Beiträge von Decima Valeria

    Valeria schloss genießend die Augen und beinahe wie von selbst beugte sich ihr Kopf immer weiter zurück. Ein Zeichen des Vertrauens, der Nähe, Liebe und Geborgenheit. Sie spürte seine Hand, die sie liebkoste, fühlte, wie sie sacht in ihren Nacken fuhr und ihren Kopf aufrichtete, sodass sie nun wieder direkt in Maximians Augen blicken konnte. Dann zog er sie zu sich, setzte einen liebevollen Kuss auf ihre Lippen, den sie hingebungsvoll und mit geschlossenen Augen erwiderte. All ihre Liebe legte sie in diesen Kuss, sodass er von ihrer Seite ebenso leidenschaftlich - gar fordernd? - wurde wie von seiner.


    Valerias Hand fuhr über seine Wange, seinen Hals, seine Schulter und an seinem Arm herab, soweit sie das konnte. Dann kehrte sie zu seiner Brust zurück, verweilte dort und streichelte ihn fortwährend.


    Was würde nur aus ihnen werden?

    "Vielleicht solche, die zu Hause Frau und Kinder wissen, die dort sitzen und bangen müssen, wenn der Mann in den Krieg gezogen und fern der Heimat ist", entgegnete Valeria und lächelte matt, wobei sie die Augen wieder öffnete und direkt in Maximians blaue hineinsah.


    Sie hob die Hand wieder und fuhr damit die Konturen seines Gesichts nach, so wie er es mit seinen Blicken bei ihr getan hatte. Wohltuend strich sie ihm durchs Haar, wobei die Fingernägel sanft seine Kopfhaut massierten. Verträumt sah sie ihn an; und ein verliebtes Lächeln stahl sich auf ihre Züge.


    "Ich liebe dich", sagte sie ernst und sah ihm direkt in die Augen. Der Regen trommelte von außen gegen die Fensterscheibe; und dies und die Dämmerung, die im Raum herrschte, machten eine wunderbar romantische Stimmung her.

    "Das macht nichts.....Vater. Ich werde dir einen Brief schreiben, sobald ich in Rom angekommen bin und ihren Gesundheitszustand in Erfahrung gebracht habe."


    Valeria nickte freundlich zum Abschied und verließ dann das Zimmer.

    "Hmm", war deswegen auch das einzige, was sie dazu sagte, denn sie wollte auch nicht weiter nachdenken. Sie tat es aber leider doch. Es gab für sie nicht viele Möglichkeiten, wenn ihre Liebe nicht mit der Heimkehr ein Ende finden sollte. Sie würden sie verbergen müssen, oder aber...sich trennen. Und dann war da noch diese Julia. Valeria kannte sie nicht, und doch kam eine Welle der Eifersucht in ihr hoch. Sie mühte sich, diese zu verebben lassen. Es gelang, aber nicht ganz. Sie hätte gern gewusst, wie diese Julia aussah, was ihren Charakter ausmachte und...ob sie beide sich irgendwie ähnlich waren.


    Valeria seufzte und schloss die Augen. Sie wollte den Moment genießen und nicht an die Fremde, ihre Mutter, ihre Verwandtschaft miteinander oder die Heimkehr denken. Maximian. An ihn wollte sie denken. Und als sie sich so in seinem Arm fand, fiel ihr auch wieder ein, was er am tag zuvor zu Aurelius gesagt hatte. Nämlich, dass er in die Legion entreten wollte.


    Mit geschlossenen Augen und unbekümmert fragte sie ihn:
    "Mmmh....du, Max? Gestern, als du dich mit Aurelius unterhalten hast, da hast du gesagt, dass die ein Soldat werden willst.... Meinst du das ernst?"

    Valeria seufzte glücklich. Sie schmunzelte leicht bei seinen Worten, Mummia betreffend. Auch sie hatte das Gefühl, ihre Augen selbst durch die Wand hindurch noch zu spüren.


    "Tjaja, Mummia..." seufzte Valeria und wiegte den Kopf nachdenklich hin und her. Sie hätte nun von ihrem Gespräch in der Küche erzählen können, doch das hätte die wunderbare Stimmung verfliegen lassen. Und so entschloss sie sich dagegen. Maximian hatte sich sicher ebenso Gedanken darüber gemacht - und ebenfalls nichts gesagt.


    Sie lag nun fast in seinem gesunden Arm. Seine Hand verflocht sich mit der ihren, löste sich wieder von ihr, wiederholte das Spiel immer wieder. Valeria sah auf ihre Hände hinab und fühlte sich wie nie zuvor. Das einzige Geräusch, das man hören konnte, war das Prasseln des Regens draußen. Ab und an grollte es in weiter Ferne. Das Gewitter war weiter gezogen, doch der Regen folgte als Nachhut. Maximian sah Valeria verträumt an.


    "Ja... Ich frage mich, was die Zukunft wohl bringen mag. In der Casa würde man uns nicht mit offenen Armen empfangen, wenn sie wüssten, was aus einem harmlosen Ausritt geworden ist..."

    Sie hörte, wie er hinter ihr die Tür schloss, wandte sich aber nicht um, sondern sah weiterhin fasziniert dem Regen zu, wie er sich von dem bleigrauen Himmel ergoss und auf der Erde in kleinen und großen Pfützen zusammenlief. Sie merkte, dass Maximian neben sie trat und ihr sachte über den Arm streichelte, sein Gesicht nahe ihrem Ohr. Sie lächelte flüchtig und hob die Hand, über dessen Arm Maximian nicht strich, an seine Wange. Dann erst wandte sie den Kopf. Seine und ihre Stirn berührten sich nun. Verliebt sah sie ihn an, dann schloss sie ihre Augen und küsste ihn zärtlich.


    "Wie geht es dir?" flüsterte sie leise und liebevoll, während ihre schmalen Finger über seine Wange glitten und ihre Augen die seinen suchten. Sie seufzte leise auf und rutschte herum, sodass sie nun nicht mehr gen Fenster blickte sondern direkt vor ihm saß. Nur leider konnten sie so nicht wirklich kuscheln, was Valeria ziemlich schade fand, denn das war es, was sie sich gerade wünschte.

    Valeria grinste unverhohlen.


    "Schade, mich hätte es doch in der Tat interessiert, wie schnell du laufen kannst..." stichelte sie todernst.
    "Aber ihr habt natürlich recht, mit dem Wagen ist es sicherer. Wir werden ihn dann wiederbringen, so schnell es geht."


    Sie nickte bekräftigend und sah dann aus dem Fenster.
    "Nur heute wird das nichts mehr, fürchte ich. Es regnet und regnet und scheint gar nicht mehr aufhören zu wollen."


    Valeria seufzte und sah dann von Mummia zu Aurelius und schließlich zu Maximian. Und ihr Blick wurde zusehends liebevoller, während sie ihn so ansah. Vielleicht war es gar nicht so schlecht, dass sie noch hierbleiben mussten. Meridius würde sicher kein Gefallen daran finden, wenn er erfuhr, dass sein Sohn etwas mit seiner Cousine anfing. Ihr Blick ging durch Maximian hindurch und wurde leicht glasig, wie sie so nachdachte.


    Ein Blitz holte sie aus ihrem Tagtraum. Sie zuckte zusammen und sah erschrocken nach draußen. Und sagte meinte sie leise, dass ihr nicht gut war. Sie entschuldigte sich und stand auf, um in das Gästezimmer zurückzugehen. Dort angekommen, setzte sie sich falsch herum in den Sessel vor dem Fenster und sah hinaus, die Ellbogen auf das Fensterbrett gestützt. Draußen ging sie Welt unter.


    Maximian war noch im Aufenthaltsraum, doch Mummia, die ein weiches Herz hatte, wusste, wonach dem jungen Mann nun der Sinn stehen musste.


    'Nun geh schon', sagte sie herzlich und leise, während sie Valeria hinterher nickte. Dann zwinkerte sie.
    'Aber stellt nichts an, ja?'

    Nicht nur Valeria hatte abgeschaltet, nein, auch Maximian und Aurelius hörten gegen Ende Mummias' Vortrags nicht mehr hin. Die junge Decima musste leicht schmunzeln und zwinkerte Maximian zu, der sich nun ebenfalls für die freundliche Aufnahme in diesem Haus bedankte.


    Er betastete seinen Arm und verzog dabei leicht das Gesicht. Valeria runzelte die Stirn und sah ihn fragend an. Als er nicht reagierte, meinte sie:
    "Wenn wir zurück in Tarraco sind, gehst du am besten gleich zu einem Medicus, der sich das mal ansieht. Ich frage mich auch noch immer, wie wir zurück kommen können...du wirs ohne Hilfe nicht einmal auf Nigidius raufkommen, geschweige denn reiten können..."

    Valeria kam nun wieder ins Zimmer, nachdem sie noch einen ganzen Redeschwall von Mummia über sich hatte ergehen lassen müssen. Sie blickte von Maximian, der sie anlächelte, zu Aurelius, der ihr ein Kompliment machte. Valeria lächelte sie beide an und setzte sich dann gehorsam. Sie wollte gerade etwas sagen, als Mummia auch herein kam und sich ächzend in einen der Korbsessel fallen ließ.


    'Na, so könnt ihr nicht weg, Kinder. Maximian, Junge, sag, wie geht es denn deinem Arm? Das mit der Schlinge war schon gar keine schlechte Idee, aber du solltest trotzdem einen Medicus aufsuchen, wenn du wieder zu Hause bist. Das heißt, wenn du überhaupt reiten kannst, so. Aurelius hatte einmal.....'


    Valeria hörte gegen Ende nicht mehr hin, sondern besah sich nur stumm das Zimmer, wobei ihr Blick wie zufällig immer mal in Maximians Richtugn fiel und sie ihm häufig ein vielsagendes Schmunzeln zuwerfen konnte. Sie hätte ihn gern wieder geküsst....


    "Ich danke euch beiden, dass ihr uns Obdach gewährt habt", sagte sie, um von den zu schönen Gedanken weg zu kommen.

    Mummia und Valeria kamen aus der Küche heraus und trugen zusammen mit der Sklavin die restlichen Speisen auf. Vom hauseigenen Käse fehlte natürlich nichts. Valeria setzte sich in einen Korbsessel neben Maximian und Mummia, dann sprachen sie das Tischgebet und das Essen begann. Beim ersten Bissen von dem Ziegenkäse spürte Valeria erst, wie hungrig sie doch war.


    Während des Essens warf sie immer mal wieder einen zaghaften Blick zu Maximian hinüber, der sie kauend ebenfalls ansah. Mummia und Aurelius vermieden es, verfängliche Fragen zu stellen, sahen sich aber hin und wieder vielsagend an. Deswegen war es Valeria auch etwas unangenehm; und sie war froh, als das Mahl soweit beendet war und es ans Abräumen ging. In der Küche dann hielt Mummia sie zurück und sagte:


    'Kindchen, wenn ihr nicht verheiratet seid, solltet ihr acht geben. Ich werde nachher noch einmal mit Aurelius reden. Aus diesem Haus gelangt nichts an die Öffentlichkeit...aber ihr solltet wirklich vernünftig sein.'


    Und dann war der ernste Moment vorüber und sie fuhr weiter fort mit ihrem üblichen Geschwätz. Valeria jedoch gab das zu denken. Sie nahm sich vor, mit Maximian darüber zu reden. Später. Doch nun ging sie ersteinmal zurück zu Maximian.

    Sie schien ganz in ihm zu versinken. Würde doch dieser Kuss niemals enden! Doch er tat es, und zwar just in dem Moment, als es an der Tür klopfte. Valeria und Max blieb gerade noch Zeit, sich voneinenander zu lösen und die Köpfe zur Tür zu wenden, als Mummia auch schon im Zimmer stand und sie wie Zerberus persönlich beäugte. Mit in die Hüften gestemmten Armen und kurz grinsend sah sie zu den beiden hinüber und scheuchte sie dann auf. Valeria sollte beim Essen helfen.


    Die junge Decima fing ein schelmisches Zwinkern ihres Liebsten - denn das waren sie nun zweifelsfrei - auf, dann verließ sie Maximians Schoß und ging zur Tür, durch die Mummia eben verschwunden war. Maximian erhob sich und kam noch einmal zu ihr, hielt sie zurück. Und als er dann sagte, dass seine vorherige Aussage nicht ganz stimmte, was das Bereuen anging, befürchtete sie schon beinahe wieder nichts Gutes. Doch dann grinste er leicht und nannte den Sturz als etwas, worauf er hätte verzichten können.


    Vaeria lächelte, umarmte ihren Maximian noch einmal kurz und brachte ihre Lippen dabei an sein Ohr.


    "Ich weiß nicht, ob es überhaupt passiert wäre, wenn Alfidia nicht durchgegangen und du nicht gestürzt wärst...." flüsterte sie. Dann gab sie ihm einen schnellen Kuss auf seine Lippen und ging nun vollends aus dem Raum. In einigen Schritt Entfernung aber drehte sie im Gehen den Kopf in seine Richtung und streckte ihm ein ganz wenig die Zunge heraus.


    Sie folgte dem Klappern der Töpfe und fand so die Küche, wo sie mit anfasste, wie sie es auch von zu Hause gewohnt war. Rom....sie würde bald dorthin zurückkehren, nach ihrer Mutter sehen müssen. Und Maximian? Würde er mitkommen? Sie seufzte, schob den Gedanken ersteinmal beiseite und bereitete zusammen mit Mummia und ihrer Sklavin das Essen, das nun angerichtet war. Mummia rief lautstark nach Maximian und Aurelius, was von dem Prasseln des Regens untermalt wurde.


    'Aureeeelius! Maximiaaaahaaaaan!! Essen!!!!'

    Es machte ihn müde? Nun denn. Für diesen Moment sprach sie ihn nicht weiter darauf an, drang sie nicht wieder in ihn. Es würde noch schwer genug werden, das spürte sie einfach. Für ihn, da er sich zwangsläufig irgendwann entscheiden musste, und für sie, die sich nie sicher sein konnte, dass er auch wirklich sie liebte und sie spüren wollte - und nicht Julia.


    Maximian schien sich nun sichtlich zu entspannen. Er spielte in ihren Haaren und berührte sie immer wieder sacht, ehe er seine Hand auf ihrer Wange ruhen ließ.
    Und dann zog er sie zu sich, auf seinen Schoß, fragte sie, womit er sie verdient hätte. Sie lächelte nur matt und sagte nichts dazu. Sie wusste ja auch nicht, womit sie ihn verdient hatte. Maximian umarmte sie mit seinem gesunden Arm, legte seine Wange an die ihre. Sie spürte seinen warmen Atem und die stoppelige Haut seines Gesichts. Sie fühlte ein Kribbeln in ihrem Inneren, ein wohltuendes, angenehmes Gefühl. Maximians Mund an ihrem Ohr, seine Lippen, die zärtliche Küsse daraufsetzten....


    Statt einer Antwort auf die Worte, die er nun in ihr Ohr wisperte, wandte sie den Kopf. Umarmen tat sie ihn schon längst, schon seit sie auf seinem Schoß saß. Sie legte also den Kopf schief, sodass seine Lippen nicht mehr an ihrem Ohr lagen, sondern nicht mehr allzu weit von den ihren entfernt waren. Sie seufzte leise, schloss die Augen. Langsam, ganz langsam kam sie ihm näher, bis sie ihn schließlich küsste. Zuerst noch behutsam, sodass ihre Lippen sich nur flüchtig berührten. Doch dann...küsste Valeria ihn richtig. Innig. Leidenschaftlich.
    Sie war glücklich.

    Valeria sah ihm schmerzlich nach, als er ihre Wange streichelte und sich dann in einen der Sessel setzte. Sie blieb stehen, senkte nur den Kopf leicht und sah ihn an. Sie versuchte, ihren Blick frei zu halten von Vorwürfen, von Trauer und vor allem von Tränen, die sie aufgrund seines Verhaltens schon wieder vergießen könnte.


    Was sie mit ihren Händen anstellen sollte, wusste sie nicht. So ließ sie sie einfach rechts und links ihres Körpers herabhängen und starrte ihn ausdruckslos an. Auch, als er nun die Worte sagten, die sie so sehr schmerzten wie nichts anderes zuvor, blieb sie einfach nur stehen und sah ihn an, wie er da so in seinem Sessel saß, im Hintergrund den Regen. Dann und wann erhellte ein Blitz sein Antlitz und gab dem traurigen Ausdruck darauf einen diabolischen Beigeschmack.


    Selbst als er geendet hatte und sie nur noch ansah, blieb sie so stehen und sah ausdruckslos auf ihn hinab. Dann, nach einer Ewigkeit, die vom monotonen Trommeln der Regentropfen auf Dach und Fenster begleitet wurde, brach sie die Stille mit leiser, enttäuschter Stimme.


    "Es ehrt dich, dass du es mir nicht verschweigst. Aber wenn diese Nacht und alles, was damit zusammenhängt, nicht gewesen wäre, so wäre mein Herz wohlmöglich noch schwerer als zuvor, denn ich hätte nicht die Freude empfunden, die ich bei einem Kuss von dir empfinde."


    Valeria schluckte und schritt langsam auf Maximian zu. Sie stand nun dich vor ihm, sah auf ihn hinab. Dann legte sie ihm eine Hand auf die Schulter und glitt in der gleichen Bewegung neben ihn in die Hocke.


    "Ich weiß nicht, ob ich dir Kraft habe, die zweite Frau in deinem Leben zu sein. Ich weiß auch nicht, ob ich überhaupt eine Chance hätte oder ob ich etwas an mir habe, was dein Bewusstsein beinflussen kann, doch eines weiß ich: obwohl in unser beider Namen das Wort Decima vorkommt und wir somit verwandt sind, wenn auch nur sehr entfernt, so liebe dich dich trotzdem mehr als mein eigenes Leben und werde versuchen, für dich da zu sein, wenn du mich brauchst."


    Valeria seufzte leise und beugte sich vor, um Maximian auf die Nasenspitze zu küssen. Dann legte sie ihre Stirn an die seine und harrte der Dinge, die nun kommen mochten.

    Valeria schmiegte sich an ihn. Es tat so gut, in seiner Nähe zu sein und zu wissen, dass er sie.....liebte?
    Sie schlug die Augen auf und sah verblüfft an seiner Brust vorbei auf den entfernten Boden. Und dann sagte er, was sie beinahe erwartet hatte. Dass er sie auch liebte. Die Fremde. Die Andere. Konnte man denn zwei Menschen lieben? Ging das überhaupt? Konnte sie sich je sicher sein, dass er ihr nicht sofort den Rücken kehren würde, wenn sie in der Nähe war? Sie schloss die Augen, ihr Herz klopfte wie toll, doch sie ignorierte es. Kein Ton kam über ihre Lippen, denn sie waren fest aufeinander gepresst. Was hatte sie denn aneres erwartet? Vor wenigen Stunden noch hatte er sie nicht küssen wollen, weil er an sie gedacht hatte. Und nun? War sie nur ein Zeitvertreib für ihn? Nein, das konnte sie sich einfach nicht vorstellen. Dessen war er nicht fähig, das weigerte sie sich zu glauben.


    Valeria schluckte hart. Er drückte sie an sich, erwiderte ihre Umarmung. Und er sagte, dass sie es nicht tun musste. Aber was meinte er? Dass sie ihn umarmte? Dass sie ihn liebte? Dass sie es respektierte, dass Maximian zwei Frauen liebte? Tat sie das denn? Nein, sie könnte es nicht ertragen, stets nur die zweite zu sein. Doch noch sagte sie es nicht. Sie wollte den Moment nicht vorüberziehen lassen.


    "Ich möchte es aber tun", sagte sie leise und hob nun den Kopf. Dabei musste sie ihre Umarmung etwas lockern. Sie sah ihm nun direkt in die Augen. Ihre Hände wanderten von seinem Rücken nach vorn und über seine Brust nach oben zu seinem Nacken. Sie schluckte. Etwas zittrig war ihre Stimme nun, und sehr, sehr leise.


    "Ich....liebe dich auch, Maximian...."


    Und dann schloss sie ihre Augen, drehte den Kopf und küsste ihn sehr zaghaft und nur flüchtig auf die Lippen.

    Sie ließ ihm Zeit und er nahm sie sich auch, ehe er antwortete. Und dann war seine Reaktion das, was Valeria befürchtet hatte. Er zog sich zurück, dachte nach. Valeria ließ ihn, doch die Hand, die über seinem Herzen lag, ließ sie nicht allein herabgleiten. Sie drehte sie und fasste Maximians Hand, sodass sie nun Hand in Hand voreinander standen. Eine Weile sah sie noch auf seine Hand hinab, die kraftlos in der ihren lag. Dann blickte sie ihn an und eine Welle von Missmut und Frustration drohte sie vollends zu ertränken. Sie verlangte nichts von ihm. Nur, dass er sich seinen Gefühlen klar war wie sie den ihren.


    Valeria schluckte und drückte seine Hand, streichtelte ihn nun sanft mit dem Daumen und zwang sich zu einem Lächeln. Sie machte wieder einen Schritt auf ihn zu, drehte den Kopf zur Seite und ließ seine Hand los. Doch sie ging nicht etwa aus dem Raum, sondern umarmte ihn kurzerhand und legte ihre Wange an seine Brust. Ganz leise seufzte sie, während ihre Arme sich um seine Taille schlossen. Die Augen schloss sie. Sie wollte nicht mehr an Julia denken. Valeri hatte den Vorteil, dass sie bei Maximian war. Und Julia....nun, die war in Germanien.


    "Nein, tust du nicht", murmelte Valeria an Maximian geschmiegt.

    Valeria blickte in seine Augen, konnte keinen Hinweis auf eine Lüge darin finden. Und im Grunde genommen hatte ihr eigenes Herz auch schon entschieden, dass es wahre Worte sein mussten, in dem Moment, als er sie sprach. Sie sah ihn noch einen Augenblick an und begann nun wieder heftiger zu zittern. Sie konnte nicht mehr. Alles, woran sie festhielt, waren von diesen seinen Worten fortgewischt. Der name Julia interessierte sie nicht mehr. Was zählte war, dass sie in Maximians Nähe war und dass sie sich mehr als wohl fühlte bei ihm.


    "Maximian...." flüsterte sie sehr leise.
    Sie kam noch ein Stückchen näher. Ihr Kopf war nun dem seinen wieder sehr nahe. Ihre Nasen berührten sich. In ihrem Kopf war die Stimme nur noch ganz leis zu vernehmen, kaum mehr hörbar. Wie sie wisperte, dass sie zuerst Klarheit erlangen musste, wo sie stand. Wo die Fremde stand. Und wie Maximian zu ihr stand. Doch obwohl sie so leise war, hörte Valeria sie doch. Und so kam es vorerst nicht zu einem weiteren Kuss, denn ihre Lippen bewegten sich und stellten ihn vor eine neuerliche Hürde.


    "Und....und was ist mit.... mit ihr?"

    Sie blickte noch immer stumm zu Boden, sah nicht, wie ihm die Tränen in die Augen traten. Seine Gedanken waren nach außen hin nicht sichtbar. Als Valeria wieder aufsah, nickte er nur matt und senkte den Blick. Sie hatte ins Schwarze getroffen.


    Valeria verharrtze so, wie sie stand, doch er langte in seinen Nacken und schien ihre Umarmung lösen zu wollen, denn er griff nach einem Arm und holte ihn nach vorn. Es wäre auch zu schön gewesen, um wahr zu sein. Valeria nahm nun von selbst auch den anderen Arm von Maximian fort und trat ein Stück zurück, doch er ließ sie nicht etwa los, sondern legte ihre Hand auf sein wild pochendes Herz, das sie selbst durch die Tunika hindurch noch schlagen fühlen konnte. Sie starrte auf die Hand, dann hob sie langsam den Kopf und sah ihn an. Wie er dort stand, sie ansah. Sie hätte am liebsten ihre Arme wieder um ihn geschlungen und wäre ewig so stehen geblieben.


    Sie schloss die Augen, senkte den Kopf, atmete tief ein und wieder aus. Sie liebte ihn. Mehr als alles zuvor.


    "Maximian....ich...es ist so......was...was empfindest du?" stammelte sie leise, den Kopf noch immer gesenkt und ihn gegen Ende ihrer Frage hin anhebend. Sie kam wieder ein Stück näher und sah ihn an, ihre Augen wanderten zwischen den seinen hin und her, suchten nach Anhaltspunkten, die bestätigten oder leugneten, was er nun gleich sagen würde. Die Hand lag dabei noch immer auf seinem Herzen, unter seiner Hand verborgen.

    Durch den dämpfenden Schleier ihrer Gedanken hindurch hörte sie ein Rascheln und dann einige wenige Schritte. Maximian näherte sich ihr; und verwundert sah sie auf. Er stand nun vor ihr, sah sie bitter an und hob seine Hand wie in Zeitlupe, um sie zu berühren und zu sich hoch zu ziehen. Sie war viel zu verwirrt, um etwas dazu zu sagen oder sich auch nur entgegengesetz dem zu bewegen, was er nun wollte. So stand sie auf, zitternd, zaghaft. Er stand so nah vor ihr, sah sie an und schien ihr auf den tiefsten Grund ihrer Seele zu blicken.


    In Valerias Augen stand eine ungläubige Verzweiflung geschrieben, gepaart mit aufkeimender Hoffnung. Doch es konnte nicht sein, er liebte nicht sie, sondern eine andere. Sie senkte den Blick und brach damit den Kontakt zu seinen wunderbaren, blauen Augen. Sie wollte sich abwenden, sich wieder setzen und in ihrer Decke verkriechen, konnte er ihr doch nicht geben, wonach ihr Herz sich so sehr sehnte. Doch sie konnte sich nicht bewegen, war wie gelähmt und zugleich von einer inneren Unruhe befallen, die sich nach außen hin in einem unmerklichen Zittern ihres ganzen Körpers niederschlug.


    Sie blickte auf sein Brust, fühlte, wie er ihre Hand noch immer hielt, sanft streichelte. Und dann führte er sie zu seiner Brust, um sie direkt auf sein Herz zu legen. Valerias Blick folgte der Bewegung. Ungläubig und bitter zugleich starrte sie auf die Hand, die nun auf seinem Herzen ruhte. Sie schien sie höhnisch anzustarren, zu flüstern, dass der Moment auch vergehen würde und sie ihre Hand würde zurückziehen müssen, ohne mehr als eine Erinnerung an Maximians Herz zu haben. Denn eine andere hielt es in ihren Händen.


    Er wanderte ihren Arm entlang, verringerte noch einmal den Abstand zu ihr, gelangte schließlich an ihre Wange und verhielt dort nur einen Moment, ehe sie sachte über ihre Haut strich. Valeria zitterte, musste schlucken und sah Maximian nun direkt an. Er war ein Stückchen größer als sie, daher musste sie den Kopf leicht in den Nacken legen. Ihr Herz pochte wie wild, pumpte Unmengen von Adrenalin durch ihren Körper. Doch dies alles wurde überschattet von der Stimme, die zwar wisperte, doch immer eindringlicher in ihren Verstand flüsterte, dass es so nicht stimmte. Dass es nicht stimmen konnte, was nun geschehen würde.


    Maximian schloss die Augen. Seine Hand fand den Weg in ihren Nacken, fuhr dabei sanft durch ihre Haare und flüsterte einige wenige Worte, die Valeria nun stärker zittern ließen als jemals zuvor in seiner Gegenwart. Sie schloss nun ebenfalls die Augen, erwartungsvoll und ängstlich zugleich.


    Und dann küsste er sie.


    Sie spürte seine warmen, weichen Lippen auf den ihren, spürte, wie er sie näher zu sich heranzog. Sie würde auf der Stelle vergehen, wenn sie auch nur einen einzigen weiteren Moment hier stand und fühlte, was sie nun fühlte, das wusste sie einfach. Ihr war, als schwebe sie, so wunderbar war das Gefühl, das jede einzelne Faser ihres Körpers durchströmte. Und eben dieses Gefühl, das sie von den Beinen zu reißen schien, spülte auch die Gedanken hinfort, die sich um die Fremde drehten und um Maximians Gefühle zu ihr. In diesem Moment lebte sie nur für ihn, um ihn zu küssen und um seine Nähe zu spüren. Und da war sie mit einem Mal, die Geborgenheit, die sie so schmerzlich vermisst hatte.


    Valerias Arme fanden wie von selbst den Weg an Maximians Oberkörper herauf und um seinen Kopf herum. Sie umarmte ihn, erwiderte sanft seinen Kuss, der der erste richtige Kuss in ihrem Leben war.


    Doch dann setzte das Denken wieder ein; und Valeria öffnete die Augen, sah was sie dort tat. Sie löste ihre Lippen von den seinen, sah ihn erschrocken an. Dieser Mann liebte eine andere Frau. Es war unrecht, was sie da tat. Das herz klopfte ihr bis zum Hals, der wunderbare Moment war verflogen und sie sah ihn nun unendlich traurig an, ehe sie den Blick senkte.


    "Julia", war alles, was sie sagte, wie sie so vor ihm stand und vor ihm auf den Boden blickte. Sie musste sich sehr anstregngen, um die Tränen zurückzuhalten, die nun wieder kommen wollten.

    Zitat

    Original von Toxis
    Was ist weiß und springt im Wald umher?
    Ein Jumpignon.


    :app: Der ist gut, die anderen sind so lala....trotzdem zum Schmunzeln. ;)