Rundgang des Legaten

  • Ursus hatte das Versprechen, das er bei seiner Rede gegeben hatte, nicht vergessen. Tatsächlich hatte er vor, ein Legat zum "Anfassen" zu sein. Einer, der sich nicht im Officium verkroch, sondern sich sehen ließ, mit den Männern sprach und sich selbst von der Lage ein Bild machte. Er verzichtete darauf, sich von seinen Stabsoffizieren begleiten zu lassen. Was vielleicht auch besser war, solange er Baldemar bei sich hatte. Wie er den Germanen kannte, würde der seine Verachtung für die römische Armee nur allzu deutlich zeigen. Hoffentlich nicht so deutlich, daß es Ärger mit den Männern gab. Obwohl, so eine kleine Abreibun täte Baldemar vielleicht ganz gut. Damit er aufhörte, auf andere so verachtend herab zu schauen, ohne wirklich zu wissen, was jene konnten.


    Nur mit wenigen Worten hatte Ursus seinem derzeitigen Leibwächter erklärt, was er vorhatte und verließ nun mit ihm im Schlepptau die Principia. Sie gingen die Via Praetoria entlang in Richtung der Porta Praetoria. Links und rechts zunächst die Wohnhäuser der Tribune, dann kam rechts das Forum und links die Centurienbaracken. Es war durchaus viel los, obwohl viele Männer beim Training waren und andere auf Wache.

  • Die Strafe endete einfach nicht. Diese Woche war schon zu Beginn grauenhaft. Ursus hatte kurz erklärt was er wollte. Interessiert hatte es Baldemar nicht. Mehr als ein Ja und einem Nicken hatte er nicht heraus bekommen. Durch das Lager. Wie Interessant. Der Germane schaute links und rechts. Ihnen begegneten Soldaten. Leider kam keiner Ursus zu nahe. Schade eigentlich. Das hätte wirklich Spaß machen können.
    Zum Glück wusste Baldemar nichts von den Gedanken die Ursus hatte. Eine ordentliche Prügelei würde ihm vermutlich gut tun. Zugeben würde der Germane es aber nicht. Genauso wenig wie seine Gründe für sein Verhalten. Wohnhäuser, Baracken, Soldaten. Ein leises Knurren. Scharfe Augen. Angespannter Körper. Baldemar kämpfte und schwieg.

  • Schweigend folgten sie dem Weg zum Tor und Ursus behielt den Sklaven im Auge. Es entging ihm nicht, daß der Germane finster dreinschaute und sogar knurrte. Der Anblick der Soldaten schien Zorn in ihm zu wecken. "Dein Verhalten scheint zu zeigen, daß es Soldaten waren, die Dich in die Sklaverei brachten. Ist es so, Baldemar? Du scheinst für römische Soldaten nur Verachtung übrig zu haben. Das wundert mich sehr. Auch ein Besiegter kann Achtung vor dem Können der anderen haben. Hier jedenfalls kannst Du immer wieder hören, daß die Germanen tapfere Krieger sind und gute Einzelkämpfer. Warum bist Du nicht fähig, diese Achtung vor guten Fertigkeiten aufzubringen?" Natürlich bestand die Gefahr, daß er in ein Wespennest stieß. Aber sie sollten sich kennenlernen. Also mußten sie miteinander reden und die Gründe für ihr gegenseitiges Verhalten herauszufinden.

  • Ursus sprach. Und er sprach viel. Aus der Bewegung blieb Baldemar plötzlich stehen. Prüfend sah er den Römer an. Selten interessierte sich jemand für seine Geschichte. Nein. Es kam gepresst hervor. Ein Besiegter? Es knirschte in seinem Kiefer. Weil wir Germanen so sind. Fast hätte er geschnauft. Seine Augen verengten sich. Er hatte schon so viel gesagt. Aber es presste sich aus seiner Lunge heraus.
    Hab noch keine Fähigkeiten gesehen. Sie konnten toll marschieren. Alle hintereinander weg, in Reihen und schwer beladen. Für Baldemar nichts besonderes. Es viel ihm schwer die Fähigkeiten zu erkennen die dahinter standen. Jene, die diese Armee so erfolgreich machten.
    Der Germane konnte nicht weiter gehen. Er wollte rennen. Sich schlagen. Jemanden anschreien. Aber er schwieg und stand nur angespannt da.

  • Nein? Woher dann diese Verachtung? Woher dieser Haß? Die große Anspannung, unter der dieser Germane stand, blieb Ursus nicht verborgen. "Ihr Germanen seid so? Ich war ein Jahr lang in Germanien. Ich habe Germanen kennengelernt. Auch welche, die nicht unter uns Römern leben. Ich habe Gastfreundschaft erfahren, raue Sitten und großen Stolz. Aber nicht diese offene Verachtung, die Du ausstrahlst. Erklär es mir, Baldemar. Was macht einen Germanen für Dich aus?"


    Als Baldemar so gepreßt vorbrachte, daß er von den Fähigkeiten der Römer noch nichts gesehen hätte, mußte Ursus ein Schmunzeln unterdrücken. "Dem können wir problemlos abhelfen. Ich spreche kurz mit den Wachen am Tor, dann gehen wir zum Exerzierplatz, wo die Männer trainieren. Du wirst Dir dort ein Bild von ihren Fähigkeiten machen können."

  • Er hatte mit vielem gerechnet. Aber nicht mit dieser Erklärung oder dieser Frage. Was sollte das? Baldemar vermutete eine Falle. Ja, war das erste was er sagte. Dann verstummte er eine Weile. Gastfreundschaft. Rauhe Sitten, großer Stolz. Ja, presste er erneut hervor. Heimat war es, die er hörte. Verachtung? Seine Schultern zuckten. Ein Germane? Baldemar sah in die Ferne. Über das Lager hinweg.
    Frei wie ein Wolf. Stolz wie die Eule. Stark wie der Baum. Hörbar atmete er durch. Viele Worte. Aber weniger wären nicht möglich gewesen. Seine Erinnerungen schluckte der Germane nieder. Der Römer würde ihn nicht verstehen, davon ging er aus.
    Auf den Exerzierplatz? Erneut zuckte er nur. An sich war es ihm egal. Der Germane glaubte nicht daran, das dies sein Bild zurecht rücken würde. Wie du meinst, Ursus. Die Pause war hörbar. Aber er erkannte seinen Fehler. Dabei hatte Frija es ihm immer wieder gesagt an diesem Morgen. Achte auf deine Worte.
    Ja ja. Mehr war es nicht gewesen. Nun musste er ein, Herr ,nach reichen. Auch wenn es ihm schwer fiel.

  • Frei wie ein Wolf. Stolz wie die Eule. Stark wie der Baum. Ursus dachte über diese Worte einen Moment lang nach. Und runzelte die Stirn bei der Anrede. "Dominus Ursus oder Herr, niemals nur Ursus, Baldemar." Sein Tonfall war sehr ernst. Er würde dem Germanen gegenüber nicht um einen digitus von diesem Anspruch abweichen.


    "Und doch hörte ich, daß auch Germanen Sklaven haben. Daß sie oft sogar ihre Freiheit verspielen. Habe ich da etwas Falsches gehört?" Er sprach weder spottend noch höhnisch. Er wollte es schlicht wissen, denn oft genug stellte er fest, daß über andere Völker völlig falsche Behauptungen kursierten. Es war ihm wichtig zu erfahren, ob die Sklaverei für die Germanen wirklich so etwas Unbekanntes war.


    "Ja, das meine ich. Urteile nicht, bevor Du nicht Gelegenheit hattest, Dich selbst zu überzeugen, was Sache ist." Der Germane war wirklich eine harte Nuß. Wie kam Septima mit diesem wortkargen Sturkopf nur klar? Ursus spürte, daß seine Geduld wirklich beansprucht wurde. Doch so schnell wollte er auch nicht aufgeben.

  • Grummelnd starrte Baldemar Ursus an. Er biss sich auf die Unterlippe. Erst als er Blut schmeckte entspannte sich der Kiefer. Er sagte es nicht. Aber er nickte. Seine Augen fixierten den Römer dabei. Dann musste er die Ansprache eben weglassen. Ursus überraschte den Germanen weiterhin. Ja, Baldemar dachte an sein Dorf. Es gibt Sklaven.
    Für ein Augenzwinkern ballte er seine Fäuste. Manche verspielen ihr Leben, kann sein. Ich nicht. Ich habe Familie.
    Wer, seiner Meinung nach, das Spiel zu seinem Volk gebracht hatte, verschwieg er. Frija hatte recht. Baldemar sollte besser acht geben, was er sagte. Manchmal kamen die wenigen Worte einfach zu ungefragt. Dem Germanen kamen Bilder vor Augen. Sein Blick entrückte kurz der Welt.
    Er schwieg. Wenn der Römer ihm was beweisen wollte, dann nur zu. Er glaubte, das es nichts besonderes werden konnte. Unmerklich zuckte er fast gleichgültig. Eine Wahl würde er eh nicht haben.

  • Wieder mußte Ursus einen Moment darüber nachdenken, bevor er sprach. Baldemar sprach nur wenig, sagte aber im Grunde doch eine ganze Menge. "Du nicht. Du hast Familie. Aber haben die anderen nicht genauso Familie? Ist nicht der Einzelgänger eher die große Ausnahme auch bei euch Germanen? Bist Du also anders als die anderen?" Wieder kein Spott und kein Hohn. Reine Wißbegierde.

  • Schweigen. Das war ein guter Anfang. Ursus redete dennoch weiter. Es klang harmlos. Baldemar überlegte trotzdem was jetzt richtig war. War er anders? Wieder ein Zucken. Der Römer hatte aber auch Fragen auf Lager. Warum konnte er es nicht einfach hinnehmen? Die Zunge fuhr über die wunde Stelle der Lippe. Ja, wir leben in großen Familien. Sie ist uns wichtig. Verwirrung durch die Fragestellung machte sich in Baldemars Gesicht breit. In der Pause, die sich anschloss, beobachtete er den Römer sehr genau.
    Willst du jetzt wissen, ob ich alleine lebte oder ob ich Sklaven hatte?
    Ein Schnalzen folgte. Das können diese Römer gut. Verwirren durch Fragestellung. Das sprach er lieber nicht laut aus. Der Germane hatte eine Vermutung, worauf Ursus hinaus wollte. Er hatte schon viel geredet. Nichts desto trotz sprach er nun weiter.
    Es gibt solche und solche. Bei uns und bei euch. Wieder ein Zucken. Wieder zu viele Worte. Bist du anders? Er vermied jede Ansprache, auch wenn es ihm auf den Lippen lag. Es tat weh, ohne zu sprechen. Es würde aber zu sehr schmerzen, wenn er ihn Herr oder gar Dominus Ursus nennen würde. Baldemar kämpfte mit sich und seinen Überzeugungen.

  • "Du bist meiner Frage ausgewichen", stellte Ursus sachlich und sogar ohne Vorwurf fest. Baldemar wäre kein ungeschickter Politiker, wie es schien. Nur etwas arg wortkarg. Wobei sich die Menge des Gesagten schon unglaublich gesteigert hatte. Mit Sicherheit erstaunlich für diesen Mann. "Ich will wissen, ob Du Dich anders einschätzt als die anderen Deines Volkes. Mich erstaunt auch, daß Du Dich als Germane bezeichnest. Ich dachte, ihr selbst würdet euch als verschiedene Völker betrachten und der Begriff Germane sei eine römische Erfindung. Welchem Volk gehörst Du an, Baldemar?"


    Zu den weiteren Worten Baldemars konnte Ursus nur nicken. "Ja, genau das ist es. Es gibt solche und solche, bei euch und bei uns. Diese Erkenntnis ist ein guter Anfang. Ein sehr guter Anfang." Die er gar nicht erwartet hatte bei Baldemar. "Bin ich anders? Nein, ich glaube nicht. Meine Familie steht an erster Stelle, Rom kommt direkt danach. Ich bin Patrizier, das beschert mir ein paar wenige Privilegien. Und es erlegt mir Pflichten auf, die ich gerne bereit bin, zu erfüllen. Nein, ich denke, ich bin im Großen und Ganzen nicht anders als die anderen Römer. Von kleinen individuellen Details mal abgesehen."

  • Er war ausgewichen? Konnte sein. Der Ton von Ursus war überraschend neutral. Der Germane fixierte den Römer. Was stand hinter dessen Neugier? Woher hatte er sein Wissen? Baldemar wollte nicht antworten. Die friedliche Grundstimmung aber änderte rasch seine Einstellung.
    Kann sein, das ich anders bin. Es interessiert mich nicht. Ein knurrender Laut schloss sich an. Ja, den Namen haben wir von euch. Ich wollte dich nicht überfordern. Grinsend unterdrückte er die Anrede. Der Name lag ihm bereits auf der Zunge. Aber ganz so dumm war der Sohn von Baldomar nicht. Marser, lautete seine knappe Antwort.
    Ein guter Anfang? Sollte das ein Lob sein? Der Mundwinkel des Germanen zuckte. Er war doch kein Hund, den man tätscheln musste. Ursus war also wie die anderen. Nichts was Baldemar gefiel. Römer und ihre römischen Gesetze hatten ihn hier her gebracht. Ein, Aha, war dann auch alles was er sagte. Er dachte durchaus an seine Pflichten, denen er in Alrichs Dorf hatte nachkommen müssen. An seine Stellung in der Gaue. An die Gefangennahme durch den Händler. Nachdenklich sah er in die Ferne. Ursus würde ihn nie verstehen, solange er nicht geschlagen wurde. Das aber schlug er besser nicht vor. Düster grinste er zu seinen Gedanken. Schmerz und Wehmut versteckten sich dahinter.

  • Er wollte ihn nicht überfordern? Ursus unterdrückte ein Grummeln. Wußte seine Frau wirklich, was sie ihm abverlangte? Seine Geduld wurde mächtig auf die Probe gestellt. Und er merkte sehr wohl, daß Baldemar es vermied, ihn anzusprechen. Noch sagte er nichts dazu. Noch nicht.


    Sie erreichten das Tor und Ursus nahm die Gelegenheit wahr, mit den Wachen zu sprechen, sich berichten zu lassen, wie viele Besucher tagsüber hier so vorsprachen, was die üblichen Anliegen waren. Und natürlich auch, wie die Wacheinteilung ablief, ob oft genug zwischen den Einheiten gewechselt wurde oder ob das Wachestehen immer wieder an den gleichen Männern hängenblieb. Es dauerte eine Weile, bis er sich vom Tor wieder abwandte und nun auf der Innenseite des Walls dem Intervallum folgte, da sie ja zum Exerzierplatz wollten.


    Hier war nun Gelegenheit, das Gespräch wieder aufzunehmen. "Von den Marsern las ich bei Tacitus. Doch wie kommst Du in die Sklaverei, wenn Du frei geboren und ein Marser bist? Wir haben seit hundert Jahren keine Kämpfe mehr gegen die Marser geführt." Irgendetwas an der Geschichte war faul. Konnte natürlich sein, daß Baldemar zu jenen Germanen gehörte, die glaubten, sich durch Überfälle auf römische Besitzungen bereichern zu können. Dann wäre es kein Wunder, daß der Germane hier gelandet war.

  • Die Unterhaltung stockte. Sie waren am Tor. Der Germane hörte zu und schwieg. Ursus schien sich um die Soldaten zu sorgen. Baldemars Augen wurden schmaler. Er sah sich um. Sein Blick prüfte die Palisade. Die Anerkennung für diese Arbeit versuchte er zu verbergen.
    Sie gingen weiter. Die Stille wurde durchbrochen. Abfällig atmete er aus. Der falsche Händler am falschen Tag. Erneut ein Blick in die Ferne. Er verachtete sich, da er Frija nicht hatte schützen können. Wie er es ihrem Vater doch geschworen hatte.
    Er suchte Ware. Sie waren in der Überzahl. Viel zu viel. Er sagte viel zu viel. Seine Trauer verschwand hinter der Wut. Mehr Erklärungen erachtete er als überflüssig. Baldemar glaubte nicht, das Ursus ein As auf seine Geschichte gab.

  • "Ein Händler hat Dich einfach gefangen genommen?" Illegale Sklavenbeschaffung, wie es aussah. "Wo hast Du Dich zu dem Zeitpunkt aufgehalten?" Ursus interessierte sich sehr wohl dafür, zumindest bis zu einem gewissen Grad. Sie betraten den Exerzierplatz, ein Platz, der in etwa noch einmal so groß war wie das gesamte Lager. Das war auch nötig, denn viele Männer trainierten hier, die meisten in Gruppen unter Anleitung ihres Centurios. Man konnte Schwertkämpfer sehen, die den Einzelkampf übten, Männer, die Speere warfen, und Formationen, die aufeinander prallten und den Zusammenhalt und das gegenseitige Decken trainierten. Andere übten die Schildkröte und mußten es ertragen, daß ihr Centurio über ihre Schilde lief oder andere Männer sich gegen die Schilde warfen, um die Formation aufzubrechen. Wieder andere probten das Marschieren, Formationswechsel, während die nächsten einfach Lauftraining absolvierten.

  • Ja. Baldemars Körper spannte sich an. Seltsamerweise fragte Ursus immer weiter. Der Germane stutzte. Doch er war ehrlich als er eine Antwort gab. In der Gaue. Wir waren auf dem Weg zu ihren Eltern. Da der Mann die Frau mit sich in sein Dorf nahm, war er ihre ganze Familie gewesen. Das hatte er gut machen wollen. Das Ergebnis aber war fatal gewesen.
    Sie betraten den riesigen Platz. Baldemar blieb stehen. Die Augen prüften das Geschehen. Nur für einen Augenblick würde man seine Anerkennung sehen. Krieger. Wie lange war es her? Drei Jahre doch schon mindestens.
    Es war hartes Training was er sah. Hier und da einen Fehler. Aber auch Strafen für diejenigen die sie begannen. Am Ende besah er sich die Formationen, die den Kampf übten. Seine linker Arm bewegte sich minimal. Es war ein kleiner Ruck. In dem Moment, da er eine Lücke sah. Doch der Soldat tat es nicht. Offenbar lernte man hier aus Schmerzen. Die Augen verengten sich.
    Ein großer Platz, kommentierte er seine Gedanken. Es wurde nicht dem gerecht, was in ihm geschah. Etwas fehlte. Gute Truppe.
    Er presste es hervor, als würde es schmerzen, dies auszusprechen.

  • Auf dem Weg zu ihren Eltern. Ein Verwandtenbesuch, der fatal endete. Wenigstens waren sie zusammen geblieben. Aber das war natürlich ein schwacher Trost. "Geschieht so etwas häufiger in eurer Gaue? Oder war das ein Ausnahmefall? Kennst Du den Namen des Händlers?" Ursus konnte nicht anders, er mußte weiterfragen. Wenn da jemand systematisch Gefangene machte, um sie zu verkaufen, dann mußte das unterbunden werden.


    Der Anblick des Exerzierplatzes schien Baldemar nun doch zu beeindrucken. Ursus beobachtete ihn genau. Sah das Zucken, sah ein zusammenkneifen der Augen, sah aber auch kurz Bewunderung. Und dann ein Lob aus diesem stets verachtenden Mund: gute Truppe. "Ja, sie sind eine gute Truppe. Baldemar, Du bist ein Krieger, nicht wahr? Meine Frau nennt Dich ihren Leibwächter. Doch mit wem trainierst Du Deine Kampfesfertigkeiten?"

  • Mit Unverständnis sah Baldemar zu Ursus. Nein. Dann wäre ich niemals unterwegs gewesen. Ein Grummeln begleitete diese Worte. Ismar. Ein Bastard. Fast hätte er ausgespuckt bei diesem Namen. Ein bitteres Grinsen zeigte, das dieser Händler ihn nicht hatte brechen können. Aber er zuckte auch mit den Schultern. Denn sicher sein konnte er sich nicht, das sie eine Ausnahme waren.


    Nun fixierte er die Augen des Römers. Ja, ein Krieger. Sie nannte ihn Leibwächter? Ein Knurren machte sein Missfallen deutlich. Ja, das bin ich.
    Die Anspannung wurde weniger. Baldemars Blick wurde zunehmend gelassener. Es kamen Themen, die ihn weniger in die Ferne trugen.
    Mit Bäumen, Wänden und Schatten. Es klang ein wenig bitter. Doch der Germane war eh meist ein Alleingänger. Früher war dies anders.

  • Ismar. Vermutlich ein gewöhnlicher Name. Es war unwahrscheinlich, daß der Bursche zu fassen war. Doch Ursus nahm sich vor, später aufzuschreiben, was er von ihm wußte: Ein Bastard, also wohl halb Germane, halb Römer. Ein Händler und war im Marsergebiet unterwegs gewesen. Viel zu vage, aber man konnte nie wissen.


    "Warum trainierst Du nicht mit Cimon? Das läge doch nahe? Versteht ihr euch nicht?" Ursus hatte nach Cimons Äußerungen zwar nicht das Gefühl, daß es Schwierigkeiten zwischen den beiden Männern gab, aber man konnte ja nie wissen. Cimon sagte auch immer erst etwas, wenn er es wirklich nicht allein schaffte, die Angelegenheit zu klären.

  • Er sah, wie Ursus nachzudenken schien. Doch zu sagen hatte er nicht viel mehr. Seine Geschichte hielt er einfach für unwichtig. Zumindest aus der Sicht eines Römers. Baldemar ahnte ja nicht, worüber Ursus nachdachte.
    Überrascht sah der Germane zur Seite. Seine Schultern zuckten. Das läge sehr nahe, ja. Wir sind nie auf die Idee gekommen. Baldemars Stimme wurde zunehmend neutraler und verlor den knurrenden Unterton. Diesen hatte er sich in der Gegenwart von Ursus bereits angewöhnt gehabt.
    Seine Augen besahen sich erneut die Soldaten. Dabei untersuchte er die Situation für sich. Warum fragst du? Kein Brummeln. Kein Schnalzen. Nur eine ruhige Frage. Aus irgendeinem Grund wollte der Germane verstehen, warum der Römer dies tat.

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