Salve Quintus,
ich habe Deinen Brief erhalten und war ziemlich überrascht. Doch ohne Sorge, ich denke der Junge spricht die Wahrheit. Ich habe darüber nachgedacht und es passt alles.
Mit seiner Mutter war ich in der Tat vor 16 Jahren zusammen. Es war diese Iulia, welche unten am Ende der Strasse wohnte und die seit meiner Kindheit mit uns Kinder herumspielte. Wir wurden gemeinsam erwachsen und entdeckten auch die Liebe.
Weißt Du noch - eigentlich müsstest Du Dich auch erinnern - dass ihr Vater, dieser Magistrat, unsere Verbindung nicht gerne sah und sie mit diesem Advocaten aus Rom vermählte. Es brach mir damals das Herz und ihr auch. Dass sie jedoch einen Sohn von mir empfangen hatte, hat sie mich nie wissen lassen.
Wie auch immer, wenn Du sagst, dass er mir ähnlich sieht, dann muss es so sein. Ich bitte Dich daher, dass Du Dich um ihn kümmerst bis ich wieder da sein kann. Du hast schon einmal Söhne groß gezogen, also kann ich ja mit Deinem Erfahrungsschatz rechnen.
Ich habe im Übrigen gleich nach Deiner Information veranlasst, dass nach einem griechischen Hauslehrer gesucht wird, der sich um seine Ausbildung kümmern wird. Ich denke, da mein Sohn mich so viele Jahre missen musste, dass ich in einer gewissen Schuld stehe, ihm und auch seiner Mutter gegenüber. Schuld ist es aber nicht alleine, es ist auch ein Gefühl der Dankbarkeit und der Liebe, denn Iulia liebe ich auch heute noch in einer gewissen Weise, sie war meinem Herzen immer nah, egal wo sie sich befand.
Hat er etwas von seiner Mutter erzählt? Lebt sie noch? Geht es ihr gut? Weiß sie, dass er jetzt bei mir ist? Hat sie ihn geschickt?
Richte meinem Sohn, meine Grüsse aus und lass ihn wissen, dass er nun sein Zuhause gefunden hat.
Vale,
Meridius