Beiträge von Spurius Purgitius Macer

    Macer nahm sich ein weiteres Gebäckstück, während er Iunia Axilla zuhörte. Er hatte nicht unbedingt erwartet, dass sie sich so umfangreiche Gedanken machen würde. Umso interessanter war es da, ihren Ausführung zu folgen. "Dass man weniger hört von dem was in Gallia oder Hispania passiert oder auch Africa oder Britannia würde ich nicht unbedingt darauf zurückführen, dass mit diesen Provinzen die Kommunikation lahmt. Und selbst was Syria oder Germania anbelangt bin ich mir sicher, dass die Nachrichten nie völlig versiegen werden. Welches Interesse sollte eine der Seiten daran haben, zum Beispiel Händler am Reisen zu hindern? Ganz abgesehen davon, dass es viel zu aufwändig wäre, sowas zu kontrollieren." Macer konnte sich tatsächlich nicht vorstellen, dass eine der Seiten darauf ihre Kräfte verschwendete. Wenn, dann war es wohl die Angst vor dem Krieg, die Händler weniger und vorsichtiger reisen ließ.


    "Man kann nur hoffen, dass alle klug genug sind, nicht die Sicherheit der Grenzen für ihre eigenen Interessen aufs Spiel zu setzen. Es wäre ein Gebot der Vernunft, denn schließlich wären sie es, die mögliche Einfälle abwehren müssten, wenn sie siegreich aus dem Bürgerkreig hervorgehen", stellte er dann fest. Aber es war auch Macer nur allzu klar, dass ein solcher Krieg nicht immer zu rationalen Entscheidungen führte. Vor allem dann nicht, wenn man damit rechnen musste, dass Männer für ihren persönlichen Vorteil öffentliche Interessen hinten an stellen würden.

    Bei der Frage nach den Factiones wogte Macer mit dem Kopf unschlüssig leicht hin und her. "Ich weiß nicht", sagte er dann. "Zweifellos ist die Tätigkeit in einer Factio einem Ruf nicht abträglich und je nachdem, in welchen Kreisen man schon bekannt ist, kann eine solche Tätigkeit die kreise auch erweitern und positiv stimmen. Aber um einen Ruf zu begründen würde das wohl nicht reichen", spekulierte er ein wenig. "Zumal es Leute geben soll, die einem nur deswegen abweisend gesonnen sind, weil man in der falschen Factio ist."


    Was die finanziellen Mittel betraf, sah Macer die Sache pragmatisch. "Wenn du selber nichts hast, musst du dir etwas verdienen. Oder einen Unterstützer finden. Wenn du später selber politisch aktiv werden möchtest, würde es sich wohl am ehesten anbieten, jetzt bei einem politisch nach Möglichkeit unverfänglichen Senator als Privatsekretär oder Tiro anzufangen."

    Zitat

    Original von Tiberius Helvetius Varus
    Varus, dem Ianitor ja bekannt das er heute morgen zur Salutatio erscheinen würde war eingelassen worden. Er betrat gerade das Atrium als ein junger Römer gesprochen hatte. Er hatte gerade noch die letzten Worte verstanden
    `...gewaltige Streitmacht zusammengezogen."´


    Varus hielt sich im hinteren Bereich auf und wartete zunächst ab. Er war noch kein Klient des Senators und wollte von daher keinem Klienten zuvorkommen. Erst wenn alle ihre Anliegen würden vorgetragen haben würde er den Senator ansprechen und um ein Gespräch bitten.
    Bei dem eben gehörten ging er davon aus das es was mit der Position des Senators als Leiter der Academie zu tun hatte.


    Sim-Off:

    Ich mache mal eine neue Zeitebene für dich auf. Wenn du aber erst den Ausgang des anderen Gesprächs abwarten willst, ist das auch kein Problem.


    Wie immer ging es Schlag auf Schlag bei der Salutatio und Macer war froh, dass ihm sein Privatsekretär beistand und ihm jeweils kurz Informationen zu den nächsten Bittstellern gab, sofern Macer sie nicht von selber erkannte. Beim nächsten konnte er das gar nicht, denn er kannte ihn bisher nicht. "Salve", grüßte er daher erst einmal den Mann, der ihm als Helvetius Varus vorgestellt wurde.

    Zitat

    Original von Cnaeus Fabius Torquatus
    Offenbar hatte sich der Fabier unter den Klienten des Consulars schon einen Namen gemacht, weswegen er - verglichen mit seinen ersten Besuchen - nicht allzu lange der Dinge harren musste. Sicherlich hatte der Senator unter seinen Schützlingen weitaus einflussreichere Persönlichkeiten, jedoch ging Cnaeus davon aus, dass Macer den Wert eines Klienten am Kaiserhof erkannt hatte - obwohl dieser 'nur' Notarius war. "Salve, Patron", grüßte der Fabier ebenso freundlich. "Durchaus, das habe ich", entgegnete er daraufhin auf die Frage noch etwas allgemein. Doch genau das war das richtige Stichwort. Der Kaiserhof. Kurz wandte sich Cnaeus um, wohl eher intuitiv, als aus Angst. Wenn sich im selben Raum noch weitere Leute befanden, dann sicherlich nur jene, mit denen man auch brisante Informationen teilen konnte und die bedingungslos und loyal hinter Senator Macer standen. "Genau deswegen bin ich hier. Mir wird allmählich bewusst, welch sensible Informationen über meinen Tisch gehen", näherte sich Cnaeus langsam dem Hauptthema seines Besuchs an. Er wollte ja den Senator nicht direkt mit seinen noch wirren Gedankengängen überfallen. "Du weißt ja, die Rebellion in Germania, Aegyptus und Syria. Ich dachte eigentlich, dass es ein leichtes wird, sie niederzuschlagen. Jedoch haben die Kommandeure, die hinter Cornelius Palma stehen, eine gewaltige Streitmacht zusammengezogen." Sicherlich ahnte der Senator langsam, in welche Richtung dieser Bericht gehen sollte. Gleichzeitig wollte Cnaeus seinen Patron erst einmal zu Wort kommen lassen, bevor er seine Gedanken offenbarte.


    Die Neuigkeiten schienen Macer nicht ganz so sehr zu beeindrucken, wie sie wohl seinen Klienten beeindruckt hatten. "Nun, wenn es stimmt, dass Cornelius Palma die östlichen Provinzen hinter sich hat, steht ihm nominell etwas mehr als ein Drittel unserer Armee zur Verfügung", legte er seine Sicht der Dinge dar. "Und wenn ihm tatsächlich die Rheinarmee beisteht, kommt er problemlos auf die halbe Armee." Mehr sagte Macer aber erst einmal nicht, denn er wollte seinem Klienten auch nicht das Gefühl geben, er könnte ihm nichts Neues erzählen.

    Macers Privatsekretär hatte den Fabier nicht allzu weit hinten in der Schlange der Wartenden einsortiert, so dass sich die Zahl der vor ihm stehenden Klienten in Grenzen hielt und seine Geduld nicht unendlich beansprucht wurde. Schließlich stand er dann vor seinem Patron, der ihn freundlich begrüßte. "Salve, Fabius Torquatus. Du hast dich auf deinem neuen Posten am Kaiserhof schon eingelebt?", erkundigte sich Macer als erstes.

    Mit dem kleinen Kompliment hatte er Iunia Axilla offenbar ganz schön durcheinander gebracht, auch wenn Macer das so gar nicht beabsichtigt hatte. Er hatte auch nicht darauf geachtet, wie viel Wein sie bisher getrunken hatte und selber wenn er das beobachtet hätte, kannte er sie nicht gut genug um einschätzen zu können, ob das für ihre Verhältnisse nun viel oder wenig gewesen war. So verfolgte er also, wie sie verlegen von einem Satz in den anderen stolperte und hoffte dabei insgeheim, dass das jetzt kein Dauerzustand würde, denn sonst könnte der Abend für beide noch peinlich werden. Stattdessen bemühte er sich um eine betont sachliche Antwort. "Das Fehlen zahlreicher Senatoren macht die Arbeit nicht unbedingt schwieriger", erklärte er. "Es sind einige Meinungen nicht mehr vertreten, was vor allem erst einmal die Redezeiten verkürzt. Ob das positiv oder negativ ist, sei erst einmal dahin gestellt, aber es macht die Arbeit eben nicht zwangsläufig schwieriger. Was sich eher auswirkt ist die Tatsache, dass über bestimmte Dinge Informationen fehlen oder man sich nicht sicher sein kann, ob Beschlüsse ausgeführt werden, weil die Kontakte in die Provinzen schwieriger sind zur Zeit."

    Also musste Macer wohl doch mal wieder Karriereberater für einen jungen Mann spielen, stellte er nach dieser Antwort fest. Ob es wohl in späteren Zeiten Leute geben würde, die sowas hauptberuflich machten? Macer verfolgte den Gedanken nicht weiter, denn selbst wenn, half ihm das im Moment auch nicht. Stattdessen betrachtete er den Tiberier noch einmal mit einem prüfenden Blick. "Nun, zum Berufssoldaten scheinst du jedenfalls nicht geschaffen zu sein, so dass wir diese Option schon einmal streichen können", begann er dann mit dem Offensichtlichen. "Wenn du die Politik zunächst einmal meiden möchtest, bliebe wohl zum Einen wirtschaftliche Tätigkeit. In wie weit die in deiner Familie üblich oder verpönt wäre, kann ich natürlich nicht beurteilen. Ohne großen eigenen Besitz wird der Einstieg aber in jedem Fall auch schwierig. Zum Anderen könntest du dich auf anderer Weise als der Politik öffentlichen Angelegenheiten widmen, zum Beispiel durch ehrenamtliche Tätigkeiten in einer Societas oder ähnlichem. Wählst du eine, die keinerlei politischen Einfluss wahrnimmt, wird deine Familienzugehörigkeit kaum von Belang sein, aber du kannst trotzdem Ansehen und Bekanntheit in der Öffentlichkeit gewinnen." Macer versuchte neutral zu klingen, denn in der Tat hatte er nicht vor, dem Tiberier irgendeine Tätigkeit besonders schmackhaft zu machen. Bisher hatte er zumindest noch nichts gefunden, was ihm besonders passend erschien.

    "Tja, wer will das nicht?", fragte Macer lakonisch, als ihm der Tiberier seine Vorstellungen von einer Tätigkeit unterbreitete. "Maximale Verantwortung und Ansehen bei minimalem Risiko. Den Posten, auf dem man nur gewinnen kann, am besten sogar garantiert gewinnt." Macers Stimme klang leicht spöttisch, ohne dabei persönlich werden zu wollen, denn solche Vorstellungen hatte er schon mehr als einmal gehört. "Die viel wichtige Frage ist, wo dein Weg hin führen soll. Verantwortung kann man auf vielerlei Weisen übernehmen. Ein Centurio trägt Verantwortung. Ein Pontifex auch. Ein Magistrat natürlich auch. Das eine ist eine Lebensentscheidung, das andere eine auf Zeit. Das eine muss man lange vorbereiten, das andere geht recht kurzfristig. Bevor ich dir einen Weg zeigen kann, musst du mir also schon sagen, wohin du willst."

    "Ich fürchte, ich würde in diesem Fall tatsächlich nur von deinem Charme kosten, ohne es mit Informationen vergelten zu können", erwiderte Macer betont höflich, aber mit einem Lächeln im Gesicht. Immerhin war Iunia Axilla bisher eine angenehme Gastgeberin gewesen und Macer hatte immer noch nicht ganz herausbekommen, wie er zu der Ehre einer Einladung gekommen war. Dass sie ihn tatsächlich nur fragen wollte, ob er in der Nähe einen Zufluchtsort für den Fall von Kämpfen in Rom wüsste, konnte er sich nicht so recht vorstellen. "Ab wie ich sehe, hast du für diesen Fall vorgesorgt mit feinem Gebäck, von dem ich dann wohl ohne schlechtes Gewissen kosten werde, nachdem bereits das Essen vorzüglich war", brachte er dann auch noch halbwegs elegant das längst überfällige Lob für die gute Küche unter.

    Der Türhüter öffnete die Tür ein Stück weiter, um den Mann eintreten zu lassen, wenn er denn wollte. "Selbstverständlich kannst du warten, wenn du möchtest", bekräftigte er noch einmal sein Angebot. Er hätte es wohl auch kaum gemacht, wenn Warten nicht erlaubt wäre oder keine Aussicht auf Erfolg hätte. "Falls du nicht warten möchtest, wird es das einfachste sein, zur morgentlichen Salutatio zu erscheinen. Dann ist der Senator in jedem Fall anwesend."

    Macer musste ein wenig schmunzeln, denn er konnte gut verstehen, dass man auf den Straßen den Eindruck gewann, der Senat hätte die Arbeit eingestellt. "Nein, eingestellt haben wir die Arbeit nicht", antwortete er. "Aber dadurch, dass einige Senatoren und zwar insbesondere jene, die Vescularius Salinator kritisch gegenüber standen, aus Rom geflohen sind und zudem zahlreiche Plätze mit anderen Senatoren gefüllt sind, die Salinator treu ergeben sind, gibt es im Senat einfach deutlich weniger Konfliktpotenzial als früher, das die Sitzungen in die Länge zieht und sie auch spektakulär macht. Man könnte sagen, dass die Arbeit des Senates im Moment recht effizient abläuft, denn das, was er zu entscheiden hat, ist bei den gegebenen Mehrheitsverhältnissen schnell entschieden", erklärte Macer dann. "Tiberius Durus war beispielsweise im Senat stets ein erbitterter Gegner des Germanicus Avarus, aber jener hält sich im Moment auch deutlich zurück. Vermutlich fehlt ihm ohne neuen Gegner schlicht die Fläche, auf der er sich mit großen Reden darstellen kann, wie er es früher eben gegen Tiberius Durus getan hat. Von anderen großen plebeischen Gentes im Senat, die du vielleicht aus deiner Kindheit in Rom kennst, hat man zuweilen aber auch schon länger nichts mehr gehört. Die Gens Decima ist inzwischen eher durch Ritter als durch Senatoren bekannt. Ähnliches gilt für die Gens Annaea, während man von der Gens Octavia zumindest ab und zu noch etwas hört. Aufstrebend ist beispielsweise die Gens Iulia, die man aber auch wieder zum Lager des Vesuclarius Salinator rechnen kann, so dass sie auch keim Potenzial für spektakuläre Senatsreden bietet", führte er dann weiter aus.

    "Ich gehe nicht davon aus, dass wir im Senat Berichte bekommen, die nicht auch der Acta Diurna bekannt wären", antwortete Macer etwas überrascht von der Frage. Alles andere würde ihn zumindest sehr überraschen, da die Acta Diurna ja immerhin eine staatliche Zeitung war, die einst sogar als Mitteilungsblatt des Senates erfunden worden war. Zumal die Berichte an den Senat ja in den Senatssitzungen verlesen wurden, und diese wiederum von der Acta Diurna besucht wurden. "Von meinen Klienten, gerade jenen in dern Provinzen, bekomme ich natürlich auch Briefe, aber die brauchen natürlich etwas länger als offizielle Eilboten und kommen außerdem auch nicht ganz regelmäßig. Zumal die Möglichkeiten meiner Klienten, vor Ort offizielle Nachrichten aufzunehmen auch begrenzt sind. Es sind ja längst nicht alle in hohen Posten untergebracht und im Allgemeinen haben sie auch andere Aufgaben, als für mich den ganzen Tag Nachrichten zusammenzutragen", erklärte er mit einem Augenzwinkern. Ein Heer aus privaten Beobachtern, die ihn über alle Neuigkeiten umfassend in Kenntnis setzten, war zwar eine schöne Vorstellung, aber auch für einen Consular weitgehend unbezahlbar.

    Der Laufbursche von Purgitius Macer gab eine Wachstafel mit einer kurzen Nachricht seines Diensherren an der Casa Fabia ab.


    Ad
    Fabius Torquatus


    Sp. Purgitius Macer Fabio Torquato s.d.


    Es hat mich sehr gefreut, deine postive Nachricht über deine Anstellung in der Abteilung des Ab epistulis zu erhalten. Herzlichen Glückwunsch zu dieser erfreulichen Entwicklung, die zum Teil auch Iunia Axilla zu verdanken ist, die die Frau des Procurators Pompeius Imperiosus und eine verlässlichen Geschäftspartnerin ist.


    Vale
    Sp. Purgitius Macer

    Ein paar Tage später konnte sich Macer eine kleine Triumphgeste und ein anschließendes zufriedenes Grinsen nicht verkneifen, als er den Brief las, den ihm Fabius Torquatus geschickt hatte. Jetzt hatte er also wieder eine Kontaktperson am Kaiserhof in der Abteilung des Ab epistulis. Das war strategisch gesehen geradezu ein Glücksfall, über den es einfacher als bisher sein sollte, selber Bittgesuche unterzubringen und unauffällig mitzubekommen, wer ansonsten so durch besondere Bittgesuche auffiel. Dass sein Klient erst einmal als Notarius anfing, betrachtete Macer trotz aller Einschränkungen, die sich damit ergaben, als Vorteil. So bestand nämlich eine deutlich geringere Gefahr, dass der Mann seinen Posten wieder los wurde, falls es im Zuge des Bürgerkriegs zu neuerlichen Umwerfungen am Kaiserhof käme.


    Noch einmal überflog Macer zufrieden den Brief, dann verfasste er eine schnelle Antwort, legte ihn beiseite und wandte sich gut gelaunt der nächsten Angelegenheit auf seinem Schreibtisch zu.

    Zitat

    Original von Tiberius Helvetius Varus
    "Salve, mein Name ist Tiberius Helvetius Varus," antwortete Varus zunächst freundlich bevor er fortfuhr
    "ich würde gerne den Hausherren, Senator Spurius Purgitius Macer sprechen. Es geht um eine persönliche Anfrage von mir an ihn."


    Der Türhüter schüttelte bedauernd den Kopf. "Der Senator ist in den Thermen", erklärte er. "Möchtest du auf ihn warten oder dein Glück direkt dort versuchen?"

    Die Antworten von Iunia Axilla entsprachen in etwa dem, was Macer erwartet hatte, auch wenn er sich vor diesem Gespräch keine allzu detaillierten Gedanken über die Situation der Acta Diurna gemacht hatte. Dass Salinator nun die Berichterstattung zwar nicht direkt kontrollierte, aber doch indirekt deutlich beeinflusste, war tatsächlich nicht allzu überraschend. Auch wenn es Macer nicht gewundert hätte, wenn das ohnehin viele Kaiser vor ihm auch ähnlich getan hätten. "Bekommt ihr denn immerhin noch etwas bessere, schnellere oder genauere Meldungen aus den Provinzen oder seid ihr genauso wie jeder andere auch darauf angewiesen, die Nachrichten in Rom auf dem Forum oder in Ostia am Hafen aufzuschnappen?" fragte er dann weiter, während er sich noch einmal eine kleine Portion nachlegte. Das Essen war wirklich gut und er hätte durchaus gerne noch mehr genommen, aber andererseits wollte er auch noch genug Platz für den nächsten Gang haben.

    "Ja, damit hast du wohl Recht", stimmte Macer der Vermutung zu Salinators Einstellung zu den Patriziern zu. "Zumindest scheint er unter Patriziern auch keine großen Freunde zu haben, so dass es wahrscheinlich ganz auf Gegenseitigkeit beruht." Die Frage nach den Legionen des Cornerliers war da schon etwas schwieriger. "Nimmt man an, dass der Cornelier tatsächlich alle Legionen aus dem Osten hinter sich hat, ist das eine ganz erhebliche Anzahl. Mehr als ein Drittel unserer Armee steht schließlich dort. Selbst wenn er nur die Hälfte davon mitnimmt, um unsere Grenzen nicht zu entblößen, ist das ein gewaltiges Potenzial", gab er seine EInschätzung, die ihm als Kommandeur der Academia Militaris natürlich nicht schwer fiel. "Was die Legio I betrifft nehme ich an, dass Aurelius Ursus nicht mehr ihr Kommandeur wäre, wenn sich Salinator nicht absolut sicher mit seiner Loyalität wäre", vermutete er dann schließlich noch zum letzten angesprochenen Punkt.

    "Das wirst du mit der Zeit schon hinbekommen", zeigte sich Macer optimistischer, was die Gewöhnung an die Stadt betraf. Ohnehin hatte er nicht vorgehabt, für den Tiberier nun eine geografische EInführung zu geben, denn den fehlenden Überblick hatte er ohnehin eher auf die politische Lage bezogen. "Was die Machtverhältnisse betrifft, ist die Sache recht einfach: Vescularius Salinator, der als Stadtpräfekt unter Kaiser Valerianus diente, ist nun selber zum Kaiser ausgerufen und ernannt worden. Dagegen führt ein gewisser Cornelius Palma aus Osten Truppen ins Feld und wird nach allem, was man hört, dabei von der Rheinarmee unterstützt." Details dazu würde er ausbreiten, wenn danach gefragt wurde und er die Fragen auch tatsächlich beantworten konnte. "Dadurch, dass der Tod des Valerianus eben mit einer Verschwörung zu tun hatte, hat es einige Verschiebungen im Einfluss namhafter Männer und Familien gegeben, die du wahrscheinlich noch nicht bewusst sind. Fangen wir mit den Patriziern an. Das Schicksal der Gens Tiberia kennst du bereits. Die Gens Flavia hat ähnliches ereilt, denn auch deren führender Kopf, Manius Flavius Gracchus, hat mit seiner Familie die Stadt verlassen. Die Gens Claudia hatte schon vorher deutlich an Gewicht verloren. Ihr wichtigster Kopf dürfte Claudius Menecrates sein, ein Senator, der derzeit in Germania ein Legionskommando hat. Etwas besser steht die Gens Aurelia da. Aurelius Ursus hat das Kommando über die Legio I, aber alle anderen nennenswerten Aurelier sind auch aus Rom geflohen. Die Gens Ulpia schließlich spielt gar keine Rolle mehr seit dem Tod des Valerianus." Macer machte eine Pause, um einen Schluck zu trinken und auf Rückfragen zu warten.