Das schäbige kleine Officium des Princeps Prior Decimus Serapio

  • Das schäbige "Ausweichofficum" Serapios war zwar inzwischen nicht mehr der einzige Ort, den der Centurio für sich hatte, doch für Tychicus war er irgendwie zum symbolischen Ausgangspunkt ihrer Nachforschungen bezüglich der Christianersekte geworden.


    Als Silio die Sache mit dem Fisch berichtete, klingelte irgentetwas in Tychicus Hinterkopf, aber konnte sich beim besten Willen nicht entsinnen, auf was sein Unterbewusstsein ihn in diesem Zusammenhang aufmerksam machen wollte.
    Schließlich gingen die anderen Kameraden, und der Rediviver blieb mit seinem Centurio allein zurück. Als er die Aufforderung dazu bekam, berichtete er:


    "Alles ist relativ glatt gelaufen, Centurio. Ich habe Scopas am Frachthafen recht schnell ausfindig machen können und habe mit ihm ein Treffen mit diesem..., er räusperte sich kurz unbehaglich, ... mit diesem "Experten" arrangiert. Ich habe ihn... nein, sie, gestern Abend in einer Taverne getroffen. Denn dieser Experte ist in Wirklichkeit eine junge Frau! Ich hätte zuerst am liebsten kehrt gemacht, um eure Meinung darüber einzuholen, aber dann wurde mir klar, dass ich wahrscheinlich in der Überraschung einfach überreagiere und habe mit ihr gesprochen.
    Sie wirkte letztendlich recht professionell und hat den Auftrag ohne viel Verhandlung angenommen. Sie wird, wenn sie fertig ist, eine anonyme Nachricht hier bei der Castra abgeben, auf euren Namen adressiert. Ich hoffe, ich habe damit in eurem Sinne gehandelt?"


    Mit einem fragenden Blick beendete er die kurze Zusammenfassung, denn die Sache mit dem weiblichen "Experten" irritierte ihn einfach immer noch.

  • Gespannt lauschte ich dem Bericht des Miles. "Sehr gut!" meinte ich mit erfreutem Lächeln, als er erzählte, dass er die Person wirklich gefunden hatte.
    Aber... "Eine Frau?!" Da machte ich grosse, verblüffte Augen. Das war ja komisch. Eine Frau! Ob die das konnte? Ob da das Geld nicht in den Sand gesetzt war? Nun ja, man würde sehen. Frauen konnten ja auch ganz schön raffiniert sein, wenn ich an Flora oder Fortunata dachte zum Beispiel... Alles in allem klang es ziemlich gut - bis auf die letzte Information.
    "Auf meinen Namen?", wiederholte ich erschrocken. "Du hast ihr meinen Namen verraten?! Bona Dea, ich sagte doch die Sache ist geheim, man darf es nicht zu uns zurückverfolgen können! Dius Fidus!!", schimpfte ich, und hieb mit der Faust auf den Tisch (der heftig wackelte, nicht etwa wegen meiner herkulischen Stärke, sondern weil ein Bein etwas lose war), "Bei Flora und Furrina, Miles, solche Leute heuert man doch grund-sätzlich incognito an!"
    Aufgebracht starrte ich den Soldaten an, mit gerunzelter Stirn, und voll Sorge dass durch irgendeinen dummen Zufall rauskommen könnte zu was für unsauberen Mitteln ich gegriffen hatte. Wo ich es doch gerade erst mit knapper Not überstanden hatte, dass Bibulus in meiner Vergangenheit geschnüffelt hatte... Tja, ich hätte wohl diesen Punkt Redivivus deutlicher einschärfen sollen, aber es war für mich ja auch noch recht neu, andere mit solchen Aufträgen loszuschicken... - Der Mann war einfach viel zu ehrlich! ;)

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  • Tychicus schrumpfte förmlich um einige Handbreit, als der Centurio zu schimpfen begann. Da hatte er wohl etwas ein wenig falsch verstanden. Er hätte nicht gedacht, dass sogar die Leute, die mit ihnen zusammenarbeiteten nichts von ihrer wahren Identität als Soldaten wissen duften. Da er es für relativ hoffnungslos hielt, seine Position jetzt lang und breit zu verteidigen, sagte er einfach nur mit entschuldiger Stimme:


    "Oh, das tut mir leid, Centurio. Da lag wohl ein Missverständnis vor... Ich verspreche, so etwas wird nicht wieder vorkommen."


    Jetzt konnte er nur aufrichtig hoffen, keinen allzu großen Schaden angerichtet zu haben. Bei der Vorstellung, dass Celeste diese Informationen jetzt vielleicht schon gewinnbringend an irgendwelche Leute verkauft hatte, die ganz und gar nicht von ihrer geheimen Aufgabe wissen durften, wurde Tychicus ganz schlecht. Wenn dem so wäre... sie würden ihn bestimmt degradieren oder sogar entlassen! Er betete zu sämtlichen Göttern, dass sie noch einmal Gnade mit ihm walten ließen und ihn vor einer solchen Katastrophe verschonten... :anbet:

  • Mit finsterer Miene hörte ich mir die Entschuldigung an, ohne etwas darauf zu erwidern, denn ich wusste wirklich nicht, ob ich den Mann eher belohnen sollte, für diesen gefährlichen Einsatz, den er da erledigt hatte, oder bestrafen für seine, wie ich fand, unangebrachte Ehrlichkeit. Unwillkürlich griff ich mir an den Hals, und lockerte erst mal mein fest gebundenes Focale. Mein Ärger war so schnell verraucht wie er aufgeflammt war, aber der Schreck sass mir noch in den Knochen. Ich atmete tief durch, und versuchte wieder klar zu denken. Da konnte man wohl nur hoffen, dass diese Frau wirklich so professionell war, und ihre Aufträge nicht an die grosse Glocke hängte. (Aber wer hatte schon jemals von einer Frau gehört, die etwas für sich behalten könnte?!) Oder man könnte sie verschwinden lassen, sie mundtot machen, wenn man sie erwischen könnte - aber für sowas war ich nicht abgebrüht genug.
    Bemüht ruhig, in sachlichem Tonfall, stellte ich Redivivus eine Reihe von Fragen.
    "Wie sah die Frau aus? Hat sie einen Namen genannt? In welcher Taverne hast du sie getroffen? Wie habt ihr euch preislich geeinigt?"
    Vielleicht, so überlegte ich, vielleicht könnte man das Problem einfach mit mehr Geld aus der Welt schaffen.

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  • Es erleichterte Tychicus ein wenig, dass der Decimer sich schnell wieder beruhigte und seine Fragen jetzt wieder sachlich und ruhig, wie der junge Miles es von ihm kannte, stellte.


    "Nein, einen Namen hat sie mir nicht gennant. Sie war, wie gesagt, noch ziemlich jung, jünger als ich selber auf jeden Fall. Sie war schlank, relativ klein und hatte blonden Haare."
    Er runzelte die Stirn während er überlegte, ob ihm noch mehr aufgefallen war, dann fuhr er fort:
    "Ich habe sie in einer Taverne irgendwo nordöstlich des Forum Romanum getroffen...", er kramte kurz unter seiner Rüstung herum und zog dann die Lageskizze hervor, die Scopas ihm gegeben hatte. Der Rediviver reichte sie seinem Centurio.
    "Die hat der Kontaktmann, Scopas, für mich gezeichnet, aber sie ist nicht sonderlich genau... Ich habe noch einige Zeit selber suchen müssen, bis ich diese Taverne endlich gefunden hatte.
    Preislich... Ich habe ihr einhundert Sesterzen im Voraus gezahlt, damit sie sich nicht doch noch umentscheidet, die restlichen zweihundertfünfzig Sesterzen, die noch übrig waren, bekommt sie nach Abschluss des Auftrags."


    Noch einmal keimte die Angst in ihm auf, einen Fehler gemacht zu haben. Die "Expertin" hatte viel zu schnell und ohne viele Verhandlungen auf alles eingewilligt, was er vorgeschlagen hatte. Was, wenn sie sich wirklich nur mit ihm getroffen hatte, um die geheimen Ermittlungen der Cohortes Urbanae aufzudecken? Vielleicht bildete er sich das auch nur ein... aber es schien so eindeutig! Sollte er Serapio davon erzählen?
    Nein, sagte er sich schließlich. Wahrscheinlich reagierte er bei der ganzen Aufregung einfach nur über. Es würde nichts an seinem Fehler ändern, jetzt mit seinen vielleicht sogar völlig unberechtigten Sorgen daherzukommen, wahrscheinlich würde es alles sogar eher verschlimmern. Also hielt er lieber den Mund.

  • Eine kleine, junge Frau - es wurde immer seltsamer. Ich nahm die Skizze entgegen, und starrte mit zusammengekniffenen Augen darauf, so intensiv als stünde dort die Antwort auf all meine Fragen geschrieben. Oder auf die grosse Frage: Was tun? Vielleicht dramatisierte ich das Ganze ja auch. Man hat mir schon öfter einen Hang dazu nachgesagt, zum Drama und zur Theatralik. Ausserdem fragte ich mich jetzt, ob ich, wenn es wirklich ein Missverständnis gewesen war, die Verantwortung nicht doch eher bei mir zu suchen hatte, und dem Miles Unrecht tat. Aber das konnte ich natürlich nicht zugeben. Schliesslich hat beim Militär grundsätzlich der Vorgesetzte recht, und als ich Miles gewesen war, hatte ich auch so manche Kröte schlucken müssen.
    Ich nickte, als Redivivus von dem vereinbarten Lohn sprach, diesmal angenehm überrascht, dass noch Geld übrig war; da musste er geschickt verhandelt haben.
    "Gut...", sagte ich, lehnte mich auf meinem Stuhl zurück, und redete mir ein, dass ich doch eigentlich alles unter Kontrolle hatte. "Das ist ja recht preiswert. - Ich muss mir selbst ein Bild von dieser Frau machen. Wenn sie uns kontaktiert, gehe ich selbst zu dem nächsten Treffen." Ich muss zugeben, bei dieser Entscheidung spielte auch meine Neugierde, diese geheimnisvolle Frau auch mal mit eigenen Augen zu sehen, eine gewisse Rolle.
    "Dann gib mir bitte bei Gelegenheit den Rest des Geldes zurück, den gebe ich ihr dann selbst."
    Wenn 'die Expertin' wirklich von sich hören liess. Wenn, wenn, wenn...
    "Ansonsten möchte ich, dass diese ganze Angelegenheit unter uns bleibt. Kann ich mich da auf Dich verlassen, Miles Redivivus?, fragte ich zuletzt, wobei ich meinem Gegenüber sehr ernsthaft in die Augen sah.

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  • "In Ordnung"
    Tychicus konnte verstehen, dass der Centurio diese Expertin jetzt gern auch selber einmal unter die Lupe nehmen wollte.
    Den Beutel mit dem restlichen Geld hatte der Rediviver wohlweislich zu der Lagebesprechung mitgebracht, denn obwohl ein Teil inzwischen verbraucht war, trug Tychicus da immer noch eine für ihn selbst ungewohnt hohe Summe mit sich herum, und je früher er diese Verantwortung loswerden konnte, desto besser. Also zog er den Beutel hervor und reichte ihm dem Decimer.


    "Natürlich könnt ihr euch auf mich verlassen, Centurio.", stellte Tychicus dann klar. Er verstand, dass der Decimer sich selbst ein wenig absichern wollte, sollte irgendetwas mit dieser Expertin doch faul gewesen sein. Solange er in diesem Fall nicht versuchen würde, die Schuld auf Tychicus abzuwälzen - was der Rediviver eigentlich nicht von ihm erwartete - konnte Serapio mit seiner Verschwiegenheit rechnen.


    Sim-Off:

    Geld geht in der WiSim wieder zurück dir

  • "Danke." Ich nahm den Beutel entgegen, nickte dann kurz und knapp bei der Antwort des Miles, mehr war dazu nicht zu sagen.
    "Das wäre dann...", begann ich schon die Abschlussfloskel, da fiel mir doch noch etwas ein, "...ach nein, da ist doch noch etwas. Die Scola Atheniensis bietet in ein paar Tagen wieder einen Cursus Res Vulgares an, und wenn du die Zeit dazu hast, würde ich dir empfehlen, da teilzunehmen. Das ist kein Befehl, und es geht dabei auch nicht um militärische Themen, aber der Kurs ist eine gute Grundlage für, ähm, na eben für alles mögliche was das öffentliche Leben angeht."
    Ich fand einfach, dass Bildung nie schaden konnte, auch uns Urbanern nicht, und schon gar nicht wenn man vielleicht mal höher hinaus wollte.
    "Das ist dann alles", schloss ich, wegtreten."
    Sobald ich alleine war erging ich mich, die altvertrauten Mühlsteine anstarrend, wieder in Betrachtungen und Überlegungen, wie ich das alles am Geschicktesten anstellen sollte und wie es wohl ausgehen würde. Tatsächlich dauerte es nicht lange, bis unsere Expertin, mittels einer sehr einfallsreichen Botschaft, mit mir Kontakt aufnahm...

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  • Der Cursus Res Vulgares... den hatte Tychicus in der letzten Zeit einfach vergessen. Erst die Sache mit dem Mord an dem Octavier, dann die geheimen Christianerermittllungen... Vor längerer Zeit hatte er Furia Stella, die Curator Libris an der Schola Atheniensis war, getroffen und sie später noch einmal besucht, wobei sie ihm ebenfalls ans Herz gelegt hatte, den Cursus zu absolvieren. Jetzt bot sich noch einmal die Möglichkeit, und Tychicus wollte sie diesmal ergreifen.


    "Das ist eine gute Idee, ich werde so bald wie möglich bei der Schola vorbeischauen, um mich anzumelden."


    Gerade, wenn er es noch weiter bringen wollte als ewig Miles zu bleiben, konnte so etwas nie schaden. Damit war das Gespräch beendet.
    Er nickte zum Abschied und verließ dann das Officum. Er würde den Rest des Tages auf dem Exerzierplatz verbringen, um nach den vergangenen Tagen mit "Außeneinsätzen" nicht aus der Übung zu kommen, und vor allem, um nach diesem teilweise nicht gerade beruhigenden Gespräch wieder auf andere Gedanken zu kommen.

  • Wieder einmal hatte ich Redivivus Tychicus in mein schäbiges, altes, konspiratives Officium zitiert, denn wieder einmal gab es etwas aussergewöhnliches zu erledigen. Als wir uns gegenüber sassen, kam ich gleich zur Sache.
    "Miles Redivus, ich habe einen neuen Auftrag für dich. Bei einer der Zielpersonen wurde ein Anhänger in Kreuzform gefunden" - gefunden war natürlich der totale Euphemismus, das wussten wir wohl beide - "und ich möchte, dass du speziell diesem Mann genauer auf den Zahn fühlst. Sein Name ist Petronius Glabrio, es ist der Tavernenwirt, der dritte auf der Liste über die wir uns, ähm, besonders informiert hatten. Ich habe mich dann weiter über ihn umgehört, und noch etwas sehr interessantes herausgefunden: dieser Petronier war früher in Germanien Duumvir, jetzt lebt er dagegen als einfacher Bürger. Dieser Bruch in der Biographie könnte darauf hinweisen, dass er sich damals den Christianern angeschlossen hat." erklärte ich mit ernstem Gesicht. Wenn Peregrine in diese Sekte eintraten, dann war das schon nicht gut, aber wenn angesehene römische Bürger ihnen verfielen - sehr bedenklich.
    "Du wirst dich diesem Mann inkognito nähern, ihn beobachten, versuchen ihn kennenzulernen, wenn möglich sein Vertrauen zu gewinnen. Spiel ihm vor, du wärst von unseren Göttern enttäuscht, und auf der Suche nach etwas anderem. Sollte er versuchen, dich zu missionieren, geh zum Schein darauf ein. Es wäre natürlich ganz phantastisch, wenn einer von uns diese Sekte von innen kennenlernen könnte.
    Für diesen Auftrag stelle ich Dich, vorerst für die nächsten drei Wochen, vom regulären Dienst frei. Überleg Dir einen anderen Namen, eine andere, hm, Identität, in der du nicht Soldat bist, mit der du an ihn herantreten kannst. Er vermietet auch Zimmer - laut einem Aushang auf dem Forum - und ich denke, es wäre kein schlechter Ansatz, wenn du dich erst einmal bei ihm einmietest. Oder aber du versuchst in seiner Taverna Arbeit zu finden... er hat sie eben neu eröffnet, vielleicht sucht er ja noch Leute. Arbeit und Unterkunft wäre das beste... Aber die Einzelheiten überlasse ich dir. Fragen soweit?"

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  • Ein neuer Tag, ein neuer Auftrag - Seit der Praefectus Urbi dem Decimer die Leitung der Christianer-Ermittlungen übertragen hatte, wurde es Tychicus nie mehr langweilig hier in der Castra. Vor ein paar Tagen erst hatte die Sache richtig begonnen, und jetzt wurde es wirklich ernst.
    Für ein paar Stunden inkognito und im Zivil durch die Stadt zu laufen war ja noch keine wirkliche Herausforderung gewesen, aber vielleicht für mehrere Wochen nicht in die Castra zurückkehren zu können und sich eine völlig neue Identität zuzulegen - das waren schon etwas andere Aussichten für den jungen Miles.
    Trotzdem traute er sich die Sache zu. Ausgerechnet hier würde es ihm hilfreich sein, dass er nur wenig Kontakt zu seiner relativ kleinen Familie (oder dem, was ihm davon geblieben war) pflegte. Wenn ein Decimer so etwas versuchen würde... nun, er würde wohl am Tag mindestens einem Dutzend mehr oder weniger eng Verwandter über den Weg laufen, die ihn erkennen und damit seine Tarnung zunichte machen würden ;)
    Ja, er traute sich zu, auch diesen Auftrag erfolgreich abschließen zu können.


    "Eine neue Identität... gut. Da wird mir schon etwas einfallen. Kann ich in dieser Zeit trotzdem irgendwie noch Kontakt zu euch aufnehmen? Während so einer langen Zeitspanne können sich die Gegebenheiten schnell ändern, und es wäre gut, wenn ich mir dann neue Befehle oder einfach nur einen Rat abholen kann."


    Die zeitliche Länge der Sache... Ja, das war das Einzige, was Tychius ein wenig zu schaffen machte. Er wollte nicht, so völlig abgekapselt von seinen Kameraden und vor allem seinem Befehlshaber, vor sich hinarbeiten und möglicherweise wieder einen solchen Fehler begehen, wie er ihm letztlich noch mit Celeste unterlaufen war.

  • Ach, irgendwie beneidete ich den Miles. Bei so einer spannenden Aufgabe hätte ich mich nur zu gerne selbst ins Gefecht gestürzt!
    "Ja, dafür habe ich mir etwas überlegt. Miles Marius ist gerade, auch in Zivil, in der Stadt unterwegs, um eine kleine Wohnung in einer Insula zu finden und anzumieten, irgendwo, wo die Mieter schnell wechseln und sich kaum kennen. Dort können wir uns dann gegenseitig Nachrichten deponieren. Wenn du dich manchmal dorthin begibst, ist das längst nicht so auffällig, wie wenn du zur Castra kommen würdest, und ich werde jeden Tag jemanden hinschicken um nachzusehen. Wenn du etwas interessantes erfährst, dann wirst du mir so kurz schriftlich Bericht erstatten, und wir können uns dort auch treffen. Aber fasse die Nachrichten unbedingt so ab, dass man aus ihnen nicht entnehmen kann, dass wir Urbaner sind!"
    Hm... es gab jede Menge Einzelheiten, die bedacht werden wollten.
    "Ansonsten vermeide den Kontakt zu uns. Wir werden das Haus des Petroniers in der Zeit auch nicht observieren, um die Christianer nicht argwöhnisch zu machen...
    Wie beim letzten Mal gilt: nimm keine Waffen mit, an denen man dich als Soldat erkennen könnte. Halte unseren Auftrag geheim. Und misstraue allem, was die Christianer sagen. Diese Leute können anscheinend sehr suggestiv sein... lass dich nicht von ihnen in ihren Bann ziehen, Miles Redivivus."


    Diese Ermahnung unterstrich ich mit einer bedeutungsvollen Pause. Dann kam ich wieder zu konkreteren Dingen, und zwar schob ich dem Miles einen kleinen Beutel über den Tisch.
    "Hier ist etwas Geld, falls du dich ausrüsten musst, oder um das Zimmer zu bezahlen. Es ist eine bescheidene Summe, damit du nicht auffällst. Wenn du im Verlauf des Auftrages mehr brauchen solltest, schreib es mir.
    Um das noch mal zusammenzufassen, die angestrebten Ziele dieser Sache sind:"
    - ich zählte es an den Fingern ab, als ich fortfuhr - "herauszufinden, ob der Petronier wirklich Christianer ist, ob er gegen das Decretum Christianorum verstösst, ob er in kaiserfeindliche Umtriebe verwickelt ist, und wer in seinem Umfeld noch dazugehört - ach ja, dafür sollst du mir eine Auflistung der Stammgäste erstellen - , und ausserdem natürlich ganz allgemein worum es bei deren Lehre geht, was ihre Ziele sind, und das Optimum maximum wäre, dich in die Sekte einzuschleusen."
    Das war jetzt eine ganze Menge, und natürlich erwartete ich nicht, dass eine Mission mir all dieses Wissen verschaffen könnte, es war mehr Wunschdenken, denn der Präfekt hatte mir ziemlich Druck gemacht, als ich ihm Bericht erstattet hatte - Druck den ich unangenehm in meinem Nacken lastend spürte.

  • Der Rediviver runzelte konzentriert die Stirn und versuchte, sich alles genau einzuprägen, was der Centurio ihm aufzählte. Es erleichterte ihn ein wenig, dass er trotz der drohenden Abgeschiedenheit von den Kameraden regelmäßigen Kontakt zu den Cohortes Urbanae würde pflegen können. So konnte verhindert werden, dass die Sache allzu schnell aus der Bahn geriet.


    "Verstanden, Centurio.", sagte er, als der Decimer seine Aufzählung beendet hatte.
    Dann griff er nach dem Geldbeutel und verstaute ihn dort unter seiner Rüstung, wo eben noch der andere, deutlich schwerere Beutel gewesen war.


    "Wann soll es losgehen?"


    Langsam begann er, sich mit dem Gedanken abzufinden, so lange auf sich gestellt zu sein, und eine gewisse Aufregung und Vorfreude machte sich in ihm breit. Er würde nicht nur beweisen können, was in ihm steckte, sondern vielleicht auch wichtige Informationen beschaffen können. Wie schon zuvor, als er den Auftrag mit Celeste bekommen hatte, war Tychicus stolz und dankbar, dass der Decimer ihm eine so verantwortungsvolle und knifflige Aufgabe zutraute.

  • "Sobald Miles Marius das mit der Wohnung geklärt hat, also wahrscheinlich schon morgen", antwortete ich. Ich war froh, dass Redivivus den Befehl so motiviert und unternehmungslustig aufzunehmen schien, denn schon wieder wollte sich ein ungutes Gefühl in mir breitmachen - weil ich jemand anderen in die Gefahrenzone schickte, während ich selbst sicher hinter Castramauern blieb.
    "Und kein Wort darüber zu den uneingeweihten Kameraden. Wenn sie es unbedingt wissen wollen, dann ermittelst Du gegen eine Schmugglerbande."


    Soviel dazu. Aber ich fand, dass ich es dem Miles schuldig war, ihn über den Verlauf des vorigen Auftrages nicht völlig im Dunkeln zu lassen, schliesslich hatte er den Kontakt mit Celeste hergestellt, und sich ebenso wie ich Sorgen um den Ausgang gemacht.
    "Was den Auftrag davor angeht... ich habe die Frau inzwischen getroffen, und sie war ihr Geld wirklich wert. So wie ich sie einschätze, müssen wir keine Bedenken haben, dass sie etwas herumerzählt. - Es könnte sogar sein, dass sie in Zukunft wieder für mich arbeiten wird."
    Ich lächelte ihm zu, und schloss: "Das wär's für heute. Dann bleibt mir nur, dir viel Erfolg bei deiner Mission zu wünschen! Mögen Mars, Mercur und Fortuna mit dir sein, Miles."

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  • "Gut... sehr gut!", brachte Tychicus erleichtert hervor, als der Decimer ihm berichtete, dass mit der "Expertin" schließlich doch alles gut gegangen war. Den Göttern sei Dank hatten sich seine Befürchtungen nicht bewahrheitet und sein Fehler, etwas zu vertrauensselig gewesen zu sein, hatte sich nicht gerächt.
    Aber aus Fehlern konnte man ja auch lernen, und so schien der erste Christianerauftrag für den jungen Miles doch nur gute Folgen gehabt zu haben.


    "Vielen Dank, Centurio. Vale!", verabschiedete er sich und hoffte, dass die Götter tatsächlich ihre helfenden Hände über ihn halten würden.
    Von dem Geld, dass der Centurio ihm für den Auftrag gegeben hatte, würde er sich jetzt ersteinmal mit Kleidung besorgen gehen, die zu seiner falschen Identität passte. Also verließ er das Officum und, nachdem er sich seiner dafür störenden Rüstung entledigt hatte, auch die Castra.

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