Casa Quintilia (alt)

  • Schnell wurde die Tür zum Hause der Gens Quintilia geöffnet und Reatinus wurde von einem Sklaven empfangen. Was er nicht wusste war, dass es sich bei diesen Sklaven auch um denjenigen handelte, der in Reatinus´ Obhut kommen würde.
    "Salve!", grüßte der Artorier nickend, "Mein Name ist Servius Artorius Reatinus, meines Zeichens Praefectus Castrorum der Legio II. Ich wünsche die Hausherrin zu sprechen, hat sie einen Moment Zeit?".

  • Praefectus Castrorum. Nein, Bashir wußte nicht, was das war. Aber es klang verdammt wichtig und hochgestellt. Also machte er eine einladende Geste. "Bitte trritt doch ein. Ich werrde meine Domina soforrt überr Deinen Besuch inforrmierren." Es wurde sehr schnell deutlich, in welch einfachen Verhältnissen die Quintillierin hier lebte. Doch auch mit einfachen Mitteln konnte man es gemütlich machen.


    Bashir führte den Besucher in den Wohnraum und bot ihm mit einer einladenden Geste einen bequemen Sitzplatz an. "Bitte nimm doch Platz. Kann ich Dirr etwas zu trrinken anbieten?"

  • Die Einladung ließ sich Reatinus nicht zwei Mal sagen, was wohl der Grund dafür war, dass er sofort in die gute Stube trat. Er folgte Bashir in den Wohnraum des Hauses und bemerkte lächelnd die einfachen Verhältnisse. Wenn man immer an hochwertigen Möbeln saß, schrieb oder einfach schlief, was er eine erfrischende Änderung, auch wieder zu bedenken, wo man her kam. Denn Reatinus entstammte einfachen, bürgerlichen Verhältnissen.


    Dankend nahm Reatinus Platz und winkte die Bitte nach einem Getränk ab. "Nein, danke, ich habe keinen Durst.".

  • Keinen Durst. Na gut. Bashir verneigte sich nochmals. "Dann werrde ich Domina Valentina jetzt Bescheid sagen, daß Du warrtest." Mit diesen Worten verließ er den Wohnraum, um Valentina zu holen. Er war schon sehr gespannt, was der Mann wohl wollte.

  • Niedergeschlagen betrat Valentina den Raum und schenkte ihrem Gast nur ein pflichtbewusstes Lächeln. Sie setzte sich ihm gegenüber. Heute war wohl einer ihrer schwersten Tage. Sie wusste warum ihr Gast hier war und sie konnte nichts dagegen tun. Einzig den kläglichen Rest Würde, den sie ihrer Familie, ihrem Bruder, noch schuldig war, konnte sie vertreten. Und so stellet sie sich erst einmal unwissend.
    "Du wolltest mich sprechen?"

  • Eine nicht gerade glückliche Frau kam dem Artorier entgegen, während dieser ruhig auf seinem Platz saß. Reatinus nickte und grüßte mit einem einfachen: "Salve".
    Reatinus hielt kurz inne und fragte sich, weshalb die Herrin des Hauses wohl so niedergeschlagen sein mochte. Hoffentlich war das nicht seine Schuld.


    "Ja, dem ist so. Ich brauche für meinen Haushalt einen weiteren Sklaven und mir ist zu Ohren gekommen, dass hier einer die Obhut wechseln soll.".

  • Natürlich hatte Bashir davon gewußt. Valentina und er hatten ein langes, ein sehr langes Gespräch geführt. Auch wenn sie es beide bedauerten, es war nicht mehr anders zu lösen. Sie hatte ihm aber versprochen, sich den neuen Besitzer sehr genau anzuschauen und ihn nur in wirklich gute Hände abzugeben. Natürlich schaute Bashir sich den Besucher nun genauer an. Ein Soldat? Ein Offizier? Von hohem Stand? Konnte das etwas Gutes bedeuten? Im Großen und Ganzen machte der Mann keinen schlechten Eindruck. Aber wie hatte sein Vater immer gesagt: Du schaust den Menschen immer nur vor die Stirn und nie dahinter. Wie sie wirklich sind, erfährst Du erst, wenn sie Macht über Dich haben.


    Auf einmal hatte der junge Parther einen ziemlichen Kloß im Hals. Irgendwo in seinem tiefsten Innern hatte er wohl gehofft, daß sich gar kein Interessent finden würde. Und daß sich irgendetwas ergeben würde, daß er doch bei Valentina bleiben konnte. Er wirkte auf einmal stocksteif und sein Blick brannte, während er auf Raetinus gerichtet blieb. Dieses Gespräch würde also nun über seine Zukunft entscheiden.

  • Als Valentina nun den Blick hob, rann eine Träne über ihre Wange und sie nickte als Antwort. "Ja, so ist es." Sie deutete mit einer kleinen Bewegung auf Bashir. "Er ist der beste Hausangestellte den ihr bekommen könnt." Valentina vermied noch immer das Wort Sklave auszusprechen.
    "Sorgt gut für ihn." Ihr Blick lag auf des Soldaten und sie konnte nicht verbergen wie schwer es ihr fiel ihren Freund an einen anderen weitergeben zu müssen.

  • Reatinus merkte es, wenn Blicke auf ihn lasteten, wenn er scharf beobachtet wurde, wie jetzt von Bashir. Dieses Unwohlsein, welches nun bei ihm entstand, wurde nur dadurch verstärkt, dass es eine schwierige Trennung für die Hausherrin sein musste. Reatinus senkte etwas den Kopf und überlegte.


    "Ich... muss ihn nicht mitnehmen, wenn es schwer ist...", sprach der Artorier verunsichert.

  • Für einen winzigen Augenblick gestattete Bashir sich Hoffnung. Hoffnung darauf, doch bleiben zu können. Aber dann machte er sich klar, daß es an der Situation nichts änderte. Valentina würde ihn behalten, wenn sie könnte. Das wußte er. Also mußte er auf jeden Fall einen neuen Besitzer finden. Innerlich seufzte er. Und schaute nochmal zu dem Mann. Allein schon sein Angebot, von dem Geschäft doch Abstand zu nehmen, zeichnete ihn als menschlich und freundlich aus. Da gab es sicher schlechtere als ihn. Nun blickte der Sklave zu Valentina. Und nickte fast unmerklich. Denn er wußte, sie würde wissen wollen, ob er einverstanden war. Etwas, was sonst wohl niemand fragen würde. Nun wollte er ganz auf ihr Urteil vertrauen. Sie hatte eine gutes Gefühl dafür, wer gut war und wer schlecht. Und sie würde gewiß die richtige Entscheidung treffen.

  • Nun bemühte Valentina sich gar nicht mehr ihre Tränen zurück zu halten. Sie verlor hier gerade einen Freund. Den einzigen Menschen, der ihr etwas bedeutete der bei ihr wohnte. Ihr Bruder war nicht da uns sonst gab es aus der Familie niemanden mehr. Und da fragte dieser Mann ob es schwer war?
    Um nicht laut aufzuschluchzen biss Valentina sich auf die Unterlippe und sah zur Decke. Ein kläglicher Versuch den Tränen Einhalt zu gebieten.


    "Versprich mir, dass du gut für ihn sorgt." Wisperte Valentina tränenerstickt, als sie den neuen Besitzer von Bashir wieder ansah.
    Bashir selber konnte sie nicht ansehen. Sie fühlt sich wie ein Verräter.
    Immer wieder wischte sie sich mit dem Handrücken die Tränen von den Wangen und konnte doch nicht aufhören.

  • Insgeheim hatte Reatinus gehofft, das Ganze ohne Gewissensbisse hinter sich lassen zu können, doch diese Hoffnung verpuffte wohl oder übel im Nichts. Die Frau drohte, zusammenzubrechen und Reatinus, der nicht unbedingt ein guter Seelsorger war, zeigte sich nun etwas überfordert mit der Situation. Wie sollte er Bashir unter diesen Umständen mitnehmen? Jetzt hätte Reatinus den Sklaven lieber hier gelassen.


    "Ich nehme ihn... denke ich, lieber nicht mit...", sagte er stotternd und sah in diese traurigen Augen. Reatinus war kein grausamer Mensch. Solch eine Trennung wollte er lieber nicht bezweckt haben.

  • Bashir wußte natürlich, daß es unangemessen war, sich einzumischen. Doch als Valentina weinte, konnte er einfach nicht anders. Er kniete sich neben ihren Sessel und legte eine Hand sanft auf ihren Arm. Dann blickte er Raetinus an. "Dominus... Es ist die Not, die meine Herrrin zwingt, sich von mirr zu trrennen. Wenn Du mich nicht kaufst, wirrd es ein anderrerr tun. Vielleicht... wenn Du die Güte hättest, mirr hin und wiederr zu errlauben, hierr nach dem Rrechten zu sehen. Dann wärre es mirr eine grroße Ehrre, Dirr zu dienen mit all meinerr Krraft. Und fürr meine Herrrin wärre es vielleicht nicht ganz so schwerr." Schuldbewußt senkte er den Blick. "Bitte verrzeih. Es ist mirr bewußt, daß es mirr nicht zusteht, das Worrt zu errgrreifen..."

  • Reatinus war überglücklich, dass der Sklave das Wort ergriff, denn er selbst hätte jetzt nicht mehr weiter gewusst. Der Sklave hatte im Grunde recht: Wenn Reatinus ihn jetzt nicht mitnehmen würde, dann würde es vielleicht jemand anders tun, jemand, der seine Sklaven nicht gut behandelte. Reatinus nickte zur Erlaubnis, auch etwas erleichtert. Hoffentlich würde das die Situation entschärfen.


    "Es sei dir erlaubt.", nickte er, "Wie lautet dein Name?".
    Anschließend wandte sich der Artorier wieder der Hausherrin zu. "Es wird ihm gut gehen bei mir. Das schwöre ich, bei meiner Ehre. Und du wirst auch seinen Besuch erhalten, wenn beide es wünschen.".

  • Es klang zu gut, um wahr zu sein. Dieser Mann wollte ihm erlauben, ab und an bei Valentina nach dem Rechten zu sehen und ihr zu helfen! "Bashirr. Mein Name lautet Bashirr, Dominus", beantwortete er rasch die an ihn gerichtete Frage. Dann wandte er sich an Valentina und blickte sie bittend an. Wenn es schon unvermeidlich war, so schien dieser Mann geradezu perfekt zu sein. Doch dann fiel ihm noch etwas ein. "Vielleicht... sollte ich Dirr noch sagen, daß ich leicht hinke, Dominus. Mein Knie wurrde im Krrieg verrletzt und sehrr schnell rrennen kann ich nun nicht mehrr." Schließlich wollte er er nicht, daß Raetinus wütend wurde, wenn er es entdeckte, was ja unvermeidlich war.

  • Sie hatte schweigend dagesessen und zu Boden gesehen. Valentina wollte und konnte nicht antworten. Sie durfte nicht unhöflich sein, wusste sie doch, dass es keinen Ausweg gab. Der Vorschlag ihres Freundes sie ab und zu besuchen zu dürfen, tröstete sie nur ein klein wenig. Die meiste Zeit war sie nun wieder alleine.
    Wortlos nickte sie auf den Vorschlag. Dann beugte sie sich vor und gab Bashir einen Kuss auf die Stirn.
    Immer noch am Boden zerstört, stand sie schließlich auf und reichte dem Gast die Hand. "Hab Dank für alles."
    Dann sah sie ihren einstmaligen Sklaven an, es war ein Blick der Abschied bedeutete. "Leb wohl..." Flüsterte sie leise, dann hielt sie sich ein seidenes Tuch über die nassen Augen um die Tränen zu trocknen und verließ das Zimmer.
    Draußen konnte man ihr Schluchzen hören, bis irgendwo am Ende des Ganges eine Tür zufiel.

  • Auch Reatinus stand auf und nahm die im Vergleich kleine Hand der Quintilierin an. Es war ein trauriges Schauspiel, doch ein kleines Fünkchen Erleichtung für sein Gewissen war es doch, einen regelmäßigen Besuch ermöglicht zu haben.
    "Nichts zu danken.", antwortete Reatinus knapp. Womit hätte er sich Dank auch verdient...?
    Die Frau verabschiedete sich schweren Herzens von dem Sklaven, verließ das Zimmer und fing gut hörbar zu schluchzen an. Reatinus senkte nachdenklich den Kopf, er hatte nun den Sklaven vor sich stehen, und wusste, dass der Frau es sichtlich egal war, ob sie immerhin Geld zum Leben bekäme. Der Artorier schnürte sich seinen gesamten Geldbeutel ab. Ein Geldbeutel mit dem Inhalt von 40 Aurei. 1000 Sesterzen. Reatinus fand es grotesk, einen Menschen zu kaufen, doch so konnte er nicht abziehen, ohne der Frau etwas da zu lassen. Es war schon schwer genug.


    "Bashir... pack deine Sachen, ich zeige dir dein neues Zuhause.", wandte sich Reatinus an den parthischen Sklaven, während er den Geldbeutel auf dem Tisch ablegte.




    Sim-Off:

    WiSim. ;)

  • Bashir fühlte, wie seine Augen feucht wurden. "Leb Du auch wohl. Und.. danke fürr alles." Er blickte ihr nach und seufzte. Wie gerne hätte er etwas gesagt oder getan, um sie zu trösten. Doch er wußte, daß es im Grunde nichts gab, was das vermochte.


    "Es wirrd nicht lange dauerrn, Dominus." Er hatte ja nicht viel. Ein wenig Ersatzkleidung, ein paar warme Stiefel. In wenigen Minuten hatte er diese Dinge gepackt. Doch bevor er zu Raetinus zurückkehrte, stellte er eine kleine Holzfigur vor Valentinas Tür. Ein feuriges kleines Pferd, wie es sie in seiner Heimat gab, über Monate hinweg hatte er daran geschnitzt. Eigentlich hatte er es ihr zu den Saturnalien schenken wollen. Doch vielleicht würde es ihr jetzt ein wenig Trost bringen.


    Dann kehrte er in den Wohnraum zurück, den Mantel hatte er sich um die Schultern gelegt. "Ich habe dann alles, Dominus", sagte er bescheiden und ging dann voran, um Raetinus die Tür zu öffnen, bevor er ihm dann hinaus folgte und die Tür hinter sich zuzog. Das Geräusch, mit dem die Tür sich schloß, klang so elend endgültig...

  • Während Reatinus auf den Zugang seines Haushaltes wartete, ließ er die Stille auf sich Einwirken. Sie versuchte schier, seinem Gewissen das Bewusstsein nach einem Fehler einzuhämmern. Er war sich nicht sicher, ob er nun nicht einen Fehler begangen hätte, überhaupt herzukommen. Jetzt war alles unumkehrbar, als der Geldbeutel laut auf dem Tisch knallte und die Geldmünzen prasseln ließ, von denen einige ihren Weg nach draußen fanden.


    Die Stille wurde von Bashir gebrochen, der seine Bereitschaft vermeldete.


    "Ich habe dann alles, Dominus".


    "Sehr gut, dann gehen wir.", wollte auch Reatinus gehen und sich auf andere Gedanken bringen. Er schrat durch die geöffnete Tür, ohne das Schließen hinter sich weiter zu beachten...



    ----->Der Eingang des Hauses | Vestibulum

  • Tullia stand vor der Türe und war ein wenig unschlüssig. Primus meinte die Schwester des Kameraden würde sich hier nicht sonderlich wohl fühlen und müßte in die Gemeinschaft aufgenommen werden.
    Gemeinschaft?...was für eine Gemeinschaft? Sie war doch selber kein...aber egal. Sicher war es nicht verkehrt sich mal zu melden.
    Sie klopfte gegen die Türe und wartete.


    Klopf*#* Klopf*#*

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