Natürlich gab es viele Gründe, warum ihr Vater ihm noch keine Antwort irgendeiner Art gegeben hatte. Und neben der langen Distanz waren ihre Gründe eindeutig sehr plausibel. Doch es war wohl die Angewohnheit des Geistes, wenn er denn ungeduldig einer Antwort harrte und diese ausblieb, das er sich zunächst noch die optimistischen Erklärungen beiholte, das aber mit der Zeit immer mehr die unbefriedigenden, unerfreulichen Erklärungen überhand gewannen. Doch er bemühte sich innerlich Helenas Einschätzung zu teilen, denn er war entschlossen, sich nicht mehr von seinem Vorhaben abzubringen und wenn, dann nur von ihrer Ablehnung.
Sicher dürfte sie auf seine Frage nicht antworten, wenn er seine eigenen Traditionen zum Mass ansetzte, doch dann hätte er selbst das Thema ja nicht erwähnen dürfen. Das er es getan hatte, lag einfach daran, das er in der Situation keine andere Möglichkeit gesehen hatte, diese zu retten, ausser eben eines unkonventionellen Manövers. Und da schon sein Grossvater ihn gelehrt hatte, das es in der Schlacht nicht die Tradition, sondern der Erfolg wichtig war, war für ihn selbst von einer seiner höchsten Instanzen, sein Vorgehen gerechtfertigt. Und mit jedem Wort der Iulierin wuchs seine Zuversicht, das er zumindest eine Antwort erhalten würde, egal wie diese ausfallen würde. Doch irgendwie gewann seine Zuversicht oberhand, denn eine Ablehnung hätte sicher nicht so viele Vorworte gebraucht.
So studiert er gerade zu ihr Gesicht während sie spricht und besonders, während sie diese kleinen Pausen macht. Ihm entgeht nicht, wie sich ihn betrachtet, warm, vielleicht gar liebevoll und denoch mit dem Ernst, der der Situation so angemessen ist. Und als er ihre Antwort hört, die, die er erhofft, gar erahnt hat, legt sich ein Lächeln auf sein Gesicht. Nun würde er alle Hindernisse aus dem Weg räumen, egal er sie ihm stellen würde. "Helena, sie sollen es wagen, mich zu schmähen, ich werde ihnen zeigen, was es heisst, sich mit mir auseinander zusetzten," antwortet er ihr, leise, aber dennoch energisch und bestimmt im Tonfall," seit dem Tod meines Grossvaters gibt es niemand in meiner Familie, mit dem ich die Konfrontation scheue."
Bei diesen Worten schüttelt er leicht den Kopf, wie um sie zu bekräftigen. "Nein, meine Familie wird es schnell lernen, dir den Respekt entgegen zu bringen, welcher dir als meiner Frau gebühren würde. " Er hätte auch noch `müssen` anfügen können, denn jeder, der es wagen würde, Helena nicht gebührlich zu behandeln, würde erfahren, wie ein Probati sich auf dem Exzierplatz fühlte. Langsam führt er noch einmal ihre Hand an seine Lippen, küsst sie sanft, dann lässt er sie los und fährt leicht über ihre Wange. "Nie würde ich verlangen, das du dein Leben vollständig aufgibst, nein, das sicher nicht. Ich will das du auch zukünftig das tust, was dich erfüllt. Ich weiss, es wird nicht immer leicht, denn wer weiss, wohin mich eines Tages meinen Pflicht für das Imperium verschlägt, doch ich bin sicher, wir schaffen es. Zusammen !" Bei diesen Worten beugt er sich etwas herunter und küsst sie sanft und behutsam auf die Stirn, während er sie noch immer fest in seinen Armen hält.
Aber die Probleme, die er schildert, sind fern, sehr fern, anderes liegt da viel näher, denn es hätte dieses Gespräch zwischen ihnen eigentlich nicht geben dürfen. So zieht er sachte ihren Kopf an seinen Oberkörper und flüstert ihr leise ins Ohr. "Ich hätte nicht fragen dürfen, du nicht antworten, so bleibt uns nur dieses Gespräch als unser Geheimnis zu betrachten. Wenn ich eine Antwort von deinem Vater habe, werde ich dich erneut fragen und hoffe die gleiche Antwort zu erhalten, meine liebe Helena." Sanft streicht er ihr durch das Haar, hebt leicht ihren Kopf, senkt leicht seinen, bis seine Lippen wieder ihre berühren.