Kandidatur zur Quästur des Aurelius Cicero

  • Ich ließ mich mit der Sänfte von unserer Villa zum Forum tragen. Nach reiflicher Überlegung beschloss ich, mich erneut in die Politik zu begeben, und ich würde nun meine Wahlrede für das Amt des Quästors halten.


    Ich trug die übliche Tracht, die reinweisse toga candida.
    Eine dezente Sonderbarlichkeit erlaubte ich mir jedoch. Denn ich legte eine Gewandspange an, die ich extra habe fertigen lassen. Sie war kreisrund, was ungewöhnlich war, trug man doch meist Kniefibeln, bei der Toga eigentlich gar keine. Nun, meine war, wie gesagt, kreisrund und hatte in kunstvoll das Wort "ROMA" integriert. Wobei das "O" der Kreis war. Rückwärts gelesen ergab es das Wort "AMOR". Doch das wusste ja eh ein jeder Römer.


    Ich bestieg also die Rostra und hielt dann für einen Moment inne. Das Forum war, wie immer zur Wahl, gut gefüllt, und mein Blick schweifte über die Gesichter - wobei ich darauf bedacht war - einem jeden in die Augen zu schauen. Es waren viele bekannte Leute vor Ort, auch unsere Klienten, so wie es sich gehörte, und ich nickte einigen dezent zu.


    Dann hob ich meinen rechten Arm, wie es die Geste des Redners war, und ich sprach mit deutlicher Stimme:


    Bürger Roms, hört meine Worte. Ich bin Titus Aurelius Cicero und bewerbe mich vor Euch für das Amt des Quästors.
    Ihr kennt vielleicht nicht mich, doch aber dafür den Namen unsere Familie, die altehrwürdige Gens der Aurelia. Ihr kennt meinen Neffen, Aurelius Sophus, Ihr kennt meinen Bruder, Aurelius Antoninus. Nun mögt Ihr mich kennenlernen. Die Mitglieder der Aurelia haben alle eines gemeinsam, bekleiden sie politische Ämter, oder aber äußern sie sich nur als Bürger zu einer Sache. Wir stehen zu dem, was wir sagen und tun! Wir treten ein für das Imperium, ein jeder an seinem Platze.
    Niemals sind wir wankelmütig noch auf einen schnellen Vorteil bedacht.


    Nach meiner Rückkehr nach Rom, da bekleidete ich das Amt des Magistratus zu Mantua und wurde danach Duumvir der altehrwürdigen Gemeinde. Ich belebte das kulturelle und spirituelle Leben, indem ich die Ludi Floralia beging. An dieser Stelle danke ich noch einmal der römischen Priesterschaft für ihre Unterstützung. Ich belebte auch das kulturelle Leben, indem ich ein Bündinis mit der nördlichen Provinz schloss. Mein eigener Neffe, Aurelius Corvinus, und unser Klient Didius Albinus, haben meine Idee, nach meinem Ausscheiden aus dem Amte, mit Leben und Inhalt erfüllt. Auch ihnen gebührt mein Dank, denn sie sind würdige Römer.


    Ich hielt einen Moment inne.


    Wie Ihr seht, Bürger Roms, ich bin ein tatkräftiger Mann mit Visionen und Entscheiddungskraft. Und nun also, nachdem die 'Kampagne Mantua' auf einem sicheren Weg ist, nun stehe ich hier, um mich mit Leib und Leben neuen Aufgaben zu stellen. Eben hier in Rom, dem Nabel der zivilisierten Welt. Deshalb bitte ich Euch, gebt mir die Stimme, damit wir gemeinsam das Imperium wachsen lassen können, unsere Sicherheit wahren und den Wohlstand, die Künste und die Zivilisation, gedeien lassen können.


    Sim-Off:

    Edit/Tippfehler

  • Ich klatschte und nickte zufrieden. Er schien von seiner Sache überzeugt und konnte anscheindend auch andere Leute gut überzeugen. Und letztendlich kam er wie ich aus einer grossen alten Familier, auch wenn er Patrizier war. Dennoch hatte ich eine Frage: " Sagt, tretet ihr für ein bestimmtes Quaestorenamt an?"


    Dies war anscheinend nicht mehr häufig, aber man konnte ja nie wissen.

  • Freundlich nickte ich dem jungen Mann zu.


    Eine berechtigte Frage, wahrlich. Aus gesprächen weiß ich zwar, das ich nach bestätigter Wahl Wünsche äußern mag, ob diese jedoch berücksichtigt werden, das sei dahingestelt. Aufgrund meiner Erfahrungen, die ich in vielen Ländern des Imperiums sammelte - Du musst wissen, ich bereiste früher viele unserer Provinzen - da würde mich natürlich das Amt des Quaestor Pro Praetore besonders reizen.


    Doch letztendlich, wie ich schon zuvor sagte, möge ein jeder an dem ihm bestimmten Platze dem Imperium dienen. Nur darauf kommt es an.


    Ich schaute dem mann in die Augen, ob ihm diese Antwort reichen würde, oder ob er noch weiteres wünschte.

  • Noch am ersten Tag, an dem Kandidaturen bekannt gegeben werden konnten, trat gleich der zweite Kandidat zur Quaestur auf die Rostra. Macer war beeindruckt von dieser Tatsache, diesmal schienen es einige eilig zu haben und das versprach einen langen und unterhaltsamen Wahlkampf.


    "Was genau habe ich mir unter der von dir genannten 'Kampagne Mantua' vorzustellen?" fragte er nach. Immerhin war er selber lange Zeit bei der Legio I in Mantua gewesen und hatte daher ein durchaus nicht geringes Interesse an dieser Stadt. "Du hast dort Ämter bekleidet und Ludi ausgerichtet, doch was ist daran eine Kampagne? Bist du der Patron der Stadt?"

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  • Ich musste schmunzeln, hatte meine Wortwahl eine Wirkung erzielt.


    Die Aurelia ist stets mit Mantua auf das Innigste verbunden gewesen. Dort ist unser Stammsitz. Und da Du Mantua und die Legion kennst, dann kennst Du ja auch die Aurelia, die als schützende Familie ihre Hand sorgsam wachend auf die Gemeinde legt.


    Mein Blick wandte sich kurz ins Leere, als ich an Mantua dachte. Da ich auf der Rostra stand, nun, da war die Mimik vielleicht auch etwas deutlicher ausgearbeitet, damit sie wahrgenommen wurde.

    Doch sind wir Aurelier nicht alleine dort. Nein. Dort haben sich viele ehrwürdige Familien niedergelassen, die alle diese Gemeinde aufgrund ihrer "Besonderheiten" lieben. So fällt mir als erstes die Gens der Annea ein, die sich ebenfalls mit Herz und Verstand der Gemeinde widmet. Und nicht zuletzt die Legion selbst. Wir können hier also eher von einem Patronat aller reden, die dort leben.


    Es wurde ein Lobgesang auf Mantua, stellte ich lächelnd fest. Doch war das gar nicht schlecht, konnte ich doch so den Zuhörern meine Persönlichkeit und Wertvorstellungen offen darlegen.

    Du fragtest nach dem Begriff "Kampagne Mantua", Senator. Natürlich steckt hinter meinem Handeln mehr, als nur die Durchführung einer Prozession. Viel mehr.

    Als ich nach Italia zurückkehrte, da war Mantua in einen leichten Schlaf verfallen. Es gab keine Magistrate, keinen Duumvir, nur die Legion tat getreulich ihre wichtige Pflicht. Doch so manches lag brach. Mein innigster Wunsch war, ich habe es seinerzeit auch in der Curia stehts betont, Mantua erneut zu beleben. Nicht nur durch Staatsdiener, sondern durch einen Funken, der das kulturelle und spirituelle Leben durchwirken soll, so dass Mantua erneut im Imperium bewusst wahrgenommen wird. So dass aus dem ganzen Reich Menschen sagen, die unsere traditionelle Einstellung ebenfalls schätzen, das auch sie zu uns kommen wollen - so dass Mantua gedeihen kann. Das ist wahrlich eine breit angelegte Strategie, bei der viele, viele Einzelschritte erfolgen.


    Ich hielt es nicht für ratsam zu erwähnen, das ich Ostia und Misenum den Rang ablaufen wollte.


    Diesen Weg, mit vielen Ansätzen und Ideen, den habe ich geebnet, und eben dieser Weg, bereichert durch weitere Ideen, der wird fortgeführt.


    Nun musste ich in die Menge des Volkes lächeln und leicht abwinken.


    All diejenigen, die Mantua nicht kennen, die mögen mir nachsehen, das ich eben einen kurzen Vortrag über diese Gemeinde hielt. Aber vielleicht habt ihr nun Lust bekommen, sie einmal zu besuchen.


    Doch sollte ich gewählt werden, so seid bitte wieder rechtzeitig zurück. ;)


    Eine kleine Grille* zur rechten Zeit bewirkt manchmal mehr als die längste Diskussion. Ich war mit dem bisherigen Ablauf sehr zufrieden.


    Sim-Off:

    *Laune

  • Um sich ein wenig vertraut mit der politischen Lage der Stadt zu machen, hatte Gracchus beschlossen, dem diesmaligen Wahlkampf selbst beizuwohnen, zumindest in Teilen. Vor allem die patrizischen Kandidaten erregten dabei seine Aufmerksamkeit und so hörte er dem Mann, der sich Aurelius Cicero nannte, besonders genau zu. Schließlich jedoch regte sich in ihm eine Frage und nachdem bereits die ersten, augenscheinlich recht einfach zu beindruckenden, Bürger dem Mann ihre Stimme versicherten, hob Gracchus zu sprechen an.
    "Gestatte mir eine Frage, Aurelius Cicero, oder womöglich auch mehrere. Einerseits hebst du deine verwandtschaftliche Beziehung zu den Aureliern hervor, sprichst von dieser Familie in wir-Form, es scheint dir also ein Anliegen zu sein, deine Zugehörigkeit zu dieser traditionsverbundenen und tugendhaften Gens zu betonen. Auf der anderen Seite jedoch schreibst du dir die Ludi Florales auf deine Fahne - ein unsittlicheres Fest, welches ganze Städte in Sümpfe der Hurerei und Vergnügungssucht stürzt gibt es wohl kaum. Mag man darüber denken, was man möchte, wichtig ist nur, wo soll der unbedarfte Bürger dich einordnen? In den Schoß einer auf Sittlichkeit und Anstand bedachten patrizischen Familie oder in die Ecke derer, welche in Ausgelassenheit und Vergnügen ihr Heil suchen? Denn vereinbar sehe ich beides kaum miteinander."

  • Als weitere Fragen an mich gestellt wurden, da hörte ich genau zu, um diese auch exakt beantworten zu können. Viel zu viele Redner in der Vergangenheit versuchten, unangenehme Fragen durch geschickte Rhetorik zu umgehen. Und was das Schlimmste war - es gelang ihnen auch oftmals. Und würde wohl auch noch in 2000 Jahren gelingen. Dieses war nicht mein Stil, und so nahm ich die Fragen einzelnd in Augenschein, um diese zu beantworten.


    Deine Fragen zeugen von einem wachen Verstand und einem klugen Kopf. Gerne würde ich Deinen Namen hören, denn er scheint mir wert, genannt zu werden.


    Ich schwieg einen Augenblick lang. Denn in der Tat hatte er seinen Finger gezielt in etwas gelegt, was mir seinerzeit nicht gefiel.


    Gerne will ich all Deine Fragen beantworten, denn der Tag ist jung und ich noch lange nicht müde.

    Ja, ich bin ein Teil der Aurelia, und unsere Familie hat feste Bande, so dass ein jeder für den anderen eintreten kann und wir mit Fug und Recht sagen können, wir sind eine Familie.


    Zugegebenermaßen war ich froh, solch einen Zusammenhalt zu haben. Die Aurelia bestand aus vielen dickköpfigen und eigensinnigen Mitgliedern - bis hin zu meiner geliebten Nichte, die ein eigenes Kapitel darstellte. Dann wandte ich mich an den Fragenden.

    Du hast Deinen Finger mit scharfem Verstand und gut gewählten Worten in eine Wunde gelegt, die mir durchaus schmerzlich ist. Auf der anderen seite erfüllt es mich jedoch mit Stolz, das getan zu haben, was ich tat. Und der Stolz überwiegt.


    Du hast Recht, wir verabscheuen untugendhafte Exzesse. Das ist unbestritten.
    Jedoch - die Ludi Florales sind eine religiöse Veranstaltung, die einen einzigen Zweck erfüllt. Wir beten alle um eine gute Aussat und erfolgreiche Ernte. Mantua ist, wie Du sicher weißt, eine Gemeinde, die von der Landwirtschaft lebt. Und schon der alte Cicero hob in seinem Werk 'de officiis' die Arbeit des Landwirtes besonders hervor.

    Sim-Off:


    1,150 ff


    Und Rom war stets ein Agrarland. Was also ist edler, als eben diese Landwirtschaft um den Segen der Götter zu bereichern?


    Ich freute mich, so schnell genaue Quellen nennen zu können. Das lag daran, das ich im September an der Schola einen Kursus über die römische Wirtschaft und das Geldwesen zu halten gedachte. ;)


    Die Ludi Florales haben also einen großen Wert für uns, und das seit der Zeit unserer Ahnen. Doch ein wenig Schmerz ist auch dabei, das will ich gerne zugestehen. Und es traf mich selbst durchaus mit einigem Schmerz. Mantua verfügt nicht über die großen Viertel, wie sie in Rom anzufinden sind, und in denen man bestimmter Gelüste nachgehen kann. Und dennoch, waren die besagten Anbieter dieser Gelüste in der Stadt.


    Ich erinnerte mich nur zu gut, wie entsetzt ich war, als ich bemerkte, wie diese Subjekte in der Stadt einfielen und es uns nicht gelang, diese wieder zu entfernen, auch wenn wir es versuchten.


    Leider Gottes ist es auch Brauch, zu diesem Anlass die Fruchtbarkeit in anderer Hinsicht zu feiern. Doch auch ich bin nur ein schwaches Glied der menschlichen Gemeinschaft. Und nur Gottvater Iuppiter hat wohl die Allmacht des geraden Lenkens. So manche fleischliche Freude habe ich sicher unterbinden können, doch alles fernzuhalten, das hätten uns wohl nur gelingen können, hätten wir alle Gäste, unter denen auch die besagten Damen waren, vor der Stadt gelassen.


    Um Dir ein klares Fazit zu geben: der Sinn war, der Segen der Götter für unsere Nahrung, derer das Volk bedarf. Und die Saat ging auf. Das zählt.


    Deutlich erinnere ich mich auch noch daran, wie meine Nichte sich nach der Zeremonie von der Veranstaltung verabschiedete, um dieser Exzesse zu entgehen. Und ich ärgerte mich maßlos, wie es einigen aus besagtem Gewerbe gelang, ihre Kunden zu gewinnen. Doch, das war ein wenig Balsam, es waren die angereisten Gäste, die sich so amüsierten. Und bei den nächsten Ludi würde man schärfe Kontrollen einführen. Dezent, aber doch effizient.


    Ich hoffe, Römer, meine ungeschminkte Antwort mag Dir einen Teil meines Wesens verraten.


    Wenn Du weitere Fragen hast, so will ich auch diese offen beantworten.


    Edit/Tippfehler

  • Aufmerksam lauschte Gracchus den Ausführungen des Kandidaten. Schließlich, als jener geendet hatte, hob er zu einer Antwort an.
    "Mein Name ist Manius Flavius Gracchus. Du wirst nun sicher verstehen, dass mich jenes Thema gerade als Patrizier interessiert, und auch wenn es nicht meine Absicht war, in Wunden zu stochern, so muss ich doch die Fragen stellen, welche mir auf der Seele brennen. Das Jahr, welches unsere Ahnen festgelegt und gefüllt haben, jenes, welches Caesar um einige Tage erweiterte, auf dass es mit dem Kreislauf von Sonne, Mond und Jahreszeiten übereinstimmt, weist über sechzig Feiertage auf, dazu über ein Dutzend Ludi. Der Bauernkalender allein ist beileibe nicht spärlich befüllt. Selbst, wenn es in jedem Falle hätten Spiele sein müssen, so wären die Ludi Ceriales noch in vertretbarer Nähe gewesen, beachtet man die Alternative. Dennoch hast du die Ludi Florales zur Ausrichtung gewählt."
    Eine kurze Pause folgte, in welcher sich Gracchus seine Worte zurecht legte. Er wollte den Mann nicht angreifen, doch um ihm seine Stimme zu geben, musste er sich sicher sein, das Richtige zu tun.
    "Weshalb, so frage ich dich? Sollten dir die Folgen deines unbedachten Handelns nicht klar gewesen sein? Und sollte dies zutreffen, wie gedenkst du fürderhin solch unbedachtes Tun zu vermeiden?"

  • Die Gens der Flavier ist mir wohl vertraut, nenne ich doch den Flavius Furianus meinen Freund.


    Ich lächelte und dachte an den Abschied des Furianus am Hafen.


    Nur allein, Deinen Worten muss ich nun widersprechen. Ich bin zwar kein Priester, doch streng gläubig bin ich schon. Ceres ist doch zunächst die Göttin, die wir anbeten, um das Getreide wachsen und reifen zu lassen. Jedoch die Landwirtschaft umfasst weithin mehr. Getreide, Oliven, Trauben und Äpfel und vielerlei Dinge mehr. Für all diese Bereiche gibt es sicher eine eigene Gottheit. Ein Priester wird es zu berichten wissen. Allein, ich weiß, Pomona ist die Göttin, die sich dem Obste widmet.


    Mantua ist eine Region, in der eben nicht nur das Getreide reift. Obst und Oliven gedeien. Auch Trauben. Mir fällt da beispielsweise der Weinberg der Gens Sabbatia ein, Flavius Gracchus.


    Feierten wir also nun lediglich zu Ehren der Ähren, so hätten die anderen nichts davon. Die Flora hingegen setzt sich für das Wachstum all der genannten Pflanzen ein, womit der Erfolg ein wesentlich größerer ist.


    Ich machte eine kurze Pause.


    Du siehst also, das hier nicht ein unbedachtes Handeln vorliegt, sondern ganz im Gegenteil, eine gezielte Aktion durchgeführt wurde, um der gesamten Region landwirtschaftlich zu nutzen. So haben wir der Region Mantua und dem Umland Arbeit und Brot bescheren können. Das kannst Du nicht wirklich als 'unbedachtes Tun' bezeichnen.


    Abschließend fügte ich noch an:

    Die Ludi Florales sind eine altehrwürdige religiöse Zeremonie, wäre dem nicht so, so hätte schließlich nicht unser Imperator selbst an dieser Zeremonie teilgenommen.


    Nur allein, und das zeigt den Sittenverfall bei Teilen des Volkes: nach und nach, da entdecken die Hetären diese Feier als gutes Geschäft. Und dagegen müssen wir alle angehen. Nicht nur die strenggläubigen Bürger, nein, auch die Priester, die dieses erkennen, die werden sicherlich auf unserer Seite stehen, um gegen diesen Sittenverfall anzutreten.

  • Mit dem Hinweise auf seine Freundschaften erreichte Cicero sicherlich nicht bei Gracchus, was er sich erhoffte, denn jener nahm dies eher mit gemischten Gefühlen zur Kenntnis. Da solcherlei jedoch nicht auf die Rostra gehörte, widmete er sich nur dem eigentlichen Thema.
    "So lass mich denn deinen Worten wiederum widersprechen, werter Aurelius. Denn ich bin Priester, wenn auch nicht auf den Dienst an der Ceres spezialisiert. Doch sie allein als Göttin des Getreides zu sehen, würde jener nicht gerecht werden. Seit jeher ist sie tief mit der Erde verwurzelt, mit jenen Kräften, welche alles Wachstum und Reifen fördern. Die Bauern erkoren sie aus zur Herrin über das Getreide, ebenso, wie die Huren Flora zu ihrer Göttin erhoben, doch beides allein wird keiner von beiden gerecht. Nicht umsonst wirst du Bildnisse der Ceres oftmals mit einem Füllhorn in der Hand entdecken, gefüllt nicht nur mit den Ähren des Getreides, sondern ebenso mit Früchten, vor allem mit den Fürchten, welche durch den Menschen gesäht, angebaut oder geerntet werden."
    Es war wahrlich erbaulich, mit diesem Aurelier zu disputieren.
    "Bleiben wir noch ein wenig bei diesen Spitzfindigkeiten. Denn so müsste auch Flora nicht für eure Zwecke geignet gewesen sein, ist sie doch dieser Tage vorwiegend Göttin der Blumenblüten und nicht derer der Feld- und Baumfrüchte. Dazu wurden in alter Zeit die Floralia wohl speziell und ausschließlich der Getreideblüte wegen gefeiert. Ich wage also zu behaupten, dass doch Ceres, und gerade sie, für Mantuas Bitten empfänglich gewesen wäre."
    Dass der Imperator selbst den Floralia beigewohnt hatte, erstaunte Gracchus, wenn es ihn nicht gar ein wenig entsetzte. Doch der Kaiser war der Kaiser, daran gab es nichts zu rütteln und an ihm nichts zu kritisieren, vor allem nicht an der Rostra.
    "Dass die Region aus jenem Fest einen landwirtschaftlichen, und sicherlich auch einen wirtschaftlichen Nutzen gezogen hat, mag ich nicht bestreiten. Doch die leichten Mädchen gehören seit jeher zu den Floralia, ist Flora doch ihre Göttin und es ist nur ihr gutes Recht sie an ihrem Ehrentage zu feiern, ganz egal, was wir davon halten mögen. Solch eine Festivität in eine Stadt zu ziehen, welche sich gerne den Ruf einer sittlichen und moralischen Festung gibt, halte ich dennoch weiterhin für unbedacht."

  • Ich musste herzlich lachen.

    Schaue Dir unsere Münzen an. Auch Abundantia, Annona oder Tellus werden immer und immer wieder mit den Ähren und dem Füllhorn dargestellt. Dein Argument ist so nicht treffend. Doch war es ein guter Versuch.


    Wie unterschiedlich doch die Flavier sein konnten. Noch wusste ich nicht, ob mir der Mann feindlich gesonnen war, oder ob er nur auf einen guten Disput aus war. Mit beidem hätte ich leben können.


    Ich musste leicht den Kopf schütteln. Die Götter und ihre Entwicklung waren seit eh und je eine fließende Entwicklung - und spannend dazu.


    Ein Priester bist Du, dann solltest Du doch die Geschichte weitaus besser kennen, denn, und nun widerspreche ich erneut, denn die Floralia war eben nicht von Anbeginn an das Fest, auf dem die besagten Damen zu ihrem Unterhalte kamen. Der Ursprung, und so wurde es celebriert, der besagt, es würden neben der Prozession gar friedlich nur Hasen und Ziegen der Freiheit übergeben. Die Freiheit der Lust ist nicht im Prgramm der Vorväter geplant gewesen. Auch war, ich habe mich unlängst kundig gemacht, Flora eben NICHT, so wie Du sagtest, nur wegen der Getreideblüte wegen gefeiert. Auch sind Spitzfindigkeiten nicht von Nöten. Doch bist Du nicht auf mein Argument eingegangen, das die Priesterschaft sich gegen diese Entwicklung stellen sollte.

    Sim-Off:

    Ich musste editieren, ich hatte ursprünglich TREND geschrieben


    Tief schaute ich ihm in die Augen und konnte, ich gestehe, eine gewisse Freude an diesem Disput nicht leugnen. Es schien mir recht so, als würden zwei Überzeugte aufeinanderprallen. Doch ging es nicht um Spitzfindigkeiten oder religiöse Details....noch nicht. Mir kam eine Idee.


    Wir beide werden diesen Disput hier nicht abschließend austragen können, leider. Denn wann welche Gottheit bevorzugt für das eine oder andere Gut - oder Saat - angerufen wurde, darüber gibt es in den Tempeln wahrlich Literatur und sicher manchen internen Disput.


    Dieses Thema hier ist eines, das viel zu komplex und konträr ist, als das wir es in zwei oder drei Stunden auf der Rostra beenden. Doch ist es auch zu wichtig, als das wir es darauf beruhen lassen. Deshalb mein Vorschlag an ALLE Römer, die dieses Thema interessiert. Im Rahmen eines Symposiums werden wir dieses Thema ausgiebig im 'Theatri Culinaris Mantuana' diskutieren. Ich selbst hatte diesen Veranstaltungsort vor geraumer Zeit erschaffen, auf das dort Themen der Kultur, Religion und Geschichte ausgibig erörtert und diskutiert werden könnten. Ich stelle mir eine Runde von Rednern vor, die aus Priestern, Gelehrten und Gläubigen bestehen. Und das interessierte Volk wird daran teilhaben können und seine Meinung kund tun.


    Es schien mir, als könnte ich endlich die erste gute Gesprächsrunde nach Mantua holen.


    Was ist, Flavius Gracchus. Willst Du an solchem Disput teilnehmen?

  • Zitat

    Original von Manius Flavius Gracchus
    "Solch eine Festivität in eine Stadt zu ziehen, welche sich gerne den Ruf einer sittlichen und moralischen Festung gibt, halte ich dennoch weiterhin für unbedacht."


    "Mantua rühmt sich nicht, den Ruf einer sittlichen und moralischen Festung zu haben, sondern Hort der Traditionen zu sein und dem wird sie ja wohl auch mit der Ausrichtung der Floralia gerecht."


    Antoninus war nicht gekommen, um mit den Bürgern zu diskutieren, aber diese Bemerkung musste einfach sein.


    "Lass dich nicht von solchen Nebensächlichkeiten aufhalten, Bruder. Die Ausrichtung der Floralia ist für deine Kandidatur nicht entscheidend und wer darauf herumreitet, der verkennt die Anforderungen für das von dir angestrebte Amt, dem du ganz sicher mit Fleiß, Ideenreichtum und Aufopferung einen eigenen Stempel aufdrücken wirst. Es gibt genügend Bürger, die deine Initiativen in der Curia Italica und Mantua bereits zu schätzen wissen."

  • Als treuer Klient der Aurelia war es selbstverständlich, das Metellus anwesend war. Rede und Auftreten des Aurelius Cicero hätten ihn aber auch so überzeugt, da musste er nicht einmal Klient sein. Er applaudierte laut. :app::dafuer:

  • Zitat

    Original von Titus Aurelius Cicero


    Wahrlich, dies war ein Mann, mit dem es sich reden ließ und der vor allem wusste, wovon er sprach.
    "Was ist daran falsch, dass jene Götter mit dem Füllhorn dargestellt werden? Sie alle haben einen Bezug dazu, sei es im Überflüss der Früchte, oder durch die Ernte oder das Wachsen jener. Mit den Floralia magst du Recht haben, doch spätestens die Ludi Florales waren seit jeher nicht sehr sittlich, wie Ovid uns in seinen Fasti lehrt. Aber, auch hierbei gebe ich dir gerne Recht, dies mag nicht mehr Gegenstand einer Diskussion an diesem Ort sein, denn womöglich mag es nichteinmal sicher sein, ob überhaupt jemand bei diesen Dingen Recht behalten kann, liegen die Einführungen unserer Feste doch zu weit zurück. Es wäre mir eine Freude, diese Diskussion an anderem Ort fortzuführen, doch Mantua ist weit entfernt. Womöglich wird sich jedoch eine Gelegenheit hier in der Stadt ergeben, wenn du als Quaestor deinen Platz in Rom einnehmen wirst."
    Ein feines Lächeln kräuselte Gracchus Lippen.
    "Doch abschließend möchte ich als Sacerdos publicus noch auf die von dir gestellte Frage bezüglich des Sittenverfalls eingehen. Die Aufgabe des Cultus Deorum war es seit jeher den Menschen in religiösen und sakralen Belangen zur Seite zu stehen und für die Pax Deorum zu sorgen. Doch Wächter über die profanen Sitten sind wir nicht, diese Aufgabe obliegt den Consuln, den Censoren und dem Staat. Wie könnten wir gegen jene vorgehen, welche durch die Götter beschützt werden? Natürlich, wir sind alle nur Menschen, auch ich habe meine persönliche Meinung zu solchen Exzessen, doch als Sacerdos ist es ebenso meine Pflicht einer Meretrix bei ihrem Opfer für Flora zur Seite zu stehen, wie einem Legionarius bei seinem Opfer an Mars oder einem Magistraten bei seinem Opfer an Iuppiter."


    Zitat

    Original von Marcus Aurelius Antoninus


    Gracchus wandte sich zu dem Mann, welcher augenscheinlich der Bruder des Aurelius Cicero war und wahrlich erkannte er in ihm einen ehemaligen Quaestor, auch wenn er sich seines Namens nicht erinnerte.
    "Verzeih, ich möchte beileibe nicht die Erfolge des Aurelius Cicero schmälern, doch waren die Floralia jene, welcher er beispielhaft für seine Initiative anführte. Im Übrigen muss der Mensch auch die Muse besitzen, sich mit Nebensächlichkeiten zu befassen, nur so wird er sicher gehen können, nichts übersehen zu haben. Mir hat dies bisweilen bereits eine Einladung zu einem sicherlich noch sehr interessanten Disput eingebracht, auch wenn ich zugeben muss, dass dies für dies Kandidatur wohl tatsächlich nebensächlich ist."

  • Mein Bruder trat hervor und sprach, auch sah ich einen unserer Klienten. beides gab mir Zuversicht und erfüllte mich, im Bezug auf meinen Bruder, mit Herzenswärme. Dann wandte ich mich, schlichtend die Hand hebend, an die Bürger.


    Hört her, Römer, Ihr alle seid Zeuge dessen, was hier geschieht.


    Sichtlich berührt musste ich mehrmals nicken und meine Zustimmung zollen.


    Ihr ward alle Zeuge eines Disputes. Eines Disputes, bei dem zwei Männer mit unterschiedlicher Meinung und Argumenten antraten. Dieser Disput ist noch nicht beendet, nein, er bietet Stoff für lange Gespräche und gute Lösungen. Lösungen, die für uns alle von Nutzen sein können, wie wir harmonisch und dennoch streitbar zusammenleben.


    Doch zeugte dieser Disput auch von etwas anderem. Wir sprachen - beide aus Überzeugung - von dem, was uns wichtig und rechtens war. Flavius Gracchus und ich, wir sind noch lange nicht einer Meinung. Doch begegnen wir uns hier von Angesicht und streiten auf offene und ehrliche Art. Auf römische Art.


    Hier auf der Rostra, und Ihr ward sicher ebenso oft Zeuge, so wie ich es war, hier gab es oft Dispute. Dispute, die oft auf unschöne Weise in Aggression und Pöbelei ausarteten. Doch nun, und ich danke dem Flavius Gracchus, nun durfte ich teilhaben daran, das es doch noch viele Römer gibt, die es verstehen, nach dem Codex der Rhetorik zu fechten.


    Symbolisch reichte ihm ihm die Hand, auch wenn der Abstand zu groß war.

    Dieses zeigt mir erneut, das wir Römer, so unterschiedlich wir auch sein mögen, einen besonderen Funken in uns tragen.


    Möglicherweise war es etwas arg poetisch aufgetragen, doch die Situation erschien mir gerecht. Natürlich wusste ich ob der gedungenen Pöbler und Streitmacher, die von ihren Patronen losgeschickt wurden, um Stimmung zu machen. Doch bislang erreichten sie noch nicht die Rostra. Dann wandte ich mich an meinen Bruder und den Flavier.

    Flavius Gracchus, ich muss darauf bestehen, Dich in Mantua meinen Gast nennen zu können, auf das Du unsere Gemeinde schätzen lernst. Und Du, mein geliebter Bruder, mein Freund und Weggefährte, sei auch Du zugegen, wenn wir weiterstreiten. So wie alle Römer hier, die Freude an der Rhetorik haben.



    Eigentlich wollte ich nur meine Rede halten, so wie es üblich war. Doch geriet ich in Vorfreude auf die Organisation eines solchen Symposiums, bei dem der Rhetorik Tribut gezollt werden könnte. In Gedanken verloren überlegte ich, was von Nöten sei: Wer würden die weiteren Teilnehmer sein? Wo könnten alle logieren? Ausreichend Verpflegung und Wein müste vor ort sein. ich vergaß fast, das ich auf der Rostra stand.

  • Macer gefiel der salbungsvolle und manchmal etwas selbstverliebt wirkende Ton des Redners nicht, der ihn eher ermüdete als fesselte. Auch den Disput, den der Mann so lobte, fand er nicht unbedingt reizvoll. So brauchte er einige Augenblicke, nachdem dieser geendet hatte, bis er selber wieder zu einer Frage in der Lage war.


    "Gestatte mir, noch einmal eine Frage zu stellen. Du erwähntest, dass du gerne als Quaestor pro Praetore dienen würdest, demnach also in eine kaiserliche Provinz als Sekretär des Statthalters entsandt werden würdest. Wie passt das zu deinem Loblied auf Mantua und deiner Schaffenskraft als Patrizier? Wäre so ein Posten nicht der völlig falsche Platz für dich und würdest du Mantua nicht sträflich im Stich lassen?"

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  • Wir müssten ausreichend Gästezimmer zurechtmachen, um........wie? Ich wurde in die Realität zurückgeholt, als der hagere Senator sprach. Ich musste zugeben, ich hatte mein Augenmerk auf eine andere Thematik gelenkt. Den ersten Teil hatte ich nur wage wahrgenommen, doch aufgrund des letzten Teils der Worte, bildete ich mir eine Gesamtaussage und hob erstaunt meine Augenbraue. Der Mann schien mir arg spröde zu sein, halt einer vom Militär, aber: ein jeder an seinem Platze, wie ich zu sagen pflegte.


    Deine Frage erstaunt mich ein wenig, Senator?! Was hat die Schaffenskraft eines Patriziers mit der Tätigkeit des Quästors pro praetore zu tun? Du glaubst doch wohl nicht etwa, ich sei mir zu schade, um mich nach oben zu dienen? Dieses ist nun seit alters her der Weg, und nur der klunkernbehangende Haarkräuseler mag sich nach oben kaufen wollen.


    Welch irritierender Satz, wusste ich doch, das es seit Generationen bei einigen zu Reichtum gekommenen Plebejern üblich war, sich einzukaufen. Irgendwie musste ich an Caesar denken. Was hatte der Mann für Bestechungsgelder gezahlt...


    Senator, ich weiß, das Du einen wachen Verstand und eine scharfe Zunge führst. Doch wenn Du meiner Rede, und ich weiß, sie war sehr lang ein dezentes Zwinkern schickte ich von der Rostra zu den Zuhörern zugehört haben solltest, was mich freuen würde, so wirst Du noch den satz im Kopfe haben: EIN JEDER AN SEINEM PLATZE. Mantua ist nun in guten Händen, da muss ich mir keine Sorgen machen. Und Mantua ist stets meine Heimat. Doch, und Du sagtest es selbst, 'meine Schaffenskraft als Patrizier' ist noch längst nicht am Ende angelangt. Mein Feuer brennt, so dass es Mantua und Rom dienlich sein möge. Also, sollte ich nun gewählt werden, so werde ich meinen Platz einnehmen. Ob in Hispania oder Italia. Ein jeder an seinem Platze.


    Ich war mir nicht sicher, ob mir der Mann symphatisch war, aber das war eigentlich egal. Von Interesse war das Imperium , nicht ein einzelner Senator. Doch könnte er sich meine Symphatie verdienen. Doch dieses ließ ich mir nicht anmerken. ;)

  • Die umständliche Wortwahl des Kandidaten gefiel Macer immer weniger und er schüttelte bedauernd den Kopf.


    "Sicher, ein jeder an seinem Platz. Du hast dich hier nun um das Amt des Quaestors beworben und eine Aufgabe als Quaestor pro Praetore angestrebt. Meine ganz persönliche Meinung als ehemaliger Statthalter, der mit einem solchen Quaestor pro Praetore zusammenarbeiten müsste, ist die, dass ich mit dir auf diesem Platz nicht recht etwas anzufangen wüsste, nachdem ich deine Rede gehört habe.


    Drum sage mir bitte nur noch, warum du eben mit 'ob Hispania oder Italia' endetest. In beiden Fällen gibt es keinen kaiserlichen Statthalter und damit keine Quaestor pro Praetore."

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