Beiträge von Spurius Purgitius Macer

    Zum Glück ahnte Macer nichts von Iunia Axillas Gedanken über ihre bevorzugte Sitz- oder Liegeposition, denn ansonsten hätte er jetzt mächtig irritiert geguckt. Als sie später ihre Unterschenkel rieb, konnte er einen solchen zwar nicht mehr ganz unterdrücken, verbarg ihn aber rasch hinter einem Schluck Wein und außerdem könnte Iunia Axilla ihn wahrscheinlich ohnehin nicht sehen, während sie nach unten schaute. Einen eigenen Kommentar zur Raumtemperatur verkniff er sich natürlich. Ihm war nicht zu kalt und wenn die Belegschaft der Casa Pompeia es nicht schaffte, die Temperatur auf einem Niveau zu halten, welches der Hausherrin angenehm war, so war das nicht sein Problem. Zumal die gerade diskutierten militärischen Probleme viel spannender waren. "Nein, natürlich wird Cornelius Palma nicht in Asia bleiben wollen. Wie ich eben ja auch schon sagte, wird er Italia erreichen müssen, wenn er seine AMbitionen tatsächlich in die Tat umsetzen will" bestätigte er die Vermutung von Iunia Axilla, indem er seine eigene Aussage bekräftigte. "Aber es ist für ihn auch kein zu vernachlässigender Vorteil, ein recht zuverlässig abgegrenztes Gebiet unter seiner Kontrolle zu wissen. Solange er dort ist, braucht er sich möglicherweise keine Gedanken darum zu machen, wann ihn Marius Turbo angreift, sondern er kann selber den Ort und die Zeit bestimmen, wann er sich in die Reichweite seines Gegners begibt. Er hat somit die Initiative und das ist in den allermeisten Fällen ein Vorteil", erklärte er, was er wohl auch jedem jungen Mann in der Academia Militaris so erklären würde.


    Dass Iunia Axilla auf den Gedanken an eine Ermordung des Kaisers so erschrocken reagierte, amüsierte ihn, aber natürlich zeigte er dies nicht offen. Stattdessen verlies er sich darauf, dass sie als Mitarbeiterin der Acta Diurna über die kaiserlichen Beziehungen vermutlich sogar besser Bescheid wusste als er selber. "So ist es. Er hat zahlreiche gute Kontakte, wie es für einen Mann in seiner Position zunächst einmal auch gar nicht anders zu erwarten ist", antwortete er dann ganz allgemein. Bei Kontakten und Freundschaften anderer Personen tat er sich immer etwas schwerer als bei anderen Themen.

    Macer hatte die gesamte Zeremonie beginnend vom Aufmarsch der Garde, über das Auspicium bis hin zur Rede des neuen Praefectus Praetorio schweigend und ein wenig nachdenklich verfolgt. Er konnte sich noch nicht ganz entscheiden, mit welchen Gefühlen er auf den Abschied seines Klienten aus diesem Amt reagieren sollte. Sollte er traurig sein, damit einen Klienten auf einer äußerst einflussreichen Position verloren zu haben und damit selber seine eigenen Position auch etwas schwächer zu sehen? Oder sollte er sich freuen, dass sein Klient damit für einen eventuell bis nach Rom ziehenden Bürgerkrieg, in dem es sicher keine Ehre zu gewinnen gab, aus der Schusslinie kam und ihm somit mit ziemlicher Sicherheit noch länger zu Diensten sein konnte? Er wusste es nicht und er würde wohl auch noch eine Weile brauchen, bis er sich entscheiden konnte.


    Über Decimus Serapio wusste er nicht viel, so dass er sich über ihn auch noch kein endgültiges Urteil erlauben wollte. Seine Rede machte jedenfalls klar, dass er wusste, auf welcher Seite er zu stehen hatte und was von ihm erwartet wurde. Und offenbar wusste er auch, wie man mit Soldaten sprach. Macer spürte die Begeisterung, die er mit seiner Rede aufbaute und eindrucksvoll selbst verköeperte. Und da Macer Freude an solchen Reden hatte, stimmte er zumindest heute gerne in den Beifall der Soldaten mit ein.

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    Original von Cnaeus Fabius Torquatus
    Was sein Patron entgegnete, hatte genau den Informationsgehalt für seine eigene Entscheidung, den sich Fabius Torquatus erhofft hatte. Fakt war, dass Cnaeus bereit war das Risiko eines Hochverrats einzugehen. Nichtsdestotrotz war er mit genug Scharfsinn und Intelligenz ausgestattet, um dies nicht unüberlegt zu tun. "Du hast sicherlich recht. Ich denke es ist das Beste noch etwas Zeit vergehen zu lassen, bevor ich aktiv werde. Sicherlich werden in Zukunft ohnehin noch um einiges brisantere und meiner Absicht dienlichere Informationen über meinen Tisch gehen." Wenn sich der Krieg ansatzweise zugunsten der Rebellion entwickelte, war der Zeitpunkt gekommen. Doch noch war das nicht abzusehen. "Was wirst du tun, Senator? Wirst du dich gänzlich aus dem Krieg heraushalten?" Früher oder später musste man doch eine Position ergreifen, oder nicht?


    Macer schien zufrieden damit zu sein, dass sich sein Klient nicht unnötig in Gefahr begeben wollte, sondern seiner Mahnung zur Vorsicht folgte. Damit schien das Thema für ihn abgeschlossen und er gab die Tafeln wieder zurück. Dann wandte er sich der eben gestellten Frage zu. "Ich habe kein militärisches Kommando und ich erwarte nicht, dass ich ein solches erhalten werde in der nahen Zukunft. Insofern werde ich gute Chancen haben, mich aus dem Krieg im eigentlichen Sinne heraushalten zu können."

    "Falsche Factio", murmelte Macer mit einem leichten Grinsen. Immerhin war er Princeps der Factio Russata und konnte folglich mit einem Grünen nicht allzu viel anfangen. "Aber Spaß beiseite. Du scheinst zu wissen, was du willst und du hast sinnvolle Ziele. Einen gelernten Winzer kann ich zwar momentan nicht gebrauchen, erst recht nicht, wenn dieser zum Militär will, aber Kontakte zu Offizieren können mir später sicher nicht schaden", legte er eine recht rationale Überlegung seinerseits dar. "Ich stimme also zu, dein Patron zu werden und dich zu fördern und dir beizustehen, so wie du getreulich meine Bitten und Aufträge erfüllen willst, wenn ich deine Unterstützung benötige."

    Der Schreiber blickte von seiner Arbeit auf, als der Mann das Büro betrat und sich vorstellte. "Salve", antwortete er dann. "Du kannst die Gebühr gleich hier bezahlen", erklärte er und griff schon einmal zur Kassenliste, für den Fall, dass der Mann das Geld dabei hatte.

    "Du bist mein Gast, daher möchte ich dich keineswegs über Gebühr beanspruchen" antwortete Macer auf die Erwähnung der Müdigkeit. Tatsächlich hatte er nicht vor, den Tiberier weiter mit guten Ratschlägen und weisen Worten zu beglücken, wenn dieser sich lieber zurückziehen wollte. Daher verzichtete er auch darauf, ihm noch ein kluges Schlusswort mit auf den Weg zu geben. "Ich denke nicht, dass ich in der Position bin, dir jetzt noch einen besonders beherzigenswerten klugen Ratschlag mit auf den Weg zu geben, zumal dies ja nun eben nicht unser letztes Zusammentreffen gewesen sein wird. Ich werde sicher verfolgen, was aus deiner Zukunft wird", antwortete er stattdessen und erhob sich zur Verabschiedung.

    Macer war zwar noch nie im Osten stationiert und musste sich daher auf das verlassen, was er gelesen und gehört hatte, aber trotzdem oder vielleicht auch deswegen war er vorsichtiger mit der Einschätzung der Erfolgschancen von Marius Turo und Cornelius Palma. "Cornelius Palma wird wohl die Classis Syriaca zur Verfügung stehen, möglicherweise sogar die Classis Pontica. Mit Hilfe letzterer könnte er Marius Turbo sogar sehr effektiv zurückhalten, denn ohne sie könnte dieser seine Truppen kaum nach Asia übersetzen", ersann Macer sofort ein weiteres denkbares Szenario. Die Diskussion machte ihm Spass, fast so wie in der Academia Militaris und eher nebenbei bemerkte er, dass Iunia Axilla eine recht lässige Sitzposition eingenommen hatte und zuweilen nachdenklich vor sich hin zu starren schien. Aber solange man nicht zu den allerfeinsten und nobelsten Kreisen Roms gehörte, konnte man sich das wohl erlauben. "Aber es stimmt, es wird wohl die Classis Ravennas oder die Classis Misenensis sein, die Cornelius Palma dazu zwingt, seinen Weg früher oder später an Land fortzusetzen und nicht bis nach Ostia zu segeln", stimmte er dann aber zu und brachte den Gedanken zum Abschluss. Über die nächste Frage musste er dann erst wieder bei einem Schluck Wein nachdenken. "Da ich nicht davon ausgehe, dass du Vescularius Salinator umbringen möchtest, wäre das größte militärische Risiko für ihn wohl, wenn seine Truppen nicht koordiniert vorgehen. Was unweigerlich passieren würde, wenn seine Kommandeure uneins sind oder ihm nicht bedinungslos folgen oder die Kommunikation mit ihnen gestört ist", entwarf er dann einige nachteilige Szenarien für Vescularius Salinator. Auch solche Bedrohungen zu erkennen und dann passende Gegenmaßnahmen einzuleiten gehörte zu den strategischen Dingen, die zuweilen an der Academia Militaris diskutiert wurden.

    "Ja, du kannst ihm gerne meine Grüße ausrichten" stimmte Macer zu. Selber hatte er auch schon länger nicht mehr mit Octavius Victor gesprochen und vielleicht kam man so auch wieder miteinander ins Gespräch, wenn man sich zufällig traf und dann eben über Tiberius Lepidus sprechen konnte. Das Gegenangebot der Dienste nahm Macer dann mit einem freundlichen Nicken entgegen. "Ich werde mich deiner erinnern. Aber ich denke, dass wir uns ja ohnehin noch häufiger sehen werden, denn auch wenn du jetzt eigentlich Albina besuchen wolltest und sie unpässlich ist, so ist dies ja kein Dauerzustand, so dass du sicher demnächst noch häufiger unser Gast sein wirst", stellte er in Aussicht. Zumindest ging er davon aus, dass Albina sich nicht damit zufrieden geben würde, sich einfach nur von Macer über den Besuch berichten zu lassen, sondern dass sie Lepidus auch einmal persönlich treffen wollte, sobald es ihr besser passte. Wann auch immer genau das war. So eine Schwangerschaft schien interessante Begleiterscheinungen mit sich zu bringen.

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    Original von Cnaeus Fabius Torquatus
    Mit einem bestätigenden Nicken reichte Cnaeus seinem Patron die beiden Tafeln, die er vor Tagen noch angefertigt hatte. Natürlich nicht die, die noch immer sicher in der Kanzlei verwahrt waren, sondern eine der vielen Kopien, die der Fabier unter anderem für die Legaten in Dacia und Pannonia Superior angefertigt hatte. Nun war er gespannt, welche Schlüsse sein Patron daraus ziehen würde. "Selbst wenn diese Informationen nicht allzu viel ausrichten können, geht es ja vor allem auch um zukünftige Dinge: Zum Beispiel Informationen über Truppenbewegungen, deren Weitergabe natürlich Einfluss auf den Verlauf und das Ergebnis des Krieges nehmen könnte." Und natürlich auch auf Cnaeus' Leben. Doch der Fabier war bereit das Risiko einzugehen. "Die Truppenstärke der Legio I ist auf den Tafeln nicht verzeichnet, ich habe diese allerdings in Erfahrung gebracht. Die letzte Meldung liegt fast zwei Jahre zurück. Damals hat die Legio I 4997 Männer gemeldet." Auch hier wollte der Fabier weitere Kommentare erst einmal zurückhalten.


    Macer ließ seinen Blick über die beiden Tafeln gleiten, um sich einen Überblick zu verschaffen, ohne jedes Detail zu erfassen. Die Zahlen bestätigten, was er schon vorher vermutet hatte, nämlich dass sie nicht so überraschend waren, dass sich eine besondere Situation daraus ableiten ließe. "Der Unterschied zwischen den beiden Seiten ist nicht groß, nicht wahr?" fragte er dann mit Blick auf die recht geringe Differenz der Gesamtsummen. "Und solange wir nicht wissen, wie viele der verfügbaren Soldaten jede der Seiten tatsächlich in Bewegung gesetzt hat und wie viele sie zum Schutz der Grenzen zurückgelassen hat, können wir nicht einmal sagen, welche Seite tatsächlich zahlenmäßig überlegen ist. Da solltest du dir gut überlegen, ob du mit der Weitergabe der Zahlen nicht zu viel aufs Spiel setzt im Vergleich zu dem Informationsgehalt, den du dem Empfänger damit verschaffst."

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    Original von Tiberius Helvetius Varus
    Varus fiel auf das er immer noch nicht wirklich gesagt hatte was das mit seinem momentanen Gegenüber zu tun hatte und sprach es schnell an.
    "Nun das alles hat mich dann heute zu dir geführt. Ich wollte dich in aller Demut und Hoffnung fragen ob du mich als deinen Klienten akzeptieren würdest.
    Soweit ich weiß warst auch du Klient der verstorpenen Ulpier wodurch unsere Gentes... "verbungen" sind."


    Noch einmal dauerte es eine ganze Weile, bis Macer endlich den Kern der Sache hörte, auch wenn er sich den inzwischen hatte denken können. Ganz offensichtlich hatte sich der Bittsteller eine Menge Gedanken gemacht, die er ihm unbedingt darlegen wollte. Trotzdem ergabe sich für Macer noch einige Fragen. "In welcher Form würdest du mir denn als Klient dienen wollen und in welcher Form könnte ich als dein Patron denn gerade etwas tun?" erkundigte er sich daher. Zwar hatte er selber recht konkrete Vorstellungen, was er von seinen Klienten erwartete und was er ihnen bot, aber das bedeutete ja noch nicht, dass die Interessenten für ein Patronat mit denselben Erwartungen kamen.

    "Marius Turbo ist zweifellos ein erfahrener Offizier. Ein echter Haudegen, wie man so gerne sagt", stimmte Macer nun wieder der impliziten Mutmaßung von Iunia Axilla zu. "Wenn Vescularius Salinator ihn losschickt, um mit den Legionen aus Dacien und von der unteren Donau Palma zu stoppen, könnte es recht ungemütlich für diesen werden." Damit war die zweite Frage zum Teil auch schon beantwortete. "Entscheidend wird wohl sein, ob Cornelius Palma es schafft, nach Italia zu kommen", sprach Macer dann aber doch noch weiter, nachdem er einen Schluck getrunken hatte. "Dann müsste Vescularius Salinator wohl schon die Prätorianer und massive Truppen der Marineinfanterie aufbieten, um ihn zu stoppen. Und hätte damit möglicherweise keine Kräfte mehr für eine Reaktion auf die von Norden anrückende Rheinarmee. Selbst wenn Salinator es wollte, werden sich seine Soldaten kaum vor den Toren Roms in die Zange nehmen lassen. Sollte er es allerdings schaffen, Cornelius Palma von Italia fern zu halten, bezweifle ich stark, dass dieser es schafft. Wer mit seinen eigenen Truppen nicht nach Italia durchkommt, der wird schwerliche Kaiser werden."

    Macer war sich nicht ganz so sicher, ob sich aus den genauen Truppenstärken zusätzliche strategische Erkenntnisse gewinnen ließen. Immerhin basierten sie auf den letzten Meldungen, die schon wieder einige Zeit her waren, so dass sich die Situation vor Ort durch neue Rekruten auch wieder geändert haben konnte. Und wenn eine Truppe nicht total unter Sollstärke war, machten hundert Mann mehr oder weniger wohl auch kaum etwas aus, wenn die mehr Hälfte aller Legionen des Reiches unterwegs war. "Ein Blick auf die Zahlen kann sicher nicht schaden", sagte er aber dennoch. Der zweite Punkt, den Fabius Torquatus ansprach, war aber ohnehin viel spannender. "Ja, das ist in der Tat eine sehr interessante Personalie, die mich auch schon etwas länger verwundert. Aber ich gehe davon aus, dass Aurelius Ursus nicht mehr Kommandeur der Legio I wäre, wenn sich Vescularius Salinator nicht vollkommen auf ihn verlassen könnte und von seiner Loyalität überzeugt wäre." Ob diese Überzeugung dann auch den Tatsachen entsprach, stand freilich auf einem anderen Blatt. Aber auch dafür wäre ein Blöick auf die Stärkeliste interessant, nämlich um zu sehen, welche Stärke die Legio I zuletzt gemeldet hat und vor allem wann.

    Macer war sich nicht sicher, ob die römische Kriegsflotte auch im Kriegsfall nicht besseres zu tun hatte, unschuldige Händler zu jagen. Aber da er sich nicht sicher war, ging er auf den Punkt nicht weiter ein. Stattdessen schüttelte er zum nächsten Punkt den Kopf. "In Syria? Nein. Du meinst im Illyricum? Das kann man kaum als Kämpfe zählen, die mit den jetzt bevorstehenden vergleichbar wären, zumal Valerianus dort vieles selber geleitet hat. Bevor er krank wurde, war er ein hervorragender Offizier." Ein Offizier, an dessen Seite Macer selber noch weiter zuvor selber in die Schlacht gezogen war. "Wobei man Cornelius Palma zwar mehr Jahre, Statthalterschaften und Legionskommandos zurechnen muss, aber seine Schlachterfahrung auch nicht unbedingt größer ist." Zumindest war er Macer bisher nicht als berühmter Feldherr bekannt, was einiges heißen sollte, denn immerhin sollte Macer als Kommandeur der Academia MIlitaris eine Menge berühmter Feldherrn kennen. "Auf jeden Fall hat er den Vorteil, kampferprobte Legionen aus Syria und aus Germania auf seiner Seite und zum Teil unter seinem direkten Kommando zu haben. Vescularius Salinator kann zwar zum Teil auf die ebenfalls kampferprobten Legionen aus Dacia zurückgreifen, aber diese eben nicht selber führen. Das kann einen Unterschied machen. Dass seine Position in der Stadt langfristig besonders sicher ist, bezweifle ich. Wie ich eben schon sagte, rechne ich nicht damit, dass es in Rom selber zu kämpfen kommt. Dass Rom belagert wird, halte ich für noch unwahrscheinlicher. Militärisch wird sich der Krieg woanders entscheiden und nicht jeder Kaiser war in Rom sicher. Nicht einmal vor seinen eigenen Leuten." Es war schließlich leider nicht der erste Bürgerkrieg, den Rom gerade erlebte und andere zuvor hatten schon das eine oder andere Beispiel gegeben.

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    Original von Cnaeus Fabius Torquatus
    Natürlich war es etwas naiv zu glauben, dass Purgitius Macer, der weithin als Kommandeur der Academia und verdienter Militär bekannt war, nicht über die Truppenpositionen informiert war. Jedoch hatte der Fabier sein eigentliches Anliegen auch noch nicht hervorgebracht. "Und genau das ist der Grund für meine Bedenken. Während der Kaiser seine Legionen am Danuvius entlang verteilt hat, kann Cornelius Palma aus allen Richtungen operieren." Allmählich kam er dem Grund des Erscheinens näher. "Mein Onkel erschien vor einigen Wochen aus Germania. Er stand dort mit den germanischen Kommandeuren in Kontakt und riet mir, auf der richtigen Seite zu stehen, wenn der Bürgerkrieg ausbricht - oder sich zumindest alle Möglichkeiten offen zu halten. Er meinte, man könne einen großen Profit erzielen." Der Fabier stoppte kurz um Luft zu holen. Wenngleich er sich an diesem Ort unbeobachtet fühlte und seine Position weder prestigeträchtig noch einflussreich war, grenzten ja bereits die ausgesprochenen Gedanken an Staatsverrat. "Ich habe die Truppenstärkemeldungen zu den kaiserlichen Legaten Marius Turbo nach Dacia und Laberius Maturus nach Pannonia Superior geschickt. Möglicherweise werden die genauen Zahlen den kaiserlichen Truppen einen - zumindest kleinen - strategischen Vorteil verschaffen. Mein Gedanke war nun, diese Informationen auch der anderen Seite zukommen zu lassen. Man weiß ja nie." Cnaeus wusste nicht, dass Macer mit Annaeus Modestus in Germanien und Quintilius Sermo in Ägypten zwei Klienten auf dieser besagten 'anderen' Seite hatte. Hätte er das gewusst, hätte wohl auch das den Fabier darin bestärkt, diesen Gedanken auszusprechen.


    Die weiteren Ausführungen seines Klienten waren nun allerdings sehr wohl geeignet, Macer in besonderem Maße aufmerksam werden zu lassen. Daher dachte er auch noch einen kleinen Augenblick weiter nach, bevor er antwortete. "Dir ist bewusst, dass man die Weitergabe dieser Informationen als Verrat betrachten würde, wenn sie entdeckt wird?" fragte er dann, auch wenn er annahm, dass Fabius Torquatus das bereits bewusst war. "Du setzt darauf, dass Cornelius Palma den Bürgerkreig für sich entscheiden wird?" erkundigte er sich dann, denn nur in diesem Fall machte die riskante Weitergabe der Informationen Sinn.

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    Original von Tiberius Helvetius Varus
    "Ich danke dir für deine Nachsicht und Verständnis. Mein Anliegen bezweckt das ich mich hoffentlich bald zu jeder Salutatio hier einfinden darf. Dazu würde ich dir gerne meine Gründe darlegen und mich dich etwas genauer als mit Namen vorstellen. Ich überlasse es ganz deiner Entscheidung ob du das gleich hier machen möchtest oder mir einen Einzeltermin zusagst."


    Macer machte eine einladende Handbewegung, um den Mann zum Weitersprechen aufzufordern. "Fange einfach an, dann sehen wir ja, ob es schnell geht oder die Notwendigkeit zu einem längeren Gespräch besteht." Immerhin war es möglich, dass sich schnell Argumente für die eine oder andere Richtung ergaben, so dass man sich die Mühen eines zusätzlichen Termins ersparen konnte.

    Macer hatte gar nicht bemerkt, dass er einige Fragen nicht beantwortet hatte, aber bei einem Gespräch, bei dem das Thema ständig zwischen den Zielen seines Gesprächspartners und seinen eigenen hin und her wechselte, konnte man wohl schon einmal etwas übergehen. Stattdessen konzentrierte er sich weiterhin auf seinen Gegenüber. "Octavius Victor ist, soweit mir das bekannt ist, ein Klient von Vescularius Salinator. Allerdings nicht unbedingt einer der aktivsten. Erst kürzlich ist er wieder vermehrt öffentlich aufgetreten, nachdem er zum Beispiel bei der Ausrufung des Imperators nicht besonders in Erscheinung getreten ist. Aber zweifellos ist er ein erfahrener Mann, immerhin ist er schon einmal Praefectus Urbi gewesen", gab Macer die Informationen weiter, die ihm über Octavius Victor bekannt waren.

    "Aegyptus und Syria haben mehr als einen Hafen", erwiderte Macer schmunzelnd. "Das Reich ist einfach zu groß, um auch nur einen Teil davon wirklich komplett abzuschneiden. Gerade bei Vescularius Salinator würde ich mir auch keine Sorgen machen, dass er seine Truppen und die Versorgung derselben nicht koordinieren kann. Kaiserliche Agenten wird es überall geben und sie werden auch wissen, wie man Nachrichten an feindlichen Truppen vorbei bringt. Eher würde ich damit rechnen, dass er für diese Situation militärisch nicht erfahren genug ist." Aber genauer wollte Macer über diese Sache auch nicht spekulieren, da er immer noch nicht wusste, wen er eigentlich als Sieger sehen wollte. Zudem wunderte es ihn ein wenig, dass sich Iunia Axilla offenbar darum sorgte, dass der Imperator isoliert wurde. Aber vielleicht täuschte da auch nur der Eindruck oder sie machte sich deshalb so viele Sorgen, weil schlechter Informationsfluss auch auf ihren Mann zurückfallen könnte.


    Beim zweiten Punkt konnte Macer allerdings nur zustimmen. "Ja, vermutlich hast du Recht. Zunächst einmal werden wohl beide ihre eigenen Ambitionen im Blick haben." Noch einmal bediente sich Macer an dem leckeren Nachtisch, aber selber wenn er noch mehr wollte, würde wohl bald nicht mehr allzu viel passen.

    "Nun, die Salutatio ist nicht nur jenen vorbehalten, die bereits meine Klienten sind, sondern auch anderen, die es möglicherweise werden möchten oder ein Anliegen haben, das denen der Klienten ähnlich ist", gab Macer eine etwas längliche Antwort, die letztlich nur besagen sollte, dass er die Anwesenheit eines Nicht-Klienten keineswegs als Eindringen empfand. "Ist es ein Anliegen, das wir nicht jetzt gleich hier besprechen können?" erkundigte er sich dann aber ganz pragmatisch. Schließlich war der Sinn und Zweck der Salutatio unter anderem der, dass man nicht mit jedem Bittsteller für jedes Anliegen einen Einzeltermin ausmachen musste.

    "Viele?" fragte Macer zurück und schüttelte dann den Kopf. "Nein, viele sicher nicht. Wobei es sicher auch darauf ankommt, was dir noch unverfänglich genug ist. Sowohl in den Reihen derer, die treu zu Vescularius Salinator stehen als auch in den Reihen jener, die ihm kritisch gegenüber stehen, gibt es extreme und weniger extreme Vertreter. Wobei dir mit einem schweigsamen Hinterbänkler für deine Karrierepläne wohl kaum gedient ist." Er machte eine Pause und dachte kurz nach, wen er guten Gewissens empfehlen könnte. "Ich habe in der Tat keinen Bedarf derzeit, auch wenn mich Albina wahrscheinlich fragen wird, ob ich es nicht trotzdem tun will. Ansonsten käme vielleicht ein anderer Consular infrage. Octavius Victor vielleicht oder auch Matinius Agrippa, wobei ich zu letzterem kaum nennenswerten Kontakt habe. Er lebt sehr zurückgezogen in letzter Zeit, genauso wie Helvetius Geminus. Falls dir mit Rücksicht auf deine Familie ein patrizischer Senator lieber wäre, muss ich dich allerdings leider enttäuschen. Da fällt mir zumindest gerade niemand ein."