[Forum Boarium] Templum Mercuri

  • "Ja, vermutlich war ich kleiner. Trotzdem irgendwie merkwürdig."
    Da Diademata nach ihrem Umzug nach Baiae nur dort oder regelmäßig in Misenum und den anderen Küstenstädten rund um die Bucht gewesen war, hatte sie diese Art der kindlichen Perspektivenverzerrung tatsächlich sonst noch nie erlebt.
    Am Ende ist Rom doch gar nicht so groß! Ach was, Rom ist die größte Stadt der Welt, wenn das nicht reicht, dann werde ich nirgends fündig werden!


    Erstmal war das aber sowieso unwichtig. Denn jetzt stand das Opfer an.


    Senecas Scherz quittierte sie mit einem kecken Grinsen.
    "Ich habe natürlich in weiser Voraussicht nur unblutige Opfergaben dabei!" Diademata winkte Tarik mit dem Korb herbei. "Wein, Kuchen und ein paar Münzen. Ein blutiges Opfer habe ich in Baiae schon gebracht, das ist nur nochmal ein kleiner Dank. Wer weiß wann ich mich zum ersten Mal in Rom verlaufe und für den Rückweg zur Casa Iunia wieder Merkurs Hilfe brauche."
    Auch wenn sie es belustigt so daher sagte war ihr bei dem Gedanken doch ein bisschen mulmig zumute. Ihre Mutter hatte ihr zu oft eingebläut nie allein durch Rom zu streifen.


    "Magst du mit rein zum Altar kommen oder kurz hier warten? Es wird ja nicht lange dauern."

  • "Ich denke Merkur wird sich freuen eine so hübsche junge Dame in seinen Hallen begrüßen zu dürfen, da würde meine Fratze nur fehl am Platz wirken, du bist ja nicht lange weg.", scherzte Seneca und suchte sich schonmal mit seinen Augen ein nettes Plätzchen. Er mochte es nicht besonders an einer Opferung teilzunehmen, wenn er selbst nichts darzubringen hatte, stand man nur peinlich berührt in der Ecke herum, in etwa so wie wenn alle ein Ständchen für einen bringen, und man nicht wirklich weiß was man die nächsten Sekunden tun soll...

  • Diademata lächelte ein bisschen verlegen. Vielleicht sollte sie nochmal ernsthaft darüber nachdenken ob Seneca nicht doch weit genug entfernt verwandt war um ihn zu heiraten. Aber dazu war noch genug Zeit immerhin musste er erst einmal Centurio werden.


    "Ich akzeptiere das mal auch wenn es wirklich eine schlechte Ausrede ist!" Mit einer fließenden Bewegung zog Diademata ihre Palla vom Kopf und öffnete den Zopf, der ihr Haar zusammen hielt. Eigentlich bevorzugte sie eine modische Hochsteckfrisur aber das war zum Opfern einfach unpraktisch.
    "Denn während die Götter auch hinter die Fassade blicken und ihnen 'Fratzen' daher sowieso egal sind, hast du wohl kaum einen Grund dazu dich zu verstecken. Ganz im Gegenteil."
    Sie ließ das einfach mal so im (freien) Raum stehen, genau wie Seneca.


    Tarik folgte ihr mit dem Korb zum Tempel. Vor der Tür zog Diademata ihre Schuhe aus bevor sie in den Innenraum trat. Es war angenehm kühl, wenn auch ein bisschen rauchig und neblig von den vielen Räucherungen. Ein alter Mann hatte gerade sein Gebet beendet und ging selig lächelnd an ihr vorbei.
    Diademata trat an den Altar nach vorne. "Großer Merkur, ich, Iunia Diademata, bringe dir meinen Dank dass du mich auf der Reise von Baiae hierher nach Rom beschützt hast. Ich bringe dir Wein und Kuchen und ein paar Münzen."
    Tarik reichte ihr die Opfergaben und die Iunia drapierte den Kuchen vor den Füßen der Merkur-Statue und goss den Wein in die Aushöhlung für die Trankopfer. Glucksend rann die Flüssigkeit durch ein kleines Loch am Boden der Vertiefung ab. Dann legte sie die Münzen in eine Schale.
    "Ich danke dir, großer Merkur, für dein Wohlwollen!" Nachdem der letzte Tropfen im Inneren des Altars (oder darunter) verschwunden war lächelte Diademata zur Statue empor und zog sich dann leise aus dem Tempel zurück. An der Tür wartete schon eine weitere Frau die dem Gott ihre Aufwartung machen wollte.


    Flink zog Diademata wieder ihre Schuhe an, verknotete ihre Haare provisorisch und legte die Palla darüber. Dem wartenden Seneca winkte sie schon vom Treppenansatz zu und beeilte sich hinab. "Da bin ich wieder!"

  • Natürlich mochte auch Seneca es wenn man ihm ein wenig schmeichelte, er lächelte und blickte seiner zugegebenermaßen entfernten Verwandten hinterher als sie sich in den Tempel bewegte, um sich danach ein kleines Plätzchen auf einer Bank zu sichern und zu warten. Mal einfach nichts zutun hatte auch was schönes, auch wenn zuviel Muße nicht gut auf den Gemütszustand des Iuniers wirkte, ein paar Momente der Ruhe waren durchaus zu vertragen.
    Als sie wieder herauskam erhob sich Seneca sofort wieder, "Ich hoffe Merkur hat deine Opfer mit wohlwollen entgegen genommen.", sagte Seneca und fuhr fort, "Nun, wo magst du hin? In Rom ist viel los momentan, also eigentlich immer, also such dir einfach was aus.", mit einer auffordernden Geste zeigte Seneca in Richtung des Weges auf welchem sie auch gekommen waren..

  • Klimperte da etwas in seinem Tempel? Mercurius war gerade dabei, sich ein wenig auszuruhen, als er ein wohlbekanntes Geräusch hörte. Klingende Münzen, der Gott der Händler und Diebe liebte ihr Geräusch.
    Die Sterbliche brachte ein kleines Dankgebet an ihn dar, ein hübscher Kuchen, etwas Wein, und da waren sie, die Münzen, die so schön geklingelt hatten. Mercurius sah sehr wohlwollend auf das Opfer herab.


    Als die Sterbliche den Tempel verließ, zog er als Windhauch kurz an ihr vorbei und streifte sie leicht. Sein Segen würde ihr heute sicher gute Dienste erweisen, sollte sie etwas kaufen wollen.

  • Diademata nickte überzeugt. "Ich glaube schon, dass er es gern angenommen hat."


    Kurz überlegte sie, ob sie nicht doch mit Seneca zum Markt gehen sollte. Vielleicht könnte sie noch ein paar Dinge einkaufen, hier in Rom musste die Auswahl schließlich so groß sein wie sonst nirgends auf der Welt. Andererseits drängte sich Diademata nicht gern durch Einkaufsstraßen. Sie bevorzugte es, dass die Händler zur ihr nach Hause kamen und ihre Waren präsentierten. Außerdem gingen die meisten Männer auch nicht gerne einkaufen und sie wollte Seneca nicht langweilen, nachdem er sich extra für sie frei genommen hatte.
    Woran er wohl Spaß hat?


    "Hast du von der Einweihung des Fortunatempels in den lucullischen Gärten gehört? Dort soll es ein großes Volksfest geben. Wenn das nicht zu weit ist könnten wir doch dorthin gehen?"


    Feste waren bestimmt auch etwas für einen Prätorianer.

  • Seneca war überrascht, sie wollte also zum Volksfest, er hatte natürlich davon gehört und insgeheim gehofft sich mal wieder unter Leute mischen zu können, es lenkte ihn ein wenig ab, vom drohenden Krieg und natürlich von ihr. Also sagte er zu, "Wenn du gehen willst gerne.", entgegnete er ihr etwas überrascht, hielt ihr aber gleich seinen Arm zum einhaken hin, es war gar nicht mal so unendlich weit bis zum Tempel der Fortuna, von daher würden sie auch bald dort ankommen, man wollte ja nichts verpassen..

  • Es war früher Morgen und Antoninuns hatte all sein Geld in Silberne Denarii getauscht und in eine große Kiste gepackt. Zwei Sklaven die Pferdeknechte bei den Prätorianern waren trugen sie. So war er zum Merkur Tempel gekommen um sein Geld den Priestern zu übergeben. Die Priester des Handelsgottes waren bekannt dafür, dass sie Geld in Verwahrung nahmen. Sie verliehen es dann auch weiter und er würde nicht die Selben Münzen wieder bekommen aber hier war sein Geld sicher. Er würde sich einen Wechsel ausstellen lassen und ihn mit seinem Testament in der Casa Iulia hinterlegen. Natürlich würden die Priester eine Gebühr verlangen dabei verdienten sie ja noch daran das sie das Geld dann verliehen.


  • Der Aedituus des Tempels wurde natürlich gleich aufmerksam als ein Mann seinen Tempel betrat, der in seinem Schlepptau ein paar Männer mit einer großen Kiste erspähte. "Interessant", dachte er sich nur und schritt auf den Mann zu, der sicher ein entsprechendes Anliegen hatte. "Sei gegrüßt, Bürger. Womit kann ich dir dienlich sein?" Die große Kiste ließ zwar die Gründe offensichtlich erscheinen, aber der Aedituus hielt es wie immer für etwas höfflicher mit dieser allgemeinen Standard-Frage auf jemanden zuzugehen.

  • Es dauerte nicht lange bis er mit seiner Kiste entdeckt und angesprochen wurde. Ein Priester kam zu der kleinen Gruppe und sprach Antoninus an. „Salve ich bin Lucius Iulius Antoninus. Ich möchte den Priestern des Handelsgottes eine Größere Menge Geldes zur Aufbewahrung geben.“ Er winkte die beiden Trosssklaven zu sich so das die Kiste etwas näher kam. „Ist Einhundertstel noch die übliche Gebühr?“ Er hatte auf seiner Reise in den Osten als Spion der Garde öfter diesen Dienst in Anspruch genommen, um auch als Händler authentisch zu sein. Es war im Prinzip ganz einfach. Man gab einem Merkur Tempel Geld der es in Verwahrung nahm und bekam gegen 1/100 Gebühr einen Wechsel. Dann konnte man selbst oder eine anderer mit dem Wechsel, bei jedem Merkur Tempel dem einen der Priester sagte das Geld oder einen Teil wieder abholen. Aber der Tempel in Rom hatte natürlich ein so weitverzweigtes Netz, so das man im Prinzip in jeder größeren Stadt Geld an seinem Geld kam. Man musste es nur bei einem Merkurtempel abholen der mit diesem hier in Kontakt stand. So konnte man quasi mit leichtem Gepäck reisen und nicht immer einen Wagen voll Münzen dabei haben. Es gab ja auch Händler die Silber in ganz anderen Mengen besaßen und wer wollte schon mehrere Talent Silber mit sich rum schleppen.

    Sim-Off:

    1 Talent = 26,2 kg


  • "Oh, wir werden dein Geld natürlich mit Freude aufbewahren." Der Aedituus schielte auf die näher gebrachte Kiste. "Wie viel soll das nochmal sein?" Gleichsam rief der Tempelwächter jedoch einen Diener heran, der die Summe ohnehin noch einmal überprüfen musste. "Einhundertstel ist noch die übliche Gebühr, allerdings..." Und da dachte er natürlich vor allem an das Wohl des Mercurius. "...die Tempelkasse könnte durchaus mal wieder eine kleine Spende vertragen und Mercurius würde dies sicherlich gefallen." So regte der Aedituus den Mann an, etwas Gutes zu tun. Wenn er schon mit so viel Geld hier ankam, konnte er doch auch gleich etwas mehr für immer hierlassen als die übliche Gebühr.


    Sim-Off:

    Da ich gesehen habe, dass du keine PN's annimmst: Ich habe mal irgendwann eine sehr detaillierte Beschreibung dieser Praxis in irgendeinem Buch gelesen, aber ich kann es in der Literatur, die ich habe einfach nicht mehr finden. Deshalb wollte ich fragen: Kennst du zufällig ein Buch, wo das umfangreich diskutiert wurde? Es interessiert mich gerade brennend. :)

  • Antoninus nickte zufrieden. Einhundertstel war ja auch nicht so viel wie er fand. „Es sind 3700 Dinare.“ Kurz um 14800 Sesterzen also würden 37 Dinar an den Tempel gehen. Antoninus ging aber davon aus das sich jetzt nicht ein Tempeldiener hinstellte und 3700 Münzen abzählte. Geld wurde der Einfachheit halber ja gewogen. Wie schwer eine Münze zu sein hatte war ja klar. Sollte sich durch die Abnutzung der Münzen (oder schlichtem Betrug beim Schlagen der Münzen) eine Negative Differenz ergeben würde er einfach noch ein zwei Münzen aus seinem Beutel dazulegen. Dann hielt er dem Priester mit der einen Hand einen Beutel mit eben den 37 Dinar hin und schüttelte ihn so das die Münzen schön klapperten. In der anderen hielt er eine kleine etwa Daumen große silberne Merkur Statue. „Und diese hier ist für den Gott selbst.“ Ein Weihe Geschenk war für einen solchen Handel freilich nicht von Nöten aber die Gunst der Götter konnte nie schaden. Wer konnte schon sagen wie sie ihnen gewogen waren.


    Sim-Off:

    Ich hab es leider auch nur aus dem Bereich Belletristik, sprich Romanen. Da kenne ich es aber aus mehreren Büchern. Und es erscheint mir auch logisch das nicht einer mit 1,2 Millionen Sesterzen auf Reißen geht das ist schlicht zu schwer. Von daher ist das mein Konstrukt aber ich finde es gibt dem CD ein weiteres Spielfeld. Bankwesen war ja bekannt nur eben nicht staatlich. Und welcher Gott wenn nicht Merkur käme dafür in Frage. Wer will kann kann weiter mit einer Tonne Silber vereisen. Dann muss er sich aber nicht wundern wenn das Schiff absäuft und er dann pleite ist.


  • Wahrlich schon ein stolzes Sümmchen. Das war in Anbetracht der Tatsache, dass die Kiste von zwei Leuten getragen wohl verständlich. Dennoch musste natürlich immer auch ein genauer Blick auf das Innere von Kisten oder Geldbeuteln geworfen werden. Nicht, dass am Ende noch Steine gewogen wurden, was natürlich ein peinlicher Patzer gewesen wäre. "Ausgezeichnet.", sprach er während er kurz zur Seite ging und den Wechsel ausfüllte, nachdem das Wichtigste geklärt war, Name und Summe wurden vermerkt und der Wechsel überreicht. Über die Votivgabe freute sich der Aedituus natürlich auch sehr. "Möchtest du gleich noch ein Gebet sprechen?" Er wies auf das Kultbild des Mercurius. "Es schadet nicht dem Schutzherr der Reisenden um ein sichere Wegstrecke zu bitten, wo auch immer dich dein Weg am Ende hinführen wird."

  • Antoninus hatte aufmerksam zugesehen als nach und nach die Münzen aus der Kiste geholt und gewogen. Als alles gewogen war wurden die Münzen zurück in die Kiste geschafft und dem Priester ein bestätigendes Nicken gegeben. Dann wurde ihm ein Wechsel ausgestellt. Damit war der vorwiegende Teil seines Vorhabens erledigt. Sein Geld war sicher und er musste es nirgends mehr hin schleppen.


    Als dann der Priester frage ob er nicht ein Gebet sprechen wollte zögerte er kurz. Den ertrug keine Toga und wusste nicht ob das so in Ordnung ging. Aber dann ging er zum Kultbild und kniete davor nieder. Er stellte die Figur vor das Kultbild. Dann fächelte er sich etwas Weihrauch in das Gesicht um den Odem des Gottes in sich auf zu nehmen. Dann drehte er die Handflächen nach oben. „Göttlicher Mercurius ich habe heute mein Vermögen und Geld deinen Diener zur Aufbewahrung überantwortet. Und auch Du sollst deinen Teil davon bekommen da ich weiß dass sie es gut hüten werden. Doch heute da ich bald ins Feld ziehen werde bitte ich dich um deinen Beistand. Nimm diese silberne Statue von mir an.“ Dann griff er die Statue mit der Rechten und hielt sie dem Abbild des Gottes entgegen. So das der Gott sie für sich prüfen konnte. Dann stellte er sie wieder zu Füßen des Gottes. Er drehte die Hand dann nun wieder nach oben. „Ich bitte dich demütig nimm mein Geschenk an und gewähre mir eine glückliche Reise.“


    Sim-Off:

    Oh voll übersehen -.^
    Ein Gott ein Gott ein Königreich für einen zufriedenen Gott! :D :D :D

  • Am frühen Abend hatte sich Ocella zum Forum Boarium begeben, um Mercurius ein kleines Dankopfer dazubringen. Ocella hatt vor dem Gespräch mit dem viel beschäftigten Senator Duccius eine kurze Bitte an den Gott geschickt. Und trotz des engen Terminsplans des Senators, war es dennoch möglich, ein Gespräch mit ihm zu führen, das, aus Sicht des Helvetiers, auch recht gut verlaufen war. So hatte er etwas Räucherwerk, einen süßen Kuchen sowie eine Kanne Wein besorgt, die er, neben den obligatorischen Münschen, opfern würde.


    So stieg Ocella die Stufen zum Tempel hinauf, reinigte sich in dem Wasserbecken sorgfältig, stülpte seine Toga über den Kopf und trat dann in den Tempel ein. Im Innern war es, wie meistens, recht düster. Es brannten einige Kerzen und das Kultbild des flügelbeschuhten Gottes lag etwas im dunkeln. Jedoch zückte immer wieder der Lichtschein einer der Kerzen über das Gesicht der Statue.


    Der Helvetier entzündete etwas Weihrauch in dem dafür vorgesehenen Gefäß und schon stieg ihm der süßlich-rauchige Geruch in die Nase. Der Rauch verbreitete sich um das Kultbild herum und erfüllt bald die gesamte Cella. Dann stellte der Helvetier den Kuchen vor das Kultbild und die Kanne Weis daneben. Schließlich atmete er einmal tief durch, ließ einige Münzen in den dafür angebrachten Schlitz fallen, wartete ab, bis das Geräusch der fallenden Münzen verklungen war, streckte die Hände mit den Innenflächen nach oben vor sich und begann das Gebet.


    Oh, Mercurius, Schirmherr über die Beredsamkeit und Schenker des Glücks und des Erfolgs. Du, der du jenen den Erfolg ermöglichst, die danach streben.
    Ich, Titus Helvetius Ocella, Sohn des Marcus Helvetius Cato, trete heute vor dich. Ich möchte dir danken, dass du mir das Gespräch mit dem Senator Titus Duccius Vala, den ich mir als Patron ausersehen habe, ermöglicht hast und es gut verlaufen ließest.
    Dafür bringe ich dir diese Münzen, diesen Kuchen und diese Kanne Wein als Dankopfer dar.


    Auch den Wein schüttete er in eine dafür vorgesehene Öffnung, nahm wieder die Gebetshaltung ein und fuhr fort.


    Stehe mir auch weiter bei auf meinem beruflichen Weg. So verspreche auch ich, dir weitere Opfer darzubringen.


    Zum Abschluss wandte er sich nach rechts ab und beendete so das Gebet.

  • Mit dem Zusammentreffen zwischen dem Helvetier und dem Duccier hatte Mercurius nun zwar nicht unbedingt etwas zu tun gehabt. Allerdings ließ er sich dennoch gern dafür danken. Vor allem, wenn der Dank in Form von Münzen dann auch so schön klimperte! Mercurius liebte dieses Geräusch einfach, dabei hätte er auch gerne den ganzen Tag zugehört.
    Auch der Weihrauch war angenehm und der Kuchen noch frisch. Da würde er sich später auf einem seiner Botengänge ein kleines Stückchen als Wegzehrung wohl gönnen.


    Mit der Versprechung auf noch mehr schöne Opfer – und damit mehr Klimperzeug! - schließlich war das Opfer beendet, und Mercurius ließ den Schritt des Helvetius beschwingt sein. Heute würde der Mann sich sicherlich keine Blasen laufen und auch keine Steinchen in seinen Schuhen finden.

  • Die zweite Anlaufstelle war der Tempel des Mercurius. Nachdem Neptun die Seele ihres Vetters hoffentlich freigegeben und an Land geleitet hatte, wurde sie schließlich von Merkur in Empfang genommen, der sie dann zu den Gestaden der Unterwelt bringen würde. Hierfür hatte Axilla natürlich auch wieder geeignete Opfergaben im Gepäck, die dem Gott hoffentlich gefallen würden.
    Mittags war es schon etwas wärmer als am Morgen beim Neptuntempel, aber dennoch war es verglichen mit anderen Jahreszeiten verteufelt kalt. Barfuß also tapste Axilla ins Innere des Tempels, begleitet von zwei Opferhelfern mit den Gaben für den Gott.
    “Mercurius Psychopompos! Seelenführer, der du auf allen Pfaden wandeln kannst! Großer Mercurius, der du als einziger die Unterwelt betreten und wieder verlassen kannst!
    Dieser Weihrauch hier gehöre dir, auf dass dein Ohr mir wohlgesonnen sei! Diese vergoldeten Hähne opfere ich dir, auf dass sie dich erfreuen und milde stimmen.“

    Neben dem obligatorischen Weihrauch, der auch hier fröhlich vor sich hinrauchte, ließ sich Axilla ein paar kleine, vergoldete Bronzefigürchen anreichen, die die Form von Hähnen hatten – einem traditionellen Opfertier für Mercurius. Sie waren kaum größer als eine Münze, dafür aber schön gegossen und glänzend vergoldet. Und sie klimperten ziemlich laut, als sie in den Opferstock glitten.


    “Großer Mercurius Psychopompos! Ich möchte dich heute um deinen Dienst als Seelenführer für meinen Vetter Lucius Iunius Merula bitten. Sein Körper weilt in den Gestaden deines göttlichen Bruders Neptunus, als er im August des letzten Jahres von Bord gespült wurde und im Meer ertrank. Ich bitte dich nun, ihn von dort zum Reich der Toten zu bringen, damit er nicht als Geist durch die Welt streifen muss. Geleite ihn sicher und lass ihn nicht verloren gehen, damit er seinen Platz unter meinen Ahnen einnehmen kann, wie es ihm gebührt.“
    Mit einer Drehung nach rechts waren Gebet und Voropfer abgeschlosssen, und der kleine Zug prozessierte nach draußen, wo ein weißer Ziegenbock schon seiner Bestimmung harrte. Er war fein zurechtgemacht mit rot-weißen vittae und vergoldeten Hufen und wartete festgebunden auf die Dinge, die da folgen mochten. Der Opferstecher – ein Schlachter lohnte bei einem so kleinen Tier nicht – wartete direkt daneben darauf, die notwendigen Handlungen vorzunehmen.
    “Oh, großer Mercurius Psychopompos, gewähre mir meine Bitte, und ich gebe dir hierfür das Leben dieses Ziegenbockes! Er sei dein!“
    Es folgte wieder die Weihung des Opfertieres mit mola salsa und das sinnbildliche Entkleiden, ehe auch hier mit einem kleinen “Age“ der Opferstecher seines Amtes waltete und den Bock mit einem gezielten Stich in den Hals blutig tötete.

  • Varro hatte sich die ganze Zeit auf dem Weg hierher gefragt was er hier eigentlich erwartete? Gab er Belua nicht im Grunde sein Leben auf einem Silbertablett?
    Die Wahl des Mercur war nicht von ungefähr, denn seltsamerweise vereinten sich unter dem Schutz dieses Gottes die Kaufleute wie auch diejenigen welche den Kaufleuten das Leben allzu schwer machten.
    War da nicht eine Bewegung? Varro reif sich zur Ordnung, natürlich gab es hier Bewegungen, dies war ein Tempel, es gab Menschen die hier ihr Gebet verrichteten.
    Im Heiligtum angekommen suchte sich Varro einen perfekten Ort welcher ihn vor neugierigen Blicken verbarg, ihm jedoch gleichzeitig gestattete den Eingang genau im Auge zu behalten.
    Die Zeit schien wie in Blei gegossen. Varro dümpelte vor sich hin, starrte auf den Eingang und fummelte am Knauf seines Puggio herum, jenem Puggio, welcher sein Vater ihm einst versprochen hatte, sollte er zu den Ahnen gehen.
    Als Knabe war er zugleich angezogen wie auch abgestoßen von der Waffe, bedeutete deren Besitz doch den Tod seines Vaters.
    Die Sonne sank, daas Licht wurde schwächer und vorn am Eingang tat sich etwas,...Varros Nerven waren zum Bersten gespannt...war es Belua,...war er alleine?
    Sicherlich würde er alleine in den Tempel kommen,...er fürchtete den Germanicer nicht,...aber wer wusste schon wieviele seiner Spießgesellen draussen lauerten. Langsam fragte sich Varro wie er so dumm sein konnte im Inneren zu warten, anstatt die Lage draussen zu sondieren...Varro,...wo steckst du? dröhnte volltönend Beluas Stimme in den Tempel. Varro erzitterte und versuchte sich einzureden dies sei nur ein Geschäftstreffen und nicht sein letztes Stündlein.
    Ja,...ich bin hier... antwortete er mit einem anfänglichen Beben in der Stimme und trat dem Collegiumshauptmann entgegen.

  • Da stand er nun, Belua,...
    [Blockierte Grafik: http://imagizer.imageshack.us/v2/150x100q90/673/zMsQwK.jpg]
    Hauptmann eines etwa 50 köpfigen Verbrechersyndikats. Selbsternannter Hüter seines Distrikts, Richter und Henker, Gönner und Beschützer. Varro gewann seine Selbstsicherheit ein Stück weit zurück und setzte zum Sprechen an, doch Belua hob die Hand und gebot auf diese Art Schweigen.
    Er verneigte sich vor der Statue des Mercur und winkte Varro an seine Seite. Dieser folgte, wenn auch mit gebotener Vorsicht und stellte sich auf Armeslänge Abstand neben Belua, verneigte sich vor der Standbild des Gottes und verweilte der Dinge die da kommen würden harrend, leicht verspannt und erwartungsvoll.
    Ist es nicht seltsam, daß wir uns den selben Schutzgott teilen,...ich meine sieh dich an... Etwas abwertendes zeichnete sich in Beluas Fratze.Nun durchaus ein Gesicht welches einem Respekt einflößen konnte, auch seine Erscheinung, sein gesamter Habitus verströmte Hang und Freude an und zur Gewalt.
    Varro starrte ihn nur an, nichts und niemand war vergleichbar mit Belua,...und er hatte dessen Tochter ...er spürte wie ihm langsam der Nacken feucht wurde.
    ...ich ähem,...naja, ich denke es geht um die Dualität des Handels,..ich... Belua wischte Varro´s Worte mit seiner Pranke weg.
    Ach was Schnick Schnack,...Philosophengequatsche...Geben und Nehmen...Teilen und Herrschen...verstehst du das nicht Dummkopf?!
    Varro verstand nur zu gut, nickte jedoch devot, er wollte Belua nicht reizen.
    Belua gefiel sich in seiner Rolle, er sagt was war, ist und was sein würde. Widerspruch duldete er nicht,...nicht bei sich, nicht bei seinen Männern,...bei Niemandem.
    Wieder fiel sein Blick wie ein düsterer Schatten auf Varro.
    Du hast mich viel Geld gekostet kleiner Mann,...ich habe Versprechungen gemacht, bin Verpflichtungen eingegangen,...und du?...kommst mir mit einer netten kleinen Fabula an und tischst mir einen Piratenüberfall auf,...
    Varro hob den Blick und starrte geradewegs in die Kohleklumpen rechts und links von Beluas Nase.
    Was heißt hier auftischen?...die Ware war auf dem Schgiff, es liegt eine offizielle Erklärung der Classis vor, daß Wrackteile aus dem Meer gefischt wurden, Wrackteile und ein paar Überlebende, die höchsselbst das ganze Desaster geschildert haben,...was glaubst du eigentlich?...glaubst du ich würde dich betrügen wollen? Ich habe gedacht wir könnten weiterhin Geschäfte machen, legale Geschäfte... Er ließ seine erhobene Hand kraftlos heruntersinken.
    Für dich geht es um Reputation, die du sicher bald wieder zurück erhälst,...für mich geht es um mein Leben, meine Existenz...ich habe alles,...
    Belua wandte sich zu Varro und legte seine Pranke auf dessen Schulter.
    Reputation ist für mich genauso wichtig wie für dich deine Existenz,...nur so kann ich existieren...ich werde also Repressalien durchführen müssen...
    Varro verkrampfte sich ein wenig,...wie von selbst gelangte seine Hand auf den Puggio seines Vaters.
    Aber,... Belua hob mahnend den Zeigefinger seiner beringten rechten Hand. ...ich bin kein Unmensch,...die Piraten haben mir die Ladung für ein paar lumpige germanische Weiber aus meinem Lupanar und ein wenig wertlosen Tand zurückgegeben,...trotzdem,...ich will daß du Abbitte für die Schändung meiner Tochter leistest...
    Varro starrte den Mann an als sei er gerade aus der Wand gestiegen.
    ...wie...was,...du hast unsere...du hast Kontakt zu den Piraten...?!
    Belua reckte sich wichtigtuerisch und begutachtete die Ringe an seiner linken. manikürten Hand. ...nun,...ich habe überall meine Kontakte, zu Wasser,...zu Lande...und vielleicht irgendwann in ferner Zukunft auch in der Luft...haar haar haar... Sein häßliches Lachen hallte durch den kleinen Tempel und Varro schüttelte den Kopf über soviel tollkühne Frechheit. Dieser Mann war nicht umsonst das was er war.

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