• Ich musste mich schon zusammenreißen, bei seiner Frage zu den ägyptischen Göttern nicht zu lachen. Diese jugendliche Herangehensweise war mir binnen weniger als einem Jahr am Museion abgewöhnt worden. So, wie Stila rot anlief, konnte ich mir einen Vortrag sparen. So ließ ich mir nichts anmerken und beschloss, später diese Frage mit ihm philosophisch zu erörtern. Das würde meinem Vetter mehr bringen.


    "Nun denn, dann wollen wir einmal etwas essen gehen. Warst du direkt über die Via Flaminia hierher gekommen oder hast du einen Abstecher über die prachtvollen Plätze des Campus Martius gemacht? Und noch eine viel wichtigere Frage: Möchtest du danach das Forum sehen?"

  • Stilo bemerkte sofort, dass seine Frage über die ägyptischen Götter Tacitus fast zum Lachen brachte.

    Er überlegte kurz, wie er eigentlich hier her gekommen war. "Der Urbane von der Stadtwache hatte mir eine Wegbeschreibung gegeben," erzählte Stilo nachdenkend, "aber offensichtlich hatte ich mich verlaufen. Ich war nicht am Campus Martius bin aber am Forum vorbeigelaufen ehe ich nach dem Weg fragen musste. Es wäre mir aber eine Freude wenn du mit das Forum genau zeigen würdest."

    Er freute sich bereits dass sein Vetter ihn die Stadt zeigen würde und er nicht orientierungslos durch die Straßen ziehen würde - wahrscheinlich am Schluss sogar noch ein Opfer eines Verbrechens werden würde. Seine Gedanken wurden je unterbrochen als sein Magen sich wieder mit einem grummen zurück meldete.

    "Wo würdest du gern was essen gehen?"



  • "Essen gehen würde ich gerne in einem Thermopolium* 'Malorix et Pelopidas' auf dem Campus Martius. Ein Germane und ein Grieche betreiben das. Die Speisen dort sind sehr gut und vergleichsweise günstig. Wir könnten aber auch morgen dorthin gehen und heute zur Taverna Apicia in den Trajansmärkten. Dann wären wir auch direkt an den Foren und nur ein kurzes Stück vom Forum Romanum entfernt."


    Da fiel mir noch etwas ein.


    "Auf dem Forum Romanum wird erwartet, dass man als Römer seine Toga trägt. Du hast deine Toga doch dabei, oder?"



    Sim-Off:

    Thermopolium: Ein antiker Schnellimbiss

  • "Thermopolium hört sich gut an, da gibt es immer schmackhafte Speisen" erwiderte Stilo. Ihm ging es aber auch um die Kosten - selbst wenn er es niemals zugeben würde. Dass von seinem Vater anvertraute Geld ging während der Reise für edle Speisen und den besten Wein drauf, auch wenn er nicht viel davon hatte, da die Händler die ihn begleitet hatten seine jugendliche Naivität ausgenutzt hatten.

    "Falls wir zum Forum wollen, ich habe eine Toga in meiner Satteltasche da. Mein Vater hatte mich ermahnt diese nicht zu vergessen." Stilo blickte sich um und konnte keinen Sklaven entdecken also sagte er zu Tacitus, "Ich gehe kurz zur Ala und hole diese schnell raus, wenn es ok ist."


  • "Ist nicht nötig."


    Ich ging zur Tür der Bibliothek.


    "Begoas! Geh zum Pferd und hole die Toga meines Verwandten! Und hole Araros, damit er mir meine Toga holt!"


    "Ja, Domine!"


    Dann ging ich wieder zurück zu meinem Gast.


    "Wärst du damit einverstanden, wenn Begoas dir deine Toga anlegt? Er ist noch jung und muss lernen. Keine Sorge, Araros und ich werden kontrollieren, ob die Toga ordentlich sitzt."

  • Während Tacitus noch sprach erschien Beogas mit der Toga. Er eilte mit gesenkten Kopf Stilo zu und hatte die Toga säuberlich über den Armbeugen gelegt. Die Toga war ganz neu und wurde noch nie getragen, ein Abschiedsgeschenk, die Stilos Mutter am Tag der Abreise noch besorgt hatte. Etwas verlegen schaute Beogas erst zu Stilo und dann zu Tacitus, sichtlich überrascht dass er einem Gast die Toga anziehen sollte.


    "Selbstverständlich bin ich damit einverstanden" sagte Stilo und lächelte Beogas zu, "wir werden dass sicherlich hinbekommen."

    Er zog seine Tunika aus und hebte beide Arme an und war gespannt, wie das Endergebnis aussehen würde. Als Beogas begann, die Toga zu entfalten, betrat Araros ebenfalls die Bibliothek.

  • "Ein kleiner Hinweis. Hier in Rom ziehen wir unter der Toga eine gute Tunika an. Ich hoffe, dass du eine für Anlässe wie ein Gericht oder einen Tempel geeignete Tunika hast?"


    Sollte er keine haben, würde ich Araros eine holen lassen. Ich selbst trug fast nur weiße Tuniken und fast immer meine Toga. Das gehörte aber auf Grund meines Advokatendaseins meiner Meinung nach dazu.

  • Verlegen blickte Stilo Tacitus an und augenblicklich senkten sich seine Arme wieder. Vor lauter Aufregung hatte er sich die Tunika ausgezogen und nicht mehr dran gedacht, sich anständig zu kleiden.


    Mit einem Kopfschütteln schaute er Tacitus an und erwiderte, „Ich habe nur die Tunika dabei, die ich gerade anhatte.“


    Dabei handelte es sich um eine beige Tunika, die eher für Reisen gedacht war als für einen Besuch auf dem Forum. Innerlich regte sich Stilo auf, da er an sowas Banales wie eine saubere weiße Tunika nicht gedacht hatte. Zu Hause hatte er seinen Sklaven beauftragt sein Gepäck vorzubereiten, dafür eine Liste angefertigt, an die er sich halten sollte. Es war seine Schuld und so war es nun mal. „Kann ich diese darunter anziehen oder sollen wir ein anderes Mal in das Forum gehen?“, fragte er verlegen und zeigte ihm seine beige Tunika.

  • "Warte kurz."


    Ich musste Araros nur ansehen, schon wusste er bescheid. Er verließ zusammen mit mir die Bibliothek und wir suchten in der Kleiderkiste für Gäste eine weiße Tunika heraus, die Stilo passen müsste. So kamen wir zurück in die Bibliothek.


    "Probier die mal an. Das sollte gehen. Wir werden dann nach dem Forum die Trajansmärkte besuchen und dich ordentlich einkleiden."

  • Mit einem Mal stand Stilo alleine in der Bibliothek. Lediglich Beogas war noch mit ausgestreckten Armen im Raum – die Toga noch fein säuberlich darüber gelegt.

    Kopfschüttelnd und mit einem Lächeln schaute Stilo Beogas an und nickte ihn zu, Nun ja, das war ja jetzt peinlich“, murmelte er noch leise vor sich hin.

    Einen kurzen Augenblick später erschien Tacitus und Araros mit einer reinweißen Tunika. Stilo nahm diese entgegen und zog sie sich über seinen Oberkörper.

    Sie passte gut, nur etwas zu groß, was aber mit der Toga kaum auffallen würden.

    „Danke sehr“, sagte er, während er sich zu Beogas drehte und die Arme wieder anhob.

    „Die Trajansmärkte?“, flüsterte Stilo und er riss vor Begeisterung seine Augen auf, „Apollodor großes Werk? Ja, sehr gerne, davon habe ich bereits gehört“.

  • "Ja, genau dieses. Das Problem, dem sich Apollodor stellen musste, war einerseits ein Stück des Quirinals abzutragen, andererseits aber den Hügel zu stabilisieren. Das gelang durch die konkave Form und die Aufteilung der Geschosse. Wusstest du, dass Appolodor seine Karriere im Militär begonnen hatte?"


    Während ich sprach, begannen die Sklaven mit dem Anlegen der Togas. Araros legte mir das erste Stück Toga über die linke Schulter, und Begoas machte es bei Stilo genau so nach. Dabei wurde darauf geachtet, bereits hier die Falten passend zu legen, damit sie später ordentlich über den Rücken fallen würden.

  • Während Stilo aufmerksam und neugierig zuhörte, legte Beogas ihn die Toga an. Er blickte bei jeden neuen Schritt auf Araros um es ihn möglichst gleich zu machen und es gelang ihm, fehlerfrei die Toga zu legen, sodass diese dann passend fallen würde.

    "Ja, man erzählte mir, dass man in Rom einen halben Berg abgetragen hatte um diese Märkte zu bauen. Es ist faszinierend was Menschen alles machen können und all die Wunder treffen hier in Rom zusammen.", schwärmte Stilo, dessen Herz schneller Schlug als er an die Bauwerke dachte, die er noch sehen wollte.

    "Ich wusste es nicht" sagte Stilo knapp auf die Frage, "kann mir aber gut vorstellen, das er dort auch spannende Sachen gebaut hat."

    So langsam konnte Stilo erkennen, wie die Toga von Tacitus die perfekte und bekannte Form annahm und er erhaschte ebenfalls ein Blick nach unten. Sichtlich zufrieden schaute Araros glücklich nach oben während er seine Arbeit begutachtete. Stilo fühlte sich in der Toga gut, ja, erwachsener als er es jemals war und stolz richtete er sein Blick wieder zu Tacitus.


    Sim-Off:

    Ich war tatsächlich mal bei den Märkten dort. Faszinierend, wirklich 😀👍




  • Ich betrachtete den Sitz der Toga bei Stilo und klopfte Begoas auf die Schulter.


    "Gut gemacht."


    Araros gab ich ein kurzes Nicken, welches er korrekt als Lob interpretierte. Dann wandte ich mich an Stilo.


    "Nun können wir los. Bedenke, immer stolz und aufrecht zu gehen, damit die Toga ordentlich aussieht. Und gehe gemessenen Schrittes, denn bei hektischen Bewegungen kann sie verrutschen."


    Nach dieser Ermahnung verließen wir das Haus und würden zunächst der Via Flaminia folgen, um zum Iseum et Serapeium zu gehen.


    Sim-Off:

    Ich war schon ein paar Mal in Rom, habe es bisher aber noch nicht in die Trajansmärkte geschafft, nur auf die Kaiserforen. Von da unten sehen die schon sehr imposant aus. =)

  • Stilo richtete sich, so würdevoll wie es ihm möglich war, auf und folgte Tacitus aus dem Raum und freute sich, die Hauptstadt der Welt kennenzulernen.

  • Die Bibliothek war mein Lieblingsort. Das mochte einer der Gründe sein, weshalb ich gerade auch hier, wo ich mich wohlfühlte, unangenehme Entscheidungen traf. Das fiel mir hier leichter. Nun gab es wieder eine Entscheidung zu fällen. Eigentlich hatte ich sie bereits gefällt. Sie musste nur ausgeführt werden. Um das zu erledigen, hatte ich Terpander in die Bibliothek beordert.

  • Terpander bemerkte man erst, wenn er plötzlich vor einem stand oder wenn er, so wie jetzt, beim Eintreten klopfte. Seine Füße traten vollkommen lautlos auf, ohne dass er dabei schleichende Bewegungen vollführen musste. Seine Gangart wirkte ganz normal und zügig. Die Muskulatur seiner Fußsohlen und Zehen war für die Lautlosigkeit verantwortlich, sie dämpfte jedes Geräusch, so lange man dem Hellenen seinen Willen ließ, die Füße in weiches Leder zu kleiden, und ihn nicht zwang, Schuhwerk mit harten Sohlen zu tragen. Gelegentlich ging er barfuß, um die Hornhaut, die feinen Muskeln und den Tastsinn nicht zu verlieren.


    Heute, da er nicht wusste, was Aulus Iunius Tacitus von ihm wünschte, trug er weiche Schuhe. "Herr", sagte er schneidend, fast fordernd.


    Es klang wie der Gruß eines Soldaten an seinen Offizier. Dann wartete er schweigend, mit einer aufrechten Körperhaltung und einem festen Blick in die Augen des Römers, der jedem Sklaven eines anderen Haushalts den sicheren Zorn seines Herrn eingebacht hätte. Aus Sicht Terpanders jedoch war dieser Auftritt ein Lob. Wen er verachtete, dem sah er nicht ins Gesicht, sondern an ihm vorbei, als wäre er nur ein stinkender Hauch, der zufällig eine Stimme besaß.

  • Ich blickte von meinen Notizen auf und nickte Terpander zu.


    "Terpander, ich habe eine Aufgabe für dich. Mein Studienfreund Stefanos Sophokles, der in Panormus wohnt, hat mich gefragt, ob ich ihm nicht eine Sklavin oder einen Sklavin ausleihen könnte. Besondere Fähigkeiten seien nicht erforderlich. Ich nehme an, dass er entweder Unterstützung benötigt oder ein Experiment plant. Was auch immer es ist, ich habe ihm zugesagt, dass er Artemisia haben kann. Nicht, ohne ihn angemessen gewarnt zu haben. Die Warnung hat er aber in den Wind geschlagen. Nun, lange Rede, kurzer Sinn. Stefanos ist bereits abgereist und wir müssen den Transport nach Panormus organisieren. Wir meint in diesem Fall dich. Und ich erwarte, dass die Ware weder ausbüxt, noch beschädigt am Ziel ankommt. Fragen?"

  • "Zwei: Wie lautet die exakte Adresse und wann muss Artemisia eingetroffen sein?"


    Was den Transport betraf, so wusste Terpander, wie das Dilemma zu lösen sei. Er würde sie fesseln, knebeln und polstern, so dass sie sich nicht selbst verletzen konnte. Was dann im Anschluss bei diesem masochistischen Stefanos Sophokles mit Artemisia geschah, ob sie sich dort wieder einen Fuß brach oder das Genick, lag nicht in seiner Verantwortung.

  • "Via Portensis auf halber Strecke zwischen dem Hafen und dem Forum. Das Haus des Stefanos Sophokles ist bekannt - zumindest in Panormus. Zur zweiten Frage: Artemisia sollte zeitnah verschifft werden, aber es muss nicht unbedingt heute oder morgen sein. So, wie sich eine Passage ergibt. Geld ist sekundär."


    Wer weiß, vielleicht würde ich sie auch an meinen Freund verkaufen - oder verschenken. Womit ich ihr auf jeden Fall einen größeren Gefallen tat, als sie in die Schwefelminen zu verschenken. Wobei sie mir dazu auch keinen Anlass geboten hätte. Bisher benahm sie sich mehr oder weniger gut. Da mochte ihre Verletzung auch hilfreich sein, aber das interessierte mich nicht weiter.


    "Jeder Mensch macht Fehler, aber die meisten Fehler kann man korrigieren."


    Diesen Satz hatte ich angefügt, weil der Auftrag insoweit vollständig war und ich Terpander zumindest einen Hinweis auf meine Beweggründe geben wollte. Das war gegenüber einem Sklaven zwar nicht nötig, aber es war auch nicht schädlich. Zumindest nicht beim Maiordomus.

  • Terpander interpretierte die Erklärung so, dass die Sklavin die Geduld von Aulus Iunius Tacitus überstrapaziert hatte und dieser sie loswerden wollte. Dem stimmte Terpander zu. Er setzte seinen weisen Blick auf und nickte, als würde er die edle Überzeugung dahinter teilen. Seine eigenen zahllosen Fehler hatten ihm die Sklaverei beschwert. Seine eigenen Fehler zu korrigieren hieße, sich ihnen zu stellen.


    "Ich werde mich nach der nächsten Reisemöglichkeit erkundigen. Wünschst du sonst noch etwas von mir?"

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