LEGIO I im Manöver

  • Arius war froh über den Halt, konnte er nun endlich wieder durchatmen. Außerdem hatte er so die Möglichkeit, kleine Steinchen aus seinen Sandalen zu putzen, die ihm während des Marsches hineingerollt waren und für deren Entfernen er keine Zeit gehabt hatte. Nachdem er seine Wunden so gut wie möglich versorgt hatte, kontrollierte er seine Ausrüstung immer und immer wieder, damit er morgen auch vollkommen einsatzfähig sein würde. Eine Weile lang beobachtete er auch die anderen Soldaten, die noch immer diesen mißmutigen Ausdruck von gestern hatten, der sich aber mit vorangehender Stunde immer mehr in einen ernsthaften und angestrengten wandelte, sichtlich über den morgigen Tag nachdenkend.
    Dann begab er sich zu Victor, hatte er doch die letzte Zeit über fast kein Wort mit ihm gesprochen.
    "Ave Victor, wie geht es Deinen Füssen?"


    [SIZE=7]Simoff: Sorry, für die lange Abwesenheit, war mit Matura beschäftig.[/SIZE]

  • Trotz der frühen Ankunft am letzten Abend hatten die Soldaten nicht sofort Ruhe gefunden. Wegen der Nähe zum Feind musste das Lager gut befestigt werden. Starke Nachtwachen waren eingeteilt worden und vor Aufregung hatten viele in der verbleibenden Zeit kaum ein Auge zu bekommen. Trotzdem erwartete man heute von ihnen, in Bestform zu sein und in die Schlacht zu ziehen.
    Macer hielt sich nicht lange mit einer Ansprache auf: "Soldaten, heute ist der Tag gekommen, an dem sich zeigt, ob wir die beste Armee der Welt sind. Ihr habt in den letzten Tagen und Wochen viel von eurem Können gezeigt. Ihr habt in schwerem Gelände Lager gebaut. Ihr habt Trockenheit überstanden. Ihr habt aus dem Nichts einen Schiffslandeplatz gemacht. Ihr habt im Eilmarsch eure Schnelligkeit bewiesen. Jetzt ist es an der Zeit, euch im Kampf zu beweisen und euren Kameraden zu helfen."


    Tross und Gepäck blieben im Lager zurück, um die Truppe nicht unnötig zu behindern. Aus jeder Centurie blieben die zu sehr erschöpften und die Verletzten zurück, um den Tross zu verteidigen, falls es nötig wäre. In der Schlacht wären diese nicht einsatzfähigen Männer keine Hilfe gewesen. Jetzt halfen sie wenigstens den Eindruck zu vermeiden, der Tross sei unbewacht.
    Der Rest der Truppe zog gefechtsbereit, mit aufgesetzten Helmen und Schild am langen Arm aus dem Lager auf die Bergkette zu, die sie vom Versorgungslager trennten. Nach zwei Stunden Aufstieg erreichten sie den niedrigen Gebirgskamm. Die taktische Situation war ungewöhnlich: zum einen hatte der Feind ihre Ankunft am Vortag noch nicht bemerkt und rechnete daher nicht mit einer Attacke. Zudem hätten Reitereinheiten aus dem Tal heraus bei einem Angriff bergauf auf die Legionäre kaum eine Chance. Andererseits mussten die Legionäre sich nun in Schlachtformation aufstellen, den Kamm überqueren und ins Tal hinab - ein Unterfangen, was seine Zeit dauerte und einen echten Überraschungsangriff unmöglich machte. Bis sie angekommen waren, hatte der Feind genug Zeit, sie zu bemerken und sich auf sie einzustellen.
    Die Offiziere gruppierten ihre Einheiten aus der langen Marschkolonne um ein eine breite Reihe, die als Front den Berg hinab steigen sollte. Unten in der Ebene mussten sie sich dann zu einer kompakten Wand vereinigen, die den Durchbruch zum Versorgungslager schaffen konnte.


    Als die Einheiten auf ihren Positionen waren, bliesen die Hörner zum Angriff. Wenn man den Feind schon nicht überraschen konnte, so mussten man ihn wenigstens gehörig erschrecken. Das Geräusch hallte von den Bergen wider und erfüllte das ganze Tal. Unter rhytmischen Klopfen mit den Speeren auf die Schilde setzten sich die Legionäre hangabwärts in Bewegung. Unter den Feinden im Tal brach überrachtes Chaos aus. Es dauerte eine ganze Zeit, bis sich die dort versammelten Reiter und Fußsoldaten darauf geeinigt hatten, wie sie dem neuen Gegner gegenüber treten sollten. Die tapfer verteidigende fünfte Kohorte innerhalb des Versorgungslagers trug ihr übriges dazu bei, indem sie beim Anblick ihrer Kameraden an den Berghängen in Jubel ausbrachen, um kurz darauf jeden Feind, der sich aus Verwirrung versehntlich ungedeckt oder zu nahe ans Lager heran gewagt hatte, mit einem Hagel aus allen erdenklichen Wurfgeschossen vollends aus der Fassung zu bringen. Hatte Macer beim ersten Beobachten noch gesehen, wie die Legionäre einen Angriff mit Hilfe von Schanzwerkzeugen abwehrten, bemerkte er nun, dass die Soldaten sogar mit ihren bronzenen Kochtöpfen nach den Gegner warfen und damit gar nicht mal unbeträchtliche Erfolge gegen die nach wie vor überraschten Feinde erzielten. Der Kommandeur der fünften Kohorte musste seinen Männern wahren Heldenmut eingeimpft haben.


    Als die Legionäre von den Berghängen hinab gestiegen waren und ihren Schildwall formten, sahen sie sich aber immerhin einer halbwegs organisierten Masse von verschieden bewaffneten und gepanzerten Reitern, berittenen und unberittenen Bogenschützen (oder ehemals berittenen Bogenschützen, die inzwischen ihr Pferd eingebüßt hatten oder in der Eile nicht mehr zum Satteln gekommen waren) sowie einigen Fußtruppen gegenüber. Langsam rückten die Gruppen aufeinander zu. Die offene Schlacht war das Metier der schweren römischen Infantrie, hier konnten die Legionäre glänzen. Der Feind versuchte sie, mit Pfeilbeschuss zum Anhalten zu bringen, aber gegen die dicht gestaffelten Schilde half dies wenig. Die feindliche Reiterei war der Legionskavellerie zwar zahlenmäßig überlegen, schaffte es aber trotzdem nicht, die Schlachtreihe zu umrunden, um sie von hinten zu attackieren oder die hohen Offiziere in Gefahr zu bringen. Die Legionäre hatten die letzten Meter schweigend zurück gelegt, nur das Klappern und Klirren von Metall war zu hören. Jetzt erschallten ein paar scharfe Befehle aus den Mündern der Centurionen und die ganze Reihe macht einen Satz nach vorne und schleuderte einen Hagel von Wurfspeeren auf den Gegner. Fast zeitgleich zogen sie ihre Schwerter und machten sich um Nahkampf bereit. Während die feindlichen Fußtruppen noch mehr oder weniger erfolgreich versuchten, die Speere abzuwehren oder ihnen auszuweichen, ohne ihre Vorwärtsbewegung maßgeblich zu bremsen, machten die Wurfgeschosse den Reiter und vor allem deren Pferden schon größere Probleme. Das führte dazu, dass Sekunden später der Schildwall der Legionäre auf eine nur noch stellenweise geschlossene Formation krachte. Die Wucht der acht Mann tief stehenden Schlachtreihe überrollte die Feinde fast wie eine Dampfwalze. Viele lagen bald schon am Boden, bevor sie auch nur einen Schwerthieb abbekommen hatten.


    Natürlich kam den Legionären auch zu Gute, dass sie zahlenmäßig so weit überlegen waren, dass der Gegner seinen Vorteil der starken Reiterei nicht zur Geltung bringen konnte. Schon nach wenigen Minuten war der Feind in alle Richtungen auseinander getrieben und auch die Schlachtreihe zerfiel in mehrere Einzelteile. Während sich zwei Kohorten bis zum Zugang des Versorgungslagers durchgeschlagen hatten und der Auftrag der Rettung der Kameraden damit erfüllt war, setzten die anderen in kleinen Gruppen den flüchtenden Feinden nach, bis sie "getötet" waren oder das Tal in nördlicher Richtung verlassen konnten.

  • "Salve Arius! Danke der Nachfrage, aber meine Füße haben sich mittlerweile an die Dauerbelastung gewöhnt. Aber wie geht es dir und wo warstdu solange? Komm erzähl."


    Während sich die beiden Legionäre über den Verlauf des Manövers unterhielten reparierte und pflegte Victor seine Ausrüstung, als ihm plötzlich eine Idee kam:


    " Arius, wollen wir bei der anstehenden Schlacht Seite an Seite kämpfen? Ich empfinde dich als meine besten Freund in der Legion und darum frage ich dich: würdest du gerne neben mir stehen, wenn wir Morgen in die Schlacht ziehen? Traust du mir zu das ich genauso gut kämpfe wie du und dich und auch mich bei Gefahr schützen kann?"


    Victor blickte Arius fragend in die Augen und reichte ihm die Hand, um eine mögliche Freundschaft zu besiegeln.

  • Geschützt von einem Teil der Reiterei und einer Centurie der ersten Kohorte hatten die Offiziere den Kampf hinter den Schlachtreihen verfolgt und waren mit dem Verhalten der Legionäre sehr zufrieden. Jetzt zogen sie in das befreite Versorgungslager ein und liessen zum Sammlen blasen. Tribun Macer wandte sich an die schwitzenden und schnaufenden Männer: "Legionäre, ihr habt eure Sache sehr gut gemacht! Ihr habt Disziplin gezeigt und Entschlossenheit. Ihr habt Mut und Kampfesgeist bewiesen und seit trotzdem nicht planlos losgestürmt. Ihr habt eure Stärken bewusst eingesetzt und keine Schwächen gezeigt. Auf das Ergebnis dieser Übung könnt ihr stolz sein." An die Verteidiger des Versorgungslagers gewandt fügte er hinzu: "Ihr habt eure Sache ebenso gut gemacht. Ihr habt eure Stellung gehalten, so wie es euch befohlen wurde und ihr habt euch nicht vertreiben lassen durch einen stärkeren Gegner, sondern euch auf eure eigenen Stärken, euren Mut und auf die Treue eurer Kameraden verlassen. Und wir alle konnten heute sehen, dass die römischen Legionen damit siegreich sind!" Die Legionäre brachen in Jubel aus und freuten sich über die erfolgreiche Schlacht.


    Nach einer kurzen Pause machten sie sich daran, dass Schlachtfeld zu räumen, die Verletzten zu versorgen und das Lager für die Nacht herzurichten. Die Reiterei war ausgeritten, um den Tross abzuholen, damit die Soldaten möglichst noch vor Einbruch der Dunkelheit ihre Zelte aufstellen konnten. Trotz der Anstrengungen des Tages ging den Soldaten dank der guten Laune aller die viele Arbeit leicht von der Hand.


    Macer beobachtete bei einem abendlichen Rundgang die Aktivitäten der Soldaten und liess sich dabei von einigen Centurionen über das Verhalten der Soldaten in der Schlacht berichten. Sie kamen auch an einer Gruppe von Soldaten vorbei, die es sich vor ihrem Zelt gemütlich gemacht hatten. Macer entdeckte Victor, der sich gerade behaglich seine Füße massierte und war ihm einen anerkennenden Blick zu. Erfreut stellte er fest, dass auch Arius, den er noch von der Geschützausbildung in guter Erinnerung hatte, zu der Gruppe gehörte. Hier saßen also die Männer kameradschaftlich zusammen, die die Zukunft der Legion sein könnten...

  • Arius war froh neben Victor gekämpft zu haben, war er doch so dank ihm ohne größere Blessuren davongekommen. Er schmunzelte, als er sah, wie lange Victor seine Füße massierte und mit welcher Sorgfalt er von Zehe zu Zehe wanderte.


    "Victor, ich bin froh, dass ich in der Schlacht neben Dir stehen durfte." Er lachte und klopfte ihm auf die Schulter. "Und mich beschleicht der Verdacht, dass Du schon längst besser bist als ich."

  • Meridius indess begann noch am selben Tage sämtliche Meldungen der zuständigen Offiziere zusammenzutragen und zu bündeln. Wer war verletzt, wer fiel längere Zeit aus, welcher Art waren die Verletzungen, wie viele Ausrüstungsgegenstände fehlten, wieviele waren zerstört, wieviele beschädigt, wie hoch war der Bestand an Material und Nahrung und vor allem, wie hoch und teuer würden die Neu-Anschaffungen sein. Wenn jetzt für die meisten das Manöver zu Ende ging, für den Verwaltungsstab ging die Arbeit jetzt erst richtig los.


    Und dann gab es da noch ein paar traurige Fälle, wie bei den meisten Manövern größeren Ausmaßes. Drei Legionäre kamen durch Unfälle ums Leben, acht wurden schwerers verletzt, so dass sie wohl kampfuntauglich geschrieben werden mussten. Meridius nahm die Liste der Namen entgegen und begab sich umgehends zu Macer um ihm Meldung zu geben...

  • "Danke für das Lob Arius, aber sollte ich jemals besser werden, als du kannst du dir sicher sein, dass ich das meiste von dir gelernt habe!"

  • Am heutigen Tag liess man den Soldaten etwas mehr Zeit beim Aufbruch. Sie hatten in den letzten Tagen wahrlich genug Leistung gezeigt, da hatten sie sich einen ruhigen Ausklang des Manövers verdient. Zudem erforderte der Abbau des Versorgungslagers ohnehin mehr Zeit als der eines üblichen Marschlagers.


    Während die Soldaten also gemächlich arbeiteten und alles für den Abtransport bereit machten, hatten Macer und die übrigen Offiziere umso mehr zu tun. Es musst wieder ein großer Tross organisiert werden, die Situation der Verletzten erforderte besondere Beachtung und immer wieder machte dieser oder jener Unteroffizier eine Meldung, das etwas fehle, etwas wieder aufgetaucht sei, etwas kaputt sei und manchmal einfach nur, dass sie eine Aufgabe erledigt hätten. Um einiges kümmerte sich Macer perönlich, mal verwies er an einen anderen Offizier, mal übernahm der Praefectus Castrorum eine Aufgabe. In jedem Fall erforderte der Aufbruch fast genauso viel Konzentration wie die Schlacht vom Vortag.


    Als die Truppe sich endlich in Bewegung setze, konnte sie immerhin wieder die bereits erprobten Pfade des Hinwegs nutzen und kam recht schnell vorwärts. Auch das abendliche Marschlager fiel in der Verson für gesichertes Heimatland wieder deutlich einfacher aus, als die stark gesicherten Kampflager der letzten Tage.

  • Da sich die Legion wieder auf dem Rückweg befand, das Manöver im Prinzip als beendet angesehen werden konnte, beschloss Meridius den Abmarsch aus den einzelnen Lagern, sowie den Abbau der vielen Versorgungsdepots persönlich zu kontrollieren. Er holte sich daher die Erlaubnis des Tribuns ein, sammelte ein paar Verwaltungsoffiziere zusammen, einen verstärkten Trupp Pioniere und eine Ala zu Sicherunsgaufgaben und verließ auf den jeweiligen Etappen die Lager nach letzter Überprüfung immer als letzter. Schließlich sollte nichts zurückgelassen werden und auch wirklich alles reibungslos ablaufen.

  • Tribun Macer war froh, dass ihm sein Lagerpräfekt auch auf dem Rückweg eine Menge Arbeit abnahm. Auch den Soldaten merkte man an, dass sie über die baldige Rückkehr in die Kaserne froh waren und so verlief alles recht reibungslos und schnell - es ging ja auch wieder bergab, hinaus aus dem Appenin und auf die Westküste zu das auch noch in Richtung der Hauptstadt...

  • Dafür, dass die Soldaten nun schon über drei Wochen unterwegs gewesen waren, marschierten sie äußerst zügig dem Standlager der LEGIO I entgegen. Macer rechnete nun mit einer Ankunft am morigegen Abend und damit einen Tag früher als geplant. Deshalb ging er an diesem Abend wieder einmal mit einigen Offizieren Berichte über das Verhalten der Soldaten durch, um seine eigenen Einschätzungen mit denen der anderen zu vergleichen, Kandidaten für Beförderungen feszustellen und ein bisschen 'was für seine Abschlußrede zu haben.


    Immerhin hatten ihn Reiter, die schonmal bis Rom vorgeritten waren und am Abend zurück kamen, ihm die neusten Nachrichten über die Lage in der Stadt gebracht und halbwegs offiziell wurde dann auch mitgeteilt, dass die Soldaten nach den Ankunft einen Tag frei bekommen sollten, um die Wagenrennen im Circus besuchen zu können.

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