Magistratische Mittagspause

  • Sanft berührten seine Lippen ihre Stirn, und dann war der Moment vorüber - die Vertrautheit schon eine Erinnerung, wenngleich eine, die sie sachte lächeln ließ. Auch jetzt konnte sie noch keine Schuld empfinden und lauschte vergebens auf eine innere, sie selbst verdammende Stimme, die ihre für eine römische Frau höchst lästerlichen Alleingänge mokieren sollte. Aber sie konnte sich nicht ausschimpfen, dafür war es einfach nur zu schön gewesen. Schön auf eine sehr berührende, persönliche Weise, an der sie nichts bedauerte. Ein Geschenk, das im richtigen Zeitpunkt gegeben worden war - so musste sie es sehen, um ihren Weg weiter gehen zu können. Mit ein wenig Wehmut blickte sie unter die Klippe zurück, als sie sich davor aufgerichtet hatte, noch immer in seinen Umhang gehüllt.


    "Es ist kaum zu glauben, dass es eben noch so sehr geregnet hat," meinte sie verblüfft und blickte zum Himmel auf, an dem sich die Sonne bereits ihren Platz zurück erobert hatte und sie mit einer enormen Hitze von oben herab verwöhnte. Wahrscheinlich würden sie ganz von selbst wieder trocknen, so als hätte es den Regenguss gar nicht gegeben - wenn sie noch ein wenig draußen bleiben würden. Keine peinlichen Ausziehorgien oder dergleichen, wenn sie ehrlich zu sich selbst war, war ihr das nur Recht. Denn unter der Klippe war es noch möglich gewesen, das vage Sehnen ihres Körpers so gut wie möglich zu ignorieren, aber unter der Sonne würde es ungleich schwerer werden - und ihn zu begehren würde alles schwerer und komplizierter machen, als es ohnehin war. Sie war sich seiner Gegenwart ohnehin zu deutlich bewusst, je mehr sie ihn hier am Sonnenlicht betrachten konnte.


    Auf seine Worte über Ajax hin blickte sie sich nach dem Ausreißer um und schmunzelte. "Würdest Du Dich denn nass regnen lassen, wenn Du wüsstest, dass Du nicht unter die Klippe passt, unter die sich Dein Herr geflüchtet hat? Also ich würde mir da auch ein trockenes Plätzchen im Wald suchen, anstatt am Strand zu sehen und mir vielleicht noch einen Blitz einzufangen," neckte sie ihn schmunzelnd und deutete in Richtung des Strands. "Ajax hat es deutlich leichter, der läuft sich gerade einfach trocken." Und tatsächlich, in der Ferne galoppierte der mächtige, schwarze Hengst umher wie ein wildes Füllen.

  • Die Sonne würde sicher schnell ihre Kleidung trocknen, zumindest seine Tunika wäre sicher bald trocken, das wusste er aus längjähriger Erfahrung. Wie es um ihr Kleid bestellt war, konnte er nur ahnen, denn immer noch hatte sie sein Sagum umgelegt. Zum Glück, denn wenn er sich überlegte, wie ihr nasses Kleid eng auf ihr liegen müsste und welches Verlangen es in ihm ausgelöste, nur daran zu denken, wäre es so besser...
    "Das Wetter änderte sich wirklich schnell, "antwortete er ihr, bemühte sich dabei, den Gedanken an das, was sich unter seinen Sagum verbarg, zu verdrängen. "Es mag daran liegen, das wir direkt an der Küste sind und daher Neptunslaunen ausgeliefert sind." Er schmunzelte. "Da kommt mein Misstrauen dem Meer gegenüber wieder durch. Vielleicht weil ich nicht verstehe, wie das Meer und Wetter dort funktionieren."


    Die Sonne war wirklich sofort wieder mit aller Kraft da, der Sand des Strandes trocknete äusserst schnell und genauso seine Tunika. In Richtun Ostia waren wieder die Fischer auf den Strand hinaus getreten, kümmerten sich um ihre Boote und die Netze. Auf ihre Neckereien antwortete er, gespielt empört über die Nachlässigkeit seines Hengstes. "Von meinem treuen Hengst erwarte ich, dass er bereit ist, sein Leben für mich zu lassen. Und so ein bisschen Wasser, sollte ihn doch nicht stören." So empört er tat, das Lächeln in seinem Gesicht und seinen Augen sprachen eine ganz andere Sprache.


    Als er Ajax er blickte, löste sich Quintus Tiberius Viatamalacus einige Schritte von Helena, und legte zwei Finger auf seine Lippen und ein kräftiger Pfiff ertönnte. Der Hengst in der Ferne hielt kurz inne, blickte sich suchend um und hielt direkt auf die Beiden zu. Tiberius Vitamalacus ging wieder u Helena, bot ihr wieder seinen Arm an und blickte sie, mit einem Lächeln auf den Lippen, fragend an : "In welche Richtung sollen wir gehen ? Direkt nach Ostia oder in die andere Richtung ?"

  • "Nun, die meisten Seeleute mögen das Leben an Land auch nicht, in sofern ist es wohl mehr das Misstrauen gegen das Unbekannte als ein Misstrauen gegen das Meer oder das Land selbst, das uns alle bestimmt und leitet," meinte sie lächelnd und blickte ihn von der Seite an. Sie unterhielt sich wirklich ausgesprochen gern mit ihm, denn es wurde nie langweilig und er schien auch nicht zu jenen Männern zu gehören, die sich schwer damit taten, ihre kleinen Fehler und Schwächen zuzugeben, um nicht ihr Gesicht zu verlieren. Das war etwas, das sie sehr zu schätzen gelernt hatte, dieses freie Diskutieren fern aller Standes- oder Wissensgrenzen. Auch wenn er als Patrizier in der römischen Gesellschaft einen ungleich höheren Stand einnahm als sie, so schien es doch immer, als würden sie sich auf derselben Ebene bewegen, wenn sie sich über ihre Ansichten austauschten, und dafür war sie ihm durchaus dankbar. Abgesehen davon, dass es sehr für ihn sprach, trotz der soldatischen Ausbildung sich doch auch davon lösen zu können.


    Sie legte sich seinen Umhang so um, dass er die ihm zugewandte Körperseite verbarg, die andere allerdings dem Sonnenschein ausgesetzt sein würde, damit das Kleid langsam aber sicher trocknen konnte, ohne ihn dabei zu zwingen, sie anblicken zu müssen - sachte fand auch ihre Hand wieder ihren Weg auf seinen Unterarm, wie sie sich schon auf dem Hinweg miteinander bewegt hatten, doch schmeckte diese Geste nun ungleich vertrauter. "An mir muss leider noch ein bisschen mehr trocknen als an Dir, also würde ich sagen, umrunden wir diese Klippe einmal gemächlich und gehen dann in Richtung Ostia zurück? Vielleicht ist die Sonne schnell genug und wir sehen danach nicht mehr aus, als hätte man uns kopfüber ins Meer getaucht. Deine Haare sind ganz durcheinander," gluckste sie leise und deutete auf die verwuschelten Strubbeln.

  • Dankbar schlug er die Richtung ein, die sie gewiesen hatte, bedeutete es doch, das ihre gemeinsame Zeit noch etwas länger andauern würde. Auch wenn sie nicht mehr so eng umschlungen gingen, wie sie unter der Klippe gestanden hatte, er genoss ihre Gesellschaft, das Gespräch und ihre Hand auf seinem Unterarm. "Nun, die Militätunika ist eben dafür gedacht, schnell zu trocknen. Schiesslich passiert es immer wieder, das wir während eines Marsches vom Regen überrascht oder einen Fluss zu durchwatten haben."
    Dankbar nahm er dieses Thema auf, lenkte es seine Gedanken doch etwas von dem ab, was sein Sagum verbarg. Stattdessen drehte er sich einmla nach Ajax um, um sicher zu stellen, das der Hengst ihnen auch folgt.


    Als sie sein Haar ansprach, schmunzelte er nur, und fuhr sich mit seiner freien Hand durch das Haar, der vergebliche Versuch es zu ordnen, wobei er es fast noch mehr in Unordnung brachte. "Ich kann mir nicht erkären, wie es dazu kam, vielleicht der Wind und der Regen," meinte er mit einem breiten Lächeln zu ihr gewandt, während sie langsam sie dem Scheitelpunkt der Klippe nähern. "An der britannischen Küste soll der Wind noch stärker wehen, erzählte mir mein Grossvater, so stark das gestandene Legionäre umgeweht wurden."


    Wieder versuchte er, nur mit seiner freien Hand sein Haar zu ordnen, doch vergeblich,....

  • "Milites in Stola und Tunika würden auch ausgesprochen seltsam aussehen," überlegte sie laut und musste beim Gedanken an den seltsamen Anblick ziemlich breit schmunzeln. "Die Legionen würden wahrscheinlich unsere Feinde nicht mehr mit dem pilum oder gladius besiegen, sie würden sich einfach alle totlachen und wir würden eine unglaubliche Menge an neuen Sklaven dadurch gewinnen," fügte sie noch an und warf einen versichernden Seitenblick zu ihm, hoffend, er würde jetzt nicht glauben, dass sie das Soldatentum an sich lächerlich machen wollte. Der Gedanke war einfach amüsant, und sollte nichts weiteres sein als ein Scherz, der von der Tatsache ablenken musste, dass ihm seine Tunika hauteng am Leib klebte und sie versuchte, das nicht allzu sehr zu bemerken. Ajax hatte sich den beiden inzwischen schnaubend genähert und schien weitaus trockener auszusehen als sein Herr und dessen Begleitung.


    "Da beginnt man die Pferde zu beneiden - er hat sich einmal geschüttelt und ist fast trocken, und was ist mit uns? Wir werden auf die Sonne warten müssen," erklärte sie mit einem Blick auf den Hengst, der für einen kurzen Moment mit den Lippen schnaubte, als wollte er sie auslachen. Die zerwühlte Frisur Quintus' allerdings lenkte ihre Aufmerksamkeit schnell wieder auf ihren Begleiter, und sie deutete sachte auf ihn. "Es sieht auf jeden Fall sehr wild aus, fast, als hätte der britannische Wind beschlossen, Dein Barbier zu werden. Ich könnte Dir das Haar wieder in Ordnung bringen, ich habe einen Kamm dabei ..." Kurz wühlte sie in dem kleinen Beutel an ihrem Gürtel und förderte tatsächlich einen schlichten Hornkamm zutage, der mit einem floralen Muster verziert war und wirkte, als gehöre er zu ihrer täglichen Ausstattung.

  • Er muss lachen, als sie ihre Vorstellung der neuartigen Kriegsführung hört. Es ist befreiend, so mit jemand schwerzen zu können und wieder ist er dem starren Offizier, der er eigentlioch ist, so fern, so fern wie schon lange nicht mehr. Sein Grossvater hatte nie gescherzut, höchsten die derben Scherze, die er und sein Centurio austauschten.


    "Ein Versuch wäre sicher wert," lacht er," obwohl ich nicht glaube, das die Miles sich so kleiden lassen würden. Und wenn du bedenkst, wie viel Stoff du für eine Stolla für Titus brauchen würdest." Das Bild seine Freundes in einer Stola lässt ihn noch etwas breiter schmunzeln.


    "Aber wir hatten auch während des Feldziges einen alterbativ Plan zur Schlacht. Unser ganzes Conturbinium war der Meinung, wir müssten den Germannen nur Titus als Koch andrehen. Bei seinem, angebrannte Puls wären die Germannen nicht nur wieder über den Limes verschwunden, sondern hätten sich noch hinter die Albis zurückgezogen und uns Germanien freiwillig überlassen." So heiter und gelassen war er eigentlich noch nie gewesen und so hatte er auch seinen Grossvater noch nie erlebt. Dabei waren sie sich doch so ähnlich, er und sein Grossvater. Wie konnte das sein ?


    Es ist sein dritter Versuch seine Haare zu ordnen, aber vergeblich. So bleibt er stehen, dreht sich ihr zu und lächelt leicht. Seit seinen Kindertagen hatte keine Frau mehr sein Haar gekämmt und wahrscheinlich hätte er vor kurzen noch ihr Angebot empört abgelehnt,.... und sie wäre wahscheinlich noch vor einer Stunde nicht einmal auf die Idee gekommen. Doch nun ist allein die Vorstellung verlockend. "Es ist lange her,... aber gerne, Helena,"sagt er leise.

  • "Titus bräuchte keine Stola, Titus bräuchte ein Mannschaftszelt, um seine kräftige Gestalt darunter zu verbergen," meinte sie vergnügt und der Gedanke an das Aussehen des treuen Begleiters ließ sie abermals lachen. Nein, es war ganz gut, dass der Schatten Quintus' hier nicht bei ihnen war, er hätte die scherzhaften Worte sicher nicht recht zu deuten gewusst. Die wenigsten Soldaten verstanden bei ihrer Erscheinung irgendwelchen Spaß und sie war sehr froh darüber, dass dies bei ihrem Begleiter nicht der Fall war, sondern dass er sich auf diese waghalsige Gedankenkonstruktion eingelassen hatte. "Aber ich hätte nicht gedacht, dass ein so patent aussehender Mann wie Titus nicht kochen kann. Vielleicht solltet ihr einmal erwägen, sein verbranntes puls als Geheimwaffe gegen die Germanen einzusetzen, wenn es denn gar so schrecklich ist?" Vor ihrem inneren Augen tauchten Katapulte auf, in denen statt Steinen riesige Mengen an angebranntem Brei verschossen wurden und Germanen, die von der klebrigen Masse getroffen zu Boden gingen.


    Ihr Lächeln wurde sanfter, wärmer, als er ihren Vorschlag annahm und ein nostalgisches Gefühl kehrte zu ihr zurück, das sie schon fast verdrängt geglaubt hatte. Sie wusste nicht, wieso sie ihm dies angeboten hatte, denn die Geste war schon fast zu vertraut für ... Freunde ... und der einzige Mann, dem sie in den letzten Jahren die Haare gerichtet hatte, war Titus gewesen. Er hatte es damals geliebt, dass sie ihm sanft und mit langsamen Bewegungen den Kamm durch das kurze Haar gezogen hatte, ab und an hatten sie über die grauen Härchen gescherzt, die immer mehr durchgekommen waren und sein schwarzes Haar durchsetzten. Am frühen Morgen war das eins ihrer Rituale gewesen und dass sie bereit war, ihm diesen Moment ebenso zu geben, war verwirrend. Sie überspielte es mit einem Lächeln und meinte verschmitzt: "Dafür musst Du Dich aber ein bisschen zu mir beugen, sonst komme ich nicht hin." Immerhin war er ein gutes Stück größer als sie, selbst mit einem Stehen auf Zehenspitzen war da nicht allem abgeholfen.

  • Irgendwie erscheint ihm der Feldzug so fern und auch ist gerade Titus Essen das Schlimmste in seinen Gedanken an diese Zeit. Nicht die Schlachten, nicht seine Vorahnungen von Novas Tot. Er schmunzelt, als er erinnert, wie es war, wenn Titus mit dem Kochen dran waren. "Nein, Titus kann einiges, aber leider gehört kochen nicht dazu. Er hatte nie Schwierigkeiten gehabt, jemand zu finden, der seinen Dienst mit über nahm."


    Auf ihre Aufforderung sich etwas zu ihr herab zu beugen, nickt er leicht und blickt sich einmal um, um sicher zu stellen, das keine Zuschauer in der Nähe sind, die die Situation falsch deuten könnten. Dabei kann er sie selbst nicht zuordnen, denn was bedeutete es, wenn eine Frau einem Mann das Haar ordnete ? Eigentlich war es doch eine harmlose Geste, doch warum freute es ihn so, das sie es ihm angeboten hatte ?


    Er geht leicht in die Knie, das sie bequem sein Haupthaar erreichen kann, schliesst leicht die Augen, zum einen um zu verhindern das sein Blick auf ihren Oberkörper und ihre noch feuchte und eng anliegenden Stola fällt und dieses Verlangen in ihm verstärkt, das unweigerlich in ihm Vorhanden ist. Zum andern will er auch einfach diesen Moment einfach voll und ganz geniessen, sich diesen Moment einfach einprägen.

  • Als er sich etwas vorbeugte, kam ihr erst in den Sinn, dass er damit auch recht weit in die Nähe ihres Oberkörpers kommen musste - und dass auf der Haut derzeit nur das nasse Brusttuch und eine ebenso nasse Stola klebten. Doch ein vergewissernder Blick zu ihm offenbarte, dass er die Augen geschlossen hatte - und wieder konnte sie ein Lachen nur mühsam unterdrücken. Dieser Offizier war wirklich ausgefuchst, jeder andere Mann hätte sich wahrscheinlich nicht gescheut, die Nähe ihres Körpers zu genießen. Aber er machte einfach die Augen zu und war dem Dilemma enthoben, irgendwo hin blicken zu müssen. Oder fand er sie vielleicht gar nicht anziehend? Sie hatten sich zwar immer wieder angeblickt, auch hatte er ihr gesagt, dass er sie schön fand, aber die Tatsache, dass er sich anscheinend entweder so gut im Griff zu haben schien, dass er eine Reaktion seines Leibes mit diesem Trick unterband oder einfach so höflich war, es auf diese Weise zu regeln, war schon ein wenig verwirrend.


    Sachte strich sie seine Haare zumindest notdürftig in eine Richtung, um dann den Kamm von der Mitte seines Schopfes aus in ruhigen, langsamen Bewegungen durch das kurze Haar zu ziehen und die Wogen darin behutsam nach und nach zu glätten. Sie atmete flach ein, denn der Geruch nach langsam trocknendem Haar, garniert mit seiner ganz persönlichen Geruchsnote, raubte ihr einige Momente lang den Atem. Es roch seltsam vertraut, sehr persönlich, und sie fühlte ihr Herz schneller schlagen, als sei dies etwas ganz anderes als eine freundliche, alltägliche Geste. Zumindest konnte sie den Reflex unterdrücken, ihm die Kopfhaut zu massieren, wie sie es einst bei Titus sehr oft getan hatte, um ihn nach der Rasur zu entspannen. "Man könnte meinen, Dein Haar wollte in eine Schlacht ziehen, so eifrig reckt es sich nach außen. Hast Du schon einmal darüber nachgedacht, ob es einen Dornbusch in deiner Ahnenreihe gibt?" versuchte sie ihre eigene Unsicherheit mit ein wenig Plauderei zu überspielen.

  • Es war ein ganz neues Gefühl, zu spüren, wie sie sein Haar berührte und dabei versuchte es zu ordnen. Wenn er es selbst tat, feuchtete er es einfach etwas an und benutzte einen groben Kamm, schnell und recht mechanisch und Mara hatte ihm, als er Kind war meist auch recht rau das Haar gekämt, ähnlich wie es eine Mutter tat, die ihr Kind nicht verweichlichen wollte. Helena hingegen kämmte ihn gerade ganz anders , sie ging so sachte und vorsichtig vor. Und dazu kam ihre Nähe....


    Zwar hatte er die Augen geschlossen, doch mit jeden Atemzug nahm er ei ihren Duft mit auf, berauschte ihn und in seinen Gedanken entstanden die Bilder, die er verhindern wollte, als er seine Augen schloss. Wenn er sich nur etwas nach vorn fallen lassen würde, würde er sie wieder spüren, dann würde sein Kopf auf ihrer Brust zum Liegen kommen. Er könnte immer noch sagen, das er das Gleichgewicht verloren hatte. "QUINTUS," rief ihm seine innere Stimme zurecht, die immer so klang wie die seines Grossvaters.


    Er war einerzeits dankbar, als sie zu Plaudern begann, doch anderseits, vielleicht bedeutete es auch, das ihr diese Situation nicht so nahe ging, wie ihm ? Aber er ging auf das Plaudern ein, gerade um seine Gedanken zu ordnen. "Wenn ich an meinen Grossvater denke, trug er sein Haar meist ganz kurz, zu kurz wie die Klinge eine Gladius. Aber Mara hat immer gesagt, das mein Haar widerspenstig sei, so wie Lucius Charakter..."
    Er lächelte dabei und unweigerlich öffneten sich seine Augen einen kleinen Spalt, nur ganz kurz, er schloss sofort wieder, doch dieser kleine Moment reichte, das Verlangen ihn zu schüren, das er erst seit so kurzer Zeit wieder kannte, seinen Atem zu beschleunigen."Aber, du kannst meinem Haar ja befehlen, es solle sich deinem Wünschen beugen," scherzte er, um dieses Verlangen zu verbergen, sich selbst abzulenken, "Es gehört zum Körper eines Soldaten, es wird sich beugen."

  • Mit einigem Erstaunen bemerkte sie, dass ihre Finger zitterten. Dabei war es nur sein feuchtes Haar, nicht einmal seine Haut, keine Stelle seines Körpers, die anstößig wäre zu berühren, und was sie tat, taten tausend andere Sklaven jeden Tag bei ihren Herren, ohne dass es in irgendeiner Form auffällig gewesen wäre. Und ihm die Haare zu kämmen war so alltäglich. Sie hätte dabei nicht einmal etwas denken sollen, sagte sie sich und zog langsam den Kamm weiter durch das Haar, welches sich langsam aber sicher der neuen Strichrichtung zu beugen begann.
    "Und was muss ich da befehlen? Cincinni state?" meinte sie leise lachend, den milites state!-Befehl für Haarlocken abwandelnd. Zart fuhren die Finger gespreizt durch die noch ungekämmte Seite seines Kopfes, dann meinte sie: "Ich glaube, Dein Haar übt sich heute in der Befehlsverweigerung, aber ich würde jetzt nicht mit dem dezimieren beginnen, das könnte seltsam aussehen ..."


    In seinem Haar fanden sich auch einige kleine, graue Härchen, und sie war kurz davor, tief zu seufzen, weil dieser Augenblick Erinnerung und Gegenwart so gekonnt miteinander mischte. Der Impuls, sich einfach herab zu beugen und ihn auf das Haar zu küssen, wie sie Titus oft geküsst hatte, war so stark, dass sie zitterte, weil sie es so sehr unterdrücken musste - doch nun kehrte wieder etwas Ruhe in die Finger zurück, und sie konnte ihr Werk beenden, auch die andere Seite des Haars fand sich zurechtgekämmt schließlich doch noch in die passende Form ein.
    "So, jetzt siehst Du wieder gesellschaftsfähig aus und nicht wie ein miles, der die Nacht in einem Heuschober verbracht hat," sagte sie lächelnd und trat etwas zurück, damit er sich wieder erheben konnte, ohne mit ihr zu kollidieren. Sorgsam verstaute sie den Kamm und hielt den Blick dabei sehr wohl von ihm abgewandt, es war einfach in diesem Augenblick besser so.

  • Einerseits genoss er es, zu spüren, wie sie sanft sein Haar zurecht rückte, ihre Finger sanft seine Haare berührten und er dabei ihren Duft in sich aufnahm, doch anderseits musste er sich auch die ganze Zeit zusammenreissen, eben nicht den Verlangen nachzugeben, es einzudämen, das er die ganze Zeit in sich aufkommen spürte. Konnte es sein, das sie so ähnlich empfand ? Es schien ihm so, als ob ihre Hände zitterten, während sie sein Haar ordnete und wenn er auf ihre Atmung achtete, schien es ihm so, als ob es sie auch etwas in sich spürte, dem sie nicht nachkommen durfte. Doch vielleicht war es auch nur seine Einbildung, ein reines Wunschbild von ihm ?
    "Ich denke, dieses Decimatio werde ich ich wohl später ausführen lassen," erwiederte er ihr schmunzelnd, dankbar für diese Ablenkung, "Oder meinst du, das ein Aboleo angemessener erscheinen würde ? Auf jedenfall wäre ein `Alles Ab` dem Barbier leichter zu erklären." Doch die Ablenkung ist nur kurz, da spürt er wieder ihre Finger sanft über sein Haar gleiten, und er glaubt auch wieder eine Regung in Ihr wahrzunehmen, doch wahrscheinlich, so denkt er sich, irrt er sich nur.
    Als sie endet, macht teilweise Erleichterung in ihm breit, anders seits auch bedauern. Langsam erhebt er sich, öffnet wieder die Augen und sieht ihr zu, wie sie ihren Kamm verstaut. "Ich danke dir,..." meint er leise, in einem warmen, freundlichen Tonfall, der aber offenlässt, wofür er sich genau bedankt.
    Er reicht ihr wieder seinen Arm, damit sie den Weg fortsetzen können. Mit Blick auf dem Beutel an ihrem Gürtel, grinst er leicht und scherzt dann :"Wenn ich bedenke, was meine Milites so tragen müssen,... und doch fehlt ihnen häufig immer noch das wichtigste,.... Wobei manche, gerade in Germanien, ihr Gepäck freiwillig verdoppeln, um nicht zu frieren... "

  • "Gern geschehen," erwiederte sie lächelnd und hätte fast angefügt, dass sie dies bei ihrem verstorbenen Gemahl auch oft getan hätte. Nein, diese Vertraulichkeit war hier weder am richtigen Platz noch zur richtigen Zeit geäussert, so schwieg sie, verstaute den Kamm sehr sorgfältig, kontrollierte den richtigen Sitz des Beutels am Gürtel noch einmal und hob erst dann wieder den Blick zu ihm. Sein Tonfall hatte ihr einige Schauer über den Rücken gejagt und sie wusste einfach nicht mehr, wie sie das alles deuten sollte, was sich an diesem Tag ereignet hatte. Vor zehn Jahren hättest du diese Freiheit nie besessen, dachte sie. Die Freiheit, ein Geschenk anzunehmen und eines zu geben, ohne sich dafür zu verdammen. Damals hatte sie es nicht einmal gewagt, an einen anderen Mann ausser Titus zu denken, weil sie fürchtete, sonst eine schlechte Ehefrau zu sein. Heute war sehr vieles anders, und die Ehe hatte ihr ein Selbstvertrauen gegeben, das ihr damals noch fremd gewesen war.


    "Ach, jeder definiert die Wichtigkeit von Gegenständen doch anders. Für eine Frau ist es unmöglich, das Haus ohne die Dinge zu verlassen, mit denen man zur Not das gute Aussehen schnell wieder herstellen kann, weil es für Frauen einfach viel wichtiger ist, einen guten Eindruck zu machen als für einen Mann. Ein miles ohne seine Waffen ist kein guter miles, aber ich glaube kaum, ob es die Germanen kümmert, wenn die auf sie einstürmenden milites gekämmt sind oder nicht." Auch wenn es sicher ein sehr interessantes Bild wäre, dachte sie und legte sachte ihre Hand wieder auf seinen Unterarm, wie sie es inzwischen fast schon gewöhnt waren. Die von der Sonne ausgehende Wärme ließ sie bald unter dem Umhang schwitzen, aber noch wollte sie das warme Kleidungsstück nicht abgeben, denn die Stola befand sich zwar auf dem Weg des Trockenwerdens, würde aber noch immer ein bisschen mehr enthüllen, als es ihr recht war.

  • Wieder war ein besonderer Moment zu ende, eigentlich ein alltägliches Ritual, welches sich vielen Haushalten tag täglich abspielte, vielleicht hatte sie ihrem gefallenen Mann auch öfters das Haar gekämmt. Aber, das war der Unterschied, dachte er sich, während sie langsam ihren Weg fortsetzten, sie waren kein Ehepaar, sondern Freunde, obwohl sie sicherlich ein besonderes Niveau des Vertrauens und der Vertraulichkeit erreicht hatten.


    "Nun, da die Germanen sicher nicht für ihre Haartracht und auch ihre Körperpflege bekannt sind," begann er leise zu erzählen, während er sich im gehen immer wieder zu ihr wandte, "würden sie sich sicherlich nicht, von einem ungepflegten Miles beeindrucken lassen. Aber vielleicht sollte wir die Ausrüstung der Milites um einen Gegenstand erweitern. So eine Klammer, mit welcher man sich die Nase verschliesst, um den Körpergeruch der Barbaren von sich fern zu halten." Das Lächeln auf seinem Gesicht wurde schelmisch und dieser Schalk setzte sich in seinen Augen fort.


    In der Ferne näherte sich ein Pferdekarren, vielleicht ein Fischer, der seinen Fang nach Ostia bringen wollte. Sicherhaltshalber nahm Quintus die Zügel von Ajax in die freie Hand, so das sie nun zu dritt nebeneinder her spazierten, wobei Ajax das Tempo merklich zu langsam war.
    "Es ist vielleicht so, das jeder einige Gegenstände hat, ohne die er das Haus nicht verlässt und wenn es dennoch tut, sich fast nackt vorkommt, " sinnierte er, so wie er es gerne in ihrer Gegenwart tat, einfach seinen Gedanken freien Lauf lassend, "Ich bin es so gewohnt, stets mein Gladius und Pugo mit mir zu führen, doch wenn ich meine Casa oder Unterkunft betrete, sind sie es, die ich zu erst ablege. Stell dir vor, welche Umstellung es war, in Rom rein in Civil herum zu laufen und dann noch in einer Toga.

  • "Eine Nasenklammer? Ich glaube, ich bin gespannt auf das Gesicht des Augustus, solltest Du ihm das jemals vorschlagen," meinte sie vergnügt und lachte leise auf. Der Gedanke an ein Manipel Soldaten, alle mit Klammern auf der Nase, hatte eindeutig sehr viel Amüsantes für sich, aber gleichzeitig würde es so lächerlich aussehen, dass der Feind wieder eher an Lachkrämpfen denn an den Waffen der Legionäre sterben würde. Es machte einfach unglaublich viel Spaß, sich mit Tiberius Vitamalacus über solche absurden Konstrukte zu unterhalten, stellte sie innerlich schmunzelnd fest. Ein solcher Freund hatte ihr lange gefehlt, denn es war eine Sache, sich mit ihrem Bruder entspannt zu unterhalten und sich doch gleichzeitig immer wieder Gedanken um seine Zukunft zu machen, und eine andere, diesen Gedanken eine Weile vollständig ausblenden zu können. Wenngleich noch einiges an Unsicherheit zurück geblieben war, fühlte sie sich doch im Moment sehr beschwingt und entspannt, und das war diesem aussergewöhnlichen Mittagessen zu verdanken.


    "Ich glaube, ich kann das durchaus nachempfinden. Wenn man etwas eine lange Zeit über gewöhnt ist, dann erscheint einem eine andere Sitte als sehr fremdartig. Ich musste mich selbst erst wieder daran gewöhnen, die Palla wieder zu tragen anstatt eines vollständigen Schleiers - in Syria braucht man einfach etwas, das den Sand fernhält und dafür taugt die Palla wenig. Die ersten Wochen ohne den Schleier habe ich mich sehr nackt gefühlt ... aber jemand, an dem die Toga so stattlich aussieht wie an Dir wird sich sicher auch sehr schnell wieder daran gewöhnen, sie zu tragen," meinte sie mit einem schelmischen Lächeln und drückte kurz mit den Fingern seinen Unterarm, die Worte damit unterstreichend.
    "Vielleicht musst Du sie einfach nur ein bisschen öfter anziehen, auch wenn diese Militärtunika Dir ebenso gut steht - als Amtsträger des cursus honorum wirst Du auf lange Sicht wohl nicht um die Toga herumkommen."

  • "Ein Soldat trägt stets seine Rüstung, und wenn er sie ablegt, ist es ein Zeichen, das er zu Hause ist, in Sicherheit. Vielleicht hat jeder Mensch dieses Kleidungsstück, das die Sicherheit des Hauses mit nach draussen trägt." Es ist dieser lockere Plauderton, mal scherzend, mal ernsthaft philosophierend, der für ihn das besondere an seinen Gesprächen mit Helena ausmacht. Die Scherze unter Milites waren anders, rauer, obzöner,... diesen hatte er nie etwas abgewinnen können. Und der Wechsel zum Philosphieren war dann kaum möglich. "Vielleicht ist es nur ein kleiner Gegenstand für einen Zivilisten, der diese Sicherheit bietet, ein Tuch oder so etwas....."


    Er spürt den Druck ihrer Finger auf seinem Unterarm, wendet sich ihr zu und blickt in ihr Lächeln. Der schelmische Ausdruck entgeht ihm nicht und es wählt ihm schwer, ihre Worte dazu richtig einzuordnen. Meint sie es erst, das sie ihm stattlich findet ? Und warum interessiert es ihn überhaupt ? Er war doch Soldat, ihm lag daran, durch seine Taten zu überzeugen, nicht durch sein Aussehen. Aber, er muss es sich eingestehen, ihm liegt daran, das sie es ernst meint,.. sich nicht einen Scherz mit ihm erlaubt...


    "Die Tunika trage ich seit langem, sie ist mir einfach vertraut, doch du hast recht, die Toga werde ich immer öfter tragen müssen. Zwangsläufig werde ich mich daran gewöhnen müssen, Helena," meint er lächelnd, nicht wirklich auf ihr Kompliment eingehend, doch er lächelt, und das funkeln in seinen Augen zeugrt davon, das er sich, bei all seiner Unsicherheit daüber freut. "Mein Grossvater hatten eine Toga mit breitem Purpurstreifen,... meinst Du, einer solcher würde mir auch stehen ?" Dieser Satz, scherzhaft geäussert, zeugt wirklich von dem Vertrauen, das er zu ihr hat.

  • "Ja, manchmal kann es schon helfen, eine kleine Erinnerung an die Sicherheit zuhause zu haben, nicht nur, wenn man in den Krieg zieht. Manchmal tut es einfach sehr gut zu wissen, dass es etwas Vertrautes gibt, das einen immer begleitet, egal wohin man geht." Sinnierend legte sie eine Hand auf die Brust, dort, wo der geschnitzte Taubenanhänger an dem einfachen Lederband sie beständig daran erinnerte, wie tief die Gefühle zwischen ihr und ihrem jüngsten Bruder Constantius waren. Es gab noch andere Dinge, die sie an ihre Familie erinnerten und auch an ihren verstorbenen Mann, aber dieser Anhänger begleitete sie, seit er ihn ihr geschenkt hatte, seitdem jeden Tag, auch wenn sie sicherlich kostbareren Schmuck hätte tragen können, wie es für eine Römerin aus gutem Hause fast selbstverständlich geworden war. Manche übertrieben es indes und behängten sich übermäßig mit teurem Geschmeide, aber sie bildete da eher das andere Extrem und trug nur diese einfache Lederschnur mit dem unter ihrem Kleid versteckten Anhänger.


    Sie lächelte ihn offen an, das Gesicht von zwei dünnen Haarsträhnen umspielt, die sich aus ihrer Frisur gelöst hatten und nun im Wind von der See her flatterten. Hatte sie ihn verunsichert oder wirkte er nur kurz ein wenig erstaunt, dass sie ihm offen gesagt hatte, dass sie ihn als gutaussehend empfand? Aber dass er sich geschickt um ihr Kompliment herum hangelte, ließ sie kurz schmunzeln, da merkte man schon, dass er in der Politik nicht falsch war, so gar nicht falsch. "Auf der rostra des forum romanum hast Du sehr eindrucksvoll gewirkt," meinte sie lächelnd und verstärkte das Kompliment durch eine Wiederholung. "Ich wusste zuerst gar nicht, ob Du mich nicht bei einer Zwischenfrage in Grund und Boden reden würdest, aber ich bin froh, es doch noch gewagt zu haben." Seine Worte über den Purpurstreifen ließen ihr kurz den Atem stocken, nicht zuletzt, weil er solche Gedanken mit ihr teilte, nicht mit einem Verwandten oder Klienten - und sie fühlte sich geehrt und geschmeichelt zugleich, sein Vertrauen gefunden zu haben.


    "Es wäre doch verschwendete Zeit und verschwendetes Geld, in den cursus honorum einzusteigen und dann nur quaestor zu werden, findest Du nicht? Ich bin mir sicher, eines Tages wirst Du als consul Deiner Familie und Deinen Ahnen Ehre machen und mit dem latus clavus auf der Toga durch die Straßen Roms wandeln, gefolgt von einer eifrigen Klientenschar, die allen verkünden, wie froh sie sind, Dich als patronus gefunden zu haben," erklärte sie überzeugt und begegnete seinem Blick offen und direkt. "Es würde Dir ganz sicher gut stehen, und von den derzeitigen quaestoren bist Du derjenige, den ich mir am ehesten mit dem Purpurstreifen vorstellen könnte." Die blauen Augen funkelten merklich, als sie mit ihren Worten abschloss und ihn erwartungsvoll anblickte, seiner Reaktion harrend.

  • Wieder einmal führte sie eine Hand auf ihre Brust und irgendwie war er neugierig, was sich dort verbarg, welches Erinnerungstück dort um ihren Hals hingb und ihr Sicherheit und Kraft schenkte. War es ein Andenken an ihren Mann ? Und, so fragte er sich, warum interessierte es ihn überhaupt ? Er wusste es nicht, wusste nur, das er es tat.


    Zumindest wusch ihr offenes Haar seine Bedenken weg, ihr Komplimernt könnte nicht ernst gemeint sein und sein Lächeln verstärkte sich noch etwas. Einen Moment war er versucht, Ajax Zügel losuzulassen und mit seiner Hand sanft die beiden Strähnen zurecht zurücken, dabei sanft ihre Wange zu streifen, doch er tat es nicht. Zum einen schickte es sich nicht, auch wenn sie ein Niveau des Vertrauens erblebt hatten, in dem er es es sicher getan hätte, doch sie waren nicht mehr unter Klippe, sie waren wieder Magistrata und Quaestor. Doch vielleicht ihn zurück, das er es einfach bezauberd anzusehen fand, wie der Wind mit ihrem Haar spielte.


    "So, so, eindrucksvoll fandest du mich ? " ging er mit einem Schmunzeln auf den Lippen auf ihr erneutes Kompliment ein. "Das du denoch nicht gescheut hast, mir deine Frage zu stellen, freut mich besonders, auch wenn es eine Frage war, mit der du mich fast in Verlegenheit gebracht hast. Denn zum einen, kannte ich die Verhältnisse in der Stadt nur aus Berichten in der Acta und dem was man in der Provinz so aufschnappt. Ausserdem war es schwierig für mich, offen über das Urteil zusprechen, ist doch mein Cousin einer der Kläger gewesen, zum anderen meine Cousine die Richterin,... Wäre ich zu der Zeit in der Stadt gewesen, hätte ich wohl meinen Cousin von der Klage abgeraten, denn leider greift das Gesetz nicht,... "
    Er spricht ganz offen mit ihr, so wie er es sonst mit niemanden bisher getan hat, nicht einmal mit Nova, in ihrer Beziehung hatte er stets die Position der Stärke innehaben müssen. Sein Entschluss, der Legion vorerst den Rücken zuzukehren und als Quaestor zu kandieren, hatte er in einem längerem, stillen Zweiegespräch mit sich selbst gefasst. Und heute war er sich sicher, sicherer als je zuvor, den richtigen Weg gewählt zu haben.
    "Wenn ich ehrlich, daran je Consul zu werden, daran habe ich bisher nicht gedacht. Keiner meiner Ahnen war je Consul, es waren stets immer Soldaten, die es zurück in die sichere Ordnung eines Castellums zog. Natürlich hege ich den Gedanken, als Aedil zu kandidieren und habe dann natürlich die Hoffnung, nach dem Aedilat vom Imperator in den Senat berufen zu werden, doch weiter dachte ich bisher nicht..."
    Es tat gut, so offen mit ihr zusprechen und besonders schätzte er es, ihre ehrliche Meinung zu hören. Und das ihr Meinung ehrlich war, dessen war er sich mittlerweile sicher, es würde nicht zu ihr passen, ihm zu diesem Thema falsche Komplimente zu machen.

  • Langsam hakte sie hinter ihrem linken Ohr eine der beiden Haarsträhnen fest, um nicht allzu unordentlich auszusehen, den Blick hielt sie jedoch auf ihn gerichtet dabei, als sei ihr diese leichte Auflösung ihrer Frisur nicht einmal peinlich. Nach dem Regenguss war es schon erstaunlich, dass alles halbwegs erträglich noch aneinander geblieben war. Nach dem Regenguss hätte sie eine deutlich schlimmere Frisur erwartet, aber es war glücklicherweise einigermaßen glimpflich abgelaufen, dank ihrer Palla, die nun ebenso in der Sonne trocknete wie ihre Stola.


    "Es war eine Frage, die enthüllen sollte, ob Du Dich auch ein wenig mit dem aktuellen Tagesgeschehen in Rom auskennst, was für einen gewählten Magistraten schließlich unerlässlich ist," meinte sie schmunzelnd und durchaus zufrieden darüber, dass die Frage ihn zumindest kurz ins Überlegen gezwungen hatte. Mehr sollte es auch gar nicht gewesen sein, und sie nickte sachte zu seinen Worten. "Ausserdem war es interessant zu sehen, wie Du auf eine Frage reagiertest, mit der Du vielleicht nicht gerechnet hattest - ich hatte mir für jeden Kandidaten etwas überlegt, das möglichst konträr oder unerwartet sein würde, um die wirklichen Personen hinter der Maske des Redners zu erblicken." Die blauen Augen blitzten verschmitzt auf, und sie war nach wie vor froh darüber, ihm ihre Fragen gestellt zu haben - es war der Grundstein für eine aussergewöhnliche Begegnung gewesen und sie schätzte die Unterhaltungen mit ihm inzwischen sehr. Furcht oder Zurückhaltung musste es hier nicht geben, dessen war sie sich sicher.


    "Vielleicht bist Du der erste Deines Blutes," und sie sagte sehr bewusst Blut und nicht Familie, denn sie meinte damit nicht die gens Tiberia, "...der jemals Consul wird, und ich bin mir sicher, Dein Großvater und Deine Eltern wären stolz darauf, Dich mit dem Purpurstreifen zu sehen. Es gibt nicht mehr viele Magistrate, die Kampferfahrung und die Menschenführung gleichermaßen verinnerlicht haben und gerade deswegen ist es wichtig, dass Du Dich auf diesem Weg nicht beirren lässt. Mein Ahn, der vergöttlichte Caesar, hat sich nie mit der leichtesten und geringsten aller Lösungen zufrieden gegeben und ich denke, das musst Du ebenso nicht." Wieder suchte sie seinen Blick, während sie gemächlich an seiner Seite dahin schritt, um zu lächeln. Kaum zu glauben, dass er nie daran gedacht hatte, Consul werden zu wollen - ein so bescheidenes Selbstbild hätte sie ihm nicht zugetraut. "Wenn man nichts wagt, gewinnt man nichts."

  • MIt leichtem Bedauern registrierte er, das sie eine der beiden Strähnen zurück schob, doch immer noch fand er die verbleidende lockere Strähne, die locker vom Wind umspielt wurde, äusserst bezaubernd. Immer noch reizte es ihn, ihr diese Strähne einfach aus dem Gesicht zu streifen und ihr Blick verriet auch keine Scheu, keine falsche Scham wegen dem Zustand ihrer Frisur.


    "Ich hoffe, ich habe deinen Erwartungen entsprochen, Helena," meinte er lächelnd, während er sie ansah, " ich zumindest habe diese Frage geschätzt, ich galube sogar, es war die beste Frage, welche mir gestellt wurde, eben gerade weil sie nicht leicht zu beantworten war." Was wäre wohl passiert, wenn sie diec Frage nicht gestellt hätte ? Sicher hätte sie auch nicht gewagt ihn unter dem Ianusbogen anzusprechen und sie hätten sich niemals so kennengelernt, wie sich sich nun kannten. Er konnte mit ihr reden, wie er es mit niemand anders konnte, so offen und unbeschwert und schon beim ersten Treffen hatte er diese genauso empfunden.
    Und so verwunderte es ihn eigentlich kaum, das er nicht zusammenzuckte, als er seine Eltern erwähnte, ein Thema, das er kaum jemals wirklich erwähnte, zu sehr hatte sein Grossvater sein Bild von seinem Vater geprägt.
    "Mein Grossvater war einst vielleicht kurz davor, damals, als der Ursupator Vitellius vertrieben wurde und sein Waffengefäherte, der götlliche Vespasian Imperator wurde." Doch auch jetzt, auch ihr gegenüber, ging er nicht weiter daraufein, warum es nicht so weit kam, auch erwähnte er seinen Vater nicht weiter. Aber, er tat etwas, das er lange, sehr lange nicht getan hatte, er sprach über seine Mutter. "Vielleicht würde es meine Mutter sogar erwarten, das ich den Weg zum Consul einschlage, finden sich doch unter ihren ahnen zahlreiche Consule. Doch sie starb als ich noch keine 6 Jahre alt war, das Klima in Gallien war nicht das richtige für sie. Ich habe nicht viele Erinnerungen an sie, doch trage ich stets ein Amulett bei mir, das sie von ihrem Vater bekam."
    Bei diesen Worten lässt er Ajax los, und holt unter seiner Tunika dieses Amulett herraus. Und während er dieses Helena zeigt, trabt Ajax ungeduldig an, direkt auf den Pferdekarren zu.

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