Beiträge von Spurius Purgitius Macer

    Macer hatte mit keinem Besuch gerechnet, erst Recht nicht von ihm unbekannten Mitgliedern der Gens Tiberia. Umso neugieriger blickte er jetzt den Mann an, den ihm sein Verwalter gerade angekündigt hatte und nun ins Arbeitszimmer führte. "Salve, Tiberius", begrüßte er ihn freundlich und lud ihn zum Sitzen ein.

    "Ja, Bildung hat noch keinem Kandidaten geschadet!", äußerte sich Macer deutlich zustimmender zu den Bildungsplänen. "Viele Angebote der Schola sind empfehlenswert, wobei es wohl vor allem die Frage ist, welcher Magister gerade Plätze in seinen Kursen anbietet und nicht so sehr die Frage, welche Kurse zu empfehlen sind. Rhetorik und Geschichte kann einem angehenden Politiker sicher nie schaden", empfahl er dann eher Themengebiete als konkrete Kurse. Seine eigene Teilnahme an ebensolche war schließlich auch ein wenig her und er konnte nicht einmal sagen, ob sie heute noch unter demselben Titel existierten, geschweige denn unter demselben Magister wie damals.

    Ganz offensichtlich schien dieser Iulius Dives Macer besser zu kennen, als es umgekehrt der Fall war. Zumindest hatte Macer nicht gedacht, dass sein kleiner Umbau der Casa schon Stadtgespräch war - und das auch noch in Ostia, wo dieser Iulier ja angeblich Magistrat war. Aber Macer dachte nicht länger über diese seltsame Begebenheit nach, sondern kam zur Sache zurück. "Nun, mein Architekt ist glaube ich gut genug mit Wohnhäusern in Rom beschäftigt, um sich nicht noch um Keltereien in Ostia kümmern zu können", konnte er aber leider keine direkte Empfehlung aussprechen. Umso mehr konnte er aber etwas wegen einer Magistratur empfehlen. "Du meinst, eine Magistratur in einer anderen Stadt? Davon halte ich nicht viel. Mal abgesehen von den Kosten, die damit verbunden sind deinen Wohnsitz in eine andere Stadt zu verlegen, bist du auf Jahre hinaus weg von Rom, kannst weniger Kontakte knüpfen und wenn deine Karriere dann später doch noch durchstartet wird dich bei deiner Kandidatur zum Praetor keiner mehr fragen, ob du mal irgendwo Quaestor warst."

    Zitat

    Original von Caius Decimus Flavus
    "Ich hoffe es gibt nichts negatives über mich zu berichten, das wäre immerhin schon einmal ein Anfang. Negative Kritik bekommt man schnell, gute muss man sich hart erarbeiten." Und letzteres musste Macer oft genug getan haben.
    "Iulius Dives war Quaestor in Ostia und möchte nun auch den cursus honorum bestreiten, ich habe ihn durch Zufall in Ostia kennengelernt. Vielleicht ist er selbst weniger wichtig, ich erhoffe mir aber zumindest durch seine Verwandschaft etwas. Hast du Ideen welche Senatoren von mir hören sollten?" Da fiel ihm ein dass er ja noch jemand positiv erwähnen wollte und er rückte dabei etwas näher an Macer, man wusste ja nie was manche von diesen Namen halten sollten.
    "Ich habe übrigens Tiberius Lepidus in den Thermen kennengelernt, anscheinend ist die Gens Tiberia, insofern nicht in Rom noch verweilend, nicht im Klaren darüber was mit Durus passiert ist. Er stammt aus Achaia, daher ist er dir sicher nicht bekannt. Der Tiberier will Durus folgen und die Ehre seiner Familie wiederherstellen, wir hatten lange Gespräche und ich denke dass ich mir hier eventuell einen guten Kontakt geschaffen habe, vorausgesetzt er schafft es den Namen seiner Familie von allen Gerüchten rein zu waschen."


    Auf das Erarbeiten von Kritik ging Macer nicht weiter ein, denn dazu gab es wohl Dutzende von Sinnsprüchen. Die Ausführungen zu Iulius Dives hörte er sich aufmerksam an und war sich sicher, dass sein Verwalter sie sich sogar merken würde um damit vorbereitet zu sein, falls ihnen der Name Iulius Dives noch einmal begegnete. "Sicher, wenn dieser Iulius Dives deinen Namen ins Spiel bringt, wenn er in der Verwandtschaft für sich selber wirbt, dann kann das zu deinem Vorteil sein." Dass ein Kandidat gleich einen anderen mitzog war auch bei höheren Ämtern nicht unüblich. "Ansonsten sollten wir deinen Namen dort ins Spiel bringen, wo er leicht auf positives Echo fällt." Da die Gens Decima schön länger nicht mehr im Senat vertreten war, war das aber gar nicht so einfach. "Ich werde schauen, was sich machen lässt." Dann fiel ein weiterer Name, der Macer ebenfalls nichts sagte, aber den er sich wohl auch merken musste. Zumindest lange genug, um später Albina danach zu fragen, denn für Tiberier sollte sie sich wohl interessieren. Auch wenn die Gens zweifellos so groß und weit verzweigt war, dass nicht mit jedem eine nennenswerte direkte Verwandtschaft bestandt. "Ich sehe, du bist recht erfolgreich im Knüpfen von Kontakten. Wenn du das fleissig weiter machst, wird es dir eines Tages von Nutzen sein!"

    Macer warf zunächst nur einen kurzen Blick auf den Brief, der etwas länger zu sein schien und wandte sich dann wieder an den Boten. "Ich danke für die zuverlässige Übermittlung dieses Briefes! Reist du wieder nach Aegyptus zurück? Sollst du gar auf Antwort warten?" erkundigte er sich dann, denn wenn einer schon einen Boten für diesen weiten Weg schickte, war das nicht völlig unwahrscheinlich.

    "Na, leicht ist das auch nicht! Seinen Namen ins Gespräch zu bringen mag leicht sein, aber ihn positiv ins Gespräch zu bringen, ist keineswegs so einfach", bremste Macer den Optimismus, den er wohl gerade erzeugt hatte. "Der Name Iulius Dives sagt mir nichts", bemerkte er dann und warf einen kurzen Blick zu seinem Privatsekretär, der wie immer ganz in seiner Nähe stand und die Unterhaltungen verfolgte, sofern er nicht gerade neue Besucher in die Schlange der Wartenden einordnete. Auch der Verwalter schüttelte sehr dezent den Kopf und bestätigte damit, dass Macer den Namen nicht zu kennen brauchte. "Das muss nicht zwangsläufig heißen, dass er unwichtig ist, aber viel bringen wird er dann wohl auch nicht. Wir werden noch ein paar mehr Männer auf dich aufmerksam machen müssen."

    Ad Iunia Axilla


    Sp. Purgitius Iuniae Axillae s.d.


    Wir stehen selten in direktem Kontakt, doch angesichts unserer nun schon lange anhaltenen geschäftlichen Zusammenarbeit erscheint es mir ratsam, mich nach deinem Wohlergehen und dem Erfolg deiner Geschäfte zu erkundigen. Dies umso mehr, als man in diesen unruhigen Zeiten nicht besorgt genug um das Wohlergehen seiner Partner sein kann. Lass' mich dir daher zunächst auch versichern, dass es mit meinen Geschäften zum Besten steht und somit auch weiterhin regelmäßig die vereinbarte Menge pünktlich abgenommen und bezahlt werden wird.


    Allerdings möchte ich die Gelegenheit auch nutzen, um dich um einen Gefallen zu bitten, der jedoch sowohl dich als auch mich gar nicht persönlich betrifft. Vielmehr handelt es sich um Fabius Torquatus, welcher mein Klient ist und ein vielversprechender Sohn eines ehemaligen Offiziers, und der nun nach einer Möglichkeit sucht, sich auf eine ritterliche Karriere vorzubereiten, auch wenn ihm jener Stand noch nicht vergönnt ist. Sollte es dir möglich sein, gegenüber deinem Mann seinen Namen zu erwähnen, so dass dieser ihn zu einem Gespräch am Kaiserhof einladen kann, wären sowohl er als auch ich dir zu großem Dank verpflichtet.


    Mögen die Götter dich und deinen Gatten schützen und begleiten.


    Sp. Purgitius Macer

    Zwischen all den politischen Wirren und Unklarheiten eines heraufziehenden Bürgerkriegs konnte und wollte Macer auch das politische Tagesgeschäft nicht vernachlässigen und das bedeutete, dass er sich um Klienten und andere Schützlinge kümmern musste. Die Wahlen standen bevor und außerdem gab es immer irgendjemanden, der irgendwo irgendeine Hilfe haben wollte. Macer kümmerte sich durchaus gerne darum, waren solche Dinge doch eine nette Abwechslung zu den großen Sorgen Roms, auch wenn man in diesen Tagen wohl auch bei solchen Kleinigkeiten sehr darauf achten musste, wen man um welche Art von Gefallen bat, um nicht ungeahnt in politische Verstrickungen zu stolpern. Dass gerade seine eigenen hochrangigen Klienten, die er so gerne bei der Erfüllung von Wünschen niederrangiger Klienten mit einspannte, in eben solche politischen Verstrickungen verwickelt waren, machte die Sache dabei nicht einfacher.


    Mit Fabius Torquatus war es immerhin insofern einfach, als dieser in Rom an den Kaiserhof wollte, so dass Macer ohnehin neue Wege gehen musste, da er dort keine direkten Kontakte hatte. Also musste es indirekt gehen und in jedem Fall nicht so wie vom Fabier gewünscht mit einen Brief, den jener auch noch selber überbringen wollte. Indirektion hieß das Zauberwort, das Macer bei diesen Vorhaben so sehr schätzte, wenn es darum ging, über diesen und jenen einen Kontakt herzustellen, der dem eigentlichen Bittsteller dann letztlich wie von Zauberhand die Türe öffnete - wenn alles klappte.

    Mit einem leichten Schmunzeln schüttelte Macer den Kopf. Manchmal waren die leicht naiven Vorstellungen angehender Jungpolitiker schon lustig. "Es geht nicht darum, dass du die Senatoren kennenlernst, sondern darum, dass sie dich kennenlernen. Und wenn man es in der Politik zu etwas bringen will, dann stellt man sich nicht vor, sondern man wird vorgestellt", erklärte er dann sein Kopfschütteln. "Kurzum, es reicht völlig, wenn dein Name verbunden mit ein paar positiven Attributen unter den Senatoren die Runde macht. Wenn sie dich bei der Erklärung deiner Kandidatur im Senat zum ersten Mal sehen, reicht das völlig."

    "Ja, ein ausgewachsener Wahlkmapf ist in diesem Amt unüblich und Rom hat momentan ohnehin andere Sorgen. Für Bekanntheit und Unterstützung musst du dagegen schon sorgen, vor allem bei den einflussreichen Männern im Senat", konnte Macer als Empfehlung aussprechen. "Mein eigener Einfluss ist momentan etwas begrenzt, aber natürlich werde ich dich dabei unterstützen, wenn du kandidieren möchtest", sicherte er dann zu. Immerhin war es für ihn selbst auch eine Investition in die Zukunft, wieder einen jungen Mann auf die politische Laufbahn zu bringen, der ihn später selber wieder unterstützen konnte, falls Macer noch einmal große Ziele in Angriff nahm.

    Macer blickte nun etwas verwirrt, aber es war nicht ganz auszumachen, ob er sich nur aus seine Gedanken gerissen fühlte oder ob er tatsächlich den Ausführungen des Flaviers nicht ganz folgen konnte. "Wie gesagt, ein Tribunat vor dem Vigintivirat ist unüblich und gerade in der jetzigen Lage könntest du damit jederzeit in einen Bürgerkrieg gezogen werden, mit dem du deine Karriere zerstören kannst, bevor sie begonnen hat. Wenn du ein Spieler bist, ist dies deine Chance, aber es kann auch dein Tod sein." Und dabei war der politische Tod genauso möglich wie der physische.

    "Ohne abgeleistetes Tribunat kommst du ohnehin nicht in den Senat", rief Macer in Erinnerung. "Ob ausgerechnet jetzt und insbesondere noch vor deinem Vigintivirat ein günstiger Zeitpunkt dafür ist, wage ich zu bezweifeln. Freilich kannst du viel gewinnen, wenn du jetzt auf der richtigen Seite stehst, aber ebensoviel verlieren, wenn du auf der falschen stehst - und dies umso mehr, da es keinesfalls üblich ist, das Tribunat schon vor dem Vigintivirat zu absolvieren." Macer schwieg eine Weile, bevor er weiter sprach. "Soldaten in den Kampf für Rom geführt zu haben, ist eine ehrenvolle Sache und wenn dies dein Ziel ist, solttest du dich davon nicht abbringen lassen. Aber nicht in einem Bürgerkrieg! Ich habe Truppen im Bürgerkrieg gegen Laeca geführt, an der Seite des Ulpius Valerianus, als er noch nicht Kaiser war, sondern die Truppen seines Vaters führte. Es war meine Pflicht, aber als Römer gegen Römer zu kämpfen war mir keine Ehre." Sein Blick schien sich zu entfernen, als würde er in der Zeit zurück auf die Schlachtfelder von damals blicken.

    Die Frage nach den Legionen hatte sich Macer auch schon gestellt, spätestens nach den Nachrichten aus Germania von seinem Klienten. Aber immerhin auf diese Frage hatte er eine Antwort gefunden. "Schau dir an, welche Legionen es sind und wo sie stehen. In Germania, in Syria. Weit weg von Rom! Und dann schau dir an, wie wenig wir wissen und wie widersprüchlich das alles ist. Die Legionen werden noch weniger wissen und wenn bei dem wenigen noch etwas wegfällt, wird es plötzlich auch nicht mehr widersprüchlich. Sie kennen nur einen Teil der Wahrheit und nach diesem Teil stehen sie auf der richtigen Seite."


    Die Frage danach, wo er selber stand, war da schon wesentlich schwieriger zu beantworten. "Je näher man in Rom am Geschehen dran ist, umso weniger wird deutlich, was überhaupt die Seiten sind. Ist es Vescularius Salinator gegen die Kaisermörder? Dann bin ich auf seiner Seite. Ist es Vescularius Salinator gegen den Senat, dem er einen Mord in die Schuhe schieben will? Dann bin ich auf Seiten des Senates. Aber wie wir eben festgestellt haben, ist nicht einmal klar, dass dies die Seiten sind." Und damit war sich Macer noch immer nicht klar, auf wessen Seite er stand.

    Macer konnte die Verwirrung des Decimers gut verstehen, denn selber ging es ihm auch nicht viel anders. "Ja, es ergibt keinen Sinn, da hast du völlig recht", stimmte er zu. "Aber alles andere gibt auch keinen Sinn. Mehr als ein Senator ist geflohen, bevor er auf der Proskriptionsliste stand. Warum sollte dies jemand tun, der nichts zu befürchten hat, weil er nichts getan hat? Tiberius Durus hat sich selbst getötet. Warum sollte er dies tun, wenn er nichts getan hat? Beide Szenarien sind sinnlos angesichts dessen, was passiert ist - sowohl jenes, in der es eine senatorische Verschwörung gab als auch jenes, in der es sie nicht gab. Und trotzdem wird eines oder gar beide wahr sein." Auch Macer hatte noch keine Idee, wie sich dieser Widerspruch eines Tages würde auflösen lassen, aber ihm blieb nichts anderes übrig, als an eine Auflösung zu glauben.

    Der Türhüter blickte angesichts des Aussehens des Mannes etwas skeptisch, aber dann sah er wohl ein, dass man nicht von allen Boten immer perfektes Aussehen erwarten konnte. Daher öffnete er schließlich doch die Tür. "Die Salutatio beginnt gleich. Dort kannst du deine Botschaft überbringen."

    "Im Senat ist noch weniger los, als es ohnehin schon war", konnte Macer lediglich berichten. "Seit der Abstimmung, in der Vescularius Salinator die kaiserwürde angetragen wurde, hat er sich auch nicht mehr in der Curia blicken lassen, wobei wegen der ganzen Feierlichkeiten ohnehin kaum Sitzungen waren." Bezüglich der fehlenden Senatoren machte sich Macer eher Sorgen um die Namen als um die Anzahl. "Nun, zahlenmäßig ist es gar nicht so schlimm, wie häufig gesagt wird. Aber es sind natürlich schon vor allem einflussreiche Senatoren, die fehlen."