Officium des Tresvir Capitalis

  • Was für einen wohlgeratenen Sohn? Meint er etwa mich? Ziemlich knallrot anlaufend suche ich auf meinem PDA nach einer passenden Antwort. Du bist sehr großzügig, Onkel Aquilius, murmele ich.


    An diese Großzügigkeit will ich gleich anknüpfen: Soll ich uns etwas zu essen bestellen oder am Traiansmarkt etwas holen? Was würdest Du essen wollen? Etwas zu trinken? Prima Kerl, kann Gedanken lesen, liegt vielleicht auch an den neuen Aufgaben: Amtsgeschäfte machen hungrig.


    Ich notiere mir die Anregungen für den Probestein, vielleicht wäre das ja ein Geschenk für Bridhe zu den Saturnalien. Ob aber Frauen sich über gemeißelte Steine freuen? Geschliffene Steine sind ihnen doch wohl lieber? Aber Onkel Aquilius kennt sich absolut sicher mit den römischen Frauen aus, also eine Tierfigur. Ein Pferd? Einen Eber? Einen Widder? Hm. -.^

  • Großzügig nannte er mich, ich hätte fast vor Bitterkeit gelacht. Letztendlich war er der letzte einigermaßen enge Verwandte, der mir aus dem hispanischen Zweig der Familie geblieben war, und ich war heilfroh, dass er anscheinend nicht unter Messalinas Einfluss gelitten hatte, dass er normaler schien als die meisten meiner anderen Verwandten und ich selbst. Lucanus schien die Dunkelheit der Flavier nicht anzuhaften, und wenn es eines gab, was mich dessen froh machte, dann war es wohl dies.
    "Gehen wir zum Markt, das hier wird ja ohnehin noch eine Weile dauern - und ich esse nicht gern im officium, es stinkt sonst den ganzen Tag darin nach Essen." Was mit auch ein Grund war, warum so viele langjährige Beamte unglaublich schnell ansetzten. Der Geruch nach frischem Essen war nun einmal verlockend, und wenn er sich in einem Raum nachhaltig hielt, dann konnte das nur zum Nachteil des im Raum befindlichen Mitarbeiters sein. Straton blickte nicht gerade erfreut zu mir, immerhin würde die ganze Arbeit nun an ihm hängen bleiben, während wir etwas aßen, aber ich beruhigte mein Gewissen durch den Gedanken, dass ich ihm etwas mitbringen würde und erhob mich. "Brauchst Du noch irgendwelches Schreibzeug? Das können wir dann ja auch gleich einkaufen, wenn wir ohnehin auf die Märkte gehen."

  • Schreibmaterial ist in der Tag schwer zu bekommen, ich habe das letzte Exemplar dieses neuesten Duplex-Modells ergattern können, ziemlich stylisch, aber auch wirklich praktisch. Keine überflüssigen Funktionen, ganz reduziert aufs Maximum. Komisch, gerade die Staatsbürokratie müßte doch einen Haufen von Händlern und Herstellern anziehen.


    Soll ich Dir etwas mitbringen, Straton? frage ich, Oder gehst Du, wenn wir wiederkommen? Das rutscht mir ganz selbstverständlich heraus, ich schaue etwas besorgt zu meinem Onkel, ob ich mir da nicht einen Fettnapf hingestellt habe, in dem ich mich jetzt wälze. Aber sein Umgang mit dem Personal ist ja auch nicht ganz so distanziert, meine ich.


    Nach den Anstrengungen der ersten Arbeitsminuten hier im officium des IIIvir capitalis freue ich mich auf entspannende Freistunden an einer der Garküchen der Stadt. :D

  • Ich warf einen zweifelnden Blick auf Lucanus' hochgelobtes Schreibgerät - nun, wenn er an solchen Dingen seinen Spaß fand, dann wollte ich ihn nicht daran hindern, mir erschien das Ganze als ein bisschen zu neumodisch für meinen persönlichen Geschmack. Aber er musste ja damit arbeiten, nicht ich.
    "Wir bringen ihm etwas mit," meinte ich, noch bevor Straton zu einer Antwort ansetzen konnte - das wäre ja noch schöner, dass mein vilicus meinem Neffen eine Essensbestellung mitgab, so weit musste es hier nun doch bei aller Liebe nicht kommen. Straton warf mir einen - wohlverdient - giftigen Blick zu und kramte leise knurrend in den Akten, die er mir herauslegen sollte, während ich mich zur Tür wandte. "Gehen wir, bevor uns noch die Arbeit einholt," fügte ich nun mit einem schadenfrohen Grinsen gen Straton in Richtung meines Neffen an und schritt hinaus, die Straßen Roms warteten geduldig auf uns ...

  • Weil alles so überraschend schnell und gleich von mehreren Seiten auf mich eingestürmt war, hatte ich es weitgehend verabsäumt, mich über die Aufgaben meines Onkels und IIIvir capitalis, bei denen ich ihm Unterstützung angedeihen lassen soll, zu unterrichten. Ich hatte in der letzten Nacht Gellius' Attische Nächte gelesen, jedenfalls das 1. Buch und war darüber in einen unruhigen Schlaf verfallen. In meinem Träumen stritten sich eitle Stoiker mit Platonikern bei geistreichen Symposien. Durstig und hungrig war ich noch vor Tagesanbruch erwacht und hatte mich seufzend aber stoisch in mein Schicksal gefügt. Morgentoilette, anziehen und Frühstück wie üblich. Ich war ganz alleine und mußte mir in der Küche selbst Aufmerksamkeit und etwas Brot, Käse, einige Oliven und Ziegenmilch verschaffen. Ich gähnte öfters herzhaft und ausgiebig, aß aber mit frohem Mut. Da muß schon Troia brennen, daß ich keinen Hunger habe.


    Ich ließ mir von einem Sklaven warmen Wein in meine Feldflasche abfüllen und machte mich warm eingemummelt bei den ersten Sonnenstrahlen auf den Weg zur Basilica Ulpia. Ich suchte mir in der zugehörigen Bibliothek die Rolle mit der Pars VIa, "Ämter des Cursus Honorum" heraus, gab dem Sklaven meinen Namen und mein Büro an, wohin ich diese Rolle zum Studieren mitnehmen wollte und ging zum officium des Tresvir Capitalis.


    Mein Schreibtisch war inzwischen auch geliefert worden, dazu ein etwas klappriger Schemel, den es offenbar genauso fror wie mich. Ich stelle meine Lampe auf den Tisch, nicht zu nah an die Rollen, aber auch nicht zu weit entfernt, sodaß ich noch gut lesen kann:


    hat, wird für den Zeitraum der Amtsführung Beisitzerstatus im Senat gewährt.


    § 56 Vigintivir
    (1) Das 20-Männer-Kollegium, deren Ämter den Einstieg in den Cursus Honorum der Stadt Rom bilden, setzt sich aus folgenden Ämtern zusammen: den Tresviri capitales, den Tresviri aere argento auro flando ferunde, den Quattuorviri viis in urbe purgandis und die Decemviri litibus iudicandis. Über die Zuteilung entscheidet der Senat, der Kandidat hat das Recht, einen Wunschposten zu benennen.
    (2) Die Tresviri capitales beaufsichtigen die Gefangenen in den Kerkern und übernehmen die Organisation von Hinrichtungen, sie überwachen zusammen mit den Ädilen die Verbrennung verbotener Bücher, nehmen Denuntiationen begangener Verbrechen entgegen und dürfen die dazu nötigen Nachforschungen anstellen. Weiters sind sie als Gehilfe der Prätoren zuständig für die Eintreibung der Prozessbußen.
    (3) Die Tresviri aere argento auro flando ferunde sind für die Münzprägung unter der Aufsicht des Imperator Caesar Augustus und


    Im Geiste mache ich mir Notizen darüber, daß ich in Erfahrung bringen muß, welche Kerker und welche Gefangenen jeweils existieren, für welche Kerker und Gefangenen das Büro zuständig ist. Bis es zu Hinrichtungen kommt, hoffe ich, genügend Erfahrungen bei der Opferung von Widdern und anderen Tieren gesammelt zu haben. Nichts ist auch für den Verurteilten entwürdigender, als ein herzhaft reihernder und in seinen Auswurf ohnmächtig hinsinkender Gehilfe eines Magistraten. Verbrennung verbotener Bücher. Bevor die Bücher verbrannt werden, will ich die aber sicher lesen, meistens stehen ziemlich spannende und lehrreiche Dinge darin, vermute ich, z. B. über den weiblichen Körper und seine Funktionen.


    Nun, vielleicht muß ich auch Denuntiationen, Anzeigen und anderes annehmen, während Onkel Aquilius nicht da ist, Wartemarken verteilen, Termine vereinbaren, Agenden führen. Ich nehme einen tiefen Schluck aus der warmen Feldflasche. Ich hoffe, ich zittere den Alkohol des Weines schnell wieder aus.

  • [Blockierte Grafik: http://img523.imageshack.us/img523/8089/denunziantyz1.gif]


    "Salve und Guten Morgen! Ich hoff', ich stähre nicht? - Ich mecht' geben eine Information zu die Behörden, über deren Kenntnisnahme der hochwohlgäborene treßvir capitalis zweifelsohne mecht' sein sähr ährfreut'"


    Ich schaue etwas verduzt auf - habe ich das Klopfen überhört?


    "Salve und Guten Morgen auch Dir! Ich bin Flavius Lucanus, der scriba personalis des tresvir capitalis, Flavius Aquilius. Du möchtest eine Information geben? Oder doch eine bekommen?"


    Ich erhebe von meinem Schemel und schaue mich nach einem für meinen Besucher um.



    [SIZE=7]edit:/ A. Paul Weber: Der Denunziant (1962)[/SIZE]

  • "No, möchte geben eine Information, nicht nehmen. Geben besser, denn nehmen, ned wahr?"


    Der Mann, eher ein Männlein mit langer spitzer Nase und einem Eierkopf, sieht sich zögerlich im Büro um.


    "Möchtest Du Dich setzen?" frage ich denn auch, falls er einen Stuhl sucht. Den des tresvir werde ich ihm nun nicht anbieten, aber es sieht auch nicht so aus, als wolle das Männlein seine vier Buchstaben ausruhen, etwas hektisches geht von ihm aus, trotz der eher gleitenden, geschmeidigen Bewegungen.


    "Bittschön, garschön, keine Umständ' für einen armen, anständigen Birger des gättlichen Herrn Kaiser! Grate Domine, ich möcht' als besorgter Birger, als anständiger und besorgter Birger einen Umstand anzeigen."


    Wo auch immer die Götter dieses menschliche Wesen ausgegraben haben, es hatte etwas weibisches, aber auch etwas männliches an sich. Nur übers Primäre und Sekundäre schien man sich nicht einig gewesen zu sein.


    "Gern, natürlich, der tresvir capitals, Flavius Aquilius, wird Dir sehr dankbar sein, wenn Du Deiner Besorgnis Ausdruck verleihst" sage ich vorsichtig. "Wie heißt Du denn und was erregt Di ... was erregt Deine Besorgnis?"


    "Mein ... , mein Name Caius Coelestinus Cerealis, aber meine Freunde nennen mich Trecentus" Ich ziehe die Augenbrauen zusammen "Trecenti ... C C C ... hehehe" sagt das Männlein.


    Ah, ja.


    [SIZE=7]edit:/ Tipp-Ex.[/SIZE]

  • "Trecenti ... C C C ... hehehe" sagt das Männlein.
    "No", er verschmälert seinen Mund, der eben noch von einem Ohr zum anderen verlief. "Noalso ..."


    "Möchtest Du auf den tresvir capitalis nicht warten, um ihm persönlich Deine Besorgnis auszudrücken?" unterbreche ich ihn, wohl ahnend, daß Onkel Aquilius nicht undankbar wäre, wenn er den Menschen und seine "Besorgnis" nur noch als Aktenvermerk, und nicht in persona zu Gesicht bekäme.

  • Zu peinlich, zu spät dran zu sein, aber heute hatten meine Klienten so gar kein Einsehen gehabt und mich von Beginn der salutatio an belagert, als gäbe es bei mir eine besondere Delikatesse, die niemand sonst in Rom bekommen konnte - entsprechend schwer war es gewesen, die Leute loszuwerden, und ich kämpfte hart darum, überhaupt aus dem Haus zu kommen - schließlich war es dann geschafft und ich mit einiger Verspätung dann doch unterwegs gewesen, erfreut war ich darüber jedenfalls nicht. So fiel ich geradezu mit der Tür ins Haus, beziehungsweise mit Schwung in meinem officium ein, zwei Akten unter den Arm geklemmt, und fand im Raum nicht nur meinen Neffen, sondern auch noch einen Unbekannten vor, dessen Gesicht mir in etwa so viel sagte wie meine morgendliche Schale puls. "Äh, salve, und guten Morgen ..." Hatte Lucanus Besuch, in meinem officium? Ein etwas zweifelnder Blick ob des Fremden traf meinen Neffen prompt.

  • Ich wende mich zu meinem Onkel hin, der gerade das Büro betritt. Ich mache ein kleines Gesicht und zucke mit den Schultern, um ihm zu signalisieren, daß ich das Kerlchen nicht erfunden oder gar hereingebeten hatte, er möge mir nicht die Schuld geben, wenn sein kaum begonnener Tag gleich so endet ... -.^


    "Guten Morgen, tresvir, darf ich vorstellen, äh, der Bürger, äh, Caius Coelestinus Cerealis" und bevor "Trecentus" Luft holen kann - "Trecenti ... C C C ... hehehe" - mache ich eine ausladende Geste und fahre fort: "Bürger Coelestinus, das ist der ehrenwerte tresvir capitalis und Marspriester, Flavius Aquilius!" Wo waren die Trompeter geblieben?


    "Hochwohlgäborener treßvir capitalis, ich grieße Ihnen, ich..."


    "Nun", ha(c)ke ich ein, "der Bürger Coelestinus hat eine Information für Dich..."


    "Genau, ich möcht', Grate Domine, einen Umstand anzeigen! Als besorgter Birger, Sie verstähen?"


    Ich gehe einen Schritt zu meinem Tisch, rolle den offenen Papyrus zusammen und nehme den PDA zur Hand - die integrierte Fliegenklatsche (ohne Aufpreis) hat mir schon einmal guten Dienste geleistet.

  • Was auch immer das für ein Kerl war, mein Besucher, er war mir prompt unsympathisch. Natürlich, ich war mir bewusst gewesen, dass ich Denunziationen annehmen würde müssen, wenn es um Verbrechen ging, aber irgendwie hatte ich wohl erwartet, es würden Leute sein, die weniger begierig schienen, ihr Wissen loszuwerden. Aber an die üblichen schmierigen Anschmeichler würde ich mich wohl auch dabei gewöhnen müssen. Eine meiner Brauen hob sich etwas auf der Stirn, dann nahm ich an meinem Schreibtisch Platz - man wirkte als Magistrat ungleich gewichtiger, wenn man eine mit Akten gefüllte Marmorfläche vor sich hatte - und blickte meinen Besucher ein wenig genauer an. Einen Sympathiewettbewerb würde der sicher nicht gewinnen.
    "Danke, Lucanus," sagte ich in die Richtung meines Neffen und wartete, dass sich beide gesetzt hatten, mein Neffe an seinen inzwischen hineingeräumten Schreibtisch, mein Besucher auf den Besucherstuhl. "Dann lass mich bitte wissen, worum es sich handelt, Coelestinus Cerealis, und wir werden dieser Sache selbstredend nachgehen," führte ich das Schaustück 'besorgter Magistrat kümmert sich um aufrechten Bürger' in der angemessenen Weise fort, inclusive ernsthaft interessiert klingender Stimme.

  • Ich nicke meinem Chef zu und verziehe mich ein, zwei Schritte hinter meinen Tisch,



    "Bittschön, garschön, keine Umständ' für einen armen, anständigen Birger, stähe bekwem.- Hochwohlgäborener treßvir capitalis, bei mir im Haus' wohnan Kristn. No, kein Problem, sind ja ganz anständige Leit', a bisserl riach'n tun's, naja, eh', da ewigä Fisch, ned' woahr?, aba asonsten imma adrett und nett, pünktlich zahl'ns ihren Zins, über die Kristn laß'ma nichts komm'n, ned woahr?"


    Oh ihr Götter, ein Spinner der auf andere Spinner nichts kommen läßt. Natürlich. Jeder spinnt auf seine Weise, der eine laut, der andere leise.


    Nichtsdestoweniger, Hochwohlgäborener treßvir capitalis, bin ich doch vor kurzem an einer der Kasärnen der vigiles vorbeigekommen - und stölln's Eahna voa, wen' ich getroff'n hab? Einen vo de Gemeindemitglieder, die einmal die Woche da vorbeischnei'n. G'sehn hot a mi net, der Bursche, in seiner schneidigen vigiles-Unifoarm, daba is'a a Diena dieser Gemeinde, ob Prießter oder nicht, wasweißich. Das ist mir völlig einerlei. Ich mein, natürlich kann ein vigiles tun und lassen, was er will, woarum auch ned? Aber was, wenn er möcht' löschen ein Haus und ruft seinen Gott an zu Hülfe? Und unsere Götter zürnen und tun verbrennen das Haus bis auf die Grundmauern? Derf des sein?


    Coelestinus Cerealis macht ein verschmitztes Gesicht. So. So. Ich klappere ein wenig mit meinem PDA, während ich mir Stichpunkte notiere. Also Christianer, diese gottlosen Spinner.

  • Bona dea. Der Tag fing ja wirklich gut an. Es gab Menschen, denen man fast sofort eine fest gefasste Meinung gegenüber stellte, und ich musste zugeben, dass mir dieser Kerl weder sympathisch noch angenehm war - Denunziationen anzunehmen gehörte leider auch zu meinem täglichen Brot als vigintivir. Dennoch, dass jemand fast sofortigen Widerwillen auslöste, war mir bisher nicht oft passiert, und ich hoffte inständig, es würde ihm nicht auffallen.
    "Also Du hast ein Mitglied der städtischen vigiles im erdacht, ein Priester dieser seltsamen Christensekte zu sein?" fasste ich seine Worte zusammen und hob fragend eine Braue an. "Bisher scheint diese Glaubensgemeinschaft recht unverdächtig, und ich habe auch noch nicht allzu viel gehört, das gegen sie spräche - auch nicht, dass ihr Glauben gegen die römische Staatsreligion gerichtet sei. Wenn ich nicht irre, sind diese Christen eine Abspaltung der jüdischen Religion, und ausser, dass sie dauernd gegeneinander intrigieren, passiert bei ihnen nicht allzu viel ..."
    Zudem war Jerusalem seit Kaiser Titus' Anstrengungen ohnehin ein Teil des römischen Reiches und somit erachtete man das Judenproblem auch als gelöst. "Kannst Du mir den Namen dieses Mannes nennen, den Du im Verdacht hast?"

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    "Nojo, bittä, i hab den jungen Vigilen in Unifoam g'sehn, und privatissime, also: civiliter bei de Kristn und ned nua amal. Sicher, ja." Coelestinus Cerealis hebt eine Augenbraue, "No, der Hochwohlgäborener treßvir wird scho' wissen, was's aufsich mit de Kristn hot. Obba nadürlich is gerichtet deren Glaub'n gegn unsern Herrn Kaiser und die Götta uns'res Staates. Sie glaub'n ja ned daran. Atheisten san's, die Kristn, opfan den Göttan ned, komma blos z'sammn und singan irgendwelche Liada, wer weiß, was sie in deren Kultn sonst no so trei'm."


    Coelestinus Cerealis sieht jetzt aus, wie von einer schweren Last erdrückt. "Nein, leider, Hochwohlgäborener, den Noman vo dem vigiln kenn' i ned, bin ich jemand, der sich mischt ein in Angelegenheiten vo de Nachbarn? Wieadaerkenn' tät i' ihn schon kennan, sicher, i hob zwa guade Augn. Und so fesch wia'ra is ..."

  • Bona dea!! Ich warf einen kurzen Blick zu Lucanus hinüber, den ich im Augenblick um seine Tätigkeit, bei der er sich hinter seinem PDA verkriechen konnte, absolut beneidete. Noch ein paar Sprüche mehr aus dem Munde dieses zu Fleisch gewordenen Kriechinsekts vor mir und ich würde wahrscheinlich nicht mehr an mich halten können - den nächsten Amtsbewerbern mit dem Wunsch, tresvir capitalis zu werden, sollte man eigentlich vorher eine Warnung zukommen zu lassen.
    "Was die Christen angeht, werde ich mich eingehender über sie informieren - aber ohne einen Namen kann ich schlecht etwas unternehmen, das siehst Du doch sicher ein, oder? Ich kann nicht in die Kaserne der vigiles gehen und alle möglichen Männer mit diesem Verdacht konfrontieren, um dann zu hoffen, dass einer von ihnen vielleicht dumm genug ist, 'Ja, hier!' zu rufen, wenn ich nach Christen frage. Du sagst, der Mann kommt in Deiner Gegend öfter vorbei und Du hast ihn nicht nur einmal gesehen - dann frage Deine Nachbarn, ob sie ihn kennen, oder wen auch immer, Du kennst sicher viele Leute, die Dir gerne helfen werden. Undwenn Du den Namen hast, dann kehre zu mir zurück und wir kümmern uns darum. Andernfalls müsste ich Dich zu den vigiles mitnehmen und Dich unter den dort anwesenden Männern denjenigen auswählen lassen, den Du beschuldigst ... und er würde Dich dabei wohl unweigerlich sehen."
    Wenn der Mann ein so feiger Hund war, wie ich es mir dachte, würde er jetzt sicherlich einen Rückzieher machen - denn die wenigsten Denunzianten wollten von ihren Opfern auch gesehen und erkannt werden, wenn es ihm allerdings ernst mit der Sache war, würde er mir baldigst den Namen anbringen und ich konnte wirklich etwas tun - letztendlich schien diese Arbeit auch daraus zu bestehen, unter vielen Informationen die herauszufinden, die wirklich wichtig waren.

  • 'Man könnte doch einfach die vigiles allesamt zum Opfer antreten lassen', denke ich mir, will das aber nicht jetzt zur Sprache bringen. Der scriba weist den IIIvir auf nichts hin, sondern nimmt es erstmal hin. Dummheit ist eine Plage und diese Christus-Anhänger sind einfach dumm. Geschwätz ohne Verstand, keine ratio, keine theologia, keine rechte Rede von den Göttern, keine pietas dem Staat gegenüber, der sie nährt und schützt.


    [Blockierte Grafik: http://img523.imageshack.us/img523/8089/denunziantyz1.gif]


    "I wöll ja neamad's in wos 'reinreit'n, ned persönlich oda so. Oba schaun's da wear'n no meara vo de G'fraster dobei sein, die vamearn se ja wia die Karniggl, nedda? Und dös in aller Enthaltsamkeit, wia's hoaßt. No, jedanfalls wüll I damit mei Büagapficht getan hab'n. Coelestinus Cerealis steht Eana, Hochwohlgäborener treßvir, jedazeit zua Vafügung, falls'sas wünschan." Cerealis buckelt ein wenig.


    "Ansonstan, gerne werd' ich den Hochwohlgäborener dominus weiters informier'n, sin' ja hochanständige Leit, ned'woa? Gerne zu am Schwatz bereit, manchamal a bisserl ... noja, fremd, ned'woa? Wenn's sei miaßat, dann würd' ich auch geh'n mit in das praetorium, Oda i moch' mi kundig, Hochwohlgäborener treßvir, vorab, oba sicha." Cerealis buckelt ein wenig mehr und schielt zum Ausgang.

  • Zumindest machte dieser unangenehme Kerl keinen kompletten Rückzieher, das war schon einmal ein Anfang - mit einem Offizier der vigiles würde ich dennoch über die Sache sprechen müssen, denn wer wusste schon, ob dieser Christ nicht seine seltsamen Ideen unter seinen Mitvigiles verbreiten würde und am Ende hatte man dann ein ganzes Nest von diesen Verrückten mitten in Rom - keine allzu angenehme Vorstellung.
    "Ich danke Dir, Coelestinus Cerealis, für Deine Vorsicht und natürlich auch dafür, dass Du gleich zu mir gekommen bist, um mir von dieser schlimmen Sache Kenntnis zu gereichen," sagte ich mit einem um Aufrichtigkeit bemühten Unterton. "Bitte sage meinem scriba, wo wir Dich erreichen können, wenn wir noch weitere Fragen haben sollten, die sich aus der Untersuchung ergeben, und dann bleibt mir nur, Dir einen angenehmen Tag zu wünschen." So, wie der Kerl nach der Tür schielte, war er auch froh, bald gehen zu können, denn anscheinend hatte sich die Denunziation nicht ganz als so befriedigend wie erhofft entwickelt. Ich fragte mich, was er eigentlich erwartet hatte - dass ich gleich mitsamt den cohortes urbanae zu den vigiles stürmen würde, um den Christen aus ihrer Mitte herauszuzerren und öffentlich steinigen zu lassen?

  • Der Knlich, ahem, der besorgte Bürger kratzt und buckelt rückwärts gen Maurers Loch; er gibt mir seine Adresse, die ich zusammen mit der Sigle "CCCerealis" auf meinem PDA vermerkte. Wie zu erwarten, haust er irgendwo in einer der dunklen Gassen hinter den traianischen Märkten. Ich geleite ihn beflissen ein, zwei Schritt hinaus und drehe mich dann zu meinem Onkel um.


    Kein Wort, nur eine kleine diskrete Geste: -.^

  • Ich schmunzelte kurz, als mein Neffe so beredt die Augen rollte - diese kleine Geste traf meine Gefühle unserem frühen Besucher gegenüber recht genau, aber auch die unangenehmen Dinge gehörten zu meiner Pflicht, und so musste man lernen, damit irgendwie klar zu kommen. So gerne ich die Worte dieses unangenehmen Männchens ignoriert hätte, so wenig durfte ich es, und so lehnte ich mich in meinem Stuhl zurück und verschränkte die Finger ineinander.
    "Nun, Lucanus, was meinst Du, wie sollten wir weiter vorgehen? Wärst Du an meiner Stelle, was würdest Du tun, wenn ein solcher Kerl zu Dir gekommen wäre und Dir von einem vermeintlichen Christen bei den vigiles berichtet hätte?" Letztendlich war das notwendige Vorgehen klar, solange ein solcher Christ nicht ablehnte, den römischen Göttern zu huldigen, so lange konnte er auch dem Volk Roms gut dienen - der einfachste Weg wäre ein Opfer, bei dem jeder Soldat selbst würde beten müssen, ansonsten ... nun, die unangenehmeren Konsequenzen mochte ich jetzt noch nicht vollständig mir ausmalen.

  • "Meldung machen!" schnarre heiser ich im Unteroffiziers-Ton: Aufklären, aufmischen, aufwischen.


    Ich kratze mich im Nacken. "Naja, der Praefekt oder einer der Zuständigen Offiziere sollte zumindest darüber informiert werden, daß es den Verdacht auf staatsgefährdende Umtriebe gibt, nicht? Vielleicht haben die ja dort auch einen Verdacht, dem man weiter nachgehen kann." Und wenn nicht, müßte man sie zu einem gemeinsamen Opfer versammeln, oder eben alle einzeln. Dann Befragungen, Verhöre mit Verdächtigen.


    "Jedenfalls wäre es sicher fatal, einen Feind der Götter gerade unter den Schutzwachen unserer Stadt zu haben." Eine Katastrophe , die GAK, die Größte Anzunehmende Katastrophe, jedenfalls auf Stadtebene.

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