Die kaiserliche Landvilla

  • "Dann gehst du davon aus, dass es ein Zufall war, dass du entführt wurdest? Wurde außer dir noch jemand entführt?"


    Valerianus fiel es sichtlich schwer, sich die Situation vor seinem geistigen Auge im Detail vorzustellen. Auch wenn er Legionskommandeur gewesen war, so war er doch auch der Adoptivsohn des Kaisers gewesen, den man ganz anders auf verschiedene Situationen vorbereitet hatte beziehungsweise ihn davor bewahrte.


    "Wie ist es dir in der Gefangenschaft ergangen und wann hat man entdeckt, welchen Rang du hast? Oder wurde das nie entdeckt und du wie ein einfacher Gefangener behandelt?"

  • "Soweit mir bekannt wurde kein anderer entführt. Meine Wachen fanden dabei alle den Tod. Es war also mit ziemlicher Sicherheit Zufall."


    Nun direkt auf seine Gefangenschaft angesprochen zögerte der ehemalige Legatus kurz. Seine Kehle fühlte sich plötzlich sehr trocken und zugeschnürt an und er warf dem im Hintergrund gebliebenen Diener einen kurzen Blick zu, in der Hoffnung, er würde diesen Richtig deuten. Dann wandte er sich wieder an den Kaiser und atmete tief durch.


    "Anfänglich wurde ich wie ein normaler Gefangener behandelt. Man ließ mich lange Zeit in der Zelle schmoren, ohne jeglichen Kontakt zur Außenwelt. Nicht einmal die Wachen sprachen mit mir ein Wort, vermutlich konnten sie auch gar kein Latein. Irgendwann begangen sie dann damit………."


    Man merkte, dass es Livianus sehr schwer viel über diese Dinge zu berichten. Doch der Kaiser hatte uneingeschränkt das Recht alles zu erfahren und der Decimer wollte ihm kein Detail unterschlagen.


    "….. Sie begannen damit ihre Wut an mir auszulassen. Ich ging damals davon aus, dass die römischen Truppen weitere Siege errungen hatten und diese Wachen nun in mir ein passendes Opfer sahen, dass sie dafür zur Rechenschaft ziehen konnten. Ich wurde geschlagen, ausgepeitscht und erniedrigt."


    Unbewusst strich Livianus über eine Narbe, die seinen Unterarm überzog. Sein restlicher Körper, vor allem sein Rücken, sahen nicht viel besser aus, obwohl sie die Ärzte in Alexandria jede erdenkliche Mühe gegeben hatte, die alten Wunden nachträglich bestmöglich zu versorgen.


    "Sie schrieen mich dabei auch oft an. Vermutlich wollten sie Informationen aus mir herausholen. Doch ich verstand sie nicht, da sie ausschließlich parthisch sprachen. Eines Tages holte man mich aus meiner Zelle und brachte mich nach draußen auf eine Art Versammlungsplatz. Ich war bereits ziemlich geschwächt und habe vieles nur am Rande mitbekommen. Ich wurde in eine Art Käfig transportiert. Es waren unzählige Leute auf den Straßen. Alle schrieen mir zu oder warfen mit Gegenständen gegen den Käfig. Dann wurde ich auf eine Erhöhung gestellt und gezwungen mich hinzuknien. Kurze Zeit später brach Jubel aus und ein Mann trat vor mich. Er war in edlen Gewändern gehüllt und sprach zum Volk. Es war der Shah in Shah und dieser wusste ganz genau wer ich war. Vermutlich hatte sich meine Gefangenschaft herumgesprochen und die Spione des Shahs waren gut informiert. Es war eine reine Machtdemonstration vor dem parthischen Volk. Der Shah ließ mich auspeitschen und wieder zurück in meinen Kerker bringen. Danach ging es dort wie gewohnt weiter. Ich habe erst wieder bei meiner Verlegung, bei der man mich schließlich befreien konnte, wieder Tageslicht gesehen."

  • Valerianus erschien die Schlußfolgerung nicht ganz logisch. Gerade wenn sonst keiner entführt wurde, sah es schon ziemlich gezielt aus.


    "Man hat also niemals versucht, Informationen aus dir heraus zu bekommen, die den weiteren Ablauf des Feldzuges betreffen?"


    Valerianus hatte die Parther bisher nicht für so dumm gehalten. Römische Truppen hätten zweifellos versucht, aus einem hochrangigen parthischen Gefangenen wichtige Informationen heraus zu bekommen.

  • Livianus war etwas kurz irritiert darüber, dass der Kaiser erneut nach den parthischen Verhören fragte, wo er diese doch eben in seinen Bericht erwähnt bzw. bestätigt hatte. Er ließ sich jedoch nichts anmerken und kommentierte es erneut und diesmal ein wenig ausführlicher. Vielleicht hatte es der Kaiser einfach überhört, oder war aufgrund seiner Krankheit nicht ganz bei der Sache.


    "Doch mein Kaiser. Man hat versucht mich zu befragen, doch es scheiterte immer an Verständigungsproblemen. Ich verstand nicht was sie sagten oder von mir wollten. Manchmal wollte ich auch einfach nicht verstehen. Mein Körper zeugt immer noch von den oft schmerzvollen Befragungen der Parther. Ich nehme an sie griffen dabei nicht zu den äußersten Mitteln, weil ich mit allen Gliedmaßen wertvoller war. Irgendwann hörten die Befragungen dann auf – vermutlich Zeitgleich mit den Rückzug der römischen Truppen. Das war mir damals aber noch nicht klar.


    Soweit mir nun im Nachhinein bekannt ist, ging der Feldzug nach meiner Gefangennahme nicht mehr all zu lange weiter. Das würde sich auch mit meinem Zeitgefühl decken. Danach hatte ich oft das Gefühl, man hätte einfach auf mich vergessen und wollte mich im Kerker verrotten lassen."

  • "Die Parther scheinen nicht allzu klug zu sein. Es hätte ihnen doch wohl möglich sein können, jemanden aufzutreiben, der Latein spricht. Umso tragischer, dass sie mit so wenig Verstand dennoch den Feldzug stoppen konnten."


    Die Götter mussten wahrlich in großem Maße die Geschicke gelenkt haben, dessen war sich Valerianus nun sicher. Und auch seine Krankheit, die ihn daran hinderte, den Tod seines Adoptivvaters zu rächen, schien ihm nur ein Spiel der Götter zu sein.


    "Wie kam es schließlich zu deiner Befreiung?"

  • Nach den Feierlichkeiten am Umzug für die Classis, hatte ich mich mit meiner ganzen Familie zusammen in das Castellum begeben. Dort hatten wir zusammen gegessen und danach gepackt.


    Bereits 2 Tage später verliess ich den Stützpunkt, ohne zurückzublicken, ohne speziellen Abschied, ohne flankierenden Geleitschutz.


    Auf dem Weg nach Roma legten wir einen kleinen Halt ein. Die kaiserliche Landvilla war mein letztes Ziel in Misenum. Die Reisegruppe hielt in gebührender Distanz und ich ritt alleine vor zum Tor.


    Lucius Annaeus Florus, ehemaliger Praefectus der Flotte möchte vor seiner Abreise nach Roma gerne den Kaiser sprechen, wenn dies möglich ist. sagte ich der Wache und hoffte, dass ein solcher "Überfall" überhaupt möglich sei.

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  • Auch wenn der Hofstab des Kaisers in seiner Landvilla sehr reduziert war und die Verwaltung weitgehend in Rom erledigt wurde, war natürlich den zuständigen Stellen nicht entgangen, dass in Misenum eine Flotte stationiert war und dass deren Praefectus gerade wechselte. So kam er Besuch von Annaeus Florus nicht ganz so unvermutet, wie dieser selber annahm. Gleichwohl bedeutete das nicht, dass er sofort zum Kaiser vorgelassen werden konnte.


    "Ich darf dich hinein bitte und auffordern, Platz zu nehmen", erwiderte der zuständige Bedienstete, nachdem man den ehemaligen Praefectus schon durch diverse Türen geleitet hatte. "Ich werde den Imperator informieren lassen."


    Immerhin musste der Kaiser vor einem möglichen Empfang erst einmal mit den nötigen Informationen versorgt werden, um mit seinem Gast überhaupt etwas anfangen zu können.

  • Ein Sklave von der Villa Rustica Tiberia war losgeschickt worden, um beim Kaiser das Schreiben des Pontifex pro Magistro abzugeben. Er legte jedoch keinen Wert auf eine persönliche Überreichung, sondern drückte das Schriftstück dem nächstbesten Prätorianer in die Hand:

    Ad
    Pontifex Maximus
    Imperator Caesar Augustus
    C Ulpius Aelianus Valerianus
    Villa Rustica Caesaris Miseno, Italia



    M' Tiberius Durus Pontifex pro magistro Pontifici Maximo Imp Caesari Augusto C Ulpio Aeliano Valeriano s.p.d.


    Ich kann Dir berichten, dass die Quinquatrus Minusculae erfolgreich vollendet werden konnten. Minerva ist zufrieden, ebenso sind es die Tibicines und Handwerker, die ihr Mahl auf dem Capitol genießen durften. Dennoch hörte ich, dass es dem Volk verlangt, wieder einmal ihren Pater Patriae mit eigenen Augen zu sehen. Möglicherweise solltest Du Dich dem Volk wieder einmal zeigen, besonders als Pontifex Maximus wäre dies ein wichtiges Zeichen für die Traditionen Roms.


    Ich habe eine weitere gute Nachricht: Nachdem eine der Vestalinnen ihr Amt nach dreißig Jahren niedergelegt hat, kann ich dir bereits eine neue Kandidatin präsentieren: Es handelt sich um Claudia Romana, die Tochter des Senators Claudius Menecrates, der Dir zweifelsohne ein Begriff ist. Sie stammt aus hervorragendem Hause und hat sich freiwillig und mit Einwilligung ihres Vaters bei mir gemeldet. Als Grund für ihren Wunsch gab sie eine Vision an, in der ihr die Göttin Vesta selbst erschienen sei. Ich vermag es nicht zu prüfen, doch ich habe Dir ihren Bericht mit ihrer eigenen Unterschrift mitgesandt. Zur Sicherheit könntest du jedoch selbstverständlich noch einen Haruspex oder Auguren befragen. Sollten die Götter dieses Mädchen empfehlen, wäre es gefährlich sie abzulehnen, obschon sie bereits das übliche Alter überschritten hat.


    Eine derartig wichtige Entscheidung und Ausnahme von der Mos Maiorum kann ich allein nicht entscheiden, daher bitte ich Dich, mir mitzuteilen, wie Dein Ratschluss lautet. Solltest Du Dich jedoch für eine Captio entscheiden, bitte ich Dich um Information, sodass ich alles Notwendige in die Wege leiten kann.



    Mögen die Götter mit Dir sein,
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    Claudia Romana Imperatori Caesari Augusto Pontifici Maximo salutem plurimum dicit.


    Mein Kaiser, ich bin Claudia Romana, Tochter des Senators Claudius Menecrates. Es ist mein zutiefst gehegter Wunsch, der Priesterschaft der Vestalinnen beizutreten, und hoffe, dass du meinen Wunsch verstehst und mich für würdig erachtest, sowie ich dir von der Vision erzählt habe. Hierbei handelt es sich um eine Epiphanie der Göttin Vesta, welche sich am ANTE DIEM IX KAL APR DCCCLIX A.U.C. in Clusium, Provincia Italia, meiner Person gegenüber zutrug. Ich war alleine und habe keine Zeugen. Ich stand damals weder unter dem Einfluss von Weihrauch, Wein oder sonstigem Rauschmittel. In Clusium hielt ich mich damals auf, da ich Zeit bei meinen Großeltern verbrachte.


    Die Göttin erschien mir am Mittag, an einem wolkenverhangenen Tag, als ich durch ein Kornfeld wandelte. Es gab keinerlei Vorzeichen, die mich auf eine Vision vorbereitet hätten. Ich wandte meinen Kopf kurz nach rechts, und als ich wieder nach vorne blickte, saß an einer Stelle am Boden, wo vorher noch nichts gewesen war außer ein paar Weizenhälme, eine große Gestalt, gekleidet wie eine Vestalin. Die Erscheinung strahlte ein Licht aus, deren Farbe nicht zu beschreiben ich imstande bin, und die Aura der Erscheinung war nicht von dieser Welt. Rund um mich verschwamm die Welt zu einer unscharfen Masse. Die Erscheinung richtete einen Blick auf mich, streng und doch zugleich warm; mütterlich. Sie sprach mich mit meinen Namen an und sagte mir, wer sie war. An ihre nächsten Worte kann ich mich klar erinnern.
    „Das heilige Feuer muss beschützt werden, und von allen bist du die Würdigste, dies zu tun. Gehe nach Rom. Gehe zu meinem Tempel. Sieh dazu, dass das Feuer der ewigen Stadt immer erhalten bleibt. Sei mir eine gute Dienerin, Claudia Romana.“
    Diese Worte brannten sich in mein Gedächtnis. Das nächste, an das ich mich erinnere, ist ein Stoß, der aus dem Nirgendwo zu kommen schien, und mich nach hinten warf. Als ich es endlich, nach einiger Zeit, schaffte, mich zu erheben, war die Erscheinung verschwunden, und wo die Göttin vorher gesessen war, erhoben sich hoch die Weizenhalme, als ob nichts geschehen wäre. Und als ich nach oben blickte, sah ich, dass das Wetter sich aufgeklärt hatte und die Sonne wieder auf die Gefilde schien.


    Mein Kaiser, diese Erscheinung hat es mir klar gemacht, dass es mein Schicksal ist, Vestalin zu werden, obwohl ich etwas über dem normalen Alter bin. Ich hoffe, dass du die Wahrheit in meinen Worten siehst, und mich zu einer Dienerin der großen Göttin Vesta erheben wirst.


    Bei meiner Ehre und den Göttern schwöre ich, dass alles, was ich hier beschrieben habe, der Wahrheit entspricht.


    Mögen die Götter dir und dem Imperium stets wohlgesonnen sein,


    Claudia Romana


    Der Sklave verabschiedete sich und eilte dann rasch nach Hause, denn so viele Soldaten beängstigten ihn ein wenig.

  • Zitat

    Original von Narrator Italiae
    "Ich darf dich hinein bitte und auffordern, Platz zu nehmen", erwiderte der zuständige Bedienstete, nachdem man den ehemaligen Praefectus schon durch diverse Türen geleitet hatte. "Ich werde den Imperator informieren lassen."


    Immerhin musste der Kaiser vor einem möglichen Empfang erst einmal mit den nötigen Informationen versorgt werden, um mit seinem Gast überhaupt etwas anfangen zu können.


    Ich wurde entgegen meiner Befürchtungen doch in das Innere der Villa gebeten und sollte warten. Ich bedankte mich und setzte mich, wie es mir gesagt worden war. Natürlich konnte der Kaiser mich auf keinen Fall sofort empfangen. Selbst wenn er meinen Besuch erwartet hätte, was ich nicht erwartete, müsste er zuerst von meiner Ankunft unterrichtet und zurechtgemacht werden.

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  • Auch wenn Valerianus sich vorgenommen hatte, die Zeit in Misenum zur gesundheitlichen Erholung zu nutzen, kam er nicht völlig darum heurm, sich regelmäßig einigen Regierungsgeschäften, militärischen Belangen oder religiösen Angelegenheiten zu widmen. Der Besuch von Decimus Livianus war ein solcher Fall gewesen und Briefe aus Rom und weitere unangemeldete Besucher warten es ebenso.


    Aber Valerianus nahm sich Zeit und legte noch weniger Eile an den Tag, als er es schon in Rom getan hatte. Erst nachdem eine Sache erledigt war, ließ er sich über die nächste unterrichten und sich darüber informieren, was der ehemalige Praefectus Classis von ihm wünschte und was er ihm antworten sollte. Dann ließ er die Bediensteten kommen, die ihn passend einkleideten, den in Misenum trug er normalerweise bequeme Kleidung, die nicht für den öffentlichen Aufritt als Imperator geeignet war.

  • Zitat

    Original von GAIUS ULPIUS AELIANUS VALERIANUS
    "Die Parther scheinen nicht allzu klug zu sein. Es hätte ihnen doch wohl möglich sein können, jemanden aufzutreiben, der Latein spricht. Umso tragischer, dass sie mit so wenig Verstand dennoch den Feldzug stoppen konnten."


    Die Götter mussten wahrlich in großem Maße die Geschicke gelenkt haben, dessen war sich Valerianus nun sicher. Und auch seine Krankheit, die ihn daran hinderte, den Tod seines Adoptivvaters zu rächen, schien ihm nur ein Spiel der Götter zu sein.


    "Wie kam es schließlich zu deiner Befreiung?"


    "Nun mein Kaiser. So wie ich das sehe und mit den Informationen, die ich jetzt im Nachhinein erfahren habe, waren es nicht die Parther die uns gestoppt haben, sondern wir haben den Feldzug aus eigenen Überlegungen heraus beendet. Wären die Feldherren nach dem tragischen Tod deines Vaters weitermarschiert, hätten wir die Parther meiner Einschätzung nach besiegt."


    Dann sprach der Kaiser die Befreiung an und auch hier versuchte Livianus möglichst detailliert über die Karawane, der Überfall angeführt von seinem Bruder Magnus und dem Eques Subdolus, der anschließenden Flucht vor den Verfolgern, der besonders freundlichen Aufnahme in Aegyptus und der Abschließenden Heimkehr nach Rom zu berichten. Es war eine lange Erzählung und auch wenn er den Kaiser keineswegs langweilen wollte, versuchte er die großteils aufregenden Wochen ausführlich wiederzugeben, bis er seine Erzählung mit lobenden Worten abschloss.


    "……… Ich muss gestehen mein Kaiser. Ohne die Hilfe und den Einsatz des Senators Germanicus Avarus, der hier von Rom aus vieles organisiert und auch finanziell unterstützt hat, so wie seinem Klienten Hadrianus Subdolus und meinem Bruder Decimus Magnus, die die Mission geleitet und meine Befreier beim erwähnten Überfall angeführt haben, wäre all das nicht möglich gewesen. Ich bin ihnen unendlich dankbar und stehe zutiefst in ihrer Schuld. Sie sind wahre Helden und ich hoffe, dass ich es ihnen irgendwie danken kann."

  • Zitat

    Original von GAIUS ULPIUS AELIANUS VALERIANUS
    Auch wenn Valerianus sich vorgenommen hatte, die Zeit in Misenum zur gesundheitlichen Erholung zu nutzen, kam er nicht völlig darum heurm, sich regelmäßig einigen Regierungsgeschäften, militärischen Belangen oder religiösen Angelegenheiten zu widmen. Der Besuch von Decimus Livianus war ein solcher Fall gewesen und Briefe aus Rom und weitere unangemeldete Besucher warten es ebenso.


    Aber Valerianus nahm sich Zeit und legte noch weniger Eile an den Tag, als er es schon in Rom getan hatte. Erst nachdem eine Sache erledigt war, ließ er sich über die nächste unterrichten und sich darüber informieren, was der ehemalige Praefectus Classis von ihm wünschte und was er ihm antworten sollte. Dann ließ er die Bediensteten kommen, die ihn passend einkleideten, den in Misenum trug er normalerweise bequeme Kleidung, die nicht für den öffentlichen Aufritt als Imperator geeignet war.


    Der Kaiser nahm sich viel Zeit. Das war eigentlich zu erwarten gewesen und daher hatte ich die Reisegruppe angewiesen, es sich bequem zu machen, draussen, an der Strasse. Ich selbst wartete geduldig.

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  • Zitat

    Original von Marcus Decimus Livianus
    "Nun mein Kaiser. So wie ich das sehe und mit den Informationen, die ich jetzt im Nachhinein erfahren habe, waren es nicht die Parther die uns gestoppt haben, sondern wir haben den Feldzug aus eigenen Überlegungen heraus beendet. Wären die Feldherren nach dem tragischen Tod deines Vaters weitermarschiert, hätten wir die Parther meiner Einschätzung nach besiegt."


    Dann sprach der Kaiser die Befreiung an und auch hier versuchte Livianus möglichst detailliert über die Karawane, der Überfall angeführt von seinem Bruder Magnus und dem Eques Subdolus, der anschließenden Flucht vor den Verfolgern, der besonders freundlichen Aufnahme in Aegyptus und der Abschließenden Heimkehr nach Rom zu berichten. Es war eine lange Erzählung und auch wenn er den Kaiser keineswegs langweilen wollte, versuchte er die großteils aufregenden Wochen ausführlich wiederzugeben, bis er seine Erzählung mit lobenden Worten abschloss.


    "……… Ich muss gestehen mein Kaiser. Ohne die Hilfe und den Einsatz des Senators Germanicus Avarus, der hier von Rom aus vieles organisiert und auch finanziell unterstützt hat, so wie seinem Klienten Hadrianus Subdolus und meinem Bruder Decimus Magnus, die die Mission geleitet und meine Befreier beim erwähnten Überfall angeführt haben, wäre all das nicht möglich gewesen. Ich bin ihnen unendlich dankbar und stehe zutiefst in ihrer Schuld. Sie sind wahre Helden und ich hoffe, dass ich es ihnen irgendwie danken kann."


    Die einzige Spekulation zum Fortgang des Feldzugs, die Valerianus wirklich mochte war die, was passiert wäre, wenn sein Vater gar nicht gefallen wäre. Alles andere interessierte ihn nicht. Der Feldzug war beendet, sein Vater tot und er selber hatte nicht die Kraft, ihn neu zu beginnen. Also spekulierte er nicht über mögliche andere Ausgänge und kommentierte auch die Ausführungen des Senators nicht weiter.


    Stattdessen lauschte er dessen Worten über den Hergang der Befreiung. "Wie kam es dazu, dass gerade diese Männer dir zu Hilfe eilten? Sind es Freunde deines Bruders, der sie für deine Rettung gewinnen konnte?"

  • Zitat

    Original von Lucius Annaeus Florus
    Der Kaiser nahm sich viel Zeit. Das war eigentlich zu erwarten gewesen und daher hatte ich die Reisegruppe angewiesen, es sich bequem zu machen, draussen, an der Strasse. Ich selbst wartete geduldig.


    Schließlich war es soweit und nach einer Wartezeit, die in Stunden besser bemessen war als in kürzeren Maßen, wurde der ehemalige Praefectus der Classis durch weitere Räume geführt, bis er schließlich auf Valerianus traf.


    "Ein unerwarteter Besuch, Annaeus Florus", begrüßte dieser seinen Gast von dem Schreibtisch aus, an dem er hier in Misenum die wenigen Regierungsgeschäfte zu erledigen pflegte. Gleich zwei Beamte waren an seiner Seite, um ihm bei Bedarf zu assistieren.

  • Noch ein Brief wurde von einem Sklaven der Tiberier vorbeigebracht, denn der Herr hatte wohl nicht ganz verstanden, was der Kaiser genau von ihm wollte:

    Ad
    Pontifex Maximus
    Imperator Caesar Augustus
    C Ulpius Aelianus Valerianus
    Villa Rustica Caesaris Miseno, Italia



    M' Tiberius Durus Pontifex pro magistro Pontifici Maximo Imp Caesari Augusto C Ulpio Aeliano Valeriano s.p.d.


    Ich danke Dir für Deinen Brief, die Grüße und Deine Anteilnahme. Es ist gut, dass die Götter diesmal selbst so deutlich ausgewählt haben, wen sie in ihren Dienst rufen möchten.


    Ich schlage vor, dass Du die Captio ANTE DIEM VIII ID IUL DCCCLIX A.U.C. (8.7.2009/106 n.Chr.) in der Regia durchführst. Ich habe die Vestalinnen bereits informiert, sie werden dort sein können. Wenn Dir der Termin zusagt, werde ich auch Claudia Romana informieren lassen.



    Mögen die Götter mit Dir sein,
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  • Zitat

    Original von GAIUS ULPIUS AELIANUS VALERIANUS
    Schließlich war es soweit und nach einer Wartezeit, die in Stunden besser bemessen war als in kürzeren Maßen, wurde der ehemalige Praefectus der Classis durch weitere Räume geführt, bis er schließlich auf Valerianus traf.


    "Ein unerwarteter Besuch, Annaeus Florus", begrüßte dieser seinen Gast von dem Schreibtisch aus, an dem er hier in Misenum die wenigen Regierungsgeschäfte zu erledigen pflegte. Gleich zwei Beamte waren an seiner Seite, um ihm bei Bedarf zu assistieren.


    Nach stundenlangem Warten war es dann so weit. Ich wurde durch verschiedene Räume geführt, welche alle grossartig bemalt und eindrucksvoll ausgestattet waren, bis ich mich in einer Art Büro dem Kaiser gegenüber fand, der an einem Schreibtisch sass.


    Ich kniete mich auf mein rechtes Knie nieder, wie dies von Zivilisten bei einer Kaiseraudienz die Norm war, schliesslich war ich nun ja nicht länger Offizier der stärksten Armee der Welt.


    Mein Kaiser, verzeiht die unerwartete Komponente. Die Ablösung an der Spitze der Classis Misenensis ist vollzogen und ich befinde mich auf dem Weg zu meiner Familie. Dabei wollte ich es nicht unterlassen, euch den Vollzug eurer Befehle zu melden.

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  • "Dann erhebe dich dazu. Auch ein ehemaliger Soldat darf noch aufrecht stehen." Valerianus wollte damit nicht die Gepflogenheiten des Hofes außer Kraft setzen, aber auch wenn er schon lange nicht mehr selber eine Truppe kommandiert hatte, so sprach er mit militärischen Kommandeuren oder solche, die es einmal waren, lieber in aufrechter Gesprächsposition.


    "Du hast das Kommando also übergeben und bist nun bereit, die dir zustehenden Ehrungen zur Entlassung aus dem Dienst und die für deinen weiteren Weg entgegen zu nehmen?" vergewisserte er sich unter Rückgriff auf das, was man ihm wenige Augenblicke zuvor für diese Audienz mitgeteilt hatte.

  • Auf den Befehl des Kaisers hin erhob ich mich. Sein Ton war militärisch gewesen, wie wenn für einen Augenblick der ehemalige Kommandeur in ihm wieder die Oberhand gewinnen würde. Nach all den Gerüchten, welche von seiner Krankheit und Schwäche berichteten, war dies in meinen Augen ein willkommenes, gutes Zeichen.


    Ja, mein Kaiser. Das Kommando wurde übergeben und ich bin bereit meinen weiteren Weg zu gehen.


    Ich fügte nicht an, dass dieser Weg mich nur dorthin führen würde, wohin er, der Kaiser, mich schicken würde. Dies war aus meiner Vita mehr als klar.

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  • Valerianus quittierte die Meldung mit einem knappen nicken und winkte dann einen der Beamten heran.


    "Für deine langjährigen Dienste als Offizier überreiche ich dir eine Hasta Pura", verkündete er dann, ohne sich dazu von seinem Platz zu erheben. Die eigentliche Überreichung führte an seiner Stelle einer der Beamten durch.


    "Zusätzlich soll dieses großzügige Stück Land nun dein Eigentum sein." Der zweite Beamte überreichte eine Besitzurkunde, die Annaeus Florus als neuen Eigentümer von Ländereien aus bisher kaiserlichem Besitz auswies.

  • Ein Bote aus Rom brachte einen Schreiben aus Rom.


    IMPERATOR CAESAR AUGUSTUS
    G ULPIUS AELIANUS VALERIAN



    AVE MEIN KAISER!


    Ich sende dir Grüße aus der Hauptstadt deines Reiches.
    Als erstes möchte ich dir mitteilen, dass hier, sowohl im Palast als auch in der Stadt, alles seinen gewohnten Gang läuft. Bisher kam es hier weder zu Aufständen noch zu größeren Problemen. Der Praefectus Urbi hat die Stadt unter Kontrolle und sorgt mit den Cohortes Urbanae wie gewohnt für Recht und Ordnung.
    Der Senat zeichnet sich derzeit auch nicht unbedingt durch übermäßig kontroverse Diskussionen oder ähnliches aus, so dass auch in dieser Hinsicht alles ruhig ist.
    Leider ist es aber auch meine traurige Pficht dich über den Verlust eines wichtigen Mannes zu informieren. Der Praefectus Praetorio Lucius Artorius Avitus wurde vor wenigen Tagen von den zuständigen Stelle für tot erklärt, nachdem er bereits eine Weile ungeklärt, vermutlich auf einer geheimen Mission unterwegs, abwesend war. Wenn du es wünschst, werden der Procurator ab epistulis und ich eine Liste mit geeigneten Kandidaten für die Nachfolge zusammenstellen.
    Eine weitere, wenig erfreuliche Angelegenheit, betrifft den Praefectus Aegypti Decius Germanicus Corvus. In Anbetracht der letzten Berichte und Nachrichten aus Alexandria wurden Stimmen laut, die eine mögliche Ablösung des Praefecten ins Gespräch brachten. Derzeit befindet sich ein Ermittler im Auftrag des Procurator ab epistulis in Alexandria um weitere Einzelheiten über die Vorfälle in Erfahrung zu bringen. Unabhängig vom Ergebnis dieser Untersuchung wäre es, meiner Ansicht nach, sinnvoll tatsächlich über eine Ablösung des Praefecten nachzudenken.
    In einem Gespräch mit dem Senator Purgitius Macer, der wie du sicherlich weisst große Erfahrung als Statthalter in Germania und als Legatus Legionis der Legio I besitzt und der aufgrund seines militärischen Sachverstandes von deinem Vater als Kommandant der Militärakademie eingesetzt wurde, sprach sich dieser ebenfalls dafür aus, eine Ablösung des Praefecten ins Auge zu fassen. Senator Purgitius brachte dabei auch einen Namen ins Spiel. Er sprach sich dafür aus, den ehemaligen Praefectus Praetorio Caecilius Crassus als möglichen Nachfolger in Betracht zu ziehen. Sofern es deinem Wunsch entspricht, könnte ich entsprechendes unverzüglich in die Wege leiten.
    Ein letzter Punkt den ich dir gerne noch antragen möchte, betrifft eine Personalentscheidung am Kaiserhof. Ich möchte hierbei natürlich nicht den Praefectus Urbi übergehen, aber da es um den Posten des Procurator a rationibus geht, der ja auch die Aufsicht über dein privates Vermögen hat, fand ich, dass diese Entscheidung durch dich getroffen werden sollte.
    Der amtierende Procurator erwies sich in letzter Zeit als wenig kompetent in der Erfüllung seiner Pflichten, daher möchte ich dir eine Ablösung des Procuratos nahelegen. Es gäbe auch bereits eine passende Kandidatin als Nachfolger. Es handelt sich dabei um Duccia Venusia. Sie diente unter drei Statthaltern auf verschiedenen Posten in der germanischen Verwaltung und tat sich auch als Princeps Curiae sehr positiv hervor. Bereits vor längerer Zeit wurde ihre Arbeit dadurch gewürdigt, dass sie durch deinen Vater in die Reihe der Equites aufgenommen wurde. Ich halte sie für äusserst kompetent und denke, dass sie als Procurator a rationibus gute Arbeit leisten würde, sofern du ihr dein Vertrauen schenken würdest.


    Nachdem ich dir diese recht dringenden und wichtigen Angelegenheiten angetragen habe, möchte ich dieses Schreiben nun beenden.
    Ich verbleibe dein treuer Diener und warte auf deine Anweisungen und Entscheidungen.



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    ~~Procurator a libellis~~


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