Triclinium | Convivium Suspectum

  • Sextus beschränkte sich bei den meisten Gesprächen aufs Zuhören und Lernen. Er konnte beredt und charmant sein, wenn er wollte, aber zuhören lag eher in seiner Natur. Und nach wie vor hatte er nur wenig Ansatzpunkte, wann er sich bei einem seichteren Gesprächsthema einbringen und etwas beisteuern konnte. Bei Dingen, die mit dem aktuellen Tagesgeschehen im Senat zu tun hatten, hielt er vorsorglich den Mund oder stellte hier und da nur eine kleinere Zwischenfrage zum näheren Verständnis. Insgesamt aber beschränkte er sich darauf, keinen schlechten Eindruck zu hinterlassen und sich nicht zu weit aus dem Fenster zu lehnen.


    Als dann der Purgitier und der Claudier sich verabschiedeten, wollte Sextus sich bereits ebenfalls zurückziehen in der Annahme, dies sei der allgemeine Aufbruch nach Hause. Doch weit gefehlt. Sein Patron, eben noch leichtherzig charmant, wurde mit einem Mal sehr ernst und bat alle anderen, noch zu bleiben. Mehr noch, er Rang ihnen ein Versprechen um Verschwiegenheit ab.
    “Selbstverständlich, mein Patron“, meinte Sextus schlicht und setzte sich. Was immer jetzt kommen mochte, er würde diesen Raum sicherlich nicht verlassen. Denn wenn es Gefahren barg, hieß das gleichzeitig, dass es auf die ein oder andere Art und Weise lukrativ wäre. Niemand stürzte sich aus lauter Menschenliebe in Gefahren, zumindest niemand mit einem Restfünkchen Verstand.
    Sextus sammelte Informationen, wie sein Vetter Orchideen gesammelt hatte: Er hegte, pflegte und kultivierte sie, bis der richtige Moment gekommen war, sie in voller Blüte zu erleben und als Teil eines Meisterwerkes zu präsentieren. Wie hätte er da jetzt gehen können, wo sein Patron ihm so bereitwillig zu vertrauen schien, dass er heikle Informationen freimütig mit ihm teilen wollte?

  • In Gedanken weilte Gracchus bereits halb zuhause als die lockere Aufbruchsstimmung in eine schwere Ernsthaftigkeit umschlug, und Durus die noch verbliebenen Anwesenden aufforderte, neuerlich Platz zu nehmen, wiewohl einen Schwur der Verschwiegenheit zu leisten. Einen kurzen Augenblick lang stieg Gracchus' Braue ob dieser konspirativen Ankündigung marginal empor, währenddessen er suchte, die Worte des Tiberiers einzuordnen, gleichwohl kaum nur konnte einschätzen, worüber der Gastgeber dies Stillschweigen forderte.
    "Ich gelobe ebenfalls über die na'hfolgenden Worte zu schweigen."
    Da Durus nicht auf mehr hatte insistiert, erübrigte es sich, weitere Verpflichtungen auszuschlagen, so dass Gracchus sich wortlos auf die Kline ließ zurück senken.

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  • Zitat

    Original von Manius Tiberius Durus
    "Macer, ich weiß, dass der Wahlkampf für das Consulat verlangt, jeden Morgen früh auf zu sein, daher will ich mich zuerst von Dir verabschieden!"


    Er drückte die Hand des Purgitiers fest.


    "Grüße Albina schön von mir! Mein Sklave wird dir hinausleuchten!"


    "Sehr rücksichtsvoll von dir, auf die Anstrengungen eines Wahlkampfes Rücksicht zu nehmen", lächelte Macer. "Die Grüße an Albina werde ich ausrichten. Ich danke dir für deine Einladung und den äußerst gelungenen Abend." Dann verabschiedete er sich noch kurz von seinen Klienten, die er sicher bald wieder sehen würde und verließ den Raum. Den Sklaven als Begleitung hätte er eigentlich nicht benötigt, da er auch selber einen dabei hatte, aber er wollte ihn auch nicht ablehnen.

  • Die Worte seiner Gäste waren nicht ganz so, wie Durus es sich erhofft hatte: Alles wirkte doch recht zögerlich und nicht alle schienen sich völlig sicher, ob sie hier richtig waren. Avianus schien bereits voller Sorge um seine Familie, Modestus...Durus fragte sich plötzlich, warum er sich eigentlich so sicher war, dass der Annaeer geeignet für sein Vorhaben war! Aber nun war es wohl zu spät! Lucianus, Lupus und Gracchus bestätigten ebenfalls, ohne große Worte. Damit hatten alle eingewilligt, aber dennoch ging der alte Tiberier auf Nummer Sicher und bekräftigte seine Ankündigung erneut:


    "Möge Iuppiter jeden, der diesen Eid bricht, mit seinem Blitz erschlagen."


    Einen Augenblick ließ er diese Worte wirken, dann nahm er selbst Platz und atmete tief durch.


    "Der heutige Disput hat bereits deutlich gemacht, in welcher Gefahr unser Staat schwebt. Ich habe bereits mit manchem von euch über diese Angelegenheit gesprochen, ebenso lange darüber sinniert und die Sitten unserer Vorväter studiert, was eine solche Situation anbelangt.


    Es liegt auf der Hand, dass Potitus Vescularius Salinator nicht nur eine Gefahr für die persönlichen Interessen mancher Privatmänner ist, sondern die Pax Deorum selbst gefährdet! Er tritt die Mores Maiorum mit Füßen: Nur seine Günstlinge unterstützt er und schließt Tauschgeschäfte, anstatt die besten Männer in die Verantwortung zu ziehen! Er übertritt unsere Gesetze, indem er sich mit bewaffneten Barbaren umgibt, selbst innerhalb des Pomerium! Er beleidigt den Senat, wo er kann, und übergeht ihn als den entscheidenden Hort von Erfahrung um die Lenkung des Staates ohne mit der Wimper zu zucken! Aber ich denke, ihr alle kennt zu Genüge Beispiele für sein Verhalten!


    Lange habe ich zugesehen bei seinem Treiben, von ihm, der stets nur an seinen Vorteil denkt und sich bereichert, wo er kann! Oftmals habe ich mich beruhigt mit dem Gedanken, dass er der Erwählte des Kaisers, des Sohnes des Divus Iulianus ist, der das Imperium so lange und so gut gelenkt hat!


    Doch inzwischen bin ich mir sicher, dass jeder Tag, an dem wir untätig hier sitzen und die Zerstörung des Roms teilnahmslos betrachten - die Zerstörung unseres Vaterlandes, das Romulus einst gegründet, das unsere Ahnen im Schweiße ihres Angesichts erbaut und verteidigt haben, dieser Stadt, der Iuppiter selbst den Auftrag gab, die Welt zu beherrschen und zum Guten zu führen - das Gift Salinators nur immer tiefer in das Fleisch unseres Staates dringen lässt! Warten wir zu lange, wird Rom zweifellos untergehen in der grenzenlosen Gier dieses Mannes!


    Ihr mögt sagen: Valerianus vertraut ihm! Der rechtmäßige Imperator Caesar Augustus hat ihn eingesetzt und immer wieder bestätigt!
    Doch ich sage euch: Ich bin Valerianus gegenüber getreten. Er ist schwach und steht lediglich unter dem Bann des bösen Geistes Vescularius! Wie sich ein Dämon des Geistes eines guten Mannes bemächtigt, so bemächtigte er sich offensichtlich dem großen Krieger und erwählten Sohnes von Iulianus! Seine Krankheit mag dies entschuldigen, doch darf der Staat nicht darüber untergehen!
    Furianus und ich, wir gaben uns alle Mühe, ihn zur Vernunft zu führen, flehten ihn an, dem Senat, dem sein Vater und all die Kaiser vor ihm vollstes Vertrauen schenkten, seinerseits zu vertrauen und seinen Rat zu hören! Doch er speiste uns mit leeren Worten ab, denen keine Taten folgten!


    Senatoren, ich sehe nur eine Möglichkeit, diese ungeheuerliche Bedrohung von Rom abzuwenden: Wir müssen Vescularius Salinator beseitigen! Valerianus wird, solange er den Einflüsterungen dieses Mannes erlegen ist, seine Aufgabe niemals dem Spruch der Götter nach wahrnehmen!
    Es gibt nur diesen einen Ausweg, ihn zur Vernunft zu bringen!


    Man könnte sagen: Dies ist Hochverrat! Doch ich sage euch: Was sagt der Paragraph über den Hochverrat? - 'Es handelt hochverräterisch wer sich und Teile des Imperium Romanum der Herrschaft des herrschenden Imperator Caesar Augustus entzieht'! Potitus Vescularius Salinator ist ein Hochverräter, denn er lullt Valerianus ein, beraubt ihn seiner Kraft und entzieht ihm die Herrschaft über das Reich! Er muss sterben, wie es das Gesetz des göttlichen Iulianus verlangt!"


    Erneut sah Durus von einem zum andern. Er hoffte, dass seine Worte ihre Wirkung nicht verfehlt hatten. Selten hatte der Tiberier mit so viel Herzblut gesprochen, denn was er geäußert hatte, war seine tiefste Überzeugung (obwohl er eigentlich weiter gegangen wäre, denn nicht nur der Ast Salinator, sondern der ganze Baum Valerianus war faul und gehörte ausgerissen - aber dafür war sein Publikum möglicherweise noch nicht bereit).

  • Modestus schwieg und starrt während der Rede von Manius Tiberius Durus ein Loch in die Luft. Seine Gesicht war eine regungslose Maske, die heftigen Gedankengängen zeugte.
    Vescularius Salinator beseitigen? Damit meinte Tiberius Durus wohl Mord. Dies allein zu bewerkstelligen war schon keine einfache Angelgenheit. Von den Bemühungen die notwendig, um den Zorn des Princeps entfliehen ganz zu schweigen. Valerianus würde den Mord an Salinator niemals hinnehmen können. Das würde ein offenes Zeichen der Schwäche bedeuten und Usurpatoren auf den Plan rufen. Er würde graußame Rache üben müssen und selbst ohne seine rechte Hand würde er dennoch über willfährige Diener verfügen. Etwa einer der Praetorianerpraefecten, die sich wohl zurecht die Hoffnung machen konnten Salinators Posten als Stellvertreter des Kaisers zu übernehmen.
    Nein, so würde er sich an dieser Sache niemals beteiligen. Es würde womöglich dem Reich zum Wohle gereichen, doch es war mit ziemlicher Sicherheit sein eigener Untergang. Zumal kein persönlicher Gewinn involviert war. Außerdem konnte es seinen Vetter, selbst wenn dieser nicht in die Sache involviert wäre, vermutlich nicht nur seinen Posten kosten. Eine ... politische Lösung schien im begehrenswerter. Er hatte über die Zeit Material über den Vescularier gesammelt und wenn man sich anstrengte gab es sicher noch mehr.
    Doch womöglich hatte der Tiberier noch weitere Ideen. Vielleicht gab es noch mehr. Modestus Augen blickten nun nicht mehr ins Leere, sondern sahen nun in schnellen und hastigen Blicken die anderen Anwesenden an. Er wollte ihnen den Eindruck von Nervosität vermitteln.

  • Ich hörte Durus Worte und musste gestehen, dass ich ihn nicht so eingeschätzt hätte, diese so direkt zu sprechen...... ich war beeindruckt.


    Doch es war auch gefährlich, was er tat, nicht alles der Männer die hier sassen waren mir so bekannt, als dass ich für sie meine Hand ins Feuer legen würde.


    Ich beobachtete eine Zeit, wie die Männer reagierten, bevor ich selbst etwas sagte.....


    "Nun, Consular und Mitsenatoren...... ich muss gestehen, dass ich mit so offenen Worten nicht gerechnet hatte und Senator Tiberius wagt sich da auf ein gefährliches Terrrain...... doch hier und heute stelle ich mich hinter ihn und sage: Er hat Recht...... es ist an der Zeit dass der Senat was unternimmt und wenn der Senat als Ganzes nicht fähig ist, müssen eben einige wenige die Sache in die Hand nehmen!"

  • "Es ist dir, Tiberius Durus, und euch anderen wohl hoffentlich klar, dass dies trotz der schönen Worte und der Rethorik nichts anderes als Hochverrat für den Princeps sein wird. Und er wird, nein er muss vielmehr graußame Rache üben, um seine Position nach so einem Schlag auf seine Autorität wieder zu stärken. Und er verfügt über genügend willfährige Männer in Schwarz um diese Rache auszuführen. Gegen uns alle. Eine solche Aktion kann jeden Mann in diesem Raum das Leben kosten. Von unseren Familien und Verwandten ganz zu schweigen. Und ohne das wir dabei etwas an der Sachlage ändern. Dann ist der neue Stellvertreter des Kaisers eben Praefectus Praetorii und heißt nicht Potitius Vescularius Salinator. Nur diesmal muss er nicht erst einige Senatoren aus dem Senat ausschließen, um Platz für seine Klienten zu machen. Eine politische Lösung scheint mir angebrachter! So weiß ich von diversen Verfehlungen des Praefectus Urbi, die der öffentlichkeit Unbekannt sind. Manche davon auch gegen das Kaiserhaus selbst. Sollten wir genügend Material anhäufen können, wäre es durchaus möglich dafür zu sorgen, dass Potitius Vescularius Salinator in Ungnade fällt!"


    erklärte Modestus nun, denn er wollte den Vescularier seit Jahr und Tag entfernt haben. Womöglich musste der neue Stellvertreter des Kaiser nichteinmal Praefectus Praetorio sein. Vielleicht auch Procurator a libellis ... aber ein Mordkomplott? Schon andere Männer hatten sich an an soetwas die Finger verbrannt.

  • Avianus stockte, während Durus seinen düsteren Plan vortrug. Nicht nur, dass er stockte - seine Augen weiteten sich vor Schreck, hätte er doch nie damit gerechnet, dass gerade Durus einen solchen Plan ausheckte. Sicher, auch Avianus hasste Salinator wie die Pest, und sicher, er sollte von seinem Posten weg. Doch ihn einfach umzubringen? Dies mochte sicherlich ein würdiges Schicksal für einen Mann dieses Kalibers haben, doch wäre Avianus nie selbst auf die Idee gekommen und hätte auch nie damit gerechnet, dass dies Durus tun würde.
    Noch bevor der ehemalige Consul ausgesprochen hatte, konnte man Avianus dabei beobachten, wie es in seinem Gehirn arbeitete. Er schien kurz abwesend. Oft musste er abwägen, was er tun wollte, was das Bessere war und wie er an die Dinge heranging. Doch dies hier war eine Entscheidung höchsten Ausmaßes. Eine Entscheidung, die sie vom Jock des Vesculariers befreien konnte, oder alle Männer und vielleicht sogar deren Familien, allen das Leben kosten konnte. Ein Mordkomplott gegen einen der mächtigsten Männer Roms war etwas höchst Gefährliches. Wie wollte man überhaupt an ihn herankommen?!


    Die Zweifel in ihm waren da und die äußerte er auch mit zweifelnder Stimme: "Tiberius, bist Du Dir wirklich bewusst, dass ein Mordanschlag auf den beinahe mächtigsten Mann Roms uns und vielleicht auch unseren Familien das Leben kosten kann? Ich bin auf Deiner Seite, was das Fakt anbelangt, dass Salinator gestürzt werden muss, bevor er das Imperium entscheidend schwächt oder schlimmer." Avianus hatte keine Angst vor dem Tod, er hatte ihn dafür schon zu oft gesehen, bei seinem Vater, in Germanien, in Rom überhaupt. Würde er sterben, würde er sich nur dem Kreislauf des Lebens und Sterbens fügen, der letzten Endes die Zeitgeschichte immer dominierte und dominieren wird.
    "Doch selbst wenn: Wie sollen wir überhaupt an ihn herankommen?"

  • "Annaeus Modestus....... solch Verfehlungen sind sicher hilfreich..... doch sage mir, WER sollte sie publik machen? DU? Möchtest du derjenige sein, der den Praefecten öffentlich anprangert und beleidigt.
    Er wird Rache nehmen an dir und deiner Famile..... wir wissen, wie er vorgeht..... du ebenso gut, wie wir, wir alle sitzen im Senat und müssen uns täglich seiner Willkür und Machtgier hingeben.


    Ich sehe deine Absichten und heisse sie gut, doch ich bezweifle, dass such auf diese Weise irgendetwas ändern wird."

  • Es war ein hochinteressantes Gefühl, sich nicht schlüssig zu sein, ob man wirklich hören wollte, was man hörte. Entweder hatte sein Patron einen Plan, den er nicht ausbreiten wollte, ehe er die ersten Reaktionen gehört hatte, oder aber er war wahnsinnig. Salinator umbringen, das klang sehr einfach. Aber das würde es ganz sicher nicht werden, denn es war ja nicht damit getan, den Glatzkopf abzustechen. Vielmehr benötigte man einen Plan, der nicht nur zum Tod Salinators führte, sondern das eigene Überleben auch beinhaltete. Denn dieses hatte für Sextus eine eindeutige Priorität. Wer tot war, konnte keine Macht ausüben. Und Sextus wollte Macht ausüben. Ob seine lieben Verwandten dabei über die Klinge sprangen, war ihm sogar recht herzlich egal. Nur ihm selbst konnte diese Sache auf den ersten Blick nur schaden.
    Auf der anderen Seite war Sextus froh, das hier nun zu hören, ebenso wie die Meinungen der Senatoren dazu. Es war immer besser, informiert zu sein und zu wissen, was vonstatten ging, als hinterher von etwas überrascht zu werden. Er hasste Überraschungen, sie brachten gut gewählte Überlegungen zunichte. Und von einem Mordkomplott seines eigenen Patrons am Praefectus Urbi wusste er ganz definitiv lieber vorher als hinterher Bescheid, um es in seine Planungen in jeglicher Weise mit einzubinden. Vor allem in eben jene, die seine eigene Stellung und sein Überleben sicherten.


    Der Annaer schien von dem Vorschlag auch nicht angetan. Avianus sorgte sich wiederum um die Familie. Der Vinicier hingegen schien mit dem Messer schnell bei der Hand zu sein und stimmte seinem Patron zu.
    Schwierige Sache, das ganze, und Sextus wusste auch nicht, ob er etwas sagen sollte. Da war auf der einen Seite sein Patron, der sicher ein wenig Treue erwarten konnte. Was nicht hieß, dass Sextus vorhatte, sich in die Klinge zu werfen, die für den Tiberier nach dieser Aktion ganz sicher bestimmt sein würde. Auf der anderen Seite war da sein Vetter, der sicher auch nützlich wäre und mit dem Sextus es sich auch nicht verderben wollte. Was nicht hieß, dass er Avianus auch nur irgendwann nach dem Maul reden würde. Er hatte durchaus eigenen verstand, den er auch reichlich einsetzte.
    “Ich weiß, als Jüngster in dieser Runde, steht es mir sicher nicht zu, etwas einzuwerfen. Dennoch stelle ich die Frage, was sein würde, wenn es uns tatsächlich gelänge? Ich muss Senator Annaeus recht geben, dass damit noch nichts gewonnen wäre.“
    Sie bräuchten zumindest militärischen Rückhalt, um Racheaktionen auszuschließen. Und selbst mit solchen wäre das Unterfangen selbstmörderisch. Kurz fragte sich Sextus, ob das auch der eigentliche Grund war, weshalb Avianus und er hier am Tisch saßen. Ursus hatte ja eine Legion unter sich. Doch eine allein reichte seiner Meinung für einen Akt dieser Größe nicht aus.
    Darüber hinaus sah Sextus auch nicht, was ihm diese Tat an Gewinn brächte. Und er war ganz sicher nicht so nobel, etwas nur zu tun, weil es richtig oder wichtig war. Ihm war es egal, wie richtig und notwendig eine Tat war, solange sie ihm keinen persönlichen Gewinn brachte. Eine Söldnerseele machte das Leben mitunter sehr einfach.

  • "Publik machen, Vinicius Lucianus? Man merkt dir an, dass du mehr ein Militär als ein Politiker bist. Natürlich soll sich niemand auf die Rostra stellen und diese Sachen verkünden. Das würde sie nur unglaubwürdig machen. Aber selbst wenn wir so vorgehen wollten, was nicht meine Intention ist, wäre das wer kein Problem. Marcus Decimus Livianus hat Vescularius Salinator schon in der Vergangenheit angegriffen und wird sicherlich jede Information die man ihm zuspielt dazu nutzen den Vescularier zu schaden."


    entgegnete Modestus dem Vinicier nach dessen Einwand.


    "Sollten wir wirklich belastendes Materiall sammeln, dann müssen wir es unter das Volk bringen. Gerüchte und Schmierereien. Ist es erst in jedem Mund und steht es erst an jeder Mauer Roms, dass Vescularius Salionator Caius Aelius Archias ermordet hat, um selbst Kaiser zu werden, dann bin ich mir sicher, dass Valerianus handeln wird. Vielleicht nicht gleich, aber es ist unausweichlich. Und wenn seine Praetorianer dann die Gerüchte untersuchen, müssen sie natürlich auch genügend Dreck finden, wofür wir unter anderem auch sorgen müssen. Aber so wird der Kaiser sie viel ernster nehmen, als wenn wir sie ihm selbst auf dem Silbertablett servieren. Es gibt viele gute Möglichkeiten für eine politische Lösung. Sollte die Intention Salinators selbst Kaiser zu werden wahr und nicht nur hohles Geschwätz sein könnten wir ihn darin bestärken und die Sache vorantreiben. Zu einem günstigen Zeitpunkt liese sich dies dann dem Princeps offenbaren, sodass die beiden unweigerlich entzweit wären. Valerianus selbst würde Salinator für uns beseitigen und wir stünden sogar noch als treue Anhänger und nicht als Mörder seines engsten Vertrauten da."

  • Die Reaktionen der anderen waren absehbar gewesen: Viele zögerten, prinzipiell fand er weitgehend Zustimmung. Besonders dankbar blickte der alte Tiberier zu Lucianus, der sich klar hinter ihn stellte und seinen Standpunkt verteidigte. Eigentlich sprach sich nur Modestus klar gegen eine solche Lösung aus - alles in allem eine überaus erfolgreiche Bilanz für den Inhalt dieser Rede!


    "Ich verstehe eure Unsicherheit."


    Zuerst sah er zu Modestus, der als erster Einwände geäußert hatte. Zwar hatte bereits der Vinicier etwas dazu gesagt, allerdings wollte auch Durus noch etwas dazu sagen:


    "Auch ich würde eine politische Lösung vorziehen. Aber sind wir ehrlich: Die Cohortes Urbanae stehen unter Kontrolle Salinators, er wird einen solchen Rufmord nicht ungestraft lassen. Und man muss nicht besonders gerissen sein, um zu ahnen, wer hinter einer solchen Kampagne steckt. Das Problem ist: Salinator genießt das uneingeschränkte Vertrauen des Kaiers! Wir haben ihn bereits vor dem Vescularier gewarnt, aber er hat unsere Warnungen in den Wind geschlagen!"


    Dann ging er weiter zu Avianus, der sich offenbar um seine Familie und wohl auch sich selbst sorgte - ein berechtigter Einwand!


    "Natürlich bin ich mir vollstens bewusst, welch einer Gefahr ich uns allen aussetze. Daher steht es jedem frei, jetzt nach Hause zu gehen und vorzugeben, von nichts gewusst zu haben. Ihm wird nichts nachzuweisen sein!


    Wer allerdings bereit ist, sein Leben zu opfern für das Wohl der Res Publica, der sei herzlich eingeladen. Wie das Schwert des Damokles wird auch das des Praefectus Urbi über unserer Unternehmung schweben.


    Allerdings sollte es natürlich nicht darauf hinauslaufen. Ich habe noch keinen konkreten Plan, aber ich denke, dass es nicht allzu schwierig sein dürfte, Vescularius zu töten. Die Frage, was danach geschehen soll, ist allerdings ebenfalls berechtigt. Ich sehe verschiedene Alternativen:


    Wir könnten Valerianus nach dem Tod Salinators zur Zusammenarbeit mit uns zwingen. Wir müssten die Prätorianer auf unsere Seite ziehen und über sie Druck auf ihn ausüben. Ich denke, dass es uns durchaus gelingen könnte, Rom unter Kontrolle zu bringen, denn der Kaiser hat wenige Kontakte zum Senat oder zu anderen Machtfaktoren in der Hauptstadt. Vielleicht könnten wir ihm den Dolch auf die Brust setzen und ihn als Marionette kontrollieren, bis sein Sohn seine Nachfolge antreten kann. Möglicherweise kommt er aber auch einfach zur Vernunft, wenn wir die Krankheit Salinator geheilt haben.


    Eine radikalere, wenn auch leichter berechenbarere Lösung wäre es, auch Valerianus zu beseitigen. Wir müssten einen Nachfolger vorbereiten und inthronisieren, aber ich denke, mit Hilfe unserer Kontakte könnte dies gelingen. Gelänge es allerdings nicht, würden wir Rom ins Chaos eines Bürgerkriegs stürzen.


    Was immer wir tun: Es wird in jedem Falle äußerst gefährlich und gegen das Gesetz verstoßen. Aber was ist ein Gesetz wert, das mit den Mores Maiorum unvereinbar ist?


    Nein, ich bin überzeugt: Wir müssen handeln! Und wir müssen sehr sorgfältig planen und umsetzen, sonst wird Rom untergehen!"

  • Obgleich er ein wenig abwesend schien, lauschte Gracchus den Worten überaus aufmerksam, nicht nur jener Eröffnung Durus', sondern gleichwohl dem nachfolgenden Für und Wider der Gäste.
    "Wenn ein solcher Plan gefasst wird, so müssen möglichst viele Unwäg..barkeiten, möglichst viele Konsequenzen und auch einige Alternativen bedacht und vorbereitet werden, denn sich auf Wahrscheinli'hkeiten zu verlassen, wiewohl im notwendigen Augenblicke auf impulsive Entscheidungen scheint mir in diesem Falle ein wenig riskant."
    warf er nachdenklich ein, ohne sich konkret zu oder gegen den Vorschlag zu bekennen, schien ihm der Plan doch einen Anfang und eine Absicht zu enthalten, doch weder eine Seele, noch eine Perspektive.

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  • "Ich sehe Vescularius Salinator ebenfalls als Problem, aber bevor man zu solch drastischen und unüberlegten Mitteln greift sehe ich es als verpflichtend andere Wege auszureizen. So gibt es auch Zeiten in denen es angebracht ist einen Kaiser abzusetzen, aber Valerianus ist kein Caligula, der zahlreiche Senatoren beseitigen lässt. Er ist ein kranker Mann der sich auf die falschen Ratgeber stützt. Daher werde ich mich nun verabschieden meine Herren."


    erklärte Modestus und erhob sich auch sogleich, um sich noch ein letztes Mal an die Anwesenden zu wenden. Hauptsächlich zu seiner eigenen Sicherheit. Tiberius Durus hatte zwar jedem zugestanden einfach so zu gehen, aber er traute dem Tiberier auch durchaus eine Lüge zu. Natürlich waren seine wahren Motive nicht die von ihm angeführten. Aber er würde seine eigenen Pläne nun noch schneller vorantreiben müssen. Bisher hatte er eigentlich immer mit einem natürlichen Tod von Valerianus gerechnet, der ihm noch viel Zeit lassen würde.


    "Ihr könnt unbesorgt sein, was meinen Schwur angeht. Ich werde mich daran halten. Aber sollte es Bemühungen geben sich meiner zu entledigen, so werde ich mich nicht länger daran gebunden sehen. Egal ob diese Bemühungen erfolgreich sein werden oder nicht, ich werde dafür sorgen, dass in einem solchen Fall die Namen aller anwesenden Männer dem Princeps zugespielt werden. Ich wünsche noch einen schönen Abend."


    sagte Modestus und verlies ohne ein weiteres Wort das Triclinium in Richtung des Ausgangs der Villa. Er wollte dem Tiberier keine Möglichkeit für einen Anschlag noch hier in der Villa gaben. Schließlich verfügte er hier über Privatsphäre und genügend wilfährige Helfer. Und was besseres gab es um eine Gemeinschaft zu verbinden als einen gemeinschaftlichen Mod? Wenn sie schon den Kaiser und seine rechte Hand meucheln wollten, dann war ein toter Senator für sie wohl auch nichts aufregendes mehr. Glücklicherweiße war die Villa Tiberia auf dem Esquilin und ein guter Teil der Sicarii auf dem Esquilin waren seine Männer. Sobald er sich auf der Straße befand war er in Sicherheit. Beschützt von den dunklen Gestalten, vor welchen andere Männer normalerweiße beschützt werden mussten.

  • Auch Gracchus schien ein wenig abwartend. Seine Worte machten nicht wirklich klar, auf welcher Seite er zu stehen vorhatte. Allerdings schien er doch auf die Seite der 'Verschwörung' zu tendieren und lediglich eine gute Vorbereitung anzuraten.


    Ganz anders Modestus: Er sagte sich nun doch endlich los. Und natürlich stand der alte Tiberier zu seinem Wort. Vor der Tür würde ein Sklave warten, der Modestus gänzlich unversehrt aus der Villa geleiten würde (zumal er nicht wusste, was im Triclinium vor sich gegangen war). Auch auf dem Heimweg würde ihn niemand mehr behelligen.


    "Das müssen wir respektieren. Vale!"


    sandte Durus ihm noch hinterher, dann sprach er zu den verbliebenen Senatoren.


    "Ich kann niemanden davon abhalten, dieses Gespräch zu verlassen. Sollte also noch jemand gehen wollen - auch ihn werde ich nicht abhalten. Alle verbliebenen bitte ich nun jedoch darum, ihre Ansichten vorzutragen: Welcher Weg erscheint euch am erfolgversprechensten?"

  • Etwas überraschend aber auch bedenklich fand ich den Abgang des Annaeus schon...... doch nun liess sich daran nichts mehr ändern..... solange er sich dann denn einfach aus den Plänen heraushalten würde, sollte dies kein Problem darstellen. Wenn er aber einer dieser schleimigen Arschkriecher war, die gleich versuchten eine solche Situation zu seinen eigenen Gunsten auszunutzen hatten wir alle ein Problem.


    "Nun, wie schon gesagt, stehe ich hinter der Meinung Durus...... die Frage ist nur wie, wann und was passiert danach....... ich meine ich habe viele Verbindungen vor allem militärischer Natur, die Kommandanten der Classis Misenensis und der Prima in Mantua sind meine Klienten...... mein Bruder ist Statthalter in Germania und Herr über nicht wenige Legionen, zu denen ich selbst auch allesamt noch gute Verbindungen Pflege..... ABER ich warne davor, diese einzusetzen..... ihr wisst alle, wohin uns das in der Vergangenheit immer wider geführt hat."

  • Den vorangehenden Überlegungen folgend wollte Gracchus einwenden, dass auch ein Dahinscheiden des Vescularius im ungünstigen Falle ein Machtvakuum würde schaffen, welches wenn auch nicht zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen, doch zu einem erbitterten Kampf im Senat würde führen können, welcher allfällig nicht nur mit Worten würde geführt werden, so dies nicht in ausreichendem Maße vorbereitet war. Doch nach dem Abschied des Annaeus - welcher gar etwas Bedrohliches an sich hatte -, der Aufforderung Tiberius' und der Auflistung militärischer Möglichkeiten Vinicius' dämmerte Gracchus allmählich, dass um ihn herum bereits etwas im Gange war, dessen Beginn er hatte verpasst, dass die Überlegungen das ob und weil bereits hatten hinter sich gelassen und bei der Realisierung des wie waren angelangt. Ob dessen richtete er sich auf und sein Wort an Durus.
    "Ich muss gestehen, dass mich das Stadium der geäußerten Überlegungen ein wenig überrascht, wiewohl ich der Ansi'ht bin, dass eine Entscheidung über eine mögliche Partizipation an dieser Angelegenheit ob der weitreichenden, möglichen Konse..quenzen - über deren Ausmaß ich mir derzeit ebenfalls noch unschlüssig bin - nicht vorschnell gefällt werden sollte - insbesondere nicht nach solch einem reichhaltigen Mahl."
    Ein schmales Lächeln folgte diesen Worten, ehedem er sich an alle noch anwesenden wandte.
    "Ob dessen werde ich ebenfalls aufbrechen und eingedenk all jener Worte, welche diesbezüglich gefallen sind, über diese Angelegenheit na'hdenken. Wie auch immer meine Entscheidung wird ausfallen, meines Schweigens über diesen Abend könnt ihr euch gewiss sein."
    Drohungen wie der Annaer hatte Gracchus nicht nötig, sein patrizischer Stolz trug dafür Sorge, dass sein Ehrenwort als Garant ausreichend war, wiewohl ihm das der anderen als Sicherheit genügte.
    "Ich danke dir für das delikate Mahl, Tiberius, und werde dir dereinst meinen Beschluss mitteilen. Valete!"
    Gänzlich ohne Sorge um sein eigenes Wohl verließ Gracchus die Villa Tiberia, grübelte auf dem Weg zurück zur Villa Flavia über den zurückliegenden Abend und es dauerte nicht allzu lange, bis dass er gänzlich zwiespältig und voller Zweifel war, bis dass er sich wünschte, von all dem nichts zu wissen und gänzlich unbehelligt die Staatspolitik an sich vorüberziehen zu lassen wie bisher. Doch die Büchse der Pandora war geöffnet und so viel er auch vergaß, dies würde zweifelsohne nicht dazu gehören.

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  • Auch wenn sein Patron noch so oft betonte, dass jeder gehen könne, wenn er wolle, und ihm keine Nachteile daraus entstünden: Sextus konnte eben jenes nicht. Wenn Avianus hier blieb, hieß sein Gehen, er würde nicht hinter den Entscheidungen des momentan höchstrangigen Aureliers in der Villa stehen. Ganz abgesehen davon, dass sein Patron sich fragen konnte, wie es um die Treue seines Klienten denn nun stand.
    Um ehrlich zu sein, Sextus war moralisch flexibel genug, um einen Mord zu begehen. Das machte ihm ganz sicher nichts aus. Aber bitte einer, bei dem für ihn etwas raussprang und der auf lange Sicht keine nachteiligen Konsequenzen für ihn brachte. Dieser geplante Mord hier erfüllte beide Kriterien nicht, denn es brachte Sextus rein gar nichts, den Vescularier zu beseitigen. Er war weder sein Feind noch der einer seiner Freunde. Im Gegenteil, der Pompeius hatte noch hochtrabend erklärt, dessen Klient zu sein. Was natürlich Sextus nicht davon abgehalten hätte, ihn dennoch zu meucheln, wenn es ihm nur einen Vorteil gebracht hätte. Er würde im Gegenzug genauso verstehen, wenn Imperiosus seinen Patron zu dessen Ahnen beförderte, weil es ihm einen Vorteil brachte. Das war nichts persönliches, sondern rein geschäftlich.
    Aber das hier war absolut nicht geschäftlich. Das war noch nicht einmal annähernd lukrativ. Nein, das war einzig und allein moralisch. Rechtschaffen. Zwei Worte, die Sextus zwar gerne in Reden benutzte, um diese etwas polemischer und nicht ganz so trocken klingen zu lassen, deren Sinnhaftigkeit ihm jedoch völlig abging. Es widersprach zutiefst seiner Moral, sich an solche Konventionen zu halten, solange sie ihm schadeten. Und das taten diese hier ganz eindeutig.


    Der Annaeer war der erste, der ausstieg, und zwar ganz offen und ehrlich. Sextus konnte es ihm nicht verdenken, denn als Durus davon anfing, auch den Kaiser umzubringen und dessen Sohn als Marionette zu behalten, war der Aurelier sich sicher, dass sein Patron übergeschnappt war. Sextus hatte zwar nichts gegen Verrückte (zumindest nichts hilfreiches) und hätte auch mit einem wahnsinnigen Patron leben können. Nur diese Form des Wahnsinns fand er doch bedenklich.
    Wenn einer der anwesenden Herren eine Frau aus der eigenen Gens in der Hand gehabt hätte, der genug Vertrauen entgegen gebracht werden konnte, die Sache wäre anders gewesen. Ein junges, fruchtbares, kluges Ding, die man mit dem Caesar verheiraten konnte, die einen Sohn gebar, und die nicht der Versuchung erlag, sich in ihren Mann zu verlieben. Dann hätte eben jener überflüssig gewordene Imperatorensohn einen tragischen Unfall erleiden können, und das neue Kind wäre Imperator und den Herren hier wirklich ergeben, und niemand müsste eine spätere Rache fürchten.
    In der Gens Aurelia wäre aber allenfalls Prisca dafür geeignet. Doch diese war ja leider in diesen unsäglichen Flavier verschossen, und Sextus war sich recht sicher, dass er in dieser Runde sich keine Freunde machen würde, wenn er vorschlug, Piso als ersten Schritt umzubringen um seine Cousine für diesen Plan zu gewinnen. Sowohl Flavius Gracchus als auch sein Vetter Avianus könnten Einwände dagegen haben, und bei seinem verrückten Patron wusste er auch nicht so recht. Rechtschaffen und wahnsinnig war eine unberechenbare Kombination.


    Der Flavier war der nächste, der sich verabschiedete, wenngleich mit anderen Worten. Wiewohl der Vinicier noch militärische Unterstützung in Aussicht stellte und Durus seiner vollsten Unterstützung versicherte, bewies der Flavier durchaus politisches Geschick. So viel, dass auch Sextus seine Chance sah, das Thema hier an dieser Stelle zu verlassen, ohne seinen Patron damit vor den Kopf zu stoßen. Für den Fall, dass Avianus sich diesem Komplott tatsächlich anzuschließen gedachte, wäre Plan B ein Satz gewesen, wie 'Wenn ich die ehrenwerten Senatoren mich in dieser konspirativen Sitzung um ihre erlauchte Entschuldigung bitten darf... ich muss kacken.'
    So aber konnte Sextus sich ganz elegant aus der Affäre ziehen, ohne auf Avianus warten zu müssen – ja, er konnte seinem Vetter sogar eine goldene Brücke bauen.
    “So es mir als jüngstem Mitglied dieser Runde wahrscheinlich nicht zusteht, das zu sagen, so denke ich dennoch, dass Senator Flavius es gut erfasst hat. Da dies ohnehin noch keinen expliziten Plan beherbergt, sondern nur eine Absichtserklärung sei, denke ich, sollte man diese Runde vielleicht lösen, um allen Gelegenheit zu geben, sich über das Ausmaß und die Wirkung im Klaren zu werden.
    Mit deiner Erlaubnis, Patron, werde ich also ebenfalls zunächst nach Hause gehen und mich dort mit meinem Vetter beraten.“
    Und hoffentlich war sein Vetter noch nicht entschlossen, das hier und jetzt zu entscheiden, sondern hieß die Gelegenheit, zu gehen, willkommen.

  • Die Zusagen, die Lucianus machte, deuteten darauf hin, dass der Consular sich ebenfalls schon seine Gedanken gemacht hatte. Vor allem beruhigten sie aber: Durus war also nicht der einzige, der seine Gedankengespinste für umsetzbar hielt. Leider machten andere hingegen wieder Rückzieher. Gracchus schien es zu schnell zu gehen, sodass auch er sich verabschiedete.


    Und dann fiel ihm plötzlich sein eigener Klient in den Rücken! Ausgerechnet er, der sich hier positiv präsentieren wollte, der mit der geringsten Erfahrung von allen! Was fiel diesem jungen Burschen ein, hier anzukündigen, über die Gedanken seines Patrons zu beraten? Er hatte gefälligst zu schweigen und sich etwas dezenter aus der Affäre zu ziehen, wenn er schon nicht den Mut hatte, sich daran zu beteiligen! Eine solche Infragestellung der Gesinnung seines Patrons war jedenfalls kein besonders guter Einstand!


    So traf den jungen Aurelier ein eisiger Blick, während Durus wieder zur ganzen Runde zu sprechen begann:


    "Nun, ehrlichgesagt hatte ich damit gerechnet, dass ihr euch möglicherweise schon mit dem einen oder anderen dieser Gedanken beschäftigt hattet. Wenn ihr alle aber weitere Bedenkzeit benötigt, dann akzeptiere ich auch das. Es ist sicherlich keine leichte Entscheidung, die es hier zu treffen gilt.


    Unter diesen Umständen schlage ich vor, wir trennen uns für heute. Ich werde dann beizeiten eine weitere Einladung zu einem gemeinsamen Essen versenden. Wer dann noch Interesse an dieser Angelegenheit hat, möge kommen. Wer nicht, der möge sich entschuldigen lassen und wird nie wieder deshalb behelligt werden.


    Und solltet ihr interessiert sein, hätte ich keine Einwände dagegen, euch vorsichtig über die Meinungen anderer Senatoren und ranghoher Equites über Salinator, Valerianus und die aktuelle Situation zu erkundigen."


    Vielleicht war dies wirklich die beste Möglichkeit. Vielleicht aber auch die vertane Chance, die wankelmütigen Teilnehmer der Cena doch noch auf seine Seite zu ziehen. Aber nachdem Lupus diese Möglichkeit angeboten hatte, war dies nur noch schwerlich zu vertreten, wollte man den Topos der Wahlfreiheit weiter bedienen.

  • Ahala hatte den größten Teil des Abends in einer Art Dämmerzustand auf seiner Kline verbracht, nachdem er einen Gesichtsausdruck aufgesetzt hatte, der hoffentlich die seinem Status als bislang politisch unerfahrener Sohn des Hausherrn gebührende Mischung aus freundlicher Zurückhaltung und Interesse widerspiegelte. Eine Weile unterhielt er sich damit, unauffällig die übrigen Anwesenden zu beobachten, ihnen zuzuhören und sich mit ihren Sprech- und Argumentationsweisen vertraut zu machen, wobei er dem eigentlichen Thema, sprich der allgemeinen Einschätzung des amtierenden Praefectus Urbi, zunächst nur einen Teil seiner Aufmerksamkeit schenkte. Er nickte dann und wann, trank den einen oder anderen Schluck Wein, wobei er darauf achtete, das vatertaugliche Maß in keinster Weise zu überschreiten, und freute sich, dass von ihm als politisch absolut Unerfahrenen niemand eine Meinungsäußerung zum Thema erwartete. Als der Purgitius und der Claudius nach geraumer Zeit schließlich aufbrachen, wähnte sich Ahala bereits am Ende des offiziellen Teils und wollte gerade voller Tatendrang mit der geistigen Planung seines persönlichen Restabends beginnen, als sein Senior die restlichen Verbliebenen noch zurück hielt, um....ja, um was? Um die Ermordung des derzeit mächtigsten Mannes in Rom zu besprechen??? Durch unzählige Stunden im Kreise meist zwielichter Spiel- und sonstiger Amüsierrunden hatte Ahala sich das zu eigen gemacht, was man in späteren Jahrhunderten als Pokerface bezeichnen würde, doch bei dieser Eröffnung konnte er nur mit Mühe verhindern, dass ihm seine Gesichtszüge entgleisten. Sein Blick folgte erst dem Annaeus, als dieser, bald gefolgt von dem Flavius, den Raum verließ und ging dann ein wenig hilflos zwischen seinem Vater und den restlichen Anwesenden hin und her, kaum begreifend, was er da gerade miterlebte. Er hatte zwar nie erwartet, dass das Leben als Sohn eines Consuls besonders entspannend werden würde, aber dass dieser gerade offensichtlich eine politische Verschwörung auf allerhöchstem Niveau zu initiieren versuchte, war selbst für den meist ausgesprochen entspannten Ahala verdammt harte Kost. Ein nicht unerheblicher Teil von ihm wünschte sich jetzt mehr denn je ins beschauliche Syracusae zurück, wo er bei seiner überstürzten Abreise den einen oder anderen durchaus gewaltbereiten Gläubiger zurückgelassen hatte, trotzdem besaß er seinem Adoptiv-Vater gegenüber genug Pflichtbewusstsein und Respekt, um nach aussen so entspannt wie möglich liegen zu bleiben und die weitere Entwicklung abzuwarten.

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