• Schweigend hatte Valentina der Unterhaltung beigewohnt. Die vorsichtigen Blicke, die Pina ihr hin und wieder zuwarf, sagten Valentina, dass sie sehr wohl wusste auf welch dünnem Boden sie sich schon wieder bewegte aber hier in den eigenen vier Wänden sollte die junge Dame ihre Meinung ruhig aussprechen dürfen. Draußen auf den staubigen Straßen Roms sah das schon wieder ganz anders aus.
    Verwundert nur hob sie eine Augenbraue wegen der Übereiltheit, die Trogus zu seiner Einschreibung an den Tag legte. Sie hatte auch gehofft den neu gewonnenen Verwandten noch etwas länger genießen zu können, jetzt da sie ihn doch gerade erst gefunden hatte. Aber Reisende sollte man nicht aufhalten.
    Nur das geheimnisvolle Lächeln, welches sich auf ihre Züge gestohlen hatte, das wollte nicht so ganz weichen.
    Die Quintilias waren wahrlich nicht die reichste Familie aber was deren Zukunft anging. Nun, die junge Frau hoffte dafür in nächster Zeit einen gehörigen Schritt nach vorne zu machen.
    "Auch ich wünsche dir natürlich nur das Beste. Obgleich mir eine Karriere als Senator besser gefallen würde, da müsste ich nicht so viel Angst um dich haben." Meinte sie mit einem versöhnlichen Blick. "Und natürlich bestehe ich darauf, dass du unsere Familie in Zukunft so oft besuchen kommst, wie es dir möglich ist."

  • "Das werde ich, versprochen. Aber ich habe so lange darauf gewartet und mit meiner Entscheidung gehadert, dass ich es nun kaum erwarten kann zur Armee zu gehen. Alles Schuld dieser Parade und der tollen Reden, die war schon sehr überzeugend."
    Er nahm sich Brot, tunkte es in etwas öl und aß dazu etwas Käse, alles war wirklich ausgezeichnet. Ja, das würde er wirklich vermissen. zumindest eine Weile. Wenn die Grundausbildung fertig war konnte er ja mal zur Cena hier her kommen sich etwas Abwechslung zum Essen der Soldaten holen.


    "Senator... ja wäre auch schön. Aber auf dem Weg dahin brauch man eine Menge Geld und gute Kontakte, und die habe ich eben nicht. Für einfache Leute wie mich ist es eben die Armee, wo man noch mit Fleiß und Arbeit Karriere machen kann." Dann schaute er auf Pina und lächelte. "Naja, zumindest als Mann."

  • Wieder war da dieses geheimnisvoll (oder gar verliebte?) Lächeln bei Valentina.
    "So, die Parade hat dir also gefallen und die Reden auch. Der Hauptredner war schon sehr beeindruckend, nicht wahr? Gutaussehend, redegewandt und sein Auftreten ist sehr überzeugend, nicht?"
    Sie nahm einen Schluck von ihrem Becher und sah über den Rand hinweg zu Pina.

  • Pina saß da und beobachtete nun ihrerseits ihre beiden Verwandten. Als deren Gespräch auf die Parade kam, lächelte sie in sich hinein. Im Geiste sah sie das Ganze wieder an sich vorbei patrouillieren und ging ganz darin auf.
    Plötzlich bemerkte sie, dass ihre Tante sie anschaute. Fast schon erschrocken verließ sie ihre Vorstellungen. Sie hatte noch irgend einen Gespächsfetzen im Ohr und stellte ihre Frage ins blaue hinein. „Vom welchem Hauptredner sprecht ihr gerade?“ Kaum hatte sie die Frage gestellt bereute sie es schon, nicht nur dass die beiden bemerkte, dass sie nicht bei der Sache war, bestimmt hatte sie jetzt einen dummen Fehler gemacht. Schnell ergriff sie eine Olive, betrachtete sie aufmerksam, so dass jeder denken konnte sie hätte zum ersten mal eine Olive gesehen.

  • Gutaussehend? "Na, ob er gutaussehend war, das müsst schon ihr beiden entscheiden nicht ich. Aber ja, er war überzeugend und natürlich beeindruckend, aber das sollte ja logisch sein bei seiner Position. Für die meisten ist schon ein einfacher Soldat der Garde sehr beeindruckend." Und da war er keine Ausnahme. Das Auftreten in Schwarz, der Skorpion, ihre Nähe zum Kaiser. Diese Truppe war schon etwas ganz spezielles, ein Ziel für jeden der dem Kaiser dienen wollte, ein Ziel auch von Aulus.
    "Irgendwann... wenn Fortuna mir wohlgesonnen ist... irgendwann trage ich auch die Rüstung der Garde."

  • Frühstück? Frühstück! Sila war hocherfreut, als sie feststellte, das die Familie schon fast vollständig versammelt war. Ja ja sie war wie immer etwas spät dran, aber das garantierte ihr natürlich auch mal wieder einen Auftritt. Sie hatte sich heute extra zurecht gemacht, ja so langsam konnte man wohl sehen, das die Zwillinge keine Kinder mehr waren. Während Pina das wohl gern versteckte unterstrich Sila es gerade zu. Ja sie machte es das ihr inzwischen immer mehr Blicke folgten, dass die Männer Roms sie inzwischen als Frau wahrnahmen.
    So betrat als die junge Frau den Raum und begrüßte alles Anwesenden mit einem freundlichen „Salve. Entschuldigte das ich etwas spät dran bin.“ Und setzte sich neben ihre Schwester. Der sie auch gleich zuraunte. „Habe ich etwas verpasst?“

  • Pina schaute mit einem Blick, der vieles gleichzeitig ausdrückte, wie, auch schon da, typisch, du denkst doch jetzt nicht, dass ich dir … , toller Auftritt, Sila wie sie leibt und lebt, auf ihre Schwester. Leise wie diese antwortete sie, ein wenig schnippisch, amüsiert und jetzt nicht: „Nein eigentlich nicht, wird dich eh nicht interessieren.“ Was auch stimmte, denn es war ja auch nicht die Rede von Mode, Geschäfte oder Männer gewesen.

  • Nun waren fast alle da, nur Aulus Schwester lies auf sich warten, aber das war ja nun auch nichts besonderes. "Morgen Sila." Die beiden Schwestern sahen sich zwar gleich, aber langsam erkannte Aulus die kleinen Unterschiede. Wo Pina noch ihrem Alter entsprechend aussah, versuchte Sila bereits deutlich älter und reifer zu wirken. Nur leider kam Reife nicht über aussehen, sondern das Verhalten und inwiefern sie da punkten konnte wusste Aulus natürlich nicht.

  • Pina stand auf, „ich muss sagen es war wirklich schön mit euch zu frühstücken.“ Sie lächelt Trogus ab. „Ich hoffe ich werde dich noch sehen, du willst dich doch sicherlich von mir verabschieden. Vergiss nicht eines Tages stehe ich an eurer Porta“. Schelmisch zwinkerte sie ihm zu und wich dem Blick ihrer Tante und Schwester aus, ehe sie das Tablinum verließ.

  • Pina saß im Tabilum und starrte fassungslos auf den Brief in ihrer Hand. Zum wiederholten Mal las sie ihn durch. Für sie gab es keinen Zweifel, auch wenn es hier nicht zu lesen war.
    Warum sonst sollte sie zur Castra kommen? Hatte er ihr und Sila nicht deutlich genug gesagt was er von solchen Mädchen hielt. Nein es musste einfach so sein .
    Leise sagte sie „Er tut es also doch“. Hob den Brief hoch und drückte einen Kuss darauf, ehe sie los schrie, als stünde das Haus in Flammen...SILA, TANTE VALENTINA Sie konnte es gar nicht abwarten den beiden die aufregende Neuigkeit mit zu teilen.


    Was ziehe ich an? Sila muss mir helfen. Sie können mich ja begleiten, den Rest gehe ich aber alleine. Dies und hundert Sachen wirbelten ihr gleichzeitig durch ihren Kopf während sie auf die Beiden wartete.

  • Sila hatte alles stehen und liegen lassen, als sie ihre Schwester hatte so brüllen hören. Bei den Göttern was war denn nun passiert. Sila stürzte förmlich auf ihre Schwester zu und fragte mit einem entsetzten Gesichtsausdruck. „Was ist passiert?“

  • „Wo bleibst du denn so lange?“ Pina stellte an ihre Schwester voller Entrüstung diese Frage, wechselte dann aber fast im gleichen Augenblick das Thema. „Du stell dir vor der Trogus hat mir geschrieben, ich darf nun doch in die Castra.“ Für sie stand es jetzt fest, nur aus diesem Grund sollte sie zu ihm kommen.
    Aufgeregt drückte sie Sila die Tabula in die Hand. „Hier bitte lies selber, dann glaubst du mir bestimmt."



  • Auch Valentina war ganz außer Atem, als sie ins Tablinum gerannt kam. Sie sah sich nach den Einbrechern oder dem lodernden Feuer um, was Pina dazu gebrach hatte zu schreien als wäre ihr Leben bedroht. Doch sie sah nichts und niemanden, statt dessen drückte Pina ihrer Schwester in diesem Moment die Tabula in die Hand. Valentina hörte die Worte und blickte über Silas Schulter um zeitgleich mit ihr den Text lesen zu können.
    Nachdem sie geendet hatte ließ Valentina nicht erkennen was sie davon hielt. "Wirst du hingehen?" Sah sie ihre Nichte dann fragend an.

  • Pina sah ihre Tante an, als hätte diese sie gefragt, ob sie eine Römerin wäre. „Was für eine Frage, selbstverständlich werde ich da hingehen.“ Sie konnte nicht verstehen, wieso ihre Tante ihr diese Frage stellte. Sie schaute verunsichert zu Sila.
    Dann kam es ihr. Es tut mir Leid Tante, ich hätte es wissen müssen, du machst dir Sorge um mich. Ich glaube aber Trogus der aus seiner Sicht richtig reagiert hat, jetzt etwas unterstützen würde was mir oder einem von uns schadet. Wenn du es mir aber verbietest, werde ich es akzeptieren und ihm eine Nachricht schicken.

  • Sila klappte die sprichwörtliche Kinnlade runter. „Wau...“ viel mehr konnte sie nicht sagen. Als Pina dann auch noch die Bedenken ihrer Tante wegwische erwachte Sila endlich aus ihrer Starre. „WAU WAU WAU!!!“ Und sie fiel ihrer Schwester um den Hals. „He Pina, dass wolltest du doch schon immer. Oh ich freue mich so für dich. Und... du musst mir anschließend unbedingt erzählen wie viele gutaussehende Männer dort so herumlungern.“ Sie zwinkerte ihrer Schwester zu. Nicht das Sila die Absicht hatte einen Soldaten zu ehelichen. Also zumindest keinen einfachen. Bei Tribun oder höher konnte man so schon mal darüber reden. „WAU!“ Ja Silas Wortschatz war heute nicht der größte.

  • Auf ihre Frage bekam Valentina eine sehr selbstbewusste Antwort. Das veranlasste sie dazu einen Schritt zurück zu treten und zu nicken. Die Tante war hin und her gerissen. Alles in ihr wollte den Brief nehmen und in kleine Stücke reißen, Pina Hausarrest geben und die ganze Angelegenheit vergessen. Andererseits hatten sie erst kürzlich festgestellt, dass beide Mädchen nun zu jungen Damen herangewachsen waren, die ihre eigenen Erfahrungen machen mussten, egal wie diese auch waren. So verweint Pina noch im Bett saß hatte sie sich Sorgen um ihren Ruf gemacht, das schien nun vergessen zu sein.
    Der Einwand mit Trogus war wohl das Einzige, was Valentina von ihrem Vorhaben abhielt. So nickte sie erneut, versuchte eine möglichst ruhige Fassung zur Schau zu tragen.
    "Ja du hast vermutlich Recht, Trogus wird auf dich achten. Wenn du dann nur einen Rat von mir annehmen möchtest, zieh etwas schlichtes an." Am liebsten hätte sie noch hinzugefügt, dass sie sich am besten ein Tuch um den Hals wickeln sollte damit es auch wirklich alles von ihrer freien Haut verdeckte aber sie hielt den Mund. Die Kinder waren erwachsen und mussten lernen. Valentina konnte nun nur noch so etwas wie eine Freundin sein. Zumindest hofften sie, dass die beiden Schwestern sie auch weiterhin an ihrem neu entdeckten Leben teilhaben lassen würden.

  • Verdutzt schaute Pina ihre Schwester an und grinste dann kurz. Da gab es also doch etwas, dass Sila fast Mundtod machte, sie hätte es nie für möglich gehalten. Wenn ihr Kopf nicht gerade mit anderen Dingen voll gewesen wäre, hätte sie dieses Thema voll ausgeschlachtet.
    Als ihre Tante dann zurücktrat ahnte sie, was in ihr vorgehen mochte.
    Dankbar hörte sie was ihr Tantchen ihr sagte. „Gewiss werde ich das machen, du kannst ganz unbesorgt sein, denn das hatte ich so auch vor, denn ich bin ja nicht... du weißt schon. Sila wird mir bestimmt helfen und wenn nötig mit einem Tuch aushelfen.
    Danke, das du mir vertraust.“ Schnell drückte sie ihr Tantchen, schnappte Sila an die Hand und zog sie mit sich zum Kleider wechseln.
    Dieses mal ging alle Initiative von ihr aus, sie war kaum wieder zu erkennen.

  • Mittlerweile war die Dunkelheit über die Stadt eingebrochen und Pina war froh, dass sie endlich zu Hause war. Sie hatte sich zwar gut beschützt gefühlt dennoch war es ihr ein wenig mulmig auf dem letzten Stück ihres Heimweges, begleitet vom Custos, zurücklegte.


    Durstig und hungrig hatte sie auf der Cline im Tablinum Platz genommen und konnte es kaum erwarten Sila und ihrer Tante von ihrer Besichtigungstour zu erzählen. Besonders aber von dem Gespräch mit demTribun.

  • Sila sauste nur Momente nachdem Pina es sich bequem gemacht hatte in den Raum. Sie drückte ihre Schwester kurz, bevor sie sich auch auf einer Cline niederließ. „Ich will alles wissen. Jedes Deatil. Und hast du gutaussehende Soldaten gesehen. Also Centurie oder so?“ Das für Sila ein Miles nicht in Frage kam war ja wohl klar. Aber einer der die Karriereleiter schon hinaufgeklettert war, war sehr wohl im Fokus der jungen Frau. „Ich will jede Kleine Kleinigkeit wissen.“ Sagte sich nochmals lachend. Dann schaute sie ihre Schwester erwartungsvoll an.

  • Als es zu dämmern begonnen hatte war Valentina nicht mehr von dem kleinen Fenster gewichen, von welchem man auf die Straße hinaussehen konnte. Sorgenvoll hatte sie auf die Rückkehr ihrer Nichte gewartet und den Göttern gedankt, als sie diese endlich sah.
    Sie hatte sich Zeit gelassen, wollte den Schwestern erst einen Moment alleine geben, bevor sie dann kurz nach Sila ebenfalls das Tablinum betrat und auf einer weiteren Kline Platz nahm. "Mir geht es genauso, ich möchte auch gerne alles erfahren."
    Noch immer wusste sie nicht, was sie von diesem Tag halten sollte aber vielleicht würden die Erzählungen ihr bei der Entscheidung helfen.

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