Mit dem Beginn der Amtszeit eilten viele gewählte Römer an ihre neue Arbeit. Es war jedes Mal das Selbe und wenn man zuviel Muse hätte, könnte man im Theater darüber eine Komödie schreiben. Senator Avarus ließ sich dieses Mal deutlich mehr Zeit, als noch bei seinem ersten Aedilat. Erstens war es völlig egal, wann man die neue Schreibstube betrat, denn es wartete sowieso niemand auf einen und zweitens verpuffte eine übereilige Amtsübernahme schnell im Alltagsgeschäft.
Schon vor seinem Wahlerfolg wurden ihm gewisse Persönchen zugetragen, die schnell im Winde der Kandidaturen noch ihre Wertegänge in Reinheit brachten. Zum Einen war das natürlich ein gutes Zeichen, das es jenen Römern nicht am Respekt vor den Magistraten fehlte und sie mit dieser überhatzten Änderung ihrer Geschäftstätigkeiten außerdem vor des Senators gründlicher Recherche flüchteten und zum Anderen half es natürlich auch dem Gerechtigkeitssinn. Jener war zwar sowieso durch unsinnige Änderungen angekratzt, aber in Zeiten, wo der Senat mehr auf die Stimmung von Lagern denn auf Vernunft und Zukunft für Rom hörte, nicht rettbar.
Avarus nahm hinter dem dicken Schreibtisch Platz, der eine volksnahe, raue Aura ausstrahlte. Von pompös konnte hier keine Rede sein, aber den Zweck würde er erfüllen. Zwar begannen ihm schon zu Beginn die Füße etwas zu frösteln, aber dafür konnte er noch Sorge tragen und ein Kohlebecken oder auch zwei herschaffen lassen. Bis dato wollte er die Füße eben bewegen. Viel war heuer auch noch nicht zu schreiben. Ersteinmal galt es einen Schlachtplan aufzustellen und die bisher geführten Listen auf Rechtmäßigkeit zu überprüfen. Zwei Schreiberlinge hatte er sich an diesem Morgen mitgebracht. Sie durften das bestehende Schreibwerk sichten und auf einige Ordnungen eingehen. Neben den üblichen Kontrollen sollte es auch einige Wege zum Herzen Roms geben, um die Sicherheit von innen heraus zu stabilisieren. Zwar ging der Senator schon einige Wochen vor seinem Wahlerfolg mit anderen Augen durch die Straßen der Stadt, trotzdem würde sich an den Brennpunkten ebenso wie an den stillen Eckchen auch mal schnell etwas verändern können und er wollte nicht mit üblen Nachreden das Amt verlassen.
Bis es für diesen Teil der Arbeiten aber soweit war, nahm er sich den öffentlichen Teil vor und strich einige säumige Namen von der Liste. Weiterhin blieb diese gut gefüllt und mit etwas Durchsetzungsvermögen würde sie rein sein am Ende seines Aedilats. Neben dieser Betriebsbestandsliste gab es noch weitere wichtige Überprüfungen im Bereich Handel und Wirtschaft. So mußten die Preise von den Märkten der Stadt zusammengetragen werden. Staatliche Betriebe eingestellt werden, um den sich weiterhin verdoppelnden Missbrauch römischer Gesetzgebungen und deren Paragraphen zu unterbinden. Dazu gehörte überteuerte Ware genauso wie zu billig angebotenes Warengut. Meist waren beide Arten im Ziel nichtmal soweit voneinander entfernt. Einmal wollte man sich ein Monopol in der Sadt Rom aufbauen, indem man andere Händler mit Tiefstpreisen in den Ruin trieb und zum zweiten Weg nutze man einen Mangel an einer bestimmten Ware rigeros aus, um seinen eigenen Wohlstand zu mehren und über das gemeinsame Wohl der Gesellschaft zu stellen. Hier war eine Intervention des Staates nötig, um das Gemeinwohl zu retten.
Viel Arbeit also, aber dafür gab es ja eine ganze Reihe von Aedilen. Avarus hatte sich schon vorgenommen in einem kleinen Conventus all jene gewählten Aedile zusammenzubringen. Durchaus war es möglich, das sich die curulischen Aedile sperrten. Am Ende war ihm das aber egal, denn ihre Haltung würde nur das beweisen, was man schon so oft dieser Tage in den Straßen Roms als Gerüchte hörte und was auch er im Senat vermehrt beobachtete...