut. Ihre Angst konnte lähmen, wenn sie zu sehr auf das eigene Gemüt einwirkte. Da war es zuträglicher, sich in Wut, Rage oder Hysterie zu steigern. Menecrates konzentrierte sich ganz auf die Abwicklung der Exekution. Wenn seine Gedanken abschweifen wollten, führte er sie zur Erinnerung an die Gefahren, die seine Familie während des Aufstandes durchmachen musste.


    Er beobachtete die Vorgänge um die Hauptverurteilte und dankte den Göttern, dass nicht er selbst das Öl über sie oder andere Todesopfer gießen musste. Ein Kloß entstand in seinem Hals, den er durch Räuspern versuchte loszuwerden. Er gab es auf, als er den Blick des Offiziers spürte und die Worte vernahm. Er wollte sich treiben lassen, doch dann horchte er auf. Hatte der Kaiser tatsächlich zugestimmt, die Verantwortung für die Gräueltaten den Christen in die Schuhe zu schieben? Für einen Moment hielt er den Atem an. Oder gab es inzwischen doch Beweise für diese Spekulation?


    Menecrates blieb keine Zeit und schon gar keine Gelegenheit, das zu hinterfragen. Er beruhigte sich für den Moment damit, dass die hier präsentierten Todeskandidaten sicherlich allesamt bei den Unruhen aufgegriffen und somit verantwortlich waren. Anders konnte es nicht sein. Er warf einen Blick zu seinen Enkeltöchtern, dann sah er wieder zur Mitte der Arena.



    Er hatte um die öffentlichen Hinrichtungen gebeten. Jetzt musste er sie vollstrecken, Kraft seines Amtes, Kraft des Gesetzes.
    Ein Räuspern, dann erklang: "Lege age!" Nicht laut, aber vernehmlich. Die Formel wurde von den Herolden wiedergegeben.

    Auch Menecrates' Haltung und Auftreten drückte aus, dass er ernst meinte, was er sagte.
    "Du kannst gewiss sein, dass ich meinen Besitz beanspruche." Nicht etwa Verärgerung oder Überheblichkeit klang aus seinen Worte, sondern Standhaftigkeit. Doch mit Starrsinn kam er hier nicht weiter, so viel wurde ihm klar. Er versuchte es zunächst mit Logik, wobei er nicht davon ausging, auf Verständnis zu stoßen.


    "Kein Sklave, kein Klient, kein Familienmitglied, niemand aus meinem Haus wird dieser Sklavin einen Stempel aufdrücken. Zu einer solche Maßnahme würde ich im Notfall nur dann greifen, wenn ein Sklave meine Familie bedroht oder geschädigt hat. Wir wissen beide, dass dies nicht zutrifft." Er dachte nach, bis sich eine Idee in seinem Kopf entfaltete. Sein Blick tauchte in den des Trecenarius', bevor er in dessen Distanzzone einbrach und die Lippen in die Nähe des tiberischen Ohres führte.

    "Wie viel müsste ich zahlen, damit ganz zufällig die Brandmarkung vergessen wird?"
    Er senkte den Kopf, damit sich sein Ohr in Höhe der tiberischen Lippen befand.

    Zum Abschluss der Ludi Palatini standen diverse Theateraufführungen auf dem Programm. Ein Theaterstück lud die Zuschauer zu etwas Ungewöhnlichem ein. Die Vorstellung war kurz, das musste sie auch sein, denn sie fand zur letzten Stunde des Tages statt. Der bedeckte Himmel erzeugte eine vorgezogene Dämmerung, die sich bereits auf das Theatrum legte, als der Sprecher auf die Bühne trat.


    "Liebe Zuschauer! Macht euch auf etwas gefasst. Ich begrüße euch zum..." Eine Art Trommelwirbel erklang, dann hob er ein Plakat über seinen Kopf und rief: "Komödie bei Nacht!"


    Komödie bei Nacht


    Der Consul saß in seiner Loge. Er wusste in etwa, was sie zu sehen bekamen. Weil er aber einer der wenigen Wissenden im Theatrum war, sah er sich verstohlen um und erforschte die Reaktionen im Publikum, während der Sprecher nach dem empfangenen Beifall wieder verschwand.
    Die Bühne wurde von Fackeln erhellt. Sie sollte ein Triclinum darstellen, denn Clinen und Bestelltische füllten den Raum. Ein Torbogen symbolisierte die Tür, vor der nun der erste der Schauspieler stand.



    Sim-Off:

    Der begrenzten Freizeit ist geschuldet, dass es hier vermutlich stockend weitergeht.

    Menecrates nickte als Erwiderung auf den Dank. "Na dann..." Er drehte sich seinem Stehpult zu und wühlte geschäftig in Pergamenten. Hoffentlich übersah Faustus das Grinsen, gegen das der Consul weitgehend erfolglos ankämpfte. Hier in seinem Haus durfte er Emotionen zeigen. Sie mussten auch von Zeit zu Zeit raus.

    Menecrates verstand zunächst nicht, worauf Tiberius hinauswollte. Er nickte zustimmend, denn sie hatten vor vielen Wochen eine Absprache getroffen und der Claudier gab seine Zustimmung, eine Aufgabe pflichtgetreu zu übernehmen. Die Aufgabe bestand darin, die Sklavin Morrigan aufzunehmen und dafür zu sorgen, dass niemand daraus ein Schaden entsteht - keinem Bürger, keinem Römer, keinem Zugereisten, nicht einmal Morrigan selbst. So weit, so gut. Dass Morrigan nie mehr freigelassen werden konnte, gehörte zur Vereinbarung.


    Was dann aber an Menecrates' Ohren drang, veranlasste ihn, erstaunt zu blicken. Sein Kopf ruckte nach hinten, die Augen weiteten sich um ein Stück, obwohl er sich stets bemühte, gleichmütig zu erscheinen, weil Beherrschung ein Zeichen seines Standes, seiner Erziehung darstellte.
    "Ich werden niemandem beweisen, dass ich strafen kann!", erwiderte er entschieden. "Das Wort eines Claudius reicht allein und wenn nicht das, dann doch wohl das eines Consuls." Er hob abwehrend die Hand, sein Standpunkt würde nicht verhandelbar sein.

    Zusammen mit seinem Amtskollegen und weiteren Persönlichkeiten traf Menecrates im Hippidrom ein. Es gab viele Opferungen eingangs der Ludi Palatini, angefangen über die Festtage der Felicitas und der Iuno, den vorbereitenden Festtag der Concordia und natürlich das speziell anlässlicher der Ludi Palatini vorgesehene Opfer, das - wie abgesprochen - der Kaiser ausrichtete. Sie standen hier deutlich windgeschützter als auf dem Capitol, weswegen sowohl das Wohlgefühl als auch die Handhabe der Opferung besser ausfallen würde.
    Wegen der vielen Pflichten, von denen er keine versäumen wollte, aß Menecrates unregelmäßig, was sich auf seine Verdauung niederschlug. mal stockte sie, mal lief sie auf Hochtouren. Hier im Außenbereich musste er aber nicht fürchten, dass Bauchkullern hörbar die Zeremonie störte.


    Bevor der Kaiser kam, beugte er sich zu seinem Kollegen und flüsterte: "Ich habe gesehen, dass du bereits die Ankündigung zu den nächsten Wahlen vorgenommen hast. Das erscheint mir etwas zeitig, zumindest im Vergleich zu den Vorjahren, aber du wirst schon deine Gründe haben." Er nickte seinem Kollegen zu und ließ erkennen, dass er der fehlenden Absprache wegen keineswegs grollte. Jeder von ihnen trug ein ordentlich großes Arbeitspaket.


    Als der Kaiser mit den vielen Priestern und Opferhelfern erschien, verstummten alle Anwesenden.

    Der Consul unterschied im Hinblick auf Hinrichtungen streng zwischen privater Beurteilung und der als Ausrichter von Spielen. Da er die Spiele plante, rückten die spektakulären Aspekte in den Vordergrund. Die Vorstellung, dass sich ein Unbewaffneter gegen einen Angreifer mit Dolch zur Wehr setzen musste, riss ihn nicht unbedingt zu Begeisterungsstürmen hin. Allerdings wertete den Akt ein Folgekampf auf, bei dem der Angreifer selbst zum Opfer wurde.


    "Gut, ich halte dann fest, dass deine Hinrichtung - die zweite aller und stattfindend nach dem ersten Vorrundenrennen der Wagen - ein unbewaffneter Todeskandidat im Kampf gegen einen leicht bewaffneten Gegner sein wird, der wideerum im Anschluss von einem Gladiator niedergestreckt wird." Warum eigentlich nicht, dachte Menecrates bei sich und wirkte sehr zufrieden. Diese Form stellte in der Tat eine Abwechslung dar.

    "Dann disponiere ich um: Die Rädelsführerin wird angezündet, weil ich mir einen Fackellauf entweder am Ende oder am Anfang vorstellen kann, und die dritte Hinrichtung wird dann durch Löwen stattfinden. So wird das eine runde Sache und führt beim Zuschauer nicht zu Ermüdung."
    Er dachte kurz nach, dann fügte er an: "Die Organisation der beiden Angreifer - Gladiator und Dolchmann - lege ich ganz in deine Hände. Ich konzentriere mich auf die restlichen Hinrichtungen. Enthaupten und Erdrosseln ", er wiegte den Kopf, "erscheinen mir nicht eindrucksvoll genug, zumal zu wenig Bewegung für diejenigen ersichtlich ist, die auf entfernten oder oberen Rängen sitzen."


    Eine sehr konstruktive Arbeit entwickelte sich zwischen ihm und dem Quaestor, was sich vermutlich in den Ergebnissen widerspiegeln würde. Davon abgesehen gefiel Menecrates auch der Umgang miteinander. Man mochte meinen, dies sei selbstverständlich bei Individuen aus gutem Hause, aber Ausnahmen bestätigten diese Regel.


    "Ich glaub, wir haben für heute alles, oder?"

    Nachdem die erste spektakuläre Hinrichtung hinter ihnen lag, rollte ein Wagen nach dem anderen auf die Sandbahn - vorbei an jener Stelle, wo Varia ihr Leben ließ. Der aufbrausende Jubel der Rennstallfans ließ vermuten, dass nur noch wenige Zuschauer ihrer gedachten. Manch einer mochte auch das schaurige Bild verdrängen, indem er sich zum Zuschauen zwang. Der überwiegende Teil konzentrierte sich ohnehin auf die Ehrenrunde, jubelte 'ihren' Fahrern zu und versuchte, die Aufregung im Zaum zu halten. Für viele stand Geld auf dem Spiel, für einige Ruhm und Ehre und für all die anderen bestenfalls die Seelenruhe, denn gelassen ging es hier im Circus gerade nicht zu.


    Mit besonderem Interesse verfolgte Menecrates den geordneten Einlauf der Rennwagen. Er hoffte immer noch, dass sich die Factio Aurata an seinen Spielen beteiligte, doch bisher fehlte nicht nur die Meldung, sondern überhaupt ein Lebenszeichen. Der Consul musste nicht fürchten, dass die Aurata seine Spiele sabotieren wollte, denn auf das Band zum Dominus des Rennstalls, zu Livianus konnte er zählen. Es bereitete ihm jedoch Sorge, dass die Aurata generell wenig in Erscheinung trat. Davon abgesehen stellte sie einen wichtigen Bestandteil seines ausgearbeiteten Rennplans dar. Er würde improvisieren müssen, sollte der Rennstall tatsächlich wegbleiben. Allerdings hatte Menecrates die Aurata im letzten der Vorläufe geplant, was ihr die größtmögliche Frist bot.


    Zusätzlich zur Verantwortung bereiteten diese sorgenvollen Gedanken dem Consul Kopfschmerzen. Kurzerhand fasste er den Entschluss, den eigentlich per Los gezogenen zweiten Vorlauf vor dem ersten zu starten. Für den Fall, dass die Aurata nicht antrat, was immer wahrscheinlicher wurde, brauchte er halbwegs ausgeruhte Lenker seiner eigenen Factio.


    Der Zeitpunkt, wo die Gespanne hielten und dem Publikum Respekt zollten, wurde durch Menecrates' heben der Hand angezeigt. Sämtliche Herolde erhielten währenddessen per Wachstafel den geänderten Startplan. Der Consul ließ sich dies von Helfern bestätigen, auf sein Augenlicht konnte er sich nicht mehr umfänglich verlassen. Erst jetzt gab er das Zeichen zum Verkünden der ersten Ansage.


    "Wir begrüßen die Fahrer aller Factiones! Möge euer Ruhm uns zu Begeisterungsstürmen hinreißen! Gebt euer Bestes, denn ihr fahrt zu Ehren des Augustus!"
    Erst als der Jubel abbrandete, riefen die Herolde erneut aus:
    "Für den ersten Vorlauf machen sich bereit:
    Proteneas - Factio Russata,
    Amasis - Factio Russata,
    Bagoas - Factio Russata,
    Braecus - Factio Praesina,
    Rianorix - Factio Praesina,
    Marsyas - Factio Praesina.


    Es ist kein Geheimnis, dass hier extrem erfahrene Lenker auf extrem unerfahrene treffen. Was hat sich Fortuna dabei gedacht, als sie das Los beeinflusste? Lassen wir uns überraschen."

    Der Consul nickte verstehend, als Tiberius antwortete. Es handelte sich also, wie erwartet, nur um einen Versprecher. "Gut, dann sind wir alle korrekt ins Bild gesetzt", erwiderte er zufrieden, bevor sich überraschend Petronius zu Wort meldete. Was er äußerte, überraschte Menecrates hingegen nicht, fast hatte er mit solcher Nachfrage gerechnet.

    "Natürlich ist die Frage erlaubt. Jede Frage ist erlaubt"
    , versicherte Menecrates, bevor er zu Einschränkungen ausholte. "Ich möchte gern die Vorstellungsrunde abschließen, bevor wir in die Diskussion gehen und mit den Ermittlungen beginnen."


    Um die Frage nicht untergehen zu lassen, erhob er sich von seinem Platz und steuerte auf den Stapel mit jungfräulichen Wachstafeln zu. Der Griffel kratzte den Gedankenpunkt in das Wachs.


    Die Christianer - schuld am Aufstand? ---- Petronius an Tiberius


    Er stellte die Wachstafel gut sichtbar für alle neben die erste und kehrte an seinen Platz zurück.


    "Ich bitte um die Vorstellung von Octavius Maro, Flavius Gracchus Minor und Octavius Macer." Er nannte die Namen in beliebiger Reihenfolge, um noch einmal zu verdeutlichen, dass in diesem Raum keine Rangfolge zu beachten war.

    Alleine das Amüsement war es wert, unangekündigt überraschende Angebote zu machen. Menecrates erfreute sich an dem Wechselbad der Gefühle, die sich alle auf dem Gesicht seiner Sekretärs abzeichneten. Dann jedoch durchlief auch er ein Wechselbad der Gefühle. Zunächst hörte er überrascht, wozu Faustus tendierte, dann hätte er bei dessen Argumentation beinahe losgelacht. Er hielt sich aber zurück, denn er wollte nicht den Anschein erwecken, dass er Faustus auslachte.


    "Du musst dich nicht verteidigen", erwiderte er beschwichtigend und hob die Hände. "Auch wenn ich zugeben muss, dass du mich gewaltig überraschst." Er grinste ein wenig, dann bemühte er sich wieder um Ernst in Stimme und Antlitz. "Ich habe dir die freie Wahl gelassen und du bekommst sie, ohne wenn und aber." Er drehte sich um und ging zu einer Truhe. Ihr entnahm er drei prall gefüllte Geldbeutel und kehrte zu Faustus zurück.

    "Um die Anmeldung des Gewerbes müsstest du dich selbst kümmern. Ist das in Ordnung?"
    Gleichzeitig reichte er die Beutel Faustus entgegen.


    Sim-Off:

    Überweisung der Anschaffungskosten für den Betrieb inkl. Betriebskosten und einem Sklaven. :) Viel Spaß!