• Wenn Seia seine Gedanken hätte lesen können, hätte sie ihn wohl feist angegrinst und ihm angeboten, mal eine Woche lang die Schuhe zu wechseln. Er Sklave, sie.... uhm.... Naja, Römerin. Hinterher würde er es nicht mehr pervers finden, dass sie am Morgen schon lächelte. Denn tat ein Sklave es nicht morgens, dann würde er im Laufe des Tages auch kaum weitere Gelegenheiten dazu fnden. In den meisten Fällen jedenfalls. Morgenmuffel. :P


    Der Betrag, den er nannte, hätte das Sklavenmädchen beiahe aus den Latschen gehoben. 3000 Sz mal einfach so für einen... einen Park aus Käfigen mit Tieren dadrin? Beinahe wäre ihr die Kinnlade herunter gefallen. Tiere angucken.... ja, aber doch wohl eher dort, wo sie hingehörten, sonst war doch an dem Tier nichts mehr einzigartig.... Seia verstand den Gedanken nicht.
    Aber gut, die Entscheidung, ob man dafür Geld spendete, lag nicht in ihrer Hand. Dafür aber ein Griffel und ein klein wenig Verantwortung für diesen Brief.


    "Na klar." antwortete sie ihm stolz. Schaffen würde sie das schon. Irgendwie. Ungewohnt lag der Griffel in der Hand. Na gut, Seia. Dann beweis mal, was du kannst. Hast es ja nicht anders gewollt.
    Sie setzte den Griffel an, nahm ihn noch einmal hoch und fing dann in nicht mit der fein gegliederten Schriftform einer Römerin ihres Alters vergleichbaren, eher ungleichmäßigen und schwerfälligen Handschrift an zu schreiben.





    Hm. Was er wohl dazu sagt? Ich finde, es hört sich gar nicht so schlecht an. Fast wie die Briefe, die ich täglich lese.
    Sie zögerte noch einen Moment, dann reichte sie dem "Auftraggeber" die Ausarbeitung seines Auftrages und sah ihn gespannt an, den Kopf dabei immer schräger haltend und am Ende neugierig und erwartungsvoll mit auf die Wachstafel sehend, dafür aber ihn anlächelnd.


    Und?

  • Auch in Crassus Zustand, der dem Schlaf doch noch näher als dem Wachsein war, konnte er ihre Verwundertheit über die 3.000Sesterzen ansehen. Crassus konnte sich deshalb ein leichtes Lächeln nicht verkneiffen. Crassus gefiel es zweifelsfrei, dass manche ihn so wegen seinem Reichtum ansahen. Deshalb liebte er es auch, ihn bei jeder Möglichkeit zur Schau zu stellen. Sei es in seinen Büros, im Atrium, in seinem Zimmer oder bei den Kleidern. Wenn Crassus einkaufen ging galt immer das Motte: hauptsache teuer. Auch wenn das in seiner Jugend ganz anders war, so war offenbar die Umstellung von arm zu reich viel leichter als von Reichtum zu Armut


    Er nahm die tabula entgegen, als Seia fertig war, und las sie durch. An vielen Stellen nickte er, an wenigen schüttelte er den Kopf. Abschließend sah er mit einem breiten Grinsen zu Seia auf, die ihn schon ganz erwartungsvoll ansah - mit einem hinreißenden Lächeln garniert, sodass Crassus beinahe das Wachstäfelchen vergaß. Aber nur beinahe. Er gab ihr das Wachstafelchen zurück und deutete immer auf die Stelle, an welcher er etwas verbessern würde:


    Das mit 'ich freue mich mal wieder etwas von dir zu hören' streichen wir. Ich hab erst kürzlich mit ihm gesprochen, das ist unnötig. Seia - so war doch dein Name, oder? - sei bitte mal ehrlich: sehe ich gerade sonderlich begeistert aus? Ich halte es für eine gute Idee um das Erbe Antons zu wahren. Schreib stattdessen lieber so etwas. Crassus nahm den Wasserbecher von letzter Nacht und nahm einen Schluck daraus. Nichts ging über abgestandenes Wasser. Ich möchte deine Hoffnung nicht zerstören - streichen! Lieber etwas von wegen: deshalb werde ich dich bei deinem Vorhaben mit einer bescheidenen Summe von 3.000 und so weiter.
    Hast alles?
    erkundigte er sich dann abschließend bei Seia. Ach nein, da fällt mir ein, füge noch irgendwo ein, dass ich seine defintive Einladung zum ersten Treffen der Amici orationis liberae erhalten habe und erscheinen werde.

  • Er verstand aber auch gar keinen Spaß. Seia schmunzelte, seufzte wie ein Schulkind und "radierte" ihre unbrauchbaren Formulierungen weg, um sie durch seine passenderen zu ersetzen. Das waren nicht gerade wenig und während sie schon fieberhaft kritzelte, hatte er noch etwas, das sie einfügen sollte.


    Sie sah ihn einen Moment lang überfordert grimmig an. "Nicht so schnell." Dann wandte sie sich wieder der Wachstafel zu.







    Wieder betrachtete sie den Brief, diesmal aber nicht mit selbstgefälliger Miene. Ihrer Meinung nach war er nun langweilig. Eben wie dieser, den sie dem Caecilier gerade gebracht hatte. Wie sie schon gesagt hatte: Die Römer verstehen keinen Spaß.


    "So gut?" fragte sie und reichte dem mit den müden Augen die Tafel.

  • Ha! Da war es gewesen, worauf Crassus nur gewartet hatte. Seia schaute einen Moment lang grimmig. Selbst Sklaven sind um diese Uhrzeit nicht immer gut gelaunt, juhu! Sich innerlich über seinen "Triumph" freuend, nahm Crassus, äusserlich müde, die Wachstafel entgegen. Er gähnte noch einmalkräftig und herzhaft und begann dann langsam zu lesen. Er hatte immer seine Schwierigkeiten direkt nach dem Aufstehen etwas zu lesen. Wobei ihm das Lesen weniger Schwierigkeiten bereitete wie das Verstehen des gelesenen. Er las nämlich Buchstabe für Buchstabe, setzte sie aber irgendwie nicht zusammen. Naja, die Müdigkeit eben.
    Er hatte also die Wachstafel genommen und auch schon durchgelesen, als er zu einem Griffel griff und noch etwas veränderte:


    Salve Dio,


    Einen Tierpark halte ich für eine gute Idee, um das Erbe Antons zu wahren. Deshalb werde ich dir sobald als möglich einen bescheidenen Betrag in Höhe von 3000 Sesterzen als kleine Unterstützung für dein Vorhaben überweisen.


    Und bevor ich es vergesse: Die endgültige Einladung zum ersten Treffen der Amici orationis liberae habe ich erhalten und werde dort auch - vorraussichtlich ohne Begleitung - erscheinen.


    Vale,
    Crassus
    Praefectus Praetorio


    er bewunderte noch einmal sein Werk und nickte dann zufrieden. Er gab Seia neben der Wachstafel, noch Briefpapier und Tinte.


    Du wirst noch nie auf Pergament geschrieben haben, macht aber nichts, dann lernst du es heute. Den Brief bitte in Schönschrift abschreiben.


    In Gedanken stellte sich Crassus schon einmal darauf ein, heute ein Vermögen in Papier angelegt, zu verlieren.

  • Salve Dio,


    Einen Tierpark halte ich für eine gute Idee, um das Erbe Antons zu wahren. Deshalb werde ich dir sobald als möglich einen bescheidenen Betrag in Höhe von 3000 Sesterzen als kleine Unterstützung für dein Vorhaben überweisen.


    Und bevor ich es vergesse: Die endgültige Einladung zum ersten Treffen der Amici orationis liberae habe ich erhalten und werde dort auch - vorraussichtlich ohne Begleitung - erscheinen.


    Vale,
    Crassus
    Praefectus Praetorio



    Das dauerte ja! Hatte sie so unleserlich geschrieben? Wieder beobachtete sie den schläfrigen Herrn ganz genau und ein wenig zu ihm vorgebeugt, um die Arbeit seiner Augen zu vefolgen. Schreibmaschine, hätte ein Mensch heute gedacht. Letter für Letter lasen seine Augen, dann sprangen sie zurück und fingen nochmal an. Es fehlte nur noch das Klackern der Tasten und das mechanische Geräusch, wenn ein Zeilensprung anstand.


    Sie lächelte und wartete dann geduldig, bis er fertig war. Was er dann jedoch tat, ließ sie skeptisch auf die Wachstafel, das Briefpapier und die Tinte gucken und wieder ihn anblinzeln. War der faul! Nun hatte sie schon die ganze Drecksarbeit für ihn erledigt, aber nein...!


    Na gut, du hast es ja nicht anders gewollt. Mit dem Gedanken, einem frechen, kaum erkennbaren Lächeln nahm sie all das, legte die Wachstafel über das Briefpapier und tauchte den Kiel einer Feder in Tinte. Und dann begann sie eine Abrschrift. Eine erste Abschrift.


    Diese durfte schon nach den ersten paar Wörtern vernichtet werden. Seia hatte so ihre Schwierigkeiten, die Buchstaben ordentlich zu schreiben, sodass sie hinterher auch gut zu erkennen waren. Außerdem war die Linie, auf der die ersten Wörter lagen, mehr eine geschlängelte Diagonale als alles andere und letzlich wischte sie auch noch mit der Hand über die frische Tinte.


    Die zweite Abschrift klappte schon besser. Seia war hochkonzentriert und zeigte das auch, indem ihre Zunge mitschrieb. Aber auch das nützte nichts, irgendwann rutschte sie ab und zog einen herrlichen Strich durch den Text.
    Seufzend verschränkte sie die Arme vor der Brust und sah den Caecilier vorwurfsvoll an. -.^


    "Das geht nicht. Darf ich nicht die Latrinen putzen gehen?" fragte sie und sah ihn bemitleidenswert zerknirscht an.


    Warum quälte er mich damit? Ich weiß ganz genau, dass er diese Abschrift binnen weniger Minuten schaffen könnte. Naja, jedenfalls weißt du jetzt, dass die ihm am Morgen nie wieder irgendwelche Briefe bringst, sondern sie dir erstmal durchliest und sie ihm am Nachmittag gibst.


    Sie wusste ja, dass er es gern sah, wenn sich jemand mal so richtig schön mit einer Aufgabe quälte.

  • Belustigt sah Crassus der Sklavin bei ihren Versuchen zu. Er hatte sich in seinem Stuhl nachhinten gelehnt und die Arme vor der Brust verschränkt. Er konnte sich zum Glück nicht mehr an seine ersten Schreibversuche erinnern, aber er war sich sicher, dass er einige Tintenfässer an die Wand geschmissen hatte, bis er endlich sein erstes Wort korrekt und vorallem leserlich schreiben konnte. Crassus hatte sowieso lange Zeit seines Lebens eine Krakelschrift gehabt, die meistens nur er Lesen konnte. Aber in den letzten Jahren hatte sich das gebessert. Er musste es ja auch verbessern, immerhin sollten seine Untergebene schon Lesen können, was Crassus ihnen befiehlt.


    Na, na! Wer wird denn schon aufgeben. munterte er sie auf. Ob sie wohl wirklich die Latrinen putzen müsste? Wäre ja eine Verschwendung! Crassus nahm sich vor, dass einmal zu überprüfen. Selbst viele Römer haben nie gelernt zu Lesen und Schreiben. Und falls sie es doch gelernt haben sollten, so haben sie sicher noch nie auf Pergament geschrieben. Lass dir ruhig so viel Zeit wie du brauchst, es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.


    Crassus fragte sich, seit wann er eigentlich so nett gegenüber Sklaven war. Irgendetwas muss doch passiert sein. Normalerweise war er ja sonst nicht so nett oder geduldig mit Sklaven. Er zuckte in Gedanken nur ratlos mit den Schultern, während er aufmunternd zu Seia sah. Versuchs noch ein mal.

  • "Also gut!" antwortete Seia und nahm den Federkiel wieder auf. "Aber ich bitte dich, sei mir hinterher nicht böse, weil ich so viel Pergament verschwendet habe." Irgendwie hatte sie das Gefühl, dass er ihr solche Aussagen nicht würde böse nehmen. Er machte so und so einen netten Eindruck, wie etwa zuletzt im Garten, als sie ihm aus dem Brustpanzer geholfen hatte. Peinliches Thema!


    Das Sklavenmädchen unternahm also gleich den nächsten Schreibversuch. Buchstaben für Buchstaben reihte sie aneinander, aber noch das ein oder andere mal machte sie etwas falsch oder ließ einen Buchstaben aus oder rutschte ab oder schrieb mit zu wenig Tinte. Am liebsten hätte sie den Kopf mehrmals auf die Tischplatte geschlagen, weil sie es dumm fand, dass sie nicht mal so einen kurzen Brief richtig abgschrieben bekam.
    Nach dem x-ten Papier, das traurigerweise verschwendet worden war, saß sie dann also an der finalen Abschrift und schielte zwischendurch zum Caecilier. Ob er schon eingeschlafen ist? Der Versuchung, ihm mit dem anderen Ende der Feder an der Nase zu kitzeln, entging sie sklavengerecht tapfer.


    Schon war der Gruß geschrieben und Seia seufzte erleichtert. War das eine Prozedur gewesen. Jetzt tat ihr ihr Kopf weh, aber mit Stolz sah sie auf ihr kleines Werk hinab. Es war nicht zu vergleichen mit den Handschriften anderer Leute, jener, die sich auch trauten auf Pergament zu schreiben und deren Briefe sie gerne las, und es war auch nicht wirklich schön, fand sie. Aber selten. Dieser Dio würde sich zweifelsohne wundern, wer ihm da geschrieben hatte und ob der zu viel getrunken hatte, als er ihm 3000 Sesterzen versprach.


    Seia schmunzelte und rutschte das Pergament auf dem Tisch in Richtung Crassus.

  • Ne, bin ich bestimmt nicht.


    Wäre Crassus auch nicht, da er durch die Schreibversuche der Sklavin sehr gut unterhalten wurde. Mal schrieb die Zunge hochkonzentriert mit, mal schrieb sie entnervt auf dem Stück Papier, wo das scheitern dann schon vorprogrammiert war. Besser als jedes Theaterstück!, fand Crassus amüsiert. Als sie dann fertig war und Crassus den Brief hinüberrutschte, dauerte es einige Momente, bis Crassus endlich aus seinen Tagträumereien erwacht war.


    Salve Dio,


    Einen Tierpark halte ich für eine gute Idee, um das Erbe Antons zu wahren. Deshalb werde ich dir sobald als möglich einen bescheidenen Betrag in Höhe von 3000 Sesterzen als kleine Unterstützung für dein Vorhaben überweisen.


    Und bevor ich es vergesse: Die endgültige Einladung zum ersten Treffen der Amici orationis liberae habe ich erhalten und werde dort auch - vorraussichtlich ohne Begleitung - erscheinen.


    Vale,
    Crassus
    Praefectus Praetorio


    Er überflog das Ergebnis und war am Ende zurfrieden. Sicherlich, sein Scriba hätte es besser, schöner und schneller hinbekommen, aber dem bei der Arbeit zuzuschauen war eine Zumutung und nicht so ein Vergnügen.


    Na also, sieht doch gar nicht mal so schlecht aus. er legte den Brief bei Seite: Und? Hats Spaß gemacht? Soll ich dir noch mehr Briefe zur Abschrift geben?


    Crassus grinste breite, ging er doch davon aus, dass die Sklavin nun genug habe und froh war, es endlich und halbwegs gut über die Bühne gebracht zu haben. Aber falls nicht, an Briefen würde es sicherlich nicht mangeln.

  • Seia verschnaufte offensichtlich, als Crassus den Brief zufrieden zur Seite legte. Das bedeutete Erlösung von Gedenken an Anton. Sie wollte diesen wirklich kein einziges mehr abschreiben, so häufig, wie sie kurz vorm Ende gescheitert war.
    Am liebsten hätte sie ihm ja gleich mal den Brief um die Ohren gehauen, als er sie geradezu neckte und ihr anbot, diese langweilige Arbeit gleich noch mit ein paar anderen Briefen auszuüben. Sie stemmte die Arme in die Seiten und schüttelte bestimmt den Kopf.


    "Oh nein. Hin und wieder werd ich dir den Wunsch gerne erfüllen, damit du in aller Ruhe noch ein wenig ausschlafen kannst, aber nach wie vor putze ich doch lieber noch die Latrinen. Da kann ich nichts falsch machen und so anstrengend wie das Schreiben ist es auch nicht.", antwortete sie ihm und schob demonstrativ Tinte, Papier und Feder ganz weit von sich weg.


    Dabei stimmte das mit dem Spaß gar nicht, weshalb sie hinterher schelmisch zwinkerte. Ihr hatte das Schreiben großen Spaß bereitet, auch wenn es ihr so schwer gefallen war. Und es war ganz gewiss eine bessere Arbeit als das Putzen. Für die Latrinen war sie auch nicht zuständig. Aber Seia übertrieb nunmal gern ein wenig.


    "Hast du denn sonst noch einen Wunsch?", fragte sie und erinnerte sich somit daran, dass sie eine Sklavin war.

  • Du musst nicht wirklich die Latrinen putzen, oder?


    fragte Crassus nun doch etwas verunsichert. Er war zwar bisher davon ausgegangen, dass sie es sicher nicht musste, aber sooft wie sie es wiederholt hatte, ließ das doch tatsächlich Crassus zweifeln. Wer weiß, vielleicht erlaubte sich da der Chefsklave doch tatsächlich einen schlechten Scherz und ließ die Neue die Latrinen putzen, was natürlich in dem Fall nicht angehen konnte. Nicht, dass es prinzipiell unmöglich wäre, dass die Neuen die Latrinen putzen, aber meistens war das doch eher eine Strafe und man beauftragte damit eher "unförmigere" Sklaven.


    Den hätte ich tatsächlich. hier konnte sich Crassus ein schelmisches Zwinkern nicht verkneiffen. Da war doch glatt die Fantasie mit ihm durchgegangen: Gehe in die Sklavenunterkünfte und sorge dafür, dass Verres und Nadia zu mir hierherkommen. Ich muss mit ihnen ein ernsthaftes und für sie recht schmerzhaftes Gespräch führen.


    holte sich Crassus selbst wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Die Strafe für Verres stand schon viel zu lange aus und sollte nun endlich vollstreckt werden. Glücklich war Crassus darüber nicht, er könnte sich weitaus schönere Möglichkeiten vorstellen, um seinen Tag zu verbringen.

  • "Nein.", antwortete Seia dem Caecilier mit einem frechen Lächeln und verzog schließlich das Gesicht. Diese Aufgabe hätte sie bestimmt nicht gern getan, aber wenn Fabricianus sie ihr aufgetragen hätte... Sie war nur eine Sklavin.


    Als er ihr vielsagend zuzwinkerte, zog sie beide Augenbrauen nach oben und lächelte ihn an. Soso, so dachte er also. Freilich, er war ein Mann. Na, wenn sie einmal mehr Zeit hatten.... Dann jedoch gab er ihr schon eine weitere Aufgabe. Sie sollte Nadia und Verres zu ihm schicken, und wie er sich anhörte, würden sie nicht mal eben Gespräch führen, wie er es eben mit ihr gemacht hatte. Was die beiden wohl verfressen hatten? Seia hatte das nicht wirklich mitbekommen.
    Aber schmerzhaft..... Seia wusste nicht, ob sie wissen wollte, was das bedeutete. Crassus war ihr gegenüber bislang immer äußerst freundlich gewesen, aber er war stark. Sie wollte nicht unbedingt von ihm bestraft werden. Hm. Da lässt sich doch vorbeugen. Vielleicht kannst du ihn ja so für dich gewinnen, dass er über kleine Fehler einfach hinwegsieht. Und große Fehler machst du eben nur, wenn keiner sie mitbekommt. Ja, das ist ein Plan.


    "Ja, Herr, ich werde sie suchen und zu dir schicken.", meinte sie mit süßer Stimme, stand auf und berührte ihn nicht zufällig ganz sacht mit ihrer Hand seinen Arm.

  • Die Reaktion auf Crassus eindeutige Andeutung entging ihm selbstverständlich nicht, hatte er doch extra auf sie gewartet und sie provoziert. Und er war mit ihrer Reaktion nicht unzufrieden. Weder sprach das pure Erschaudern aus ihren Augen, noch schreckte sie zurück, im Gegenteil, sie lächelte sogar kurz. Das war für Crassus nicht sonderlich überraschend. Die meisten schönen Sklavinnen wurden in früheren Haushalten gerne für solche Dienste genutzt. Und diese Dienste machten ein schönes Leben mit vielen Freiheiten und sogar mit etwas Luxus möglich, weil kein Herr der Welt, würde seine Lieblingssklavin hart arbeiten lassen, war sie doch für andere Aufgaben viel besser zu gebrauchen. Als sie dann seinen Arm streifte, ob es absichtlich war oder nicht, konnte Crassus nicht wirklich erkennen, sah er grinsend zu ihr auf. Ha, da würde er sich doch vielleicht das Geld für Lucianus Lupaner sparen können.. ;)


    Mach das. Sie sollen hier dann auf mich warten. Ich werde nämlich gleich noch einiges erledigen gehen und mich umziehen und frisch machen.

  • "Ich werde es ihnen ausrichten, Herr.", antwortete sie ihm noch einmal untertänigst und zwinkerte ihm keck zu, dann verließ sie auf leisen Sohlen auf der Suche nach Nadia und Verres sein Büro.

  • Crassus wartete bis sie den Raum verlassen hatte und verließ ihn dann selber um sich umzuziehen und zu waschen. Er ging davon aus, dass wenn er wieder kommen würde, Nadia und Verres schon hier in dem Officium warten würden.

  • Nur unwillig hatte sie dieses Büro betreten und sie hatte schon geahnt, dass sie die erste sein würde die hier war. Sie verschränkte ihre Arme vor der Brust und schritt langsam weiter in den Raum hinein. Nadia wollte eigentlich nicht, dass er ihre Angst sehen würde und sie würde sich von ihm auch nicht weiter brechen lassen und schon gar nicht würde sie für ihn arbeiten. Er sollte seine Sachen selber machen sie gehörte nicht ihm und eigentlich hatte er nicht einmal Beweise dafür, dass er wirklich sie behalten durfte. Hatte er etwas schriftliches? Sie hatte nichts gesehen und vielleicht konnte sie darauf pochen und hoffen, dass er sie dann gehen lassen musste. Auf dem Tisch sah sie Schreibutensillien und ihr kam eine Idee, denn sie musste an Cato eine Nachricht noch schreiben. Er musste doch erfahren was mit ihr war. Sie versuchte nicht so intensiv daran zu denken das machte sie nämlich wahnsinnig und das warten hier auch. Jetzt wäre es zu gewagt einen Brief zu schreiben aber sie würde in der Nacht wieder hier her kommen und sich dann in eine Ecke verkriechen wo sie dann etwas schreiben konnte. Nervös wartete sie also ab was nun weiter passieren würde.

  • Auf dem Weg in das Büro seines Herren hatte Verres weiterhin das Bild von Carmes Gesicht vor Augen und ein breites, aber glückliches Grinsen, welches ihm wahrscheinlich bald vergehen sollte, hatte Crassus ihm doch eine Strafe angedroht. Aber Verres war nicht der Mann, der sich Zweifeln und Ängsten hingab, wo sie vielleicht gar nicht angebracht waren. Er würde schon sehen, was auf ihn zu kam. Und überhaupt sah sie Welt im Moment viel schöner aus, seit er spürte, wie verliebt er doch in Carmen war. Wie faszinierte ihn diese Frau und allein die Tatsache, dass sie auch hier lebte, liess ihn sein Sklavendasein vergessen und auch, was Crassus wohl von ihm wollte.


    Und so gelangte er schliesslich relativ gut gelaunt in das Büro seines Herren. Er war hineingerauscht, ohne anzuklopfen, weil er es schlichtweg vergessen hatte. Wie gut das der Herr nicht da war.
    Und dann sah er Nadia, welche mit dem Rücken zu ihm stand.
    Er ahnte, dass ihre Laune sicherlich viel düsterer aussah, aber vielleicht konnte er sie ja ein wenig aufmuntern, so lange Crassus nicht da war.
    "Hallo Nadia!" sagte er gut gelaunt und schloss die Tür hinter sich. "Wie? Der Herr lässt uns warten?" fragte er sarkastisch und grinste frech. Seine gebrochene Nase war zwar noch zu erkennen, aber sie schmerzte kaum mehr.

    "Hast du ein wenig schlafen können?"
    Er trat neben sie und blickte sie an. Erst jetzt sah er, dass sie wohl viel nervöser war als er.

  • Sie schien hier schon eine Ewigkeit zu warten und das machte sie langsam aber sicher Wahnsinnig. Als sie dann die Tür hörte blieb sie einfach so stehen und suchte sich einen Punkt den sie angucken konnte. Ihr Herz machte eh einen Satz nach dem anderen und viel blieb ihr auch nicht über was sie machen konnte. Es gab auch nur zwei Möglichkeiten wer es sein konnte und sie war erleichtert, dass es die zweite davon war, nämlich Verres. Seine fröhliche Art steckte sie keineswegs an und sie sah auf den Boden und packte sich nur noch fester an den Armen.
    "Ein wenig und nicht viel" sagte sie und versuchte ihn nicht weiter anzusehen. Es machte sie nur noch wahnsinniger hier stehen zu müssen, doch dann drehte sie sich zu ihm. "Ich muss hier raus" brach es aus ihr raus und gleichzeitig bereute sie diese Worte wieder. Was fiel ihr nur ein hier zu sagen? Sie seufzte es war doch alles zum verzweifeln und sie wollte doch unbedingt zu Cato. Sicher machte er sich schon Sorgen weil sie nicht zum Treffpunkt gekommen war.

  • Verres gute Laune verschwand zwar nicht, aber es war nun wohl angemessener bei Nadias Anblick und Worten, ein wenig ernster dreinzuschauen. Und er konnte ja im Ansatz auch verstehen, wie sie sich fühlte. Sie war eine Frau und hatte sicherlich weniger zu lachen, als es ein Sklave tat. Oder zumindest Verres.
    Aber Verres war gerade so gut gelaunt und verliebt, dass er nicht an sich halten konnte. Und so legte er seine Hände auf Nadias Schultern, nicht ferst, eher freundschaftlich und blickte sie von oben an, obwohl er etwas in die Knie gehen musste, um nicht ganz so groß zu wirken. Ob er mit dieser Geste ihr zu nahe treten würde, würde er sicherlich gleich erfahren, schliesslich kannten sie sich kaum. Aber ihm war danach, denn er mochte es nicht, wenn Frauen so traurig und verbittert waren.
    "He, das wird schon wieder alles. Lass nicht den Kopf hängen. Und ich muss mich noch mal sehr herzlich bei dir bedanken!! Das war sehr mutig von dir." Etwas ernster fügte er dann hinzu: "Auch wenn es dir nur verdammten Ärger eingebracht hat. Aber du kannst denn och in deinem Herzen stolz auf dich sein!!"


    Verres merkte erst langsam, wie dir Situation ernster war, aber er konnte nicht anders, da er so verliebt in Carmen war und dies wurde ihm immer bewusster.

  • Was war nur mit diesem Typen hier los, dass er so sein konnte wie er war. Hatte er getrunken und waren seine Sinne so benebelt, dass er nicht mehr klar denken konnte? Das war alles die Höhe. Sie konnte auf nichts stolz sein, denn sie wäre sicher schon längst eine freie Frau wenn sie ihm nicht hätte helfen wollen und nun kam er auch noch mit dieser Masche. Ihre Unsicherheit machte ihrer Wut Platz und sie schlug seine Hände von ihren Schultern und scheuerte ihm gleichzeitig eine ins Gesicht.
    "Toll, dass du es so sehen kannst und dich auch noch darüber freuen kannst hier zu warten, auf deine Strafe zu warten und mir dann noch zu sagen wie toll ich es doch gemacht habe, dass ich hier bin."
    Sie wandte sich schnell von ihm ab und trat an das Fenster um zu versuchen nicht noch mehr auszurasten, denn sie war kurz davor einen wirklichen Anfall zu bekommen. Sie kochte förmlich und ihre Gedanken waren nur bei Cato und machten sie deswegen noch aggresiver. Auf seine Hilfe konnte sie nicht hoffen und ihr Vertrauen schwand von Minute zu Minute.

  • Spätestens, nachdem Nadia, wie er sich eigentlich hätte denken konnte, seine Hände von ihren Schultern schlug, sollte ihm bewusst sein, dass er sich nicht angemessen verhielt. Doch als sie ihm dann auch noch mit der flachen Hand ins Gesicht schlug, wurde es ihm klar: Sie Situation, sein Leben und der Ort, an dem er sich befand. Doch schlagen liess er sich von niemanden gerne, auch von einer Frau nicht und auch wenn es nicht sehr schmerzte, so war es die Demütigung, welche er für einen kurzen Moment empfand. Sie teilte also doch auch, was sie an anderen Menschen hasste und auf einmal war es dahin mit seiner Bewunderung für sie.


    Er sah ihr nach und sprach ernst: "Es tut mir leid, wenn ich dir zu nahe gekommen bin. Aber hab ich da gleich Schläge verdient? Was bist du nun anderes als Crassus?"

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