Inhapy - Hebamme und Freizeitseelsorger

  • Sie nicht sein Eigentum? Sie war ein Mädchen, er konnte mit ihr machen, was er wollte. Ws war sie sonst, wenn nicht sein Eigentum, so gesehen? Und bald würde sie ganz Ánthimos gehören. So ganz verstand Penelope den Sinn des Satzes nicht, was Anthi meinte. Aber vielleicht, weil sie es anders auch gar nicht kannte. Sie war ja keine Ägypterin, sie war Griechin.


    Dass ihr Großvater nicht mitkommen konnte, war ihr erst in diesem Moment so wirklich bewusst. Wenn sie jetzt ging, war er allein. Und wenn er auch nicht später zu ihnen ziehen wollte, würde er auch allein bleiben. Aber sie konnte ihn doch nicht allein lassen?
    Aber, Anthi, ich kann ihn hier doch nicht zurücklassen. Du weißt ja gar nicht… Keine zwei Tage, und Ashur wird ihm auch das letzte bisschen wertvollen Plunder aus dem Haus abgeschwatzt haben. Und Harmonia! Und wer sorgt dafür, dass er richtig isst und kümmert sich um ihn? Ich kann ihn doch nicht sich selbst überlassen.

  • "Wir werden einen Weg finden ihn zu versorgen." Meinte er knapp. "Aber Penelope, wenn wir ihn jetzt nicht alleine lassen, wird er nie zu uns kommen. Es wird so weitergehen wie bisher und nichts wird sich ändern. Er muss für sich merken, dass er von dir abhängig ist. Er führt immer an, dass er dich als du ein hilfloses Kind warst, gerettet hat. Aber er will sich nicht eingestehen, dass er nun ebenso hilflos ist. Erst wenn er das verstanden hat, haben wir eine Chance ihn wieder auf die richtige Bahn zu bringen."


    Kalt fügte er hinzu.


    "Um Ashur wird sich gekümmert werden."

  • Penelope wusste, dass es richtig ist, aber es war so unendlich schwer, es auch umzusetzen. Ihr Gefühl sagte ihr, dass ihr Großvater leiden würde, und sie konnte ihn nicht leiden sehen.
    "Aber, er ist mein Großvater. Es ist so verdammt schwer."
    Unvermittelt mischte sich Inhapy wieder ein. "Lasst ein bisschen Geld da, dann bring ich ihm zumindest Brot jeden Tag.“


    Penelope war noch ein bisschen zweifelnd, aber sie war abgelenkt durch die Art, wie Anthi seinen letzten Satz sagte. "Anthi? Was hast du vor? Du willst doch nichts dummes tun?"

  • "Ich weis, dass es schwer für dich ist. Aber man kann nicht immer den einfachen Weg gehen. In diesem Fall ist der einfache Weg einfach der Falsche und wird deinen Großvater ohne die Chance auf Besserung so weiter machen lassen, wie bisher."


    Dann drehte er sich zu Inhapy: "Hier hast du Zehn Drachmen, das müsste erstmal für eine Weile reichen. Ich werde ab und an vorbeikommen um zu fragen ob das Geld noch reicht. Bitte nimm dir soviel davon für deine Heilkünste wie du für angemessen hältst." Er griff in seinen Beutel und reichte ihr die Münzen. "Wenn du mal Probleme haben solltest, zögere nicht mich aufzusuchen. Eine Freundin meiner Frau ist auch meine Freundin."


    Dann drehte er sich wieder zu Pelo um die letzte unangenehmste Frage zu beantworten: "Ashur wird deinen Großvater zugrunde richten. Das werde ich nicht zulassen. Außerdem hat er dich gewürgt und angegriffen, obwohl ich ihn gewarnt habe." Meinte er völlig ruhig. "Ich denke ich muss meiner Warnung noch ein letztes Mal Nachdruck verleihen."

  • *plumps*
    Ein Berg Wäsche landete unweit eines wütenden kleinen Mädchens mit Schmolllippe, das alle anwesenden erwachsenen einmal beleidigt anfunkelte.
    “Da. Und Philolaos ist gemein!“
    Inhapy sah in das Gesicht ihrer Tochter und begab sich mit ihr nach draußen, leise tröstende Worte flüsternd.


    Penelope schaute nur einmal kurz auf den Wäscheberg. Irgendwie sah das so endgültig aus, dass es sie leicht fröstelte. Aber die Sache mit Ashur wog ihr im Moment fast noch schwerer.
    "Anthi, er ist gefährlich. Er hat Freunde hier unten. Ich will nicht, dass dir etwas passiert. Und wenn die Rhomäer davon hören… die verstehen sowas nicht. Was, wenn sie dich einsperren? "

  • "Ach mach dich nicht lächerlich. Demkst du Ashur wird zu den Rhomäern gehen? Niemand wird sich für eine solche Ratte aus Rhakotis interessieren! Außerdem habe ich nicht vor ihn zu töten oder das es irgendwelche Zeugen geben wird. Er bekommt eine letzte, eine allerletzte, Warnung. Versteh doch: Wenn wir Ashur dazu bringen das er versteht, dass es Ärger bringt deinen Großvater auszunehmen wird er es lassen, wenn er nicht völlig schwachsinnig ist. Und wenn er diese letzte Warnung nicht kapiert, hat er sein Schicksal besiegelt."
    Anthi hatte sich das ganze gut überlegt. Rhakotis war zwar kein völlig rechtsfreier Raum, aber hier gab es jeden Tag so viele Überfälle und Morde, dass es den Wachen unmöglich war diese aufzuklären. Und selbst wenn Ashur zu den Rhomäern gehen sollte, hätte er keine Beweise und es würde ihn schon sehr wundern, wenn dessen Wort mehr zählen sollte als seines.


    Eigentlich sollte er ihn gleich töten, denn ein verwundeter Gegenr war am gefährlichsten. Aber davor schreckte er zurück, denn wenn Ashur weg war würde der nächste dessen Platz einnehmen und der Spaß ging von vorne los. Ihn zu "überzeugen" war die beste Möglichkeit.

  • Penelope fuhr mit ihrer Hand einmal ganz zärtlich über Anthis Wange.
    "Ich hab einfach Angst um dich. Jetzt, wo ich dich endlich gefunden habe, wo ich auch bei dir sein darf, möchte ich dich nicht wieder verlieren. Erst recht nicht wegen so einem Kerl."
    Penelope wusste nicht, was sie tun würde, wenn Anthimos tatsächlich etwas passieren würde. Sie wollte gar nicht erst darüber nachdenken. Seit Jahren war sie zum ersten mal wieder glücklich, und zum ersten Mal hatte sie sich wirklich frei dabei gefühlt. Sie liebte ihn, sie wollte nicht, dass ihm ein Leid geschah.


    Ihr fiel noch etwas anderes ein, was bis jetzt noch gar nicht zur Sprache kam. "Wird dein Bruder Timos denn einverstanden sein, wenn ich gleich bei dir einziehe? Er hat zwar sein Einverständnis zur Hochzeit gegeben, aber… er wollte ja auch erst Großvater kennen lernen."

  • "Mach dir keine Sorgen um mich, ich werde das alles sorgfältig planen. Und ich tue das auch nicht wegen dem Kerl, sondern wegen deinem Großvater. Wenn es deinen Großvater nicht geben würde, könnte Ashur gerne machen, was er wollte. Ich beschütze nur meine Familie, und er greift uns an."


    Nun den zweiten Einwand wischte er schnell beiseite:


    "Ich werde ihm erzählen was passiert ist, und er wird es verstehen. Keiner von uns dreien würde je zusehen wie eine Frau misshandelt wird. Nicht nachdem was...ach ist ja auch egal. Es wird keine Probleme geben." Eigentlich wollte er sagen: Nicht nachdem was mit unserer Mutter passiert ist, überlegte sich es aber noch einmal anders. "Außerdem meinte er, er wollte deinen Großvater vor der Hochzeit kennenlernen, und das kann er ja immernoch."

  • Er wollte irgendetwas sagen, unterließ es aber dann dabei. Ein bisschen verwirrte das Penelope, wollte sie doch gerne alles von ihm wissen. Und eigentlich dachte sie, dass sie einander alles sagen könnten. Aber gut, sie hatte dieses Geheimnis vor ihm gehabt, sollte er seine haben.
    "Wenn du sagst, das alles gut wird, will ich dir glauben."
    Sie sah sich kurz in Inhapys Wohnraum um. Hier war viel liebevoller Krimskrams, der zwar sehr ägyptisch aussah, aber auch sehr liebevoll. Und hier und da lagen Holzfiguren oder Puppen herum. Würde ihr Heim auch einmal so aussehen? Penelope hoffte es.
    "Du musst mir glaube ich beim Anziehen von einem Chiton helfen. Ich will Inhapy nicht schon wieder bitten, sie macht immer so viel für mich. Auch, wenn sie vorhin ein bisschen komisch war."

  • "Wir lasten der Armen aber auch ganz schon was auf." Meinte er ein wenig verlegen.


    "Mit ihr hast du eine ganz besondere Freundin. War das die die dir erzählt haben, dass Männer bereits nach einem Mal nicht mehr zu gebrauchen sind?" Flüsterte er belustigt, wären Pelo sich mit seiner Hilfe ankleidete.

  • "Das verrate ich dir nicht. Sonst krieg ich in einer Woche noch Haue."
    Lächelnd zwinkerte Penelope ihrem Mann zu, verzog aber direkt darauf kurz schmerzhaft das Gesicht, als eine Bandage etwas enger an ihren Rücken gedrückt wurde.
    "Aber du hast recht, sie ist schon etwas ganz besonderes. Verrückt wie alle Ägypter, aber die Götter lieben sie. Wenn ich einmal ein Kind bekomme, hoffe ich, dass sie meine Hebamme wird. Sie entbindet eigentlich nur Ägypterinnen. Aber bei ihr ist noch nie eine Frau gestorben, kannst du dir das vorstellen? Noch nie."
    Schließlich war Penelope angezogen und sah Ánthimos nachdenklich in die Augen. Ein bisschen zögerte sie noch, ihr schlechtes Gewissen nagte an ihr wegen ihrem Großvater. Sie wollte sich gerne von ihm noch verabschieden, bis sie sich wieder sahen. Aber wenn sie hinüber gehen würde, könnte sie wohl nicht mit ihrem Mann mitgehen, weil ihr Mitgefühl sie überwältigen würde.

  • Eine Woche später war Penelope wie versprochen wieder bei Inhapy. Die Versuchung, auch nach ihrem Großvater zu sehen war sehr groß, aber sie hatte versprochen, nicht allein zu ihm zu gehen, und daran hielt sie sich. Als die Ägypterin ihr die Tür öffnete, wäre Penelope beinahe vor Schreck umgefallen.
    Inhapy, was ist mit deinem Auge?“ Pelos arme Freundin hatte einen großen Bluterguss über dem Auge, der das ganze lila umrandete. Es schien aber schon mindestens zwei Tage alt zu sein, es war nicht mehr geschwollen.
    “Komm erstmal rein Pelo. Ich erzähl es dir drinnen.“
    Ein wenig verstört trat Penelope in das Haus ein und sorgte sich sehr. Ihr juckender Rücken war vollkommen vergessen, sie wollte wissen, was passiert ist. Noch eine andere, alte Frau war im Raum, die Penelope nicht kannte. Auch eine Ägypterin, die kurz grüßte und dann sich wieder ihrem getränk widmete. Penelope setzte sich auf den angebotenen Hocker und schaute Inhapy fragend und erschrocken an.
    “Schau nicht wie eine Gans, Pelo. Es heilt ja schon.“
    Ja, aber wer war das? Amosis hat doch nicht etwa…?
    “Was, Amosis? Mach dich doch nicht lächerlich. Mein Mann ist vieles, aber kein Schläger. Der sollte sich trauen, dem würd ich die Ohren schon langziehen.
    Nein, nein, das war der Mann einer Freundin. Sie wollte sich scheiden lassen und ich hab sie und die Kinder bei mir erstmal aufgenommen.“

    Penelope drehte sich fragend zu der anderen Frau im Raum um. Die sah nicht so aus, als müsse man ihre Kinder noch mit aufnehmen, die Frau war bestimmt schon über fünfzig. Die lächelte aber nur und schüttelte den Kopf.
    “Was? Nein, nicht Aneksi, sie ist auch Hebamme. Nein, meine Freundin ist auch schon wieder weg. Ihr Mann, möge Seth seine Seele holen und in der Wüste verdorren lassen, hat sie und die Kinder auch wieder mitgenommen, vorgestern. Ich konnte ihn nicht aufhalten, und Amosis war mit den Jungs bei der Arbeit. Dabei ist das passiert. Aber es heilt schon wieder. Mir tut eher die arme Neferu leid. Sie wird sich wohl diesem Schwein wieder fügen. Und dabei hatte ich sie schon hier im Haus.“
    Das hörte sich ja furchtbar an! Penelope saß da mit offenem Mund und hörte sich die Geschichte an. Das war ja schrecklich! „Und kann man ihr nicht irgendwie helfen?
    “Wer denn? Sie ist doch wieder mit ihm mitgegangen. Und die Rhomäer interessiert doch eh nicht, was die Männer hier unten mit ihren Frauen machen.“
    Da hatte Inhapy leider recht, wie Penelope wusste. Aber dennoch war sie geschockt, dass ihre arme Freundin deswegen nun einen Schlag abbekommen hatte. Sie saß da, und wusste gar nicht, was sie jetzt machen sollte.


    Aber Inhapy hatte ohnehin anderes mit ihr vor.
    “Jetzt sag, wie geht es deinem Rücken?“
    Was? Ach der, das ist schon fast verheilt. Es juckt zwar unter der Kruste an manchen stellen noch furchtbar, aber das schlimmste ist weg. Sind nur noch zwei kleinere Stellen verkrustet, die jucken dafür schlimmer als die großen Stellen die Tage davor.
    “Ja, wenn es juckt, heilt es. Lass mich mal anschauen.“
    Penelope schlüpfte also aus ihrem Chiton und ließ sich eingehend begutachten. Als Inhapy eine Nadel rausholte, bekam sie zwar ein wenig Angst, aber es half. Die Hebamme piekste an ein paar Stellen in die Kruste auf dem Rücken, ganz vorsichtig, und das Jucken verschwand.
    “Es juckt nur so sehr, weil die Kruste so groß ist. Jetzt hängt sie nicht mehr so zusammen und kann sich abarbeiten. Aber lass ich jetzt noch mal anschauen, Penelope. Du strahlst ja richtig.“
    Penelope lächelte schüchtern. Ja, Ánthimos Gegenwart tat ihr wirklich gut. Als sie sich wieder anzog, kam nun auch die alte Frau, die Inhapy Aneksi genannt hatte herüber, und ähnlich wie Inhapy vor einer Woche schaute auch sie ihr seltsam gründlich in die Augen. So langsam wurde das Penelope schon unheimlich.
    “Was meinst du?“
    ”Könnte schon sein, sieht fast so aus.
    Was? Was sieht wie aus? Inhapy?


    Inhapy ging vor ihr in die Hocke und hatte dieses beruhigende Lächeln, das Penelope grade alles andere als beruhigte.
    “Sag, Pelo, hast du diesen Mond schon geblutet?“
    Penelope fühlte sich mit einem Mal sehr unsicher und ahnte schon was. „Ich bin ein bisschen spät dran, aber das kommt schon noch."
    Die beiden Hebammen wechselten einen Blick und lächelten sich an.
    “Nein Schätzchen, das kommt nicht mehr.“
    Penelope schaute fragend und etwas ängstlich zwischen den beiden hin und her. „Aber… das könnt ihr doch nicht bei einem Blick in mein Gesicht sehen! Gibt es da keine Möglichkeit, das festzustellen?
    Es war viel zu früh! Sie und Ánthimos waren noch nicht einmal verheiratet! Das ging doch nicht einfach so.
    Wieder wechselten die beiden Hebammen einen Blick, bis die ältere schließlich in der wohl gedanklichen Unterhaltung nachgab und nickte.
    “Komm mal mit.“
    Die beiden führten sie keine zehn Schritte weiter zu einem Eimer. Die Ältere der beiden holte ein Beutelchen hervor und schüttete dessen Inhalt in den Pot. Verdutzt sah Penelope darauf. Das waren Getreidekörner. Gerste und Weizen, wenn sie nicht ganz falsch lag.
    “Pinkel drauf.“
    Was?
    ”Du wolltest doch einen Test. Bitte, pinkel drauf. Wenn was wächst, bist du schwanger.“
    Penelope sah von einer Hebamme zur anderen und zog skeptisch eine Augenbraue hoch. Aber bitte, sie wollte ja unbedingt einen sicheren Test. Also tat sie, wie ihr geheißen, wenn das auch vor Publikum gar nicht so einfach war.
    Als sie schließlich zur Zufriedenheit der beiden Hebammen dann fertig war, sah sie etwas fragend in den Eimer. „Und wie lange muss man da jetzt warten?
    “Drei Tage. Wenn es dann gewachsen ist, hast du deine Gewissheit.“


    Penelope schluckte. Das würden sehr lange drei Tage werden.

  • Anthi wollte mit Inhapy sprechen, ohne das Penelope dabei war, denn es ging nicht um ihr gemeinsames Kind... wenn sie denn wirklich schwanger war. Allerdings zweifelte Ànthimos nicht daran. Sie hatten Isis geopfert und auch so einiges dafür getan. Seine rechte Hand schmerzte ein wenig, aber es war auszuhalten, denn er hatte natürlich eine gute Salbe für sowas- schließlich machte er als Schwerathlet sowas ja öfter.


    Er kam im Hof an, wo der Eingang zur Wohnung der Hebamme lag. Einige ihrer Kinder spielten hier, aber der junge Grieche konnte sich nicht an ihre Namen erinnern, also winkte er ihnen einfach nur zu. Er hätte auch so nichts gesagt, denn er wollte nicht dass Philolaos ihn vielleicht hörte.


    Also stieg er die Stufen hoch und klopfte an die Tür. Er war ein wenig unsicher, denn er wusste nicht wie sie ihn empfangen würde.

  • Wer mochte das wohl schon wieder sein? Als Hebamme bekam man eigentlich fast täglich Besuch, so wunderte sich Inhapy schon lange nicht mehr, wenn jemand an ihrer Tür klopfte, aber heute hatte sie eigentlich niemanden erwartet. Alle Frauen, die sie betreute, hatten entweder gerade entbunden oder hatten noch mindestens zwei Wochen Zeit. Ihre Berechnungen waren da meistens sehr genau.
    Heute Nacht hatte sie nicht geschlafen, weil ein junges Mädchen ihr erstes Kind bekommen hatte. Elf Stunden hatte es gedauert, und losgegangen war es mitten in der Nacht. Inhapy war also ziemlich müde, als sie die Tür öffnete und Ánthimos sah.
    Sie sah kurz an ihm vorbei, aber Penelope war nirgends.
    “Ist Penelope bei ihrem Großvater?
    Das war vielleicht noch ein bisschen weniger herzlich als sonst, aber Inhapy war müde, da scherte sie das nicht.
    “Ich dachte, sie wollte erst morgen kommen?“
    Heute war erst der zweite Tag ihres Tests, erst nach dreien stand das Ergebnis endgültig fest.

  • Inhapy sah wirklich nicht gut. Sie hatte ein blaues Auge und schien auch ansonsten nicht gut gelaunt zu sein.
    "Penelope ist gerade im Museion um dort nach einer Stelle zu fragen. Ich bin alleine hier und würde gerne mit dir reden." Er schaute sich um, um ihr damit zu zeigen, dass er das nur ungerne hier auf den Stufen machen wollte.

  • Einen kurzen Moment schaute Inhapy nur vor sich hin, ehe sie zurücktrat, damit Ánthimos eintreten konnte. Sie war wohl wirklich zu müde. Hoffentlich konnte sie heute Nacht durchschlafen.
    “Es war eine lange Nacht heute. Vierzehnjährige schmale Hüften und riesengroße, männliche Zwillinge vertragen einander nicht so gut. Ich kam bis jetzt noch nicht zum Schlafen. Also sei nicht beleidigt, wenn ich etwas weniger gastfreundlich gerade bin.“
    Entschuldigen tat Inhapy sich nicht. Es gab nichts, wofür sie sich schämen musste, also auch nichts zu entschuldigen.
    Hatnofer schlief auf ihrem Bett im Hauptraum. Das neunjährige Mädchen war nach der anstrengenden Nacht nur ins Bett gefallen und schlief seitdem wie ein Stein. Aber sie würde sich daran gewöhnen, wenn sie erst älter wäre und eine richtige Hebamme. Bei Inhapy war es ja auch nicht anders gewesen. Sie ging kurz zu ihrer Tochter hinüber und deckte sie richtig zu. Die heruntergefallene Puppe legte sie ihrer Tochter noch einmal liebevoll unter den Arm.
    Erst danach führte sie Ánthimos etwas weiter herein und wies ihm mit einer Hand einen Platz auf einem Stuhl am Tisch. Sie selbst setzte sich in den Sessel ihres Mannes und lehnte sich zurück.
    “Worüber also möchtest du mit mir reden?“

  • Anthi setzte sich. "Penelope hat mir erzählt, dass sie schwanger ist. Ich möchte dir für diese gute Nachricht danken. Wir haben auch schon Isis ein Opfer dargebracht." Er stockte einen Moment, weil er nicht wusste wie er weiterreden konnte.


    "Nun, ich sagte dir ja, dass du falls du einmal Probleme hast, immer zu mir kommen kannst, denn ich kann dir nicht dankbar genug sein, für das was du für Penelope getan hast."

  • Jetzt musste Inhapy lachen.
    “Ihr Griechen glaubt wohl noch an die Bienen und die Blumen? Ich habe für Penelope gar nichts gemacht, das wart ihr zwei schon ganz alleine. Ich habe ihr lediglich die Wahrheit gesagt. Aber Isis ein Opfer zu bringen ist gut. Penelope hat auch schmale Hüften, weißt du? Sie sollte vielleicht auch Toeris opfern, wenn ihr Griechen sie auch nicht so kennt. Schaden kann es nicht.“
    Inhapy lehnte sich weiter zurück und schloss halb die Augen. Sie musste aufpassen, dass sie wach blieb und nicht einschlief.
    “Dann bist du gekommen, weil du nicht bis morgen warten kannst und jetzt schon wissen willst, was die Körner sagen?“
    So ganz verstand sie den Grund seines hierseins immer noch nicht. Vielleicht war sie auch einfach zu müde dafür, ihn jetzt zu durchschauen.

  • "Nein ich bin nicht wegen Penelopes Schwangerschaft gekommen." Er schüttelte den Kopf.


    "Penelope hat mir erzählt, dass du verprügelt wurdest, weil du einer Frau helfen wolltest sich von ihrem Mann zu trennen. Nun ich stehe in deiner Schuld, und ich hasse Männer die Frauen verprügeln. Und ich bin mir sicher, dass diese Frau im Moment nichts zu lachen hat. Hier in Rhakotis regiert der Stärkere, denn hier herrscht ein beinahe rechtloser Raum. Ich wurde von meiner Mutter so erzogen das es richtig ist schwachen Menschen zu helfen..." Nun, mal schauen, ob das was mit Ashur passiert war, schon die Runde machte.

    "Hast du Ashur heute schon gesehen. Er ist doch fast jeden Tag bei Philolaos und nimmt ihn aus."

  • So ganz konnte Inhapy ihm nicht folgen. Sie rückte sich einmal im Sessel zurecht, so dass sie aufrechter saß und die Gefahr des Einschlafens verringert war.
    “Nein, der ist heute noch nicht aufgetaucht, und gestern auch nicht. Angeblich ist er die letzten beiden Tage gar nicht aus seinem Haus rausgekommen. Aber wer weiß schon, was stimmt.“
    Wollte Ánthimos damit andeuten, er hätte damit etwas zu tun, oder warum erkundigte er sich nach dem alten Widerling?
    “Und wegen meinem Auge, das heilt schon wieder. Mir tut nur Neferu leid, die mit ihm wieder zurück gegangen ist. Sie ist im Haus eingeschlossen seitdem, auch die Kinder. Sie hat zwei so süße, kleine Mädchen. Leider sieht der Vater der Kinder das ganze nicht so und bestraft sie dafür, dass sie keinen Sohn geboren hat. Ein Wahnsinniger.“

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