Sanft berührten seine Lippen ihre Stirn, und dann war der Moment vorüber - die Vertrautheit schon eine Erinnerung, wenngleich eine, die sie sachte lächeln ließ. Auch jetzt konnte sie noch keine Schuld empfinden und lauschte vergebens auf eine innere, sie selbst verdammende Stimme, die ihre für eine römische Frau höchst lästerlichen Alleingänge mokieren sollte. Aber sie konnte sich nicht ausschimpfen, dafür war es einfach nur zu schön gewesen. Schön auf eine sehr berührende, persönliche Weise, an der sie nichts bedauerte. Ein Geschenk, das im richtigen Zeitpunkt gegeben worden war - so musste sie es sehen, um ihren Weg weiter gehen zu können. Mit ein wenig Wehmut blickte sie unter die Klippe zurück, als sie sich davor aufgerichtet hatte, noch immer in seinen Umhang gehüllt.
"Es ist kaum zu glauben, dass es eben noch so sehr geregnet hat," meinte sie verblüfft und blickte zum Himmel auf, an dem sich die Sonne bereits ihren Platz zurück erobert hatte und sie mit einer enormen Hitze von oben herab verwöhnte. Wahrscheinlich würden sie ganz von selbst wieder trocknen, so als hätte es den Regenguss gar nicht gegeben - wenn sie noch ein wenig draußen bleiben würden. Keine peinlichen Ausziehorgien oder dergleichen, wenn sie ehrlich zu sich selbst war, war ihr das nur Recht. Denn unter der Klippe war es noch möglich gewesen, das vage Sehnen ihres Körpers so gut wie möglich zu ignorieren, aber unter der Sonne würde es ungleich schwerer werden - und ihn zu begehren würde alles schwerer und komplizierter machen, als es ohnehin war. Sie war sich seiner Gegenwart ohnehin zu deutlich bewusst, je mehr sie ihn hier am Sonnenlicht betrachten konnte.
Auf seine Worte über Ajax hin blickte sie sich nach dem Ausreißer um und schmunzelte. "Würdest Du Dich denn nass regnen lassen, wenn Du wüsstest, dass Du nicht unter die Klippe passt, unter die sich Dein Herr geflüchtet hat? Also ich würde mir da auch ein trockenes Plätzchen im Wald suchen, anstatt am Strand zu sehen und mir vielleicht noch einen Blitz einzufangen," neckte sie ihn schmunzelnd und deutete in Richtung des Strands. "Ajax hat es deutlich leichter, der läuft sich gerade einfach trocken." Und tatsächlich, in der Ferne galoppierte der mächtige, schwarze Hengst umher wie ein wildes Füllen.